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Simson - Versager oder Held Gottes? - Simsons Gefangenschaft bei den Philistern

01.01.1961Richter 16,1-31

Einführung in die großen Wahrheiten am Ende der Geschichte

Ich möchte Ihnen zum Schluss drei große Wahrheiten aus dieser Geschichte mitgeben. Drei wichtige Erkenntnisse am Ende.

Die seltsamen Siege Gottes durch sterbende Zeugen

Das Erste: Die seltsamen Siege Gottes geschehen durch sterbende Zeugen. Die seltsamen Siege Gottes geschehen durch das Sterben der Zeugen.

Bleiben wir zunächst bei Simson. Simson hat große Taten vollbracht. Sein Auftrag war es, Israel aus der Hand der Philister zu erlösen. Die Philister waren schreckliche Kerle, ein gottloses, grausames Volk. Sie quälten Israel, das Volk Gottes im Alten Testament. Sie stehen sinnbildlich für die Welt, für Fleisch und Blut und den Teufel – all das, was unserem geistlichen Leben zusetzt.

Simson sollte ein Befreier werden. Er errang große Siege über die Philister. David Allan erzählt, wie Simson einmal da stand, umgeben von gefallenen Feinden. Doch der größte Sieg war, so steht es hier, dass mehr Menschen bei seinem Tod starben als zu seinen Lebzeiten. Den größten Sieg hatte er, als er sein eigenes Leben mit in den Tod gab.

Das war das Ende: Er riss die Säulen ein und hatte keine Chance, selbst zu entkommen. Es war ein riesiger Tempel des Götzen Dagon, ein Fest zu Ehren dieses Götzen. Sie erinnern sich, nicht wahr? Ich möchte nicht zu sehr darauf eingehen, aber es war ein großes Götzenfest zu Ehren Dagons.

Der Anlass war: Unser Götze Dagon hat uns den schrecklichen Feind Simson in die Hände gegeben. Dreitausend Menschen waren anwesend, alle fünf Fürsten der Philister, die gesamte Prominenz. Dann wurde Simson geholt. Er sollte die Lieder Israels spielen.

Es heißt an einer Stelle, in einem Psalm von der babylonischen Gefangenschaft: "Wir sangen die Lieder des Herrn in einem fremden Land. Unsere Harfen hingen wir an die Weiden." So wurden die Gefangenen aufgefordert, die Lieder ihrer Heimat zu singen. Das war offenbar ein besonderer Brauch im Altertum: Man forderte die Gefangenen auf, die Lieder ihres Volkes zu singen.

Simson spielte also die Lieder von einem Gott, der ihn in die Hände seiner Feinde gegeben hatte. Die Szene ist ergreifend: Er sagt zu dem Jungen, der ihn führt: „Nimm die Harfe.“ Dann tastet er die Säulen ab, packt sie und weiß: Kann ich noch etwas ausrichten, wenn ich mein Leben mit dem Tod gebe?

Sehen Sie, auf der ganzen Strecke, auf der wir Simson begleitet haben, haben wir immer wieder entdeckt, dass dieser schreckliche Mensch doch viele Züge besitzt, die ihn zu einem Vorbild für Jesus machen.

Darf ich noch einmal kurz sagen, dass ich es nicht müde werde zu betonen: Jesus hat uns befohlen, im Alten Testament zu suchen. Das Alte Testament zeugt von ihm. Wir haben gesehen, wie Simson immer wieder ein Vorbild, ein Hinweis, eine Abschattung und ein Wegweiser auf unseren Heiland ist.

Jesus ist wirklich der Mittelpunkt dabei. Diese Richter werden ja Heilande genannt. Wir nennen Jesus den Heiland. Simson war ein Heiland, aber niemals so sehr wie Jesus, besonders bei seinem letzten Sieg.

Ist das nicht die Überschrift über Golgatha? Jesus errang seinen größten Sieg, als er sein eigenes Leben in den Tod gab. Das gilt auch für Simson. Damit ist die Methodik für das eigene Evangelium angeschlagen: Jesus errang seinen größten Sieg, als er sein eigenes Leben in den Tod gab.

Man kann gar nicht anders, als von diesem sterbenden, siegenden Simson hinüberzuschauen nach Golgatha, wo einer sich in die Hände der Feinde gibt und sich töten lässt – das Lamm Gottes, das geschlachtet wird und nun den größten Sieg erringt.

