Einführung in das Thema und Projektvorstellung
Das fliegende Spaghettimonster ist eine Parodie auf Religionen, die vor allem Judentum und Christentum aufs Korn nimmt. Die Anhänger wollen zeigen, wie absurd es ist, gemeinsam an ein unsichtbares Wesen zu glauben. Sie fragen: Warum soll ich ausgerechnet an deinen biblischen Gott glauben, wenn du doch auch nicht an Zeus, Wotan oder das fliegende Spaghettimonster glaubst?
Hm, das tut weh, oder? Und da ist sogar etwas Wahres dran. Doch das Kuriose ist: Sobald man es genau durchdenkt, spricht das tatsächlich für Jesus. Komm mit, ich zeige es dir.
Um die Nachfolge zu verteidigen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Frost und hier machen wir drei Dinge: Wir steigen tiefer in die Bibel ein, überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können, und beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft an uns Christen stellt.
Zu alldem gibt es Dutzende kostenfreie Tools. Es gibt Hörbücher, Onlinekurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst.
Zur Transparenz: Finanziert wird all das hier durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, weil dieses Projekt langsam Fahrt aufnimmt.
Heute geht es um das fliegende Spaghettimonster. Das besprechen wir jetzt in sechs kurzen Punkten: Was ist das fliegende Spaghettimonster? Was meinen Leute, wenn sie davon sprechen, und warum kannst du dich darüber freuen? Wo ist der logische Haken dabei? Was ist der Unterschied zum neutestamentlichen Gott? Wie bringt dich das in deinen Gesprächen mit Nichtchristen weiter? Und zum Schluss ziehen wir ein sehr wertvolles Fazit, das du wahrscheinlich hören solltest.
Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community hier helfen, damit solche christlichen Inhalte in den sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe doch mal rasch auf dein Handy. Und auf YouTube kannst du das Video gern liken. Wenn du außerdem die Glocke hier unter dem Video drückst, bekommt YouTube ein Signal und zeigt auch nicht-christlichen Nutzern mehr christliche Inhalte, die sie ansprechen können.
Das ist ziemlich stark, oder? Lass uns das nutzen, solange wir können.
Ursprung und gesellschaftlicher Kontext des fliegenden Spaghettimonsters
Also, Punkt eins: Was ist dieses fliegende Spaghettimonster? Die Themen für diese Videos geben du und andere vor, basierend darauf, was ihr hier in den Kommentaren unter den Videos schreibt. Das Thema für heute kommt von Noah.
Wie antworte ich jemandem, der mit dem fliegenden Spaghettimonster meinen christlichen Glauben aufs Korn nimmt? Okay, Noah, dann lass uns die anderen hier, die vielleicht nicht sofort wissen, was das fliegende Spaghettimonster ist, auf die Reise mitnehmen. Ich erkläre es jetzt rasch und einfach für alle. Also schalt nicht ab, sondern hab kurz Geduld mit mir, weil ich auf etwas ganz Bestimmtes hinauswill, ja?
Weißt du, jetzt in den 2020er Jahren fängt die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Christentum in Deutschland, Österreich und der Schweiz an, sich lautstark zu verändern. Sie bewegt sich in Richtung Dekonstruktivismus, Exvangelicals und New Age. Das, denke ich, wird uns alle mehr beschäftigen, als du vielleicht gerade denkst. Und das sind Fragen, die mir sehr am Herzen liegen. Dazu werden wir nächstes Jahr ausführlich in Videos eingehen. Drück gern die Glocke, dann wird dir das auch angezeigt.
Bevor das der Fall war, hatte sich Anfang der 2000er Jahre ein aggressiver Atheismus in Deutschland auszubreiten begonnen. Wenn du es stark verallgemeinern willst – das ist jetzt nicht fachlich ganz korrekt, sondern eine Vereinfachung – früher war Atheismus einfach die Überzeugung, dass es keine höheren Wesen gibt.
Das änderte sich nach 9/11, als am Dienstag, dem 11. September 2001, islamistische Terroristen eine Reihe von Anschlägen verübten, bei denen fast 3.000 Menschen ermordet wurden. Was danach gesellschaftlich passierte, war, dass in der westlichen Öffentlichkeit bei uns sehr viel über geopolitische Räume diskutiert wurde, die wir häufig mit arabischer Welt und Mittlerem Osten bezeichnen. Damit einher ging die seit Jahrhunderten erste große öffentliche Auseinandersetzung mit dem Islam.
