Biblische Führerschaft
So, ich hoffe wir sind alle erfrischt, nach diesem Ausblick, den uns
Mose, Israel, Jethro und Zippora gegeben haben. Nun, Jethro schaute zu, wie
Mose das Volk führte und er kam zu der Überzeugung, das ist eine
Überforderung auf lange Sicht. Mose du arbeitest zu viel. Er musste nämlich
alle Rechtsfragen lösen und Jethro macht ihm den Vorschlag: Setze doch
Leute zu Richtern ein, über Tausend, über Hundert und über Zehn. Und die
sollen dir die Hauptlast abnehmen, so dass dann nur die ganz schwierigen
Rechtsentscheidungen vor dich gebracht würden. Und das hat dann Mose
tatsächlich so geregelt. Ich lese 2. Mose 18, 21: «Sieh dich aber unter dem
ganzen Volk nach tüchtigen Männern um, die Gott fürchten, Männer der
Wahrheit, die dem ungerechten Gewinn feind sind; die setze über sie als
Oberste über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, damit sie
dem Volk allezeit Recht sprechen! Alle wichtigen Sachen aber sollen sie vor
dich bringen, und alle geringen Sachen sollen sie selbst richten; so wird
es dir leichter werden, wenn sie die Bürde mit dir tragen.» Also das ist
auch wieder eine ganz entscheidende Situation. Israel wusste, was es heißt,
eine brutale Führerschaft über sich zu haben. Das haben sie mit dem Pharao
und seinen Fronvögten brutal erlebt. Nun wurden sie aber befreit aus dieser
Unterdrückung, aus dieser Sklaverei. Aber hier lernen wir, dass die
Befreiung aus brutaler Herrschaft nicht eine Hinführung ist in die
Orientierungslosigkeit, sondern sie sollten auch weiterhin Führerschaft
haben. Aber eine ganz andere Führerschaft. Es müssen gottesfürchtige Leute
sein. Es müssen Leute sein, die die Wahrheit lieben, Männer der Wahrheit.
Und es sind Leute, die ungerechten Gewinn hassen sollen, also mit Geldliebe
nichts zu tun haben wollen. Nun, so ist es auch im Neuen Testament. Die
Gemeinde ist nicht einfach Führerlos. Natürlich das Haupt der Gemeinde ist
Christus, und nicht der Papst; das ist klar. Ja das ist katholische Lehre,
der Papst ist Haupt der Kirche. Aber Kolosser 1 sagt, dass Christus das
Haupt der Kirche ist. Aber es braucht ja noch Führerschaft in einer
örtlichen Gemeinde. Und das wird z. B. in 1. Timotheus 3 beschrieben. Dort
wird erklärt wie ein Führer in einer örtlichen Gemeinde sein soll, ein
Aufseher wird er dort genannt.
Übrigens das Wort für Aufseher in 1. Timotheus 3, 2 ist das Wort
episkopos. Was nützt das, wenn wir das Wort so kennen? Das nützt schon
etwas. Von diesem Wort leitet sich unser Wort Bischof her. Dort wird also
der Bischof beschrieben. Nebenbei ist es noch interessant zu sehen, dass
das Wort Bischof, Aufseher, in Apostelgeschichte 20 verwendet wird für die
Ältesten der Gemeinde. In Apostelgeschichte 20 hat ja Paulus die Ältesten
der Gemeinde von Milet zu sich berufen und hat ihnen eine Abschiedsrede
gehalten. Und er sagt dann zu ihnen in Vers 28, dass der Heilige Geist sie
als Aufseher gesetzt hat, die Herde Gottes zu hüten. Daraus entnehmen wir,
dass ein Ältester das Gleiche ist wie ein Bischof. Bischof heißt ja eben
Aufseher, und das ist jemand, der den Überblick hat und sieht wo es
Probleme gibt, wo man helfen muss, wo man unterstützen muss und so weiter.
Aber Älteste und Bischöfe sind im Neuen Testament dieselben Personen. Und
nun wird der Bischof beschrieben in 1. Timotheus 3, wie die Führerschaft
aussehen soll. 1. Timotheus 3, 1: «Glaubwürdig ist das Wort: Wer nach einem
Aufseherdienst trachtet, der begehrt eine vortreffliche Tätigkeit. Nun muss
aber ein Aufseher untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen,
anständig, gastfreundlich, fähig zu lehren; nicht der Trunkenheit ergeben,
nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern gütig,
nicht streitsüchtig, nicht geldgierig; einer, der seinem eigenen Haus gut
vorsteht und die Kinder in Unterordnung hält mit aller Ehrbarkeit - wenn
aber jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die
Gemeinde Gottes sorgen? -, kein Neubekehrter, damit er nicht aufgeblasen
wird und in das Gericht des Teufels fällt.» Das ist also das Bischofsamt
nach dem Neuen Testament. Wer kann das werden? Ja, Paulus sagt in
Apostelgeschichte 20, 28 der Heilige Geist hat euch eingesetzt. Natürlich
hat er als Apostel auch Älteste eingesetzt, Apostelgeschichte 14, 23. In
einer Gemeinde nach der anderen hat er Älteste ausgewählt zusammen mit
Barnabas. Interessant ist, dass nicht die Gemeinde die Ältesten gewählt
hat, sondern ein Apostel. Und in Titus 1 haben wir die Parallelstelle
hierzu; da wird auch beschrieben, wie die Ältesten sein sollen und da gibt
Paulus Titus den Auftrag, in jeder Gemeinde auf Kreta Älteste anzustellen.
