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Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 2/60

24.09.2006
SerieTeil 2 / 60Der Messias im Alten Testament (AT)
Warum ausgerechnet Abraham? Gott setzt nicht auf Macht oder Herkunft, sondern auf eine Linie, durch die Segen für alle Völker kommen soll. Und genau daran entscheidet sich bis heute mehr, als man denkt.

Die Ausbreitung der Völker und die Linien der Nachkommen

Vers 5: Von diesen aus verteilten sich die Bewohner der Inseln der Nationen in ihren Ländern. Das hebräische Wort für Insel, ijin, ist im Alten Testament eigentlich der Fachausdruck, speziell für die Inseln und Küstenländer Europas. Dieser Ausdruck kommt noch später vor und ist ein ganz typischer Ausdruck für Europa in der Bibel. Das bestätigt nochmals, dass sich die Jafetiter insbesondere nach Europa ausgebreitet haben.
Wie dann die weiteren Verse 6 und 7 zeigen, haben sich die Söhne Hams besonders in Afrika und auch in Asien, vor allem aber in Afrika, ausgebreitet. Liest jemand Verse 6 und 7: Und die Söhne Kuschs: Seba, Habila, Sabta, Raema, Sabtecha; und die Söhne Raemas: Scheba und Dedan.
Jawohl, Kusch ist später in der Bibel der Name für Sudan, also für die Schwarzen im Sudan und im weiteren Sinn dann auch für Äthiopien. Kusch heißt übrigens Schwarz, also stammen von ihm die Schwarzen Afrikas ab. Mizraim ist noch heute im Hebräischen der Name für Ägypten. Mizraim war also der Stammvater der altägyptischen Kultur und so weiter.
Noch wichtig ist jetzt Kanaan, ein Sohn Hams. Von ihm stammen die Kanaaniter ab, also die Urbewohner des späteren Landes Israel und auch die Urbewohner im Libanon. Also sind auch die heutigen Libanesen wesentlich Nachkommen Kanaans. Die Phönizier sind ebenfalls Kanaaniter.

Die Verheißung an Japheth, Ham und Sem

Ja, und jetzt gehen wir zurück zur Prophetie. Was sagt Gott im Blick auf Japheth? Ja, und noch davor? Dass er weiten Raum hat. Ja, weiten Raum. Das ist ein Wortspiel, weil Japheth heißt Ausdehnung. Also: Er gebe Ausdehnung dem Ausdehnung. Das ist im Hebräischen wörtlich dieser Ausdruck: Weitmache Gott dem Japheth.
Das heißt, Japheth sollte sich ganz besonders weit ausbreiten können auf der Welt. Und das hat sich später in der Geschichte auch so ereignet, dass von Europa aus ganz Amerika erobert wurde. Dann kamen auch große Gebiete Asiens unter die Kolonisation, dann auch große Teile Afrikas und schließlich auch Australien. Das sind alles die Nachkommen Japheths, die sich so weltweit ausgedehnt haben und am meisten Ausdehnung erlangt haben.
Aber dann haben wir bei Ham: Was wird über Ham gesagt? Ich frage nicht bewusst so, eigentlich nichts, ja, außer dass für Ham sein Sohn erwähnt wird, einer seiner Söhne, nämlich Kanaan, der verflucht ist. Also wichtig: Man kann hier nicht ableiten, zum Beispiel die Schwarzen seien unter einem Fluch. Das wurde ja oft behauptet, aber die Prophetie von Noah sagt gar nichts über Kusch, auch nicht über Ham als solchen, sondern über Kanaan. Und über das kanaanitische Volk kam ein spezieller Fluch, weil es sich so in Götzendienst verstrickt hatte, dass es später durch Israel besiegt werden musste. Und so hat sich dieser Fluch über Kanaan speziell erfüllt.
Aber die Abwesenheit von Segnung ist natürlich auch eine Art ungünstige Tatsache. Aber ich komme darauf zurück: Also kein Segen. Bei Japheth ein Segen über die Ausdehnung, aber bei Sem, was wird da gesagt? Eine besondere Gottesbeziehung. Ja, Gott ist der Gott Sems. Ganz genau, von daher kommt das.
Aber dieser Ausdruck Semiten wurde ja etwa im 19. Jahrhundert erst geprägt, beziehungsweise nein, ich muss sagen: Der Ausdruck Antisemiten wurde so geprägt. Und es ist eigentlich etwas missverständlich, weil mit Antisemitismus speziell Judenhass gemeint ist. Aber da ja viele andere Völker auch Semiten sind, ist der Ausdruck eigentlich völlig missverständlich. Man müsste sprechen von Antijudaismus, Anti-Israelismus; dann trifft man das Wesen von Antisemitismus. Aber das kann man nicht mehr ändern, das Wort ist eingebürgert. Es ist aber wichtig, dass man ab und zu das Wort wieder definiert und erklärt. Eigentlich ist es gar keine ganz glückliche Wahl. Denn zum Beispiel arabische Stämme in Saudi-Arabien sind genauso Semiten, aber mit Antisemitismus ist ja nicht der Hass von arabischen Beduinen gemeint, zum Beispiel.
Ja, also das zur Klärung. Aber wichtig: Gott ist der Gott Sems. Das heißt, die erwählte Linie sollte speziell über Sem gehen, die messianische Linie, denn Gott ist der Gott Sems. Nicht aus Japheth sollte der Messias kommen, kein Europäer sollte er sein, und er sollte auch nicht aus Ham hervorkommen, auch nicht zum Beispiel ein Afrikaner sein, sondern aus der Linie von Sem. Das ist eben noch sehr weit gefasst, aber wir werden sehen, wie sich in der weiteren Prophetie der Fokus immer mehr zusammenzieht.
Später sehen wir, wir kommen gleich heute noch dazu: Abraham wird auserwählt, er war ein Semit. Abraham soll der Stammvater Israels werden, das heißt also über Sem. Über Abraham soll der Messias kommen, aber dann ist die Frage offen, über welchen seiner Söhne, über Ismael oder über Isaak? Wir werden sehen: Isaak wird gewählt. Aber sein Sohn Isaak hat auch wieder Söhne, Esau und Jakob. Aus welcher Linie soll der Messias kommen? Er sollte nicht aus der Linie von Esau kommen. Das ist der Stammvater der Südjordanier, der alten Südjordanier, sondern über Jakob. Jakob hatte zwölf Söhne, und aus den zwölf Söhnen: Von welchem soll er abstammen? Wir werden auch noch sehen: von Juda. Er sollte ein Jude sein, aus dem Stamm Juda.
Später werden wir sehen, aber aus welcher Familie in Juda? Aus der Familie von Isai und David. Und so ist aus dieser Linie dann auch Maria gekommen. Also die Linie zieht sich immer mehr zusammen. Wir haben in 1. Mose 3 gesehen: Der Erlöser muss ein Mensch sein. Und dann haben wir gesehen in 1. Mose 5: Die Verheißungslinie ging nicht über Kain, sondern über Seth, Enosch usw. bis auf Noah, und von Noah dann über die Linie von Sem. Gott ist der Gott Sems.
Entschuldigung, und jetzt Vers, ja, noch mal schnell, ganz wichtig: Jetzt Vers 27, den Ausdruck muss man so auffassen: Weit mache es Gott dem Japheth. Und das bezieht sich nun auf: Gott wohne in den Zelten Sems, und Kanaan sei sein Knecht.
Im aramäischen Targum, das ist eine aramäische Umschreibung aus dem alten Judentum, da wird dieser Vers so umschrieben: Und er wird seine Herrlichkeit in den Zelten Sems wohnen lassen. Von Gott. Gott wird seine Herrlichkeit in den Zelten Sems wohnen lassen. Also Gott wird einmal unter Menschen wohnen, aber unter Semiten, und wir werden sehen: Später ist damit das Volk Israel gemeint, dem sich Gott in besonderer Weise offenbaren wird.
Das Wohnen ist hier Schachan, das Wort, von dem dann auch das Wort für Stiftshütte, Mischkan, die Hütte, herkommt. Und das rabbinische Wort für die Wolkensäule, die Gottesgegenwart über der Stiftshütte und dem ersten Tempel anzeigt, ist die Schechina. Das kommt auch von Schachan. Die Schechina ist das, was das Wohnen Gottes inmitten von Israel anzeigt.