Diese Diskussionen wurden damals sehr unterschiedlich geführt, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich in der westlichen Welt langsam aber sicher nicht nur religiöse Neutralität breitgemacht hatte, sondern sich mehrheitlich eine Art de facto Atheismus an vielen Stellen als Staatsdoktrin durchgesetzt hatte. Deutschland ist dafür tatsächlich ein gutes Beispiel. In manchen Orten und in manchen demografischen Schichten ging das schneller voran als in anderen, aber die Tendenz ist ganz glasklar.
Falls du möchtest, kannst du gerne deine eigenen Beispiele dafür, wie Säkularisierung und Atheismus sich in den letzten Jahren immer mehr verbreitet haben, in die Kommentare schreiben. Ich lese jeden einzelnen davon.
Jedenfalls haben sich Teile dieser öffentlichen Diskussion damals schnell nicht nur um Terrorismus gedreht, sondern richteten sich gegen den Islam selbst. Für die meisten US-Bürger und auch für sehr viele von uns Europäern war der Islam damals ein Buch mit sieben Siegeln – denk an die Flüchtlingskrise 2015, das war noch viele Jahre entfernt.
Davon war es nur ein kleiner Schritt, dass in vielen Diskussionen schnell jede Art von religiöser Eindeutigkeit verpönt wurde – und Religiosität sowie der Glaube an Übernatürliches überhaupt.
Damals traten die sogenannten New Atheists auf, wie zum Beispiel der Religionskritiker Richard Dawkins, von dem du wahrscheinlich schon mal gehört hast. Wir haben sogar sein großes Buch „The God Delusion“ – auf Deutsch „Der Gotteswahn“. Auch der Religionskritiker Sam Harris trat hervor. Hier siehst du ein Bild aus der Zeit mit ihm.
Unter dem Eindruck von 9/11 schrieb Harris sein Hauptwerk. Der Titel ist Programm: „Das Ende des Glaubens – Religion, Terror und das Licht der Vernunft“. Vereinfacht gesagt will Harris jede Art von Religion zerstören. Interessanterweise attackieren Harris und seine Kollegen vor allem das Judentum und das Christentum. Das ist der große Unterschied.
Früher war Atheismus einfach die Überzeugung, dass es keine höheren Wesen gibt. Das Neue an den New Atheists sind nicht unbedingt die Argumente, sondern dass sie nicht nur, aber auch deutlich herabwertend, beleidigend und aggressiv gegen jede Art von Glauben vorgehen. Sie wollen Leute offensiv und aggressiv zu ihrer eigenen Religion des Atheismus bekehren.
Ein Beispiel: Damals ist Religionskritiker Richard Dawkins mit Bussen durch die Gegend gefahren, um offensiv Leute davon zu überzeugen, dass es keinen Gott gibt. Das wirklich passiert – und das war kein Einzelfall.
Gerade im Osten Deutschlands, wo in der DDR Atheismus quasi Staatsdoktrin war, wurde diese Art von Atheismus sehr schnell salonfähig. Ich habe das damals in meiner Jugendzeit noch sehr deutlich miterlebt, nicht nur im kompletten Umfeld, sondern auch von angeblich weltanschaulich neutralen Lehrern.
Wären Gläubige damals in der Schule dabei gewesen, hätten viele dieser Lehrer aktiv versucht, ihnen den Glauben auszureden. Es waren keine Gläubigen dabei, also haben sie sich häufig nur lustig gemacht oder versucht zu zeigen, wie absurd es ist, gläubig zu sein. Das kennen viele ja hier am eigenen Leib.
Um zu lernen, wie du auf solche Dinge antworten kannst, kannst du gern die 14-Tage-Challenge absolvieren. So wirst du ein sprachfähiger Christ und lernst, wie du auf die häufigsten Kritiken an Christentum und Bibel selbst antworten kannst. Das ist ein interaktiver Onlinekurs, der dank der Hilfe der Spender komplett kostenfrei ist.
Außerdem gibt es gratis mein Buch, in dem ich die häufigsten Kritiken der New Atheists widerlege. Es wurde von Tausenden mit Gewinn gelesen und wird in Jugendstunden sowie im Religionsunterricht benutzt. Das alles findest du im Link unter diesem Video.