Die Offenbarung als Zeugnis des siegenden Lammes

Ich habe heute Morgen am Schreibtisch gesessen, um diese Bibelstunde vorzubereiten. Ich weiß, dass ich ein anspruchsvolles, nachdenkliches und geistlich interessiertes Volk vor mir habe, das ich nicht einfach so abspeisen kann.

Dabei habe ich überlegt, wie ich deutlich machen kann, dass der sterbende Heiland, der getötete Heiland in dem Augenblick, in dem er sein Leben selbst in den Tod gab, der größte Sieger war. Ich wollte das erst richtig klar herausstellen.

Zuerst dachte ich daran, ein wenig Geschichte zu nehmen, um zu zeigen, wie Jesus Sieger ist. Doch dann wurde mir klar, dass ich es besser nicht anders erklären kann als durch das, was Sie später selbst nachlesen können: Offenbarung 5.

Ich möchte Ihnen diese Stelle erzählen. Verstehen Sie mich richtig: Ich habe nur den Stift, die Gemeinde sitzt gerne da, und ich lehre lieber darüber.

 Offenbarung 5 – das ist eine fantastische Stelle. Wenn Sie sich eine Freude machen wollen, lesen Sie Offenbarung 4 und 5. Wenn Ihnen der Trubel in Ihrem Alltag zu viel wird – der Kleinkram, der Stress im Beruf, Ärger mit dem Chef, die Hausfrauen mit ihren schwierigen Männern und die Männer mit ihren Frauen – wenn Ihnen alles zu dumm wird, dann lesen Sie Offenbarung 4 und blicken in den Himmel.

Ich sah einen Thron und viele Tausend mal Tausend Engel drumherum, die Lebewesen um den Thron und die Ältesten. Dann hielt der Vater ein Buch in der Hand, eine versiegelte Schriftrolle. Darin ist der Heilsplan Gottes.

Nun wird durch die himmlischen Räume gefragt und über die Erde hin: Wer ist imstande, die Siegel zu lösen? Wer kann den Heilsplan Gottes durchführen?

Dann heißt es: Und niemand war geboren. Ich, Johannes, weinte sehr. Das ist wichtig: Kein Mensch kann die Welt erlösen.

Es treten ständig solche auf, die sagen, sie würden die Welt erlösen. Nein, seit ich denken kann, gibt es Welterlöser, die herumpfuschen – aber es ist vergeblich. Und die Bibel sagt, es wird niemand gefunden. Das rasiert alle Welterlöser vom Tisch. Verstehen Sie, wie aktuell das ist?

Niemand wird gefunden, und Johannes weint sehr, weil er doch weiß, dass die Welt erlösungsbedürftig ist. Dann sagt der Engel: Weine nicht! Es hat überwunden.

Nun kommen große Worte: Der Löwe aus Juda muss jetzt auftreten. Man ist gespannt, wie der Löwe kommt – das ist die biblische Bildersprache für den Mächtigen.

Doch dann treten die Engelscharen auseinander, und ich sah ein Lamm mit der Todeswunde. Ein Lamm! Die Spannung ist für mich aufs Höchste getrieben.

Jetzt kommt der, der Gottes Heilsplan ausführt, der die Welt erlöst. Die Herrlichkeit Gottes erscheint vor uns, und dann plötzlich: ein umgebrachtes Lamm. Mein Herz bleibt stehen.

In diesem Augenblick wird das Bild Jesu deutlich. Jesus ist Gottes Lamm, das die Weltsünde trägt. „Siehe, da ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt trägt.“ Wie ein Lamm auf dem Altar geschlachtet wird, so ist Jesus, der Sohn Gottes, auf dem Altar des Kreuzes für unsere Sünden geschlachtet worden.

„Siehe, da ist Gottes Lamm“, sagt er. Und dieses Lamm erscheint in den himmlischen Räumen. Dieses Lamm bekommt das Buch ausgeliefert. Da heißt es: „Du bist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu lösen.“

„Du kannst den Heilsplan Gottes durchführen.“ Jetzt kommen die himmlischen Chöre der Vollendeten: „Denn du hast uns Gott erkauft mit deinem Blut.“ Können Sie das mitsingen? Ich kann es singen – Gott sei Dank. Können Sie das mitsingen?

