Wir sind also stehen geblieben bei Johannes als Autor des 1. Johannesbriefes. Aus einer großen zeitlichen Distanz schreibt er über die
Zeit des Kommens des Herrn Jesus. 1. Johannes 1,1:
Was von Anfang war,
was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und
unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens.
Die Bibel
beginnt ja mit dem Begriff «im Anfang» schuf Gott die Himmel und die Erde.
Dieser Begriff, Anfang, kennzeichnet den Beginn der Erschaffung der Welt.
Und so wird das im Neuen Testament auch wieder aufgenommen. Über diesen
Anfang wird auch im Neuen Testament gesprochen. So zum Beispiel in Johannes
1,1:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und das Wort war
Gott.
Im Anfang wurde nicht das Wort, es kam nicht ins Dasein, sondern es
war. Das griechische Imperfekt drückt eine fortdauernde Handlung oder ein
fortdauerndes Dasein aus, darum bedeutet dieses Im Anfang war, dass er
einfach da war. So wird dieses «im Anfang» wieder aufgenommen, aber hier im
Johannesbrief «was von Anfang war», da geht es um das Kommen des Herrn
Jesus. Mit dem Kommen des Herrn Jesus wurde nämlich die neue Schöpfung
eingeleitet. Und das wird auch Anfang genannt und das wiederholt im 1. Johannesbrief. Also was von Anfang war, da geht es um die Zeit des Kommens
des Erlösers. Und da sagt er: "Was wir gehört, was wir mit unseren Augen
gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben."
Er kommt immer
näher, oder? Wir haben diesen Menschen Jesus Christus, diesen Mensch
gewordenen Gott, gehört, akustisch wahrgenommen. Wir haben ihn mit unseren
Augen sogar gesehen. Er macht sich hier mit dem «wir», eins mit den
Aposteln. Wir sind Augenzeugen, aber mehr, nicht nur haben wir ihn gesehen,
wir haben ihn angeschaut. Das ist ein intensives Betrachten. Sie haben ihn
genau beobachtet. Und noch mehr, er sagt, wir haben ihn sogar mit unseren
Händen berührt.
Eine der größten Gefahren der ersten Christen war die Irrlehre der
Gnosis. Diese Irrlehre hat Wurzeln in der griechischen Philosophie. Das
Denken war, alles, was irgendwie mit Materie zu tun hat, ist schlecht,
minderwertig. Was Wert hat, ist nur das Geistige. Und die Gnostiker suchten
nach höherer Erkenntnis. Für sie war das nicht schlecht, wenn jemand
gläubig war, aber dann brauchte man noch etwas weiteres, eine höhere
Erfahrung. Und nicht nur einfach intellektuelle Erkenntnis, sondern
geistige Erkenntnis auf einer höheren Erleuchtungsstufe. Also es ist eine
mystische Bewegung und hat sehr viel gemeinsam mit dem Denken in unserer
Kultur seit den 60er Jahren. Das war die Zeit mit Rockmusik, Drogen und
freiem Sex. Da kam diese mystische Welle über das Abendland. Also diese
Gnosis war eine tödliche Gefahr für die ersten Christen, denn aus dieser
Lehre kam dann der Gedanke heraus, Jesus Christus ist kein wirklicher
Mensch geworden, denn dann hätte er ja das Minderwertige der Materie an
sich gehabt. Er hatte in Wirklichkeit nur einen Scheinleib. Er war eine
geistige Erscheinung ohne einen wirklichen Körper. Johannes aber sagt, wir
haben ihn gehört, wir haben ihn gesehen, wir haben ihn angeschaut und wir
haben ihn betastet. Johannes 1,14:
Das Wort ward Fleisch und wohnte unter
uns.
