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Wenn man nicht mehr glauben kann

Wie werden wir mit dem Leben fertig?, Teil 3/3
01.01.1964
SERIE - Teil 3 / 3Wie werden wir mit dem Leben fertig?

Herr Präsident!

Die Notwendigkeit des Glaubens für das Leben

Wenn man nicht glauben kann, kann man mit dem Leben überhaupt nicht fertigwerden. Wenn man nicht mehr glauben kann, dann kann man mit dem Leben nicht zurechtkommen. Da weiß ich auch keinen Rat. Dem ungläubigen Menschen ist nicht zu helfen.

Ich möchte deutlich machen, warum das so ist. Erstens ist es so, weil der lebendige Gott eine Wirklichkeit ist. Wir bilden uns nicht einfach einen Gott ein, wie einen theologischen Satz, einen Gedanken, eine Naturkraft oder irgendetwas Ähnliches. Meine Freunde, Gott ist eine Person, die wirklich lebt und alles in allem erfüllt.

Wenn ich jetzt keinen Frieden mit Gott habe, also nicht mit Gott in Ordnung bin, wenn ich nicht als sein Kind lebe, dann lebe ich an der Wirklichkeit vorbei. Und das ist eine gefährliche Sache.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Wenn ein Mensch quer über die Autobahn läuft, zum Beispiel bei Mannheim, wo sehr viel Verkehr herrscht, dann wird er bestimmt totgefahren. Wenn man ihm sagt, er darf nicht drüberlaufen, und er antwortet, er glaube nicht an die Autobahn und geht trotzdem, dann wird er trotzdem totgefahren. Ob er daran glaubt oder nicht, es passiert, weil man mit der Wirklichkeit rechnen muss.

Verstehen Sie: Gott ist eine Wirklichkeit. Und der Mensch wird „totgefahren“, wenn er gegen Gott lebt. Das war die große Stunde meines Lebens, als ich als junger Offizier im Ersten Weltkrieg plötzlich begriff: Gott ist ja da. Ich kam mir vor wie jemand, der mit dem Auto gegen die Mauer gefahren ist.

Ich hatte vorher auch gesagt, ich glaube an den Herrgott und all so dummes Zeug, aber ich hatte nicht begriffen, dass Gott Wirklichkeit ist. Und man kann nicht ungestraft an der Wirklichkeit vorbeileben.

Wenn ich also so lebe, als ob Gott nicht da wäre, seine Gebote verachte, den Sonntag nicht heilig halte, Ehebruch begehe, lüge, meine Eltern nicht ehre oder Gott nicht ehre, dann lebe ich an der Wirklichkeit vorbei. Und da kann ich mit dem Leben nicht zurechtkommen – das kann nicht funktionieren.

Schauen Sie sich bitte die Welt an: Die Menschen kommen einfach nicht zurecht, auch diejenigen, die viel Geld verdienen. Im Grunde genommen funktioniert es nicht. In der Familie nicht, im persönlichen Leben nicht, innerlich herrscht Friedlosigkeit.

Also, wie soll ich mit dem Leben fertigwerden, wenn ich nicht im Frieden mit Gott bin? Das kann nicht gelingen – erst recht nicht im Sterben. In hundert Jahren wird ja keiner von uns mehr da sein. Dann haben wir es alle durchgemacht.

Die Herausforderung des Todes und das Gericht Gottes

Ich habe in meinem Krankenhaus einen Besuch gemacht. Dabei sagte ein Mann: „Ich glaube gar nichts.“ Darauf antwortete ich: „Warten wir ab, bis Sie sterben. Sie sind ja auf dem besten Weg dazu.“ Er war schwer krank.

Er entgegnete: „Ich glaube nicht, dass nach dem Tod noch etwas kommt.“ Daraufhin sagte ich zu ihm: „Darüber streite ich nicht mit Ihnen. Das warten wir ab, wir beide.“ Ich fügte hinzu: „In spätestens fünfzig Jahren werden Sie wissen, ob Sie Recht haben oder Gottes Wort.“

Und Gottes Wort sagt: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben.“ Wir haben nur ein einziges Leben. Wenn wir dieses versiebt haben, dann gibt es kein zweites Leben. Dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht Gottes.

Wenn jemand sagt, nach dem Tod kommt nichts mehr, dann sind wir tot. Dann sollte man sich überlegen, ob man lieber seinem eigenen Herzen traut oder dem Wort Gottes. Wie will man im Sterben zurechtkommen, wenn einem plötzlich klar wird, dass man von all dem, was man zusammengerafft hat, nichts mitnehmen kann?

Da hat man vielleicht ein Häuschen gebaut – ich nicht, aber Sie vielleicht. Oder bei mir sind es die Bücher, eine schöne Bücherei. Von all dem, was mir lieb war, auch von Menschen, die mir lieb waren, kann man nichts mitnehmen. Nur eines nimmt man mit, nur eines nimmt man mit in die Ewigkeit: seine Schuld vor Gott, die Übertretung der Gebote Gottes, unsere Schuld. Sonst nichts.

Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Sterben. Plötzlich wird Ihnen klar: Ich muss alles lassen. Und nur von meiner Jugend angefangen, alle Übertretungen und Sünden gehen jetzt mit mir vor das Angesicht des heiligen und mächtigen Gottes.

Wie wollen Sie ohne Glauben zurechtkommen? Und wie will man im Gericht Gottes zurechtkommen?

Die Konfrontation mit Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit

Ich erinnere mich, da war mal ein Essen im Berger während des Streiks. Ich kam an so einer Ecke vorbei, wo jemand auf einer Seifenkiste eine gewaltige Rede hielt, wissen Sie. Als er mich von ferne sah, rief er: „Da kommt der Pfaffel, komm mal her, komm mal her!“ Und wenn ich freundlich eingeladen werde – das sieht man in Mannheim nicht oft – dann komme ich auch.

Also ging ich hin. Um ihn herum standen vielleicht hundert Männer. Wir machten Platz, und ich stellte mich vor den Redner, der auf seiner Seifenkiste stand. Da donnerte er von oben auf mich herab: „Wissen Sie, wenn ich mal vor Gott komme – wenn es einen gibt, was ich ja nicht glaube –, aber wenn es einen gibt, dann will ich ihn fragen: Wie konntest du das alles zulassen, was in der Welt geschehen ist? Wie konntest du zulassen, dass Kinder verhungern, dass Menschen durch Bomben erschlagen werden, dass Menschen ungerecht eingekerkert werden, dass die einen reich sind und die anderen nichts haben? Wie kannst du das zulassen? Und dann werde ich sagen: Hinweg mit diesem Gott!“

Als er so weit gekommen war, sagte ich: „Jawohl, hinweg mit diesem Gott!“ Da entgegnete er: „Na, so dürfen Sie als Pfarrer doch nicht sprechen.“ Und ich antwortete: „Fassen Sie mal auf! Einen Gott, vor dem Sie den Mund so weit aufreißen können, der sich auf die Anklage befangen setzt und von Ihnen angeklagt wird – so einen Gott gibt es nicht. Das ist bloß in Ihrem Kopf.“ Da sah ich ihn weg mit diesem Gott sagen.

„Ah, was gibt es einen heiligen Gott? Vor dem werden Sie stehen, und da werden Sie den Mund gar nicht aufmachen. Und der wird Sie fragen: Wie konntest du mich verachten? Wie konntest du meine Geburt übertreten? Wie bist du auf dem Herz deiner Mutter herumgetrampelt? Dein Leben ist voll Unkreuzheit, du hast gelogen, gestohlen – wie kommst du dazu?“

Dann wird all deine Sünde vor dir stehen wie ein Berg, und du wirst auf tausend Fragen nicht eine Antwort geben können. „Den Gott gibt’s!“ Wie wollen wir im Gericht Gottes zu Recht kommen? Wir werden vor ihm stehen!

Die persönliche Erfahrung mit Verlorenheit und der Ruf zur Umkehr

Ich persönlich kam als junger Mann aus völliger Verlorenheit zum Glauben. Mir wurde bewusst, dass man in die Hölle kommen kann und verloren gehen kann. Dabei überkam mich ein unendlicher Schrecken.

Ich wäre jetzt als alter Mann nicht mehr unterwegs, um solche Evangelisationsversammlungen abzuhalten, wenn ich nicht wüsste, dass Menschen in die Hölle laufen können und dass ich sie warnen muss.

Ich sage noch einmal: Wenn Sie es nicht glauben, dann warten wir ab, ob Sie Recht haben oder Gottes Wort. Ich vertraue dem Wort Gottes mehr als dem klügsten Professor.

Wenn der Herr Jesus, der doch so barmherzig ist, sagt: „Fürchtet euch nicht vor denen, die euch totschlagen können!“ – vor solchen Leuten hätte ich doch Angst, sagt er, das sind kleine Fische. Vor denen fürchtet euch nicht, aber fürchtet euch vor dem, der Leib und Seele verderben kann in die Hölle, vor Gott!

Und als ob ihm ein kalter Schauer über den Rücken läuft, sagt Jesus nochmals: „Ja, vor dem fürchtet euch!“

Hat mal einer gesagt: Soll das ein warmherziger Gott sein, der Menschen in die Hölle wirft?

Dazu kann man nur antworten: Nein, er wirft sie nicht in die Hölle. Den Weg wählen wir uns selbst. Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Darum reden wir vom Glauben, weil Gott einen Weg gezeigt hat, wie man selig werden kann.

Die Sehnsucht der Seele nach Gott als Lebensgrundlage

Nein, sehen Sie, wie soll ich zurechtkommen, wenn ich keinen Glauben mehr habe? Da kommen wir mit dem Leben nicht zurecht.