Herkunft, Verwandtschaft und die Frage nach den Völkern

Ja, jetzt noch. Sie hatten noch eine Frage.
Ja, und zwar ist mir nicht klar geworden: Die Ägypter, also die Schwarzen, Afrikaner oder schwarzen Menschen?
Nein, die Schwarzen stammen von Kusch ab. Mitzraim ist Ägypten, das ist also ein Bruder von Kusch. Die sind schon nahe miteinander verwandt, aber nicht direkt.
Und natürlich kommt immer die Frage, woher die Unterschiede der Hautfarbe kommen. Das sind ja nur ganz kleine Unterschiede im Erbgut. Und es ist so: Das Erbgut ist eigentlich, man muss sagen, wie ein Schatzhaus, in dem viele verschiedene Möglichkeiten enthalten sind. Also da kann jemand in seinem eigenen Erbgut die Angabe haben, wie blaue Augen konstruiert werden sollen und wie grüne. Natürlich hat der betreffende Mensch ja nur eine Farbe, aber seine Kinder können dann plötzlich blaue Augen haben, weil er immer noch die Information in seinen Genen hat.
Man spricht dann eben von einem Genpool, einem Genteich, in dem die ganze Variation drin ist. Und es ist so: In der Zucht nützt man eben diesen reichen Genpool aus. Darum konnte man von einem Urwolf letztlich alle heutigen Hunderassen herleiten, weil der all diese Information in seinem Erbgut noch hatte. Und durch Zucht weiß man genau, wie man das machen muss, damit gewisse Gene zur Entfaltung kommen. So konnte man die ganze Fülle an Hunderassen hervorbringen. Da ist also nichts passiert mit Mutation oder etwas Neues entstanden, sondern das war alles bereits vorhanden.
Und es ist so: Je weiter man zurückgeht, desto größer ist der Genpool. Zum Beispiel auch bei Raubkatzen. Tiger und Löwen, die sind ja miteinander verwandt, man kann die sogar kreuzen. Da sieht man auch eine Verwandtschaft, zum Beispiel mit Geparden. Aber Geparden sind sehr spezialisiert, das heißt, die haben nur noch einen kleinen Genpool und haben darum auch keine Möglichkeiten, sich noch groß zu verändern. Die Nachkommen können sich kaum mehr verändern, und darum sterben Geparden aus, wenn die Umwelt nicht mehr stimmt. Sie sind sehr gefährdet, weil sie so extrem spezialisiert sind.
Aber Spezialisierung heißt eben, dass ganz extreme Gene, die früher eine Urraubkatze hatte, nur noch erhalten geblieben sind. Darum sind Geparden zum Beispiel auch so schnell, die schnellsten Säugetiere. Aber sie können sich kaum mehr ändern.
Und so ist es auch mit den Menschen. Der Mensch Adam hatte ursprünglich einen sehr großen Genpool, und da waren alle Informationen drin, wie man weiße Haut macht, wie man schwarze Haut macht, rote Haut, gelbe Haut, alles ist drin. Die ganzen Variationen sind drin. Und wie kommt das raus? Bei der Zucht spricht man von einem Flaschenhalsphänomen. Also: Die Flasche ist ja unten breit und dann beim Hals wird sie eng. Wenn man eine große Grundpopulation hat und die wird plötzlich, zum Beispiel durch eine Katastrophe, verengt, sodass nur noch ein paar Exemplare überleben, dann ist es eine besondere Chance, dass neue Rassen entstehen.
Das Sintflutereignis war genau ein Flaschenhalsereignis. Wir haben eine Grundpopulation vor der Sintflut. Die wurde durch die Katastrophe reduziert auf acht Exemplare. Es war also ideal, dass in der Folge sehr schnell ganz neue Merkmale hervorkommen können. Und dann kam die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Das war nochmals ein Flaschenhalsphänomen, denn da wurden durch die Sprachenverwirrung die einzelnen Stämme voneinander getrennt, und die haben nicht mehr untereinander geheiratet. Ideal, damit eben solche Rassenmerkmale entstehen. Innerhalb von zwei bis drei Generationen kommen die raus.
Also so erklärt sich die Bildung der schwarzen Haut als ein Phänomen, das man in zwei, drei Generationen hatte. Ja.
Aber ein Phänomen wird überhaupt nicht erwähnt: Wo haben denn die Kinder von den drei Kindern, also die Enkelkinder von Noah, ihre Frauen hergekriegt? Haben die die Töchter ihrer Cousins und Cousinen geheiratet?
Ja, die mussten natürlich in der Familie heiraten. Aber schon Abraham hat ja seine Halbschwester geheiratet. Sarah ist ausdrücklich nach dem Bibeltext seine Halbschwester. Das war in der Zeit noch möglich, weil das Erbgut damals noch weitgehend sauber, rein war, noch nicht so zerstört durch Strahlung wie bei uns heute. Heute ist ja die Gefahr von Schäden bei zu nahen Verwandtschaften sehr, sehr groß.
Und darum: Ab dem Auszug aus Ägypten, das heißt 400 Jahre nach Abraham oder 500 Jahre nach seiner Geburt, wird im Gesetz Mose für Israel all diese nahen Verwandtschaften ausdrücklich aufgezählt und verboten. Also Bruder, Schwester, Ehe absolut unmöglich, auch weitere nahe Verwandtschaftsgrade werden alle genau spezifiziert. Es gibt sogar Verwandtschaftsgrade, die in Deutschland nach deutschem Gesetz für eine Ehe erlaubt sind, die aber im Gesetz Mose verboten sind. Ab dieser Zeit ist das nicht mehr möglich, aber vorher war das absolut möglich und hat auch keine Schäden zur Folge gehabt.
Ja, also so sind die Völker von drei, man kann sagen Patriarchen, Sem, Ham und Jaffet, hergekommen. Aber eben eine Linie wurde ganz besonders auserwählt, dass Gott sich durch diese Linie offenbaren wollte, das ist die Linie von Sem.
Und wenn wir da vielleicht noch eine Brücke schlagen zum Neuen Testament: Ziemlich am Anfang der Apostelgeschichte erzählt Lukas drei Bekehrungsgeschichten, drei Porträts. Zuerst die Bekehrung von einem Kämmerer aus Äthiopien. Übrigens, das war ja ein hoher Beamter der Kandadze, das heißt einer Königin im heutigen Sudan. Das war ein Sundanese, ein Nachkomme von Kusch aus der Linie von Ham. Dann kommt die Bekehrungsgeschichte in Apostelgeschichte 8 von dem Äthiopier. Dann in Apostelgeschichte 9 die Bekehrung von Paulus. Ja, aus welcher Linie? Ja, aus der Linie von Sem, klar, über Juda, aber zurück auf Sem. Und dann kommt die Bekehrungsgeschichte von dem römischen Hauptmann Cornelius aus Europa, und das ist ein Jaffetit.
Also Lukas erzählt dort ganz bewusst drei Bekehrungsporträts aus allen Stammlinien der Söhne Noas. Und das Schöne ist: Ham wird zuerst genannt. Erst dann kommt Sem mit Paulus und Jaffet mit Cornelius. Und wir haben davon gesprochen, dass Ham in diesem Ausspruch von Noah keinen Segen bekommen hat. Aber das Evangelium zeigt: Apostelgeschichte 8 ist für alle Völker da, und Gott ruft sie aus Afrika heraus, aus Asien und aus Europa. Es ist ganz, ganz eindrücklich, wie durch Jesus Christus schlussendlich alle Völker unter den Segen Gottes kommen, sogar die Völker, die bei Noah keinen Segen hatten.
Gibt es auch einen direkten Hinweis, dass Kananiter zum Glauben kommen oder gesegnet werden?
Ja, zum Beispiel ist der Libanon eines der Länder im Nahen Osten, das von alters her besonders viele Christen aufwies. Im Libanon sind so viele zum Glauben gekommen. Das sind alles Zeugnisse dafür, dass Gott den Kananitern sogar eine ganz besondere Gnade gegeben hat. Der Libanon war in den vergangenen Jahrhunderten immer die Insel, das Zufluchtsland für Christen, die im Nahen Osten verfolgt wurden. Aus dem Gebiet von Irak, Syrien und so weiter sind die immer nach Libanon geflohen. Also dieses kanonitische Land hat insofern einen ganz besonderen Segen Gottes bekommen.
Ja, noch etwas dazu.

