Serie•Teil 34 / 47Wir betrachten den Römerbrief
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Begrüßung und Hinführung zum Predigttext
Schönen guten Morgen! Ich grüße euch hier in der Halle, auch alle, die sich eingeschaltet haben.
Wer jetzt meinen Vater erwartet hat, weil er mit der Predigt angekündigt war, den muss ich enttäuschen. Beziehungsweise: Wir können für ihn beten. Er hat eine Grippe heimgesucht, und nun dürft ihr mit mir Vorlieb nehmen.
Aber er hätte auch aus dem Römerbrief gepredigt, und so mache ich das auch. Also nehmen wir das Wort Gottes, das ist das Entscheidende. Und wir sind ja im Römerbrief, im achten Kapitel. Ich lade uns ein, dass wir noch einmal stehen: Römer 8,17-18. Zwei Verse. Der siebzehnte war schon Teil der letzten Predigt am vergangenen Sonntag, aber ich nehme ihn mit hinein, weil er unmittelbar verknüpft wird durch den achtzehnten Vers, der dann auch Teil dieser Predigt sein soll.
Römer 8,17-18:
Wenn wir aber Kinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus, wenn wir wirklich mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden. Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Amen, nehmt gerne Platz!
Die Würde der Gotteskindschaft und die Verheißung der Zukunft
Wir erinnern uns, dass uns das achte Kapitel des Römerbriefes bisher gezeigt hat, wie großartig es ist, ein Kind Gottes zu sein. Wir haben nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass wir uns fürchten müssten, sondern wir haben den Geist der Sohnschaft empfangen. Dadurch haben wir eine persönliche, innige Beziehung zu Gott und dürfen rufen: Aber, Vater.
Wir haben auch gelernt, dass wir Gewissheit in unserem Glauben haben, denn der Geist Gottes selbst gibt unserem Geist Zeugnis, dass wir Gottes Kinder sind. Wir haben außerdem gehört, dass wir sogar Erben sind, wenn wir Kinder sind. So schreibt Paulus: Wir sind auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus. Das alles sind großartige Segnungen unserer Gotteskindschaft.
Als Nächstes schreibt Paulus, dass die Kinder Gottes auch eine herrliche Zukunft haben. In Vers 18 heißt es: Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Es wartet also Herrlichkeit auf den Christen. Aber bevor wir diese Herrlichkeit erlangen, führt der Weg durch mancherlei Leid.
Das Wort in Vers 18 gleich zu Beginn lautet Denn. Denn ich bin überzeugt. Das ist der Hinweis darauf, dass Paulus den vorangegangenen Gedanken hier aufgreift und sich auf ihn bezieht. Dort hat der Apostel darauf hingewiesen, dass die Gotteskindschaft trotz der Vielzahl an Segnungen nicht bedeutet, dass wir ein sorgenfreies Leben haben.
Vers 17 noch einmal: Wenn wir aber Kinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus, wenn wir wirklich mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden.
Erst Leid, dann Herrlichkeit
Nun können wir diese beiden Verse, 17 und 18, wie folgt gliedern: Erstens sehen wir zuerst Leid und dann Herrlichkeit. Und zweitens ist es ein Leid, das nicht ins Gewicht fällt. Also: erstens Leid und dann Herrlichkeit.
Bedrängnisse und Nöte sind begleitende Kennzeichen im Leben eines Gotteskindes. Dabei müssen wir darauf achten, dass wir Vers 17 nicht missverstehen. Unsere Leiden, die wir als Nachfolger Jesu erleben, sind nicht für unsere Rechtfertigung notwendig. Was hat Paulus bis hierhin detailliert erklärt? Durch was allein sind wir gerechtfertigt? Durch den Glauben, nicht durch Werke. Auch nicht, wie mancher vielleicht denkt, meint oder sogar predigt, durch vermeintliche Werke des Leidens. Nein, Leiden an sich betrachtet sind nichts Gutes.
