Wohin mit der okkulten Vergangenheit?
Herzlich willkommen zum Podcast der EFH Stuttgart. Heute sind mit mir Jonathan Witzemann und Thomas Powileit zu Gast. Unser Podcast möchte zum praktischen Christsein herausfordern und zum theologischen Denken anregen.
Thomas, du hast dich heute auf ein sehr spannendes Thema vorbereitet. Es geht darum, dass auch wir Christen manchmal mit Phänomenen konfrontiert werden, die sich nicht erklären lassen.
Manchmal hat ein Christ das Gefühl, dass er, wie Paulus es im 2. Korintherbrief Kapitel zwölf beschreibt, von einem Engel Satans mit Fäusten geschlagen wird. Wenn ein Christ solche Erfahrungen macht, stellt sich natürlich die Frage, woher das kommt.
Können diese außergewöhnlichen negativen Erlebnisse mit einer eigenen okkulten Vergangenheit zusammenhängen? Oder vielleicht sogar mit okkulten Praktiken in der eigenen Familie?
Das Ganze ist ein sehr umstrittenes Thema, aber genau darüber wollen wir heute sprechen.
Einführung in das Thema Okkultismus und seine biblische Einordnung
Thomas, ich habe eben das Thema mit der okkulten Vergangenheit ja mal leicht angesprochen. Was ist denn ganz grundsätzlich eine okkulte Vergangenheit?
Okkult ist ein lateinisches Fremdwort und bedeutet eigentlich so viel wie „verborgen“. In der Medizin begegnet man diesem Begriff zum Beispiel, wenn man nach blutenden Geschwüren bei einem Patienten sucht. Dann sagt der Arzt: „Ich suche nach okkultem Blut im Stuhl“, also nach Blut, das erst durch diesen Test sichtbar wird.
Auch wenn das Wort „okkult“ in der Bibel in diesem Sinne nicht vorkommt, begegnen wir sehr oft okkulten Handlungen. Menschen lassen sich auf die verborgene Welt der Dämonen ein. Sie beginnen, diesen dunklen Geistern zu vertrauen – ob bewusst oder unbewusst – und teilweise erwarten sie sogar Hilfe von diesen Mächten.
Ich finde, dass Gottes Wort diese okkulten Praktiken sehr gut in 5. Mose 18 beschreibt. Dort lesen wir:
„Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, dann sollst du nicht lernen, es den Gräueln dieser Nationen gleichzutun. Es soll unter dir niemand gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durch Feuer gehen lässt, keiner, der Wahrsagerei treibt, kein Zauberer oder Beschwörer oder Magier oder Bandsprecher oder Totenbeschwörer oder Wahrsager oder der die Toten befragt. Denn ein Gräuel für den Herrn ist jeder, der diese Dinge tut. Und um dieser Gräuel willen treibt der Herr, dein Gott, sie vor dir aus. Du sollst dich ungeteilt an den Herrn, deinen Gott, halten, denn diese Nationen, die du austreiben wirst, hören auf Zauberer und Wahrsager. Du aber, so etwas hat der Herr, dein Gott, dir nicht gestattet.“
Hier lesen wir also eine ganze Menge von Okkultem, auch wenn das Wort „okkult“ in diesem Abschnitt nicht vorkommt. Es wird deutlich: Die Beschäftigung mit Wahrsagerei, Magie, Totenbeschwörung oder – neben vielem anderen, das in dieser Bibelstelle nicht angesprochen wird – ist eine okkulte Praktik.
Biblische Beispiele und Formen okkulter Praktiken
Okkulte Praktiken begegnen uns immer wieder in der Bibel. Ein Beispiel dafür finden wir in der Apostelgeschichte 16. Dort wird von einer Frau berichtet, die einen Wahrsagegeist hatte. Dies wird tatsächlich so genannt. Die Leute konnten diesen Geist in Anspruch nehmen, natürlich gegen Bezahlung, oft an Zuhälter.