Das Johannesevangelium und die ersten beiden Johannesbriefe sind samt
und sonders Kampfschriften gegen die Gnosis. Aber es ist schon erstaunlich,
wie er das aus einer Rückschau von vielleicht 60 Jahren schreibt. Was
mochten die Zuhörer gedacht haben? Es waren Leute, für die das schon lange
Vergangenheit war, dass Jesus Christus gekommen war. Sie gehörten nicht
mehr einfach zu der ersten Generation. Und er sagt: Seht, wir wissen das
alles noch aus eigener Anschauung und haben das ganz konkret erlebt. Wir
haben ihn berührt. Wir wissen, Jesus Christus ist ein wirklicher Mensch
geworden.
Und was noch schön ist, der Apostel benutzt ungewöhnliche Zeitformen: Was
von Anfang war, was wir gehört haben. Normalerweise würde man da einen
Aorist setzen. Der Aorist entspricht so dem Imperfekt im Deutschen. Ich
ging in den Wald, schlug einen Baum, trug ihn nach Hause. So erzählen wir,
Imperfekt, in normalen abgeschlossenen Handlungen, dem griechischen Aorist.
Aber hier benutzt er das Perfekt. Fast der gleiche Name, aber das bedeutet
in der griechischen Grammatik etwas vollkommen anderes. Perfekt bedeutet
eine Handlung, die vollendet ist in der Vergangenheit, deren Wirkung aber
bis jetzt anhält. Also das heißt gewissermaßen: Was wir gehört haben, aber
ich höre es jetzt noch in meinen Ohren. Was wir gesehen haben, und ich sehe
ihn jetzt noch vor mir.
Merkt man die Tragweite? Also der völlig neue
Anfang durch das Kommen des Erlösers. Gott wurde ein wirklicher Mensch und
wohnte unter uns. Und auf diesen Anfang wird dann immer wieder Bezug
genommen. Kapitel 2,13:
Ich schreibe euch, Väter, weil ihr den erkannt
habt, der von Anfang ist. Ich schreibe euch, Jünglinge, weil ihr den Bösen
überwunden habt. Ich schreibe euch, Kindlein, weil ihr den Vater erkannt
habt.
Oder schon vorher in Vers 7:
Geliebte, nicht ein neues Gebot
schreibe ich euch, sondern ein altes Gebot, welches ihr von Anfang hattet.
Das alte Gebot ist das Wort, welches ihr gehört habt.
Oder Vers 24:
Ihr,
was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was
ihr von Anfang gehört habt, so werdet auch ihr in dem Sohne und in dem
Vater bleiben.
Das ist also die Wahrheit, die durch das
Erscheinen Jesu Christi gekommen ist. Und die Christen müssen ganz in dem Anfang
bleiben, das festhalten, auch wenn schon ein so großer Abstand von etwa 60
Jahren da ist. Wie viel aktueller ist das für uns heute. Wir müssen genau
bei dem bleiben, was von Anfang an war, auch wenn wir fast 2000 Jahre
später leben. Wir dürfen nicht denken, die Wahrheit entwickelt sich. Die
Wahrheit Gottes entwickelt sich nicht. In diesem Sinne sind bibelgläubige
Christen absolut konservativ. Aber konservativ bedeutet ja bewahrend. Indem
sie bleiben in dem, was von Anfang war, und sich nicht auf menschlichen
Erfindungen oder Dogmen aus späterer Zeit abstützen und auch nicht auf den
Zug verschiedener Zeitströmungen aufspringen. Das, was von Anfang war.
Der 2. Johannesbrief ist eine Kampfschrift auf der gleichen Linie. Da
wird von Verführern gesprochen, in Vers 9:
Jeder, der weitergeht und nicht
bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt,
dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn.
Da haben wir die Leute, die
eine geistige Entwicklung der Wahrheit wollen: Jeder, der weitergeht. In
diesem Sinne progressiv. Progressiv kommt ja vom lateinischen und bedeutet
fortschreitend im Gegensatz zu konservativ, bewahrend. Nun, die Irrlehrer
sind die Progressiven, sie gehen weiter und bleiben nicht in der Lehre des
Christus. Aber die haben wir da in der Bibel, das ist das, was wir von
Anfang haben. Aber die Progressiven gehen weiter. Zum Beispiel die
Anthroposophen lehren ja, dass das ganz gut war, was Christus gebracht hat,
aber das war für das geistige Niveau der damaligen Zeit. Heute sind wir in
unserer geistigen, okkulten Erkenntnis viel weiter. Das ist genau das, die
gehen weiter. Und Johannes sagt, wer weiter geht und nicht bleibt in der
Lehre, hat Gott nicht. Wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater
als auch den Sohn. Also das zu dem wichtigen Begriff des Anfangs.
