Herr Präsident, liebe Freunde!
Das Bild des zwanzigsten Jahrhunderts als Spiegel der Weltlage
Der sowjetische Maler Ilja Glasunow hat ein riesiges Bild gemalt, das „Mysterium des zwanzigsten Jahrhunderts“ heißt. Auf diesem Bild sind die Größen unseres Jahrhunderts dargestellt. Das Bild ist deshalb auch sehr groß: Es misst achtzehn Quadratmeter.
Man sieht positive und negative Gestalten aus Wissenschaft, Politik und Kultur. Sie sind vor dem Hintergrund von Blut und Stacheldraht zu sehen, vor einem aufflammenden Atompilz – eine Weltuntergangsstimmung.
Zum Beispiel steht dort der ermordete Präsident Kennedy neben seiner heimlichen Geliebten, der Schauspielerin Marilyn Monroe, die sich ebenfalls selbst ermordet hat. Direkt davor stehen die Beatles. Ihr Wortführer John Lennon, der inzwischen auch ermordet wurde, hat einmal gesagt, die Beatles seien populärer als Jesus.
Man sieht den französischen Philosophen Albert Camus, dessen Glaubensbekenntnis lautete: Der Mensch ist frei in einer absurden Welt, ohne Gott, sich nach eigenen Gesetzen in heroischer Einsamkeit zu entwerfen. Hinter Camus steht wieder ein Selbstmörder, der Nobelpreisträger Ernest Hemingway, der nach seinen eigenen Worten nur so beten konnte: „Unser Nichts, das du bist, im Nichts geheiligt werde dein Nichts, dein Nichts komme.“
Neben solchen nihilistischen Philosophen und Dichtern, die mit ihrem Nihilismus und Atheismus Millionen Menschen in den geistigen Tod getrieben haben, stehen Politiker, die Millionen Menschen in den körperlichen Tod getrieben haben. Zum Beispiel der Führer Adolf Hitler.
Mitten in diesem Sammelsurium von Leitfiguren des zwanzigsten Jahrhunderts sieht man das naturwissenschaftliche Genie unseres Jahrhunderts, Albert Einstein. Er hat einmal gesagt: „Es gibt nur eine Stelle in der Welt, wo es kein Dunkel gibt, das ist Jesus Christus.“
Die Hoffnung in Jesus Christus als Licht in der Finsternis
Zu diesem Jesus bekennt sich auch der Maler dieses Bildes. Über dieser gespenstischen Ansammlung von Dunkelheit und Verbrechen leuchtet eine strahlende Hoffnung. Vom Rand des Bildes, vom Horizont her, erscheint Christus, der wiederkommende Herr, in majestätischer Größe und Herrlichkeit.
Dieses Bild drückt mit Farben aus, was der Prophet Jesaja einmal in Worten formuliert hat. Er sagte: „Finsternis bedeckt das Erdreich und dunkelt die Völker, aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir“ (Jesaja 60).
Ich finde, niemand beschreibt die Situation unserer Welt klarer mit so wenigen Worten wie die Bibel mit diesem Satz: „Finsternis bedeckt das Erdreich und dunkelt die Völker.“ Es wird immer dunkler in der Welt. Nichts nimmt so zu wie die Finsternis.
Noch nie war die Zukunft der Menschheit so düster, noch nie ging es den Pessimisten so gut wie heute. Wenn du dich an solchen Gestalten orientierst, wie sie Glasunow auf seinem Gemälde gemalt hat, bleibt dir nichts anderes übrig als Pessimismus – es sei denn, du richtest deinen Blick auf die Gestalt, die vom Rand her auftaucht: Jesus.
Jesus – eine Randfigur mit Schlüsselrolle in der Geschichte
Auf der Bühne der Weltgeschichte ist Jesus bisher nur eine Randfigur. Er wurde am Rand der damaligen Welt geboren, in einem unbekannten und unbedeutenden Winkel der Erde. Am Rand der menschlichen Gesellschaft, nämlich in der Gesellschaft von Tieren im Kuhstall, stand seine Krippe. Und am Rand von Jerusalem stand das Kreuz, an dem er gestorben ist.
Von seinem Leben und seinem Sterben nahm die Weltpresse nicht einmal mit einer Randbemerkung Kenntnis. Was sich auf der Bühne der Weltgeschichte breitmacht und in der Presse besprochen wird, sind die Lautsprecher, die Großmäuler. Mit ihren Worten und Taten lullten sie die Menschen entweder ein oder erschreckten sie, narkotisierten sie oder terrorisierten sie.