Der Weg Abrahams von Ur nach Haran

Dann gehen wir weiter und kommen jetzt zur Erwählung Abrahams aus dieser Linie von Sem. In den Kapiteln 11,1-9 haben wir die Turmbaugeschichte mit der Sprachenverwirrung. Dann, ab Vers 10, wird die Linie von Sem beschrieben bis auf Abraham.
Zehn Generationen haben wir hier: von Sem über Arpachschad, Schelach, Heber, Peleg, Reu, Serug, Nahor, Terach und dann Abraham.
Liest jemand 1. Mose 11,26-32:
Und Terach lebte siebzig Jahre und zeugte Abram, Nahor und Haran. Und das ist die Geschlechterfolge Terachs: Terach zeugte Abram, Nahor und Haran. Und Haran zeugte Lot. Haran aber starb zu Lebzeiten seines Vaters Terach im Land seiner Verwandtschaft in Ur in Chaldäa. Und Abram und Nahor nahmen sich Frauen; der Name von Abrams Frau war Sarai, und der Name von Nahors Frau war Milka, die Tochter Harans, des Vaters der Milka und des Vaters der Jiska. Sarai aber war unfruchtbar, sie hatte kein Kind. Und Terach nahm seinen Sohn Abram und Lot, den Sohn Harans, seines Sohnes Sohn, und Sarai, seine Schwiegertochter, die Frau seines Sohnes Abram, und sie zogen miteinander aus Ur in Chaldäa, um in das Land Kanaan zu gehen. Sie kamen nach Haran und wohnten dort. Und die Tage Terachs betrugen zweihundertfünf Jahre, und Terach starb in Haran.
Der Turmbau von Babel, 1. Mose 11,1-9, war noch vorsumerisch. Interessant ist ja auch, dass der sumerische Name für Babel, „Babilum“, kein sumerisches Wort ist. Wenn man das in Spezialwörterbüchern nachschaut, wird erklärt, „Babilum“ sei ein vorsumerisches Wort. Also: Durch den Turmbau von Babel sind dann die verschiedenen Stämme, die von den Söhnen Noas hierher geleitet wurden, zerstreut worden. Danach errichteten die Sumerer im Nahen Osten eine Hochkultur.
Und jetzt, zehn Generationen nach Sem, finden wir Abram. Wo wohnt er? In Ur in Chaldäa. Das liegt heute im Südirak. Die Geburt Abrahams kam man nach strenger chronologischer Errechnung aus den Zahlenangaben in der Bibel auf zweitausendeinhundertelf vor Christus festlegen. Da lebte er also in dieser sumerischen Stadt.
Zu der Zeit war Ur die blühendste Stadt des ganzen Zweistromlandes, ganz Mesopotamiens, die reichste und blühendste Stadt. Sie lag damals noch direkt am Euphrat. Der Euphratlauf hat sich im Laufe der Zeit verändert, aber damals lag die Stadt direkt am Fluss. So konnte man über den Euphrat auch direkt einen Zugang ins Rote Meer haben, was für den Handel natürlich ganz wichtig war.
Also: eine sumerische Stadt, Ur. Abraham wächst dort auf, und zwar nicht als Sumerer. Er war kein Sumerer, und das sehen wir aus den Namen. Abraham oder Abram, wie er ursprünglich hieß, ist westsemitisch. Das heißt, er gehört zu den Sprachen, die mit Hebräisch verwandt sind. Also kein Sumerer. Aber er wohnte dort in Ur in Chaldäa. Auch seine Vorfahren, Terach, Nahor, Serug, das sind alles westsemitische Namen, die übrigens nach den Inschriften, die wir aus der Zeit haben, typisch waren für die Zeit um zweitausend vor Christus.
Das ist eine tolle Sache, ja, weil man in der liberalen Theologie doch sagt, das seien alles erfundene Legenden, die so tausendfünfhundert Jahre später, als was die Bibel hier behauptet, am Schreibtisch erfunden worden seien. Ja bitte, wir haben diese angeblichen Fälscher. Wir haben genau gewusst, welche Namen sie wählen müssen für die Zeit von Abraham, damit sie ganz typisch sind für die Zeit. Ja, absoluter Volltreffer.
Und wir sehen dann noch weitere Details. Ur war die Stadt des Mondgottes. Der sumerische Mondgott Nanna wurde dort besonders verehrt. Man hat einen Stufenturm, eine Kopie des Turmes von Babel, in Ur ausgegraben. Den kann man heute dort bewundern. Und der Mondgott wurde bei den Sumerern verehrt als der Gott, der Menschen und Vieh zahlreich macht.
Jetzt merken wir die Pointe in der Abrahamsgeschichte. Was heißt es da in Vers 30? Dass sie kein Kind hatte? Ja, der Mondgott hat völlig versagt in Ur, obwohl er der Hauptgott dort war. Und plötzlich erscheint aber der wahre Gott dem Abraham, 1. Mose 12,1-3.
Wer liest das vor?
Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
Ja, was verheißt der Schöpfergott dem Abraham hier? Ja, und zwar soll Fruchtbarkeit, dass er jetzt nicht nur ein Volk werden wird, sondern ein großes Volk. Und nicht irgendein großes Volk, sondern er soll der Vater werden des auserwählten Volkes, und zwar des auserwählten Volkes, aus dem letztlich der Messias kommen sollte, als Segen für alle Völker.
Und darum liest noch jemand nochmals Vers 3:
Und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
Jawohl. In den späteren Prophezeiungen, die Gott Abraham gegenüber offenbart, werden wir sehen, dass mit diesem Segen der Messias gemeint ist. Also: Von ihm soll der Erlöser der Welt abstammen. Und wir sehen auch gleich hier: Die Erwählung Israels bedeutete niemals die Verwerfung der anderen Völker.
Es gibt ja viele Leute, die ärgern sich, wenn man vom erwählten Volk Israel spricht. Sie werden geradezu wütend. Aber oft verbinden sie damit, dass dann die anderen verworfen seien. Doch die Erwählung Israels bedeutet eben gerade den Segen für alle Völker. Das ist in der Erwählung Israels enthalten. Und wer diese Erwählung ablehnt, lehnt nämlich konsequenterweise dann auch den Segen, den Erlöser, Jesus Christus, ab.
Also, das ist schon eindrücklich, ja, wie man in 1. Mose 10 diese siebzig Namen von Nachkommen, der Nachkommenschaft der Söhne Noas, hat. Und dann denkt man: Jetzt hat Gott die anderen Völker vergessen. Nein, er hat sie ihre Wege gehen lassen. Sie konnten nach Europa gehen, nach Afrika, nach Asien. Aber Gott hat sie nie vergessen, sondern er hat Abraham auserwählt aus der Linie Sems, damit von ihm das große Volk abstammen soll, das letztlich ein Segen werden soll für alle anderen Völker, weil aus diesem Volk eben der Erlöser kommen wird.
Übrigens etwas Bemerkenswertes: Gott sagt ihm, ich will deinen Namen groß machen. Was heißt auf Hebräisch Name? Weiß das gerade jemand zufällig? Shem. Das ist das Gleiche wie Sem. Auf Deutsch sagen wir Sem, aber auf Hebräisch steht Shem. Shem, Ham und Jafet, die drei Söhne. Shem heißt Name, und Gott sagt: Ich will deinen Namen groß machen. Das ist natürlich eine Anspielung auf diesen Namen von seinem Stammvater Shem. Aus dieser Linie kommt eben Abraham, und durch diese Linie offenbart sich Gott eben letztlich durch den Erlöser, der ein Segen wird für alle Völker.
Also, die ganze Geschichte ist natürlich eine wunderbare Parodie auf den Götzendienst von Ur in Chaldäa, diesen toten Mondgott. Die Amerikaner sind ja vor ein paar Jahren dorthin aufgestiegen, 1969 zum ersten Mal, und da haben sie gesehen, was das für ein Gott ist: voller Staub, ja, überall von Staub bedeckt. Das ist ein toter Stein, und er ist völlig zerlöchert. Das Gesicht: Weil es keine Atmosphäre gibt auf dem Mond, schlagen die Meteoren mit voller Wucht ein. Das ganze Gesicht des Mondes ist zertrümmert. Darum sieht man ja eben diese Unterschiede von hell und dunkel, wenn man den Mond bei Vollmond beobachtet. Das hängt ja zusammen mit diesen Kratern.
Ja, also das war der Mondgott. Natürlich konnte der kein Kind geben. Aber der wahre Gott gibt Abraham nicht nur ein Kind, sondern ein Volk, und nicht nur ein Volk, sondern schließlich den Erlöser der Welt.