„Du hast uns vor Gott zu Königen und Priestern gemacht.“ Oberpriester, Könige, Priester – so steht das da. Und als sie das sangen, fiel die ganze himmlische Herrschar nieder und lobte diese Worte:

„Du bist würdig, du bist würdig, Ehre und Preis und Kraft und Ruhm zu empfangen.“ Haben Sie schon einmal erlebt, wie Mussolini nach Essen kam oder Hitler einzog oder Kaiser Wilhelm nach Frankfurt kam? Was für Musik, Geschrei und Ehrungen das waren! Das ist unvergänglich.

Am Schluss loben Himmel und Erde den Sieger über alles, der wirklich eine Schar erlöst hat und sie zu Königen und Priestern gemacht hat. Das Lamm, das erwirkt ist, als es sein Leben in den Tod gab, hat den größten Sieg errungen.

Verstehen Sie? In dieser Offenbarungsstelle wird uns am deutlichsten gezeigt, dass er, als er sein Leben in den Tod gab, als er das Lamm Gottes wurde, als er auf Golgatha einsam starb und schrie: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, den Heilsplan Gottes ausführte.

Da betrat er die erste Stufe, um Sieger zu sein über alle Weltanschauungen und alle Mächte der Erde. Am Ende muss ihm alles zu Füßen liegen. Jesus bleibt ewig der Ausgemachte.

Das wird hier in Simson vorgedeutet. Ich habe deutlich gemacht, dass der größte Sieg errungen wurde, als der Sohn Gottes sein Leben selbst in den Tod gab.

Das Gesetz des Reiches Gottes: Sieg durch Sterben

Nun komme ich zu dem Punkt, dass etwas so schwierig ist und mir so am Herzen liegt, dass ich auf ein Gesetz stoße.

Von Simson zu Jesus: Die größten Siege wurden errungen, als die Zeugen ihr Leben selbst einem Tod gaben. Das gilt immer. Das heißt, im Reich Gottes gibt es keine Siege, ohne dass der Sieger dabei sterben muss.

Ich habe einmal gelesen – ich weiß nicht, ob es stimmt, da ich in der Schule gerade gefehlt habe –, dass wenn eine Biene einen Menschen sticht, sie dabei sterben muss. Denn der Stachel hängt an ihrem ganzen Leib. Wenn sie mich sticht, kommt sie nicht mehr los. Dabei reißt ihr ganzer Leib ab, und sie muss sterben. Sie kann also nur dann über mich siegen, wenn sie dabei selbst zugrunde geht.

Verstehen Sie, das wird bei Simson deutlich, das wird bei Jesus deutlich, und das gilt.

Geistliches Sterben als Voraussetzung für Siege im Reich Gottes

Und nun muss ich davon reden: Es gibt auch ein geistliches Sterben. Jetzt muss ich von diesem geistlichen Sterben sprechen, von dem geistlichen Sterben, das die Voraussetzung für alle Siege im Reich Gottes ist. Es muss nicht unbedingt körperlich gestorben sein, vielleicht auch gelegentlich, nicht wahr? Aber geistlich muss man gestorben sein, wenn man im Reich Gottes etwas haben, ausrichten oder siegen will.

Wir haben am Sonntag das Lied gesungen: „Es kommt ein Schiff geladen“. Erinnern Sie sich? „Es kommt ein Schiff geladen mit seinen höchsten Bord.“ Es ist so schön. Und wer dieses Kind mit Freuden umfangen und küssen will, muss vorher mit ihm leiden, ja, mit ihm auch sterben. Damit ist nicht das leibliche Sterben gemeint, sondern sich in den Tod geben.

Dazu möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen: Ein ungarischer Pfarrer, den ich nicht persönlich kenne, bekam einmal ein Buch von mir in die Hand. Seitdem schreiben wir uns. Er schickte mir einen gedruckten Weihnachtsgruß. Das war auf Ungarisch, und da ich kein Ungarisch kann, ist das auch wieder so eine Bildungslücke, in die ich passe. Er ist so ein Mensch, nicht wahr? Und auf Deutsch schrieb er darüber: „Und wer dieses Kind mit Freuden umfangen und küssen will, …“ – dort stehen Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen – „… dazu auch mit ihm sterben.“

Diese Pünktchen an dieser Stelle sind so erschütternd. Sie erzählen eine ganze Geschichte, die nicht klar ausgesprochen wird. Genau davon muss ich jetzt reden. Bei meiner heutigen Vorbereitung habe ich überlegt, wie ich das geistliche Sterben erklären soll. Ich dachte den ganzen Tag darüber nach, aus welchem Trubel Sie kommen, und jetzt soll ich Ihnen klarmachen, was geistlich sterben bedeutet.