Solche Geister geben verborgene Informationen weiter. Manchmal geschieht das sehr direkt, wie bei dieser Frau, bei der ein Geist aus ihr spricht. Es gibt aber auch eine indirekte Form, zum Beispiel durch ein Wehrbrett. Dabei bewegt der Geist den Zeiger auf dem Brett zu einzelnen Buchstaben und teilt so Buchstabe für Buchstabe seine Botschaft mit.
Wer einen Wahrsagegeist hat, weiß oft Dinge über eine Person, die er niemals wissen könnte. Manchmal offenbart ein solcher Geist sogar, wie eine bestimmte Person aussieht, obwohl man sie vorher noch nie gesehen hat.
Im 5. Mose 18 geht es um magische Kräfte, die ich eben vorgelesen habe. Diese Kräfte werden genutzt, um Menschen zu schaden, wie beim klassischen Beispiel des Voodoo-Zaubers, oder um sich selbst zu schützen. Wenn ich zum Beispiel in einen Dönerladen gehe, sehe ich dort oft das blaue Auge. Das ist nicht nur eine Dekoration, sondern soll den Inhaber vor Neid und Unglück bewahren.
Gott verbietet auch das Aussprechen von Flüchen über jemanden, um ihm mit Hilfe dunkler Mächte zu schaden. Im 5. Mose 18 wird eindrücklich vor Totenbeschwörung gewarnt, wie wir gelesen haben.
In diese Richtung kann auch das Tische-Rücken gehen. Dabei versucht man, mit den Geistern Verstorbener Kontakt aufzunehmen. Ein bekanntes Beispiel für Totenbeschwörung finden wir in 1. Samuel 28. Dort sucht König Saul in Endor eine Totenbeschwörerin auf, damit sie ihm den Geist des toten Propheten Samuel heraufholt. Die Totenbeschwörerin erkennt Saul nach kurzer Zeit, obwohl er sich unkenntlich gemacht hatte.
Diese Beispiele zeigen, dass es eine jenseitige Welt gibt. Als Mensch kann ich die Tür zu ihr öffnen und sie auch nutzen.
Theologische Einordnung und die Gefahr okkulter Praktiken
Okkultismus ist ein Sammelbegriff für geistliche Praktiken und Phänomene, die jedoch auf der dunklen Seite stehen. Die Bibel warnt ausdrücklich davor, und für Christen ist klar, dass man davon die Finger lassen sollte. Die Frage, die wir heute stellen wollen, ist zum einen, wie wir das Okkulte praktisch und theologisch konkret einordnen können. Zum anderen wollen wir klären, warum Gott das Öffnen dieser Tür zur verborgenen Welt der Dämonen verbietet.
Im Grunde genommen geht es bei okkulten Sünden um Handlungen, mit denen man böse Geister verehrt und von ihnen Hilfe erwartet. Paulus schreibt in 1. Korinther 10,20: „Das, was die Heiden opfern, opfern sie den Dämonen und nicht Gott.“ Er sagt weiter: „Ich will aber nicht, dass ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen.“ Okkulte Sünden bringen also eine Verbindung zu Dämonen zustande, weil man von ihnen erwartet, was eigentlich Gott geben will.
Deshalb haben okkulte Sünden ganz klar mit Götzendienst zu tun. Im Grunde bete ich die Dämonen an, die hinter dem Götzen stehen, und erwarte von ihnen Hilfe. Sünde, die sich auf den okkulten Bereich einlässt – also auf die verborgene Welt hinter dieser Tür –, ist Götzendienst. Im Blick auf das Volk Israel vergleicht Gott Götzendienst immer wieder mit Ehebruch, was ich sehr spannend finde. Zum Beispiel sagt der Prophet Hosea, dass Gott seinem Volk sagt: „Mein Volk befragt sein Holz und seinen Stab.“ Das ist okkulte Praxis, denn der Stab gibt Auskunft. Dann sagt Gott: „Der Geist der Hurerei hat es irregeführt, und sie huren von ihrem Gott weg.“
Jeremia ergänzt: „Judah entweitet das Land, denn sie trieben Ehebruch.“ Und dann steht weiter: „Aber mit Stein und Holz.“ Hier ist also ein direkter Bezug zum Ehebruch. Wenn ich von Stein und Holz, also von Göttern oder Orakeln, Weisung oder Hilfe erwarte, ist das wie ein geistlicher Ehebruch. Gott möchte ein tiefes, vertrautes Verhältnis mit mir. Wenn ich aber fremdgehe, eine Affäre habe und mein Herz an fremde Mächte hänge, suche ich Hilfe hinter der Tür zur verborgenen Welt.