Die Berufung Abrahams und die Frage nach dem Zeitpunkt

Ja, sind wir es dahin? Welche Fragen? Waren die Vorfahren von Abraham dann auch solche Götzendiener, immer dieser Mondgott?
Ja, das wird ausdrücklich so gesagt in Josua 24. Da haben wir die Landtagsrede von Sichem, die Josua am Ende seines Lebens hielt. Und da erklärt er Israel, sie müssen sich jetzt entscheiden, welchen Göttern sie dienen wollen: dem wahren Gott oder den falschen Göttern.
 Josua 24, liest du mal Roland, Vers 2. Da sagte Josua zu dem ganzen Volk: So spricht der Herr, der Gott Israels: Eure Väter haben vor alters her jenseits des Euphratstroms gewohnt, nämlich Terach, der Vater Abrahams und Nahors, und haben andere Götter verehrt.
Ja, und dann noch dazu Vers 14 und 15. Vers 15: Wollt ihr euch aber nicht dazu verstehen, dem Herrn zu dienen, so entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt, ob den Göttern, denen eure Väter jenseits des Euphratstroms und in Ägypten gedient haben, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.
Ja, hier sieht man Israel in der Konfrontation mit drei Religionen. Also die Väter, damit ist Abraham, Terach und so weiter gemeint, die haben jenseits des Stroms, jenseits des Euphrat in Ur in Chaldäa, anderen Göttern gedient. Und dann die Vorfahren in Ägypten: Die Israeliten, Sklaven in Ägypten, haben den ägyptischen Göttern gedient, mit Re und all diesen vielen ägyptischen Göttern, Sonnengott usw. Und weiter werden die Götter der Amoriter erwähnt, Vers 15 am Schluss, die Götter der Amoriter. Die Amoriter waren der grösste Stamm unter den Kanaanitern. Also damit ist die kanaanitische Religion mit Baal und Aschera usw. gemeint.
Drei Religionen, mit denen sie konfrontiert waren. Wenn er sagt, ihr müsst euch entscheiden, ihr könnt nicht diese Religionen weiterführen und dem Herrn dienen, ihr müsst allen Religionen abschwören. Das ist natürlich ein Text, der in der heutigen Zeit einen Skandal auslöst. In der heutigen Zeit der Toleranz ist hier, wie gesagt, ganz klar: Ihr müsst euch entscheiden und diese Religionen verwerfen, weil es falsche Religionen sind.
Also von Toleranz kann man nach den wahren Worten, die zitiert worden sind vor 500 Jahren und die im Islam-Bereich diesen unglaublichen Sturm ausgelöst hätten, nun wirklich nicht sprechen. Nein, nein. Aber eben die biblische Toleranz ist eine Toleranz, die den Nächsten als Menschen achtet und stehen lässt. Aber das heisst nicht, dass wir nicht wissen könnten, was die Wahrheit ist.
Und das ist der aufklärerische Toleranzbegriff, also Aufklärungszeit, 18. Jahrhundert, wo man sagte, wir müssen tolerant sein, weil man sowieso nicht wissen kann, was die Wahrheit ist. Und das ist dieser Toleranzbegriff von heute. Und Leute meinen, wenn sie von Toleranz sprechen, dann meinen sie, es gibt nur diese Art von Toleranz. Aber die christliche Toleranz ist: Ich lasse den Nächsten mit seinem Glauben stehen, ich bezeuge ihm das Evangelium, aber ich zwinge ihn nicht. Er muss sich bekehren.
„Ja, lassen wir alles stehen, man kann sowieso nicht wissen, was wahr ist.“ Es ist ganz wichtig, dass man das unterscheidet und erklärt. Gut, natürlich bin ich tolerant, aber in einem christlichen Sinn, nicht in einem aufklärerischen Sinn.
Jetzt noch zu Abraham. Ich habe schon gesagt, Abraham wurde geboren nach biblischer Chronologie 2111 v. Chr. Da sind wir in Europa noch immer deutlich in der Jungsteinzeit. Muss man sich mal vorstellen! Was weiss man über Europa aus dieser Zeit? Welche Familiengeschichten wären da irgendwie zu zitieren? Nichts, es ist alles ein schwarzes Loch. Nebel ist schon zu viel gesagt. Ein schwarzes Loch.
Und übrigens: Die Jungsteinzeit wird in Deutschland, also in Europa, bis etwa 1600 v. Chr. angesetzt. Aber nach biblischer Chronologie ist um 1606 der Auszug aus Ägypten. Soll man sich mal klar sein, wenn man den Kindern die Geschichten erzählt: Sogar der Auszug aus Ägypten ist eine Geschichte aus der Jungsteinzeit. Nur im Nahen Osten spricht man eben nicht mehr von Jungsteinzeit, sondern da ist das bereits mittlere Bronzezeit, und Abraham ist die alte Bronzezeit, weil man hier eben so viel schneller in der Entwicklung war als in Europa.
Aber so lässt man staunen über die Bibel, wie sie uns wirklich konkret in die älteste Zeit zurückführt, während wissenschaftlich eben die ganze Steinzeit sonst so nebelig ist. Und wie gesagt, das wurde künstlich auseinandergezogen auf Hunderttausende von Jahren, um nicht noch mehr zu sagen.
Ja, also das ist schon eindrücklich, denke ich. Und wie wir eben erfahren über den Götzendienst Abrahams und wie dann der wahre Gott sich ihm geoffenbart hat, weil eben Gott wollte wohnen in den Zelten Sems. Darum musste dieser Semite Abraham auserwählt werden, damit dann später das Volk Israel die Stiftshütte baut und Gott so in den Hütten von Sem wohnen konnte.
Wir machen noch 20 Minuten Pause. Ja?
Ich habe noch eine Frage. Hier in meiner Bibel, die ist 1993 gedruckt, da steht Geburtszeit 1950 vor Christus und eine Fussnote dabei. Das heisst, es ist noch kein Beweis vorhanden, um ein genaues Datum für das Leben Abrahams festzusetzen. Manche konservative Gelehrte setzen es früh, etwa 2050 vor Christus, an, andere spät, das sagten Sie eben auch, 1650. In dieser Ausgabe der Bibel wird eine Schätzung auf 1950 für die Geburt Abrahams vorausgesetzt, und Sie machten es wesentlich präziser, dieses Zeitfenster.
Also, ich habe ja vor einiger Zeit in Herznach in der Schweiz einen Bibelstudientag gemacht, nur über das Thema Chronologie des Alten Testaments. Und da habe ich auch die ganze chronologische Errechnung dargelegt und auch gezeigt, es gibt gewisse Stellen, wo es Klippen gibt. Und wenn man die nicht schafft, dann kommt man zu einem falschen Schluss. Und wer diese ganze Chronologie gerne möchte, kann mir ein Mail schreiben an info at rogelivi.ch, und dann hänge ich das Ganze an. Da haben Sie die ganze Chronologie mit der ganzen Begründung.
Und das Erstaunliche ist: Ich zeige Ihnen das auch in diesem Skript, dass die ganze Geschichte Israels ab Abraham bis zum Tausendjährigen Reich kann man in vier Perioden von siebzig Jahrwochen einteilen, und dieses ganze System geht auf, wenn man die Chronologie so rechnet, wie ich das gemacht habe. Und das ist natürlich höchst erstaunlich, weil erst im Nachhinein merkt man plötzlich, wie das wunderbar aufgeht. Also immer diese siebzig Jahrwochen mit den gewissen Unterbrüchen, nach ganz bestimmten Kriterien, geht das wunderbar. Die ganze Geschichte Israels geht so auf.
Also, wer das haben will, kann Vermerk Chronologie bitte, und dann kommt das auch. Also, wir fahren weiter. Wir haben in 1. Mose 12,1-3 die erste Verheissung an Abraham gelesen.