Ich kann es nicht besser machen, als es mit dem Kolosserbrief deutlich zu machen. Wenn Sie Lust haben, schlagen Sie ihn auf und lesen Sie Kolosser 3 nach. Es steht auf Seite 233 im Neuen Testament. Dort heißt es in Vers 3: „Ihr seid gestorben.“ Das wird nicht jedem mitgeteilt, sondern nur denen, die an den Sohn Gottes gläubig geworden sind.

Es gibt viele Menschen, denen ich sagen muss: „Du nennst dich christlich, aber du bist leider noch nicht gestorben. Du blühst in deiner ganzen Natürlichkeit.“ Ich habe neulich von einem jungen Pastor gehört – nicht dieser Mann, aber er ist noch völlig ungestorben. Verstehen Sie? „Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“

Jetzt geht es weiter in Vers 5: „So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind: Hurerei, Unreinigkeit, böse Begierde, Lust, Geiz – das ist Abgötterei.“ Das ist fast ein Witz. Ich brauche einem Gestorbenen doch nicht mehr zu sagen: „Töte dich!“ Er ist doch tot. Genau das irritiert hier: „Ihr seid gestorben, so tötet!“

An dieser Stelle können wir lernen, was geistliches Sterben bedeutet. Geistliches Sterben heißt, dass ich wirklich einmal gesammelt vor Jesu Kreuz gehe, sehe, wie Gottes Zorn den Sohn Gottes trifft, und mir sage: Dieser Blitzstrahl, der den Sohn Gottes trifft, gilt mir. Der Sohn Gottes hat ja nichts getan; das trifft ihn um meiner Sünde willen.

Haben Sie das schon einmal in Ihrem Herzen anerkannt? Der Todesstreich, der Jesus traf, gilt mir. Und das erkenne ich jetzt an. Ich gebe mich in den Tod. „Ihr seid gestorben.“

Nun stellt sich aber heraus, dass das nicht ein einmaliger Akt ist, sondern dass meine Natur von diesem Augenblick an in einen schweren Konflikt gerät. Ich möchte gestorben sein, ich möchte heilig sein. Meine Freunde, ihr glaubt nicht, wie gern ich jetzt voll Liebe, strahlender Freude, Wahrhaftigkeit und Vollreinheit wäre. Aber es ist nichts damit, es ist sehr dünn bestellt damit.

Darum muss jetzt das Zweite kommen: „So tötet!“ Sehen Sie, hier lernt man die andere Seite des christlichen Glaubens kennen. Man anerkennt: Sein Tod ist mein Tod, und darum will ich mich töten. Wie es im Sonnenlicht heißt: „Mich in den Tod geben.“ Verstehen Sie mich? Rede ich chinesisch? Verstehen Sie mich? Mich in den Tod geben – das gibt es bei Siegern Jesu.

Das gilt nicht nur für Pastoren, sondern für jeden. Und ich glaube, dass genau hier etwas fehlt. Darum sind wir so schwach in unserem Christenstand, weil zu wenig gestorben wird.

Das Leben durch das Sterben mit Christus

Man könnte sagen: Mensch, das ist eine miese, bitterliche Lehre. Das ist ja eine schreckliche Lehre – Sterben! Doch ich sage: Moment mal, ich habe nur die eine Hälfte gehört, denn es geht dann weiter.

Im Galaterbrief lese ich Ihnen nun eine Stelle vor. Sie brauchen das Buch nicht aufzuschlagen. Paulus sagt: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes.“ Je mehr ich sterbe – meiner alten Natur –, desto mehr kann Jesus mich mit seinem Leben durchdringen. Und desto mehr lebe ich.

Ich glaube, dass ich ein hilfloser Pastor bin, wenn ich diese wichtigen Dinge sage. Als ich in Göttingen Vorträge hielt, schrieb mich ein Theologe an und meinte: So geht es nicht. Da habe ich gesagt: Wie schön, dass nach mir junge Theologen kommen, die im siebten Semester schon wissen, wie es geht.

