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Einführung in den Epheserbrief, Teil 1/2

Epheser20.09.2003
Serie•Teil 1 / 2Einführung in den Epheserbrief
Warum bleibt Gott nicht fern, obwohl die Welt voller Chaos und dunkler Mächte ist? Epheser zeigt: Du bist längst Teil eines neuen, himmlischen Volkes – und das verändert deinen Alltag.

Einführung in den Epheserbrief

Wir haben das Vorrecht, uns heute Nachmittag im Sinne einer Einführung mit dem Epheserbrief zu beschäftigen. Den Epheserbrief kann man umschreiben als den ewigen Ratschluss Gottes und seine Verwirklichung in Raum und Zeit.
Der Epheserbrief beschreibt in den Kapiteln 1 bis 3 die einzigartige Stellung, die bewirkt, dass die Christen als ein neues Volk eine Einheit bilden. Diese Einheit ist weder jüdisch noch heidnisch, obwohl sie aus Juden und Heiden besteht. Vielmehr ist es ein himmlisches Volk mit himmlischen Segnungen, im Gegensatz zu Israel als irdischem Volk Gottes mit speziell irdischen Segnungen. Dieses himmlische Volk ist das Volk, das Gott von Ewigkeit her in seinem Ratschluss eingeplant hat.
Dieser Brief zeigt aber auch, wie sich dieser himmlische und hocherhabene Charakter der Erlösten, die zur Gemeinde Gottes gehören, in den alltäglichen Beziehungen auf Erden auswirken muss: in der Gemeinde, in der Gesellschaft, in der Ehe, in der Familie und in der täglichen Arbeit. Das wird in den Kapiteln 4 bis 6 behandelt.
Der Autor dieses Briefes ist der Apostel Paulus, wie man dem ersten Vers entnehmen kann: Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, an die Heiligen und Treuen in Christus Jesus, die in Ephesus sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Damit haben wir auch schon beantwortet, wer die Adressaten sind: die Gemeinde in Ephesus. Ihre Entstehungsgeschichte kann in Apostelgeschichte 19,1 und folgende nachgelesen werden. Auf der dritten Missionsreise des Paulus wird beschrieben, wie Paulus jahrelang diese Gemeinde aufgebaut hat. Ephesus war einer der Orte, an denen Paulus am längsten gearbeitet hat.
Ephesus war in der alten Welt die Hochburg des Okkultismus, der Magie und der Esoterik. Die alte Welt war allgemein okkult durchseucht, aber Ephesus war in dieser Hinsicht die Hochburg. Das wird noch interessant sein, gerade im Zusammenhang damit, dass der Epheserbrief einiges über die geistlichen Mächte der Bosheit sagt.
In Apostelgeschichte 19 haben wir ja auch diese schlimme Geschichte mit dem Krawall in Ephesus wegen Artemis, wegen der Göttin Artemis. Sie wurde als eine Art Gespenstergöttin verehrt, eine Todesgöttin. In der alten Welt galt der Artemiszauber als der stärkste Zauber schlechthin.
Interessant ist aber: Im Epheserbrief wird Artemis mit keinem Wort erwähnt. Diese Gewalten der Finsternis werden jedoch sehr wohl erwähnt, die hinter dieser Maske der Artemis verborgen waren und so gewirkt hatten. Insofern ist der Epheserbrief natürlich sehr aktuell für uns, weil wir in einer postchristlichen Welt und Gesellschaft leben, die Esoterik gewissermaßen zu ihrer Alltagsreligion gemacht hat. Esoterik ist heute in der Schweiz ein Milliardenmarkt. Das zeigt also die Bedeutung dieser Dinge.
Der Epheserbrief zeigt, wie Christen denken und leben, die gerade in der Auseinandersetzung mit solchen Dingen stehen. Darum ist der Epheserbrief eben an die Gläubigen gerichtet, die nach wie vor in dieser Stadt Ephesus gelebt haben, und nicht an eine Gruppe, die sich etwa in die Wüste, in eine Art Kloster, evakuiert hätte.