Also wieder mit apostolischer Autorität kommt Titus und setzt ein. Nun, wir
haben natürlich keine Apostel mehr und auch keine Abgesandte der Apostel,
aber der Heilige Geist ist immer noch da und er beruft Menschen zu diesem
Dienst.
Da kann natürlich einer kommen und sagen: Hört mal, ich habe einen Ruf
vom Heiligen Geist und jetzt soll ich… . Dann können wir sagen: Ja gut,
aber erfüllst du die Punkte von 1. Timotheus 3 und die von Titus 1? Und
erst dann können wir jemanden als Ältesten anerkennen, wenn er wesentlich
durch diese Dinge geprägt ist. Das heißt natürlich nicht, dass das
unfehlbare Leute sind, die nie versagen können, natürlich können sie das.
Aber es geht darum, was sie wesenhaft prägt, ob sie von diesen Punkten
geprägt sind. Es ist übrigens auch gut, wenn sie nicht durch die Gemeinde
gewählt werden. Und wenn sie sich so entwickeln, dass sie nicht mehr diese
Punkte erfüllen, dann muss man sie im Prinzip auch nicht mehr abwählen,
denn sie verlieren automatisch ihre moralische Autorität. Wir lesen nämlich
in 1. Thessalonicher 5, 12: «Wir bitten euch aber Brüder, dass ihr die
erkennet – oder man könnte auch übersetzen: anerkennet – die unter euch
arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen und dass ihr
sie über die Massen in Liebe achtet um ihres Werkes willen.» Also erkennen,
anerkennen, dass muss automatisch geschehen, wenn diese moralische
Autorität haben. Aber wir sehen, Gott will keine Führerschaft, die von
Härte gekennzeichnet ist oder die mit Geld Probleme hat usw. Also Gott will
eine Führerschaft, die dem Volk Gottes Mut macht, die motiviert und keine,
die unterdrückt und ihre eigenen Ziele verfolgt. Das hat Israel erlebt,
anstatt diese brutale Führerschaft eine Gott gemäße Führerschaft. Und das
ist ein Segen für das Volk. Noch einige Stellen hierzu aus Hebräer 13, wo
es nicht nur gezwungermaßen um Älteste am Ort geht, sondern auch um Solche,
die eine führende Rolle auch überörtlich hatten, einfach durch ihre
moralische Autorität.
Hebräer 13, 7: «Gedenket eurer Führer, die euch das Wort Gottes
verkündigt haben und den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmet ihren
Glauben nach». Weiter Vers 17: «Gehorcht euren Führern und seid
unterwürfig, denn sie wachen über eure Seelen, als die, die da Rechenschaft
geben sollen, auf dass sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn
dies wäre euch nicht nützlich». Übrigens ist interessant, dieser Ausdruck
im Griechischen für «sie wachen» bedeutet eigentlich «schlaflos sein». Ja,
das sind Leute, die sich hingeben, die auch bereit sind, schlaflose Nächte
zu haben. Gut, das kommt dann automatisch, aber wenn sie sich keine Mühe
geben... . Vers 24: «Grüßet alle eure Führer und alle Heiligen.» Also was
jedenfalls klar aus dem Neuen Testament hervorgeht ist, dass Gott eine
geistliche Führerschaft will. Kirchengeschichtlich ist interessant, dass im
zweiten Jahrhundert plötzlich der Bischof und der Älteste unterschieden
wurden. Da hat man in Ortsgemeinden eine Ältestenschaft gehabt und darüber
einen Bischof. Und dann hat sich das weiterentwickelt. Plötzlich wurde ein
Bischof überörtlich über mehrere Gemeinden mit Autorität versehen. Und die
Entwicklung ging weiter, so dass Bischöfe einer besonderen Stadt, wie
Alexandria, Jerusalem, Byzanz und Rom, eine besondere Vormachtstellung auch
über die überörtlichen Bischöfe bekamen. Und dann hat, 440 nach Christus,
Leo der I als Bischof von Rom das Primat über alle Bischöfe beansprucht.
Und damit war das Papsttum geboren. So ging das, ein wenig Abweichung und
noch ein bisschen und immer weiter und am Ende hat man das Papsttum. Das
war also ein schrittweises Abweichen, indem man die neutestamentliche
Vorgabe, dass Älteste und Bischöfe eins und auf die Ortsgemeinde beschränkt
sind, aufgegeben hat.
Also gut, das zur Führerschaft und ihre Bedeutung. Petrus sagt zur
Führerschaft in 1. Petrus 5, 3: «…indem ihr Vorbilder der Herde seid.» Und
wenn wir mal auf die Armeen der Welt schauen, gibt es einen Unterschied
zwischen der israelischen Armee und den anderen Armeen. Offiziere in der
Schweiz oder so sagen im Kriegsfall zu den Soldaten Geht!" Die
israelischen Offiziere sagen: Acharai! Mir nach!" Und deshalb fallen bei
den Israelis prozentual bedeutend mehr Offiziere im Krieg als in anderen
Armeen. Die sind dermaßen motivierend; Offiziere gehen voran und reißen die
ganze Truppe mit sich. Und jeder schämt sich, da nicht mitzugehen. Wenn man
so militärgeschichtlich den Sechstagekrieg analysiert, was da mitgespielt
hat zu diesem verblüffenden Sieg, den man so in der modernen
Militärgeschichte noch nie gesehen hat, dann findet man unter anderem
dieses Prinzip. Ein einzelner Gruppenführer geht voran und er hat viel
Autonomie, diese Führer können in einem großen Rahmen selber entscheiden.