Ich hoffe, dass diese Leute Ihnen das noch deutlicher sagen können.

Beispiele geistlichen Sterbens aus dem Leben von Zeugen

Was ich jetzt nur schwer sagen kann: Als ich in meiner Vorbereitung so weit war, Ihnen das zu sagen, Jesu Tod anzuerkennen – ich bin gestorben, es gilt mir –, da dachte ich, ich müsse mich töten, damit ich in dem Maß, wie ich mich töte, lebe, mit Jesus lebe.

In diesem Moment habe ich gedacht, ich muss jetzt sofort ein paar Beispiele bringen, die deutlich machen, dass nur so die Siege im Reich Gottes erfochten werden.

Hier hinten sieht es aus, als würde jemand ein Schläfchen halten, deshalb möchte ich jetzt ganz schnell mit den Beispielen beginnen.

Das Beispiel Hans Dannenbaum

Das erste Beispiel: Das ist mein Freund Hans Dannenbaum. Er wird mir nicht überleben, wenn ich einmal von ihm erzähle. Haben Sie Hans Dannenbaum noch auf den Thierstig-Dru-Konferenzen kennengelernt? Ein gewaltiger Zeuge Jesu Christi, ein ganz großer Zeuge Jesu Christi war er in der Berliner Stadtmission. Ein Kerl mit Bauch, nicht?

Er hatte so einen Bauch, ich sagte immer, da würde jeder einen Rock tragen. Aber er trug nur einen Kötter oder Strich, als er hierherkam. Ein großartiger Kerl, das. Wissen Sie, nicht so männlich, der wahre Mann. In seiner Jugend war er einer der zwölf Apostel des großen Dichters Stefan George, kleingeschrieben.

Dann wurde er durch eine Evangelisation von Ernst Lohmann erweckt. Das war eine Wendung um 180 Grad hin zur Bibel. Nun war er wirklich gestorben im alten Leben und ein Zeuge Jesu mit Vollmer. Er war sehr befreundet mit Bischof Lilje. Als Lilje Bischof in Hannover wurde, sagte er zu Hans Dannenbaum: „Komm mal rüber und hilf mir.“

Daraufhin gab Hans seine wichtigen Posten in Hannover und Berlin auf und ging nach Hannover. Dann stellte sich heraus, dass Hans Lilje doch nicht die Dinge durchsetzen konnte, die er gern wollte. Auch so ein Bischof wird durch alle Behörden gehindert, wissen Sie. Er wollte Hans zum Landeskirchenrat machen, um eine Bresche für evangelistische Arbeit zu schlagen.

So blieb nichts übrig, als dass Dannenbaum kleiner Pastor in Göttingen wurde. Das war alles kaputtgeschlagen. Er wäre besser in Berlin in seiner großen Arbeit geblieben als Pastor in Göttingen, wo es lauter Widerstände gab. Kurz vor seinem Sterben war er einmal auf der Thiersingensruhkonferenz. Dort sagte er den Satz: „Wenn eine Mutter ihr Kind ins Bett bringt, zieht sie es aus. So macht es der Heiland auch. Er zieht uns Stück für Stück aus, ehe er uns zur Ruhe bringt.“

Das hat mich erschüttert, denn ich sah, das war seine Geschichte. Alle Pläne und großen Arbeiten waren ihm totgegeben. Er wurde dann heimgerufen. Man konnte sagen: Mann, das war doch schrecklich, dass dieser Mensch aus der großen Arbeit durch eine Fehlzündung nun da im göttlichen, göttlichen Rühren das Nest, wissen Sie, in Göttingen gelang.

Ich weiß, wir waren sehr befreundet. Was für ein Sterben das für ihn war, bis er dazu sagte: „Ja, jetzt sage ich ja dazu. Meine Pläne, meine Wünsche sind mit Christus gestorben, ich sage ja dazu.“

In dieser Arbeit hat sich unter anderem ein Professor der Naturwissenschaften, Rohrbach, von Herzen bekehrt. Wenn ich heute überlege, welch eine riesenhafte Wirkung dieser Naturwissenschaftler, der ein gläubiger Christ ist, hat.

