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Die Sache mit dem Osterzorn

30.03.1959Markus 16,14

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Wir hören ein Wort aus den Osterberichten, und zwar aus Markus 16. In Vers 14 heißt es: „Zuletzt, als die Elf zu Tische saßen“ – also die elf Jünger ohne Judas – „erschien er ihnen und tadelte ihren Unglauben und die Härte ihres Herzens, weil sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn auferstanden gesehen hatten.“

Herr, lass dein Wort nicht leer an uns zurückkommen. Lass es bei uns wirken, so wie du es uns gegeben hast. Amen.

Erinnerung an eine Begegnung und Vorurteile gegenüber dem Predigtamt

In Herborn, das liegt in Nassau, gibt es eine friedliche Gegend und dort befindet sich auch ein Predigerseminar. Ich war nur ein halbes Jahr dort, sonst wäre mein Tod dort eingetreten. Eines Tages hatten wir einen großen Spaß, als uns einer der Kommilitonen eine entzückende Geschichte erzählte.

Er hatte eine Wanderung durch den Westerwald gemacht. Herborn liegt am Südhang des Westerwaldes. Dabei kam er mit einem Bauern ins Gespräch. Als der alte Westerwälder Bauer merkte, dass er es mit einem jungen Theologen zu tun hatte, sagte er richtig böse: „Ja, gut.“

Der junge Mann fragte: „Wieso, aber es gut?“ Darauf antwortete der Bauer: „Auf der Universität lernt ihr zweiundfünfzig Predigten auswendig – für jeden Sonntag eine.“ Dann kommt ihr ins Predigerseminar und lernt, mit den Händen zu fuchteln. Die Vorstellung, man lernt noch ein Jahr lang mit den Händen zu fuchteln!

Dann sagt der Bauer: „Und das genügt euch dann für euer ganzes Leben, damit kommt ihr aus.“

Ich habe manchmal den Verdacht, dass nicht nur der Westerwälder Bauer solche Vorstellungen vom Predigtamt hat.

Sehen Sie, die Pointe bei der Sache ist: Dieser Mann hat keine Ahnung. Ja, das ist eine Katastrophe! Sie müssen mal hinbrechen, kommen Sie nach vorne, das geht nicht anders. Wir fangen meistens um halb neun an. Nein, Sie müssen noch ein bisschen vor. So, jetzt hier herum, kommen Sie! Kommt zu!

Ja, entschuldigen Sie, aber ich kann doch nur predigen, wenn alles sitzt und zuhört. Es ist ein Fehler von mir, aber ich kann nicht anders. Wir freuen uns, dass Sie da sind.

Ich sage: Der Mann hat keine Ahnung vom Reichtum des Wortes Gottes. Wir haben es nicht nötig, jedes Jahr am 1. Januar den Packen von 52 Predigten umzudrehen und von vorne wieder anzufangen mit derselben Litanei.

Wir dürfen für jeden Sonntag aus dem unerschöpflichen Quell des Wortes Gottes ganz neu schöpfen.

Die persönliche Erfahrung mit Osterpredigten und eine neue Entdeckung

Ich habe in den letzten Tagen ausgerechnet, dass ich sicher weit über sechzig Osterpredigten gehalten habe. Über sechzig Osterpredigten – da müsste man doch langsam denken, man sollte die alten Geschichten wieder einmal beiseitelassen und sich nur noch auf Bewährtes stützen, nicht wahr?

So ist es aber nicht. Stattdessen durfte ich über sechzig Mal erleben, wie man in den wenigen Ostergeschichten immer wieder Neues entdecken kann. Ja, ich bin jetzt als alter Pfarrer so weit, dass ich, wenn die Karwoche beginnt, selbst gespannt bin, welche neuen Entdeckungen ich in der Ostergeschichte machen werde.