Abfassung, Gefangenschaft und Überbringung

Die römische Gefangenschaft als Hintergrund

Zeit und Ort der Abfassung
Der Epheserbrief wurde um das Jahr 62 nach Christus geschrieben, also am Ende der zweijährigen Gefangenschaft des Paulus in Rom, die im letzten Kapitel der Apostelgeschichte beschrieben wird. Apostelgeschichte 28 endet mit Paulus als Gefangenem in Rom, der auf die Verhandlung vor Kaiser Nero wartete.
Die letzten beiden Verse der Apostelgeschichte lauten sinngemäß: Er aber blieb zwei ganze Jahre in seinem eigenen gemieteten Haus und nahm alle auf, die zu ihm kamen, indem er das Reich Gottes predigte und die Dinge, welche den Herrn Jesus Christus betreffend waren, mit aller Freimütigkeit lehrte, ungehindert. Ich habe auf Deutsch etwas anders gelesen. Das Wort ungehindert ist nämlich im Grundtext das letzte Wort der Apostelgeschichte.
Die Apostelgeschichte beschreibt die Jahre 32 bis 62, also genau drei Jahrzehnte der Weltmission. Missionare können gefangen werden, aber das Wort ist nicht gebunden. Und so endet die Apostelgeschichte ungehindert.
Paulus wartete dort auf seine Ankläger, die aus Israel hätten anreisen sollen, nämlich Leute vom Hohen Rat, die ihn ja zu Tode bringen wollten. Es gab ein römisches Gesetz, das sagte: Wenn nach zwei vollen Jahren die Ankläger nicht erschienen sind, geht der Gefangene frei aus. Lukas benutzt hier den technischen Begriff zwei ganze Jahre. Das ist ein juristischer Begriff, der schon darauf hinweist: Jetzt sind wir am Ende dieser Periode, in der ein Gefangener freikommt, wenn die Ankläger nicht erscheinen.
Nun ist Paulus offensichtlich wieder freigekommen. Aber am Ende dieser Gefangenschaft hat er noch den Epheserbrief geschrieben. Epheser 3,1 zeigt das, dass er immer noch gefangen ist: Deshalb ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu, für euch die Nationen.

Warum Paulus für die Nationen leidet

Warum ist er der Gefangene für die Nationen? Die ganze Sache hatte damit begonnen. In Apostelgeschichte 21 war Paulus im Tempel in Jerusalem. Auslandsjuden sahen ihn dort, die ihn von Ephesus her kannten. Interessant, ja? Und da sagten sie: Das ist der Mann, der in der ganzen Welt die Juden zum Abfall von Mose anleitet, anstiftet. Und dieser Mann hat Griechen, also Nichtjuden, in den Tempel hineingeführt. Da wollte man ihn gleich umbringen.
Der Pöbel stürzte sich auf Paulus. Er konnte durch die römische Besatzungsmacht evakuiert werden in die Burg Antonia, und dann begann eine lange Leidensgeschichte. Paulus hat sich schliesslich auf den Kaiser in Rom in dieser Sache berufen, und so kam er eben in diese Gefangenschaft.
Aber dort im Tempel, die Soldaten wollten ja, wie gesagt, evakuieren in die Burg Antonia in der Nordwestecke des Tempelplatzes. Und oben auf der obersten Treppe sagt Paulus dem hohen Offizier: Darf ich zum Volk sprechen? Er erlaubt es ihm. Apostelgeschichte 22,1.
Paulus, auf den Stufen stehend, hält nun dort auf dem Dach der Säulenhallen, also in der Ecke der Nord- und der Westhalle, auf der obersten Stufe eine Rede. Er erklärt, dass Jesus Christus ihm erschienen ist als der Auferstandene. Er zählt seine Bekehrung auf. Er erzählt, wie er nach Jerusalem gekommen ist und eine Vision hatte im Tempel. Der Herr sagte ihm: Geh weg von hier! Und Paulus wollte den Juden hier das Evangelium bringen, und der Herr sagt: Geh weg von hier, hier hören sie nicht auf dich. Aber ich sende dich weit weg zu den Heiden, die werden hören!
Und als er das gesagt hatte, war die Rede am Ende. Man wollte Paulus umbringen. Er litt, weil er den Heiden das Evangelium brachte. Und er hat nicht nur das Evangelium gebracht, sondern er hat den Heiden erklärt: Ihr braucht nicht ins Judentum einzutreten, ihr braucht keine Proselyten zu werden, um errettet zu werden. Und das war das Ärgernis.
Hätte er die Heiden ins Judentum geführt, wäre es nicht so ein grosses Problem gewesen. Aber genau das war der Punkt. Und dafür musste Paulus leiden. Und darum sagte ich: der Gefangene Christi Jesu, für euch, die Nationen. Er leidet also für die Heiden, die einen neuen Zugang bekommen haben durchs Evangelium, der nicht über das Judentum führt.