Im Grunde sind okkulte Sünden Majestätsbeleidigung Gottes. Sie greifen ihn an und kränken ihn. Spannend finde ich 5. Mose 32, wo Gott sagt: „Sie haben mich zur Eifersucht gereizt, durch einen Nichtgott haben sie mich gekränkt durch ihre Nichtigkeit.“ Du kannst Gott also tatsächlich kränken. Okkulte Sünden lassen Gott zornig sein, weil sie ihn ablehnen und sich an Götzen hängen.
Wenn ich okkulte Sünde in meinem Sündenregister habe, muss ich verstehen, dass ich gegen das erste Gebot gesündigt habe. Ich habe gegen Gott selbst gesündigt, indem ich mein Herz nicht nur an Götzen, sondern auch an die Geister gehängt habe, die hinter diesen Götzen stehen – so wie wir es bei Paulus im Korintherbrief gelesen haben.
Der Kern des Problems ist also, dass Menschen Gott durch etwas anderes ersetzen. Dieses Bild wird in der Bibel als Ehebruch gegenüber Gott dargestellt. Für uns Christen ist es daher naheliegend und logisch, dass wir, wenn wir unser Leben Jesus übergeben, gründlich unser Leben aufräumen und diese Sünden bekennen und benennen.
Auswirkungen okkulter Praktiken im Leben
Aber kann das, wenn man solchen Praktiken nachgeht, tatsächlich konkrete Auswirkungen im eigenen Leben haben? Ja, natürlich kann das Auswirkungen haben. Okkulte Sünden, ich würde sogar sagen, haben immer Auswirkungen. Wenn du böse Mächte und Kräfte genutzt hast, werden sie dafür ihren Preis verlangen. Das ist ja nicht umsonst. Diese Mächte können dich in Bindungen, Angst und Schrecken hineinbringen.
Es ist jedoch kein Automatismus, das muss man auch sagen. Manche leiden unter den Folgen okkulter Sünden, andere wiederum überhaupt nicht. Ich habe zum Beispiel eine Zeit lang in der Psychiatrie gearbeitet und hatte dort die Gelegenheit, einige Krankenakten von Patienten zu lesen. Dabei fielen mir die Auswirkungen des Okkultismus auf, die wir auch dort beobachteten.
Diese traten vor allem dort auf, wo die Betroffenen die Tür zur dunklen Welt aufgestoßen hatten – entweder bewusst oder unbewusst – und den Kontakt zu diesen Mächten suchten. So erinnere ich mich an einen Patienten, der sich von einem Mann ein Horoskop hatte erstellen lassen. Plötzlich erschien ihm dieser Mann, obwohl er gar nicht da war. Es war eine Erscheinung, die unserem Patienten so in die Glieder fuhr, dass er Angst bekam und aus dem Fenster sprang. Zum Glück wohnte er im Erdgeschoss. Danach irrte er durch die Stadt, bis man ihn schließlich auffand und er bei uns landete.
Ich denke auch an einen anderen Patienten, mit dem ich gesprochen habe. Er hatte tatsächlich eine Sitzung mit einem Ouija-Brett, bei der sie irgendwelche Toten oder Ähnliches befragten. Er erzählte, dass er, nachdem alle gegangen waren, nochmal in den leeren Raum zurückkehrte. Dort war niemand. Doch dann sagte er, dass ihm jemand so eine Ohrfeige verpasst habe, dass er fast rückwärts wieder herausgefallen wäre. Das war eine Macht, die da war, aber nichts Sichtbares. Man merkte, dass er großen Respekt vor diesen Mächten hatte.