Jetzt die Grobstruktur von 1. Johannes. Da ist mir aufgefallen, man
findet wieder diese Zyklen entsprechend der Thora. Das ist ja am Anfang
sehr leicht zu ersehen.
I.) Es beginnt mit «was im Anfang war», wie das 1. Buch Mose mit «Im
Anfang schuf» anfängt.
Und dann wird erklärt wie Gott sich geoffenbart hat
durch Christus, Vers 5: Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört
haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in
ihm ist.
Und da haben wir im Schöpfungsbericht am ersten Tag, wie Gott
sein Licht in die Finsternis leuchten ließ und das Licht von der Finsternis
schied. Das heißt nicht, dass es vorher so irgendwie grau war und dann ist
das Licht ganz klar vom Finsteren getrennt, sondern es ist ein
begriffliches Trennen. Gott trennt begrifflich zwischen Licht und
Finsternis. Es gibt bei ihm keine Vermischung der Begriffe. Gott ist Licht
und gar keine Finsternis ist in ihm. Also so entspricht Johannes 1,1-5 dem
ersten Mosebuch.
II.) Die Verse 6-10, wo es um das Blut Jesu geht.
Vers 7: Wenn wir aber
in dem Lichte wandeln, wie er in dem Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft
miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von
aller Sünde.
Das erste Mal, wo Blut in Verbindung mit Opfern vorkommt, ist
beim Passahlamm in Ägypten, 2. Mose 12. In ganz Ägypten gab es Finsternis,
aber in den Häusern der Israeliten war Licht. Das Passahlamm, das Blut des
Lammes.
III.) Kapitel 2, 1-2 haben wir schon gelesen. Johannes erklärt, wir haben
einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten, und er ist
die Sühnung für unsere Sünden.
Der Jom Kippur, der große Versöhnungstag,
steht im großen Opferkapitel, in 3. Mose, 16. Und er erklärt aber, der Jom
Kippur durch Jesus Christus ist größer, denn es ist nicht nur ein Opfer für
ein Volk, sondern ein Opfer im Blick auf die ganze Welt.
IV.) Kapitel 2, 3-6 entspricht dem 4. Buch Mose, dem Buch der
Wüstenwanderung.
Vers 3: Und hieran wissen wir, dass wir ihn kennen, wenn
wir seine Gebote halten. Und Vers 6: Wer da sagt, dass er in ihm bleibe,
ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt hat.
Also die
echte Kenntnis Gottes zeigt sich in der Schuld, so zu wandeln, wie Christus
gewandelt ist.
V.) Kapitel 2, 7-11 entsprechend dem 5. Buch Mose, wo ja die früheren
Gebote wiederholt werden, darum nennt man es ja auch Deuteronomium.
Vers 7: Geliebte, nicht ein neues Gebot schreibe ich euch, sondern ein altes
Gebot, welches ihr von Anfang hattet. Das alte Gebot ist das Wort, welches
ihr gehört habt.
Das 5. Buch Mose ist nicht nur einfach eine Wiederholung.
Darum nenne ich es auch gar nicht gerne Deuteronomium, denn das trifft nur
zum Teil zu. Das 5. Buch Mose bringt auch neues Material, neue Aufschlüsse
und Gebote. Vers 8: Wiederum schreibe ich euch ein neues Gebot, das was
wahr ist in ihm und in euch, weil die Finsternis vergeht und das
wahrhaftige Licht schon leuchtet.
Dann folgt ein zweiter Zyklus.
I.) Kapitel 2, 12-27, wo es wiederholt um den Anfang geht.