Tychikus, Kolosserbrief und weitere Briefe der Gefangenschaft

Dann Epheser 4,1: Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung.
Und schliesslich Epheser 6,19-20: Er bittet, dass man für ihn beten solle, damit er eben Freimütigkeit hat in der Verkündigung des Evangeliums. Und für mich, auf dass mir Rede verliehen werde im Auftun meines Mundes, und mit Freimütigkeit kundzutun das Geheimnis des Evangeliums, für welches ich ein Gesandter bin in Ketten, damit ich in demselben freimütig rede, wie ich reden soll.
Das verbindet uns wieder mit den zwei letzten Versen von Apostelgeschichte 28, wo er lehrte, ungehindert. Und die Epheser sollten also besonders für ihn beten, denn das ganze Leiden ist er gekommen, dadurch, dass Juden aus Ephesus ihn verleumdet hatten in Jerusalem. Sehen wir den Zusammenhang.
Der Übermittler des Briefes war Tychikus. Dazu lese ich gleich weiter, Epheser 6,21: Auf dass aber auch ihr meine Umstände wisst, wie es mir geht, so wird Tychikus, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn, euch alles kundtun, den ich eben deshalb zu euch gesandt habe, auf dass ihr unsere Umstände wisst und er eure Herzen tröste.
Tychikus war der Übermittler des Briefes, und das hat er getan. Zusammen mit dem Kolosserbrief schauen wir mal Kolosser 4,7. Auch Kolossä ist eine Stadt in der Provinz Asia, in der heutigen Westtürkei. Das ist ein Gebiet so gross etwa wie die Schweiz. Da war die Gemeinde von Ephesus, Kolossä, aber auch diese Gemeinden aus Offenbarung 2 und 3. Dort wird ja erwähnt: Ephesus, Smyrna, Pergamos, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea. Das waren alles Gemeinden aus dieser einen Provinz, so gross wie die Schweiz. Die hiess Asia.
Also, Kolosser 4,7: Alles, was mich angeht, wird euch Tychikus kundtun, der geliebte Bruder und treue Diener und Mitknecht in dem Herrn, den ich eben dieserhalb zu euch gesandt habe, damit er eure Umstände erfahre und eure Herzen tröste, mit Onesimus, dem treuen und geliebten Bruder, der von euch ist. Sie werden euch alles kundtun, was hier vorgeht.
Nun haben wir gleich noch die Verbindung zu einem weiteren Brief. Mit diesem Onesimus, der hier erwähnt wird, haben wir die Verknüpfung zum Philemonbrief. Philemon war ein Bruder aus der Stadt Kolossä, in dessen Haus es eine Hausversammlung, eine Hausgemeinde, gab. Und in diesem Brief erzählt Paulus, wie Onesimus in Rom zum Glauben gekommen ist, nachdem er als Sklave aus Kolossä geflohen war. Nun sollte er wieder zurückgehen, und er ging in Begleitung mit diesem Tychikus.
Also er brachte den Brief nach Ephesus, dann zwei Briefe nach Kolossä. Übrigens gibt es noch mehr Briefe der ersten Gefangenschaft. Ausser dem Epheserbrief, dem Philipperbrief, in dem auch erzählt wird, dass Paulus nun damit rechnet, dass er bald frei wird. Und dazu gehört eigentlich auch der Hebräerbrief.
Es ist nämlich so: Es gibt sehr starke geschichtliche und innerbiblische Argumente dafür, dass der Hebräerbrief tatsächlich von Paulus ist. Das erkläre ich jetzt aber nicht weiter, weil das nicht unser Thema ist. Die älteste Handschrift vom Hebräerbrief, die wir haben, ist die P46-Papyrushandschrift. P46 enthält fast alle Paulusbriefe. Nach der neuen Datierung von Kim, einem Koreaner, stammt diese Handschrift aus dem letzten Viertel des ersten Jahrhunderts, also zwischen 75 und 100 nach Christus. Und dort wird der Hebräerbrief nach dem Römerbrief eingeordnet und vor dem 1. Korinther. Ein Hinweis also, dass Christen in Ägypten – die Handschrift kommt aus Ägypten – im ersten Jahrhundert noch wussten, dass der Brief von Paulus ist, und ihn darum mit den Paulusbriefen zusammengebunden haben.
Ja gut, Hebräer 13,23-24. Ich lese Vers 23 schon: Wisst, dass unser Bruder Timotheus freigelassen ist, mit welchem, wenn er bald kommt, ich euch sehen werde. Grüsst alle eure Führer und alle Heiligen. Es grüssen euch die von Italien. Die Gnade sei mit euch allen. Amen.
Also, dieser Hebräerbrief wurde aus Italien geschrieben. Und wir sehen, dass Timotheus frei wird aus der Gefangenschaft und hier der Wunsch oder die Absicht geäussert wird, dass der Schreiber des Briefes bald zu den Empfängern kommen wird.
Die Petrusbriefe waren ja geschrieben an Juden in Kleinasien. 1. Petrus 1,1 und folgende schreibt das. Der zweite Brief wurde an die gleichen Leute geschrieben. 2. Petrus 3,1 zeigt das: Diesen zweiten Brief schreibe ich euch. Und dann am Schluss des zweiten Petrusbriefes nimmt Petrus auf den Hebräerbrief Bezug. Da schreibt er nämlich 2. Petrus 3,15: Und achtet die Langmut unseres Herrn für Errettung, so wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben, wie auch in allen seinen Briefen, wenn er in denselben von diesen Dingen redet, von denen etliche schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Unbefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.
Nun, hier wird gesprochen über einen Paulusbrief, der ein Rundschreiben ist, wie der erste und der zweite Petrusbrief. Die Petrusbriefe gingen ja nach Pontus, Galatien, Kappadozien, Asia, Bithynien. Und diesen gleichen Leuten hatte schon früher Paulus einen Brief geschrieben. Ja, man könnte sagen, vielleicht ist das ein verlorengegangener Brief, denn einen solchen Rundbrief gibt es nicht von Paulus, sie sind immer an bestimmte Gemeinden gerichtet. Aber hier wird gesagt: Dieser, wie alle Briefe von Paulus, die werden verdreht, wie auch die übrigen Schriften. Das heisst, dieser Brief wird zu den Schriften gerechnet, und das passt nur für den Hebräerbrief.
Aber es passt auch von der Ortsangabe. Wenn dieser Tychikus schon von Rom aus nach Asia ging, um den Epheserbrief zu bringen, den Kolosserbrief, den Philemonbrief, konnte er auch noch gerade den Hebräerbrief mitbringen. Ja, das war also ein ganz wichtiger Botschafter, dieser Tychikus.
Ja, nach der Freilassung reiste Paulus offensichtlich noch nach Spanien. Das hat er ja im Römerbrief, Kapitel 16,24, noch als Absicht geäussert vor seiner Gefangenschaft in Rom. Und es gibt eine frühkirchliche Überlieferung aus der Zeit um 100 nach Christus, die davon spricht, dass Paulus das Evangelium bis an das äusserste Ende im Westen verkündigt hätte. Das wäre dann Spanien.
Dann kommt der Titusbrief. Da sehen wir im Titusbrief, Paulus war auf Kreta, Titus 1,5. Das sind nicht die vier Missionsreisen; was da beschrieben wird, passt nicht zu den vier Missionsreisen. Und dann Titus 3,12, da spricht Paulus davon, dass er in Nikopolis überwintern würde. Das passt auch nicht zu den Missionsreisen in der Apostelgeschichte, aber es passt für die Zeit nach der ersten Gefangenschaft.
Und dann im 1. Timotheus 1,3, da spricht Paulus über seinen Aufenthalt in Mazedonien. Das muss man auch nach dieser Freilassung ansetzen. Und im 2. Timotheusbrief 4,13, da spricht er noch zu Timotheus. Er sei jetzt kurz vor dem Sterben, sein Abschied steht bevor, und er solle ihm doch bitte noch den Mantel, den er vergessen hat in Troas oder dort liegen liess, noch bringen, bevor der Winter beginnt in Rom.
Diese wichtige Station Troas war wohl der Ort, wo er verhaftet wurde und dann in die zweite Gefangenschaft kam, die dann mit dem Martyrium endete. 66, 67 nach Christus etwa wurde Paulus durch den Kaiser Nero enthauptet. Weil er römischer Bürger war, durfte er nicht gekreuzigt werden wie Petrus um diese Zeit, aber er wurde geköpft. Und so schrieb er den zweiten Timotheusbrief dann aus der Todeszelle kurz vor seinem Martyrium.
Aber das hilft uns so ein bisschen, den Epheserbrief einzuordnen und die Bedeutung der ersten Gefangenschaft zu sehen.