Ich selbst habe einmal erlebt, dass eine Frau, die sich auf okkulte Handlungen eingelassen hatte, plötzlich zu zittern begann. Dann sprach sie in einer ganz anderen Stimme. Es war nicht ihre eigene Stimme, sondern die eines Geistes, der aus ihr sprach und proklamierte: „Diese Frau gehört mir.“ Man merkte sofort, dass sie nicht mehr sie selbst war.
Wer so etwas erlebt hat, versteht die Beschreibung des Geraseners in Markus 5 sehr gut. Das ist sehr originalgetreu, was dort beschrieben wird. Als bei der Frau alles vorbei war und sie langsam aus der Regungslosigkeit auf dem Boden wieder aufwachte, konnte sie sich an nichts mehr erinnern. Es war wirklich dieser Geist in ihr.
Ich hatte auch einmal mit einer Frau zu tun, deren Eltern Satansanbeter waren. Sie war ebenfalls völlig gefangen. Sie sagte, dass in ihr mehrere Personen seien, die verschiedene Identitäten hätten. Zum Glück konnte ich immer nur mit ihr selbst sprechen, also mit einer Person. Aber ich merkte, dass Mächte einen Anspruch auf ihr Leben hatten. Sie wollte einmal unseren Gottesdienst besuchen, schaffte es aber nicht, hineinzukommen. Diese Mächte hielten sie zurück.
Hier muss ich eine Klammerbemerkung machen: Bei bestimmten Traumata, die ich gerade beschrieben habe, spricht man auch von dissoziativen Identitätsstörungen. Diese treten natürlich auch bei bestimmten Traumata auf und wirken dann wie ein Schutz. Das muss also nicht immer okkult sein. Aber im Fall der Frau, deren Eltern Satansanbeter waren, war es ganz sicher okkult bedingt.
Ein anderes Beispiel: Wenn eine Frau immer wieder vergewaltigt wird, trennt sie ihre Persönlichkeit von ihrem Körper ab. Sie verliert den Bezug zu ihrem Körper. Dann ist es sicher keine okkulte Ursache. Man muss also differenzialdiagnostisch vorgehen und genau prüfen, wo die Ursache liegt.
Das sind jetzt sehr dramatische Auswirkungen, die ich geschildert habe. Normalerweise leiden Menschen eher unter massiven Ängsten oder Zwängen. Ich fand es interessant, dass Michael Happle ein Buch über diese Thematik geschrieben hat. Es heißt „Leben als Befreite“. Darin berichtet er zum Beispiel von einer jungen Frau, die mit Jesus lebte, aber nachts immer wieder von einer unsichtbaren Macht angegriffen wurde.
Dieses Phänomen gibt es häufiger. Auch jemand, der schon lange mit Jesus unterwegs ist, hat mir von solchen Würgeattacken berichtet. Du hast nach Auswirkungen gefragt: Das sind natürlich jetzt dramatische Beispiele. Ich glaube, das Normale sind Ängste und Zwänge. Diese können natürlich auch andere Ursachen haben. Aber es gibt durchaus dramatische Auswirkungen, wenn Menschen sich auf bestimmte Praktiken einlassen und dann solche Erfahrungen machen.
Okkulte Vergangenheit und ihre Folgen im Leben von Christen
Jetzt zum letzten Punkt, den du angesprochen hast: Das ist schon spannend, denn bisher haben wir größtenteils über das Erleben von okkulten Phänomenen im Leben von Nichtchristen gesprochen. Am Ende hast du jedoch auch das Leben von Christen erwähnt. Es ist eine interessante Frage, ob Christen auch unter den Folgen okkulter Sünden leiden können.
Man denkt ja zunächst, dass eine Person, die zu Jesus gekommen ist, frei sein sollte von den Folgen, auch von denen okkulter Praktiken. Dem stimme ich zu, das wäre der logische Schluss. Aber unsere Logik passt nicht immer zur Realität. Manche, die in okkulten Sünden verstrickt waren, merken ab dem Zeitpunkt, an dem sie zu Jesus gekommen sind, keine Auswirkungen mehr aus ihrer Vergangenheit.