Nun sagt die Bibel zu Jesus, den viele nur für eine Randfigur der Geschichte halten, dass er die Schlüsselfigur der Geschichte ist. Er hat die Schlüssel in der Hand. Im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, stehen die Briefe, die Jesus, der auferstandene Jesus, an seine Gemeinden geschrieben hat. Ich habe im November und Dezember des vergangenen Jahres schon zweimal über zwei dieser Briefe hier gepredigt.
Heute geht es um den Brief, den Jesus an die Gemeinde von Philadelphia geschrieben hat. In Offenbarung Kapitel 3, ab Vers 7, wird Jesus bezeichnet als der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut und niemand schließt zu, der zuschließt und niemand tut auf.
Widerstand gegen die Kirche und das Wort Gottes
Manche der Großen dieser Welt glauben, sie könnten einfach entscheiden, wo es eine Kirche geben darf und wo nicht, wo Jesus etwas zu sagen hat und wo nicht. Einer der schärfsten Kritiker der Kirche war der Philosoph Voltaire, einer der bedeutendsten Vertreter des Atheismus. Er hat großspurig prophezeit, dass hundert Jahre nach seinem Tod die Bibel nur noch in Museen und Raritätenkabinetten zu sehen sein würde.
Die hundert Jahre sind längst vergangen, doch die Bibel ist nicht im Museum. Nach wie vor ist sie das am meisten gedruckte, am meisten übersetzte und am meisten gelesene Buch der Welt. Die Bibel bleibt der Bestseller der Weltliteratur. Interessanterweise zog ausgerechnet in das Haus, in dem Voltaire in Genf wohnte, später eine Bibelgesellschaft ein. Vom Keller bis zum Dach gab es dort nichts anderes als Bibeln.
Es gibt jedoch nicht nur Menschen wie Voltaire, die mit Worten gegen die Bibel kämpften, sondern auch solche, die sie mit Gewalt bekämpften. Zum Beispiel war es bis vor kurzem in China verboten, eine Bibel zu besitzen. Dort war es generell verboten, Christ zu sein, und es gab keine Kirchen. Doch nachdem diese Zeit in China vorbei ist, zeigt sich, dass es dort heute mehr Christen gibt als vor der Kulturrevolution. Man schätzt die Zahl der Christen in China auf zwischen sechs und fünfundzwanzig Millionen.
Jahrelang glaubte die Welt, China sei verschlossen, und es gäbe keine Möglichkeit mehr für christliche Missionare, dort einzutreten. Man dachte, kein Weg führe mehr hinein. Doch ob das Wort Gottes nach China gelangt, das bestimmt nicht die jeweilige chinesische Führung, sondern Jesus. In Vers 7 heißt es, dass er den Schlüssel hat und auftut – und niemand kann zuschließen.
Die unaufhaltsame Macht der von Jesus geöffneten Türen
China ist nur ein Beispiel für diesen Grundsatz. Wenn Jesus einmal eine Tür öffnet und seinen Fuß in der Tür hat, bekommt niemand die Tür wieder zu. Seit Jesus seinen Fuß auf diese Erde gesetzt hat, lässt sich diese Tür nicht mehr schließen. Die Welt muss damit leben, dass Jesus zu uns gehört.
Wo Jesus einmal eine Tür geöffnet hat, tut sich etwas – auch wenn sich andere noch so dagegen wehren. Und wo Jesus einmal den Laden dichtmacht, spielt sich nichts mehr ab, selbst wenn andere ganz andere Beschlüsse fassen. Die Pläne und Möglichkeiten Gottes mit unserer Welt sind größer als der Widerstand der Gegner.
Es gibt auch heute noch Gebiete in der Welt, in die aus verschiedenen Gründen kein Missionar einreisen darf. Diese Gebiete sind für christliche Missionare einfach verschlossen. Wir selbst leben in einem Land, in dem es der Kirche nicht erlaubt ist, Missionare auszusenden. Mit dieser einschneidenden Einschränkung unserer Arbeit werden wir uns als Kirche niemals zufrieden geben.
Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Jesus uns trotzdem Missionsmöglichkeiten gibt. Er sagt hier in Vers 8: „Ich habe vor dir eine offene Tür gegeben, und niemand kann sie zuschließen.“ Das heißt erstens, Jesus hat dir die Möglichkeit gegeben, deinen Glauben zu bezeugen – auch wenn du von früh bis spät unter Atheisten lebst.
Du darfst nicht denken: „Bei dem und dem hat es keinen Zweck, ein Wort von Gott zu sagen. Er bekehrt sich sowieso nie.“ Das ist die Stimme des Teufels, auf die du nicht hören darfst. Höre auf die Stimme Jesu, der hier sagt: „Wer Ohren hat, der höre! Ich habe dir eine offene Tür gegeben, und keiner kann sie zuschließen.“
Zeugnis und Glaubensfestigung trotz Widerständen
Das ist schon ein paar Jahre her: Die Church Boys spielten bei einer kirchlichen Veranstaltung. Danach sprach der Schlagzeuger einen jungen Mann an, der oben auf der Empore gestanden hatte. Er fragte ihn, ob er Christ werden möchte.
Der junge Mann ließ den Schlagzeuger jedoch abblitzen. Er hatte kein Bedürfnis nach Religion und sagte, er packe sein Leben alleine, er brauche so etwas nicht. Der Schlagzeuger gab ihm trotzdem seine Telefonnummer und sagte: „Wenn du willst, hier ist meine Nummer, du kannst mich ja mal anrufen.“ Der junge Mann rief nie an. Die Tür schien also verschlossen zu sein.
Ein Jahr später klingelte das Telefon. Es meldete sich der junge Mann, und es kam zu einem Gespräch. Er bekehrte sich und wurde Christ. Später wurde er der Techniker der Church Boys. Das ist der Mann, von dem ich vorhin erzählt habe: Christoph Ralle, der vor ein paar Monaten als Christ gestorben ist.
Ihr seht an diesem Fall, dass es für Jesus keinen aussichtslosen Fall gibt. Gerade wenn du an Menschen denkst, bei denen du glaubst, eine Bekehrung sei ausgeschlossen, kannst du die Verheißung von Jesus in Anspruch nehmen: „Ich habe vor dir eine offene Tür gegeben, und niemand kann sie zuschließen.“
Das heißt zweitens: Jesus gibt dir auch die Möglichkeit, deinen Glauben zu festigen. Ich treffe immer wieder Christen, die sich beschweren, sie könnten in unserem Land nicht als Christen leben. Dieses Gejammer kann ich bald nicht mehr hören.
Niemand verbietet dir, jeden Tag zehn Minuten früher aufzustehen oder irgendwann im Laufe des Tages zehn Minuten die Bibel zu lesen. Der Zugang zu Gottes Wort steht dir jederzeit offen. Niemand in unserem Land verbietet dir zu beten. Der Zugang zum Herzen Gottes steht dir jederzeit offen.
Um zu beten und die Bibel zu lesen, musst du nicht erst in den Westen gehen. Das kannst du schon hier machen.
Es ist schön, dass ihr klopft, da sind wir uns wohl einig. Ich wünsche mir jedenfalls, dass mehr Christen in unserem Land mehr die Bibel lesen und mehr mit Gott reden, anstatt auf den Westen zu schielen und mehr zu beten als über ihre Situation zu maulen.
Die Lage der Gemeinde von Philadelphia als Beispiel für Treue in schwierigen Zeiten
Die Situation der Gemeinde in Philadelphia war keineswegs rosig. Sie war geprägt durch verschiedene Herausforderungen: Erstens durch Hass von Seiten der Heiden, Verleumdung durch die Juden, Druck vom totalitären Staat von außen, Irrlehre von innen und durch die Verschlossenheit einer satten Welt, die nur an Geld, Macht, Arbeit und Genuss interessiert war.
Zweitens war die Gemeinde von Philadelphia eine schwache Gemeinde. Sie hatte weder Einfluss noch Gewicht, keinen Sitz und keine Stimme in der Öffentlichkeit. Doch Jesus sagt über diese Gemeinde im Vers 8: „Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine offene Tür gegeben, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet.“
Habt ihr das mitbekommen? Jesus sagt nicht, dass er der Gemeinde eine offene Tür gegeben hat, weil sie große Kraft besaß. Vielmehr sagt er, dass er ihr eine offene Tür gegeben hat, obwohl sie nur eine kleine Kraft hatte. Aber mit dieser kleinen Kraft hat sie an seinem Namen festgehalten und ihn nicht verleugnet.