Am Dienstag hatten wir unsere Andacht im Architekt und lasen aus dem Buch Leben aus Gottes Wort von meinem Vater die Andacht vom Dienstag. Dort schreibt er, Zitat: Verfolgung ist nicht gut, sondern sie ist ein großes Unrecht. Auch Krankheit ist in sich selbst nicht gut, sondern böse. Deshalb sollen wir diese Dinge niemals ersehnen oder uns gar selbst kasteien wollen.
Aber die Bedrängnisse, durch die wir als Gläubige gehen, haben eine segnende Wirkung für uns. Sie führen nämlich zum Ausharren. Wenn du zum Beispiel unter den Nöten Geduld lernst, dann ist das eine positive Begleiterscheinung. Bedrängnisse tragen also zum geistlichen Wachstum bei, sodass Gott sie auch im Leben seiner Kinder immer wieder nutzt.
Deswegen schreibt Paulus in Römer 5,3: Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, schreibt er sogar. Denn wir wissen, dass die Bedrängnis standhaftes Ausharren bewirkt, das standhafte Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung, die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.
Also: Leid gehört mit zum Leben eines Christen. Und ja, wir rühmen uns sogar des Leides. Aber wir missverstehen es nicht und sagen nicht, wir kasteien uns selbst, weil in sich jede Krankheit und Verfolgung böse ist.
Gemeinschaft mit Christus im Leiden und in der Verherrlichung
Nun unterscheidet sich ein Gotteskind von einem Ungläubigen dadurch, und das hat auch unmittelbaren Bezug auf die Art und Weise, wie wir mit unseren Bedrängnissen umgehen. Es unterscheidet sich dadurch, dass ein Kind Gottes mit Jesus sowohl in seinem Leiden als auch in seiner Herrlichkeit vereint ist.
Das macht der Vers 17 ja klar: Wenn wir wirklich mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden. Wir leiden mit ihm und werden mit ihm verherrlicht.
Ein Zeichen deiner und meiner Gotteskindschaft ist, dass ich bereit bin, wenn nötig, für Christus und mit Christus Leid zu erdulden. Jesus sagt in Matthäus: Und ihr werdet von jedermann gehasst sein um meines Namens willen. Markus 8: Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, sagt Jesus, und um des Evangeliums willen, der wird es retten.
1. Petrus 4,16: Wenn er aber als Christ leidet, so soll er sich nicht schämen, sondern er soll Gott verherrlichen in dieser Sache. Hören wir die Sprache hier: Durch den uns geschenkten Glauben sind wir mit Christus so sehr vereint, dass sogar seine Leiden mit uns verbunden sind.
Jesus drückt es wie folgt aus in Johannes 15: Gedenkt an das Wort, das ich zu euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen. Haben sie auf mein Wort argwöhnisch Acht gehabt, so werden sie auch auf das eure argwöhnisch Acht haben.
Sehen wir die Verbindung von Christus zu seinen Nachfolgern. Es ist wie mit einer Lokomotive und einem Zug. Jesus ist die Lokomotive, er zieht, er geht voran. Und wir sind die Waggons. Wir sind durch den Glauben mit ihm verbunden. Und wenn die Lok durchs Tal des Todesschattens fährt, dann fahren auch die Waggons durch das Tal des Todesschattens. Wir sind verbunden. Haben sie mich verfolgt, sagt Jesus, dann auch euch.
Vorsicht vor einer falschen Gleichsetzung von Christi Leiden und unseren Leiden
Nun, an dieser Stelle müssen wir vorsichtig sein, damit wir nichts durcheinanderbringen. Denn unsere Bedrängnisse, die wir erleben, sind nicht eins zu eins gleichzusetzen mit den Bedrängnissen, die Christus erlebt hat. Seine Leiden waren Sühneleiden für deine Schuld. Er bezahlte unsere Strafe, die wir verdient hätten, auch mit seinem Leid. Nur das Leid des sündlosen Christus konnte unsere Schuld sühnen. Unsere Leiden haben nicht so eine Kraft, das ist uns hoffentlich klar. Kein Leid, das du erlebst, kann irgendeine Schuld sühnen. Das kann nur Christus.