Es gibt aber auch andere, die tatsächlich damit zu kämpfen haben – ähnlich wie in anderen Bereichen. Manche werfen den Alkohol weg und sind frei, oder auch die Drogen. Andere hingegen haben damit wirklich zu kämpfen.
Es war spannend, was du gesagt hast. Bei der jungen Frau, von der Michael Hable berichtet, war es sogar so, dass sie im frühen Alter von ihrer Mutter zu einer Wunderheilerin gebracht wurde. Unterm Strich waren nachher diese nächtlichen Würgeattacken da. Michael schreibt, dass die junge Frau, als sie diesen Zusammenhang erkannte, sich im Namen Jesu von der Tat der Mutter distanzierte und Jesus um Befreiung bat. Von da an konnte sie wieder normal schlafen, ohne gewürgt zu werden – Zitat Ende.
Michael kommentiert das und sagt, dass Sünden manchmal nicht nur Folgen für den Sünder selbst haben, sondern auch für die nachfolgende Generation. Insofern kann die Ursache solcher Manifestationen auch in der Verfehlung der Vorfahren liegen.
Bei Nachfragen wird beobachtet, dass das Handeln der Eltern oder Großeltern Auswirkungen auf die nachfolgende Generation haben kann. Das wird wohl niemand ernsthaft abstreiten wollen, sagt Michael. Er zitiert dabei 1. Petrus 1,18: „Ihr seid losgekauft von dem eitlen Wandel, der euch von euren Vätern überliefert war.“
Generationenübergreifende Auswirkungen okkulter Sünden im biblischen Kontext
Im Alten Testament gibt es Stellen wie zum Beispiel in Hesekiel 18, Vers 20, wo es heißt: „Die Seele, die sündigt, sie soll sterben; ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters mittragen, und ein Vater soll nicht an der Schuld des Sohnes mittragen.“ Wie passt das zusammen? Hier hat man zunächst den Eindruck, dass es keine Auswirkungen von okkulter Sünde oder anderen Sünden auf die Nachkommen geben sollte.
Das ist ein sehr guter Gedanke. Es ist kein Automatismus, dass okkulte Sünde, die in meiner Familie vorhanden ist, auch Auswirkungen auf mich haben muss. Das habe ich ja bereits gesagt. Die Wahrheit ist auch, dass in vielen Fällen okkulte Sünde in meiner Familie keine Auswirkungen auf mein Leben hat.
Wir waren hier bei einer Frau, die Würgeattacken hatte. Das heißt, in ihrem Fall hatte die Sünde tatsächlich Auswirkungen in ihrem Leben. Die Stelle aus Hesekiel, die du vorgelesen hast, stimmt dabei. Dort heißt es, ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters mittragen – gemeint ist der tatsächliche Tod des Sohnes. Ein Sohn soll also nicht für die Schuld seines Vaters sterben.
Spannend finde ich auch 2. Könige 14,6. Dort tötet König Amasja die Söhne der Totschläger nicht, weil die Söhne nicht um der Väter willen getötet werden sollen. Hier setzt er das Wort aus 5. Mose 24 und auch das, was du aus Hesekiel vorgelesen hast, um. Es geht also um den tatsächlichen Tod.
Die Stelle aus Hesekiel schließt den Tod aus, aber nicht die Auswirkungen, die aufgrund der Sünde der Vorfahren auch in meinem Leben sein können. Ich betone noch einmal: Das kann der Fall sein.
Ich denke, dass wir in unserer Kultur, in Deutschland, sehr individualistisch denken. Das wird auch stark gefördert. In der Bibel sieht Gott hingegen vielmehr die Familie – das fällt auf.
Ich nenne einige Stellen, die mir aufgefallen sind. Ich habe die Bibel tatsächlich mit diesem Gedanken im Hinterkopf gelesen. Das fängt schon an in 1. Mose 9: Ham sündigt, und Kana, sein Sohn, muss den Fluch tragen. Man könnte sagen: Nein, das müsste doch Ham selbst tragen.