Ich hätte noch eine Frage: Zu welchem Zeitpunkt hat Gott diese Verheissung gegeben im Leben Abrahams?
Zum Beginn seines Lebens, also zum Beginn beinahe Beruf. Ja, also ausgezogen war ja, das ist die Frage. In Haran war er damals, lebte er damals. Also wenn man den Text liest: Abraham zieht ja aus Ur aus, geht dann nach Haran, und sie wohnten da selbst, Vers 31, Terach stirbt, und dann kommt Kapitel 12,1 diese Berufung Abrahams.
Nun ... Also laut Ostergeschichte hatte er zwei Berufungen, ist das richtig? Einmal die erste in Ur und dann nochmal eine in Terach.
Ja, jetzt haben wir drei Versionen. Einer sagt, an beiden Orten gab es eine Berufung, jemand sagt, Veronika sagt nur in Ur und Herr Bar sagt in Haran. Was ist nun die Wahrheit? Machen wir eine Abstimmung, ne? Nein, so sollten wir nicht die Bibel lesen.
Wir schlagen auf Apostelgeschichte 7, und da haben wir die Erklärung von Stephanus. Bibelwort legt Bibelwort aus. Darin ist ja auch die tiefe Überzeugung begründet, die man in der Reformation wieder neu entdeckt hat, dass die Bibel selbstgenügsam ist, in sich vollendet ist, ein Bibelwort erklärt das andere.
 Apostelgeschichte 7, wer liest die Stephanusrede, Verse 2 bis 5? Stephanus antwortete: Hört mich an, liebe Brüder, und später, bevor ihm alle Ehre zukommt, erschien unser Vater Abraham in Mesopotamien, noch ehe Abraham nach Haran gezogen war. Gott forderte ihn auf: Verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde. So verliess Abraham das Land der Chaldäer und wohnte in Haran, bis sein Vater starb. Dann brachte ihn Gott hierher, wo er jetzt wohnt.
Hier in Vers 3, da sagt er, dieser Ruf erging an Abraham, als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte. Und darum haben wir auch in der Neuen Schlachter 2000 vorzeitig übersetzt, 1. Mose 12,1: Und der Herr hatte zu Abraham gesprochen. Sieht man das mit dem Plusquamperfekt? Hier haben wir diese Vorzeitigkeit ausgedrückt im Deutschen.
Das hebräische „wajomer“ kann bedeuten: Er sprach. Oder eben in manchen Fällen muss man das vorzeitig übersetzen mit: Er hatte gesprochen. Also hier haben wir einen zeitlichen Rückgriff.
Wie kommt Stephanus darauf? Nun, das Wort für Verwandtschaft, „geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft“, moldeet auf Hebräisch, bedeutet auch Verwandtschaft und auch Geburtsort, ganz wörtlich Geburtsort. Es kommt von jalad, zeugen. Moldeet, das ist der Ort, wo man gezeugt wurde, wörtlich. Und das macht deutlich, dass moldeet achah, also der Herkunftsort, das war eben Ur. Und darum hat Stephanus uns erklärt: Diese Berufung fand damals statt. Wir haben hier in Kapitel 12,1 einen zeitlichen Rückgriff.
Übrigens, das heisst, die Übersetzung „und der Herr sprach zu Abraham“ ist nicht ganz richtig, müsste „er hatte gesprochen“ heissen. Ja, das würde es besser treffen, ja. Das würde diese Vorzeitigkeit eben dann auch ganz klar machen. Ich will nicht von einer falschen Übersetzung sprechen, aber das andere ist hier genauer, ja.
Haran liegt in der heutigen Südtürkei. Es war üblich, vom Südirak niemals direkt durch die Wüste nach Kanaan, später Israel, zu gehen, weil dieser Weg viel, viel zu gefährlich durch die syrische Wüste gewesen wäre. Aber man ging dem fruchtbaren Halbmond entlang, und so muss man vom Südirak durch das fruchtbare Gebiet, dem Euphratlauf hinaufgehen und kam schliesslich so nach Haran und dann von dort wieder runter über Syrien, Libanon. Da kam man immer nur durch fruchtbares Gebiet. Also so verlief die Reise Abrahams.
Aber Haran war eine Zwischenstation. Und das Interessante ist: Später in der Abrahamsgeschichte finden wir, wie Verwandte, Laban usw., die dort in Haran wohnen. Das heisst, dieses Haran in der Südtürkei hat mit der Familie Abrahams direkt etwas zu tun. Und das erklärt übrigens auch, warum eben Abraham kein Sumerer war. Eben die Namen in der Familie beweisen das ganz klar, es sind keine sumerischen Namen, sondern westsemitische, dass eben die Vorfahren Abrahams wohl später vom westsemitischen Bereich her eingewandert waren in Ur in Chaldäa.
Aber das hängt natürlich alles zusammen mit diesen ganzen ständigen Völkerwanderungen, die es ab dem Turmbau von Babel gegeben hat. Alles war in Bewegung, und die Völker haben ihren Weg gesucht und so. Auch die Familie Abrahams hat grössere Bewegungen erlebt, also die Verwandtschaft der Vorfahren hat grössere Bewegungen erlebt. Und so kam es, dass eben Abraham in Ur berufen wurde, er ging nach Haran und blieb dort stecken.
Interessant: Haran war auch eine Mondgottstadt wie Ur, und Haran war dann eine blühende Stadt bis 1800 vor Christus. Dann war sie über viele Jahrhunderte hinweg nicht mehr besiedelt. Wir haben also über tausend Jahre keine Besiedlung. Wir haben angebliche Fälscher, sagen wir in der Zeit so um 800 vor Christus nach liberaler Theologie, eine Geschichte erfinden können, die so stimmt, dass sie auch die richtigen Städtenamen gewählt hätten, die damals noch in Betrieb waren. Muss man sich vorstellen: Eben bereits um 1800 war Haran dann keine Stadt mehr. Aber Abraham lebt nach biblischer Chronologie eben noch deutlich vorher, und damals war Haran eine blühende Stadt.
Aus solchen Kleinigkeiten kann man eben Skeptikern deutlich machen, wie vertrauenswürdig der biblische Text ist.
Ja, also Haran war eine Zwischenstation, und dann ging Abraham endlich nach Kanaan. Ist die Zwischenüberschrift in meiner Bibel hier „vergeudete Jahre in Haran“ dann eigentlich gerechtfertigt? Es waren doch auch bestimmt Jahre der Entwicklung?
Absolut ist das gerechtfertigt, und zwar aus dem Grund: Gott hat ihm gesagt: Geh aus deines Vaters Haus. Das heisst, er hätte seinen Vater verlassen sollen. Aber Terach kam mit. Das war ungehorsam. Abraham war zwar gehorsam, er ging weg aus der Hochkultur von Ur. Die Leute von Ur, das wissen wir aus den Inschriften, haben übrigens die Nomaden, die so am Rand der syrischen Wüste lebten, zutiefst verachtet. Die Nomaden, die in Zelten wohnten. Der Mittelstand in Ur zur Zeit Abrahams lebte in Häusern mit zehn Zimmern, und Abraham war aus einer höheren Klasse als Mittelstand, zwanzig Zimmer. Da haben wir ausgegraben, im grossen Quartier in Ur wurde ausgegraben, da haben wir gesehen, welchen Luxus die gelebt haben.
Und Abraham wird bereit, auf Gottes Ruf hin ein Nomade zu werden, denn von da an lebte er in Zelten, im Land Kanaan, wie wir später sehen. Also eindrücklich dieser Gehorsam, aber gleichzeitig Ungehorsam, denn er hat den Vater mitgenommen. Und noch schlimmer: Nicht nur den Vater mitgenommen, sondern der Vater hat die Initiative ergriffen, denn wir haben gelesen in 1. Mose 11,31: Und Terach nahm seinen Sohn Abraham und Lot usw. Er hat die Initiative ergriffen. Und so war das eine Blockade im Glaubensleben, und Abraham blieb stecken in Haran, kam nicht mehr weiter. Und erst als die Blockade beseitigt war, ging die Reise weiter ins verheissene Land.