Ein Kommentar zum Römerbrief drückt es so aus: Wir können dem erlösenden Leiden Christi für uns nichts hinzufügen. Aber durch unsere Bereitschaft, um seinetwillen zu leiden, werden wir dem Herzen des Erlösers nähergebracht, weil dadurch unser Einssein mit ihm zum Ausdruck kommt.
Und ja, es ist wahr: Jesus litt. Wir feiern heute Abendmahl und erinnern uns an sein Leiden, an sein Sterben. Er war ein Mann voller Schmerzen und mit Leiden vertraut, Jesaja 53. Er hatte weder Haus noch Wohnung. Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester, aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann. Er wurde abgelehnt, denn er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Er war geschlagen, verachtet, verlassen von den Menschen, bestraft, niedergebeugt. Er hat gelitten.
Der Apostel Paulus geht nicht nur an dieser Stelle, sondern an vielen Stellen im Neuen Testament davon aus, dass die Gemeinde Jesu bereit ist, für Christus zu leiden. Deswegen sagt er: Wenn wir aber Kinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus, wenn wir wirklich mit ihm leiden. Aber der Satz geht weiter: damit wir auch mit ihm verherrlicht werden.
Denn so, wie wir ihm in seinen Leiden folgen, folgen wir ihm auch in seiner Verherrlichung. Er blieb nicht im Grab, Amen. Er hat den Tod überwunden. Er hat Hölle, Satan und Dämonen und den Tod besiegt. Er hat triumphiert. Der Tod konnte ihn nicht halten. Das Grab öffnete sich, er stand auf, und er lebt. Er ist der auferstandene Herr. Er ist in den Himmel gefahren und hat sich zur Rechten des Vaters gesetzt. Er regiert. Gott hat ihn über alle Maßen erhöht und ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich beugen müssen alle Knie derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen müssen: Jesus Christus ist der Herr.
Jesus ist verherrlicht. Er sitzt auf dem Thron der Herrlichkeit. Er herrscht über alle Dinge. Er ist der Löwe aus dem Stamm Juda. Der leidende Mann von Golgatha ist jetzt der erhöhte Herr der Herren. Halleluja!
Die Nachfolge Jesu im Alltag und die Bereitschaft zum Leiden
Aber wir sehen hier ein Muster im Leben Jesu: erst Leid, dann Herrlichkeit. Die Kinder Gottes sind so sehr mit ihm verbunden, dass sich dieses Muster in gewissem Maß auch in unserem Leben widerspiegelt.
Jesus ist die Lokomotive, wir sind die Waggons. Fährt er durchs Tal der Leiden, werden wir es auch erleben. Wird er verherrlicht, werden auch wir verherrlicht.
Frage an uns, Frage an mich: Sind wir, bist du, bin ich bereit, für Jesus und mit ihm zu leiden? Manchmal habe ich das Gefühl, es ist so eine hypothetische Frage, weil wir in einem relativ gesicherten Rahmen leben. Aber ich frage mich ernstlich: Was, wenn es zum Schwur kommt?
Ich wünschte, und ich wünsche, dass ich bereit bin, dem Weg meines Herrn zu folgen. Das muss nicht zwangsläufig auf dem Scheiterhaufen enden, wie bei vielen Märtyrern in der Kirchengeschichte. Es kann ganz anders aussehen. Vielleicht verlierst du deinen Arbeitsplatz, weil du beim Betrug nicht länger mitmachst. Du leidest, weil du bei krummen Geschäften Nein sagst. Du bist in Bedrängnis, weil du dich zu Christus bekennst und dich treu zu ihm stellst. Du bist zu dem Schluss gekommen, keinen Ungläubigen zu heiraten, obwohl du Sympathien für ihn hast und er sich auch so romantisch um dich bemüht. Aber du sagst: Ich möchte Jesus ehren und ihm folgen, auch wenn es emotional schmerzhaft ist. Ich leide als Waggon an der Lokomotive. In der Schule machst du nicht mit allen mit, weil du ein Kind Gottes bist.