In 5. Mose 23 dürfen die Amoriter bis in die zehnte Generation nicht in die Versammlung des Herrn kommen, weil sie Amoriter sind. Das heißt, die Sünde der Vorfahren wirkt bei ihnen.
Auch die Kinder tragen manchmal an der Sünde der Eltern mit. In 2. Könige 5 lesen wir, dass nicht nur Gehasi aufgrund seiner Sünde Aussatz bekommt, sondern alle seine Nachkommen davon betroffen sind. Sie tragen also an seiner Sünde mit.
Ich denke auch an 2. Chronik 34: Dort leiden die Söhne, weil die Väter Gottes Wort nicht beachtet haben. In 2. Samuel 21 kommt eine Hungersnot, weil eine Blutschuld auf dem Haus Sauls liegt.
In Jeremia 14 hören wir ein Gebet: „Wir kennen unsere Gottlosigkeiten“ – und dann beten sie die Schuld ihrer Väter an: „Denn wir haben gegen dich gesündigt.“ Sie stellen sich eins zu eins zur Schuld ihrer Väter, obwohl sie selbst diese Schuld nicht begangen hatten.
Oder ich denke an Nehemia 9,2: Dort tritt das Volk Israel vor Gott und bekennt seine Sünden und die Sünden seiner Väter. Das war ihnen sehr bewusst.
Ich bin gleich zu Ende. In Klagelieder 5,7 heißt es: „Unsere Väter haben gesündigt, sie sind nicht mehr, wir aber tragen ihre Schuld.“ Das bezieht sich vor allem auf äußere Auswirkungen, wie das zerstörte Jerusalem.
Mir scheint aber, dass auch Jesus denselben Gedanken ausdrückt, wenn er zu den weinenden Frauen auf dem Weg zum Kreuz sagt: „Weint nicht über mich, sondern über euch und eure Kinder, die unter eurer Sünde leiden werden.“
In Matthäus 23 sagen die Juden: „Wir hätten uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht.“ Jesus antwortet ihnen: „Aber ihr seid die Söhne der Prophetenmörder und macht das Maß eurer Väter voll.“
Es ist also wichtig, zu erkennen, aus welchem Holz man geschnitzt ist. Ich bin nicht besser als meine Väter. Ich habe dasselbe sündige Wesen, das auch in meinen Vätern wohnte, und das wohnt in mir.
Wenn meine Väter die Tür zur okkulten Welt aufgestoßen haben, dann kann es sein, dass ich Auswirkungen davon spüre. Gott möchte, dass ich mich mehr als Teil meiner Familie und ihrer Gottlosigkeit begreife. Es geht nicht nur darum zu sagen: „Ich habe gesündigt“, sondern auch „Wir haben als Familie gegen dich gesündigt“ – und ich bin Teil dieser Familie.
Möglicherweise trage ich an den Folgen mit, in die die Generationen vor mir verstrickt waren. Das kann geschehen, indem ich sündige Muster lebe oder indem Gott mir durch die Auswirkungen zeigt, dass wir die Tür zur okkulten Welt aufgestoßen haben.
Hier bin ich auf einer Linie mit Michael Happel, der schreibt – ich zitiere noch einmal: „Der Sohn muss also nicht Wahrsagerei betrieben haben und hat auch das gleiche abgöttische Herz wie sein Vater, weil er sich selbst mit seiner Sünde an die Stelle Gottes gesetzt hat.“
Michael zitiert zudem Helge Stadelmann aus dem Buch Das Okkulte. Stadelmann sagt: „Wer unter die Vergebung Gottes kommt, auch mit der Sündenhypothek seiner Vorfahren, darf nicht nur mit der Erlösung von der eigenen Schuld, sondern auch mit der Befreiung von den Bannwirkungen der Vergangenheit rechnen.“
Ganz praktisch erzählte mir jemand aus der Seelsorge, dass ein Kind eine Blutkrankheit hatte. Als sich die Familie unter die Schuld stellte, dass der Großvater dieses Kindes aktiv an Judenvernichtungen beteiligt war, ging die Krankheit zurück.