Aufbau des Briefes und Übergang von Lehre zu Leben

Jetzt gehen wir gemeinsam durch den Epheserbrief hindurch. Im Folgenden haben wir auf dem Blatt einen Strukturplan. Wie eingangs erklärt, besteht der Epheserbrief aus zwei großen Teilen: Römisch I, die Lehre von der himmlischen Stellung der Gemeinde, das sind die Kapitel 1 bis 3, und Römisch II, die praktischen Konsequenzen der Lehre, Kapitel 4 bis 6.
Das müssen wir ganz klar vor uns haben. Wenn wir nun durch den Epheserbrief hindurchgehen, werden wir nach und nach diese Unterstruktur kennenlernen. Um die Verknüpfung von Teil 1 mit Teil 2 zu zeigen, lesen wir Epheser 4,1.
Nach all diesen gewaltigen Erläuterungen schreibt Paulus: Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit welcher ihr berufen worden seid.
Ich habe in meiner Bibel das Wort nun besonders angestrichen, weil es zeigt, dass jetzt die Schlussfolgerung aus all diesen wunderbaren Lehren über die Stellung der Gläubigen beginnt. Jetzt sollen wir auch so leben, dass wir dieser Berufung Gottes entsprechen. Das entspricht dem Sprichwort: Würde verpflichtet, noblesse oblige.
Die drei ersten Kapitel zeigen die Würde der Christen, und Kapitel 4 bis 6 die Verpflichtung der Christen. Aber wichtig ist: Die Argumentation lautet nicht, wir sollten so und so sein, sondern: Wir sind so vor Gott, und deshalb muss unsere Lebensführung dementsprechend sein.
Wenn jemand zum Beispiel ein Diplomat ist und die Schweiz irgendwo vertritt, dann hat er dadurch eine Verpflichtung, wie er lebt. Sonst sollte er besser zusammenpacken. Es ist also nicht so, wie bei jemandem, der kein Diplomat ist und dem man sagt, er sollte eigentlich leben wie ein Diplomat. Sondern es geht darum: Du hast eine so würdige Stellung, dann soll man das auch in deiner Lebensführung sehen.
Das ist ganz wichtig, denn das bewahrt uns vor einem verkrampften Christentum, wo man aus eigener Kraft etwas erreichen will, was man gar nicht hat.