Ich habe ihn neulich eingeladen, an der Staatsbauschule zu reden, da bin ich Studentenpfarrer. Das war nicht mit Misstrauen, die ganze Schule saß da, die Bauräte. Wie sie Schritt für Schritt auf einmal mitgingen, wie er das Evangelium enthüllte, ganz wie ein Mathematiker – so eiskalt – aber wie ihm auf einmal aufging, das ist der Weg, das war überwältigend.

Ich kann die Wirkung nicht abschätzen, aber ich weiß, dass von Rohrbach eine ungeheure Wirkung ausgegangen ist. Rohrbach erzählte mir selbst, wie es kam, dass er durch treue, seelsorgerliche Arbeit von Hans Dannenbaum in Göttingen den Weg zur Wiedergeburt fand.

Verstehen Sie, wenn ich die Wirkung von Rohrbach heute ansehe, von dem Professor Rohrbach, dann sage ich: Hans Dannenbaum hat bei seinem Todessterben mehr bewirkt als in seinem ganzen Leben. Und er ist nur einer von denen, die es um den Glauben geführt hat. Verstehen Sie?

Aber Gott musste ihn erst ausziehen, zerbrechen. Er musste dieses Scheitern erleben, dieses Sterben durchmachen und ja dazu sagen. Und dann gab es sie. Dies ist Ihnen wenig deutlich, dieses merkwürdige Gesetz des Reiches Gottes.

Das Beispiel Graf Pückler

Ich möchte ein anderes Beispiel erzählen, das Ihnen vielleicht bekannt ist. Aber ich kann es mir jetzt nicht verkneifen. Wenn Sie die Geschichte kennen, freuen Sie sich sicher, einen alten Bekannten wiederzutreffen.

Es geht um die Geschichte vom Grafen Pückler. Ich sage immer: nicht der Fürst Pückler, der Erfinder des Pücklereises, sondern der Graf Pückler – eine Stufe tiefer, ohne Krone. Er hat seinerzeit die erste evangelische Studentenarbeit ins Leben gerufen, die sogenannte DCSV, die Deutsche Christliche Studentenbewegung. Er war ein gesegneter Mann, doch im Alter wurde er, wie es bei alten Leuten manchmal vorkommt, etwas eigenartig.

Zum Beispiel war er ganz überzeugt davon, dass alles Führung sein müsse. Bei einer Konferenz mit tausend Studenten sollte gesungen werden. Pückler saß da und sagte kein Wort. Dann stieß er jemanden an und sagte: „Nun sag schon das Lied.“ Die Antwort war: „Ich brauche Führung, ich muss warten, bis Gott mir sagt, welches Lied.“ Das war natürlich schrecklich. Die Studenten sagten: „Mensch, so sitzen wir hier in peinlichem Schweigen, das geht nicht weiter.“

Eines Tages kamen sie darauf, dass der Alte vom Vorsitz zurücktreten müsse. Diesen Moment sollte man nie zu lange abwarten. Doktor Humburg hat von dieser Sitzung erzählt. Die jungen Leute kamen dann und sagten: „Lieber Graf, geben Sie die Leitung an einen jüngeren Mann ab.“ Der Graf war ganz konsterniert. Es war ja seine Gründung, er hatte die Bewegung ins Leben gerufen. Er hatte noch gar nicht damit gerechnet, dass das Kind selbstständig geworden war. So ist das oft: „Das ist doch mein Kram hier.“ Außerdem war der Begriff „jüngerer Mann“ für ihn nicht angenehm.

Die Studenten wurden dann deutlich und machten ihm klar, dass er zurücktreten müsse. Sie machten ihn richtig fertig. Der Graf sagte kein Wort mehr. Doktor Humburg meinte, das sei eine schöne Geschichte. Von diesem Moment an habe der Graf einen unaussprechlichen Zug im Gesicht gehabt, wenn die Studenten so loslegten.

Doktor Humburg, der mit Graf Pückler befreundet war und Leiter der Bekenntniskirche im kirchlichen Jahr, fragte den Grafen später: „Graf, was haben Sie gedacht? Sie sahen so ganz anders aus, man konnte es kaum beschreiben, wie Ihr Gesichtsausdruck war.“ Da sagte Graf Pückler: „Ich habe unablässig nur gebetet: Herr Jesus, halt die Nägel fest!“

In diesem Augenblick wurde ihm klar, dass sein Leben mit Jesus sterben müsse. Auch seine christlichen Pläne wurden ihm genommen. Jetzt musste er sterben. Und er konnte nur beten: „Herr Jesus, halt die Nägel fest, ich bin mit Christus gestorben.“

Dann wurde er abserviert und schwieg. Doch von da an strahlte er eine wundervolle seelsorgerliche Wirkung aus. Von ihm gingen Ströme des Segens aus, weil er plötzlich aus allem herausgetreten war. Nicht nach seinem Sterben, sondern aus seinem Sterben heraus kam diese Wirkung.