Das sind Phänomene, die man immer wieder erlebt. Durch die verschiedenen Bibelstellen, die ich jetzt zitiert habe, scheint wirklich ein Zusammenhang da zu sein. Diesen möchte ich nicht übersteigern, aber darauf hinweisen.
Praktische Schritte im Umgang mit okkulter Vergangenheit
Vielleicht noch einmal ganz praktisch: Wie gehe ich konkret damit um, wenn ich als Christ merke, dass etwas auf mir lastet, wie ein Bann oder eine schwere Last? Wie kann ich dann ganz konkret damit umgehen? Was würde ich empfehlen?
Zum Anfang habe ich schon gesagt, dass der Gedanke an okkulte Zusammenhänge bei mir persönlich zuletzt und nicht zuerst kommt. Es ist wirklich das Allerletzte, woran ich denke. Die Phänomene, die ich erlebe, können auch andere Ursachen haben.
Zum Beispiel können manche Medikamente akustische Stimmen hervorrufen. Das hat nichts mit Okkultismus zu tun, sondern ist eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Ängste und Zwänge können ebenfalls Teil meiner Persönlichkeit sein oder durch die Prägung meines Umfeldes hervorgerufen werden. Es gibt viele Ursachen, die ich zuerst überprüfen sollte, vielleicht auch am besten zusammen mit einem Seelsorger.
Grundsätzlich denke ich, dass ich okkulte Sünden ernst nehmen, sie aber nicht überhöhen sollte, so wie ich es schon gesagt habe. Wenn ich tatsächlich Auswirkungen von okkulten Sünden habe, finde ich das ganz sicher nicht mit meinem detektivischen Spürsinn heraus, sondern durch eine schlichte Bitte: dass der Heilige Geist mir zeigt, wo die Ursache der Phänomene liegt, die ich erlebe.
Wenn der Geist Gottes mir nichts zeigt, dann vermute ich, dass es auch keine okkulte Ursache gibt. Ich darf mich aber auch fragen: Gibt es okkulte Sünden in meiner Vergangenheit, die ich noch nie konkret dem Herrn Jesus bekannt habe? War ich beim Tischerücken dabei? Habe ich mich auf Tarotkarten eingelassen? War ich bei einer Wahrsagerin? Habe ich Krankheiten besprechen lassen? Bin ich mit einer Wünschelrute unterwegs gewesen? Habe ich mich mit dem okkulten sechsten und siebten Buch Mose beschäftigt? Habe ich Maria oder Heilige angebetet?
Es gibt so verschiedene Dinge. Dasselbe kann ich mich auch im Blick auf meine Eltern fragen: Gibt es hier Zugänge zur okkulten Welt? Hat man dunkle Mächte? Hat man diesen Mächten wirklich vertraut und ihnen in unserem Leben Raum gegeben? Vielleicht will Gott mir durch bestimmte Phänomene zeigen: Ja, das war so, und er will mich dann in eine tiefere Freiheit führen.
Ich glaube, es ist gut, mit jemand anderem zusammen das, was ich an okkulten Verstrickungen erkannt habe, an das Kreuz zu bringen. Wenn ich verstehe, dass ich gegen Gott gesündigt habe, indem ich mich okkulten Mächten geöffnet habe, aber keine Auswirkungen davon spüre, rate ich trotzdem dazu, all diese Dinge aus dem Bereich des Götzendienstes aufzuschreiben. Dann trifft man sich noch einmal zum Gebet, bekennt Jesus diese Sünden, die auf dem Papier stehen, und bittet ihn, falls noch eine Tür zur okkulten Welt offensteht, durch die Mächte Einfluss auf mein Leben nehmen könnten, diese Tür zu schließen.
Ich muss hier keine Formeln verwenden oder gegen Geister kämpfen. Die Bibel sagt, Jesus ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören, und das ist auch so. Ich darf also beten und sagen: Herr Jesus, zerstöre du jedes Anrecht des Teufels, schließe jede Tür, die offensteht. Anschließend kann ich den Zettel verbrennen, auf dem die Sünden standen. Ich darf glauben, dass Gott treu und gerecht ist und meine Sünden vergibt, wenn ich sie bekenne. Das gilt für jede Sünde.