Aber bei all dem, und das ist hier der erste Gedanke, vergiss nicht: So wie du mit ihm und für ihn leidest, so sicher wirst du auch mit ihm verherrlicht werden. Amen.
Die Waage zwischen gegenwärtigem Leid und zukünftiger Herrlichkeit
Das führt uns zum zweiten Punkt: Leiden, die nicht ins Gewicht fallen.
Der Apostel schreibt weiter in Vers 18: Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Er beginnt hier mit einer großen Klarheit. Er sagt: Ich bin überzeugt. Das heißt, es besteht kein Zweifel. Worin besteht kein Zweifel? Darin, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Wir können sagen, dass der Apostel im bildlichen Sinne eine Waage in der Hand hält, mit zwei Waagschalen. In die eine Schale legt er die Leiden der jetzigen Zeit, und in die andere legt er die Herrlichkeit, die auf uns wartet.
Schauen wir uns zuerst die eine Waagschale an: die Leiden der jetzigen Zeit. Sie wiegen schwer, mitunter sehr schwer. Es fühlt sich manchmal an, als könnten wir nicht mehr. Herr, wie lange noch?
Verfolgung aufgrund unseres Bekenntnisses zu Jesus ist hart. Ausgegrenzt, verhöhnt und verspottet zu werden, ist Schmerz. Aber die Leiden der jetzigen Zeit sind nicht allein auf Christenverfolgung zu reduzieren oder zu begrenzen. Sie umfassen die ganze Bandbreite aller Nöte.
Dazu gehören Dinge wie Krankheit, Trauer, Hunger, Armut und sogar der Tod. Ein Kommentar schreibt: Der Apostel denkt an Leiden im Allgemeinen. Und er verweist auf die Verse 19 bis 23 und 28 bis 39.
Der Apostel denkt an Leiden im Allgemeinen und schließt daher auch Schmerz, sowohl körperlich als auch seelisch, Krankheit, Enttäuschung, Arbeitslosigkeit und Frustration mit ein.
Und dieser Leidensdruck ist manchmal kaum auszuhalten. Vielleicht bist du heute Morgen hier und hast das Gefühl, an der Grenze deiner Belastbarkeit angelangt zu sein. Es sind die Leiden der jetzigen Zeit. Sie wiegen schwer.
Die unvergleichliche Größe der kommenden Herrlichkeit
Aber nun setzt der Apostel die Leiden der jetzigen Zeit ins Verhältnis zu der Herrlichkeit, die auf dich wartet. Er legt die Herrlichkeit auf die andere Waagschale und stellt fest, dass die Leiden gegenüber dem, was uns erwartet, überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Die Herrlichkeit wiegt ungleich mehr.
Da ist eine grosse Unverhältnismässigkeit, die so gross ist, dass sie nicht einmal einen Vergleich wert ist. Der Segen, das ist hier der Gedanke, den Gott für dich bereithält, ist um ein Vielfaches grösser als das Leid, das du in dieser Welt ertragen musst. Die zukünftige Herrlichkeit, die für dich bereitliegt, ist so gewichtig, so schwer, dass unsere gegenwärtigen Leiden im Vergleich dazu wie Federn sind. Sie können nicht einmal ansatzweise die Waage bewegen. Sie fallen nicht ins Gewicht, sagt er.