Der Reichtum der Erlösten in Christus

Das erste Gebet: Lob über die geistlichen Segnungen

Nun gehen wir der Reihe nach. Also der erste Unterteil, und der römische, heißt: der Reichtum der Erlösten, Kapitel 1, Vers 3 bis 22. Und dieser Teil besteht aus zwei Gebeten. Zuerst ein Gebet: Lob Gottes wegen des Reichtums in Christus, 1,3-14. Dann ein zweites Gebet: Bitte um Erleuchtung der Epheser, 1,15-23.
Wenn ich jetzt lese, Verse drei bis vierzehn, dann sollen wir beachten, was hier unter Besonderheiten steht: dritter Punkt, längster Satz des Neuen Testaments, 1,3-14. Im Grundtext ist das ein Satz. Das ist schon eindrücklich. Im Deutschen haben die meisten Übersetzungen das aufgeteilt in viele Sätze, weil das auf Deutsch zu überladen klingt, obwohl wir im Deutschen die Fähigkeit haben, sehr lange Sätze zu bilden. Das geht viel besser als auf Französisch, dort ist man noch viel mehr gezwungen, kürzere Sätze zu machen. Aber das Griechische hat von der Grammatik her eine ganz gute Voraussetzung, um lange Sätze herzustellen.
Aber das ist wirklich der längste Satz des Neuen Testaments und drückt so aus: Ein Gefangener in Rom, der sich bewusst ist, wie reich wir in Christus sind, übersprudelt richtig innerlich. Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus. Also ein Lob Gottes ist das hier, und es wird uns gesagt: Wir Christen, wir sind von Gott gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern. Also wir sind nicht gesegnet mit jeder irdischen Segnung, das sollte für Israel sein, wenn sie treu sind, 5. Mose 28,1-14. Da wird alles im Detail aufgelistet. Keine Fehlgeburt im Stall, Erfolg auf dem Feld usw. Das waren irdische Segnungen für ein irdisches Volk, das treu ist.
Aber hier wird gesagt, wir sind mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern gesegnet, ein himmlisches Volk, das himmlischen Segen hat. Und wichtig: Hier wird nicht gesagt, wenn ihr das und das tut, dann bekommt ihr diesen Segen. Es ist ein himmlisches Volk, das bereits gesegnet ist mit allen geistlichen Segnungen. Also wir müssen nicht noch irgendetwas tun, um eine höhere Stufe zu erreichen. Hier wird klargemacht: Wir haben bereits alles.
Es ist wichtig, wenn jemand kommt: Ja, es ist schön, dass du dich bekehrt hast, aber dir fehlt noch etwas. Du sollst noch eine zweite Erfahrung haben. Dann schicken wir ihn heim mit Epheser 1,3: Wir haben schon alles, brauchen gar nichts mehr. Wir haben jede geistliche Segnung, dann fehlt uns keine. Wir brauchen keine zweite Segnung, auch keine dritte, keine vierte, die gibt es ja auch noch, oder als Angebot heute. Brauchen wir alles nicht, haben wir schon längst. Und nicht ein Pseudosegen, sondern echten geistlichen Segen von Gott.
Dann weiter: wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos sein vor ihm in Liebe. Also die Erlösten sind Auserwählte, und zwar hat Gott diesen Plan schon gehabt vor Erschaffung der Welt. Im Alten Testament lesen wir nichts davon. Wir haben die Urgeschichte, 1. Mose 1-11, Turmbau, Völkerzerstreuung, und dann wählt Gott in Abraham das irdische Volk aus. Und das bestimmt die Heilsgeschichte über lange Zeit, über Jahrtausende, von Abraham bis Christus kommt. Und jetzt plötzlich kommt da ein himmlisches Volk im Neuen Testament, und von dem heißt es übrigens: Das Ganze ist schon vor Israel geplant worden, bevor Gott Abraham aus Ur in Chaldäa, aus dem Südirak, gerufen hatte.
Wir sind aus der Welt vor Grundlegung der Welt. Obwohl das Christentum nach dem Judentum gekommen ist, ist es dennoch viel älter, denn es datiert aus der Zeit vor Erschaffung des Weltalls. Schön, oder? Da hat Gott ganz bestimmte Menschen auserwählt, aus der Fülle der Menschen hat er sie auserwählt, dass sie heilig und tadellos sein sollen vor ihm in Liebe.