Nun muss ich sagen: Für heute Morgen habe ich allerdings einen Text entdeckt, den ich bisher nie beachtet habe. Eine Sache, die mir völlig entgangen war. Ich glaube, ich muss Ihnen, da wir heute Morgen so unter uns sind, erzählen, wie das war.

Ich schlief nachts, und mein Geist hat wohl im Unterbewussten die Ostergeschichten bedacht. Plötzlich fuhr ich auf und sah, dass es eine Sache gibt, die ich überhaupt noch nie gesehen hatte: die Sache mit dem Osterzorn.

Sehen Sie, wir haben immer über Osterhoffnung, Ostersonne, Osterfreude, Osterglück, Ostermenschen und die Osterbotschaft gepredigt. Aber diesmal habe ich entdeckt: Es gibt auch einen Osterzorn.

Ich bin überzeugt, dass Ihnen dieser Osterzorn bisher ebenfalls entgangen ist. Und ich möchte Ihnen heute Morgen diese meine Entdeckung zeigen.

Ich habe eben meinem Freund, mit dem ich vor der Predigt immer zusammen bete, gesagt: „Heute Morgen, da schlafen sie alle ein – aber es kommen ein paar Menschen zum Glauben.“ So ist die Sache mit dem Osterzorn.

Die Geschichte vom Osterzorn: Der Glanz der Ostergeschichten und die überraschende Zornesszene

Also, wir überschreiben den Osterzorn. Ich habe wieder drei Teile, wie immer, auf die man sich verlassen kann.

Erstens: die Geschichte vom Osterzorn. Die Ostergeschichten, die Verstehensberichte der Bibel, sind so, dass über ihnen ein unbeschreiblicher Glanz liegt. Mich erinnert das manchmal, vielleicht ein bisschen verrückt, an den Glanz, der über dem Bodensee liegt. Haben Sie schon einmal an einem Sommermorgen den Bodensee gesehen? Dort gibt es ein Licht, das man in der ganzen Welt sonst so nicht findet – ein silbriges Leuchten. So kommen mir die Ostergeschichten vor: Da liegt ein unbeschreiblicher Glanz darüber.

Sehen Sie sich an, was für eine Freude über diesen Frauen liegt, wie sie aufgeregt in die noch gar nicht erwachte Stadt laufen, um den Jüngern, die erschrocken irgendwo in der Tür sitzen, verschlossen zu sagen: „Er ist auferstanden, wir haben ihn gesehen.“ Welche wundervolle Spannung liegt über der Geschichte von dem tollen Wettlauf der beiden Jünger – kennen Sie das? Johannes und Petrus machen einen Wettlauf hinaus zur Stadt, zum Grab, um zu sehen, was dort passiert ist. Natürlich kam der junge Johannes eher an als der ältere Petrus, doch am Ende kam Petrus doch eher hinein. Über dieser Geschichte liegt eine freudige Spannung.

Ach, die Osterberichte der Bibel: leuchtende Engel, himmlischer Glanz, herrliche Botschaft, jubelnde Freude – das sind die Ostergeschichten der Bibel. Ich hoffe nur, Sie haben sich gestern schon einmal ein bisschen mit dem Versicht beschäftigt, sonst holt es Sie nach. Ostereier machen noch kein Ostern, und ausschlafen auch nicht. Der Glanz der Ostergeschichten macht Ostern.

Sehen Sie, diese Freude, dieser Jubel, dieser Glanz überträgt sich auf unsere Osterlieder im Gesangbuch. Wir haben eben zehnmal gesungen: „O herrlicher Tag, o herrliche Stunde.“ Zehnmal haben wir es gesungen: „Erschienen ist der herrliche Tag, da niemand sich genug freuen mag.“

„Christ unser Herr heute triumphiert, all sein Feind, der gefangen führt.“ Oder dieser wundervolle Paul-Gerhardt-Vers: „Er war ins Grab gesenkt, der Feind rieb groß Geschrei, ehe er vermeint, und denke dies: Christus wieder frei und ruft Viktoria. Schwing fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält, sei aber herrlich nicht.“

