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„Finger weg vom Evangelium!“

Warum mit der Botschaft vom Kreuz alles steht oder fällt
27.11.2022

Einen wunderschönen guten Morgen zu unserem ersten Adventsgottesdienst. Ihr seht, die erste Kerze brennt, und ich begrüße euch ganz herzlich – sowohl diejenigen, die hier vor Ort sind, als auch alle, die im Livestream dabei sind. Ganz besonders heiße ich auch unsere Gäste willkommen, die heute in unserer Mitte sind.

Zum Beginn und zur Einstimmung auf den Advent lese ich einige Verse aus dem Alten Testament.

 Jesaja 7,14:
Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.

Zwei Kapitel später heißt es im Jesaja 9,6-7:
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Man nennt seinen Namen Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewigvater, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich.

Die dritte und letzte Stelle stammt aus Micha 5,2:
Und du, Bethlehem Ephrath, bist zwar gering unter den Hauptorten von Juda, aber aus dir soll mir hervorgehen der Herrscher über Israel, dessen Hervorgehen von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her gewesen ist.

Advent als Zeit der Erwartung und Erinnerung

Diese Prophezeiungen aus dem Alten Testament haben das Volk Israel in einer Erwartungshaltung gehalten. Sie warteten auf den Erlöser und mussten Jahrhunderte lang warten, bis diese Prophezeiungen letztendlich eingetreten sind.

Auch wir sind im Advent in einer Erwartungshaltung. Wir erinnern uns daran, dass Jesus Christus geboren wurde. In viereinhalb bis fünf Wochen feiern wir Weihnachten.

Ich werde zu Beginn beten. Danach singen wir zwei Lieder, und dann gehen die Kinder in die Kinderstunde. Im Anschluss hören wir die Predigt.

Ich bete. Wer dazu in der Lage ist, darf gerne dazu aufstehen.

Großer Gott und Heiland, danke, dass wir die Verse, die wir jetzt lesen, als wahr gewordene Worte erleben dürfen. Du bist auf die Welt gekommen, hast dich erniedrigt und bist Mensch geworden.

Und, Herr, bist du letztendlich dreißig Jahre später am Kreuz für uns gestorben, für mich. Du bist in der Ewigkeit wieder auferstanden.

Danke, dass wir uns daran erinnern dürfen, dass du Mensch geworden bist. Besonders in diesen Wochen vor Weihnachten dürfen wir uns Zeit nehmen, um uns an deine Menschwerdung zu erinnern.

Herr, ich bitte dich ganz besonders für diesen Gottesdienst heute und für dein Wort, das wir hören dürfen. Ich bitte dich, dass du Sebastian gebrauchen und seine Worte nutzen wirst, um in uns Veränderung zu bewirken. Dass wir uns auf dich hin ausrichten.

Ich bitte dich auch für die Kinderstunden, für die Großen und die Kleinen, für die Mitarbeiter, dass sie die richtigen Worte finden. Und für die Kinder, dass sie zuhören. Dass der Same, der hier und auch dort oben ausgestreut wird, auf fruchtbaren Boden fällt.

Herr, darum bitten wir dich und danken dir dafür, dass du über unser Bitten und Verstehen hinaus handelst. Wir loben und preisen dich und geben dir alle Ehre. Amen.

Wir singen das Lied „Freue dich Welt, dein König kommt“ und danach als Kinderlied „Jesus heißt uns leuchten“. Die Kinder richten sich, wie jeden Sonntag, auf.

Das ist auch ein Ausdruck des Altersdurchschnitts.

Ja, ich freue mich, euch am Wort Gottes dienen zu dürfen. Eigentlich hätte ich ganz gerne über den Advent gepredigt, habe aber feststellen müssen, dass es zeitlich gerade einfach nicht möglich ist.

Trotzdem hoffe ich, dass in der Botschaft etwas anklingt von dem, warum Jesus auf die Welt gekommen ist und warum es für uns wertvoll ist, dass wir uns daran erinnern dürfen.

Persönliche Glaubenserfahrungen und das Ringen mit der Gnade

Ich möchte mit etwas anderem anfangen. Ich würde sagen, ich bin so halbchristlich aufgewachsen – das trifft es bei mir wahrscheinlich am ehesten. Man kann mit dem Glauben ja schon irgendwie etwas anfangen. Man hat so eine Ahnung: Ja, Jesus gibt es, Golgatha gibt es, Weihnachten gibt es, und noch andere Dinge.

Dann gab es aber einen Moment in meinem Leben, in dem ich in Sünde gefallen bin – etwas, das ich selbst nie gedacht hätte und mir vielleicht nie zugetraut hätte. Das hat mich schockiert. Gleichzeitig war das aber der Moment, der mir im Fortlauf meines Lebens mehr als alles andere bewusst gemacht hat, was es bedeutet, dass Jesus Christus für meine Schuld gestorben ist.

Ich habe erkannt, dass ich selbst gerade nicht in der Lage bin, anständig zu leben. Dass ich es nicht schaffe, so zu leben, dass ich Gott gefalle. Wenn man so einen Moment hat, dann wird einem die Gnade, glaube ich, über alles wichtig und zentral. Man merkt, dass Gott wirklich alles für einen getan hat, während man selbst nichts tun kann.

Das ist jetzt viele Jahre her. Trotzdem erlebe ich in meinem Glaubensleben immer wieder, dass dieses Gewissen anklopft. Es sagt mir: „Reiß dich doch mal zusammen und schau, dass du dein Leben so hinbekommst, wie Gott das gerne hätte.“ Damit ich Gott gefallen kann, damit ich würdig für Gott bin, müsste ich doch noch etwas tun.