Vorherbestimmung, Adoption und die goldene Kette

Dann weiter, Vers 5: Und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade.
Diese Auserwählten hat er zuvorbestimmt zur Sohnschaft. Das griechische Wort huiothesia heißt wörtlich Sohnesstellung. Dieser Ausdruck wurde für Adoption gebraucht. Darum haben zum Beispiel englische Übersetzungen: Er hat uns zuvorbestimmt zur Adoption.
Es ist also richtig: Sohnschaft ist richtig, Adoption ist richtig. Das heißt einfach, Gott hat diese Menschen zuvorbestimmt, dass sie seine Söhne und Töchter sein sollen. Mit dem männlichen Sohn sind die Töchter eingeschlossen. In 2. Korinther 6 am Schluss wird ausdrücklich von Söhnen und Töchtern Gottes gesprochen.
Also: Menschen, die einst ohne Beziehung zu Gott waren, werden von Gott adoptiert, in seine Familie hineingenommen. Das war Gottes Prädestination, seine Vorbestimmung. Und was schön ist: Es heißt hier „für sich selbst“. Man hätte ja auch sagen können, das hat Gott gemacht, um uns glücklich zu machen. Aber das wird hier nicht gesagt, sondern hier wird gesagt, dass Gott das für sich gemacht hat, in seinem Interesse, weil er dich, weil er mich haben wollte in dieser Beziehung als Kinder zum Vater.
Ja, hier sind wir natürlich jetzt vor der Frage: Wie ist es gegangen mit der Prädestination? Und was ist mit den anderen? Nun, die Prädestination, die Zuvorbestimmung und die Auserwählung sind der zweite Punkt in der goldenen Kette, das zweite Glied in der goldenen Kette. Die Reformatoren haben diese Zusammenstellung die goldene Kette genannt.
Denn welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvor bestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.
Nun sehen wir: Die Zuvorbestimmung ist hier das zweite Glied. Zuerst kommt zuvor erkannt. Da haben wir ein Tätigkeitswort im Griechischen, das ist verwandt mit unserem Wort Prognose. Also die Prognosis Gottes ist das Vorherwissen Gottes. Wenn wir eine Wetterprognose machen oder wenn Leute Wetterprognosen abgeben, dann beeinflussen sie nicht das Wetter. Sie sagen: In Kürze wird ein Wirbelsturm auf die Westküste Amerikas kommen. Aber ihre Voraussage hat überhaupt keinen Einfluss darauf, dass dieser Sturm dann kommt. Und dann sagen sie: Danach wird er sich nach einiger Zeit in einen Tropensturm verwandeln. Aber es hat keinen Einfluss auf den Wind, dass er sich verlangsamt und ein Tropensturm wird. Das ist Vorkenntnis.
Und Gottes Vorkenntnis ist so perfekt: Gott kannte uns ganz genau im Voraus, und er wusste auch, wer einmal dem Ruf des Evangeliums nachgeben wird, dass die Revolte aufhört. Und Gott hat in seiner Vorkenntnis dann als zweites Glied Menschen zuvorbestimmt, dass sie wie sein Sohn auch in diese Beziehung als Kinder zum Vater kommen sollten, durch Adoption. Der Herr Jesus ist Sohn von Ewigkeit her, und wir sind Söhne und Kinder geworden durch Adoption.
Und diese Menschen, die er zuvorbestimmt hat, die hat er dann später auch berufen durch den Ruf des Evangeliums. Und dann hat er sie gerechtfertigt, nämlich nachdem sie sich bekehrt haben, und hat ihnen sein Leben gegeben und all die Reichtümer, so dass er sie auch verherrlicht hat. Das ist die goldene Kette.
Nun sind Menschen in dieser goldenen Kette nach rechts und nach links zu weit gegangen. Also, es gibt Menschen, die haben so betont die Autonomie des Menschen: Der kann sich bekehren, wann er sich bekehren will. Das kann der Mensch schlechthin. Das kann er überhaupt nicht. Der Mensch kann sich nur bekehren, wenn Gott ihm die Gnade gibt zur Bekehrung. Und er kann sich auch nicht bekehren, wann er will, sondern nur in dem Moment, in dem Gott ihm die Gnade gibt, dass er sich bekehren kann. Man kann nicht einfach so spielen, wie man will.
Aber auf der anderen Seite hat es Leute gegeben wie Calvin, die haben gesagt, Gott hat einfach gewisse Menschen bestimmt, die sind für das Heil, und die anderen lässt er verloren gehen. Er hat einfach in seiner Souveränität aus den verlorenen Menschen ein paar herausgenommen, von denen hatte er bestimmt, dass sie nicht verloren gehen. Das ist eigentlich seine Prädestinationslehre. Und woher hatte er die? Dabei hat er sich auf Augustin gestützt, diesen großen Kirchenlehrer um 400 nach Christus, denn der hat bereits eine Prädestinationslehre aufgestellt, in calvinistischem Sinn könnte man sagen.
Augustin sagt allerdings in seinen Schriften, früher habe er anders gedacht. Früher hätte er das so gesehen, wie das die frühen Lehrer der Christenheit allgemein gesehen haben: dass Gott zuvorbestimmt aufgrund seines Vorherwissens. Das war das Allgemeine, wie man es im alten Christentum verstanden hat. Und Augustin ist dann zur Prädestinationslehre übergegangen, und schließlich hat er gesagt, das Zuvorerkannt ist eigentlich das Gleiche wie zuvorbestimmt. Das Zuvorerkannt muss man im Sinne von zuvorbestimmen verstehen.
Ja, aber dann geht das nicht ganz gut auf, denn dann heißt es: die, welche zuvorbestimmt hat, die hat er zuvorbestimmt. Merkt man, die goldene Kette unterscheidet zuvor erkannt, zuvorbestimmt usw. Also so können wir die Prädestination besser verstehen. Und nun wichtig: Gott möchte ja das Heil für alle Menschen, 1. Timotheus 2,4. Aber nur ein Teil der Menschen gehört zu diesen zuvorbestimmten, die Kinder Gottes werden sollen.
Es sind aber auch nicht alle Erretteten Kinder Gottes. Mose, Abraham, David, sie sind alles Errettete aus dem Alten Testament, aber sie haben nicht die Stellung von Kindern Gottes. Diese Zuvorbestimmung zur Adoption gehört den Auserwählten der Gemeinde, die zu diesem himmlischen Volk gehören. Aber Mose gehörte zum irdischen Volk, David auch. Sie konnten errettet werden, ohne dass sie zuvorbestimmt waren zur Sohnschaft.
Also, wir sehen: Prädestiniert sein heißt nicht, das sind die Erretteten und alle anderen gehen verloren, sondern aus der Menge derer, die errettet werden, von Adam bis ans Ende, ist es auch nur eine beschränkte Zahl, die zuvorbestimmt ist, um zur Gemeinde zu gehören. Und es ist Gottes unergründliches Geheimnis, warum wir nicht zur Zeit von Abraham geboren worden sind. Warum gerade in dieser Zeit, wo wir das Evangelium der Gnade hören konnten und zur Gemeinde gezählt werden durften. Das ist Gottes Souveränität.
Er hat ja vor Grundlegung der Welt schon alle Menschen gekannt, die jemals geboren werden würden. Und er hat bestimmt, wann wir leben sollten und damit auch zum Glauben kommen würden.