Nun, ich weiss, an diesem Punkt muss man vorsichtig sein. Aber das ist hier der Text. Weder Paulus noch Jesus, der uns auffordert, mit den Weinenden zu weinen, will dein empfundenes Leid kleinreden. Es ist ja nicht alles nicht so schlimm. Nein, dein Leid wiegt schwer. Aber im Vergleich zu dem Gewicht der Herrlichkeit, die auf dich wartet, ist es leicht.
Dies gesagt, wollen wir unbedingt mitfühlend mit denen sein, die sich gerade jetzt in finsterster Nacht befinden, im Tal der Todesschatten. Und wer weiss, ob wir morgen nicht selbst dort sind. Deswegen helfen Worte wie „Kopf hoch, wird schon wieder“, oder „Ist doch alles nicht so schlimm“ überhaupt nicht. Sie führen ins Gegenteil. Statt aufzubauen, bewirken sie das Gegenteil.
Wahren Trost finden wir in solchen Zeiten der Not allein bei Gott.
Der Blick auf das Kommende und die Ermutigung für die Gemeinde
Und er führt uns heute Morgen auch dir die Waage vor Augen. Und er ruft dir zu: Jetzt komm her, mein Kind, jetzt leg mal deine Nöte, deine Krankheit, deine Angst, deine Armut, dein Ausgegrenztsein, deinen Kampf mit der Annahme deines eigenen Körpers, deine Zweifel, leg sie mal in die Waagschale. Aber jetzt richte deinen Blick auf das, was kommen wird, was dich erwartet: Herrlichkeit bei Gott, wahre Freiheit, keine Sünde und kein Tod mehr, Anbetung Gottes, Vollkommenheit, Heiligkeit, Freude, Frieden, Glück, Erfüllung in Christus, ewige Freude. Liebe Gottes pur, Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Das wirkt schwer, schwerer als die Leiden dieser Zeit. Das Verhältnis zwischen unseren jetzigen Leiden und der zukünftigen Herrlichkeit können wir in zwei Bereichen betrachten, noch kurz zum Schluss. Einmal ihre Intensität. Obwohl die Bedrängnisse schwer zu ertragen sind, sagt der Apostel, dass ihre Intensität nicht vergleichbar ist mit dem, was auf uns wartet.
Paulus kann das sagen, weil er beides erlebt hat: schwerste Nöte, wie er es an vielen Stellen beschreibt, und andererseits hat er eine Vision von der Herrlichkeit des Himmels. Und nach diesen Erfahrungen kommt er zu dem Schluss, dass selbst bei ihm die Leiden dieser Zeit in ihrer Intensität nicht vergleichbar sind mit den Dingen, die auf ihn warten.
Ähnliches drückt er auch in seinem Brief an die Korinther aus. Erst schreibt er über seine persönlichen Leiden, 2. Korinther 4, ab Vers 8: Wir werden überall bedrängt, schreibt er, aber nicht erdrückt. Wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung. Wir werden verfolgt, aber nicht verlassen. Wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesus am Leib umher, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar wird.
Sehen wir, wie schwer all das ist, was er erlebte. Aber dann holt er bei den Korinthern auch die Waage raus. Vers 16: Darum lassen wir uns nicht entmutigen, schreibt er, sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.
Seht ihr die Waage wieder? Leicht bedrängend, gewichtige Herrlichkeit. Das ist die Relation, die wir anschauen müssen. Das ist die Intensität unseres Leidens im Vergleich zu dem, was uns erwartet.
Aber er vergleicht hier nicht nur die Intensität, sondern auch, und das darf dir auch Trost sein, die Dauer. Denn die gegenwärtigen Leiden sind begrenzt, wie schon das Wort beschreibt: sie sind gegenwärtig. Die Herrlichkeit, die uns erwartet, ist ewig. Unsere Bedrängnis auf Erden ist vorübergehend, die Herrlichkeit aber ohne Ende.