Das war bei den Ägyptern nicht so. Als die im Sinai plötzlich eingekesselt
waren, da wussten sie nicht mehr, was sie tun sollten, denn es gab ja keine
Zentrale mehr, die ihnen sagte, was sie machen sollten. Die haben so ganze
Divisionen lahmgelegt. Und wenn eine kleine israelische Gruppe
abgeschnitten war, dann sagte der Offizier: Acharai!" Der entscheidet und
handelt immer noch. Und diese örtliche Flexibilität ist ganz entscheidend;
dass man keine Zentrale hat, die alles überörtlich kontrolliert, sondern
dass örtlich eine Flexibilität da ist und eben auch ein Vorbild, das sagt:
Mir nach! Wenn ein Ältester vorangeht mit Evangelisation, wenn ein Ältester
vorangeht mit dem und dem und Dinge anreißt, das motiviert die anderen und
nicht einfach nur sagt: Geht! Macht! Also das war ein kleines Plädoyer für
biblische Führerschaft.
Die Einführung des Gesetzes
Jetzt kommen wir zu 2. Mose 19. Ein ganz neuer Einschnitt: «Im dritten
Monat nach dem Auszug der Kinder Israel aus dem Land Ägypten, an diesem
selbigen Tag kamen sie in die Wüste Sinai: Sie brachen auf von Rephidim und
kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich in der Wüste; und Israel lagerte
sich daselbst dem Berg gegenüber. Und Mose stieg hinauf zu Gott; und der
HERR rief ihm vom Berg aus zu und sprach: So sollst du zum Haus Jakob
sprechen und den Kindern Israel kundtun: Ihr habt gesehen, was ich an den
Ägyptern getan habe, wie ich euch getragen auf Adlers Flügeln und euch zu
mir gebracht habe. Und nun, wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und
meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen
Völkern; denn die ganze Erde ist mein; und ihr sollt mir ein Königreich von
Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den
Kindern Israel reden sollst». Mose verkündigt das und das ganze Volk sagt
voll Enthusiasmus, in Vers 8: «Da antwortete das ganze Volk insgesamt und
sprach: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun!» Und dann kommt es
soweit, dass der Berg Sinai beginnt zu rauchen und es ist eine schwere
Wolke über dem Berg Sinai, ein Erdbeben und das ganze Volk hört ein Schofar
(Widderhorn, Hallposaune), das immer lauter wird. Mose sagte, das wird uns
unter anderem berichtet in Hebräer 12, 21: Ich bin voll Furcht und
Zittern." Und dann hören sie Gottes Stimme, die Verkündigung der Zehn
Gebote. Das markiert die Einführung des Gesetzes.
Nun müssen wir dieses Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.
Erstens: Erlösung führt nicht zu schrankenloser Freiheit. Also Gott wollte
diesem erlösten Volk Richtlinien geben. Als Gorbatschow nach seinen
Erfahrungen mit Perestroika und Glasnost nach Israel kam, hat man ihm
gesagt: Du hast etwas Ähnliches gemacht mit diesen Völkern wie Mose. Du
hast ihnen Freiheit gegeben. Aber du hast unterlassen, das zu tun, was Mose
gemacht hat: Er hat ihnen Gottes Gebote gegeben. Also wenn Völker Freiheit
bekommen, dann werden sie zügellos, dann werden sie zu Mafiosi und korrupt
und skrupellos, das kennen wir. Und wenn man nur mal eine Reise durch die
ehemalige Sowjetunion macht, dann lernt man das hautnah kennen. Also gut,
Gott will keine schrankenlose Freiheit, sondern Richtlinien. Das ist auch
für die Erlösten heute gültig, Galater 5, 13. Das ist der Brief, der
donnert gegen die Gesetzlichkeit. Und dort wird erklärt: «Denn ihr seid zur
Freiheit berufen worden, Brüder; allein gebraucht nicht die Freiheit zu
einem Anlass für das Fleisch, - Fleisch meint hier die bösartige, sündige
Natur, die uns zum Bösen drängt – sondern durch die Liebe dienet einander».
Also Freiheit ist keine Zügellosigkeit, sondern sich führen lassen durch
Gottes moralische Richtlinien. Darum, Gott gibt seinem Volk Richtlinien,
für Israel das Gesetz vom Sinai.
Nun ist wichtig, dass er das nicht der Gemeinde gegeben hat. Die Gemeinde
ist nicht unter dem Gesetz vom Sinai gestellt. Aber wir haben ein anderes
Gesetz und das wird ausgerechnet im Galaterbrief erwähnt. Die Galater
wollten ja als Christen plötzlich damit beginnen, das Gesetz Mose
einzuhalten und zwar konsequent, nicht nur neun Gebote, wie viele Christen,
die dann das Sabbatgebot wieder ein bisschen uminterpretiert haben, denn
schließlich sagt ja das Neue Testament nichts vom Sabbat, sondern vom
ersten Tag der Woche, und so wird der Sabbat dann einfach schnell zum
Sonntag umfunktioniert und dann von Beschneidung und so weiter will man ja
gar nichts wissen. Aber die Galater haben sich ganz konsequent wieder unter
das Gesetz gestellt und haben auch die Beschneidung begonnen und Paulus
geht ganz massiv dagegen vor. Es ist einer der schärfsten Briefe im Neuen
Testament und er sagt, dies ist ein anderes Evangelium. Christen dürfen
nicht unter das Gesetz vom Sinai gestellt werden. Ihr beginnt solche
jüdischen Feste zu feiern, sagt er, ich frage mich, ob meine Arbeit
vergeblich war. Und ausgerechnet in diesem Brief sagt er dann, in Galater
6, 2: «Einer trage des anderen Lasten, und also erfüllt das Gesetz des
Christus.» Was ist denn das Gesetz des Christus? Das ist nicht das Gesetz
vom Sinai. Dieser Ausdruck ist bekannt aus der rabbinischen Literatur. Nur
wer das unbedingt haben muss, im Midrasch Kohelet, also eine Auslegung zum
Buch Prediger, in Kapitel 11 Vers 8 wird erklärt: Die Thorah, die wir in
diesem Zeitalter lernen (also das Gesetz vom Sinai), kann nicht verglichen
werden mit der Thorah, die der Messias bringen wird. Und da kommt also der
Ausdruck vor «thoratho shel maschiach», das heißt, das Gesetz des Messias,
des Christus. Das kennt man aus dem Judentum und man wusste, diese Thorah,
die sie jetzt lernen, die wird einmal, wenn der Messias kommt, durch eine
andere Thorah abgelöst werden, die aber auf einer viel höheren Ebene ist.
