
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Der Mensch empfängt unendlich mehr, als er gibt. Dankbarkeit macht das Leben erst reich.“ Ich wiederhole: Der Mensch empfängt unendlich mehr, als er gibt. Dankbarkeit macht das Leben erst reich.
Wir haben gerade die Worte „Danke Jesus“ gesungen, und ich hoffe, dass du mit dieser dankbaren Haltung hier wirklich im Gottesdienst bist. Wenn nicht, wünsche ich dir, dass du zumindest mit dieser Haltung aus dem Gottesdienst gehst. Denn heute in der Predigt geht es um Dankbarkeit.
Ich glaube, dass das Leben von Paulus ein so reiches Leben war, weil er immer diese dankbare Grundhaltung in seinem Leben hatte. Er war dankbar, wenn er auf sein eigenes Leben schaute und sah, was Gottes Gnade alles in seinem Leben getan hatte. Aber er war auch dankbar, wenn er auf verschiedene Gemeinden schaute.
Besonders wird seine Dankbarkeit dadurch sichtbar, dass er den ersten Korintherbrief mit so viel Hoffnung, Zuversicht und Dank beginnt, obwohl es gerade in der Gemeinde in Korinth so viele Missstände gibt. Paulus schaut auf die Gemeinde aus der Sicht des Evangeliums. Er weiß, die Gemeinde in Korinth ist so reich beschenkt, und er weiß, Gott wird sie sicher ans Ziel bringen.
Einführung in das Thema Dankbarkeit und Gottes Gnade
Mein Predigtthema heute lautet dementsprechend: Reich beschenkt und für immer bewahrt.
Ich setze meine Reihe zum ersten Korintherbrief fort. Wenn du die Reihe etwas ausführlicher verfolgen möchtest – sei es hier vor Ort als Besucher oder Gemeindemitglied oder online – empfehle ich dir, dir ein erstes Korinther-Bibeljournal zu besorgen. Wir verkaufen diese heute ermäßigt am Büchertisch im Foyer. Man kann sie aber auch online bestellen, und zwar bei Werbomedien, mit „W“ geschrieben.
In diesem Journal ist der Bibeltext des ersten Korintherbriefs enthalten, ebenso Platz für Notizen. Vielleicht kann das eine Hilfe sein, um die Predigtreihe durch den ersten Korintherbrief gut zu verfolgen.
Der heutige Text stammt aus 1. Korinther 1, Verse 4 bis 9. Bevor wir auf die einzelnen Verse eingehen, möchte ich den Text einmal am Stück vorlesen:
Paulus schreibt: „Ich danke meinem Gott allezeit eueretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus. In ihm seid ihr in allem reich gemacht worden, in allem Wort und aller Erkenntnis, wie denn das Zeugnis des Christus unter euch gefestigt worden ist. Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus, gottestreu, durch den ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“
Ein Text voller Dankbarkeit und Zuversicht – und das in einem Brief, der voller Probleme ist. Aber genau das ist die Grundhaltung des Apostels Paulus.
Der erste Punkt lautet: reich beschenkt.
Die Grundhaltung des Apostels Paulus: Dankbarkeit trotz Problemen
Paulus sieht, was Gott den Korinthern alles gegeben hat. Ich lese noch einmal Vers 4: „Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus.“
Für diejenigen von uns, die sich etwas besser mit den Paulusbriefen auskennen, ist bekannt, dass Paulus seine Briefe häufig mit einem Dank beginnt. Allerdings fügt er nach dem Dank in vielen Briefen auch eine Bitte hinzu.
Erstaunlicherweise finden wir im ersten Korintherbrief, der an eine Gemeinde geschrieben ist, die viele Probleme und Sünden hatte, nur Dank. Paulus äußert hier keine Bitte – nur Dank und Zuversicht.
Später im Brief muss er viele Missstände ansprechen. Die Gemeinde Jesu ist immer eine Baustelle – immer. Im Laufe der Predigtreihe werden wir sehen, dass leider die sündige Stadt Korinth auch auf die Gemeinde abfärbt.
Es sollte eigentlich nicht so sein, doch die Probleme einer Stadt verursachen früher oder später auch Probleme in der Gemeinde. Es sollte andersherum sein: Die Gemeinde sollte die Stadt prägen. Häufig ist es jedoch so, dass die Stadt die Gemeinde prägt. Das wird besonders deutlich im ersten Korintherbrief.
Dennoch beginnt Paulus mit Dank und Zuversicht, weil das seine Grundhaltung ist. Er sagt: „Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes.“
Die richtige Brille auf die Gemeinde: Die Brille der Gnade Gottes
Weißt du, man kann auf die Ortsgemeinde mit unterschiedlichen Brillen schauen. Man kann mit einer rosaroten Brille auf die Gemeinde blicken. Das ist häufig ganz am Anfang so: Man kommt neu hinein und alles ist super – die Gottesdienste, der Lobpreis, die Predigten, und eigentlich gefällt einem hier alles. Wenn es Missstände gibt, denkt man: „Na ja, wir dürfen uns auch nicht ermahnen, Hauptsache wir sind nett und lieb zueinander.“ Das ist ein idealisiertes Bild von Gemeinde. So eine Gemeinde wirst du nicht finden. Du wirst früher oder später desillusioniert werden. Das ist eine rosarote Brille, mit der du auf Gemeinde schaust. Diese Brille ist falsch.
Es gibt aber auch die schwarze Brille, und die ist genauso falsch. Da siehst du nur schwarz, wenn du an Gemeinde Jesu denkst. So viele Dinge passen dir nicht, und irgendwann sitzt du in der letzten Reihe und bist einfach nur frustriert. Du gehst raus, wenn dir ein Lied nicht passt oder wenn die Musik zu laut ist. Irgendwann hast du die Nase voll und kannst das Gute nicht mehr sehen, sondern du siehst einfach nur schwarz.
Wisst ihr, es gibt eine dritte Brille. Und das ist die einzig richtige Brille, mit der man auf Gemeinde Jesu schauen soll: die Brille der Gnade Gottes. Das ist die Brille, die Paulus aufhat, wenn er auf Korinth schaut. Er sieht die Gnade Gottes. Wisst ihr, ich möchte von Paulus lernen. Ich möchte, wenn ich auf Gemeinde Jesu schaue, vor allem die Gnade Gottes sehen.