Das ist vielleicht gar nicht vom Kopf her der Fall bei mir. Da hoffe ich, dass die Theologie schon fest genug verankert ist, sodass ich weiß: Nein, ich muss da nichts tun, Gott hat alles getan. Aber in der Praxis und in dem, was ich mir oft denke und was man vielleicht fühlt, steckt es doch irgendwo drin.

Ich merke, dass ich ein bisschen empfänglich dafür bin, jetzt mal Gas zu geben und zu versuchen, durch das, was ich tue – vielleicht in der Gemeinde, aber auch im praktischen Leben – anständig zu leben. In der Hoffnung, dass Gott mich dann doch ein bisschen mehr lieben würde, um es mal so deutlich auszudrücken.

Ich bin da unheimlich schnell dabei. Und ich bin davon überzeugt, dass einige hier sitzen, denen es ähnlich geht. Sie haben irgendwo erkannt: „Ja, Jesus ist für mich gestorben, und das ist die Grundlage, warum ich gerettet werde.“ Das ist vielleicht tief verankert, auch in den Erinnerungen. Trotzdem klopft dieses Gewissen immer wieder mal an und sagt: „Du müsstest doch noch etwas tun.“

Die Versuchung, durch Werke Gottes Liebe zu verdienen

Es können ganz verschiedene Dinge passieren. Auf der einen Seite kann es sein, dass man alle Gottesdienstzeiten einhält und so lebt, wie es von einem Christen erwartet wird. Ich habe das jetzt mal ganz provokant formuliert: Man trägt die „richtige“ Kleidung und denkt, damit passt schon alles.

Es kann aber auch sein, dass man denkt, man müsse möglichst liebevoll und nett sein, dann passt es, und man ist richtig unterwegs. Dann glaubt man, Gott würde einen mehr lieben. Vielleicht ist man sogar empfänglich für Menschen, die einem Regeln aufdrücken wollen, weil diese einem eine Struktur und Ordnung im Leben geben. Man klammert sich daran und denkt, so klappt das schon im Leben und vor Gott.

Vielleicht ist man empfänglich dafür, dass sich alles nur noch um Heiligung dreht – was ein wichtiges Thema ist –, aber die Gnade dabei kaum noch vorkommt. Und vielleicht ist man sogar bereit, nur bestimmte Traditionen einzuhalten, und denkt, dann passt es schon.

Ich weiß nicht, wie deine persönliche Biografie aussieht. Aber ich weiß, dass einige hier aus Gemeinderichtungen kommen, in denen genau das Thema ist. Solange du, ich überspitze jetzt, die richtige Kleidung trägst, in allen Gottesdiensten sitzt, dein Vokabular passt und du dich mit den „richtigen“ Leuten umgibst, bist du ein echter Christ.

Das macht etwas mit uns, denn es führt schnell dazu, dass wir denken: Dann sind wir bei Gott angenommen. Man könnte jetzt sagen, ja, das sind halt wir heute. Aber ich glaube, diese Tendenz ist nicht neu, sondern Christen haben das schon seit über zweitausend Jahren.

Warum sage ich das? Weil genau das das Problem der Leute im Galaterbrief war. Ich hatte dazu vor langer Zeit schon einmal einen Überblick gegeben. Jetzt möchte ich mit euch in die ersten Verse des Galaterbriefs eintauchen.

Ihr könnt gerne Galater 1 aufschlagen, und wir lesen gemeinsam die ersten neun Verse.

Die Autorität des Apostels Paulus und die Warnung vor falschem Evangelium

 Galater 1, Verse 1 bis 9:

Paulus, ein Apostel, nicht von Menschen und auch nicht durch einen Menschen berufen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat, sowie alle Brüder, die bei mir sind, schreiben an die Gemeinden in Galatien.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden dahingegeben hat, damit er uns errettet aus dieser gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen Gottes, unseres Vaters. Dem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium. Dabei gibt es doch kein anderes Evangelium. Nur einige sind da, die euch verwirren und das Evangelium Christi verkehren wollen.

Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist als das, was wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.

Ergänzend noch Vers 10:

Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich, menschengefällig zu sein? Wenn ich noch menschengefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht.

Ich möchte mit uns noch beten:

Jesus, danke, dass dein Wort vor uns liegt und dass wir die tiefe Überzeugung haben dürfen, dass dein Wort Wahrheit ist. Deswegen bitte ich dich, dass du es uns öffnest, dass es uns nicht nur über den Kopf, sondern ins Herz sinkt und eine tiefe Veränderung bewirkt. Lass dein Wort uns zu dir hinziehen und dich groß machen, Herr. Schenk uns deine Gnade dazu. Amen.

Herr Paulus ist extrem verwundert über die Galater, wie ihr im Vers lesen könnt: „Mich wundert“. Anders übersetzt oder moderner ausgedrückt könnte man sagen: „Ich kann es nicht fassen.“ Was kann er nicht fassen? Dass die Galater sich so schnell abwenden vom Evangelium.

Warum so schnell? Der Galaterbrief ist der erste Brief, den Paulus geschrieben hat, wahrscheinlich während seiner zweiten oder dritten Missionsreise. Es ist also relativ schnell gegangen, nachdem er das erste Mal bei ihnen war.

Paulus schlägt hier aufgrund dieser Verwirrung einen extrem scharfen Ton an. Ich habe das bei der Einleitung schon erwähnt: Paulus hat keinen Lob für die Galater übrig, was einzigartig ist. In allen anderen Briefen lobt er die Gemeinden, hier aber nicht.