Und nun, wo haben wir die Thorah des Christus? Im Neuen Testament! Und ganz
besonders in den Briefen der Apostel und Propheten im Neuen Testament. Und
ist die höher? Ja, natürlich!
Das Gesetz vom Sinai sagte: Du sollst nicht ehebrechen! Nun, das kann
jemand tun und trotzdem eine katastrophale Ehe führen. Aber das Neue
Testament sagt, dass ein Mann bereit sein soll für seine Frau zu sterben,
genau so wie Christus für die Gemeinde gestorben ist, letzter Abschnitt in
Epheser 5. Da wird es einem schwül, das ist ja eine ganz andere Ebene. Ja
gut, ich möchte nicht unbedingt sterben für sie, sondern ich möchte lieber
mit ihr zusammen leben, mit meiner Frau, aber ja, das ist doch ein ganz
anderer Maßstab als einfach, du sollst nicht ehebrechen. Aber es heißt auch
im Gesetz: Du sollst nicht stehlen! Im Epheserbrief heißt es: Wer gestohlen
hat stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr mit seinen Händen, auf dass
er dem Bedürftigen mitzuteilen habe. Also wir sollen nicht einfach nur den
anderen nicht bestehlen, sondern wir sollen sogar noch arbeiten, damit wir
dem anderen etwas schenken können, also denen, die etwas brauchen. Das ist
doch eine ganz andere Ebene. Und so könnte man durchgehen, Punkt für Punkt.
Und wir finden im Neuen Testament keine Gesetzlosigkeit, keine
Schrankenlosigkeit, sondern einen Anspruch, der aber von einem ganz anderen
Standpunkt ausgeht. Gott ging davon aus, dass die meisten hier aus Israel
gar nicht bekehrt waren. Und es heißt ausdrücklich in 1. Korinther 10, die
sind doch alle mit Mose ausgezogen, alle durchs Rote Meer, alle haben
Wasser getrunken aus dem Felsen, alle haben Manna gegessen und so weiter
und dann heißt es: Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein
Wohlgefallen. Die meisten waren gar nicht bekehrt.
Israel ist gewissermaßen ein Projekt, das dem Projekt Staatskirche
entspricht. Israelit wurde man durch Geburt. Da musste man nicht
wiedergeboren werden. Also das Gesetz sagt: Du sollst nicht, du sollst, du
sollst nicht. Und das weist ja schon darauf hin, dass die Leute gerade da
ein Problem haben. Und so war das Gesetz im Wesentlichen eigentlich an
nicht erneuerte Menschen gerichtet, damit sie sehen sollten, wie sie
eigentlich sind: Ehebrecher, Diebe – und man kann heute ganz elegant
stehlen, wenn man nur an das Urheberrecht denken für Software und
dergleichen. Da kann man in Kürze tausende von Franken stehlen und das geht
ganz elegant mit Kopieren, oder. Das ist leider so, dass die
Softwaregesetze viel, viel strenger sind als die für Bücher. Bücher darf
man zum Eigengebrauch kopieren, ganze Bücher. Man darf sie nur nicht
verbreiten. Das darf man bei der Software nicht. Also heute kann man ganz
elegant zum Dieb werden. Und das Gesetz sagt: Du sollst nicht stehlen, du
sollst nicht …, um zu zeigen, wo das Problem ist des Herzens. Also das
Gesetz vom Sinai sollte den Menschen einen Spiegel vorhalten. Und ich habe
hier aufgeführt drei Punkte.
- Das Gesetz sagt: Du bist sündig! Römer 3, 2: Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
- Das Gesetz sagt: Du bist unfähig, aus eigener Kraft Gottes Anforderungen zu erfüllen! Römer 8, 3 sagt, dass das Gesetz geschwächt war durch das Fleisch, durch die sündige Natur des Menschen. Das Gesetz ist gut, aber die Menschen waren nicht zu gebrauchen. Es ist so wie wenn man zu Michelangelo gesagt hätte: Ich möchte eine ganz großartige Statue. Ja, kein Problem. Was soll es sein? Nun, David bekleidet mit Harfe. Gut, kann ich auch. Welches Material? Ja, hier habe ich einen Sandhaufen mitgebracht. Nein, das ist ein Material, das kann ich nicht gebrauchen, ich brauche Stein, ich brauche Granit. Und dann tue ich alles weg, was nicht zu David gehört und was übrigbleibt, das ist dann David. Also ein Künstler kann nichts anfangen, wenn das Material nichts taugt. Und so ist es auch mit dem Gesetz. Das Gesetz konnte mit dem Menschen nichts anfangen, weil der Mensch, das Material nichts taugte. Das war das Problem. Das Gesetz sollte aber zeigen, wir sind aus einem Material, das nichts taugt durch den Sündenfall.