Ich möchte einem Barnabas gleichen. In der Apostelgeschichte sehen wir, dass zum ersten Mal Heiden zum Glauben kamen in Antiochia. Die Judenchristen in Jerusalem waren skeptisch: Was passiert da in Antiochia? Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen, dass Heiden jetzt auch Gott anbeten. Wir schicken Barnabas hin, der soll das mal alles kontrollieren. Dann heißt es in der Apostelgeschichte: „Und Barnabas kam nach Antiochia, und er sah die Gnade Gottes.“ Er sah die Gnade Gottes.
Darf ich dir heute Morgen die Frage stellen: Mit welcher Brille schaust du auf die Ortsgemeinde? Mit welcher Brille schaust du auf deine Ortsgemeinde, zu der du gehörst, wenn du hier zu Gast bist? Schaust du mit einer rosaroten Brille oder vielleicht eher mit einer schwarzen Brille auf die Gemeinde Gottes?
Natürlich gibt es Missstände, damit wir uns nicht falsch verstehen. Gemeinde ist immer eine Baustelle, und Missstände müssen angesprochen werden – an der richtigen Stelle und auf die richtige Art und Weise. Aber lass nicht zu, dass du nur noch schwarz siehst, wenn du an Gemeinde denkst. Dann siehst du nur, was alles falsch läuft und was die Pastoren alles falsch machen. Selbst wenn du beim Kennenlernabend sitzt und Zeugnisse hörst, wie Menschen zum Glauben kommen, sitzt du da nur und dir fällt auf, was diese neu bekehrte Person noch alles lernen muss. Du bemerkst, dass da ja noch so viel im Argen ist, und kannst dich nicht über die Gnade Gottes im Leben dieser Person freuen.
Vielleicht sehnst du dich nach der alten Gemeinde vor Corona zurück, wo wir nur einen Gottesdienst hatten und uns alle irgendwie noch kannten. Du bist mit vielem nicht zufrieden, wie es hier läuft. Das alles führt dazu, dass du dich immer mehr fremd fühlst und eine negative Grundhaltung hast. Kann es sein, dass du die schwarze Brille aufhast? Kann es sein, dass du die Gnade Gottes nicht mehr siehst, das, was Gott alles wirkt?
Ich will von Paulus lernen, und ich glaube zutiefst, dass ein reifer Christ immer einen sehr gesunden Optimismus mitbringt, wenn er auf Gemeinde schaut. Ein reifer Christ ist immer auch voller Zuversicht. Er übersieht nicht die Probleme, er spricht sie auch an. Aber vor allem sieht er die Gnade Gottes. Er ist zuversichtlich, dass Gott dieses Werk zu Ende bringen wird, das er hier angefangen hat.
Und genau dazu möchte ich dich heute einladen: Vielleicht ist es mal wieder dran, dass du die Brille der Gnade Gottes anziehst und Gott darum bittest: Herr, mach du mein Herz wieder weich und hilf du mir zu sehen, was du tust und wo du überall am Wirken bist.
Paulus’ Sicht auf die Gemeinde Korinth: Gnade und geistliche Gaben
Paulus macht das, und deswegen kann er sogar den ersten Korintherbrief mit Dank beginnen. Er hat die richtige Brille auf – er schaut auf die Gnade Gottes. Obwohl Paulus derjenige war, der menschlich gesehen die Gemeinde in Korinth gegründet hat und 18 Monate dort war, viele Menschen durch ihn zum Glauben kamen, sieht er vor allem Gottes gnädiges Handeln in Korinth.
Schaut man in 1. Korinther 3, schreibt Paulus: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben. So ist weder der Pflanzer etwas, noch der, der begießt, sondern Gott, der das Wachstum schenkt.“ Dementsprechend steht nicht Paulus im Vordergrund. Er schreibt sich nichts auf die eigene Fahne, sondern sieht einfach nur Gott, der wunderbar in Korinth gehandelt hat.
Er schreibt: „Ich danke meinem Gott allezeit eueretwegen für die Gnade, die euch gegeben ist in Christus Jesus.“ Wisst ihr was? Unser heutiger Bibeltext hat sechs Verse, und in fünf Versen erwähnt Paulus Jesus Christus. In dem einen Vers, in dem er Jesus Christus nicht direkt nennt, spricht er dennoch von ihm. Das heißt, er erwähnt hier am Anfang des ersten Korintherbriefs in den sechs Versen, die wir uns heute anschauen, sechsmal Jesus Christus – in jedem Vers.
Was ich daraus schließe: Wer von der Gnade spricht, kann von Christus nicht schweigen. Wer von der Gnade Gottes spricht, kann von Christus nicht schweigen. Paulus sieht Jesus überall am Werk in der Gemeinde und ist deswegen voller Zuversicht.
Wenn Paulus hier für die Gnade dankt, dann dankt er natürlich für die rettende Gnade. Er war 18 Monate in Korinth und hat gesehen, wie Gott Menschen aus dem tiefsten Sumpf herausgerissen hat. Ich meine, Sodom und Gomorra kann man ungefähr mit Korinth vergleichen – eine absolut sündige Hafenstadt, geprägt von Hurerei, Unzucht und allem, was dazu gehört. Paulus hat gesehen, wie Gott einen nach dem anderen aus der Finsternis herausgeholt und neu gemacht hat. Daran denkt er, wenn er für die Gnade Gottes dankt.
Schaut man in Kapitel 6, erwähnt Paulus verschiedene Personengruppen, auf die das Gericht Gottes wartet. Er listet Ehebrecher, praktizierende Homosexuelle, Alkoholiker, Diebe auf. Dann sagt er in Kapitel 6, Vers 11 Folgendes – und diese Verse bewegen mich zutiefst: Er sagt zur Gemeinde: „Und das sind manche von euch gewesen. Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.“
Die Gnade Gottes ändert alles. Paulus sagt: Das wart ihr, ihr wart in der tiefsten Sünde, aber Gott hat euch reingewaschen, neu gemacht und euch eine neue Identität gegeben. Wenn ich an unsere Gemeinde denke: Als Pastoren führen wir ja auch Anmeldegespräche, die viel detaillierter sind als das, was hier öffentlich gesagt wird. Aber ich muss ehrlich sagen, wir haben viele Menschen in unserer Gemeinde mit einer sehr kaputten Vergangenheit – ehemalige Ehebrecher, ehemalige Homosexuelle, ehemalige Drogenabhängige, ehemalige Verbrecher.