Das Entscheidende ist nämlich nicht, dass jemand großartige Möglichkeiten hat. Wichtig ist vielmehr, dass man die wenigen Möglichkeiten, die einem noch geblieben sind, nutzt und Jesus darin treu bleibt.
Die Möglichkeiten der Gemeinde von Philadelphia waren sehr bescheiden. Dazu kam drittens, dass Philadelphia in einem Erdbebengebiet lag. Einige Jahre bevor der Brief geschrieben wurde, war die ganze Stadt durch ein Erdbeben zerstört worden. Inzwischen war sie zwar wieder neu aufgebaut, aber die Menschen lebten in ständiger Angst vor der nächsten Katastrophe. Bei jeder Erschütterung und jedem Zittern des Erdbodens flohen sie auf das flache Feld außerhalb der Stadt, aus Angst, von einstürzenden Häusern erschlagen zu werden.
Ein leichtes Leben hatte die Gemeinde in Philadelphia also ganz bestimmt nicht. Doch Jesus bestätigt hier in Vers 8: „Du hast mein Wort behalten.“ Und das ist das Einzige, worauf es ankommt. In unserer verrückten Zeit ist das Wichtigste, unverrückt am Wort von Jesus festzuhalten.
Geistliche Ernährung als Grundlage des Glaubenslebens
Ich habe immer wieder mit Jugendlichen zu tun, die vor lauter Problemen kaum noch durchblicken. Da gibt es Streit mit der Freundin, Streit mit den Eltern, keine Freude im Leben, keine Kraft, der Versuchung zu widerstehen, keine Erkenntnis von Gottes Willen und so weiter.
Wenn sie dann mit mir reden und mir ihr Leid klagen, stelle ich ihnen regelmäßig eine einfache Frage: Betest du regelmäßig? Liest du regelmäßig in deiner Bibel? Hältst du regelmäßig stille Zeit? Regelmäßig bekomme ich die Antwort: Nein. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass nichts mehr läuft.
Ich sage dann jedes Mal: Mal angenommen, du gehst zum Arzt und sagst ihm, dass du an deinem Körper 50 Wehwehchen hast. Der Arzt hört dich ab, klopft dich ab und hört, wie dein Magen knurrt. Dann fragt er: „Sagen Sie mal, wann haben Sie das letzte Mal gegessen?“ Wenn sich herausstellt, dass du vor drei Tagen dein letztes Süppchen gelöffelt hast, fliegst du in hohem Bogen aus der Sprechstunde raus. Da sagt er: „Wissen Sie was, junge Frau, gehen Sie erst mal nach Hause und essen Sie richtig. Dann können Sie wiederkommen. Dann werden wir sehen, was von den 50 Wehwehchen überhaupt noch übrig geblieben ist.“
Denn ein Körper, der nicht richtig ernährt wird, hat keine Abwehrkräfte gegen Krankheiten und wird mickrig. Das Glaubensleben vieler Christen ist deswegen so mickrig, weil sie sich nicht richtig geistlich ernähren.
Wenn du nicht regelmäßig Brot isst, kippst du um. Deshalb hat Jesus von sich gesagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wenn du nicht das Brot des Lebens, das Wort Gottes, regelmäßig in dich aufnimmst, kippst du um.
Alle vier Wochen hier im Jugendgottesdienst mitzumachen, reicht nicht. So nach dem Motto: „Theo, hilf mir in meiner Not, schmier mir ein Bananenbrot!“ – das ist zu wenig. Davon kannst du nicht leben, von einer Bananenschnitte alle vier Wochen. Du brauchst täglich das Wort Gottes.
Und wenn du das nicht machst, wenn du es nicht täglich in dich aufnimmst, dann kommt es ganz leicht, dass dich jeder Zweifel umhaut. Dann beeindruckt dich jedes Argument, und du weißt nichts dagegen zu sagen. Dann ängstigt dich jede Drohung, du hast einfach keine Kraft, der Versuchung zu widerstehen. Dann kannst du die Probleme, die dir jeder Tag neu stellt, eben nicht bewältigen.
Ich rate dir: Statt stundenlange Gespräche mit irgendeinem Seelsorger zu führen und dort nur die Wehwehchen deiner Seele stundenlang auszubreiten, fang lieber mal regelmäßig an, in der Bibel zu lesen und mit Gott über dein Leben zu sprechen. Du wirst sehen, was dann in deinem Leben losgeht, wenn du dich richtig geistlich ernährst.