- Das Gesetz erklärt dem Menschen: Du brauchst einen Erlöser! Galater 3, 24 erklärt: Das Gesetz war unser Pädagoge auf Christus hin. Im Grundtext steht nicht das Wort Zuchtmeister, wie oft in Übersetzungen zu lesen ist, das klingt recht brutal, sondern es steht paidagogos dort, der Pädagoge. Das war im Altertum oft ein Sklave, der die Kinder erziehen musste. Er musste sie zur Schule bringen, er musste ihnen interessante Dinge erklären, er musste eben für Dinge in der Freizeit sorgen, ganz positiv. Und so war das Gesetz gewissermaßen die Erziehung hin auf Christus, um dem Menschen zu zeigen: Du brauchst einen Erlöser, denn in all diesen Punkten hast du ja ein Problem und brauchst Vergebung. Also das ist die Funktion des Spiegels. Israel sollte 1500 Jahre getestet werden und dann sollten sie eigentlich merken, jetzt brauchen wir Christus und zwar einen Gekreuzigten, der durch sein Opfer unsere Schuld wegnimmt. Und nun sehen wir im Neuen Testament, der Herr Jesus kommt und die an ihn geglaubt haben, konnten von neuem geboren werden, Leben aus Gott bekommen. So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht Kinder Gottes zu werden. Und dann wird erklärt: die nicht aus dem Willen des Mannes und so weiter geboren sind, sondern aus Gott geboren. Und dieses neue Leben, Christus in uns, das ist die Kraft, dass wir das tun können, was Gott will. Unser Material taugt nicht, aber Christus in uns taugt.
Paulus sagt in Galater 2, 20: Ich bin mit Christus gekreuzigt und nicht
mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Das können wir gut vergleichen
mit einem Handschuh. Ein Handschuh kann nichts, er kann nicht Klavier
spielen, aber wenn man seine Hände in den Handschuh steckt, dann kann man
damit Klavier spielen. Es ist vielleicht ein wenig unbequem, aber es geht.
Und so ist das, wir taugen nichts wie dieser Handschuh, aber Christus in
uns gibt uns die Kraft und darum sagt das Neue Testament nicht mehr in der
Sprache: Du sollst, du sollst nicht, sondern, wer gestohlen hat, der stehle
nicht mehr, sondern arbeite vielmehr mit seinen Händen etc. Dann wird
gesagt: Ihr Männer, liebet eure Frauen, gleich wie Christus die Gemeinde
geliebt und sich selbst für sie dahingegeben hat. Also das ist eine völlig
neue Voraussetzung und das ist das Gesetz des Christus. Das geht aus von
Menschen, die ein neues Leben bekommen haben.
Gut, nun gehen wir einen Punkt weiter. Die zehn Gebote sind eigentlich
das Grundgesetz und alle weiteren 603 Gebote in den Mosebüchern sind alle
nur eine detaillierte Auslegung davon. Die Gebote 1-4 sind vertikal und
betreffen das Verhältnis des Menschen zu Gott. Das wird deshalb auch
zusammengefasst in dem Gebot: Du sollst den HERRN lieben mit deiner ganzen
Kraft, deiner ganzen Seele und deinem ganzen Verstand. Die Gebote 5-10
betonen den horizontalen Aspekt, das Verhältnis von Mensch zu Mensch,
Kinder zu Eltern, Mann zu Frau, Nachbar zu Nachbar und so weiter. Das wird
zusammengefasst in dem Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst. Nun warum diese schreckliche Erscheinung auf dem Sinai? In Hebräer
12, 18-21 wird das so schön zusammengefasst. Mose sagt dort: Ich bin voll
Furcht und Zittern. Gott wollte dem Menschen zeigen, dass wenn er sich
unter das Gesetz vom Sinai stellt, ihn das unter das schonungslose Gericht
bringen wird. Er hat dann keine Chance.
Die Beschreibung der Stiftshütte
Und dann folgt nach der Gesetzgebung, 2. Mose 19-24, die Beschreibung der
Stiftshütte. Das ist interessant, denn da spielte ein Opferdienst eine
zentrale Rolle und Israel konnte von da an lernen, was das Gesetz
anbetrifft, wir haben da keine Chance. Also wir brauchen Vergebung und da
gab es ein Vergebungssystem. Der schuldige Mensch musste ein unschuldiges
Opfer bringen, das an seiner Stelle sterben sollte. Und er musste reuig
seine Schuld bekennen. Mit dem Gesetz wurde also gleich auch die Lösung
mitgeliefert, eben als Pädagoge auf Christus hin. Nun kommen wir zur
Beschreibung der Stiftshütte, Kapitel 25-31. Schon an einem viel früheren
Bibelstudientag habe ich mit Dias die Stiftshütte und ihre Symbolik
ziemlich detailliert erklärt. Darum wiederholen wir das hier heute nicht
und es würde auch zeitlich gar nicht gehen. Wir wollen ja einen Vogelflug
machen bis Kapitel 40. Aber ich lese nun im Zusammenhang mit den
Anweisungen der Stiftshütte 25, 8: «Und sie sollen mir ein Heiligtum
machen, dass ich in ihrer Mitte wohne. Nach allem, was ich dir zeige, das
Urbild der Wohnung und das Urbild aller ihrer Geräte, also sollt ihr es
machen.» Mose war ja 40 Tage auf dem Berg, da bekam er das Gesetz und
gleichzeitig hat er in den Himmel schauen dürfen und er hat den originalen
Tempel gesehen und davon musste er eine Kopie anfertigen. In Hebräer 8 wird
ausdrücklich gesagt, dass das Abbilder der Dinge im Himmel waren. Ich lese
Hebräer Vers 5, wo von den Priestern der Stiftshütte gesagt wird: welche
dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen, gleichwie Moses eine
göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, die Hütte aufzurichten;
denn siehe", spricht er, dass du alles nach dem Muster machst, das dir
auf dem Berg gezeigt worden ist."