Das sind manche von euch gewesen, die hier sitzen. Aber das bist du nicht mehr. Das bist du nicht mehr, weil die Gnade Gottes dich neu gemacht hat. Gott hat dir eine ganz neue Identität gegeben. Du bist gerechtfertigt worden durch den Glauben, du bist angenommen worden. Gottes richterliches Urteil über dich als Gläubiger lautet: für gerecht erklärt. Das lässt mich immer wieder neu staunen.
Ich möchte dich ermutigen: Schau mit der Brille der Gnade auf deine Geschwister. Aber schau auch mit der Brille der Gnade auf dein eigenes Leben. Gott hat dich neu gemacht. Schau nicht auf das, was du einmal warst, sondern auf das, was du jetzt durch Jesus bist.
Paulus hat aber nicht nur die rettende Gnade im Blick, sondern auch die befähigende Gnade. In Vers 5 schreibt er: „In ihm seid ihr in allem reich gemacht worden, in allem Wort und aller Erkenntnis.“ Hier redet Paulus von den Gnadengaben, die er in Vers 7 auch noch einmal ausdrücklich erwähnt. Statt Gnadengaben könnte man auch Geistesgaben sagen – das sind Synonyme.
Das sind Fähigkeiten, die Gott seinen Kindern durch den Heiligen Geist schenkt, damit der Leib Jesu, also die Gemeinde, erbaut wird. Es sind ganz besondere, übernatürliche Fähigkeiten. Darüber sprechen wir in Kapitel 12 etwas mehr. Hier erwähnt Paulus in Vers 5 exemplarisch zwei Gaben: Wort und Erkenntnis.
Mit „Wort“ sind Redegaben gemeint. Darunter fällt die Gabe des Lehrens und die prophetische Rede. Paulus sagt, dass Gott die Korinther so begabt hat und sie diese Gabe in hohem Maß besitzen. Dann nennt er auch die Erkenntnis als Gabe. Natürlich sollten wir uns alle als Gläubige um Erkenntnis bemühen, aber es gibt auch eine Geistesgabe der Erkenntnis. Das sind Geschwister, die biblische Zusammenhänge viel schneller und ausführlicher begreifen. Gott schenkt ihnen eine ganz tiefe Erkenntnis seines Wortes.
Paulus sagt: „Ich bin so dankbar, wenn ich an euch Korinther denke, ihr seid so reich beschenkt.“ Es gibt so viel geistlichen Reichtum in Korinth. In Vers 6 schreibt er: „Wie denn das Zeugnis des Christus unter euch gefestigt worden ist.“ Paulus sagt mit anderen Worten: Wenn ich an meine Zeit in Korinth denke, ist das Evangelium bei euch voll eingeschlagen – voll!
Das Ergebnis ist: Ihr seid so reich beschenkt, natürlich mit dem Heil, aber auch mit Gaben und geistlichem Reichtum. Dann kommt er in Vers 7 zur Schlussfolgerung: „Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet.“
Paulus sagt: Ihr habt keinen Mangel. Gott hat euch alles gegeben, was ihr an Begabung braucht. Jetzt muss ich kurz klarstellen: Das bezieht sich auf die Ortsgemeinde Korinth als Ganzes, als Kollektiv. Die Bibel lehrt zum Beispiel in 1. Korinther 12, dass kein Christ alle Gaben hat. Das macht Gott ganz bewusst, damit wir als Geschwister immer voneinander abhängig bleiben. Es gibt Geschwister in unserem Umfeld, die ich brauche, weil sie das können, was ich nicht kann. Das ist Gottes Plan mit der Gemeinde.
Hier hat Paulus die Gemeinde als Kollektiv im Blick. Er sagt: Ihr als Gemeinde Korinth habt alles bekommen, was ihr braucht. Daraus schließe ich, dass Gott ein freigiebiger Gott ist. Gott ist die freigiebigste Person im Universum. Er gibt gerne, wenn wir ihn darum bitten. Er befähigt, und er befähigt auch dich persönlich.
In einem bekannten Zitat heißt es: „Gott beruft nicht die Begabten, sondern er begabt die Berufenen.“ Ich möchte heute die Frage stellen: Bist du dir darüber im Klaren, dass Gott dich als Kind Gottes reichlich befähigt hat? Bist du dir darüber im Klaren?
In meiner letzten Predigt, die zugegebenermaßen etwas länger her ist, habe ich gefragt: Kennst du deine Berufung? Bist du bereit zu sagen: Gott, gebrauche mich da, wo du mich haben willst? Vielleicht ist es eine Gemeindegründungsarbeit, vielleicht wollen wir als Gemeinde viele Gemeinden gründen. Vielleicht ist es Weltmission, vielleicht ist es hier, dass du eine Gruppe leitest oder einen Hauskreis leitest. Weißt du, was Gott mit deinem Leben vorhat? Und selbst wenn du es noch nicht weißt, wo deine Gaben sind und wo Gott dich haben will, darfst du darauf vertrauen: Gott befähigt dich zu all dem, was er von dir möchte. Gott befähigt gerne.
Ich denke, wir sollten hier auch in den Dank des Paulus mit einstimmen, wenn wir an unsere Ortsgemeinde denken: Wir dürfen dafür danken, dass Gott Gaben verteilt hat und uns als Gemeinde segnet.
Eine Frage an dich: Was geht in dir vor, wenn du eine sehr begabte Person in der Gemeinde siehst? Fühlst du dich häufig minderwertig? Denkst du: „Ich bin nicht so begabt wie die Person“? Oder wirst du vielleicht neidisch und sagst: „Das hätte ich auch so gerne, aber ich habe es nicht, und ich gönne es der Person nicht“?