Das haben wir
ja schon gelesen. Vers 13: Ich schreibe euch, Väter, weil ihr den erkannt
habt, der von Anfang ist. Ich schreibe euch, Jünglinge, weil ihr den Bösen
überwunden habt. Ich schreibe euch, Kindlein, weil ihr den Vater erkannt
habt. Vers 24: Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch. Wenn
in euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet auch ihr in dem
Sohne und in dem Vater bleiben.
Man beachte das wiederholte Wort
«bleiben». Im Gegensatz zum Fortschreiten.
II.) Kapitel 2,28-3,3. Da geht es um die Kinder und den Vater, die
zusammen ein Volk bilden.
Kapitel 3,1: Sehet, welch eine Liebe uns der
Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Deswegen erkennt
uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Das 2. Buch Mose ist
das Buch der Auserwählung Israels als Volk Gottes.
III.) Kapitel 3,4-12. Da geht es wieder um das Opfer Christi.
Vers 5: Und ihr wisset, dass er geoffenbart worden ist, auf dass er unsere Sünden
wegnehme; und Sünde ist nicht in ihm. Das ist entsprechend 3. Mose, dem
Opferbuch.
IV.) Kapitel 3,13-17. Dieser Abschnitt entspricht dem 4. Buch Mose.
Und
da haben wir wieder die Schuldigkeit des Wandels. Vers 16: Hieran haben
wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben dargelegt hat; auch wir
sind schuldig, für die Brüder das Leben darzulegen. Die gleiche
Schuldigkeit wie schon vorher beim 4. Buch Mose.
V.) Kapitel 3,18-24. Entsprechend dem 5. Buch Mose kommt hier der
Auftrag die Gebote zu halten.
Vers 22b: Weil wir seine Gebote halten und
das vor ihm Wohlgefällige tun. Vers 24: Und wer seine Gebote hält, bleibt
in ihm, und er in ihm; und hieran erkennen wir, dass er in uns bleibt,
durch den Geist, den er uns gegeben hat.
Und dann kommt wieder ein neuer Zyklus.
I.) Kapitel 4,1-3 entspricht dem 1. Buch Mose.
Und hier geht es darum,
die Geister zu prüfen, klar zu scheiden zwischen Licht und Finsternis,
zwischen Irrtum und Wahrheit. Vers 1: Geliebte, glaubet nicht jedem
Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele
falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen.
II.) Kapitel 4,4-6 entsprechend dem 2. Buch Mose.
Hier geht es um den
Gegensatz des zwischen dem Volk Gottes und der Welt, wie in 2. Mose Ägypten
und das daraus befreite Volk. Verse 4-6:
Ihr seid aus Gott, Kinder, und
habt sie überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der,
welcher in der Welt ist. Sie sind aus der Welt, deswegen reden sie aus der
Welt, und die Welt hört sie. Wir sind aus Gott; wer Gott kennt, hört uns;
wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der
Wahrheit und den Geist des Irrtums.
Kontrast Ägypten-Israel. Übrigens ein
ganz wichtiger Vers hier: Wir sind aus Gott. Das sagt Johannes und macht
sich eins mit den anderen Aposteln. Und weiter sagt er: Wer Gott kennt,
hört uns. Wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Das heißt, wir können
erkennen, ob jemand Leben aus Gott hat, ein echter Christ ist, nämlich wenn
er bereit ist, das Wort der Apostel in der Bibel als Gottes Wort
anzunehmen und sich darunter zu stellen. Und wenn jemand sagt, das hat der
Paulus gemeint und das war sowieso ein Frauenverächter und so weiter, dann
wird es mir schwül. Ja, das ist schon sehr ernst, weil wir hier ein
Kennzeichen haben. Wer Gott kennt, hört uns. Das neue Leben ist bereit, auf
das, was die Apostel uns aufgeschrieben haben, zu hören. Und umgekehrt, wer
nicht aus Gott ist, hört uns nicht.