Paulus ist extrem streng. Er spricht einen doppelten Fluch aus über diejenigen, die hier etwas anders verkündigen. Diese Schärfe findet man an ganz wenigen Stellen im Neuen Testament, so wie er es hier formuliert.

Die apostolische Berufung und die Bedeutung der Auferstehung Jesu

Und die erste Frage, die man sich stellen könnte – heute vielleicht nicht mehr so sehr, aber damals bei den Galatern – lautet: Darf Paulus das denn überhaupt? Darf er so eine Aussage treffen?

Ich glaube, er begründet genau das in den ersten Versen. Auch in den nachfolgenden Versen erklärt er es, wobei dieser Abschnitt länger ist und sich gut für eine ausführliche Predigt eignet. Paulus führt nämlich sehr deutlich aus, dass er hier mit apostolischer Autorität spricht. Apostel waren damals die Leiter der Gemeinde, die von Gott berufen waren.

Paulus macht im allerersten Vers klar, dass seine Berufung sogar noch spezieller und deutlicher ist. Er ist nicht einfach nur von Menschen berufen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, selbst. Wahrscheinlich erinnert sich jeder von euch an das Bekehrungserlebnis von Paulus. Er war auf dem Weg nach Damaskus, um die Gemeinde Jesu zu verfolgen, als Jesus ihn buchstäblich vom Pferd wirft, ihn erblinden lässt und sich ihm offenbart.

Man muss sich vor Augen halten, dass Gott hier in das Leben von Paulus hineingesprochen hat – zu jemandem, der nie das Ziel hatte, ein Nachfolger zu werden, sondern sogar das Gegenteil im Sinn hatte. So ist Paulus vom himmlischen Gott berufen worden. In dieser Autorität tritt er nun auf.

Im weiteren Verlauf des Briefes sieht man auch, dass Paulus nicht alleine steht. Die anderen Apostel sind mit ihm auf derselben Linie, da sie das gleiche Evangelium verkündet haben. Mit dieser ganzen Autorität fährt Paulus bei den Galatern „mit der Tür ins Haus“ und schlägt das durch.

Selbst im Korintherbrief – zum Beispiel wenn Paulus schreibt: „Es grüßt euch Paulus, Apostel Jesu Christi“ – hat er meistens ein Lob für die Gemeinde übrig. Im Korintherbrief behandelt Paulus einen Fall, in dem jemand in der Gemeinde wahrscheinlich ein Verhältnis mit seiner Stiefmutter oder Schwiegermutter begonnen hat – also eine schwere Sünde.

Doch selbst dort geht Paulus nicht mit der Härte vor wie hier im Galaterbrief. Dort findet sich nicht einmal ein Lob, sondern Paulus schlägt direkt zu, und zwar schon in den allerersten Versen. Denn es geht ihm um das Zentrum der Lehre.

Ich glaube, diese Direktheit – dass Paulus alle Contenance verliert und alle gängigen Höflichkeitsformen außer Acht lässt – macht deutlich, wie zentral und wichtig dieses Thema ist. Bereits in den ersten zehn Versen kommt Paulus sofort auf den Punkt, der den Grundtenor für den gesamten Brief setzt.

Das wahre Evangelium als Rettung aus der Sünde

Aber wovon wenden sich die Galater denn ab? Wovor genau laufen sie weg? Von dem wahren Evangelium, das lesen wir hier. Aber was meint Paulus damit?

Ich denke, er beschreibt das in den ersten Versen, denn dort fasst er in wenigen Versen das Zentrum zusammen: was Gott für sie getan hat. Ich lese das mit uns noch einmal. Er schreibt:

„Er ist nämlich berufen durch Jesus Christus und Gott den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten, und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden dahingegeben hat, dass er uns rette von dieser gegenwärtigen bösen Welt, nach dem Willen Gottes, unseres Vaters. Dem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

In diesen wenigen Versen, vor allem in den Versen drei, vier und fünf, fasst Paulus eigentlich zusammen, worum es geht. Er macht deutlich, wer wir sind – als ersten Punkt nämlich: verloren, verdammt, in Sünde gefangen, in einer Welt, die gegen Gott steht und nach dem Denken dieser Welt lebt.

Er macht so deutlich, dass wir einen Retter benötigen, weil wir eben genau da herausgerettet werden müssen. Es ist unmöglich, dass wir selbst daraus herauskommen könnten, so wie wir sind.

Er zeigt aber auch, wie diese Rettung geschieht: nämlich dadurch, dass sich Jesus Christus selbst für unsere Sünden hingibt und stirbt. Jesus hat für unsere Schuld bezahlt, wodurch wir gerettet sind. Dadurch ist das Urteil und die Strafe weggenommen. Es ist deswegen unmöglich, dass wir noch einmal verurteilt werden, weil bereits gesühnt ist.

Paulus macht deutlich, dass dieses Hingeben Jesu für die Sünde die Basis für unsere Rettung ist.

Er schreibt aber auch in den wenigen Versen schon über die Motivation der Errettung. Warum sind wir gerettet worden? War es, weil wir, der Herr Sohn, einen frommen Wunsch gehabt hätten, dass Gott doch nett zu uns sein möchte und uns retten würde?

Nein, Paulus sagt, es ist Gottes Wille, dich und mich zu retten. Es ist allein aus Gnade, weshalb Gott uns rettet. Nur durch ihn können Gnade und Friede mit uns sein – oder, das ist verbunden, was Paulus hier schreibt: Gnade und Friede seien mit euch.