Beides sind falsche Reaktionen. Es gibt aber auch eine dritte falsche Reaktion: Wir fangen an, Leute zu hypen, die begabt sind. Darüber spreche ich in meiner nächsten Predigt. In Korinth haben sich Fanclubs um Prediger gebildet. Die Korinther haben Gaben gesehen und die Leute angehimmelt. Das hat zu Spaltungen geführt.
Lass mich dir heute Folgendes sagen: Halte bitte nie eine Person, die begabt ist, für etwas Besonderes. Die Person kann gar nichts dafür, dass sie begabt ist. Eine Begabung sagt eigentlich nichts über die Person aus, aber sehr viel über Gott, der reichlich gibt.
Schau mal: Entscheidend ist nicht, wer begabt ist, sondern wer begabt hat. Paulus versteht das. Er sieht die Begabung in Korinth und beginnt nicht damit, die Korinther zu loben, sondern er dankt Gott für all den Reichtum, den er gibt.
Das ist mein Wunsch, das ist eine geistliche Haltung, die ich dir persönlich wünsche: Wenn du Begabung bei anderen siehst, danke Gott dafür, dass er seine Gemeinde baut und so freigiebig ist. Dass er so einen geistlichen Reichtum schenkt, weil er gut ist – nicht weil die begabten Personen gut sind.
Gott ist gut, und er begabt gerne. Ihm wollen wir danken. Er baut seine Gemeinde und hat auch uns reichlich beschenkt.
Die bewahrende Gnade Gottes: Sicherheit und Festigung im Glauben
Jetzt haben wir uns bisher mit der befähigenden Gnade beschäftigt. Nun schauen wir uns die bewahrende Gnade Gottes an. Damit kommen wir zum zweiten und auch zu meinem letzten Punkt in dieser Predigt, den ich etwas ausführlicher behandeln werde.
Der zweite Punkt lautet: „Für immer bewahrt.“ Vers 7 endet mit der Aussage: „Während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet.“ Und dann heißt es weiter in Vers 8: „Jetzt ist hier von Jesus die Rede, der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.“
Zuerst müssen wir die Frage stellen: Was ist der Tag unseres Herrn Jesus Christus?
Der Tag unseres Herrn Jesus Christus ist der Tag seines Offenbarwerdens, wie es in Vers 7 steht. Es ist der Tag, an dem Jesus wiederkommt. Der Tag unseres Herrn Jesus Christus ist der Tag, an dem sich jedes Knie vor Jesus beugen wird. Das ist sein Tag.
Nun stellt sich die Frage: Wie kann ein Christ in einer regelrechten Erwartung leben? Soll man nicht Angst haben, irgendwann vor Jesus stehen zu müssen? Ein Christ nicht! Paulus liefert uns die Begründung, warum eine Gemeinde in Korinth sogar erwartet, dass Jesus endlich wiederkommt. Warum ist das möglich? Die Antwort befindet sich im Text.
Nachdem Paulus in Vers 6 das gefestigte Zeugnis erwähnt hat, spricht er jetzt den Korinthern zu, dass Gott sie selbst festigen wird. Weißt du, was das bedeutet? Paulus ist voller Zuversicht, dass Gott die Korinther festhält – und zwar bis ans Ende. Sie werden für immer bewahrt. Was für ein Zuspruch, oder?
Manchmal ist es auch interessant zu sehen, was hier nicht steht im Text. Schaut mal: Hier steht nicht „Er könnte euch festigen“, das steht hier nicht. Hier steht auch nicht „Er ist fähig, euch zu festigen.“ Das ist theologisch richtig, aber es steht hier nicht. Paulus sagt: „Er wird euch festigen.“ Das ist ein zukünftiges Geschehen, das sicher eintreffen wird. Er wird euch festigen.
Das Festigen ist aber jetzt nicht einfach nur ein statisches Festhalten. Das Festigen impliziert einen Veränderungsprozess. Wir haben es heute in der Andacht von Joachim Kistenich gehört: Gott hat ein gutes Werk begonnen, und er ist dabei, dieses Werk zu vollenden. Es ist ein Veränderungsprozess, den Gott mit uns geht. Aber er vollendet das Werk auch, so dass die Korinther am Ende bei der Wiederkunft Jesu untadelig vor Jesus stehen.
Jetzt mal ganz ehrlich: Ich weiß nicht, wer von euch den ersten Korintherbrief schon mal durchgelesen hat, aber vom Etikett „untadelig“ kann jetzt noch keine Rede sein in Korinth. Keine Rede! Und weißt du was? Auch in deinem Leben ist das noch nicht so. Auch ich bin noch nicht untadelig. Wir sind alle Baustellen.
Aber es kommt der Tag, an dem die Korinther untadelig sein werden. Noch ist es nicht so weit. Noch ist Gemeinde immer Baustelle. Aber ganz am Ende der Zeit, wenn Jesus seine Braut – die Gemeinde – zu sich holt, hat sie keinen Makel mehr. Sie ist die Schönheit in Person.
Die Gemeinde wird in der Bibel als die Braut Jesu beschrieben. Er macht sie sich selber schön, er arbeitet an seiner Gemeinde. Am Ende wird die Gemeinde – und du und ich – untadelig vor Jesus stehen. Aber es ist einzig und allein sein Werk. Er macht es, er hat sich dafür verbürgt.
Wenn wir das vor Augen haben, dann schenkt uns das doch einen Freimut zu einer Offenheit, dass wir zugeben dürfen: Ja, ich bin eine Katastrophe. Ich kann das von mir sagen, ich weiß nicht, ob du das von dir sagst – vielleicht bist du dafür zu stolz – aber ich muss von mir sagen: Ich bin eine Katastrophe, ich bin eine Baustelle.
Mit dem gleichen Freimut kann ich aber auch sagen: Jesus wird fertig mit mir. Er wird fertig. Deswegen darf ich mich meinen Fehlern stellen, weil das Evangelium so gut ist. So gut ist es, und Jesus wird fertig mit mir.
Hoffnung und Trost in der Bewahrung durch Jesus Christus
In North Carolina befindet sich ein sehr besonderes Grab: das Grab von Ruth Graham. Ruth Graham war die verstorbene Ehefrau des bekannten Evangelisten Billy Graham. Dieses Grab ist besonders, zum einen natürlich, weil Ruth Graham eine außergewöhnliche Frau war.