Paulus sagt: Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade viel mächtiger geworden. Ich will mit dieser Gnade rechnen und nicht mit der Macht der Sünde.
Was ich vielleicht auch tun sollte, ist, mich zu fragen, ob es Gegenstände gibt, die mich mit der okkulten Welt verbinden. In Apostelgeschichte 19 lesen wir: „Viele aber von denen, die gläubig geworden waren, kamen und bekannten und gestanden ihre Taten. Zahlreiche aber, von denen, die Zauberei getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen. Sie berechneten ihren Wert und kamen auf fünfzigtausend Silbertrachmen, das wären heute fünf Millionen. Und so wuchs das Wort des Herrn mit Macht und erwies sich kräftig.“
Diese Menschen haben sich tatsächlich von materiellen Dingen getrennt, egal welchen Wert sie hatten. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns von Gegenständen trennen, die uns mit der okkulten Welt verbinden. Ich erinnere mich, dass ich einmal darum gebeten habe, eine Jeanshose wegzuwerfen, auf der das Blut von Hühnern war, die bestimmten Geistern geopfert worden sind.
Oder afrikanische Masken, die in der Regel bestimmten Mächten geweiht sind. Sie haben ein Mana, eine Kraft, die von ihnen ausgeht. Die Bibel berichtet auch von einem Mann, den Geister immer wieder ins Feuer geworfen haben, um ihn umzubringen. Jesus sagt, diese Art fährt nur durch Beten und Fasten aus.
Ich glaube nicht, dass ein Christ besessen sein kann, aber er kann Auswirkungen davon haben – darüber reden wir ja hier. Deshalb ist es vielleicht wichtig, im Gebet dran zu bleiben, damit der Feind seine Bastion aufgibt. Wenn Gott mir zeigt, dass in meinem Leben eine Tür zur dunklen Welt offensteht, dann nicht, um mich anzuklagen, sondern weil er möchte, dass ich ihn bitte, sie zu schließen.
Wenn es Phänomene in meinem Leben gibt, die vermuten lassen, dass eine Tür offensteht, dann ist es Gottes Gnade, dass er mir zeigt: Da gibt es Dinge in deinem Leben, die du aufräumen oder tatsächlich wegwerfen musst. Auch das gehört zum Aufräumprozess.
Obwohl die Bibel über diese Dinge spricht, sollte ich auf keinen Fall meine Aufmerksamkeit davon gefangen nehmen lassen. Das wäre vielleicht mein Rat zum Schluss: Richte deinen Blick auf Jesus. Er hat jede feindliche Macht besiegt. Dieser Sieg wird in der Welt noch sichtbar werden, aber in deinem Leben darf dieser Sieg schon heute sichtbar sein. Du darfst dich daran freuen: Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade viel mächtiger geworden.
Abschluss und Ermutigung
Dann lassen wir dieses schöne Zitat von Paulus vielleicht als gutes Schlusswort zu dem Thema stehen.
Wir sind schon wieder am Ende. Unser Thema war heute: „Wohin mit der okkulten Vergangenheit? Was kann ich da machen?“ Wenn man es ganz kurz zusammenfassen will, lautet die Antwort: Wir dürfen das Thema ans Kreuz bringen und bei Jesus Christus bekennen. Er will dort seine Freiheit schenken, die dann ganz konkret im Leben auch Auswirkungen haben kann.
Damit sind wir am Ende mit dem Podcast der evangelischen Freikirche Evangelium für alle hier bei uns in Stuttgart. Wir hoffen, dass ihr auch heute ein paar Gedanken für euch mitnehmen konntet und dass ihr mit uns gelernt habt: Wir müssen okkulte Sünden ernst nehmen, denn sie können Auswirkungen haben. Aber auch dort macht Jesus frei.
Wenn ihr Fragen habt, über die wir hier sprechen sollen, oder wenn ihr einfach Anmerkungen zum Podcast habt, dann schreibt uns gerne an podcast@efa-stuttgart.de.
Ansonsten wünschen wir euch Gottes Segen und viel Freude an Jesus.