Diese Rettung ist nicht ausgelöst durch deine Bekehrung, sondern durch den Willen Gottes. Dieser Wille entspringt tiefer Gnade und Liebe. Gott entscheidet sich, Mensch zu werden, ans Kreuz zu gehen und für deine Schuld zu bezahlen.

Gnade allein ist Gottes Wille als Motivation für die Rettung.

Paulus macht auch deutlich – oder weist darauf hin –, und da steht natürlich viel biblische Wahrheit dahinter, die in diesem Vers nur angerissen wird, wodurch wir sicher sein können, dass dieses Sühnen für unsere Strafe gilt: weil Gott Jesus von den Toten auferweckt hat, wie es hier in Vers 1 steht.

Wir als Christen glauben, dass diese Auferweckung Jesu, dieses Auferstehen, das Zeugnis Gottes, der Stempel Gottes ist. Es zeigt, dass die Strafe getilgt ist, dass wir gerettet sein können und Gnade und Friede mit Gott haben.

In dieser Auferstehung, in der Auferweckung Jesu, ist auch unsere ganze Hoffnung begründet, dass wir eines Tages auferstehen werden. Das können wir ausführlicher in 1. Korinther 15 lesen, wo Paulus das ausführlicher behandelt.

Ich denke, in den Versen hier ist das alles sehr komprimiert, wo er auf diese Wahrheiten hinweist, die alle eine eigene Predigt wert sind.

Und das alles hat einen Zweck, den Paulus hier auch noch einmal deutlich macht in Vers 5: Warum? Damit Gott geehrt wird.

Das ist das Ziel, weshalb wir Menschen gerettet werden.

Jetzt haben wir damit wieder eine Schwierigkeit, weil wir denken, es sei wie bei einem autoritären Herrscher, der will, dass viele einen Bückling vor ihm machen, oder so. Und Gott sucht sich deswegen ein paar Menschen für den Himmel aus, damit möglichst viele vor ihm knien.

Nein, Gott will genau für diese Rettung geehrt werden. Das ist unweigerlich damit verbunden. Er will geehrt werden, weil er sich entschieden hat, ans Kreuz zu gehen und für dich und mich zu sterben.

Gottes Ehre und sein Lob entsteht dadurch, dass er sein Leben für dich gelassen hat.

Gottes Ehre besteht nicht darin, wie bei autoritären Herrschern, die alles für sich klammern und beanspruchen. Sie besteht gerade darin, dass er alles aufgegeben hat, um dich und mich zu retten.

Und das ist das, was seine Ehre auslöst und was ihm Dank bringt wie nichts anderes sonst.

Auch wenn er dieser ermächtige, große Schöpfer ist und wir ihn sicher auch dafür anbeten werden, ist das Zentrum, warum er geehrt wird, dass er für uns gestorben ist.

Es gibt noch viele weitere Punkte, die zum Evangelium dazugehören, die Paulus hier jetzt nicht anspricht, wie die Wiedergeburt oder dass Gottes Geist uns zu Buße und Umkehr führt und das in uns bewirkt.

Aber ich glaube, das Zentrale des Evangeliums wird hier deutlich: Es ist von Anfang bis Ende Gottes Werk und Handeln.

Es entspricht seinem Willen. Er ist es, der es ausführt, und er ist es, der es besiegelt und die Garantie dafür übernimmt.

Schließlich bekommt er auch die Anbetung dafür.

Es ist Gott, der uns rettet, und das ist die Nachricht des Evangeliums.

Evangelium ist eine gute Botschaft, und diese gute Botschaft hat im Zentrum, dass Gott wirkt, handelt und uns herausreißt aus dem Sumpf der Sünde.

Wir sind nicht auf uns selbst geworfen.

Die Gefahr des Abwendens vom Evangelium

Und da stehen die Galater jetzt in der Gefahr, sich davon abzuwenden. So lesen wir es in Vers 6 bis 7: „Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein anderes gibt, nur dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium Christi verkehren wollen.“

Wahrscheinlich sind bei den Galatern – oder das wird im Verlauf des ganzen Briefes deutlich – Leute hereingekommen, die mit viel Weisheit und Überzeugungskraft unterwegs waren. Diese haben den Galatern gesagt: Es reicht nicht, dass Jesus für euch gestorben ist, sondern ihr müsst auch noch die und die Dinge aus dem Gesetz erfüllen.

Im Brief werden zwei Themen relativ deutlich: Das eine ist die Beschneidung, die wahrscheinlich gefordert wurde, und das Halten von Speisegesetzen. Das wird im zweiten Kapitel zum Beispiel deutlich, wo Petrus herabkommt, sich dann aber wieder absondert und Ähnliches.

Es steht die Frage im Raum: Müssen Heiden, die zum Glauben an Jesus kommen, quasi zu Juden werden? Oder sind sie auch als Heiden angenommen bei Gott und gerettet, wenn sie ihr ganzes Vertrauen auf dieses Evangelium setzen?

Das Ganze löst bei Paulus eine solche Wut aus, dass er in Rage gerät. Die Galater wechseln vom wahren Evangelium hin zu einem „Evangelium plus“, so würde ich das mal nennen. Es waren wahrscheinlich Leute, die nicht verneinten, dass Jesus für ihre Sünden gestorben ist. Sie verneinten auch nicht, dass auf Golgatha etwas geschehen ist. Aber sie forderten zusätzliche Dinge.