Ich war vor kurzem bei einer Diskussion
dabei und da hat ein Methodistenpfarrer die Meinung vertreten, die Bibel
wird Gottes Wort, wenn wir auf das Wort hören, das heißt beim Hörvollzug
wird es zum Wort Gottes. Aber Gott kann nicht nur den Text der Bibel dazu
benutzen, sondern er kann auch zum Beispiel ein Bonnhöferlied dazu
benutzen. Das ist die klare Verwerfung der Bibel als Gottes Wort und das
ist dann schon ernst. Und das hat dann auch Konsequenzen gehabt. Er ist
dann ein bisschen ungehalten geworden, weil ich ihn in diesem Punkt
angegangen bin und dann hat er gesagt: Es kommt ja überhaupt nicht darauf
an, ob man es so oder so sieht. Dann habe ich gesagt: Natürlich kommt es
drauf an. Vorher hatte er nämlich gesagt: Was sind doch das für komische
Leute, die da eine Sache draus machen, ob nun vorehelicher
Geschlechtsverkehr erlaubt ist oder nicht. Da habe ich gesagt: Klar kommt
es drauf an. Wenn ich nämlich glaube, dass die Bibel Gottes Wort ist und
nicht nur dann, wenn sie mir etwas sagt, dann ist das für mich klar, wenn
die Bibel sagt, vorehelicher Geschlechtsverkehr ist Hurerei, dann ist das
auch so. Also es kommt sehr wohl darauf an. Aber wenn jemand so über Gottes
Wort spricht, dann muss ich sagen: Wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht.
Und weiter: Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des
Irrtums. Ja, das so nebenbei eingeflochten.
III.) Kapitel 4,7-10, das Opfer Jesu.
Und da haben wir wieder diese
schönen Stellen im Johannesbrief über die Sühnung. Zum Beispiel Verse 9-10: Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen
eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, auf dass wir durch ihn leben
möchten. Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern
dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere
Sünden. Das ist das 3. Buch Mose mit dem Versöhnungstag.
IV.) Kapitel 4,11-21 entsprechend dem 4. Buch Mose, die Pflicht des
Wandels.
Da wird wieder diese Schuldigkeit genannt, nach den Geboten Gottes
zu leben. Vers 11: Geliebte, wenn Gott uns also geliebt hat, so sind auch
wir schuldig, einander zu lieben. Jedes Mal in diesem vierten Teil, wo die
Parallele zum 4. Buch Mose ist, haben wir diese Schuldigkeit gefunden, so
zu wandeln, wie er gewandelt ist und eben das zu tun, was Gott uns sagt.
V.) Kapitel 5,1-5 entsprechend dem 5. Buch Mose, haben wir wieder die
Gebote Gottes vorgestellt.
Verse 2-3: Hieran wissen wir, dass wir die
Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn
dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote
sind nicht schwer. Für das neue Leben, für den gefallenen Menschen sind
sie überhaupt nicht zu praktizieren. Das heißt, das neue Leben freut sich,
das zu tun, was Gott will.
Und dann kommt schließlich noch ein vierter Zyklus.
I.) In Kapitel 5,6-13 geht es um Leben aus Gott, entsprechend dem 1.
Buch Mose, wo Gott das Leben schafft.
II.) In Kapitel 5,14-15 geht es um Gebetserhörung. Das ist ganz zentral
im 2. Buch Mose. Denn warum hat Gott Israel damals aus Ägypten errettet?
Gott sagt: Ich habe das Schreien der Kinder Israels gehört und bin
herabgekommen.
III.) In Kapitel 5,16-17 geht es um priesterliche Fürbitte. Das
entspricht natürlich schön dem 3. Buch Mose.
IV.) In Kapitel 5,18-19 geht es um das sich Bewahren in dieser Welt: Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern
der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an. Wir
wissen, dass wir aus Gott sind, und die ganze Welt liegt in dem Bösen.
Das
ist wieder das 4. Buch Mose, die Wüste, die Welt und der Gläubige, der sich
in dieser Welt zurechtfinden muss.
V.) Kapitel 5,20-21, das Verständnis des Wahrhaftigen, entsprechend dem
5. Buch Mose.
Also sehr schön diese Zyklen entsprechend den fünf Büchern Mose.