Doch das Grab ist nicht nur deswegen besonders, sondern vor allem wegen der Aufschrift auf dem Grabstein. Ruth Graham hat sich für folgende Worte auf ihrem eigenen Grabstein entschieden: "Baustelle beendet, vielen Dank für Ihre Geduld."
Dein Leben ist eine Baustelle, weißt du das? Mein Leben ist eine Baustelle. Als Christen befinden wir uns immer in einer gewissen Zerrissenheit, weil wir uns in einer Zwischenzeit befinden. Die Bibel nennt diesen Zustand das "Schon jetzt, aber noch nicht".
Als Kinder Gottes sind wir schon jetzt angenommen, wir haben das ewige Leben, wir sind für gerecht erklärt worden – das ist bereits geschehen. Aber wir sind noch nicht vollkommen, wir sind noch nicht Jesus ähnlich, wir sind noch nicht das, was wir gerne sein würden.
Doch lass mich dir heute Folgendes sagen: Am Ende der Zeit wirst du es sein. Und das hängt nicht von deiner Leistung ab, sondern von seinem Werk und seiner Verpflichtung für dein Leben. Er sagt: "Ich bringe dich ans Ende." Das ist unglaublich ermutigend.
Vielleicht sitzt du hier und bist oft verzweifelt über dein eigenes Christsein – willkommen im Club. Verzweifelt, weil du all deine Unzulänglichkeiten siehst. Verzweifelt, weil du auch in der letzten Woche Jesus wieder bewusst untreu geworden bist. Verzweifelt, weil dein Egoismus ständig zum Vorschein kommt und du bittest: "Herr, du musst wachsen, ich muss abnehmen." Du kennst all die Bibelverse, aber immer wieder denkst du an dich selbst. Und du leidest darunter als Christ.
Das ist übrigens ein gutes Leiden. Manchmal ist es wichtig, über die Sünde verzweifelt zu sein. Vielleicht bist du verzweifelt, weil du nicht der Ehemann bist, der du gerne wärst. Vielleicht, weil Beziehungen in deinem Leben noch nicht geklärt sind. Vielleicht, weil die Menschenfurcht in deinem Leben noch so präsent ist und du immer wieder aus Furcht vor Menschen handelst. Vielleicht, weil du mit deiner Einsamkeit als alleinstehende Person nicht so gut zurechtkommst, wie du es gerne würdest. Du siehst andere Singles, die so überzeugt sind und für Jesus brennen, und für dich ist es so schwer. Du leidest unter diesem Zustand.
Vielleicht bist du verzweifelt, weil du als junge Mutter mit deinen Kindern so herausgefordert bist und manchmal den Eindruck hast: "Ich kann nicht mehr." Du betest jeden Morgen: "Herr, hilf du mir, geduldig zu sein." Und am Abend stellst du fest, dass es zehn Situationen im Alltag gab, in denen du wieder aus der Haut gefahren bist. Verzweifelt!
Ja, es ist nötig, dass wir manchmal an uns selbst verzweifeln. Aber das ist nicht der Zustand, in dem wir bleiben sollten. Dane Ortlund schreibt: "Es ist nichts Nobles daran, in der Grube der Verzweiflung sitzen zu bleiben. Wir müssen sie erleben, aber wir sind nicht dazu bestimmt, in ihr zu wohnen. Gesunde Verzweiflung ist eine Kreuzung, nicht die Autobahn. Sie ist ein Tor, nicht der Weg. Wir müssen dorthin, aber wir dürfen nicht dort bleiben."
Weißt du, ein gewisses Maß an Verzweiflung über deine Unzulänglichkeit ist gut, und der Herr schenkt sie dir. Aber nicht, damit du in ein tiefes Loch der Depression fällst. Er schenkt sie dir, damit du dich neu auf das Kreuz, auf das Evangelium wirfst und nicht auf deine Werke vertraust. Denn du wirst nie gut sein, du wirst nie gut genug sein. Aber aufgrund deiner Verzweiflung kommst du wieder neu zu dem Ergebnis: Jesus, du bist alles. Du hast es vollbracht. Ich habe in mir keine Gerechtigkeit, aber meine Gerechtigkeit ist in dir, und darauf vertraue ich.
Wenn du gerade an deinen Unzulänglichkeiten verzweifelst, möchte ich dich heute einladen: Schau wieder auf Jesus, denn er hat sich verpflichtet, dich in deinem Leben bis zum Ende zu bringen. Ein bekannter Puritaner hat einmal gesagt: "Für jeden Blick, den du auf dich richtest, richte zehn auf Jesus." Denn wenn du auf dich schaust, wirst du nur eine Berechtigung für Satans Anklage finden – nur!
Doch dann ist es so wichtig, wieder auf Jesus zu schauen, der das Werk für dich vollbracht hat. Jesus wird mit dir fertig, denn von ihm heißt es: "der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus" (1. Korinther 1,8).
Dieser Vers zeigt uns zugleich, dass unser Heil sicher ist. Er hält uns fest bis ans Ende. Und ich möchte dir heute auch als Kind Gottes wieder zusprechen: Dein Heil liegt nicht in deinen Händen, dein Heil liegt in den Händen deines Erlösers. Und nur dort ist es sicher.
Gottes Treue als Grundlage der Heilsgewissheit
Und genau hier setzt Vers 9 an. Dort heißt es: Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes, Jesus Christus, unseres Herrn.
Der Grund für die Sicherheit deines Heils ist die Treue Gottes, nicht deine eigene Treue. Es ist die Treue Gottes. Falls dich das verwundert und du immer denkst, die Sicherheit meines Heils sei an meine Leistung geknüpft: Im Neuen Testament ist das keine Randlehre. Wir finden überall, dass die Sicherheit der Gläubigen, die Sicherheit des Heils, in der Treue Gottes liegt.
Zwei Verse aus den Thessalonicherbriefen verdeutlichen das:
1. Thessalonicher 5,23: Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig und vollständig. Möge euer Geist und eure Seele und euer Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist der, der euch beruft; er wird es auch tun.
Was für eine Zusage! Jesus bringt dich ans Ende.