Und seien wir mal ehrlich: In unserer Zeit klingt so ein „Plus“ hinten dran bei einem Angebot immer verlockend und gut, oder? Da ist ein bisschen mehr dabei, da hat man noch mehr davon. Es klingt wie die Bonusnummer dazu.

Ich merke bei mir zumindest – und vielleicht geht es dir da manchmal ähnlich –, dass so ein „Du kannst da noch ein bisschen was dazu tun“ uns unheimlich triggert und anzieht. Wir laufen ganz schnell da rein und denken: Ja, wenn ich jetzt das mache, dann bin ich ein bisschen besser dabei, dann geht es mir besser, dann liebt Gott mich mehr, dann bin ich der bessere Christ.

Die Unterscheidung zwischen wahrem und falschem Evangelium

Paulus macht deutlich: Jedes andere Evangelium, das Gnade plus lehrt, ist eine Verfälschung des wahren Evangeliums aus zwei Gründen.

Erstens, in Vers 6 heißt es: Dieses Abwenden ist nicht nur ein Abwenden von einer Botschaft oder einer Lehre, sondern es ist das Abwenden von Jesus Christus selbst. Es ist ein Abwenden von der Person. Es ist mehr, als nur eine bestimmte Lehre abzulehnen.

Heute wird gerne betont, dass wir nicht dem toten Buchstaben, sondern einer Person folgen. „Ich folge eben Jesus nach und nicht der Bibel“, kennt ihr diesen Spruch. Dabei wird aber oft vergessen, dass eine Person untrennbar mit ihrer Botschaft verbunden ist. Wer sich von der Botschaft Jesu abwendet, wendet sich zwangsläufig auch von ihm selbst ab.

So ist ein Abwenden vom Evangelium, von der Botschaft, die Jesus selbst verkündet hat – und die durch die Leute, die er gesandt hat, also die Apostel, verbreitet wurde – auch gleichzeitig ein Abwenden von ihm als Person. Es geht nicht nur darum, dass die Galater, wenn sie dieses Evangelium nicht mehr glauben, sich von Paulus oder irgendjemandem abwenden. Sie wenden sich von Gott selbst ab und drehen ihm den Rücken zu.

Dort, wo das Gesetz wieder in den Mittelpunkt gestellt wird, wo Gnade plus gefordert wird, wenden wir Gott den Rücken zu. Denn wir sagen damit: Das, was Gott getan hat, reicht nicht aus. Ob wir das bewusst sagen oder nicht, sei dahingestellt. Aber durch unser Handeln und Tun bringen wir zum Ausdruck: Gottes Erlösungswerk auf Golgatha ist nicht ausreichend, um mich zu retten.

Das Zweite ist: Wenn wir uns von diesem Evangelium der Gnade Gottes, des Rettungswerkes Gottes abwenden, dann haben wir, wie es in Vers 7 heißt, kein Evangelium mehr. Denn es gibt kein anderes Evangelium als das, was Paulus verkündet hat.

Es klingt vermeintlich so, als würden wir dort auch eine gute Nachricht hören. Aber dieses Evangelium ist keine gute Nachricht, denn du bist direkt wieder auf dich selbst angewiesen. Es geht nicht nur um eine andere Form von Gnade, es geht nicht nur um eine andere Form des Christentums.

Es geht darum, dass wir die gute Nachricht verlassen, wenn wir von der Botschaft „Gnade allein“ abweichen. Das klingt wie eine gute Nachricht, ist aber eine verkappte Form von Sklaverei.

Egal, ob dieses Evangelium plus weichgespült oder traditionell ist, wir werden gleich noch sehen, dass es den Menschen in den Mittelpunkt stellt – vielleicht seinen Charakter, vielleicht seine Werke, die er äußerlich tut, oder Ähnliches. Und dann bist du auf dich selbst angewiesen, und das ist wahrlich keine gute Nachricht mehr.

Auch für dich und mich wurde kein anderes Evangelium erfunden.

Paulus schreibt im 1. Korinther 3,11 einen ganz bekannten Vers: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Da ist auch wieder die Person genannt, und mit dieser Person ist untrennbar die Botschaft des Evangeliums, der Gnade und Retterliebe Gottes, verbunden.

Tim Keller schreibt dazu, und ich fand es spannend: Jede Botschaft, die nicht die folgenden zwei Punkte im Mittelpunkt hat, ist kein Evangelium.

Erstens: Wir sind zu sündig, um irgendetwas zu unserer Erlösung beizutragen. Wir sind völlig erlösungsbedürftig.

Zweitens: Wir werden allein und zu hundert Prozent durch das gläubige Vertrauen auf das Erlösungswerk Jesu, die Gnade Christi, gerettet.

Alles, was nicht das im Zentrum hat, ist nicht wirklich eine gute Botschaft – auch wenn der erste Teil gar nicht so gut klingt. Aber durch den zweiten Teil wird er einfach rettend und gut.

Beispiele für falsche Evangelien in der heutigen Zeit

Wir können uns anhand dessen die Frage stellen, wie heute falsche Evangelien aussehen. Ich möchte drei Beispiele nennen, mit denen wir alle immer wieder in Berührung kommen.

Das erste ist vielleicht die liberale Version: Es ist gar nicht so wichtig, woran du glaubst oder ob die Lehre hundertprozentig bei dir stimmt. Das Wichtige ist, dass du ein liebevoller Mensch bist und dein Charakter gut ist. Ich glaube, dass das heutzutage unheimlich attraktiv ist, weil es absolut in unseren Zeitgeist passt. Das ist das, was unsere westliche Gesellschaft uns beibringen will: Hauptsache, du bist ein netter Charakter, dann ist alles okay. Ob du auf Wahrheit Wert legst oder nicht, ist nicht so zentral. Hauptsache, du bist lieb und nett.