Das Urbild im Himmel sollte kopiert werden und Gott wollte gewissermaßen
unter den Menschen wohnen. Man fragt sich: Wie soll das möglich sein? Ein
heiliger Gott inmitten eines Volkes, wo die meisten noch nicht einmal
bekehrt sind. Nun, dieses ungewöhnliche Geheimnis hat Mose schon bei seiner
Berufung erlebt. Gott begegnet ihm im brennenden Dornbusch und der
Dornbusch verbrannte nicht. Gott ist ein verzehrendes Feuer und der Mensch
von Natur ist ein Dornbusch, der nur stechen kann und keine Frucht liefert.
Und dennoch verbrannte der Dornbusch nicht. Das ist ein Geheimnis, dass
Gott 1500 Jahre in der Mitte Israels wohnen konnte, ohne dass der Dornbusch
zu Asche verbrennen musste. Also Gott wollte in der Mitte seines Volkes
wohnen. Neutestamentlich finden wir genau das Gleiche. In Matthäus 18, 20sagt der Herr Jesus im Blick auf die neutestamentliche Gemeinde, um die
geht es im Zusammenhang: «Denn wo zwei oder drei versammelt sind zu meinem
Namen hin, da bin ich in ihrer Mitte.» So einfach ist neutestamentliche
Gemeinde, es braucht zwei Leute. Es können auch drei sein; ist ja nicht
schlimm, wenn es ein paar mehr sind. Aber zwei reichen aus. Dabei muss aber
der Mittelpunkt Christus sein, denn er sagt: zu meinem Namen hin
versammelt,– das ist ganz wörtlich zu verstehen – da bin ich in ihrer
Mitte. Also das Prinzip, dass Gott unter den Menschen wohnen will und
wohnt, das ist auch heute möglich.
Die Israelis waren sicher ganz erstaunt, denn die Rabbis haben ihnen
immer erklärt, dass es für eine Synagoge in einer Stadt mindestens zehn
Männer braucht. Das haben sie unter anderem abgeleitet aus Sodom und
Gomorrha. Abraham ging doch runter bis auf zehn Leute: Wenn es zehn
Gerechte in der Stadt gibt, dann wird Gott die Stadt verschonen. Und die
Rabbis haben daraus ein glaubwürdiges Zeugnis abgeleitet, dass Gott
anerkennt, dass in einer Stadt zehn Gerechte sind. Darum braucht es auch
heute noch die Mindestanzahl von zehn Männern um eine Synagoge zu bilden.
Zum Beispiel war doch Paulus auf seiner zweiten Missionsreise in Philippi
und da ist er doch in einen Frauengebetskreis gekommen am Fluß unten. Die
hatten keine Synagoge dort, weil es keine zehn Männer gab. Aber es gab eine
ganze Reihe gottesfürchtiger Frauen. Die haben keine Synagoge gebildet,
weil der jüdische Minjan nicht erfüllt war und Jesus Christus sagt: Es ist
doch viel einfacher für die Gemeinde, es braucht nur zwei oder drei. Also
das zur Parallelität.
Weiter. Ich habe erklärt die Stiftshütte ist ein detailliertes Abbild des
himmlischen Urbildes oder Originals. Natürlich ein Schatten; der Schatten
ist ja zum Beispiel zweidimensional im Gegensatz zum Körper, der den
Schatten wirft. Aber es ist gewissermaßen eine Reproduktion. Nun, die
Stiftshütte als transportabler Tempel war aber auch ein detailliertes
Sinnbild auf Christus hin, denn der Messias wird in Jesaja 8, 14 genannt
und es heißt: «Er wird euch zum Heiligtum werden». Und darum hat dann der
Herr Jesus im Tempel gesagt: Brecht diesen Tempel ab und ich werde ihn in
drei Tagen wieder aufrichten. Christus, in ihm ist der dreieine Gott hier
auf Erden gegenwärtig gewesen. Joh 1, 14: «Das Wort wurde Fleisch und
wohnte unter uns». Und ganz wörtlich steht im Griechischen das Verb
«zelten» für wohnen. Also: Das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns.
Das ist die wahre Stiftshütte. Die Stiftshütte als Sinnbild auf Christus
hin.
Dann, die Stiftshütte ist auch ein detailliertes Sinnbild im Blick auf
die Gemeinde, auf die Kirche. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid
und der Geist Gottes in euch wohnt?, sagt Paulus der Gemeinde in Korinth
(1. Korinther 3, 16). Aber die Stiftshütte ist auch ein detailliertes
Sinnbild auf den einzelnen Erlösten hin, denn 1. Korinther 6, 19 sagt:
«Oder wisset ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist,
der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst
seid?» Aber die Stiftshütte ist auch ein detailliertes Vorbild auf die
späteren Tempel. Der erste, der salomonische Tempel. Dann kam der zweite
Tempel, wo auch der Herr Jesus dann drin gewesen ist und der im Jahr 70
nach Christus zerstört wurde. Und in der Zukunft kommt noch ein dritter
Tempel. Das wird alles in der Stiftshütte vorgebildet. So haben wir also
die Stiftshütte als Abbild eines Urbildes und das Sinnbild davon ist
Christus, die Gemeinde und der einzelne Erlöste und es ist gleichzeitig ein
Vorbild auf die späteren Tempel. Also mit diesen Begriffen kann man sich
das am Besten irgendwie aneignen. Abbild-Urbild-Sinnbild-Vorbild. Man muss
dann nur erklären, was man mit den Wörtern meint.