Erlösung, Offenbarung und das Geheimnis seines Willens

Wir gehen weiter in Epheser 1, Vers 6. Das ist also geschehen zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, worin er uns begnadigt hat in dem Geliebten. In welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen nach dem Reichtum seiner Gnade, welche er gegen uns hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht.
Also, hier wird nun konkreter erklärt, worin all dieser geistliche Segen besteht. Wir sind begnadigt worden in dem Geliebten, Jesus Christus. In ihm haben wir die Erlösung, in ihm die Vergebung der Vergehungen. Das ist alles geschehen nach dem Reichtum der Gnade Gottes.
Und jetzt heißt es weiter: welche er uns hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht, indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst, für die Verwaltung der Fülle der Zeiten, alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm.
In welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvor bestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens.
Also, Gott hat seine Weisheit uns gezeigt, indem er uns das Geheimnis seines Willens mitgeteilt hat. Das ist nun das erste der drei Geheimnisse, die wir im Epheserbrief finden. Unter Besonderheiten auf Seite zwei sehen wir: Es gibt drei Geheimnisse im Epheserbrief. Und da muss ich erklären: Was ist ein Geheimnis im Neuen Testament?
Geheimnis gleich Wahrheit, die im Alten Testament verborgen war und erst im Neuen Testament geoffenbart wurde. Das sehen wir in Kolosser 1,26-27. Gott hat das Geheimnis in früheren Generationen nie mitgeteilt, aber jetzt hat er es mitgeteilt. Epheser 3,4-5 sagt Paulus: Woran ihr im Lesen merken könnt mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus, welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist.
Ein Geheimnis ist also etwas, das in den frühen Generationen des Alten Testaments von Gott nicht mitgeteilt worden ist, und jetzt hat er es der Gemeinde mitgeteilt. Wir haben also drei Geheimnisse: das Geheimnis seines Willens, Epheser 1,9, das Geheimnis des Leibes, Epheser 3,4-6, und dann das Geheimnis der Ehe zwischen Christus und seiner Gemeinde, Epheser 5,22-33.
Das Geheimnis seines Willens wird hier erklärt: Gott hat sich vorgenommen, dass in der Fülle der Zeit, das ist das letzte Zeitalter im Heilsplan Gottes mit dieser Erde, wo alles quasi zum Abschluss kommt, das Tausendjährige Reich, alles unter die Herrschaft Christi gebracht wird. Für das Tausendjährige Reich hat sich Gott vorgenommen, in Christus alles unter seine Herrschaft zu stellen, das, was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist.
Christus soll also das ganze Weltall, die ganze Erde beherrschen. Und jetzt könnte man sagen: Ja, das ist doch kein Geheimnis. Im Alten Testament wissen wir schon längst, dass das Reich des Messias kommen wird. Aber das Geheimnis ist, in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvor bestimmt sind.
Die Gemeinde, die im Alten Testament ein Geheimnis war, nicht bekannt war, die soll mit Christus vereinigt Anteil haben an dieser Herrschaft im Tausendjährigen Reich. Nicht einfach als Untergebene, sondern als die Braut, die Frau an der Seite des Bräutigams, des Mannes. Und das war alttestamentlich verborgen.
Das ist das Geheimnis seines Willens, dass, wenn der Messias diese Herrschaft hat über die sichtbare und die unsichtbare Welt, dann wird die Gemeinde an seiner Seite mit ihm regieren. Wir, die wir zuvor bestimmt sind, haben hier dieses Erbteil bekommen.