2. Johannesbrief
Wir kommen jetzt zum 2. Johannesbrief. Auch der stammt von dem Apostel
Johannes, obwohl er sich nur als der Älteste vorstellt. Die Adressaten
sind die gläubige Frau und ihre Kinder. Vers 1:
Der Älteste der
auserwählten Frau und ihren Kindern, die ich liebe in der Wahrheit; und
nicht ich allein, sondern auch alle, welche die Wahrheit erkannt haben.
Und dann spricht er eben auch Dinge an, die nun ganz wichtig sind für eine
Frau, die Kinder hat. Wo ist der Mann? Es wird nichts darüber gesagt. Er
könnte verstorben oder nicht gläubig gewesen sein. Auf jeden Fall hat die
Frau die Verantwortung für diese Kinder in geistlicher Hinsicht. Und nun
gibt dieser 2. Johannesbrief dieser Frau und Mutter Anweisungen, wie sie
bewahrt werden können in einer Christenheit voller Verführer. Es gibt also
schon ein ganz besonderes Gepräge, ein Brief, ausgesprochen gerichtet an
eine gläubige Frau. Er nennt sie übrigens Herrin. Der Älteste der
auserwählten Herrin. Das zeigt also an, dass sie eine sozial hohe Stellung
hatte. Es ist vielleicht erstaunlich, dass er sie mit einem Titel
anspricht, denn wir wissen ja aus Matthäus 23, dass Titel eine gefährliche
Sache sind. In Matthäus 23 sagt der Herr Jesus in Vers 8 den Aposteln: Ihr
aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr
alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemand auf der Erde euren Vater
nennen; denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist. Lasst euch auch
nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus." Also hier
wird gewarnt vor Titeln.
Was auffällt: Es geht hier um geistliche Titel. Also wenn man jemanden
nicht Vater nennen soll, dann heißt das nicht, dass meine Kinder mich nicht
Vater nennen sollen. Das ist nicht mein geistlicher, sondern mein
natürlicher Titel für die Kinder. Aber jemanden gewissermaßen als
geistlichen Vater so anzusprechen, das ist Papa auf italienisch, der Papst
ist der papa, das sollen wir nicht. Oder hochgestellte Leute in der
katholischen Kirche werden mit Heiliger Vater angesprochen. Oder der Abt,
das kommt von dem aramäischen abba, Vater. Das sind geistliche Titel, die
ganz klar verboten werden. Darum hat keiner der Apostel, auch nicht der
Petrus, sich jemals papa nennen lassen. Und Lehrer? Auch da geht es um den
geistlichen Titel des Lehrers. Desgleichen bei Meister. Also wichtig, man
könnte sagen, damit wird nicht der akademische Titel verboten. Wenn man zum
Beispiel zum Arzt geht und ihn als Herr Doktor anspricht, dann ist das
etwas anderes, als wenn man jemanden gewissermaßen als Rabbi oder Pfarrer
nennt. Mit diesem Titel habe ich effektiv Mühe, denn das ist ein
geistlicher Titel. Ich meine rein vom Recht, vom Studium her, könnte ich
mich auch Pfarrer nennen lassen, aber es käme mir nicht im Traum in den
Sinn, denn das wäre eine ganz klare Verletzung dieser Gebote des Herrn.
Aber hier geht es um einen sozialen Status und darum kann Johannes sie
ansprechen mit kyria, Herrin. Also es ist kein Problem, wenn wir schreiben,
sehr geehrter Herr Bundesrat, sehr geehrter Herr Botschafter. Ja, das ist
auch richtig so, denn es steht geschrieben: Gebt die Ehre, dem die Ehre
gebührt. Das ist ein biblischer Grundsatz, Römer 13.
Zeit und Ort der Abfassung. Der zweite Johannesbrief kommt ja nach dem
ersten, also etwa 90-100 n. Chr.. Der Abfassungsort ist
höchstwahrscheinlich wieder Ephesus.