Ich glaube, das macht das Leben von Christen, besonders von älteren Christen, schön: wenn sie sterben lernen. Wehe, wenn wir das nicht lernen! Die jungen Leute dürfen noch, wie Füllen auf der Weide, ihre eigenen Pläne durchsetzen. Sie dürfen im Christlichen noch vieles selbst gestalten. Aber je reifer wir werden, desto mehr nimmt uns der Heiland in seinen Tod hinein.

Sie wissen, wie ich mich in letzter Zeit mit diesem Thema beschäftige und wie oft ich Ihnen den Vers sage: „Liebe, zieh mich in dein Sterben!“ (1. Korinther 5,3-12). Achten Sie darauf, dass in diesem Vers steht: „Liebe, zieh mich in dein Sterben!“ Nicht: Ein harter Herr nimmt mich in seinen Tod. Sondern der, der mich über alles liebt, der mich zubereiten will, nimmt mich in seinen Tod.

„Liebet sie mich dein Sterben, lass mich mit dir gekreuzigt sein, was ein Reich nicht könne erben.“ Das will geübt werden im Christenstand.

Die Kraft der Hingabe im Alltag

Darf ich mal lachen? Bitte lachen Sie mich nicht aus, wenn ich noch einmal von meiner Mutter spreche. Ich habe mich manchmal gefragt, worin das Geheimnis dieser Frau lag, die in Frankfurt als Fachfreund einen unerhörten Einfluss ausübte. Später, als alte Frau in einem Dorf, eine Stunde von der Bahn entfernt, hatte sie eine Wirkung, dass unablässig Gäste da waren: Studenten, Professoren und Leute aus aller Herren Länder kamen zu ihr.

Dann hießen die Pfannkuchen in der Küche Nadine Pfannkuchen, und es wurde nicht über Patriarchien gesprochen, in denen sie namentlich Einfluss auf ihre Kinder gehabt hätte. Wir drei Söhne – Johannes Busch, Friedrich Busch und Wilhelm Busch – haben sie glühend verehrt. Wenn sie etwas sagte, galt das. Nicht einfach so, sondern weil sie Vollmacht hatte.

Auch ihre Schwiegerkinder, so leicht es ist – ich möchte jetzt nicht herumfragen, wie viele Schwiegermütter hier sind, die Krach mit ihren Schwiegertöchtern haben – alle Schwiegerkinder hingen glühender Liebe an ihr. Ich habe mich gefragt, worin lag ihr Einfluss?

Ich kann nur sagen: Er lag darin, dass sie eben gar nicht herrschen wollte, dass sie gar nicht regieren wollte. Denn das wollte sie nicht. Alles eigene Regierenwollen war ihr fremd. Darum hatte sie Macht über das Menschenherz.

Oh, ihr Lieben, ich rede jetzt mal mit Schwiegervätern und Schwiegermüttern: Man will die Kinder noch an der Strippe behalten – das geht schief, das endet mit Krieg und Geschrei. Glauben Sie mir!

Wenn Sie sterben, dann will ich jetzt nichts mehr als das: Lieber Heiland, nimm mich in dein Sterben auf, lass mich mit dir gekreuzigt sein. Was ein Reichen, Herr! Und dann gibt uns Gott Macht über das Menschenherz.

Ich muss vom Sterben reden. Ich habe mir schwer überlegt, Geschichten und Beispiele. Verstehen Sie: Ich hätte so gern ein Beispiel von irgendeinem Kaufmann oder so, was das heißt. Aber alles, was ich erzähle, spielt sich im pastoralen Bereich ab.

Das Beispiel Hans Nürsch

In Köln-Sarnach habe ich gedacht: Jetzt kommt eine schöne Geschichte von Kaufmann. Ich kenne einen Freund, der heißt Hans Nürsch. Ein wunderbarer Kerl, ein Schweizer. Er hat Geld und fährt einen tollen Wagen. Er hat auch Stickereien, die sich im Ausland sofort verkaufen – großartig. Über dieses Thema kann man viel aus seinem Leben erzählen, wie Gott ihn von Jugend an das Sterben gelehrt hat.