2. Thessalonicher 3,3: Treu aber ist der Herr, der euch stärken und vor dem Bösen bewahren wird. Nicht könnte, wird.
Schaut mal: In beiden Versen ist die Bewahrung, die Sicherheit der Gläubigen, mit der Treue Gottes begründet worden — mit der Treue Gottes.
Wäre unser Heil an unsere Treue gebunden, wäre unser Heil nicht sicher. Wäre mein Heil an meine Treue gegenüber Jesus gebunden, wäre mein Heil nicht sicher. Aber es ist nicht an meine Treue gebunden, sondern an seine Treue. Und er steht zu seinen Zusagen.
Schaut mal, er ist ja auch der Handelnde in der Errettung.
Jetzt sehen wir uns nochmal Vers 9 genauer an. Dort steht: Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid. Das ist im Passiv: durch den ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes, Jesus Christus, unseres Herrn. Paulus sagt, da ist etwas an euch passiert. Nicht ihr wart die Aktiven in eurer Errettung, sondern es ist Gottes gnädiges Handeln.
Statt „berufen“ kann man auch sagen „gerufen“. Und das ist mir wichtig zu sagen: Hätte Gott dich nicht gerufen, hättest du dich auch nie bekehrt.
Die Initiative der Errettung hat immer der Geist Gottes, der den geistlich toten Sünder zum Leben erweckt und ruft. Und weil Gott das gute Werk beginnt, ist er auch der Garant dafür, dass er es vollendet — weil er treu ist. Er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens.
Wisst ihr, warum ich das hier so betone? In einigen christlichen Gemeinden wird zwar gelehrt, dass man durch den Glauben errettet wird — das ist richtig — aber dann wird weiter gesagt, die Errettung sei sozusagen vorläufig. Also, wenn du jetzt als Christ nicht leistest, dann kommst du am Ende doch nicht an.
Das ist eine Irrlehre, weil dann sind es auch wieder Werke, die man zur Heilsicherung braucht.
Wäre das Heil tatsächlich an die richtige Lebensweise als Christ geknüpft — ich hoffe, ihr könnt meiner Logik jetzt folgen — dann würde Paulus doch ein Risiko eingehen, wenn er den Korinthern schreibt: Er wird euch festigen bis ans Ende.
Ja, Moment, sie müssen doch leisten, und das tun sie gerade nicht.
Es gibt nur einen Grund, warum Paulus das hier so vollmächtig zusprechen kann: weil es die Wahrheit ist. Weil es einfach die Wahrheit ist. Gott beginnt und Gott vollendet — für immer bewahrt.
Römer 8,30: Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen. Und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt. Die er gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.
Das ist eine Kette. Diejenigen, die durch den Glauben gerechtfertigt worden sind, werden auch verherrlicht.
Hebräer 10,14: Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht. Nicht für eine Zeit auf Bewährung, sondern für immer vollkommen gemacht.
Ich liebe diese Lehre. Wisst ihr warum? Weil sie den Menschen komplett aus dem Fokus nimmt und Jesus Christus groß macht.
Deswegen liebe ich diese Lehre.
Und schaut mal: Du und ich, wir werden nie, wenn wir im Himmel angekommen sind, uns selbst auf die Schulter klopfen können. Wir werden nie, wenn wir vor unserem Herrn und Heiland Jesus Christus stehen, uns auf die Schulter klopfen und sagen: Ja, ich war treu, deswegen bin ich hier.
Wir werden alle nur unseren geistlichen Bankrott sehen, den wir auch am Anfang unserer Bekehrung gesehen haben, und feststellen: Er hat alles gemacht, er hat alles getan, er hat das gute Werk in uns begonnen, und er vollendet es.
Wer steht dann im Mittelpunkt? Es ist Jesus.
Paul Washer, ein Prediger, den ich sehr schätze, hat mal diesen Satz geprägt: There is only one Hero in this Story. Es gibt nur einen Helden in der ganzen Heilsgeschichte. Und das ist Jesus Christus.
Und danach kommst nicht direkt du. Es gibt nur einen Helden, und das ist er.
Die Verantwortung des Gläubigen und die Sicherheit des Heils
Dennoch hat der Mensch eine Verantwortung. Auch wenn der Text das an dieser Stelle nicht ausdrücklich betont, möchte ich das hier sagen. In 1. Korinther 1 sagt Paulus: „Der Herr wird euch festigen.“ Im gleichen Brief, am Ende von Kapitel 16, schreibt er: „Wacht, steht fest im Glauben.“ Beides ist wahr. Der Herr bringt uns ans Ziel, aber wir haben die Verantwortung, im Glauben zu bleiben.
Damit stoßen wir an die Grenzen unserer Logik. Doch beides lehrt die Bibel, und deshalb betonen wir immer auch die Verantwortung des Menschen. Wir haben die Aufgabe, Jesus treu zu bleiben, im Glauben zu gehen und ihm nachzufolgen. Paul David Tripp schreibt in Bezug auf die Sicherheit unseres Heils: „Diese Wahrheit ist keine Erlaubnis für dich, alles zu tun, was du willst. Stattdessen sollte sie dich dazu anspornen, Jesus Christus weiterhin nachzufolgen.“
Ich möchte noch etwas hinzufügen: Wir müssen berücksichtigen, dass die Lehre von der Sicherheit unseres Heils nicht unbedingt etwas Kuscheliges ist. Es ist nicht so, dass wir einfach sagen können: „Ach super, mein Ticket in den Himmel ist sicher, jetzt lehne ich mich zurück.“ Nein, das ist nicht, was die Bibel lehrt.
Wenn sich Jesus verpflichtet hat, dich ans Ziel zu bringen – und das wird er tun –, dann macht er das, wie die Bibel lehrt. Aber der Weg dahin kann ein Weg sein, auf dem er züchtigend in dein Leben eingreift. Manchmal sogar auf sehr drastische Weise, weil seine Liebe zu dir so eifernd ist, dass er ständig darum bemüht ist, dich auf Kurs zu halten.
Das sehen wir auch im ersten Korintherbrief. Deshalb möchte ich zu Beginn diese Lehre von der Sicherheit im Kontext des ganzen Briefes betrachten. In Kapitel 5 sehen wir, dass Gott Gemeindezucht gebraucht. Es geht um eine Person in der Gemeinde, die in Sünde lebt. Paulus sagt: Schließt diese Person aus der Gemeinde aus.