Letztendlich ist auch das eine Botschaft der Werke, vielleicht nicht äußerlich, weil es ja gerade nicht darum geht, irgendwelche Regeln zu befolgen. Aber es geht darum, dass du den richtigen, guten und perfekten Charakter hast. Und glaub mir, es gibt gute Menschen, die damit gut klarkommen und sich auf die Schulter klopfen können. Es gibt aber auch Menschen wie mich, die nicht so einen guten Charakter haben. Die können daran ziemlich verzweifeln, weil sie vielleicht nicht so geduldig und liebevoll sind. Wenn du da auf dich selbst angewiesen bist, dann ist das alles andere als Evangelium und eine gute Nachricht. Es lässt dich verzweifeln, selbst wenn Gott an deinem Charakter mit dir arbeitet. Du wirst nie dem Maßstab genügen, der an dich gelegt wird.

So ist auch das ein Evangelium der Werke. Und es ist schnell eine Verneinung der Erlösungsbedürftigkeit, sowohl von guten als auch von bösen Menschen. Denn wir kommen dann ganz schnell dazu, dass die Menschen, die liebevoller und netter sind, nicht so sehr Erlösung benötigen wie die, die nicht so gut im Leben unterwegs sind. Nein, wir brauchen alle Erlösung und Rettung, egal wie perfekt und gut unser Charakter vielleicht schon ist oder wie sehr wir uns bemühen.

Zum Beispiel lehrt Matthäus 22, Vers 10, wie die Knechte hinausgehen und zu einem Hochzeitsfest einladen: "Und die Knechte gingen auf die Straße hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll." Ja, wir brauchen alle Erlösung und Rettung.

Der zweite Punkt ist die Art des falschen Evangeliums, bei der Äußerlichkeiten im Zentrum stehen. Das ist für mich so ein bisschen das, wo ich stark herkomme, wo ich das Christentum kennengelernt habe und auch ein Stück weit dankbar bin, aber wo viel Wert auf das Einhalten von Äußerlichkeiten, Geboten, Ritualen und Ähnlichem gelegt wird. Vielleicht kommen manche von euch auch aus so einem Umfeld.

Eigentlich ist das sogar die einfachste Form von Werksgerechtigkeit oder einem gegensätzlichen Evangelium, um sie zu durchschauen. Trotzdem spricht sie viele Menschen an, weil sie uns eine gewisse Sicherheit gibt. Sie bietet klare Regeln, und wenn ich mich daran halte, dann passt es. Das ist einfach und simpel.

Auch das ist natürlich falsch, weil es dann um unsere Werke geht, um das Einhalten dieser Dinge, und nicht um Rettung allein aus Glauben.

Die dritte Form wurde mir in der Vorbereitung noch einmal sehr bewusst, auch weil ich dazu etwas gelesen habe. Ich glaube, wir erkennen sie am schwersten, und sie ist provokant. Es ist eine Erlösung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Botschaft lautet: Du kannst ein besserer Christ werden. Ja, Jesus hat für dich einmal bezahlt, aber jetzt ist das quasi einfach eine neue Startbasis für dich. Jetzt mach etwas daraus.

Im Fokus stehen häufig Bekehrung und Lebensveränderung anstelle dessen, was Gott getan hat. Ich formuliere es noch einmal provokant: Im Fokus stehen häufig Bekehrung und Lebensveränderung, nicht das, was Gott getan hat. Das klingt unheimlich biblisch, führt aber praktisch ganz schnell zu einer Verwerfung von Gnade allein.

Was meine ich damit? Sicherlich gehört zum Evangelium dazu, dass wir zu Buße und Bekehrung gerufen werden. Aber das ist die Antwort auf die gute Nachricht. Es ist nicht die gute Nachricht selbst.

Die gute Nachricht und das Evangelium ist, dass Gott sich entschieden hat, Mensch zu werden, um für deine und meine Sünden zu sterben. Deine Errettung, um das in aller Schärfe deutlich zu sagen, ist nicht begründet darin, dass du in deiner Gideon-Bibel hinten einen Bekehrungstermin eingetragen hast. Deine Errettung ist auf Golgatha begründet und in Gethsemane bestätigt worden, wo Jesus für deine Sünden stirbt und für dich aufersteht.

Warum wirst du gerettet? Weil du auf dieses Erlösungswerk vertraust und nicht, weil du irgendwo tolle Entscheidungen in deinem Leben getroffen hast und weitergegangen bist. Ich formuliere das bewusst so scharf, weil wir in den evangelikalen Gemeinden, aus denen wir kommen, so darauf fokussiert sind, dass Leute sich bekehren. Ja, der Ruf zur Buße muss da sein. Aber unsere Rettung muss auf dieser Rettung und Erlösung durch Jesus Christus auf Golgatha begründet sein.

Sie hängt nicht an unserer Bekehrung. Ich würde das in aller Schärfe sagen: Unsere Rettung hängt am Sterben und Auferstehen Jesu Christi und nicht an irgendeiner Entscheidung, die wir irgendwo dokumentiert haben. Ja, Buße gehört dazu. Und ja, wenn ich dieser Rettung nicht glaube und mein Vertrauen nicht darauf setze, dann gilt sie natürlich nicht für mich. Aber sie hängt an dem, was Gott getan hat, und nicht an dem, was ich tue.