Die Grobstruktur:
I.) Der Gruß, Verse 1-3
Aber das tönt so simpel, der Gruß. Das Grußwort
ist so tiefsinnig, wie immer in der Bibel. Und wir finden in diesem Gruß
übrigens eine Bezeichnung des Herrn Jesus Christus, die wir nur an dieser
Stelle in der Bibel finden. In Vers 3: Es wird mit euch sein Gnade,
Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und von dem Herrn Jesus
Christus, dem Sohne des Vaters, in Wahrheit und Liebe. Der Herr Jesus wird
immer wieder der Sohn Gottes genannt, aber nur einmal hier der Sohn des
Vaters. Und da geht es um diese ewige Beziehung des ewigen Sohnes zu dem
ewigen Vater. Übrigens heißt Sohn des Vaters auf aramäisch Bar-abba,
griechisch ausgesprochen Barabbas. Ist doch schon erstaunlich, vor Pilatus
mussten sie wählen zwischen dem Sohn des Vaters, Barabbas, und dem Sohn des
Vaters, Jesus Christus. Und sie haben einen Mörder gewählt anstatt den, der
sagen konnte: Ich bin das Leben. Also das ist so tief. Es klingt so profan,
wenn man einfach sagt, Verse 1-3 Gruß, und dann kann man schon weiter
gehen. Das ist also nicht so gemeint.
II.) Gottes Gebote, Verse 4-6
Und wieder wird betont, dass echtes
Christsein im Halten der Gebote Gottes sichtbar wird. Das ist schon
interessant. Wir leben ja in einer Zeit, wo in der evangelikalen
Christenheit mit den Geboten so umgegangen wird, dass man sagt: Gebote
waren etwas für das Judentum und wir sind daran nicht mehr gebunden, wir
können praktisch alles machen. Die Gebote gibt es praktisch gar nicht mehr.
Wir haben im Neuen Testament aber ganz konkrete Gebote und da gilt: Wer uns
hört, ist aus Gott.
III.) Warnung vor Antichristen, Verse 7-11
Das sind also so Irrlehrer
der höchsten Stufe, die die Person von Jesus Christus angreifen. Sie
bringen die Lehre über Christus nicht. Die Lehre des Christus bedeutet, die
Lehre darüber, wer Jesus Christus ist. Also Menschen, die seine wahre
Menschheit, seine Gottheit, seine ewige Gottessohnschaft und so weiter,
leugnen. Man soll sie abweisen und sie nicht ins Haus aufnehmen.
IV.) Der Brief endet mit einem Gruß, Verse 12-13
Was das beinhaltet, kann
man selber nachlesen.
3. Johannesbrief
Der 3. Johannesbrief ist vom Apostel Johannes geschrieben. Er nennt sich
der Älteste. Er richtet sich an einen gewissen Gajus. Natürlich nach dem
zweiten Brief geschrieben, wieder um 90-100 n. Chr.,
höchstwahrscheinlich aus Ephesus.
Die Grobstruktur:
I.) Verse 1-4, Gruß.
Aber auch da wieder ein sehr tiefsinniger Gruß und
nicht einfach nur ein routinehafter.
II.) Verse 5-8, Ermahnungen im Blick auf Missionare.
Das möchte ich
lesen:
Geliebter, treulich tust du, was irgend du an den Brüdern, und zwar
an Fremden, getan haben magst, (die von deiner Liebe Zeugnis gegeben haben
vor der Versammlung) und du wirst wohltun, wenn du sie auf eine
gotteswürdige Weise geleitest. Denn für den Namen sind sie ausgegangen und
nehmen nichts von denen aus den Nationen. Wir nun sind schuldig, solche
aufzunehmen, auf dass wir Mitarbeiter der Wahrheit werden.
Da geht es also
um Missionare, die ausgegangen sind für das Evangelium. Und da sind die
Christen, die wahren Kinder Gottes, aufgerufen, sie zu unterstützen in
dieser Arbeit. Und zwar, weil sie von den Heiden nichts annehmen. Also sie
machen keine Sammlung irgendwo mitten im Dorf, wo die Heiden dann ihr Geld
einlegen können. Wir sind schuldig, solche aufzunehmen. Ist das nicht
beeindruckend? Der zweite Johannesbrief sagt: Abweisen! die falschen
Missionare, diese Irrlehrer, die kommen, nicht ins Haus aufnehmen. Der
dritte Johannesbrief: Aufnehmen! die wahren Missionare, die für den Namen
ausgegangen sind. So ergänzen sich der 2. und der 3. Johannesbrief.