Ich rede nicht davon, dass jemand einmal in Sünde gefallen ist. Wir alle fallen immer wieder in Sünde. Aber es ist ein großes Problem, in Sünde zu leben. Paulus sagt, da muss Gemeindezucht ins Spiel kommen, und ihr müsst diese Person aus der Gemeinde ausschließen. Warum? Damit der Geist gerettet wird.
Das heißt: Gott installiert Gemeindezucht, um das Heil zu sichern. Aber nicht nur das. Es gibt weitere, sogar drastischere Maßnahmen im ersten Korintherbrief, mit denen Gott unser Heil sichert.
In 1. Korinther 11 kamen die Korinther betrunken zum Abendmahl. Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn wir uns das vorstellen, wie sah das Abendmahl in Korinth aus? Korinthische Zustände. Einige waren betrunken, es herrschte Rücksichtslosigkeit.
Paulus schreibt in 1. Korinther 11, Vers 30 folgendes: „Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein Gutteil sind entschlafen“, also gestorben. „Wenn wir uns selbst aber beurteilen, würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt.“
Jetzt kommt der Grund: Warum züchtigt Gott uns? Damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden. Das heißt, Züchtigung ist Gottes Mittel im Leben einer gläubigen Person, um unser Heil zu sichern.
Und das können manchmal drastische Maßnahmen sein, manchmal sind es Krankheiten. Versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, jede Krankheit ist Züchtigung – da muss man seelsorgerlich vorsichtig sein. Aber hier ist sogar vom Tod die Rede. Das müssen wir auch in unserem Gottesbild verankern: Gott nimmt manchmal eine Person aus dem Leben, um ihr Heil zu sichern. So steht es in der Bibel.
Man kann sich das so ähnlich vorstellen wie bei folgendem Kindergeburtstag: Die Mutter ist mit dem kleinen Lukas auf einem Kindergeburtstag, und Lukas benimmt sich total daneben. Nicht nur ein bisschen, sondern die ganze Stimmung auf dem Geburtstag ist wegen Lukas hinüber.
Die Mutter korrigiert ihn, redet auf ihn ein, will ihn überzeugen. Er hört nicht zu, macht weiter. Dann sagt die Mutter irgendwann: „Lukas, wenn du das noch einmal machst, geht’s nach Hause.“ Lukas macht weiter, und dann nimmt die Mutter ihn an die Hand und sagt: „So, Lukas, jetzt geht’s nach Hause.“
Das macht Gott manchmal. Ich möchte hier keine Angst schüren, aber das macht Gott manchmal im Leben von Gläubigen. Er warnt – er warnt, er warnt – durch Predigten, durch Prediger, durch das Wort Gottes: „Kehre um von deiner Sünde!“ Und du hörst nicht. Dann kann es sein, dass Gott irgendwann sagt: „So, jetzt geht es nach Hause“, und er nimmt Menschen aus dem Leben.
Ganz ehrlich, ich habe dieses Gebet schon gebetet für mich: „Gott, bevor ich deinem Namen große Schande bereite, nimm mich aus dem Leben. Nimm mich vorher zu dir, ich möchte deinem Namen keine Unehre bereiten.“
Und ich möchte das der Vollständigkeit halber hinzufügen: Wenn wir von der Sicherheit unseres Heils sprechen, bedeutet das, dass sich Christus in seiner eifernden Liebe so sehr verpflichtet hat, dich zum Ende zu bringen, dass er sämtliche Dinge verwendet, die manchmal schmerzhaft sind, damit du am Ende wirklich bei ihm ankommst.
Ich möchte aber auch die andere, eher tröstende, seelsorgerliche Seite aufzeigen, die genauso wahr ist. Jesus setzt sich beständig für dich ein. Wenn du verzweifelt bist und in deiner Depression das Evangelium nicht mehr klar sehen kannst, und du manchmal den Eindruck hast: „Glaube ich überhaupt noch richtig?“, dann kannst du getrost sein: Es ist Jesus, der dich festhält, auch wenn du ihn nicht mehr siehst.
Er hält dich, er ist bei dir, er tröstet dich. Wenn Satan dich zu Fall bringen will und du in deinem Glaubensleben so verwirrt bist und so viele Zweifel hast, dass du manchmal den Eindruck hast: „Ich zweifle mehr, als ich glaube“, dann setzt sich dein Herr Jesus in diesem Moment für dich ein.
Es gab diese Phase im Leben von Petrus, und Jesus sagt zu ihm: „Petrus, Satan hat versucht, dich zu sichten wie den Weizen. Aber Petrus, ich habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhört.“
Ist das nicht eine wunderbare Zusage? Was ist deine Vorstellung davon, was Jesus jetzt gerade im Himmel tut? Ich kann es dir sagen: Er setzt sich jeden Tag, jede Minute deines Lebens für dich ein, um dein Heil zu sichern. Du hast einen Fürsprecher im Himmel.
Das sollte uns dankbar machen für unseren wunderbaren Herrn Jesus, der für dich ist und der bis an dein Lebensende für dich kämpft, um deinen Glauben zu erhalten – selbst wenn du denkst: „Ich kann ihn nicht mehr halten.“ Er hält dich. Er hält dich, lieber Bruder, liebe Schwester.
Ermutigung für die Zielgerade des Lebens
Ich war vor einigen Monaten auf dem 85. Geburtstag einer älteren Schwester aus einer anderen Gemeinde. Der Schwester geht es nicht mehr gut, mit anderen Worten: Sie befindet sich jetzt auf der Zielgeraden ihres Lebens. Das ist noch einmal ein ganz wichtiger Lebensabschnitt. Auch wenn man das selbst merkt: Jetzt geht es auf die Zielgerade zu.
In dem Gebet dieser Schwester habe ich eine große Unsicherheit herausgehört. Sie war ihr Leben lang Christ. Und dann betet sie zu Gott: „Bitte, bitte, bitte, lass mich am Ende doch bei dir ankommen.“ Versteht mich nicht falsch, das ist nicht unbedingt ein falsches Gebet. Es ist gut, dass wir dafür beten, dass Gott uns unseren Glauben stärkt und wir bis zum Ende treu bleiben.