Die Entstehung der Pastafari-Religion und ihre Intention
Jetzt denkst du vielleicht: „Okay, Markus, danke für die Geschichtsstunde und den Werbeblock, aber ich dachte, hier geht es um Spaghetti-Action.“
Zunächst einmal: Du bekommst hier einen kompletten Onlinekurs mit Hörbuch gratis geschenkt. Also beschwere dich nicht!
Zweitens: Diese Vorgeschichte und die aufgeladene Stimmung sind genau der Hintergrund, auf dem das fliegende Spaghettimonster jetzt auf den Plan tritt.
Im Mai 2005, während die Diskussion so brodelt, gibt es in den USA, im Bundesstaat Kansas, eine gesellschaftliche Debatte. Es geht darum, ob in Schulen nur die klassische Evolutionstheorie gelehrt werden soll. Damit würden Kindern nahegelegt, dass es bestimmt keine höhere Macht gibt, die irgendeinen Einfluss ausübt. Oder ob es an staatlichen Schulen erlaubt sein darf, ergänzend zu erwähnen, dass viele Phänomene in der Natur den Anschein erwecken, als wären sie absichtsvoll entworfen worden. Zudem fragen sich viele namhafte Forscher, ob Materie wirklich alles ist, was es gibt.
Damals ist noch einiges mehr passiert, aber in Kurzfassung: Der 25-jährige atheistische Aktivist Bobby Henderson – dessen Foto man in Deutschland übrigens nicht legal zeigen darf – geht das entschieden zu weit. Er erfindet bewusst und absichtlich die Religion des fliegenden Spaghettimonsters, das angeblich das Universum erschaffen hätte.
Die Anhänger dieser Religion nennen sich Pastafari. Übrigens ist das ein Begriff, den manche Religionssoziologen als rassistisch werten. Bobby Henderson macht keinen Hehl daraus, dass das pure Veralberung ist. Er will der Öffentlichkeit zeigen, wie dumm, hohl und hinterwäldlerisch das ist, was Millionen Gläubigen weltweit am Herzen liegt.
Später hat er noch ein Buch geschrieben, für das er weit über hunderttausend US-Dollar erhalten hat. Viele neutrale Leser beschreiben das Buch als sexuell vulgär und beleidigend gegenüber Juden und Christen. Ich zitiere gleich aus dem Buch, und dann widerlegen wir das. Also schaut dieses Video weiter.
Okay, jetzt haben wir erstmal alle das gleiche Hintergrundwissen zum fliegenden Spaghettimonster. Zurück zur Fragestellung.
Der Punkt ist ja, lieber Noah: Beim ersten Hören klingt das sogar überzeugend, was dein Gesprächspartner dir erzählt. Nach dem Motto: „Warum soll ich denn an den neutestamentlichen Gott glauben? Ich glaube ja auch nicht an Zeus, an Wotan oder an das fliegende Spaghettimonster.“
Die Bedeutung hinter der Parodie und der Umgang damit
Okay, schauen wir uns das genauer an. Punkt zwei: Was steckt dahinter?
Auch wenn ich persönlich die Idee vom fliegenden Spaghettimonster, wie sie von Nichtchristen oft vorgebracht wird, bisher eher als herablassend empfunden habe, finde ich diese Behauptung tatsächlich ernst zu nehmen. Sie spricht nämlich etwas Wahres an. Tatsächlich hilft dir diese Behauptung, im Gespräch mit nichtchristlichen Gesprächspartnern ein gutes Stück weiterzukommen. Du kannst sogar ehrlich dankbar sein, wenn du so etwas im Gespräch hörst.
Gehen wir das noch einmal durch: Häufig wirst du so etwas im Gespräch mit Leuten hören, die atheistisch aufgewachsen sind. Diese Menschen finden es völlig abstrus, etwas für wahr zu halten, das sie nicht sehen können, mit dem sie sich nie beschäftigt haben und von dem sie meinen, dass alles, was damit zusammenhängt – also Gott und Glaube – in ihrer jetzigen Lebensphase keine Rolle spielt. Sie denken, sie seien zwanzig, fünfundzwanzig oder dreißig Jahre oder noch länger ihres Lebens hervorragend ohne Gott ausgekommen und verstehen überhaupt nicht, was der ganze Aufwand soll. Nach dem Motto: „Wozu brauche ich denn bitteschön Gott?“
Weißt du, ich bin damals als Atheist unter Atheisten aufgewachsen, und es war auch nicht alles schlimm. Aber ich möchte hier mal eine Lanze für diese Perspektive brechen. Man denkt teilweise wirklich so. An manchen Tagen denkst du mehr wie ein Atheist, an anderen weniger – zum Beispiel, wenn du eine einschneidende Erfahrung gemacht hast und mit dem Tod konfrontiert wurdest.