Also die Überschrift ist ganz treffend, und sie zeigt: Es geht uns genau so. Wir können gehorsam sein und gleichzeitig auch zum Teil ungehorsam. Das geht. Aber früher oder später kommt die Zeit, wo wir in unserem Glaubensleben blockiert werden, und dann muss das Hindernis weg, damit wir uns gesund weiterentwickeln können.
Und so beschreibt Kapitel 12, Vers 4, wie Abraham schliesslich ins Land Kanaan, ans eigentliche Ziel, gelangte. Wer liest 12, Vers 4? Jawohl, noch weiter!
Und Abraham nahm seine Frau Sarai, Sarai und Lot, den Sohn seines Bruders, samt all ihrer Habe, die sie erworben hatten, und den Seelen, die sie in Haran gewonnen hatten, und sie zogen aus, um ins Land Kanaan zu gehen, und sie kamen in das Land Kanaan. Und Abraham durchzog das Land bis zur Ortschaft Sichem, bis zur Terebinthe Mores. Damals aber waren die Kanaaniter im Land. Da erschien der Herr dem Abraham, der sprach: Deinem Samen will ich dieses Land geben. Und er baute dort dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar.
Ja, das reicht. Nein, noch Vers 8, dann brauchen wir.
Von da zog er weiter durch das Bergland östlich von Bethel und schlug sein Zelt so auf, dass er Bethel im Westen und Ai im Osten hatte. Und er baute dort dem Herrn einen Altar und rief den Namen des Herrn an.
Jawohl, jetzt erscheint Gott zum ersten Mal am verheissenen Ort, im verheissenen Land, dem Abraham, und gibt ihm wieder eine Verheissung: Deinem Samen will ich dieses Land geben. Was bedeutet das? Jetzt definiert er bereits das Land, in dem der spätere Messias geboren wird, eben aus Abrahams Samen kommen soll.
Ganz genau. Dieser Ausdruck „dein Same“ – andere Übersetzungen haben ja dort „deine Nachkommenschaft“, ja? Sera heisst Same und hat oft den Sinn von Nachkommenschaft. Aber schauen wir mal, wie in Galater 3 das erklärt wird vom Heiligen Geist selbst. Gott, der Heilige Geist, erklärt uns, wie wir dieses Wort verstehen müssen.
 Galater 3,18: Brüder, ich rede nach Menschenweise. Selbst eines Menschenbundes, der bestätigt ist, geht niemand auf oder verordnet etwas hinzu. Dem Abraham aber waren die Verheissungen zugesagt und seinem Samen. Er sagt nicht: und den Samen, als von vielen, sondern als von einem: und deinem Samen, welcher Christus ist. Dieses aber sage ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das 430 Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig, um die Verheissungen aufzuheben. Denn wenn die Erbschaft aus Gesetz ist, so nicht mehr aus Verheissung. Dem Abraham aber hat Gott sie durch Verheissung geschenkt.
Ja, und jetzt noch ein Vers dazu: Warum nun das Gesetz? Es wurde der Übertretung wegen hinzugefügt, bis der Same käme, dem die Verheissung gemacht war, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers.
Jawohl, jetzt ist es so: Hier wird in Vers 16 eine Verheissung an Abraham, auf die wir noch gleich kommen werden, aus 1. Mose 22,18 zitiert, wo Gott wieder spricht über deinen Samen. Und da wird erklärt: Dein Same bedeutet hier Christus.
Also, der Apostel Paulus betont: Achtet darauf, das ist singular, nicht „deinen Samen“, sondern es geht hier um die Einzahl, dein Same. Natürlich kann man das Wort kollektiv verstehen, als Nachkommenschaft, ja. Aber er betont, dass die göttliche Absicht darin liegt, eben auf den Nachkommen par excellence, den eigentlichen grossen Nachkommen, hinzuweisen. Das ist Christus.
Also dein Same meint natürlich einerseits überhaupt das Volk Israel als Nachkommenschaft, aber zielt auf eine Person aus diesem Volk hin, den Messias.
Jetzt lesen wir hier in Galater 3 in diesen Versen von einem Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat, nicht wahr? Und Paulus spricht auch über das Gesetz, das dann wie viele Jahre später als dieser Bund gegeben wurde? 430 Jahre.
Jetzt hilft uns die Chronologie, die ich schon vorhin angedeutet habe. Abraham wurde geboren 2111 in Ur. Dann kam er mit wie vielen Jahren nach Kanaan? 75, ja? Ja, 2036. Und von da 430 Jahre, dann haben wir genau 1606, und das ist die Zeit des Exodus aus Ägypten. Und gleich nachher kam die Gesetzgebung am Sinai. Da haben wir eine ganz wichtige Zahlenangabe, die uns den Abstand zeigt vom Exodus, vom Auszug aus Ägypten, bis eben zum Eingang von Abraham ins verheissene Land.
Und das, was Gott ihm damals mit 75 sagte, also 430 Jahre vor der Gesetzgebung am Sinai, wird hier als ein Bund dargestellt. Der von Gott bestätigte Bund wird eben nicht durch das spätere Gesetz irgendwie aufgehoben oder ungültig gemacht. Also hier wird betont: diese bleibende Gültigkeit des Abrahambundes, obwohl später der Bund vom Sinai gekommen ist.
Nun, wo hat Gott diesen Bund geschlossen, von dem wir da in 1. Mose 12, Vers 7 gelesen haben, aus dem Jahr 2036 v. Chr.? Wo ist das gewesen? Jetzt haben wir den Zeitpunkt, jetzt wollen wir auch noch die Geographie.
Sichem ist heute wo? In Nablus, im bestehenden Land, grösste Palästinenserstadt. Und die ganze Welt behauptet, das gehöre sicher nicht den Israeliten. Ausgerechnet dort in Nablus schliesst Gott diesen Bund und sagt: Einer Nachkommenschaft, einem Samen, werde ich dieses Land geben.
Danach: Wie antwortet Abraham auf diese Bundesverheissung? Er baut einen Altar, also zum Dank. Er baut ein Heiligtum unter offenem Himmel.
Jetzt sehen wir also hier eine zweite messianische Verheissung an Abraham. In der ersten, 1. Mose 12, Vers 3, wurde klargemacht, dass Abraham sich nicht in die Verzögerung gesetzt hat, sondern dass der Messias ein Segen wird für alle Völker. Und jetzt wird hier erklärt, dass mit der Verheissung des Messias auch die Zusicherung des Landbesitzes eine ganz wichtige Rolle spielt.
Israel bekommt die Verheissung nicht nur von dem Erlöser, sondern auch von dem Land, und zwar mit spezieller Betonung auf dem Westjordanland, dem sogenannten besetzten Westjordanland. Und dann haben wir noch erwähnt, gefunden Vers 8, wie Abraham herumzieht da im Gebiet von Bethel und Ai. Wo ist das heute? Westjordanland, wieder das besetzte Gebiet.
Ist das schon frappant? Er geht nicht da so in die Gegend von Tel Aviv, das wäre schon ein bisschen weniger diskutiert im Westen, ja? In der islamischen Welt wäre das etwas anderes. Aber im Westen wird das nicht so diskutiert, oder sagen wir ins Gebiet von Haifa, nichts dergleichen, sondern ausgerechnet die sensiblen Orte werden hier in der Bibel in einer viertausend Jahre alten Geschichte so hervorgehoben.

