Einleitung
"Zwei Menschen wollten Hochzeit halten. Die Brautleute hatten
nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass
viele Menschen mitfeiern sollten. Also baten sie die
Eingeladenen, je eine Flasche guten Wein mitzubringen. Am
Eingang des Festsaales würde ein großes Fass stehen, in das
sie ihren Wein gießen könnten. So sollte jeder die Gabe des
anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein.
Als nun das große Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu
dem großen Fass und schöpften daraus. Doch wie groß war das
Erschrecken aller, als sie merkten, dass es Wasser war.
Versteinert standen sie da, als ihnen allen bewusst wurde,
dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die
ich eingieße, wird niemand schmecken!" Als um Mitternacht die
Flöten verstummten, gingen alle schweigend nach Hause, und
jeder wusste, das Fest hatte nicht stattgefunden."
Heute finden weltweit ungezählte Gottesdienste statt. Eine
große Vielfalt:
Manche in großen sakralen Räumen, wo Priester in
stocksteifer
Atmosphäre Messen zelebrieren – u. U. mit ausgefeilter
Liturgie, in der jedes Wort festgelegt ist…
Andere Gottesdienste, wo die Teilnehmer überschäumen vor
emotionaler Begeisterung..., wo beim Gebet die Hände erhoben
werden, Kranke zum Heilungsgebet nach vorne gerufen werden,
usw.
Manche Gottesdienste gleichen einer Ein- oder Zwei-Mann-
Schau
die große Masse der Besucher lässt das Gebotene wie eine
Fernseh- oder Bühnenshow über sich ergehen... Das Ganze
läuft
ab wie auf dem Sonnendach eines Kreuzfahrtschiffes: die
Gläubigen liegen in der Sonne und sog. Hauptamtlichen
servieren eisgekühlte Getränke und Snacks…
Einige von Euch haben gehört von den Gottesdiensten der
Willow-Creek-Community-Church in Chikago, die weltweit
Aufsehen erregt haben, weil ihr ganzer Ablauf total auf
suchende Menschen - also auf Außenstehende - zugeschnitten
ist. Ist das vielleicht der richtige Ansatz?
Wie sieht das nun aus im Blick auf die Versammlung der
Gemeinde? Ist es ganz uns überlassen, wie wir zusammen kommen?
Schauen wir in die Bibel!
1. Wann sollen wir zusammenkommen?
Am ersten Tag der Woche
(Johannes 20 - Apostelgeschichte 2 - Apostelgeschichte 20,
7, 1. Korinther 16, 2, Offenbarung 1, 10)
beste Zeit: morgens
weltweit kommen die meisten Gemeinden
am Sonntagmorgen zusammen - morgens frischer für Lob und
Anbetung sowie aufnahmefähiger für das Wort des Herrn - Rest
des Tages frei, für Stille, für die Familie, für den einen
oder anderen Besuch, etc.
2. Wo sollen wir zusammenkommen?
Juden-Christen: im Tempel (vom AT herkommend) und in den
Häusern (Brotbrechen)
Apostelgeschichte 2, 46Heiden-Christen: Apostelgeschichte 19, 9+10 neutrale Räume –
Römer 16, 5 1Korinther 16, 9In Zeiten der Verfolgung: in Katakomben, im Wald, in Höhlen,
in Kellern, usw. – und heute oft in Bürogebäuden …
3. Warum sollen wir zusammenkommen?
Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der
Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten."
(Apostelgeschichte 2, 42)Diese vier Elemente werden hier nicht zufällig genannt. Wir
finden sie bereits im 3. Buch Mose, wo das Innere der
Stiftshütte beschrieben wird. Dort finden wir
- die Bundeslade mit den Tafeln (Lehre)
- den siebenarmigen Leuchter (Licht – Gemeinschaft)
- den Schaubrottisch (Brotbrechen) und
- den Rauchopferaltar (Gebete) Warum sollen wir zusammenkommen?
zur Belehrung
Lehre der Apostel
Die ersten Christen hatten als Grundlage ihres Glaubens
zunächst:
- das AT (vielleicht einzelne Rollen)
- die mündlich überlieferten Reden Jesu (Wort Christi Kolosser 3, 16)
zur Gemeinschaft:
Im NT finden wir kein Solo-Christentum", keine individuelle
Frömmigkeit, kein Rosinen-Picker-Christentum", sondern ein
verbindliches Eingewurzeltsein in einer örtlich versammelten
Gemeinde.