Aber die meiste Zeit habe ich als Atheist überhaupt nicht über Glauben oder Gott nachgedacht. Und das ist der Punkt, den wir, liebe Mitchristen, besser und tiefer verstehen müssen: Für einen Atheisten sind Gott und Glaube überhaupt kein Thema. Es spielt in seinem Leben keine Rolle.
Du kannst das ein bisschen vergleichen, wenn du christlich aufgewachsen bist, mit Fitness. Für manche Menschen spielen Ernährung und Sport eine große Rolle. Sie richten ihre Wochenplanung darauf aus, ihre Alltagsgewohnheiten und ihre gesamte Tagesstruktur sind danach ausgerichtet. Unabhängig davon, ob jeder Fitnessfreak das immer gerne tut oder ob bei manchen vielleicht zwanghaftes Verhalten dahinter steckt: In ihrem Leben dominiert das total.
Für andere Menschen spielt das hingegen eine untergeordnete oder sogar überhaupt keine Rolle. Vielleicht hast du schon mal die kluge Lebensweisheit gehört, die besagt: Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. Und da ist etwas dran.
So ungefähr kommt es einem als Atheist mit dem Christentum vor: wie ein Lebensentwurf, den manche Leute eben für sich haben. Einerseits sagt man als Atheist vielleicht: „Naja, sollen sie doch, soll doch jeder nach seiner Fassung selig werden.“ Aber insgeheim – zumindest ich habe mir das gedacht – „Meine Fresse, wie kann man nur so einen Unsinn für bare Münze nehmen?“
Falls du mehr darüber wissen möchtest, was man als Nichtchrist oder Atheist teilweise über Christen denkt und welches Klischee wir Christen vor uns hertragen, habe ich dir dazu ein eigenes Video aufgenommen. Drück gerne die Glocke, dann wird dir das auch angezeigt.
Diese Absurdität, etwas Übernatürliches für wahrzuhalten, das im eigenen Leben angeblich keine Rolle spielt – am besten noch, weil irgendwelche weltfremden konservativen Institutionen das wollen – wurde für mich als Atheist nur noch dadurch getoppt, dass ich nicht nur an irgendetwas Übernatürliches glauben sollte.
Sondern, jetzt kommt’s: Ich sollte an eine bestimmte Marke von übernatürlichem Glauben glauben – und zwar ausgerechnet an die meines christlichen Gesprächspartners. Nach dem Motto: „Komm schon, Mann, mach mal halblang!“
Wenn mir damals ein gläubiger Mensch verkaufen wollte, ich solle nicht nur an irgendetwas Übernatürliches glauben, sondern noch auf seine Art und Weise, war das der Punkt, an dem ich als Atheist oft von gleichgültiger Toleranz zu einer gewissen inneren Aggression wechselte.
Deshalb hörst du heute noch manchmal Leute sagen: „Ich glaube an nichts Übernatürliches und schon gar nicht an deine persönlichen oder von der Kirche verordneten Phantasien oder an den christlichen Gott. Überhaupt, mach mal halblang. Ich glaube ja auch nicht an Zeus, ich glaube auch nicht an Wotan oder an das fliegende Spaghettimonster. Das ist alles der gleiche Unsinn, alles gleich absurd. Du hast keine Belege, und das ist sowieso alles nur dein privates Kopfkino. Da könnte ja jeder kommen und sich irgendwas ausdenken.“
Schon mal gehört, Noah? Vielleicht wird das Ganze dir gegenüber manchmal auch ein bisschen konstruktiver formuliert, so nach dem Motto: „Hey, du glaubst doch auch nicht an alle möglichen Gottheiten von allen möglichen Religionen. Ich auch nicht. Übrigens, ich glaube nur an einen Gott weniger als du.“
So drücken das manche atheistische Denker heute auch aus.
Der logische Fehler hinter der Gleichsetzung verschiedener Gottheiten
Punkt drei, vorletzter Punkt: der logische Haken. Die Sache ist nur, das passt nicht ganz. Das ist ungefähr so, als würde ein Ehemann zu einem Single sagen: „Hey, ich habe nur eine Ehefrau mehr als du.“ Oder ein Kannibale sagt zu dir: „Du isst doch auch Lebewesen, ich esse nur ein Lebewesen mehr als du. Wo ist das Problem?“
Weil diese eine Ehefrau und dieses eine Lebewesen, das der Kannibale mehr hat, eben den ganzen Unterschied machen. Es ist ja nicht dasselbe.