Die Stiftshütte umfasst eine sehr detaillierte Symbolik und ich möchte
das jetzt nur an einem Beispiel illustrieren. Paulus war vor König Agrippa
und musste in einem Konsultativverfahren Stellung beziehen. Und dann
erklärt er König Agrippa in diesem Gerichtssaal: «…indem ich nichts sage
außer dem, was auch die Propheten und Moses geredet haben, dass es
geschehen werde, nämlich dass der Christus leiden sollte und dass er als
Erster durch Totenauferstehung Licht verkündigen sollte, sowohl dem Volk
als auch den Nationen» (Apostelgeschichte 26, 22-23).
Nun es hätte ein Rabbi dasitzen können und denken: Was erzählst du? Wo
steht in den fünf Büchern Mose, dass der Christus leiden sollte und als
Erster durch Totenauferstehung Licht verkündigen sollte? Man kann die fünf
Bücher Mose durchlesen von vorne bis hinten und dann auf Hebräisch wieder
rückwärts und man findet nichts. Außer man bleibt stehen in der
Beschreibung der Stiftshütte, bei der Menorah, dem goldenen Leuchter,
Kapitel 25, 31ff. Ich erkläre warum. Die Menorah, die kennen wir alle,
besteht aus sieben Lampen und darin war Olivenöl. Mit Olivenöl wurden ja
Könige und Priester oder unter Umständen auch Propheten gesalbt und in den
Dienst eingesetzt. Der Messias sollte einmal kommen, um all diese Ämter,
König, Priester und Prophet, in sich zu vereinigen. Das heißt, Messias oder
Christus bedeutet der Gesalbte. Also Mose hat gesagt, dass der Christus,
hier haben wir das siebenfache Öl, leiden sollte. Gott sagte zu Mose: Aus
einem Talent, also fast 40 Kilogramm, reinem Gold soll der Leuchter
gehämmert werden, in Schmiedearbeit, nicht gegossen. Kein Handwerker kann
das heute. Niemand weiß – dass mussten nämlich hohle Rohre sein, die sieben
Arme – wie das geht; kein Handwerker kann das heute. Aber der Künstler
damals konnte das, und zwar durch den Heiligen Geist, wie ausdrücklich
gesagt wird. Also der Heilige Geist kann auch handwerkliches Geschick
geben, das sonst niemand hat. Also der musste geschlagen, geschlagen,
geschlagen werden und diese Hammerschläge sollten erklären, dass der
Christus leiden sollte. Dann gab es darauf 21 Mandelblüten, Knauf und
Blume. Der Mandelbaum ist der erste Baum in Israel der Ende Januar / Anfang
Februar mit seinen weißen Blüten das neue Leben des Frühlings ankündigt:
als Erster durch Totenauferstehung. Und dann haben wir das siebenfache
Licht: Licht verkündigen sollte. Paulus sagt nicht: Wenn man ein bisschen
Phantasie hat und eine Vorliebe für Typologie, dann könnte man das und das
sehen. Er sagt: Ich sage nichts anderes als was Mose und die Propheten
geredet haben, dass der Christus leiden sollte und als Erster durch
Totenauferstehung dem Volk und den Nationen Licht verkündigen sollte. Also
wir sehen, wie selbstverständlich das war, diese Symbolik in der
Stiftshütte hin auf Christus zu erkennen.
Das Goldene Kalb
Jetzt kommen wir zum nächsten Abschnitt, das Goldene Kalb. Gott hat eben
die Tafeln beschrieben mit den Zehn Geboten, Kapitel 31, 18. Und das Volk
denkt: Das dauert aber wirklich lang, bis Mose herunterkommt. Ja,
wahrscheinlich ist dem was geschehen. Oder? – Ist ja auch wirklich
gefährlich auf dem Sinai. Ich bin mal nachts hinaufgestiegen, da kann man
sich schon zertreten und jetzt gibt es ja von den Mönchen eine schöne
Treppe da hinauf, aber damals noch nicht. Also schon recht gefährlich. Man
muss etwa 2500 Meter hinauf, felsiges Gebirge. – Ja, dem ist sicher etwas
geschehen. Und dann sind sie zu dem Schluss gekommen, jetzt machen wir ein
Fest hier und machen ein goldenes Kalb. Damit haben sie die ersten beiden
Gebote bereits gebrochen, du sollst keine anderen Götter haben und du
sollst dir keine Götzenbilder machen. Bevor sie das Gesetz überhaupt in
Händen hatten, haben sie bereits die ersten beiden Gebote gebrochen. Und
dann kommt noch dazu, dass es eine totale Religionsvermischung war. Das
Kalb, das hatten sie nicht selber erfunden. Falsche Religion ist
normalerweise nicht sehr originell, sondern eine Kopie. Und das haben sie
kopiert von Ägypten, da gab es ja den Apiskult. Eine Form des Sonnengottes,
der Apisstier, darum hat er so eine Scheibe zwischen den Hörnern gehabt. Da
haben sie den Apiskult wieder aufgewärmt.