Und sehen Sie in diese Freude, diesen Glanz und diesen Jubel hinein: Unsere heutige Textgeschichte passt in keiner Weise dazu. Die ist, ich weise es Ihnen wie eine Faust aufs Auge, denn da sitzen die Jünger beim Mittagessen. Meine Fantasie sagt mir, dass Sie bei diesem Mal gewaltig zugeschlagen haben. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass Sie am Freitag, Samstag und Ostern am Ostermorgen beim Frühstück keinen Bissen herunterbekommen haben, oder? Wer will denn essen, wenn er traurig ist?

Aber nun war Siegestag, alles war gut geworden. Das war ein Freudenmal, da ging es hoch her. Die Frauen konnten laufen und auftragen, und die elf Jünger griffen zu. Und auf einmal steht Jesus in der Mitte.

Es ist ja eine Jesu-Eigenschaft nach seiner Auferstehung, plötzlich zu erscheinen und ebenso plötzlich wieder zu verschwinden. Darf ich kurz sagen: Wir leben in einer dreidimensionalen Welt. Wir wissen, dass es mehr Dimensionen gibt. Gott lebt in einer anderen Dimension, ganz nah, aber in einer anderen Dimension.

Mit der Auferstehung bekommt Jesus wieder Teil an der göttlichen Dimension. Er tut einen Schritt in unsere dreidimensionale Welt und wird sichtbar. Dann tut er einen Schritt hinaus und ist unseren Sinnen nicht erreichbar. So steht er plötzlich mitten unter ihnen.

Ich kann mir vorstellen, wie die Jünger auffahren, wie sie ihn freudig begrüßen wollen, und dann bleibt ihnen der Bissen im Hals stecken. Und dann ist auch einmal mit dem schönen Festmahl Schluss. Denn Jesus „schalt“ – es heißt hier –, Jesus schalt ihren Unglauben und ihre Herzensverstocktheit, dass sie nicht geglaubt hatten, denen, die ihn gesehen hatten, auferstanden.

Der Osterzorn Jesu: Ein ungewöhnlicher Ausdruck des Zorns

Jesus begann zu schenken – das darf ein Pastor nicht einmal. Das sind die Worte des Herrn Jesus, gesprochen zu Ostern. Was ist das für eine Art von Wirtschaft? Plötzlich fing er an zu schimpfen, so steht es hier geschrieben.

Man sagt oft „schimpfen“, doch Schimpfen ist etwas anderes als Schelten. Ich habe mir den Text genau angesehen und war ernsthaft erschrocken über das, was dort steht. Der Herr Jesus hat nicht nur den Kopf geschüttelt und gesagt: „Was seid ihr für Trübetassen“ oder so ähnlich.

Im Griechischen steht hier das Wort „Oneiditsau“. Das Wort „Oneiditsein“ kommt kurz vorher in der Leidensgeschichte Jesu noch einmal vor. Die Bibel verwendet es mehrmals. „Oneiditzo“ kommt vor, als Jesus am Kreuz hängt, und es heißt dort: „Und es schmerzten ihn auch die Sünder, die mit ihm gekreuzigt waren.“ Das steht als „Oneiditzo“. Als der Sünder sah: „Du bist Christus, hilf dir selbst, schwimm, lass deinen Grund vom Kreuz und hilf uns“, steht dort ebenfalls „Oneiditza“.

Sehen Sie, ich bin Jugendpfarrer, und das ist nicht ganz leicht für einen alten Mann. Ab und zu sage ich, wenn der ganze Saal voller junger Leute ist und keine Ruhe herrscht: „Ihr kennt meinen Männerzorn nicht, oder? Ich warne euch vor einem Männerzorn – das ist ‚Oneiditsein‘, Männerzorn!“

So verzweifelt und brüllt der Sünder, schmäht – das ist „Oneiditsein“. Und dieses Wort steht hier, und Jesus schimpft sie! Um ihres Unglaubens und der Härte ihres Herzens willen, weil sie nicht geglaubt hatten, dass diejenigen, die ihn gesehen hatten, auferstanden waren.