Weißt du, das Ganze steht und fällt damit, was dein Gesprächspartner unter dem bloßen Wort „Gott“ oder „Gottheiten“ versteht. Und das müssen wir auch zugeben, ist ein fairer Punkt. Denn der Begriff „Gott“ ist so breit, er ist kulturell so stark geprägt und überladen. Natürlich fragt man die Exvangelikalen dazu häufig auch vorbelastet. Er wird in so vielen Kontexten, Musikstücken, Binsenweisheiten und Sprichwörtern verwendet. Da ist es mehr als verständlich, den Überblick zu verlieren.
Ich würde mal behaupten, das passiert uns Christen im Eifer des Gefechts manchmal genauso, oder?
Was machen wir jetzt damit?
Menschliche Sprache funktioniert durch Übereinkunft. Das heißt, nur solange wir eine ähnliche Grammatik benutzen und ähnliche Vokabeln, haben wir eine realistische Chance, dass du und ich uns verständigen können. Warum? Weil wir dann abschätzen können, was der jeweils andere meint und ob wir vom selben sprechen, klar.
Aber nutzt dein Gegenüber vielleicht dieselben Worte, meint aber etwas ganz anderes als du? Dann wird es natürlich knifflig.
Zum Beispiel: Angenommen, du kommst gerade aus der Stadtverwaltung und redest vom Wort „Pass“ (P-A-S-S). Dann kann es sehr gut sein, dass du damit ein Ausweisdokument meinst, also einen Reisepass zum Beispiel.
Ich aber komme gerade vom Fußballspielen und denke bei dem Wort „Pass“ an eine Ballabgabe.
Und neben uns steht deine Freundin, die Bergsteigerin ist, und beim Wort „Pass“ denkt sie an einen Gebirgsweg.
Wir alle drei nutzen zwar dasselbe Wort, aber gerade weil wir alle drei an etwas ganz anderes denken, meinen wir keineswegs dasselbe. Obwohl wir dasselbe Wort benutzen, sprechen wir alle drei von drei unterschiedlichen Dingen.
Und genau das passiert hier beim pflegenden Spaghettimonster.
Der Begriff „Gott“ steht im Raum, und das ist ja auch kein leichter Begriff, das müssen wir zugeben. Aber der Begriff „Gott“ wird häufig ganz anders verwendet als das, was mit dem biblisch-christlichen neutestamentlichen Gott gemeint ist. So entstehen diese Missverständnisse.
Die Eigenschaften des neutestamentlichen Gottes im Vergleich
Punkt vier: Wo ist der Unterschied zum neutestamentlichen Gott?
Nach dem biblischen Christentum hat Gott folgende Eigenschaften: Gott ist absolut. Absolut bedeutet, dass es nur ihn als einzige Gottheit gibt. Er ist immateriell. Immateriell heißt, er ist nichträumlich, also an allen Orten gleichzeitig. Außerdem ist er nicht zeitlich, das heißt, er ist ewig und steht über der Zeit.
Gott ist weiterhin unverursacht. Er ist die unverursachte Ursache für alles. Er ist unheimlich mächtig und unheimlich intelligent. Zudem ist er der moralische Maßstab für Gut und Böse. Das bedeutet, Gott legt fest, was gut und was böse ist.
Gott ist persönlich. Persönlich bedeutet, er ist vergleichbar mit einer Persönlichkeit. Er hat bestimmte Präferenzen, Vorlieben und einen sehr deutlichen eigenen ästhetischen Geschmack. Es gibt auch Dinge und Verhaltensweisen, die ihm einfach nicht gefallen. Zum Beispiel zeigt der Aufbau der Stiftshütte im Buch Exodus, dass es sich bei Gott nicht um eine anonyme Naturkraft handelt, sondern um eine Persönlichkeit mit eigenem Geschmack.
Eine weitere wichtige Eigenschaft von Gott im Neuen Testament ist, dass er in Jesus von Nazareth verkörpert ist. Er hat Jesus von Nazareth von den Toten auferweckt. Das kann man in fast jedem Buch im Neuen Testament nachlesen.
Laut dem biblischen Christentum ist das, was wir gerade beschrieben haben, Gott. Übrigens wüsste ich auch nicht, wie wir dieses Wesen sonst nennen sollten. In vielen biblischen Büchern trägt dieser Gott den Eigennamen Yahweh, nicht Jehova oder so, sondern Yahweh.