Wenn das NT von Gemeinschaft spricht, dann ist mehr gemeint
als nebeneinander auf dem Stuhl zu sitzen: Anteil geben -
Anteil nehmen. Achtet bitte auf Reihenfolge!
Wie sieht das praktisch aus?
- während der Versammlung: durch geistlichen Austausch und erbauliche Beiträge
- nach der Versammlung: Zeit für Gespräche / besonders mit neuen Besuchern / keiner sollte unangesprochen den Raum verlassen (natürlich nicht in aufdringlicher Art)! Besondere Gelegenheiten der Gemeinschaft:
Gemeinsames Mittag- und Abendessen / Gemeindetage /
Wochenendfreizeiten / Ausflüge (Pfälzer Wald) / etc.
Gemeinschaft über den Sonntag hinaus:
Sich gegenseitig anrufen / Kranken ein schriftliches Grüßlein
schicken / gegenseitig einladen und besuchen / besonders
neuere Besucher Æ Integration! - aufeinander zugehen -
Gemeinde: Nest der Liebe und Wärme in dieser kalten Welt
- Ziel: sich in der Gemeinde wohl fühlen! - Geborgenheit - Angenommensein
- Fred Colvin: Speise und Wärme!
- Corri Brandt, schämen vor den Zeugen Jehovas!
Wir kommen zur Gemeinschaft zusammen. Denn Gemeinschaft bietet
auch Schutz vor dem lau werden von innen und vor Verführung
von außen.
Wir kennen das Bild vom Holzfeuer, mehrere Holzscheite brennen
hell und lange - ein Einzelner erlischt bald... Die
christliche Gemeinde bietet auch Schutz vor dem geistlichen
Erlöschen und lau werden!
Die Bibel verwendet das Bild von der Herde. Eine Herde bietet
Schutz, ein einzelnes Schaf gerät leicht in die Dornen oder
sogar unter die Wölfe!
Darum, weil Gott unser Bestes im Auge hat, betont die Bibel,
so stark ist die Gemeinde. Der Hebräerbrief ruft uns zu:
Hebräer 10, 24+25:
"...und lasst uns aufeinander acht haben, um uns zur Liebe und
zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen
nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern
einander ermuntern; und das um so mehr, je mehr ihr den Tag
herannahen seht."
Ich wünschte uns allen eine brennende Liebe zur wöchentlichen
Zusammenkunft! Dass wir uns wirklich nur von ganz triftigen
Gründen abhalten ließen!
Zweimal steht hier das Wort sie verharrten..." (V.42+46).
D.h. sie blieben fest, sie ließen sich nicht beirren, sie
hatten das Zusammenkommen zu einem ganz festen Bestandteil
ihres Lebens gemacht, und da mussten sehr triftige Gründe
vorliegen, dass diese Christen zu Hause blieben.
Wenn wir in diesem Stück mal gelernt haben, nicht nach der
jeweiligen Situation, sondern nach biblischem Grundsatz zu
handeln, wird es dem Feind nur noch schwer gelingen, uns
abzuhalten. Wenn nicht, wird er sehr erfinderisch sein,
verlasst Euch drauf!
Beispiel: Ein gläubiges Ehepaar.... Wir gehen! Hier bleiben
oder Mitkommen? Heute als Missionsehepaar in Japan!
Möchte uns der Herr doch dieses Verharren" der ersten
Christen schenken; aber auch lebendige Versammlungen, wo einem
Entscheidendes fehlt, wenn man einmal nicht dabei sein kann!
Warum kommen wir zusammen?
Ein weiterer Grund zum Brotbrechen steht in (Lukas 22, 15):
Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch
zu essen."
Zuletzt finden wir sogar eine klare Anweisungen an die Jünger:
"Das tut zu meinem Gedächtnis!"
Befehl Jesu, sein letzter Wille. Es ist nicht in unser
Belieben gestellt, ob wir das Brot brechen wollen oder nicht -
es ist eine klare Anweisung unseres Herrn!
Die ersten Jünger kamen diesem Gebot nach. Deswegen heißt es
von ihnen: "Sie blieben aber beständig ... im Brotbrechen."
Apostelgeschichte 20, 7: Wozu war man in Troas versammelt?
Um das Brot zu brechen, nicht in erster Linie zur Predigt!
Diese biblische Sicht ist uns fast völlig verloren gegangen.
