Die Lehre der Apostel – der zweite Korintherbrief, Vers für Vers. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und heute geht es um den zweiten Korintherbrief, Kapitel 11, Verse 7 bis 21. Paulus ist weiterhin dabei, seinen Dienst zu beschreiben und sich gegen seine Gegner zu verteidigen.
Paulus’ Verzicht auf finanzielle Unterstützung vor Ort
Oder habe ich eine Sünde begangen, als ich mich selbst erniedrigte, damit ihr erhöht wurdet, indem ich euch das Evangelium Gottes umsonst verkündigt habe? Andere Gemeinden habe ich beraubt, indem ich Lohn nahm zum Dienst an euch. Und als ich bei euch war und Mangel litt, fiel ich niemandem zur Last, denn meinen Mangel halfen die Brüder ab, die aus Mazedonien kamen. Ich hielt mich in allem so, dass ich euch nicht zur Last fiel und werde mich so halten.
An dieser Stelle wird Paulus fast ein wenig sarkastisch. Man merkt, wie sehr sich die Korinther daran gestört haben, dass Paulus von ihnen nicht unterstützt werden wollte. Selbst als er bei ihnen Mangel litt, wollte er ihr Geld nicht.
Dabei hat Paulus kein grundsätzliches Problem damit, von Christen Geldgeschenke zu bekommen. Die Geschwister aus Mazedonien durften ihn unterstützen. Paulus hat auch kein Problem damit, dass die Korinther ihn unterstützen, wenn er von ihnen weiterzieht. Nur als er vor Ort in der Stadt war, um dort das Evangelium zu predigen, wollte er niemandem zur Last fallen.
Das liegt durchaus nicht daran, dass es keine wohlhabenden Geschwister in der Gemeinde gab. Was meint Paulus mit „Last“? Warum will er ihnen nicht zur Last fallen?
Wir müssen jetzt gut verstehen: Wer Geld annimmt, begibt sich in eine soziale Abhängigkeit. Genau diese will Paulus unbedingt vermeiden. Wer ein Geschenk annimmt, muss dafür etwas zurückgeben. Wenn er, wie im Fall von Paulus, kein Geld besitzt, muss er wenigstens mit Worten den Spender ehren und ihm Dank erweisen.
Was Paulus damit verlieren würde, wäre die Freiheit, das Evangelium in aller Deutlichkeit zu predigen. Er möchte allen Geschwistern, auch den Reichen, auf die gleiche Weise begegnen können. Würde er Geld annehmen, wäre er plötzlich sozial nicht mehr auf einer Stufe mit allen Geschwistern. Er müsste dann seine Geldgeber hofieren.
Er könnte nicht mehr völlig frei alles predigen, was ihm wichtig wäre, jeden ermahnen, der es braucht, und in Streitfragen zwischen Geschwistern würde man ihm Parteilichkeit unterstellen. Paulus könnte gar nicht anders, als die Seite seiner Sponsoren einzunehmen und als ihr Anwalt aufzutreten – so jedenfalls waren die Regeln der damaligen Zeit.
Jetzt verstehen wir, warum er kein Geld nimmt. Es gibt sicherlich noch weitere gute Gründe, kein Geld zu nehmen. Für die hochnäsigen Korinther ist es sicherlich eine gute Übung, sich mit einem Handwerkerapostel identifizieren zu müssen und auf diese Weise etwas Demut zu lernen.
Außerdem passt es doch zum Evangelium von der Gnade Gottes, dass es als Geschenk weitergegeben wird. Natürlich will sich Paulus auch deutlich von den Scharlatanen abheben, denen es eigentlich nur ums Geld geht.
Paulus’ Motivation und die Abgrenzung zu falschen Aposteln
Aber lesen wir weiter in 2. Korinther Kapitel 11, Verse 10 und 11:
So gewiss die Wahrheit Christi in mir ist, wird dieses Rühmen für mich in den Gegenden von Achaia nicht verstummen. Warum? Weil ich euch nicht liebe – Gott weiß es.
Warum verzichtet Paulus auf ihr Geld? Weil er sie liebt, weil er genau weiß, was ihnen gut tut und was sie brauchen. Er gibt wie ein Vater alles, damit es den Kindern gut geht. Dafür wird er in der Umgebung von Korinth in Achaia gelobt. Andere sehen, was er tut, und vor allem verstehen sie seine Motivation: Liebe. Und dafür rühmen sie ihn.
Es wäre also für die Korinther ein Leichtes, das auch zu erkennen.
In 2. Korinther Kapitel 11, Vers 12 heißt es:
Was ich aber tue, werde ich auch tun, damit ich denen die Gelegenheit abschneide, die eine Gelegenheit dazu suchen, dass sie in dem, worin sie sich rühmen, als solche wie wir befunden werden.
Noch ein Argument dafür, warum Paulus sich von den Korinthern nicht finanziell unterstützen lässt: Er will sich unterscheiden – und zwar von den falschen Aposteln. Wenn seine Gegner sich rühmen, echte Apostel zu sein, dann müssen sie sich auch als solche präsentieren. Solange sie nicht bereit sind, ohne Bezahlung zu dienen, gehören sie nicht zu seiner Apostelklasse.
Wenn sie seinen Status wollen, müssen sie sich angleichen. Tun sie das nicht, sind sie nicht mehr als Parasiten, denen es um ihre Karriere geht, aber nicht um das Wohlergehen der Gemeinde.