Aber ich habe bei ihr eine Unsicherheit herausgehört, weil sie aus einer gesetzlichen Prägung kommt. Aus einer Prägung, die sagt: Es liegt alles an deiner Leistung. Im Gebet hätte ich fast reingerufen: „Schwester, er wird dich durchtragen!“ Und das möchte ich dir heute zurufen, liebe Schwester: Er trägt dich durch. Du musst, wenn du dich auf der Zielgeraden deines Lebens befindest, als Christ keine Zweifel haben, denn es liegt nicht an dir.
Er nimmt dich an die Hand und sagt: „Wir bringen das zum Ende.“ Halleluja! Aber diese Sicherheit solltest du nicht nur haben oder dürfen nur dann haben, wenn du dich auf der Zielgeraden befindest, sondern auch, wenn du mitten im Leben stehst – im Hier und Jetzt.
Denn was macht uns mehr Mut, in den Tag zu gehen, als die Wahrheit: Christus ist an unserer Seite. Er steht für uns ein. Deswegen führt uns diese Lehre nicht in eine Gleichgültigkeit: „Mein Heil ist sicher, ich lehne mich zurück.“ Niemals, niemals! Das Gegenteil wird der Fall sein.
Jesus ist so gut, er ist so sehr für mich. Ich lebe für ihn mit Haut und Haar. Danke Gott dafür, dass er dich ans Ziel bringt.
Ich möchte noch einmal den Seelsorger Paul David Tripp zu Wort kommen lassen: Als wahrer Christ darfst du gewiss sein, dass Gott die Lasten deines Lebens auf seine Schultern gelegt hat. Das bedeutet nicht, dass du nun so leben darfst, wie du willst, sondern dass deine Sicherheit nicht mehr von deiner Treue abhängt, sondern von seiner.
Ihm kann man vertrauen, selbst wenn man dir nicht trauen kann. Er wird treu und gut bleiben, selbst wenn du es nicht bist. Er wird das Richtige und Beste tun, selbst wenn du es nicht tust. Und er ist treu, dir zu vergeben, wenn die überführende Gnade dir aufzeigt, wie untreu du gewesen bist.
Vielleicht hat Gott dir das heute aufgezeigt, wie viel Untreue in deinem Leben ist. Ich möchte dich einladen: Komm wieder neu zu diesem wunderbaren Jesus und vertraue ihm dein Leben ganz neu an.
Weißt du, dein Heil liegt in der Hand deines Erlösers. Er ist der gute Hirte, und von ihm heißt es in Johannes 10: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit.“
Hier steht: Sie gehen nicht verloren in Ewigkeit. Das sagt nicht ein Prediger, das sagt Jesus. Sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
Lieber Bruder, liebe Schwester, ich wünsche dir heute einfach nach dieser Predigt, dass du mit dieser Sicherheit nach Hause gehst. Dass du mit großer Dankbarkeit für Jesus nach Hause gehst. Du hast einen sicheren Halt durch Jesus. Er bringt dich ans Ziel. Deswegen lebe jetzt für ihn.
Diese Sicherheit lässt dich nicht träge werden. Und wie gerade schon gesagt: Auch wenn Satan Pfeile der Anklage auf dich schießt, schau nicht auf dich. Dort wirst du immer nur eine Berechtigung für seine Anklage finden. Schau auf deinen Herrn und Retter, der alles gewirkt hat.
Einladung zur Entscheidung und Dankbarkeit
Ich kann mir vorstellen, dass heute hier einige im Raum sitzen, die Jesus ihr Leben noch nie anvertraut haben. Vielleicht baust du auf dein eigenes Gutsein und hoffst, dass du am Ende bestehen kannst.
Da muss ich dir sagen: Nein, du wirst niemals okay sein, um dem Maßstab Gottes zu entsprechen. Es gibt nur einen, der diesem Maßstab gerecht geworden ist, und das ist Jesus. Er hat das Gesetz erfüllt und den ganzen Anspruch Gottes erfüllt. Stellvertretend für dich ist er ans Kreuz gegangen.
Vielleicht sehnst du dich sehr nach dieser Sicherheit, von der ich gerade gesprochen habe, und denkst: „Andre, diese Sicherheit will ich auch in meinem Leben haben.“ Weißt du was? Such nicht die Sicherheit, such Jesus! Dann wirst du auch die Sicherheit bekommen.
Ich möchte dich einladen, heute dein ganzes Vertrauen auf Jesus zu setzen. Vertraue nicht mehr auf dich selbst oder deinen Lebensentwurf. Lass das alles los und sage: „Jesus, allein auf dich vertraue ich. Ich bin ein Sünder, ich brauche dich und möchte dir heute mein ganzes Leben übergeben.“
Das kannst du jetzt gleich tun, während der Predigt oder während des Liedes, das wir gleich singen werden. Du darfst auch nach vorne zum Kreuz kommen. Das ist nichts Mystisches, aber du kannst dadurch symbolisch zum Ausdruck bringen: „Ja, Jesus, ich vertraue dir. Nimm mein ganzes Leben, ich möchte an dich glauben.“
Das kannst du auch an deinem Platz tun. Ich möchte nie den Eindruck erwecken, dass das mit einem Gang nach vorne verbunden sein muss. Du kannst dich an deinem Platz bekehren und Jesus dein Leben in einem Gebet anvertrauen. Aber du darfst auch nach vorne kommen, wenn du möchtest, um das öffentlich zu zeigen.
Ich möchte auch noch eine andere Personengruppe nach vorne bitten, wenn ihr möchtet: die Christen. Die Christen, die lange Unsicherheit hatten in Bezug auf ihr Heil. Vielleicht ist dir heute noch einmal deutlich geworden, wie wunderbar es ist, dass dein Heil sicher ist durch Jesus. Wenn du ihm noch einmal danken möchtest, lade ich dich ebenfalls ein, nach vorne zum Kreuz zu kommen.
Komm einfach, um ihm zu danken, dass er der Garant deines Heils ist. „Christus hält mich fest“ – das ist das Lied, das wir jetzt singen werden. Wie gesagt, wenn du möchtest, kannst du gerne nach vorne kommen. Lass uns dazu aufstehen.