Denn ansonsten bist du wieder auf dich selbst angewiesen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Tim Keller sagt: Es ist nicht die Qualität unseres Glaubens, sondern der Gegenstand unseres Glaubens, der uns rettet. Es ist Jesus Christus. Lasst uns das nicht vermischen.

Die Folgen falscher Evangelien und die Warnung vor dem Fluch

Und bei all dem falschen Evangelium ist ein Muster erkennbar. Jeder, der eines dieser anderen falschen Evangelien verkündet, stellt die Menschen wieder unter den Fluch des Gesetzes. Denn sie sind wieder auf sich selbst und auf ihre eigenen Taten und Werke angewiesen. Er stellt sie nicht auf die Basis des Erlösungswerks, das Jesus getan hat.

Hier kann nur noch das passieren, was Paulus in den folgenden Worten beschreibt: Fluch und Verzweiflung. Ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn du im Sterben liegst. Was gibt dir dann Hoffnung? Was gibt dir Halt? Ich glaube nicht, dass es einfach ein Bekehrungsdatum in der Gideonbibel ist, das dir Halt gibt – so provokant das auch gesagt sein mag.

Vielmehr ist es das, was dir Halt geben kann: dass du Jesus auf Golgatha siehst, der sich in seiner ganzen tiefen Liebe zu dir entscheidet, dorthin zu gehen und sein Leben für dich und mich zu lassen. Darauf kannst du einzig deine Hoffnung setzen.

Im Heidelberger Katechismus, der sehr alt ist, lautet die erste Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und Sterben? Die Antwort lautet, ich bringe sie nur halb auswendig zusammen: dass ich im Leben und Sterben allein meinem Heiland Jesus Christus gehöre, der sich für mich hingegeben und für meine Schuld bezahlt hat. So knapp zusammengefasst ist das die einzige Hoffnung, die wir haben.

Wenn wir das verlassen, hängen wir an uns selbst und sind verloren.

In den Versen 8 und 9 stellt Paulus zweimal den Fluch für diejenigen heraus, die dieses falsche Evangelium verkünden. In Vers 8 heißt es: „Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.“ Und in Vers 9 sagt er noch einmal: „Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr empfangen habt, der sei verflucht.“

Paulus verwendet hier ein Wort, das „Anathema“ heißt. Dieses Wort wird auch verwendet, um von der ewigen Verdammnis und dem Gericht Gottes zu sprechen. Jedes Evangelium, das nicht auf der Basis von Golgatha steht, führt zur ewigen Verdammnis. Es ist der einzige Weg zur Rettung.

Dabei ist es völlig gleich, ob es ein Engel ist, der vom Himmel herabkommt und so etwas erzählt, oder Paulus selbst. Das ist besonders spannend, weil Paulus eigentlich seine eigene Autorität ins Feld führt. Gleichzeitig sagt er aber, wenn er selbst irgendwann etwas anderes sagen sollte, dann stünde auch er unter diesem Fluch.

Ich denke, er kann das sagen, weil er im Nachfolgenden auch deutlich macht, dass diese Botschaft nicht von ihm allein stammt, sondern von den anderen Aposteln, die dahinterstehen. Das kann man unter anderem im zweiten Kapitel nachlesen.

Warum fährt Paulus hier so scharf auf? Weil es um das Ganze geht. Es geht um das Zentrum unseres Glaubens, und Paulus kann hier keine Abstriche zulassen. Es handelt sich nicht einfach um ein kleines Streitthema, das bei Christen mal vorkommt und bei dem wir eine gewisse Weite zulassen müssen.

Es geht um eine Lehre, für die wir bereit sein müssen, einzustehen, weil sie das Zentrum ist. Wenn wir diese Lehre aufgeben, fällt alles weg.

Wer ein solches anderes Evangelium annimmt oder verkündet, ist buchstäblich auf dem Weg ins Gericht. Warum? Weil er selbst keine Gnade kennt und weil er Menschen von dieser Gnade wegführt.

Buweh uns – das möchte ich wirklich sagen. Buweh uns, wenn wir das tun. Buweh uns, wenn wir ein anderes Evangelium verkünden.

Die Verantwortung der Verkündiger und die Bedeutung der biblischen Wahrheit

Und die Frage dürfen wir uns stellen: Sie richtet sich zuerst natürlich an uns Prediger. Was ist unsere Botschaft? Reden wir in erster Linie von dem, was Gott getan hat? Dass er es war, der uns gerettet und herausgerufen hat? Oder geben wir der Versuchung nach, von den Menschen zu reden und davon, was sie tun müssten?

Die Versuchung ist sehr groß, besonders in unserer Zeit. Sie ist extrem stark, gerade für uns Prediger. Ich sage das ganz deutlich, weil ich weiß, dass vor allem Praxis gefordert wird. Ja, es ist schön, wenn ich nach der Predigt ein To-do mitgeben kann, das man in der Woche umsetzen kann. Aber das Evangelium ist keine Botschaft davon, was du und ich als Menschen tun müssen.

Das Evangelium ist in erster Linie eine Botschaft von dem, was Gott getan hat. Diese Botschaft muss sich tief in unserem Leben verankern. Sicherlich gehören Heiligung und alles, was dazugehört, dazu, und das hat seinen Platz. Aber das Zentrum, von dem alles abhängt, ist das Werk Jesu Christi, der sich für dich hingibt und für dich stirbt.