Ist das nicht wahr, meine Freunde? Diese Szene passt nicht in die Freude der Ostergeschichten. Sie ist wie ein dunkler Fleck. Wenn ich darüber nachdenke, könnte man fast meinen, der Herr Jesus hat so viel durchgemacht, dass er im Moment die Nerven verliert. Das kann ja mal passieren.

Aber der Sohn Gottes verliert nicht die Nerven. Ich hörte neulich eine nette Geschichte: Eine Firma feierte ein Jubiläum, und alle bereiteten sich mit großer Festfreude vor. Plötzlich ging das Gerücht durch die Firma, der Chef sei wütend. Auf einmal war alles gedämpft.

Ich möchte sagen: Hier ist der Chef wütend? Nein! Aber, liebe Freunde, der Herr Jesus ist auch nicht ein launischer Chef. Er ist nicht jemand, der die Nerven verliert. Wenn der Sohn Gottes seine Jünger schilt, dann muss er einen Grund haben – einen tiefen Grund.

Sehen Sie, das hat mich bei der Predigt bewegt: Warum schilt Jesus seine Jünger? Was ist der Grund für den Osterzorn? Das muss ich verstehen, das muss ich verstehen.

Der Grund für den Osterzorn: Unglaube statt Versagen

Und sehen Sie, jetzt beginnt es also, wo ich befürchte, dass sie entweder einschlafen oder hoffe, dass sie zum Glauben kommen.

Zweitens: der Grund für den Osterzorn. Der Grund für den Osterzorn, also der zweite Teil, ist die Bibel. Die Bibel ist doch ein wundervolles Buch, ein fantastisches Buch, ein seltsames Buch. Es kommt immer anders, als man denkt, darin. Die Leute meinen, die Bibel wäre langweilig. Wenn Sie das hier denken, dann lassen Sie sich von mir bescheinigen: Sie sind langweilig, und die Bibel nicht.

Nein, es kann sein, dass unser langweiliger Geist gar nicht erfasst, was hier los ist. Das kann passieren. Aber die Bibel ist Gottes Wort, und darum sind meine Gedanken nicht eure Gedanken. Es geht immer anders, als wir denken. Auch hier möchten wir es deutlich machen: der Grund für den Osterzorn.

Sehen Sie, wenn ich Sie jetzt verheißen würde – so, nehmen Sie mich als Katechumen – und ich würde fragen: Warum hat der Herr Jesus am Ostertag so schrecklich geschimpft? Warum hat er wohl geschimpft? Dann würden Sie, wenn Sie überhaupt antworten, vielleicht schweigen. Es gibt Katechumenen, die ganz im Schweigen versinken, wenn man sie fragt.

Wenn Sie mir antworten würden, würden Sie todsicher sagen: „Es ist doch klar, der Herr Jesus hat seine Jünger wegen ihres ungeheuren Versagens am Karfreitag angeschimpft.“ Das muss ja mal verhandelt werden, das war ja Schuld. Denken Sie im Augenblick daran, wie Jesus gefangen wird in Gethsemane in der Nacht. Da laufen die Jünger davon. Sie laufen einfach weg, um ihr eigenes Leben zu retten! Drei Jahre lang haben sie den Heiland gefragt, und plötzlich treten sie aus der Kirche aus – schleunig, schleunig, Gefahr im Verzuge. Das passiert ja seit den letzten zweitausend Jahren beständig, nicht wahr? Sie liefen weg!