Falls es schwerfällt, sich das konkret vorzustellen, ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Die Tatsache, dass wir uns etwas schwer vorstellen können, sagt ehrlich gesagt nicht viel darüber aus, ob es real ist oder nicht. Zum Beispiel astrophysikalische Phänomene wie schwarze Löcher, dunkle Materie oder die Planck-Skala oder auch emotionale Phänomene wie sich verlieben oder den Menschen fürs Leben finden – all das kann man sich vorher auch nicht vorstellen, ist aber trotzdem real.
Wie gesagt, dazu ließe sich noch einiges mehr sagen, wenn wir genauer ins Neue Testament schauen wollen. Aber das sind erst mal schon die Basics. Ohne diese Eigenschaften ist das, wovon wir reden, nicht der Gott des Neuen Testaments.
Praktische Anwendung im Gespräch mit Nichtchristen
Punkt fünf: Wie bringt dich das in einem kniffligen Gespräch weiter?
Okay, woher wissen wir denn grundsätzlich, dass wir nicht nur dieselben Begriffe benutzen wie unser Gesprächspartner, sondern auch dasselbe meinen? Wie kannst du also sicherstellen, dass du und dein Gesprächspartner an dasselbe denken, sobald ihr von Gott, dem Begriff Gott, redet? Dass nicht er an das fliegende Spaghettimonster denkt, während du vom biblischen Christentum sprichst? Oder umgekehrt?
Ganz einfach: Das, woran ihr beide denkt, muss dieselben Eigenschaften haben. Es muss dieselben Eigenschaften haben. Das ist sehr wichtig zu verstehen. Der Begriff dafür ist Univozität – nur damit du ihn mal gehört hast. Aber das Konzept ist sehr wichtig, denn jetzt nutzt ihr dieselben Begriffe, und eure Begriffe haben dieselben Eigenschaften. Dann meint ihr dasselbe. Check, funktioniert, läuft.
Aber nutzt ihr dieselben Begriffe und diese Begriffe haben nicht dieselben Bedeutungen, dann redet ihr von verschiedenen Sachen. Das funktioniert dann nicht. Das ist eines der Probleme mit vielen christlichen Sondergruppen wie Mormonen oder Zeugen Jehovas. Sie haben dieselben Begriffe wie im Neuen Testament und dieselben Begriffe wie wir Christen, zum Beispiel Gott, Jesus, Abendmahl, Erzengel Gabriel, ewiges Leben, Auferstehung, Taufe. Aber diese Begriffe meinen bei ihnen teils völlig verschiedene Dinge, als sie im biblischen Christentum gemeint sind.
Das macht die Diskussionen und Gespräche mit vielen Mormonen und Zeugen Jehovas für Christen total verwirrend. Über Mormonen und die sogenannte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und warum wir das vielleicht ernster nehmen sollten, als es viele derzeit tun, kommt hier demnächst ein eigenes Video raus. Drückt gern die Glocke, dann wird dir das auch angezeigt.
Aber du merkst schon: Das mit der Univozität ist tatsächlich, auch wenn der Begriff ein bisschen komisch ist, eine ganz große Sache. Es ist wichtig, dass es die gleichen Begriffe mit den gleichen Eigenschaften sind. Und das ist der Schlüssel. Das ist der Schlüssel zu vielen Gesprächen über Gott, die sonst einfach katastrophal misslingen würden.
Und das bringt uns langsam zum Höhepunkt dieses Inputs über das fliegende Spaghettimonster. Lass mich dir dazu drei flapsige Beispiele geben – und beim dritten wird dir wahrscheinlich spätestens ein Licht aufgehen.
Beispiel eins: Redet jemand von der historischen Person Friedrich Ebert, der im 19. Jahrhundert geboren wurde und im 20. Jahrhundert in Berlin verstorben ist, der als Vorkämpfer linker Werte gesehen wurde und erst als Zeitungsredakteur gearbeitet hat, um danach Politiker zu werden – den Friedrich Ebert, der nicht Vorsitzender der SPD und auch nicht Reichspräsident der Weimarer Republik war? Wenn jemand von diesem Friedrich Ebert redet, dann redet er nicht von dem großen, berühmten Friedrich Ebert, sondern von seinem gleichnamigen Sohn. Das heißt, derselbe Name bezeichnet zwei verschiedene Personen, die zufälligerweise auch ein paar Gemeinsamkeiten haben, aber mehr auch nicht und die sonst zwei völlig verschiedene Menschen sind.