Nur die Brüdergemeinden und einige andere freie Kreise haben
sie bewahrt. Wir kommen in erster Linie zusammen, um eine gute
(erbauliche) Predigt zu hören. Brotbrechen ist bei uns
allenfalls so das Anhängsel, das halt auch irgendwann mal sein
muss. Das NT denkt anders darüber. "Denn sooft ihr von diesem
Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod
des Herrn, bis dass er kommt" (1. Korinther 11, 26). Das Mahl
des Herrn ist Verkündigung!
Wenn wir das Brot brechen ... schauen wir zurück nach
Golgatha. Dort hing unser geliebter Herr Jesus für unsere
Sünden am Kreuz! Was könnten wir also am ersten Tag der Woche
besseres tun, als auf das Kreuz zu schauen!? Dort wissen wir
uns geliebt - Liebe Gottes. Dort wissen wir uns erlöst -
Erlösung. Dort wissen wir uns mit dem Vater versöhnt -
Versöhnung.
Wir schauen dankbar zurück auf Golgatha. Werden wir das nicht
leid, immer wieder zum Kreuz zurückzuschauen? Wenn wir davon
müde werden, wenn uns Golgatha langweilig wird, dann ist es
Zeit, dass wir auf unsere Knie gehen und beten: "Herr, tue
etwas mit meinem kalten Herzen!" Wenn wir das Brot brechen ...
schauen wir zurück nach Golgatha, und wir schauen auf zu
Jesus, wie es uns der Hebräerbrief empfiehlt.
Hebräer 12, 1-3: "Auf Jesus sehen" ist Gottes Lösung für
geistliche Schwachheit. Darum kommen wir zusammen und brechen
das Brot und schauen auf zu Ihm! Wir schauen zurück nach
Golgatha, wir schauen auf zu Jesus,...
...und wir schauen hinaus auf seine Wiederkunft. Paulus: "Denn
sooft ihr ... verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis dass er
kommt."
Wenn die Israeliten ihr Passahfest feierten, dann dachten sie
zurück an den Auszug aus Ägypten und an den Einzug in das
verheißene Land Kanaan. Sie waren die Hinwegeilenden.
Genauso feiern wir heute das Mahl des Herrn. Viele von uns
sind aus Ägypten, aus dem Land der Knechtschaft ausgezogen,
und wir sind nun unterwegs in einem neuen Leben mit der
Zielrichtung verheißenes Land". Unser Herr Jesus wird bald
wiederkommen und uns dahin abholen. Das ist unsere lebendige
Hoffnung! Das macht uns froh. Das gibt uns auch wieder die
rechte Einstellung zu unseren Problemen und Sorgen. Und wir
werden ermutigt, unser Leben wieder ganz neu dem Herrn zu
weihen. Wenn wir in dieser inneren Haltung das Brot brechen,
dann wäre uns zwei oder dreimal im Jahr bald zu wenig.
Noch eine positive Auswirkung für die Gemeinde als Ganzes:
Die Gemeinden, die den Tisch des Herrn in ihrer Mitte haben,
und wöchentlich das Brot brechen, werden dadurch bewahrt,
irgend etwas anderes in den Mittelpunkt zu stellen.
Wie schnell stehen Menschen im Mittelpunkt! Gott bewahre uns
davor!
Wie schnell stehen irgendwelche Lehren und bestimmte
Traditionen im Mittelpunkt! Gott bewahre uns davor!
Und wie schnell stehen Nebensächlichkeiten und
Äußerlichkeiten im Mittelpunkt! Der treue Herr bewahre uns…
Ich bin fest davon überzeugt: die Christen, die im Brechen des
Brotes verharren und jede Woche den Herrn Jesus in die Mitte
stellen, haben den besten Schutz vor all diesen Gefahren.
Wir fragen unter Drittens: Warum kommen wir zusammen? Antwort
gemäß Apostelgeschichte 2, 42: zur Belehrung - zur
Gemeinschaft - zum Brotbrechen - und zu den Gebeten.
Das gemeinsame Beten gehörte selbstverständlich zum
Gemeindeleben. Es war in die Zusammenkünfte integriert. Die
ersten Christen nahmen sich mehr Zeit für ihre Versammlungen,
obwohl sie nicht den Sonntag als gesetzlichen Feiertag hatten
wie wir, sondern abends nach der Arbeit zusammenkommen
mussten. "Sie verharrten in den Gebeten..." Von daher wünschte
ich mir öfter Gebetsgemeinschaften in unseren Veranstaltungen.
Ich wünsche mir Gebetsgemeinschaften, vor der Versammlung,
während der Versammlung, auch nach der Versammlung und in
besonderen Gebetskreisen wie bei den Frauen oder am Freitag.