Gehorsam, Blockaden und die zweite Station in Kanaan

Ich habe einen Punkt zwei, drei Verse zurück. Abraham muss ja weggegangen sein von seinem Vater, als er noch lebte. Denn der Vater ist ja insgesamt 205 Jahre alt geworden, wie einige Verse davor steht, Vers 32, während Abraham 75 Jahre alt war, als er wegging. Folglich hat er sich dann irgendwann doch aus dem Vaterhaus gelöst.
Nein, es ist so zu verstehen. Wir haben ja in 1. Mose 11,26: „Und Terach lebte siebzig Jahre und zeugte Abram, Nahor und Haran.“ Das heißt, mit siebzig Jahren hat Terach begonnen, Nachkommenschaft zu zeugen, aber nicht alle drei im gleichen Jahr. Das waren keine Drillinge.
Nein, aber Abraham war der Ältere.
Nein, Abraham war nicht der Ältere, sondern er war der Wichtigste. Und das wird jetzt dauernd so gezeigt, wie Gott eben nicht den Ältesten erwählt. Das haben wir schon gehabt bei Kain und Abel. Ja, die Reihenfolge ist die der Wichtigkeit. Aber der Zeitpunkt der Zeugung Abrahams ergibt sich so: Als Abraham fünfundsiebzig Jahre alt war, war Terach zweihundertfünf. Also war er bei der Zeugung hundertdreißig. Und daraus ergibt sich eben, dass nicht Abram der Älteste war, sondern dass er erst nach dem Tode seines Vaters weggegangen ist.
Ja, genau. Mit dem Tod. Übrigens das Ähnliche haben wir auch bei Noah. Da wird auch gesagt, wie Noah eben diese Söhne hatte: Sem, Ham und Japheth. Aber der Älteste war nicht Sem, sondern der Wichtigste. Der Älteste war Japheth, und von Ham wird ausdrücklich gesagt, er war der Jüngste. Gott erwählt oft eben nicht denjenigen, der eigentlich dran käme, so von der Regel her, den Erstgeborenen. Das hatten wir schon bei Kain und Abel. Kain war der Erstgeborene, aber Gott erwählt nicht Kain, sondern Abel wird von Gott erwählt. Allerdings wird Abel ermordet, und dann kommt an seine Stelle Seth, also auch wieder ein Jüngerer, der die messianische Linie auf Noah weiterführen sollte.
Bei den drei Söhnen Sem, Ham und Japheth erwählt Gott nicht den ältesten Japheth, den Papa der Europäer, sondern Sem, und damit übrigens einen Asiaten. Das ist noch recht wichtig, wenn man Missionsarbeit macht. Er hatte vor kurzem Vorträge in verschiedenen Dörfern und Städten in Indien. Da habe ich in einer Grossstadt, in Narasarau Obed, eine Evangelisationskampagne gemacht, und dann habe ich erklärt, wie das Christentum vor zweitausend Jahren begonnen hat, und es kam aus Asien. Das ist nicht etwas Europäisches, das kommt aus Asien. Und ich habe erklärt, dass Jesus Christus ein Asiate war. Das ist für Inder sehr wichtig, dass sie wissen: Das ist nicht ein Europäer, sondern ein Asiate. Seine Nachfolger waren auch Asiaten, und die sind dann nach Europa gekommen.
Einen Abend haben sie als Text Apostelgeschichte 17, die Rede des Paulus auf dem Areopark, genommen und haben erklärt: Vor zweitausend Jahren haben die Europäer viele Götter verehrt. Die Römer und Griechen hatten etwa dreissigtausend Götter. Ein Asiate kam zu ihnen nach Europa und hat ihnen die Botschaft von dem einen wahren Gott verkündigt. Ja, ich habe das auch dann gemerkt, die subtilen Andeutungen, ja. Ich kam ja als Europäer nach Asien, und sie beten Abertausende von Göttern an, aber noch heute.
Ja, aber es ist ganz wichtig, dass man darauf hinweist: Das Christentum ist nicht europäisch. Der Ursprung ist in Asien, und auch Abraham, der Stammvater des auserwählten Volkes, ist nicht ein Europäer, sondern ein Asiate. Das schafft Verbindung, das schafft Bezug, und solche Dinge muss man unbedingt betonen. Das hilft Leuten, die Botschaft auch besser anzunehmen.
Also, so war das mit Abraham. Da haben wir also eine alt- und neutestamentliche Bestätigung. Und eben dieses Prinzip, dass der Ältere verworfen wird und der Jüngere erwählt, das geht dann auch weiter.
Abraham hat zwei Söhne. Der erste, der geboren wurde, war Ismael. Er war viel älter. Er war viel älter, und dann kam Isaak. Aber nicht Ismael wird erwählt, sondern Isaak. Dann hat Isaak Zwillinge. Aber wer kommt zuerst raus? Esau, das ist der Ältere. Immer der, der zuerst auf die Welt kommt, ist der Ältere, ja? Aber der Jüngere wird erwählt.
Und dann später hat Jakob zwölf Söhne. Wer ist der Erstgeborene? Ruben. Aber wer bekommt das Erstgeburtsrecht, damit die messianische Linie weitergehen soll? Juda. Und der Erstgeborene wird verworfen. Immer wieder haben wir dieses Prinzip. Auch später, wenn es um die Familie von David geht: Isai hat eine ganze Reihe von tollen Söhnen, aber welcher wird erwählt? Der jüngste, David.
Das ist ein Prinzip, das Gott durchzieht, und das zeigt die Souveränität Gottes in der Erwählung. Er sagt, wen er will, das entscheidet er ganz souverän. Also darum war Abraham nicht der Älteste, aber er ist der Bedeutende. Und darum haben wir die Reihenfolge Abraham, Nahor, Haran. Und zehn Generationen davor hatten wir Sem, Ham, Japheth. Genau das Gleiche: Auch dort ist die Reihenfolge nicht die Reihenfolge des Alters.

Die dritte Verheißung und die Altäre Abrahams

Ja, jetzt gehen wir zur dritten messianischen Verheißung an Abraham, 1. Mose 13,14, und zwar nachdem Abraham sich von Lot getrennt hatte. Wer liest? 14-18.
Der Herr sprach zu Abraham, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: Erhebe deine Augen und schaue von dem Ort, wo du bist, nach Norden und nach Süden, nach Osten und nach Westen. Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinem Nachkommen für ewig. Und ich will deine Nachkommen machen wie den Staub der Erde, sodass, wenn jemand den Staub der Erde zählen kann, auch deine Nachkommen gezählt werden. Mache dich auf und durchwandere das Land seiner Länge nach und seiner Breite nach, denn dir will ich es geben. Und Abraham schlug seine Zelte auf und ging hin und ließ sich nieder unter den Terebinthen von Mamre, die bei Hebron sind, und erbaute dort dem Herrn einen Altar.
Und südlich von Israel, im Westjordanland, und zwar jetzt eben nicht im nördlichen Teil, so wie Nablus, also Sichem, Ai und Bethel, das ist Samaria, sondern im südlichen Teil, Judäa. Ja klar, Hebron ist eine der größten palästinensischen Städte, aber im Südteil des Westjordanlandes. Nablus ist die große Stadt im Norden vom Westjordanland, Hebron die größte im Süden.
Ausgerechnet dort geht Abraham hin, nachdem Gott ihm sagt, er solle jetzt das ganze Land anschauen, in alle Himmelsrichtungen, Norden, Süden, Osten, Westen, und er solle das ganze Land kennenlernen durch Reisen. Er bekommt es, und wieder dein Same auf ewig. Und immer müssen wir denken nach Galater 3: Dein Same zielt auf die Nachkommenschaft Israels, aber aus der Nachkommenschaft auf den Samen par excellence, das ist der Messias. Ihm gehört dieses Land, und zwar wie lange? Auf ewig.
Und dann wird auch klargemacht, dass die Nachkommenschaft Abrahams so groß wird, dass man sie nicht zählen kann, wie der Staub der Erde. Abraham dankt für die Verheißung, er baut wieder einen Altar. Das ist der zweite Altar im Leben Abrahams, in Hebron. Das ist schon wieder ganz erstaunlich, ausgerechnet dieser Ort, der heute wieder in der Weltpolitik höchst sensibel ist, wird da genannt.
Es müsste doch der dritte sein. Hier steht in Vers 7, er baute einen Altar, dann brach er von dort auf, im Gebirge östlich von Bethel, schlug seine Zelte auf, Bethel im Westen und Ai, und baute dort dem Herrn einen Altar. Ja klar, natürlich, das ist der dritte. Ich habe das falsch gesagt. Im Ganzen gibt es nämlich vier Altäre. Vier Altäre. Der vierte wird dann sein, Kapitel 22, bei der Opferung Isaaks.
So ist das Leben Abrahams gekennzeichnet durch diese vier Altäre, wie wir dann später in Verbindung mit den Verheißungen, messianischen Verheißungen an Isaak werden wir sehen, nächstes Mal, wie vier Brunnen ganz entscheidend sind im Leben von Isaak und dann im Leben von Jakob vier Steine, die ganz wichtige, markante Punkte in seinem Leben darstellen. Also bei Abraham sind es diese Altäre, die ganz bedeutend sind, und wir haben gesehen, wie besonders bedeutend in Verbindung mit all diesen Bundesverheißungen.
Gott macht also einen Bund mit Abraham, wir können sagen einen messianischen Bund, und da gibt es mehrere Bundesphasen. Also die erste Phase des Bundes beginnt bei Sichem, als Abraham 75 war, und dann kommen eben weitere Verheißungen dazu. Die Verheißung in 1. Mose 12,1-3, die noch in Ur gegeben war, das war quasi die Eröffnung für diesen Bund. Aber der eigentliche Bund muss gerechnet werden ab dem Alter von fünfundsiebzig Jahren, als Abraham in Kanaan war, denn von dort beginnen diese vierhundertdreißig Jahre bis auf den Exodus und die Gesetzgebung am Sinai.
Übrigens interessant, dass diese umfassende Verheißung auf den Messias hin, diese Landverheißung, gegeben wurde, nachdem sich Abraham von Lot getrennt hatte. Von dem hätte er sich ja schon früher trennen sollen. Warum, warum? Ja klar, der Vater, das war ein Problem, das zweite Problem war Lot. Ja, und jetzt ist endlich der volle Gehorsam da dem Aufruf Gottes gegenüber, und nachdem Abraham so voll gehorsam war, spricht Gott noch ausführlicher über die Verheißung, das ganze Land, und jetzt kommt ein Element dazu: auf ewig. Das hatten wir vorhin noch nicht.