Und der einzige, der noch ein bisschen Mut hat, ist Petrus. Er geht hinter Jesus her, aber wie es dann ernst wird, da schwört er feierlich, dass er nichts mit ihm zu tun hat. Er verrät ihn jämmerlich. Das war eine schreckliche Sache, und das muss einmal zur Sprache kommen, oder?

Und der Herr Jesus schilt sie wegen ihres üblen Versagens. Und dann ist die ganze Geschichte sehr einleuchtend. Sehen Sie, so haben wir falsch gedacht. So haben wir falsch gedacht, dass es darum geht. Der Herr Jesus schildert seine Jünger nicht wegen ihres Versagens. Merkwürdigerweise gibt es im Neuen Testament keine Geschichte, in der Jesus einen Sünder wegen seiner Sünde schilt, wegen seines Versagens.

Ach, meine Freunde, das will er vergeben. Dafür ist er gestorben. Jesus sündigt nicht, hier sitzen Sünder, Jesus sündigt sie nicht. Er lockt sie nur, sie möchten umkehren. Er sagt: „Kommt wie der verlorene Sohn und sagt, ich habe gesündigt“, und dann sind die Arme für dich offen. Und so haben es die Jünger, der Petrus ja, Johannes 21, alle. Nein, der Herr Jesus schmäht seine Jünger nicht wegen ihres Versagens, nicht wegen ihrer Sünden.

Warum? Was ist der Grund für seinen Zorn? Meine Freunde, das ist, wenn wir selig werden wollen, schrecklich wichtig zu wissen. Er schilt sie wegen ihres Unglaubens, dass sie nicht geglaubt hatten, denen, die ihn gesehen hatten, auferstanden. Meine Freunde, das ist die böse Sache, die sogar den Herrn Jesus zornig macht: unser Unglauben!

Ich möchte mal ganz überspitzt sagen: Die Menschen gehen nicht verloren, kommen nicht in die Hölle wegen ihrer schrecklichen Sünden, sondern weil sie nicht glauben an den Sohn Gottes, der sie reinigen könnte und versöhnen könnte mit Gott, dass sie das ewige Leben haben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Und dass der ewige Tod nicht an den Sohn des lebendigen Gottes glauben.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden. Aber die Jünger glaubten nicht. Und nun waren sie verlorene Leute und standen unter Gottes Zorn.

Und bitte machen Sie sich klar, ich hoffe, Sie verstehen, einige unter Ihnen, was das für Sachen sind. Natürlich ist jeder überzeugt: Christ sein heißt gut sein, heißt edel sein, heißt Christ sein heißt glauben an den Sohn Gottes. Und Sie können so edel sein wie Sokrates, wenn Sie nicht glauben an den Sohn Gottes, der sich unter Zorn stellt – das steht hier – unter Zorn.

„Zorn ergeht über die Welt, weil die Welt Ostern feiert und nicht glaubt an den, der auferstanden ist.“ Wer Sünde verzeiht, der lebt. Sehen Sie, es war ein dicker Unglaube, den die Jünger hatten. Lassen Sie mich so sagen: ein dicker Unglaube. Ich muss nur das Gottesbild anfangen. Das war erstens ein Unglaube gegen Gottes Wort, gegen das Wort Gottes. Die Jünger kannten das Alte Testament, da steht von der Auferstehung Jesu, wie wir eben gehört haben.

Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er leben und wird die Stärke zum Raub haben. Das konnten die Jünger. Wer weiß, ja, Jesus selber hatte ihnen gesagt: „Des Menschen Sohn muss viel leiden und am dritten Tag auferstehen.“ Sie glaubten nicht dem Wort Gottes. Damit fing es an.