Ich jedenfalls finde es lächerlich, wie manche Christen jammern, dass sie keine Kräfte hätten und angeblich in ihrem Christsein in unserem Land gehindert werden. Das Einzige, was dich am Bibellesen und am Beten hindert, ist deine eigene Faulheit – nichts und niemand sonst.
Praktische Möglichkeiten zur Glaubenspraxis im Alltag
Jesus sagt ausdrücklich zu dir: Ich habe vor dir eine Tür geöffnet. Das bezieht sich auch auf deinen Charakter – eine offene Tür, die niemand zuschließen kann.
Das bedeutet drittens, Jesus gibt dir auch die Möglichkeit, deinen Glauben zu praktizieren. Manche behaupten, es gäbe in unserem Land nicht genug Möglichkeiten dafür. Sicher, Missionar in Tibet kannst du hier nicht werden. Aber es ist ja nicht unbedingt nötig, dass du auf den Himalaya steigst, um deinen Glauben zu bezeugen. Es würde schon genügen, wenn du die drei Treppen im Nachbarhaus hochsteigst, um dort den alten Leuten die Kohlen hochzutragen.
Mach doch erst mal das, was vor der Tür liegt, bevor du anfängst, von weltweiten Aktionen zu träumen.
Neulich war ich zusammen mit einer Gruppe junger Christen. Sie diskutierten sehr lebhaft darüber, was man gegen den Hunger in der Welt unternehmen kann. Das war enorm, was sie sich alles ausdachten. Appelle an die Regierung sollten gerichtet werden, große Aktionen geplant. Sie diskutierten in Dimensionen. Ich saß ganz klein und still daneben in der Ecke.
Dann fiel mir auf, dass auch der Pfarrer dieser Gruppe ganz klein und still in der Ecke saß. Nach einer halben Stunde intensiven Gequassels sagte er ganz ruhig in die Runde: „Ich möchte euch nur daran erinnern, dass die Päckchen, die ihr vor ein paar Monaten für Indien gepackt habt, immer noch im Jugendraum unter dem Tisch liegen.“
Da bin ich ausgeflippt, das könnt ihr euch ja vorstellen. Sie waren zu faul, ihre eigenen Päckchen mit den harten Erbsen, die sie selbst nicht essen und den Indern geben wollten, wenigstens zum nächsten Postamt zu bringen. Und das sind dann die Leute, die behaupten, sie hätten nicht genug Möglichkeiten, sich in unserem Land als Christen zu engagieren.
In unserem Land hat jeder die Möglichkeit, Christus zu dienen – selbst wenn es nur darin besteht, Kohlen hochzutragen.
Ich weiß natürlich, dass euch so ein Beispiel zu primitiv erscheint. Aber ich nehme diesen Vorwurf in Kauf. Ihr trefft damit nicht mich, ihr trefft damit Jesus.
Jesus hat gesagt: Wer einem Menschen ein Glas Wasser gibt, einem Hungrigen ein Stück Brot oder einem kranken Menschen einen Besuch abstattet, der kommt in Gottes Reich. Das sind ja nun, weiß Gott, primitive Beispiele, die Jesus da anbringt. Er war halt so einfach, Gott sei Dank. Denn was Jesus gesagt hat, konnte jeder verstehen – und jeder konnte es auch tun.
Du verstehst genau, wovon ich rede, und du könntest es auch machen.
Mach doch erst mal das, was konkret anliegt, was vor der Tür liegt, was vor deiner Nase liegt – auch wenn es nur die blöden Kohlenkübel sind.
Ich weiß schon, dass euch dieses Beispiel mit den Kohlenkübeln längst zum Hals raushängt. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie mir das zum Hals raushängt, dass ich jedes Jahr im Winter mit dem gleichen Beispiel komme. Das kann ich aber nicht ändern, wenn ihr es nicht ändert.
Ich weiß nur, dass es in unserer Stadt Menschen gibt, die in kalten Zimmern sitzen und frieren, weil niemand die Kohlen hochgebracht hat und niemand Feuer gemacht hat.
Und wenn ihr, die ihr nicht aus Karl-Marx-Stadt seid, jetzt denkt: „Na ja, das ist eine Sache der Karl-Marx-Städter, und wir sind fein raus“ – also, in der Gegend, wo du herkommst, da wird es ja auch einen Kohleofen geben. Dort wird nie anders geheizt als bei uns in der Stadt. Alte und kranke Menschen gibt es überall. Ich meine euch alle damit.