Erlauben Sie mir, eine von seinen Geschichten weiterzuerzählen. Ich denke, er nimmt mir das nicht übel. Er sagte, sie waren eine größere Kinderschar, und er war der Älteste. Er wollte unbedingt Lehrer werden. Sie waren sehr einfache Leute, nicht? Also waren sie arme, einfache Leute. Das war sein Traum: Lehrer zu werden. Er hat in der Schule gelernt, damit er wenigstens später das Lehrerseminar besuchen kann. In der Schweiz gab es solche Seminare.

Gerade als er von der Schule kommen sollte, um loszulegen, starb sein Vater ganz plötzlich. Es war eine fromme Familie. Seine Mutter sagte: „Ich weiß, dass ihr mir jetzt nichts geben könnt. Aber ich werde in den Ferien arbeiten und mein Geld verdienen, damit ich das Lehrerseminar besuchen kann.“ Doch die Mutter sagte auch: „Mein lieber Sohn, Gott hat dich an eine Stelle gestellt, an der du nicht nur an dich denken darfst. Du musst jetzt, damals war die Welt arm, du bist der Ernährer der Familie. Du kannst nicht nur deine Laufbahn machen, du musst für die kleinen Geschwister sorgen. Es hilft nichts, du musst morgen früh in die Fabrik.“

Er sagte: „Das kann ich nicht.“ Die Welt brach für ihn zusammen. Lebenswünsche – ein Schwert ging durch seine Seele. In diesem Moment stand der junge Kerl vor der existenziellen Entscheidung seines Lebens. Er dachte: „Ich will nicht daran denken.“ „Mach du dir Sorgen um die Kinder, wer sonst, wenn nicht du? Ich verlange von euch nichts, aber ich will meinen Weg durchbringen.“ Doch diesen Weg konnte er nicht gehen.

Er wusste auch, dass das vierte Gebot lautet: Vater und Mutter ehren. Er hat es so ausgedrückt: „Das Herz bewegt mich.“ Da war er erschlagen. Er ging hinaus an den Haag und weinte ein paar Tränen. Am nächsten Tag ging er in die Fabrik.

Wissen Sie, da lagen ein paar Tränen eines jungen Mannes am Haag. Dann ging er in die Fabrik. Dort wurden alle seine Wünsche begraben. Doch Gott hat es ihm gelingen lassen, vom Schiffliebub zum reichen Fabrikanten zu werden. Nun kann er im Großen das Reich Gottes fördern. Ich glaube, es gibt kein Reich-Gottes-Werk, das er nicht unterstützt hätte. Niemals.

Ich kann ihm nicht sagen, warum, aber er hat das gewissermaßen aufgebaut. Kennen Sie die schöne Geschichte? Ich war einmal in Straßburg bei einem wunderbaren inneren Missionspfarrer. Die sind sehr arm, die Ältesten. Da stiegen wir in seinen Wagen. Er hat so einen schönen Wagen in Pöschow. Ich sagte: „Ich habe einen Mercedes, den habe ich von einem Freund aus der Schweiz, von Hans Nürsch.“ Er antwortete: „Was meinst du, wo ich meinen Wagen herhabe? Den hat er auch bezahlt.“ Da dachte ich: „Oh Herr, wo hat er überall seine Finger in allen Reich-Gottes-Unternehmungen drin?“

Verstehen Sie, Gott hat ihm ein Leben geschenkt, in dem er das weitergeben konnte, was er eigentlich wollte. So stand ihm der Lehrerberuf vor Augen.

Schlussgedanke: Sieg durch Hingabe und Sterben mit Christus

Ich muss schließen. Er hat nur den ersten Teil gehabt. Wollen Sie das mal mitnehmen?

Die seltsamen Siege im Reich Gottes geschehen durch Sterben. Je mehr wir uns vom Gottensterben führen lassen, desto gesegneter wird unser Leben.

Setzen Sie nicht Ihren Willen durch, setzen Sie nicht Ihren Willen gegen Gott durch. Je mehr wir mit Jesus sterben, desto gesegneter werden wir.