Die bleibende Gültigkeit des Bundes und die politische Dimension

Ja, wir gehen weiter zu Kapitel fünfzehn. Ich habe hierzu noch einmal eine Frage: Wird eigentlich dieser Sachverhalt, der hier dargestellt wird, in Bezug auf die Zuordnung dieses Gebietes an Israel in der heutigen Politik, die ja auch teilweise von Christen gemacht wird, die von sich behaupten, sie seien gläubig, und auf der anderen Seite von Juden, die auch die Bibel lesen, noch für billig genommen? Oder ist das als nicht mehr realisierbar abgehakt?
Ganz gute Frage. Es ist so: In der Politik im Westen, selbst von solchen, die sich Christen nennen, werden biblische Verheißungen nie in die Politik integriert. Zum Beispiel auffällig: Bush hat im Zusammenhang mit dem ganzen Nahostkonflikt nie die Bibel zitiert. Was er selber denkt, das weiß man aus anderen Quellen, aber in seinen öffentlichen Reden kommt das nie so zum Tragen, diese Argumentation kommt nie. Und auch in Verbindung mit dem Irakkrieg usw. wurde nie irgendein biblisches Argument gewählt, nie.
Das ist sehr wichtig, gerade im Blick auf diese Journalisten, die im Zusammenhang mit der Bush-Politik die evangelikalen Christen angreifen, diese Fundamentalisten, diese kriegstreiberischen Leute. Gerade interessant, dass die nie so argumentieren. Aber in Israel sehr wohl haben wir da eine ganze Reihe von großen Politikern, denen die Bibel so viel bedeutet, dass sie sich darauf berufen.
Aber da gibt es zwei Gruppen. Es gibt die absolut Gottlosen, so wie Rabin einer war. Da findet man nicht, dass Rabin sich auf solche Verheißungen stützt. Der wird dann auch in der westlichen Politik eben recht gut aufgenommen. Aber zum Beispiel Shamir, den hat man so gehasst in der westlichen Politik. Aber der Mann hat schon da in der Konferenz von Madrid nach dem ersten Golfkrieg 91 die Bibel zitiert und hat sich auf diese Landverheißungen berufen. Das finde ich sensationell. Aber bei uns im Westen wagt sich niemand, sich auf die Bibel zu berufen.
Und das hängt zusammen mit der Aufklärungsphilosophie. Denn in der Aufklärung wurde nicht nur gesagt, wir können nicht wissen, was die Wahrheit ist, darum sind wir tolerant. Ein wichtiger Punkt war auch: Religion und Politik müssen absolut getrennt sein. Das sind Bereiche, die nichts miteinander zu tun haben, die muss man trennen. Und darum, wenn ein Westler die Bibel zitiert in Verbindung mit Politik, dann verrät er sich als einer, der diese heiligen Kühe der Aufklärungsphilosophie antastet. Und das wird sehr übel vergolten.
Übrigens war ein weiterer Punkt in der Aufklärung: Die Bibel muss man auch völlig trennen von Wissenschaft. Also Glaube und Wissenschaft sind zwei Bereiche. Man kann jedes für sich ausleben, aber sie ja nicht in Beziehung setzen. Das erklärt auch vieles, wie die Leute so argumentieren. Religion, ja, und Gefühl und so, alles toll, aber mit Wissenschaft hat das nichts zu tun. Da kann man keine Beziehung setzen.
Darum eben, was die Trennung von Politik und Glauben anbetrifft: Im Westen ist es auffällig, wie kein Politiker sich so oder fast kein Politiker sich so äußert.
Und ich will die verfluchen, die dich verfluchen. Und das gilt ja dann auch für den Samen von Abraham.
Ja, ganz genau. Und darum hat sich das durch die ganze Geschichte hindurch erwiesen, wie Völker, die Israel angetastet haben, selber unter das Gericht kamen. Das hat begonnen zum ersten Mal, als Israel in Ägypten war. Zuerst wurden die Israeliten gut behandelt, und dann ging es auch Ägypten gut, ja, in der Zeit von Joseph. Aber dann kam die Sklaverei, und das hat das ägyptische Reich zum Zusammenbruch geführt. Und so wurde dann das ägyptische Reich von Fremden erobert und grausam verwüstet nach dem Auszug der Kinder Israel aus Ägypten.
Später haben die Assyrer sich ganz massiv an den zehn Stämmen vergangen, sie haben sie weggeführt. Das assyrische Reich war unangefochten die Weltmacht Nummer eins, aber einige Zeit später, hundert Jahre später, brach das assyrische Weltreich zusammen, obwohl es als uneinnehmbar galt.
Später haben die Babylonier sich an dem Südreich der Juden vergangen und haben die Juden nach Babylon deportiert. Siebzig Jahre danach war es absolut vorbei mit dem babylonischen Reich, durch die Perser erobert.
Dann haben sich die Perser später ganz massiv an den Juden vergangen, und dann kam Alexander und hat das ganze persische Reich zusammengeschlagen und erobert.
So kam man durch die ganze Geschichte hindurch bis in die Zeit des Dritten Reiches. Als man die Juden versuchte anzutasten, kam die Katastrophe über Deutschland mit etwa sechs Millionen, nein, zwölf Millionen Toten, Verletzten und Vermissten. Also im Bereich von Deutschland und Österreich. Unglaublich! Und dann war alles am Boden zerschlagen.
Also diese Verheißung ging weiter: Wer dir flucht, den werde ich verfluchen.
Und wir müssen nicht nur bleiben bis zum Zweiten Weltkrieg. Dann sagte die arabische Welt: Jetzt machen wir Israel kaputt, 1948. Und nach einem Jahr waren alle Feinde geschlagen. Und dann haben sie es wieder versucht, im Sechstagekrieg. Nach sechs Tagen waren alle Feinde geschlagen. Jedes Mal, wenn ein Volk dieses Volk versuchte anzutasten, kam ein Fluch darüber.
Und wichtig ist auch in dem Zusammenhang, das Palästinenserproblem zu sehen. Die arabischen Palästinenser haben 1948 bei der Staatsgründung die Friedenshand Israels nicht ergriffen. Ben Gurion sagte: Wir bieten allen Arabern, wir strecken die Hand aus zum Frieden. Und dann kam der Versuch, sie zu vernichten, in der Nacht darauf. Und das ganze Elend des palästinensischen Volkes ist eine Folge davon, dass man keinen Frieden mit Israel wollte. Das ganze Flüchtlingsproblem und Flüchtlingselend hängen direkt damit zusammen, und das ist natürlich ein Aspekt, den man auch in die ganze politische Diskussion einbringen müsste. Man kann natürlich nicht Israel antasten, versuchen, es auszurotten, und dann zu sagen, wie ein armes Volk es leiden muss.
Ja, das ist die biblische Verheißung: Wer Israel antastet.
Aber interessant ist: Die Araber, die mit Israel in Frieden sein wollten, das sind natürlich die Araber im Gebiet von Haifa, in Galiläa. Es gibt so viele arabische Dörfer, die haben jahrzehntelang friedlich mit den Israelis zusammengelebt. Die Kindersterblichkeit ging runter, denen wurden Universitäten gebaut, sie konnten gute Ausbildung machen, konnten Lehrer werden und Ingenieure usw. Die haben einen höheren Standard als all die arabischen Länder rund um Israel herum.
Wer Israel segnet, wird gesegnet, wer Israel flucht, kommt unter den Fluch. Das ist erschreckend eigentlich, aber doch: Irgendwann kann das die ganze Geschichte durch viertausend Jahre hindurch zeigen, wie sich diese Abrahamsverheißung einfach als Gotteswort erweist.
Ja, jetzt müssen wir aber doch zum Ende kommen. Nächstes Mal gehen wir weiter mit der nächsten Bundesphase, 1. Mose 15. Da haben wir ein ganz interessantes Bundesritual, das Gott benutzt, um den Bund mit Abraham nochmals zu bekräftigen.

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