III.) Verse 9-12, hier geht es um einen Machtmenschen in der Gemeinde.
Vers 9: Ich schrieb etwas an die Versammlung, aber Diotrephes, der gern
unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht an.
Das Problem der
Machtmenschen in der Gemeinde ist bis heute ein Problem. Und in der
Seelsorge stellt man fest, dass die im Normalfall nicht heilbar sind. Das
ist tragisch. Wieso merkt man das übrigens in der Seelsorge? Die kommen gar
nicht. Die haben ja gar keine Probleme. Nur die anderen haben Probleme. Das
ist ein Wunder Gottes, wenn ein Machtmensch geheilt wird und umkehrt. Aber
sie sind eine echte Gefahr in der Gemeinde, weil sie alles zerstören
können. Und hier wird gezeigt, dass man Machtmenschen sich nicht einfach
unterstellt. Und der Apostel Johannes zeigt, er wird diesen Mann zur
Rechenschaft ziehen. Der wirft Brüder aus der Gemeinde hinaus. Der geht
also mit treuen Gläubigen so um, wie man mit Antichristen umgehen muss. Die
müssen wir abweisen, aber die wahren Christen müssen wir aufnehmen.
IV.) Abschlussgruß, Verse 13-15
Judasbrief
So nun kommen wir zum Judasbrief. Der Autor ist Judas und er stellt sich
vor als Bruder des Jakobus. Vers 1: Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder
des Jakobus, den in Gott, dem Vater, geliebten und in Jesu Christo
bewahrten Berufenen.
Er nennt sich nach seinem bekannteren Bruder Jakobus.
Und damit ist der Bruder des Herrn gemeint. In Matthäus 13,55 sehen wir,
dass der Herr Jesus auch noch einen Halbbruder hatte, der Judas hieß. Ich
habe noch mehr Stellen aufgeführt, wo dieser Judas erwähnt wird. Aus 1. Korinther 9, 5 sehen wir, dass er auch verheiratet war. Da sagt Paulus: Haben wir etwa nicht ein Recht, eine Schwester als Weib umherzuführen, wie
auch die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas?
Also die
Apostel waren alle verheiratet, Petrus war verheiratet, die Brüder des
Herrn, Jakobus und Judas, waren verheiratet. Wie man da später auf die Idee
des Zölibats kommen konnte, ist wirklich unglaublich. Aber es ist ja eine
Lehre von Dämonen, nach 1. Timotheus 4, die das Heiraten verbieten. Also
das zur Person von Judas. Er ist also nicht einer der zwölf Apostel. Und
das wird auch deutlich in Vers 17, wo er sagt: Ihr aber, Geliebte,
gedenket an die von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus zuvor
gesprochenen Worte, dass sie euch sagten, dass am Ende der Zeit Spötter
sein werden, die nach ihren eigenen Lüsten der Gottlosigkeit wandeln.
Er
sagt nicht: Hört auf die Apostel, denn wir haben euch ja gesagt, sondern er
sagt: sie haben gesagt. Damit zählt er sich nicht zum Kreis der Apostel. Er
ist in dem Sinn ein neutestamentlicher Prophet. Nach Epheser 2,20 ist die
Gemeinde aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten. Das sind
also Propheten der Anfangszeit, die durch die Apostel anerkannt waren, wie
Jakobus, der als Säule angesehen war, Galater 2, und dann eben auch dieser
Judas.
Die Adressaten: Er schreibt nicht an eine bestimmte Gemeinde, er nennt
auch nicht die Leute, an die er sich richtet. Es ist in dem Sinn ein sehr
allgemein gehaltenes Rundschreiben, das eine Warnung gibt im Blick auf die
Verführung der Christenheit. Und davon mehr nach der Pause.