Meine Freunde, ich sprach vor ein paar Tagen mit einem jungen Mann, der mir alle seine Zweifel gegen die Bibel vorlegte. Er meinte, vielleicht gäbe es sieben echte Worte in diesem Bibelwort. Da habe ich ihm gesagt: Die evangelische Kirche ist angetreten mit der Bibel. So steht es geschrieben. Luther hatte nichts als das Wort. Und wenn die evangelische Kirche zu achtzig Prozent aus Leuten besteht, die die Bibel überhaupt nicht mehr lesen, und zu zwanzig Prozent aus Leuten, die ihr nicht glauben, dann bleibt uns nur eins: Kehren Sie zurück nach Rom und an den Papst und glauben Sie dann, was die römische Kirche Ihnen produziert.

Es ist ein Dingerglaube, den die Jünger hatten: das Misstrauen gegen sein Wort. Und es war weiteres Misstrauen gegen die Allmacht Gottes. Sie hatten nicht geglaubt, dass – wie es auch verstanden sei – sie glaubten nicht, dass Gott Tote erweckt. Nein, das glaubten sie nicht. Sie glaubten nicht, dass Gott eingreift und Tote erweckt. Sie kennen Gott nicht. Mein Gott erweckt Tote, sagte ich gestern im Nebensatz.

Und es war Unglaube gegen Jesu Kreuz. Sie sahen Jesu Kreuz so an, als sei es eine Pleite, eine Niederlage. Sie hätten wissen können: Da ist Gottes Lamm, welches die Sünde der Welt wegträgt. Dann hätten sie gewusst, dass Gott diesen Opfertod Jesu bestätigt durch die Auferstehung. So war es ihnen gesagt, aber sie glaubten nicht.

Und nun kam der Zorn Jesu über sie. Sehen Sie, das ist der Grund des Osterzorns: das verstockte und ungläubige Herz.

Die Freude aus dem Osterzorn: Vertrauen als Antwort des Glaubens

Nun möchte ich noch kurz ein Drittes sagen: den Osterzorn. Ich will die Geschichte vom Osterzorn erzählen, den Grund des Osterzorns erklären und zum Schluss die Freude darlegen, die aus dem Osterzorn für uns entsteht.

Das klingt vielleicht wunderlich. Ich habe diese Geschichte lange betrachtet – zuerst mit Schrecken. Doch je länger ich den zornlichen Heiland ansah, desto fröhlicher wurde ich. Das klingt paradox, aber es ist so. Je länger ich den zornlichen Sohn Gottes im Geist betrachtete, desto fröhlicher wurde ich. Und ich will Ihnen sagen, warum.

Ich begriff an dieser Geschichte: Das Einzige, was der Heiland von mir fordert, fordern kann und fordern will, ist Glauben. Und Glauben heißt Hingabe. Meine Freunde, Christsein bedeutet keine großen Worte, sondern nur ein einziges: vertrauensvolle Hingabe an den Auferstandenen und Sohn Gottes. Das ist schwer und nicht leicht, oder?

Wenn Sie an die Jünger denken, die nicht glaubten, dann sehen Sie, wie sie ihre Vernunft und ihren Verstand gegen Jesu Wort und Führung setzten. Das ist Unglauben. Paulus sagt einmal: Wir nehmen gefangen die Vernunft und bringen sie in Gehorsam gegenüber Jesus Christus. Das ist Glauben – dass ich ihn aufgebe und dem gehöre, der mich erkauft hat. Es ist ganz einfach, es kann ein Kind, und doch ist es eine ganz große Sache.

Lassen Sie mich ein ganz einfaches Beispiel verwenden – lachen Sie mich nicht aus. Als ich nach dem Krieg anfing, Auto zu fahren, hatte ich mir so einen kleinen P4 Opel zugelegt. Zum ersten Mal fuhr ich damit zu einem Gottesdienst. Damals war das im Hotelvereinshaus, in so einem komischen Saal.

Ein Freund sagte, als er mich mit dem Auto ankommen sah: "Jetzt müssen wir alle Bäume und Hausecken mit Gummipolstern versehen." Da wurde ich wütend. Ich sagte: "Hör mal, glaubst du nicht, dass ich fahren kann?" Er antwortete: "Na, dann fahr doch." Ich sagte: "Hast du einen Führerschein?" Er meinte: "Wenn du das glaubst, dann steig bitte ein." Aber er stieg lieber nicht ein.