Wenn das nicht das Zentrum dessen ist, was wir anderen Menschen weitergeben – sei es in der Predigt oder in persönlichen Gesprächen, in denen wir Zeugnis vom Evangelium ablegen – dann müssen wir uns fragen, was wir wirklich für ein Evangelium weitergeben. Reden wir mit den Menschen über das große Werk, das Gott getan hat, oder werfen wir sie auf sich selbst zurück?

Warum sage ich das so deutlich? Weil Paulus hier eine der schärfsten Warnungen im Neuen Testament ausspricht. Er spricht einen doppelten Fluch aus, wenn wir ein falsches Evangelium verkünden. Auch wenn wir das vielleicht nicht bewusst tun oder glauben, müssen wir uns immer wieder die Frage stellen: Was ist wirklich die Botschaft, die ich weitergebe? Was bleibt bei den Leuten hängen?

Wie kannst du sicher sein, dass du wahres Evangelium verkündest? Wie kannst du sicher sein, dass du dem wahren Evangelium anhängst? Wie kannst du sicher sein, dass die Menschen, die hier vorne stehen, wahres Evangelium verkünden?

Wenn ihr den Galaterbrief anschaut, hängt es an der von Gott geoffenbarten Wahrheit und Autorität. Diese kam damals stark durch die Apostel. Heute finden wir die Botschaft, die Gott offenbart hat, in seinem Wort. Das ist der einzige Weg, wie wir sicher sein können, dass wir dem wahren Evangelium anhängen und es prüfen können.

Deshalb würde ich sagen: Wer Gottes Wort aus der Hand nimmt, ist wieder auf sich selbst geworfen. Er weiß nicht mehr, ob das, was er glaubt und wovon er überzeugt ist, von Jesus wahr ist.

Momentan hört man in der evangelischen Kirche und ähnlichen Gemeinden sehr oft: „Ja, wir glauben an Jesus, aber schiebt die Bibel weg.“ Ja, dann ist es ein Jesus, den du dir selbst bastelst. Das ist einfach so zwangsläufig, und das hat immer mehr Einzug in unsere Gemeinden gehalten.

Wir haben nur eine Chance: indem wir auf Gottes Wort vertrauen. Wenn wir diese Botschaft verlassen, sind wir auf uns selbst geworfen. Diese Botschaft ist Gottes Wort, das uns Gottes Handeln und Werk zeigt. Es offenbart, wie wir als Menschen verloren sind und uns nicht selbst retten können. Es zeigt auch, wie Gott herabkommt, um uns genau aus diesem Sumpf zu retten.

Praktische Schritte zur Verankerung des Evangeliums im Leben

Deshalb möchte ich dir Mut machen, dein Leben auf dieses Evangelium und die Gnade Gottes zu gründen. Es gibt keine andere gute Nachricht, außer dass Gott dich aus dem Sumpf rettet und befreit.

Ich möchte dir auch Mut machen, dich intensiv mit dem Zentrum deines Glaubens auseinanderzusetzen. Verankere fest in dir, dass dich niemand von diesem Fundament abbringen kann – auch nicht Menschen, die ein anderes Evangelium verkünden.

Nur durch das Werk Jesu auf Golgatha kannst du Ruhe und Frieden finden, so wie Paulus es den Galatern wünscht. Weder dein guter Charakter noch deine Werke, nicht einmal deine eigene Entscheidung können dir diese Ruhe schenken. Frieden findet nur, wer sein ganzes Vertrauen auf Jesus Christus setzt, der für dich und mich auf Golgatha gestorben ist.

Wie kannst du dir das praktisch mehr einprägen? Ich werde jetzt praktisch: Wir können uns mit Jesus und seinem Evangelium beschäftigen und darin Stück für Stück wachsen. Der Teufel hat eine Strategie: Er will uns davon abhalten, uns mit Jesus auseinanderzusetzen.

Warum? Weil er dann schnell erreicht, dass wir – vielleicht ohne die Gemeinde zu verlassen – wieder auf eigene Werke vertrauen. Wir brauchen es, dass die Bibel uns immer wieder daran erinnert, wer wir sind und was Gott für uns getan hat.

Zweitens brauchen wir andere Menschen um uns herum, die unseren Blick regelmäßig auf Golgatha und das Kreuz lenken. Menschen, die uns darauf hinweisen und uns daran erinnern – genau dafür ist Gemeinde da. Wir brauchen einander.

Wenn du es ganz praktisch machen möchtest, dann schreibe heute zu Hause für dich auf, was das Evangelium für dich bedeutet. Begründe es mit Bibelstellen. Nimm dir diese Arbeit wirklich vor und versuche, die wichtigsten Wahrheiten knapp zusammenzufassen und auswendig zu lernen.

Warum? Wenn du Zeugnis geben sollst von dem, was du glaubst, solltest du das wahre Evangelium verkünden. Wir Christen sind oft dafür bekannt, dass das Christentum vor allem aus richtigem Leben besteht. Doch nichts könnte weiter vom Evangelium entfernt sein.

Was hilft uns das? Wenn du auf diesem Fundament stehst, findest du Ruhe, Gnade und Frieden. Du kannst bei Gott zur Ruhe kommen, mit Gelassenheit. Von dort aus wird er dein Leben anpacken und dich verändern. Aber das ist nicht das Fundament deiner Rettung.

Das Fundament deiner Rettung ist Golgatha. Es hängt nicht mehr an dir. Das ist eine Botschaft, mit der wir leben können – und mit der wir sterben können. Nur das ist eine gute Nachricht.

Deshalb sage ich: Finger weg vom wahren Evangelium. Amen.