Versiegelung mit dem Heiligen Geist und Heilsgewissheit

Und dann lesen wir weiter:
„Dir alles wirkt nach dem Rat seines Willens, damit wir zum Preis seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben, auf welchen auch ihr gehofft habt, nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils.“
Merken wir: Jetzt wird unterschieden zwischen zwei Gruppen. Wir haben schon früher auf Christus, den Messias, gehofft. Aber auch ihr habt diese Hoffnung bekommen, nachdem ihr das Evangelium gehört habt.
Hier wird unterschieden: Wir, das sind die Juden, zu denen Paulus gehört. Ihr, das sind die Epheser, also all diese Nichtjuden, die dort zum Glauben gekommen sind. Wir Juden haben schon früher darauf gewartet, bis der Messias kommt. Aber ihr habt nichts davon gewusst. Und seit ihr das Evangelium gehört habt, in Asia, da habt ihr dann eben auch Anteil bekommen können.
Und dann wird erklärt: Nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, in welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist der Verheißung.
Also: Nachdem sie dieses Evangelium geglaubt haben, sind sie mit dem Heiligen Geist versiegelt worden. Sie mussten also nicht zuerst getauft werden, zuerst Handauflegung bekommen oder zwei Jahre lang um den Heiligen Geist beten. Nichts von alledem. Er sagt diesen Nichtjuden: Nachdem ihr geglaubt habt, das Evangelium, seid ihr versiegelt worden.
Und weiter: von diesem Siegel, dem Heiligen Geist, „welcher das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preis seiner Herrlichkeit“.
Der Besitz des Heiligen Geistes ist ein Pfand. Und dieses Pfand berechtigt dazu, in der Zukunft all das einzulösen, was Gott der Gemeinde versprochen hat, nämlich mit Christus die ganze Herrschaft über die sichtbare und unsichtbare Welt zu teilen.
So ist der Heilige Geist ein Pfand, aber auch ein Siegel. Wozu ein Siegel? Epheser 4,30: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, durch welchen ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung.“
Der Heilige Geist ist ein Siegel, das besiegelt, dass der wiedergeborene Mensch das Ziel erreicht, am Ende, am Tag der Erlösung, wenn der Herr Jesus wiederkommt.
Wer kann ein Siegel Gottes öffnen? Ja, nur Gott. In Offenbarung 5 und 6 sehen wir das Buch mit den sieben Siegeln. Kein Geschöpf kann es öffnen, nur Gott.
Nun ist das Siegel eine Garantie, dass kein Geschöpf das je wieder verändern könnte. Das heißt: Satan ist ein Geschöpf, er kann das Siegel nicht öffnen. Ich bin ein Geschöpf, ich kann das Siegel auch nicht öffnen. Und Gott öffnet es nicht.
Das ist Heilssicherheit und Heilsgewissheit für die Auserwählten. Das sind die echten Bekehrten, nicht irgendwelche, die für eine Zeit glauben, wie im vierfachen Ackerfeld. Der Same, der auf das Steinige fällt, sagt der Herr, das sind die, die das Wort mit Freuden aufnehmen. Und sie glauben für eine Zeit, und dann fallen sie ab.
Aber das war nicht die gute Erde. Das sind nicht die Neugeborenen, das sind nicht die Auserwählten, das sind nicht die zuvor Bestimmten. Aber die, die sich wirklich echt bekehren, wo der Same in die gute Erde fällt und Frucht bringt, das sind die, die Gott zuvor erkannt hat, auserwählt hat, zuvorbestimmt hat und dann bei der Bekehrung versiegelt hat, damit sie den Tag der Erlösung erreichen.
So kann man also sagen: Gläubige können wieder verloren gehen, aber nicht auserwählte, versiegelte. Das heißt: solche, die sich echt bekehrt haben und von neuem geboren worden sind, die können nicht verloren gehen. Aber solche, die eben das Wort mit Freuden aufnehmen, glauben für eine Zeit, aber das waren keine Auserwählten.
Ja, jetzt ist Zeit für die Pause.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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