Aber sie haben dann erklärt, Vers 5: «Und als Aaron es sah, baute er
einen Altar vor ihm; und Aaron rief aus und sprach: Ein Fest dem Jahwe ist
morgen! Und von dem gegossenen Kalb sagen sie, Vers 4, «Das ist dein Gott,
Israel, der dich aus dem Lande Ägypten heraufgeführt hat». Die nennen ihn
Jahwe, diesen Namen, der sonst im Heidentum überhaupt nicht bekannt war –
Religionsvermischung. Das ist also gar nichts neues, Synkretismus, man kann
alles zusammenmischen. Und das ist ja das große Kennzeichen heute, man kann
alles zusammenmischen. Und viele sagen ja: Letztlich führen ja alle
Religionen zum gleichen Gott, zum gleichen Ziel. Und das strebt auch die
UNO an, das ist alles Synkretismus. Das ist genau, wie die Römer gedacht
haben. Wir haben das in der Schule doch ganz selbstverständlich gelernt:
Was bei den Griechen Zeus war, war bei den Römern Jupiter. Bei den Griechen
hatte man Artemis, bei den Römern war das Minerva (ich denke Diana). Haben
wir doch so gelernt, ganz selbstverständlich diese Gleichsetzungen. Das ist
aber nicht selbstverständlich, das ist Synkretismus. Und das Gleiche haben
wir heute auch bei dem Islam wieder gesehen, wo quasi auch ein heidnischer
Gott so umgestaltet wurde, dass viele dann meinten, das sei der gleiche
Gott, wie der Gott der Bibel. Aber das ist er nicht! Er hat ja keinen Sohn!
Also Religionsvermischung und dann kommt ja noch die extatische
Religiosität dazu. Die haben eine totale Fete losgelassen. Ja Mose hat
gemeint, es sei Krieg da unten. Es war ein religiöses Fest, aber es tönte
wie Krieg von weit weg. Und die haben keine Bässe gehabt, ich meine die
Bässe mit Verstärker und so. Die brachten das auch ohne hin, so dass die
Leute total abfahren konnten, extatische Religiosität. Gott wollte ja ein
Fest. Hat doch schon Mose gesagt zum Pharao, wir wollen hinaus in die Wüste
und Gott ein Fest feiern. Und jetzt haben sie gedacht, jetzt machen wir die
Fete. Aber das war ein extatisches Fest. Und Extase ist immer von unten.
Gott verbietet die Extase im Neuen Testament, 2. Timotheus 4, 5: «Du aber
sei nüchtern in allem, leide Trübsal, tue das Werk eines Evangelisten,
vollführe deinen Dienst». Ich habe das schon oft gesagt, das Wort nepho im
Griechischen bedeutet Abwesenheit von jeglicher seelischen und geistigen
Trunkenheit, von Überstürzung und Verwirrnis. Du aber sei nüchtern in
allem.
Nun, die haben da also losgezogen. Mose kommt herab und zerschlägt die
Tafeln, anstatt das Volk. Warum hat er die Tafeln zerschlagen? Er hätte ja
sagen können: Jetzt muss das Volk gerichtet werden. Aber er zerschlägt die
Tafeln. Natürlich gibt es dann ein Gericht, aber das Volk überlebt und Mose
bittet Gott um Verschonung des Volkes. Und Gott verschont und sagt: Ja, ich
will Güte erweisen an Israel. Das ist eigenartig. Plötzlich nach der
Gesetzgebung kommt die Gnade Gottes hinein. Und zählen Sie nach in 2. Mose
33, wie oft das Wort Güte oder Gnade vorkommt. Da staunt man. Nun, die
Tafeln sind eigentlich ein Hinweis auf Jesus Christus. In Matthäus 5, 17hat er gesagt in der Bergpredigt: «Meinet nicht, dass ich gekommen sei, das
Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen,
sondern zu erfüllen.» Ich bin gekommen zu erfüllen, das heißt in seiner
ganzen Fülle darzustellen. Jesus Christus hat das Gesetz 100-prozentig
eingehalten, als Einziger. Er entspricht gewissermaßen diesen Tafeln. Und
ausgerechnet er wurde von Gott zerschlagen. Jesaja 53, 10: «Doch es gefiel
dem Ewigen, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen.» Und dann macht
Mose neue Tafeln und Gott beschreibt diese Tafeln in Kapitel 34 nochmals
neu und als Mose dann runterkommt vom Berg, da strahlt sein Gesicht und die
Israeliten halten das nicht aus und legen ihm eine Decke über das Gesicht.
Warum hat Mose nicht gestrahlt beim ersten Mal? Nur beim zweiten Mal.
Ganz einfach. Beim ersten Mal war es 100 Prozent Gesetz und beim zweiten
Mal war das Gesetz vermischt mit Gnade. Und das ist ganz wichtig, denn
sonst hätte es nie ein Zeitalter des Gesetzes von Mose bis auf Christus
geben können. Gott hätte unmittelbar das Volk vernichten müssen, hundert
Prozent Gesetz. Und das erklärt uns auch, warum es durch das ganze
Zeitalter des Gesetzes, viele Israeliten gegeben hat, die echt gläubige
Menschen gewesen sind und erneuert durch den Glauben und so kann David und
andere Psalmisten darüber singen, wie sie Freude haben an dem Gesetz vom
Sinai. Das ist ganz eigenartig. Wie können sie Freude haben an etwas, das
eigentlich Fluch bringt? Weil sie erneuert waren und dadurch Freude an
Gottes Maßstäben hatten. Das war Gesetz vermischt mit Gnade und darum
preisen sie in den Psalmen auch schon so oft die Güte und die Gnade Gottes,
obwohl sie unter Gesetz sind. Darum strahlte Mose.