Ist nicht mein persönlicher Wunsch in diesem Fall identisch
mit dem Wunsch des Herrn? Wünscht Gott sich nicht betende
Gemeinden?
Wir fragten: Wann? Wo? Wozu?
Wie sollen wir zusammenkommen?
Wie ist es nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder
einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine
Sprache(nrede), hat Auslegung. Alles geschehe zur Erbauung!"
(1. Korinther 14, 26) 5. Mose 16, 16+17:
AT: dreimal im Jahr - nur Männer - mit sichtbaren Segnungen...
NT / wir heute:
- immer, wenn wir als Gemeinde zusammenkommen...
- alle Gläubigen gehören zum königlichen Priestertum...
- und wir kommen mit geistlichen Segnungen, d.h. mit dem, was uns der Herr in den letzten Tagen geschenkt hat.
Eines will ich ganz deutlich sagen:
Wir sind hier am Sonntag nur so geistlich, wie wir die ganze
Woche über gelebt haben! Die Versammlung der Gemeinde - am
Freitag und am Sonntag - spiegelt das geistliche Leben wieder,
das wirklich vorhanden ist.
Das NT kennt kein 1oder 2 Mann System. In den ersten
Gemeinden trugen viele zur Gestaltung der Zusammenkunft bei.
Eine Konsumentenhaltung, bei der man sich wie vor dem
Fernseher berieseln lässt, war verpönt. Paulus schreibt:
"Wenn ihr zusammenkommt, hat ein jeder..." Nicht: so hat einer
oder so haben zwei.
Das ist - nebenbei bemerkt - auch ein Kennzeichen wachsender
Gemeinden. Wachsende Gemeinden gestalten lebendige
Versammlungen, an denen viele Glieder der Gemeinde beteiligt
sind. Vorher herrscht eine erwartungsvolle Atmosphäre. Bei
einer lebendigen Versammlung ist der auferstandene Christus
die Mitte, der Heilige Geist regiert und viele Gaben kommen
zum Einsatz zum Nutzen aller. Musikalische Gaben,
Wortbeiträge, Erlebnisse, Gebetsanliegen, Gebete, Lehrgaben,
Leitungsgaben, usw.
Noch ein Letztes: Wozu kommen wir zusammen?
- Nach oben": zur ANBETUNG GOTTES
- Nach innen": zur gegenseitigen AUFERBAUUNG
- Nach außen: zur ZURÜSTUNG, um mit brennenden Herzen in die Welt hinauszugehen und Zeugen Jesu zu sein
Unser Gottesdienst ist also nicht in erster Linie eine
evangelistische Veranstaltung. Wenn, dann nur indirekt.
Evangelisieren können wir durch Bücher und Kassetten, in
persönlichen Gesprächen und Bibelstudien, bei Offenen Abenden
und Fachvorträgen, bei Parkgottesdiensten und TeeBus-
Einsätzen, usw., usw.
Wir wollen hier die Gegenwart Gottes unter uns erleben - und
zwar ganz real und spürbar. Daraufhin wollen wir unsere Herzen
ausrichten. Daraufhin wollen wir auch unsere Beiträge
ausrichten.
Die Versammlung des lebendigen Gottes ist keine Plattform zur
Selbstdarstellung. Der Herr bewahre von vor solcher Torheit!
Nein, ER soll im Mittelpunkt stehen! ER soll groß gemacht und
verherrlicht werden! Wenn das wirklich unsere Einstellung ist,
wird Gott sich ganz gewiss unter uns offenbaren.
- Sein Wort wird lebendig sein. Es wird Hungrige speisen und Schwache trösten.
- Sein Geist wird seine Kraft entfalten. Er wird Jesus Christus als den Gekreuzigten und Auferstandenen vor unsere Augen stellen. Und ich bin fest davon überzeugt: Er wird auch Sünder in Gottes Licht stellen und zur Umkehr leiten. Es wird das passieren, was Paulus in 1. Korinther 14, 25 klassisch beschrieben hat: ...und so wird er (der Ungläubige) auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist." Das wünschen wir uns.
Schluss
Wie sollen wir uns als Gemeinde versammeln? Habt Ihr gemerkt,
wie schnell wir an dem Punkt pragmatisch werden? Wie schnell
wir nach unserem eigenen Gutdünken handeln wollen? Oder wie
uns auch kirchliche Traditionen mit ihrem
Gottesdienstverständnis geprägt haben? Lasst uns auch in
diesem Bereich einzig und allein der Schrift folgen!