Ich kann nur sagen: In unserer Stadt gibt es alte Menschen, die im Sterben liegen, und niemand ist da, der sie wäscht, ihre Wäsche macht, sie pflegt oder ihnen hilft.
Also Möglichkeiten, deinen Glauben unter Beweis zu stellen und zu praktizieren, gibt es in unserem Land noch mehr als genug. Es hindert dich kein Mensch daran, das Gute zu tun.
Erich Kästner sagt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Das Einzige, was dich am praktischen Handeln hindert, ist deine eigene Faulheit. Aber auch die kannst du mit Gottes Hilfe überwinden.
Ich habe vor dir eine offene Tür gegeben, und niemand kann sie zuschließen.
Die unerschütterliche Verbindung zu Gott trotz Ausgrenzung und Verfolgung
Das heißt, viertens: Jesus gibt dir die Möglichkeit, deinen Glauben zu erproben. Es kann sein, dass Menschen dich aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, zum Beispiel aus der Klassengemeinschaft. Gemeinschaft mit Gott kannst du jedoch immer haben.
Vielleicht wirst du ausgeschlossen und fliegst vor die Tür. Die Tür zu Gott bleibt dir immer offen. Vielleicht schließt sich eines Tages hinter dir die Tür einer Gefängniszelle. Auch dann bleibt dir die Tür zu Gott immer offen.
Aus allen Gefängniszellen, Folterkammern, Höllen der Verzweiflung und der Schuld hört Gott die Rufe seiner Kinder und sieht ihre Tränen. Nichts und niemand kann verhindern, egal wo du auch bist, dass du mit Jesus in Kontakt bist und dass er dir von oben Kraft bringt.
Man hat Christen schon die Hände abgehackt, aber sie konnten trotzdem beten, auch ohne Hände. Man hat ihnen die Zunge abgeschnitten, doch sie konnten auch ohne Zunge beten. Man hat ihren Körper abgeschlachtet, aber sie konnten sterben in dem Wissen, dass für uns Christen der Tod nur die Tür ist, durch die wir direkt hineingehen in Gottes Reich.
Ganz egal, wann, wo oder wie wir sterben, was auch mit uns geschieht oder was noch kommt – für Christen kommt es nur auf eines an: Jesus die Treue zu halten. Er sagt hier: "Siehe, ich komme bald; halte, was du hast."
Es gibt Situationen, in denen es nur eine einzige Rettungsmöglichkeit gibt: festhalten. Einfach festhalten. Wenn du Schlitten fährst und der Schlitten gerät ins Schleudern, dann klammerst du dich fest an deinen Schlitten. Und wenn es noch so ein altmodisches und unmodernes Modell ist, ist er dein einziger Halt.
Festhalten an Jesus als Rettung in einer dunklen Welt
Im Moment scheint der Teufel mit der ganzen Welt Schlitten zu fahren, und die ganze Welt gerät ins Schleudern. Der Glaube an Gott gilt als unmodern, seine Gebote werden als altmodisch angesehen. Ehebruch wird begangen, es wird abgetrieben, und mit Gottes Schöpfung wird Schindluder getrieben. Das Wettrüsten wird bis zur Spitze der Raketen vorangetrieben, und alle Menschen werden in Angst versetzt.
Viele haben das Gefühl, es geht rasend bergab. Finsternis bedeckt das Erdreich, und dunkel sind die Völker. Doch über dir geht der Herr auf. Diese Welt und all ihre Leiden müssen vergehen. Unser Herr aber kommt am Rande des Horizontes unserer vergehenden Welt.
Da taucht der wiederkommende Christus auf, der Retter und Richter der Welt. An ihm musst du dich festhalten, er ist dein einziger Halt. Was auch immer andere von dir halten, halte du seine Gebote: Gott über alles zu fürchten, zu lieben und ihm zu vertrauen.
Halte dich raus aus allen nutzlosen Diskussionen und gottlosen Aktionen! Halte das aus, wenn sie dich einschließen oder ausschließen! Bleibe deinem Herrn Jesus treu, das ist der beste Rat, den er dir geben kann – den er dir selbst gibt!
Siehe, ich komme bald! Halte fest, was du hast!