In 2. Korinther Kapitel 11, Vers 13 heißt es:
Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen.
Deutlicher kann man es kaum sagen. Das sind die Leute, denen die Korinther auf den Leim gegangen sind: falsche Apostel, betrügerische Arbeiter. Sie kommen als Christen daher, aber sie arbeiten für die andere Seite.
So wie Satan sich als Botschafter des Lichts verkleidete, als er Eva verführte, so verkleiden sie sich als Apostel Christi, um die Gemeinde zu verführen. Alles an ihnen ist falsch und Betrug.
In 2. Korinther Kapitel 11, Verse 14 und 15 lesen wir:
Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen, und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen.
Diener Satans, das sind die falschen Apostel. Sie sehen nur aus wie Diener der Gerechtigkeit, also wie wahre Apostel, aber sie sind es nicht. So wie ihr Herr und Meister sich verstellen kann, tun sie das auch.
Sie geben vor, für Gerechtigkeit einzutreten, das gleiche Ziel wie Paulus zu verfolgen, aber sie haben ganz andere, ganz finstere Pläne. Genau deshalb wird Gott sie auch dafür richten. Für ihre selbstsüchtigen Betrügereien an der Gemeinde in Korinth haben sie von Gott keinen Lohn zu erwarten.
Paulus’ ironische Reaktion auf die Prahlerei der Gegner
Wiederum sage ich: Niemand halte mich für töricht. Wenn doch, so nehmt mich als einen Törichten an, damit auch ich mich ein wenig rühmen kann.
Was ich jetzt rede, rede ich nicht nach dem Herrn, sondern wie in Torheit, auf Grundlage dieses Rühmens. Weil viele sich nach dem Fleisch rühmen, will auch ich mich rühmen. Ihr als Kluge ertragt die Toren ja gern.
Paulus kommt hier auf das Thema zurück, das er bereits in Vers 1 angerissen hatte. Er spricht mit einem Hauch von Sarkasmus, denn die Korinther ertragen als Kluge die Toren gern. Deshalb wird er jetzt selbst zum Törichten.
Wenn er nun anfängt, genau das zu tun, womit die falschen Apostel das Herz der Korinther gewonnen haben – nämlich mit Angeberei und Selbstdarstellung – dann muss klar sein, dass seine Ausführungen nicht nach dem Herrn sind, sondern wie in Torheit, nach dem Fleisch.
Alles, was jetzt folgt, geht ihm völlig gegen den Strich. Eigentlich will er diese Dinge gar nicht sagen, aber weil die Korinther so empfänglich für die Aufschneiderei und Prahlerei der falschen Apostel sind, wird er jetzt kurz bei diesem Spiel mitmachen. Und zwar nicht, weil er es richtig findet, sondern um zu zeigen, dass er selbst dann, wenn die Protzerei der falschen Apostel richtig wäre – was sie nicht ist – er sich ohne Probleme mit ihnen vergleichen könnte.
Es ist nämlich nicht so, dass er nichts zu bieten hätte. Es spielt für ihn nur keine Rolle. Sklaven Christi brauchen sich nicht zu vergleichen. Am Ende zählt nur die Beurteilung des Herrn, mehr nicht.
Denn ihr ertragt es, wenn jemand euch knechtet, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand euch einfängt, wenn jemand sich überhebt, wenn jemand euch ins Gesicht schlägt.
Hier sehen wir, wie die falschen Apostel auftreten. Das sind Paulus' Rivalen, vermeintliche Apostel, die fordernd, sich selbst bereichernd, manipulativ, prahlerisch und aggressiv sind. Und die Korinther haben damit kein Problem. Sie haben kein Problem damit, ausgenutzt und betrogen zu werden. Sie haben kein Problem damit, von den falschen Aposteln verächtlich behandelt zu werden.
Der einzige, mit dem sie ein Problem haben, das ist Paulus. Das ist der, der sie wirklich liebt. Und warum? Ganz einfach: Weil er anders war.
Zur Schande sage ich, dass wir im Vergleich dazu schwach gewesen sind.
Achtung, Ironie: Paulus war nicht schwach. Er konfrontiert seine Hörer mit Gottes Geist und Gotteskraft. Aber die Art von Stärke, die von den falschen Aposteln an den Tag gelegt wird, will er nicht haben. Wer auf Knechtschaft, Imponiergehabe und Gemeinheiten steht, der ist bei Paulus falsch.
Paulus’ ironisches Nachahmen der Prahlerei
Aber kommen wir zur Angeberei. In 2. Korinther 11,21 heißt es: „Was aber jemand wagt – ich rede in Torheit –, das wage ich auch.“
Paulus verhält sich hier genauso, wie es die falschen Apostel getan haben. Er gibt mit Dingen an, die keinen wirklichen Wert haben. Dabei will er nicht seinen Dienst dadurch legitimieren, dass er sich mit anderen vermeintlichen Dienern Gottes vergleicht. So etwas tun seine Gegner. Paulus weiß, wie absurd ein solcher Vergleich ist. Deshalb sagt er ausdrücklich: „Ich rede in Torheit.“
Wenn sich Diener Christi vergleichen wollen, dann sollten sie das mit dem Herrn selbst tun, um zu sehen, wie viel mehr Er getan hat. Alles andere, also Vergleiche unter Christen, ist einfach nur absurd.
Das war's für heute. Morgen geht es mit dem zweiten Korintherbrief weiter. Das Skript zum Vortrag findest du auf frogwords.de oder in der App.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