So ist das Bild für Glauben: Glauben heißt, bei Jesus einzusteigen. Die Welt kann mir tausendmal sagen, dass seine Karre sehr, sehr brüchig ist, dass die Sache nicht gut ausgeht. Die ganze östliche Welt proklamiert, dass die Sache mit Jesus bald zu Ende ist. Doch sie wird sich täuschen. Das ist Glauben – dass ich bei ihm einsteige.

Die meisten Leute glauben wie der Freund: "Ja, ja, wir glauben schon, dass Jesus ein großer Heiland ist, aber einsteigen? Lieber nicht." Das ist Unglauben, das ist Kopfglauben, das ist toter Glaube. Gar nicht wahr ist auch, dass alle, die an ihn glauben, nie in seinen P4 einsteigen – mit der vollen Gewissheit, dass er mich ans Ziel bringt.

Es passiert oft, wenn ich Leute zum Evangelium rufe, dass sie sagen, sie wollen uns für dumm verkaufen. Ich sage: "Ach nein! Glauben heißt, dass ich einsteige und weiß: Ich werde nicht betrogen, auch wenn er manchmal wunderlich mit mir fährt."

Dann gibt es Leute, die gern einsteigen wollen, aber sagen: "Ich passe nicht, wegen meiner Sünde." Steig ein! Das will er auch in Ordnung bringen. Dafür ist er gestorben. Das erste Wort, wenn du einsteigst, lautet: Dir sind deine Sünden vergeben.

Wenn du sagst: "Ich bin aber so unreligiös und habe keinen zuverlässigen Charakter. Wie kann ich das wagen, bei ihm einzusteigen?" Meine Freunde, ich bin schrecklich unreligiös. Sie merken es ja. Ich habe für Weihrauch, Feierlichkeit und so einfach kein Organ. Meine völlige Aridiosität ist der Grund, warum ich hier in diesem Saal predige, nicht wahr?

Sie brauchen nicht religiös zu sein, steigen Sie ruhig ein! Und wenn Sie sagen: "Ich kann ihm nichts versprechen." Gut, aber er verspricht dir: "Siehe, ich mache alles neu." Und wenn du sagst: "Ich habe so viele Probleme, Mensch, kannst du die nicht einfach lösen?" Er wird deine Probleme lösen.

Hier stehe ich und bezeuge, wie fantastisch es ist, wie Jesus die Probleme unseres Lebens löst – im Moment, in dem ich sie ihm wirklich hinlege und eingestiegen bin. Es ist viel verlangt, dass ich festen Boden verlasse und bei Jesus einsteige. Doch es ist auch so schrecklich einfach ein Schritt.

Wem wollen Sie sich eigentlich anvertrauen, wenn nicht dem, der alles für Sie getan hat? So steht Jesus mit seinem Osterzornenschild da. Und ich habe so eine Freude daran, weil er seine gewaltige Predigt hält: Herr Jesus, du willst nichts von mir als mein völliges Vertrauen.

Ich will auch dein Osterzorn antworten: Wem anders sollt ich mich ergeben, o König, der am Kreuz verblutete? Hier opfere ich dir mein Gut und Leben. Mein ganzes Herz ergießt sich dir, spornig zu der Kreuzesbahn – als Streiter und als Untertan.

Schlussgebet um Glauben und Erweckung des Herzens

Wir wollen beten.

Ach Herr, wir können in der Verhärtung unseres Herzens nicht einmal glauben, wenn nicht dein guter Heiliger Geist unser hartes Herz erweicht. Er gibt uns in unserer Dunkelheit Licht.

Hilf uns, dass wir wirklich deine Gläubigen werden! Amen!