Beispiel zwei: Stell dir mal vor, jemand redet von dem Gott Zeus. Meint er dann damit das, was den Gott der Bibel und des Neuen Testaments ausmacht? Also die absolute Kraft, die ewig unverursacht ist und der moralische Maßstab schlechthin? Nein. Erstens ist von Zeus in der griechischen Mythologie nur als eine göttliche Figur unter sehr vielen die Rede. Das heißt, er ist nicht absolut. Zweitens wird Zeus in der Geschichte geboren von den Titanen Kronos und Rea. Er ist also nicht ewig unverursacht. Drittens ist Zeus in den Geschichten in seinem Lebenswandel definitiv nicht der moralische Maßstab, wie er an manchen Punkten in den Erzählungen sogar selbst sagt.
Das heißt, wir reden bei Zeus und beim neutestamentlichen Gott von etwas komplett Unterschiedlichem, weil Zeus keineswegs das ist, was im biblischen Christentum mit Gott gemeint ist. Dieser Zeus-Yahweh-Vergleich ist wichtig zu verstehen, denn sobald das hier jemand miteinander vermischt, ist das nicht nur knapp am Ziel vorbei – das ist nicht mal dieselbe Himmelsrichtung.
Beispiel drei von drei: Stell dir mal vor, jemand redet jetzt vom fliegenden Spaghettimonster aus Bobby Hendersons Märchen. Ist damit jetzt dasselbe absolute, unverursacht ewige, nicht materielle Wesen gemeint, wie in der Bibel, im Neuen Testament? Nein.
Weil das fliegende Spaghettimonster in dem Märchen das Universum angeblich erschaffen hat, nachdem es heftig getrunken hatte. Das heißt, was immer das fliegende Spaghettimonster getrunken hat, müsste laut den Anhängern des fliegenden Spaghettimonsters dem Universum vorausgegangen sein, weil es ja erst getrunken und dann das Universum geschaffen hat. Du kannst ja nicht trinken, was nicht da ist.
Damit wäre also das fliegende Spaghettimonster nicht allein außerhalb des Universums und könnte nicht die absolute Ursache für alles sein. Laut den Anhängern sind außerdem angeblich Piraten göttliche Wesen, womit das fliegende Spaghettimonster zweitens nicht die absolute Kraft sein kann, weil es ja andere Lebewesen oder Wesen gäbe, die auch göttlich wären.
Drittens – und jetzt muss ich mich sehr anstrengen, das ohne großes Schmunzeln zu sagen – und bitte bleibt in den Kommentaren sachlich, okay, wir kriegen das hin – auch hätte das fliegende Spaghettimonster laut Bobby Henderson dicke Hoden. Hoden sind materiell. Das heißt, was immer Hoden hat, ist selbst materiell. Damit könnte das fliegende Spaghettimonster nicht immateriell sein.
Viertens schließlich hat das fliegende Spaghettimonster angeblich Bobby Henderson als Propheten, während Jesus von Nazareth negiert wird. Nun, der biblisch-christliche neutestamentliche Gott hat nicht Bobby Henderson als Propheten, und Jesus von Nazareth ist absolut zentral.
Du siehst also: Sobald du den Begriffen mal unter die Haube schaust, wird direkt klar: Nein, mit dem fliegenden Spaghettimonster ist etwas komplett anderes gemeint als mit dem biblisch-christlichen neutestamentlichen Gott Yahweh.
Genauer findest du das erklärt mit vielen praktischen Beispielen in Video, Audio und Arbeitsblättern in den Materialien in der Videobeschreibung. Sie sind gratis.
Okay, das heißt, dass diese Figuren hier – also Kronos, Rea, Zeus, das fliegende Spaghettimonster, Vishu und viele weitere – nicht den Gott bezeichnen, der dir im biblischen Christentum im Neuen Testament begegnet.
Religiöse Pluralität und theologische Differenzen am Beispiel des House of One
Hm, bevor wir zum Fazit kommen, möchte ich noch etwas anmerken.
Weißt du, dass gerade diese Erkenntnis solche Projekte wie beispielsweise das Berliner House of One so kritisch macht? Dieses Gebäude wird derzeit im Herzen Berlins gebaut. Nach dem Wunsch der Träger dieses Bauprojekts sollen dort Christen, Juden und Muslime denselben Gott anbeten – einen Gott, der nach Auffassung der Träger angeblich derselbe sein soll.