Die rechte Perspektive im Leiden und das Gebet um Erkenntnis
Lieber Bruder, liebe Schwester, was machen wir jetzt damit? Wir nehmen das in unserem Herzen auf, okay? Und wir glauben daran, ja, wir nehmen das mit in die Woche, einverstanden? Nimmst du das mit? Denkst du daran? Versprichst du es mir? Ja, das ist der Punkt.
Ah ja, habe ich schon gehört, kenne ich alles, ja, ja. Moment, Moment, nee, nee, jetzt hier: anwenden, sacken lassen, mitnehmen, durchdenken, nachlesen, durchbeten. Bruder und Schwester erinnern, in feiner Weise, wie die wahre Perspektive auf unser Leben von Gott aussieht.
Wenn wir nämlich diesem Gedanken Raum geben, und das ist doch jetzt der Punkt, dann erkennen wir, dass diese Waagschalen tatsächlich nicht vergleichbar sind. So schmerzhaft unsere Nöte auch sein mögen, sie sind doch endlich und nicht ewig.
Was wir tun, ist: Wir erbitten Kraft von Gott, dass wir alle Nöte, Verfolgungen, körperlichen Leiden und seelischen Kämpfe ertragen und sie erkennen im Verhältnis zu dem, was auf uns wartet. Gott lässt sie uns erleben. Wir kommen dahin, Römer 8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, auch die Täler, durch die uns die Lokomotive manchmal zieht.
Und wir wollen beten um Erkenntnis, gerade in dem Moment, wo wir in Gefahr stehen, zu vergessen, was die Wahrheit ist. Wir wollen beten: Herr, hilf mir, dass ich sehe, dass da etwas Großartiges auf mich wartet.
Wenn wir nicht wüssten, dass da Herrlichkeit auf uns wartet, wie würden wir denn durchs Leben gehen? Ist das nicht die Frage, die du dir schon so oft gestellt hast, die ich auch immer wieder von Menschen aus der Gemeinde höre, wenn sie durch schwere Krankheitsnöte gegangen sind? Ohne Gott hätte ich es nicht geschafft.
Stimmt. Warum gibt dir Gott so viel Kraft? Weil er deinen Blick immer wieder darauf richtet, dass es etwas Größeres gibt als die Leiden dieser Zeit: Herrlichkeit in Ewigkeit. Und niemand kann sie dir rauben.
Jesus hat gesagt, sie können deinen Leib umbringen, aber deine Seele nicht. Sie können nicht rauben, was Gott in dein Herz durch den Heiligen Geist gelegt hat. Niemand kann dir nehmen, dass du vereint bist mit Christus in seinem Leben, in seinem Sterben, in seiner Auferstehung und auch in seiner Verherrlichung. Weder Hohes noch Tiefes, weder Gewalt noch Fürstentümer können uns trennen von der Liebe Gottes.
Auch kein Leid, kein Schmerz und kein Geschrei. Sondern der Tag kommt, wo er jede einzelne Träne von unseren Augen abwischen wird. Und dann preisen wir ihn in Ewigkeit. Amen.
Dank, Trost und Übergang zum Abendmahl
Danke, Herr, danke, danke. Ja, das ist großartig und auch seelsorgerlich wertvoll, gerade für die, die wir uns jetzt in notvollen Zeiten befinden.
Herr, mögest du, mögest du unseren Seelen wohltun. Herr, das geknickte Rohr wirst du nicht abbrechen, so richtest du es auf. Den glimmenden Docht wirst du neu entfachen und nicht auslöschen.
Danke, dass du deine Kinder an deiner Hand hältst und dass darin ein großer Segen ist, dass wir Kinder Gottes sind, auch in den Leiden dieser Zeit. Wir danken dir, dass wir nun zum Abendmahl gehen dürfen, und wir erinnern uns, dass du dort für uns gelitten hast und dass du bezahlt hast für unsere Schuld und Sünde.
Ich danke dir, dass du uns jetzt im Mahl dienst und dass unsere Herzen dadurch gesegnet werden. Amen.