Hier haben wir ein faustdickes Problem. Natürlich gibt es in allen drei Weltanschauungen ein Wesen, das die Anhänger Gott nennen. Aber es geht nicht um den Begriff, wie wir gesehen haben, sondern um das, was damit gemeint ist. Nach dem Neuen Testament wird im Christentum Gott als der Vater von Jesus bezeichnet, und Jesus selbst wird als Gott angebetet. Das wiederum ist im Islam als Schirk, also als die größte Sünde überhaupt, verboten. Schirk bedeutet, etwas zu Gott zu machen, was nicht Gott ist. Diese Haltung wird im Koran selbst auf das Schärfste verurteilt.
Sehr bekannt ist die Sure, in der es heißt: „Lam yalid wa lam yulad“ – „Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt“. Kein rechtgläubiger Muslim auf diesem Planeten würde Jesus als Gott anbeten. Das ist nicht nur ein Statement darüber, was der Islam über Jesus denkt, sondern auch, was im Islam über Gott gedacht wird. Das, was im Islam mit Gott bezeichnet wird, ist etwas völlig anderes als das, was wir Christen mit Gott meinen und was Jesus selbst mit Gott meint.
Das sage nicht nur ich als drittklassiger christlicher Theologiedozent, sondern zahlreiche namhafte Vertreter des Islam sehen das ganz genauso. Noch einmal: Das ist keine Bewertung, das hat auch nichts mit Toleranz oder Intoleranz zu tun. Es ist einfach eine Beschreibung eines religionsphilosophischen Faktes. Nicht die gleichen Eigenschaften, nicht dasselbe Wesen. Punkt.
Der liberale Landesbischof Berlins, der dieses Projekt des House of One gutheißt, bezeichnet das Haus sogar völlig offen als „Gegenbild gegen Exklusivitätsansprüche“. Du kannst also selbst sehen, dass dahinter eine ganz klare weltanschaulich-politische Agenda steckt.
Ich persönlich wäre neugierig, wie dieser Landesbischof eines Tages erklären will, dass Jesus mit seinem Exklusivitätsanspruch falsch liegt.
Ein letztes dazu: Nach meinem Kenntnisstand sind für das Haus sage und schreibe 20 Millionen Euro an öffentlichen Steuergeldern veranschlagt. Das ist Geld, das der Staat mit voller Härte der Justiz von dir und mir nimmt. Und das sind nur 20 Millionen Euro, wenn dieses jahrelange Berliner Bauprojekt – für das es noch nicht einmal ein Eröffnungsdatum gibt und bei dem trotz Grundsteinlegung die Bauarbeiten noch nicht einmal begonnen wurden – vom ersten bis zum letzten Tag genau im Kosten- und Zeitplan bleibt. Viel Glück!
Falls Interesse besteht, dass ich ein eigenes Video über das House of One mache, kann man gern die Glocke drücken und das in die Kommentare schreiben. Dann mache ich das.
Fazit: Die Bedeutung von Begriffsklärung und die Plausibilität des christlichen Glaubens
Nur weil jemand den Begriff Gott oder Gottheit verwendet, bedeutet das noch lange nicht, dass er oder sie vom biblisch-christlichen, neutestamentlichen Gott Yahweh spricht. Warum? Yahweh, diese absolute Kraft und dieses persönliche Wesen, wird in der Bibel mit einer Reihe ganz bestimmter Eigenschaften beschrieben – von der ersten bis zur letzten Seite, von der Genesis bis zur Offenbarung.
Wenn du die Eigenschaften mit dem vergleichst, was andere als Gott bezeichnen – sei es Zeus, das fliegende Spaghettimonster oder eine andere Entität – kannst du prüfen, ob ihr vom selben redet oder ob ihr zwei völlig verschiedene Dinge meint, die nur zufällig dieselben Begriffe verwenden.
Dass das fliegende Spaghettimonster eine Verballhornung ist und dass du und ich heute das Univozitätsproblem erkannt haben, macht den Glauben an Jesus allein noch nicht wahr oder plausibel.
Warum selbst ich als ehemaliger Atheist zugeben muss, dass das biblische Christentum deutlich plausibler ist als alle anderen Alternativen, behandeln wir hier im Video nicht. Diese Argumentation findest du in den Materialien in der Videobeschreibung.
Wir sehen uns dort.