Lassen Sie mich das noch einmal auf eine andere Weise zeigen. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen netten kleinen Goldfisch. Viele Leute haben so ein Aquarium. Sie kaufen sich einen Goldfisch und möchten ihn schön halten. Deshalb setzen Sie ihn in einen goldenen Käfig und geben ihm das beste Futter. Ich weiß nicht genau, was Goldfische fressen – vielleicht Ameiseneier oder so etwas – aber Sie geben ihm die schönsten Ameiseneier.

Was wird der Goldfisch tun? Wird er dankbar mit den Flossen wackeln? Nein, das wird er nicht tun. Er wird nach Luft schnappen und um sich schlagen. Wenn er reden könnte, würde er sagen: „Ich will deinen goldenen Käfig nicht und deine Ameiseneier nicht. Ich will in mein Element, das Wasser!“

Sehen Sie, unser Element ist der lebendige Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Alles Leben strömt aus ihm – so beginnt auch die Schweizer Nationalhymne: „Alles Leben strömt aus Dir.“ Gott ist unser Element. Solange ich keinen Frieden mit Gott habe, kann ich meiner Seele einen goldenen Käfig geben – aber das hilft nichts.

Verstehen Sie, der Mensch von heute gibt seiner Seele alles: Vergnügen, Reisen, gutes Essen, guten Wein – alles. Und die Seele zappelt und sagt: „Das will ich alles gar nicht. Ich will mein Element, ich will Frieden mit Gott.“ Seien Sie selbst nicht so grausam. Unser Herz schreit in uns, bis es Ruhe findet im lebendigen Gott. Darum kommen wir nicht zurecht.

Wenn wir keinen Glauben haben, wie soll ich dann mit dem Leben fertigwerden? Wenn ich nicht mehr glauben kann, dann kann ich nur sagen: Da wären Sie nicht fertig – weder im Leben noch im Sterben und auch nicht in der Ewigkeit.

Und wenn Sie mir sagen, die Menschen kämen doch alle ganz gut zurecht, dann sage ich: Das ist aber auch nur äußerlich so. Ein Mann wie Goethe, der alles hatte – der schön war, reich war, Minister war, klug war (was ja auch ein großer Vorteil ist, nicht wahr? Dumme tun ja nicht weh, aber immerhin) – also ein Mann wie Goethe, der alles hatte, hat am Ende seines Lebens zu Eckermann gesagt: Wenn ich alle Stunden addiere, in denen ich inniges Behagen empfunden habe, dann kämen nicht einmal drei Tage heraus. So friedlos ist er gewesen. Er dichtete: „Süßer Friede, komm, ach komm in meinen Wust nicht!“ Nein, man kommt nicht zurecht mit dem Leben, wenn man keinen Glauben hat.

Die Bedeutung des richtigen Glaubens

Das war das Erste, was ich ihm sagen musste, und nun kommt mein zweiter Punkt: Es kommt allerdings ganz darauf an, dass Sie den richtigen, rettenden Glauben haben. Jeder Mensch hat einen Glauben, wirklich jeder.

Ich erinnere mich, wie ich als junger Student einmal bei meiner Mutter zu Hause war. Da kam eine Dame, die meine Mutter besuchen wollte. Ich sagte: „Nein, die Frau ist nicht da, sie muss mit mir sprechen.“ Sie war sehr nett und setzte sich. Dann fragte sie: „Was machen Sie denn?“ Ich antwortete: „Ich studiere Theologie.“ Darauf sagte sie: „Theologie? Wer glaubt denn heute noch daran? Glauben ist ja unmöglich.“

Die alte Dame war etwa siebzig Jahre alt. Das war in Oldenfrankfurt, wo Goethe gelebt hat. Sie ließ dann den großen Goethe aufmarschieren und sagte: „Wir haben den Glauben Goethes, und das Christentum ist passé und vorbei.“ Da wurde mir das Gespräch peinlich. Ich wollte mit der älteren Dame keinen Streit anfangen und brachte das Gespräch auf ein anderes Thema. Ich fragte sie: „Darf ich mal fragen, wie es Ihnen geht?“ Sie antwortete: „Toi, toi, toi.“ Ich sagte: „Verzeihen Sie, was heißt ‚Toi, toi, toi‘?“ Sie meinte: „Das bedeutet uns Unglück.“

Da sagte ich: „Ach so, Sie haben den Glauben an den lebendigen Gott weggeworfen, aber Glauben an Holz, das ist eine feine Sache. Da haben Sie den glänzenden Tausch gemacht.“ Verstehen Sie, da wurde mir klar: Jeder Mensch hat einen Glauben. Die Frage ist nur, ob ich den richtigen, rettenden Glauben habe. Und darüber muss ich nun sprechen.

Ich war einmal auf dem Tempel über Feldern am Flugplatz. Da kam ein Reisender im letzten Moment angerast, hielt seinen Pass hin und sagte zum Beamten: „Moment mal, der Pass ist abgelaufen.“ Der Beamte antwortete: „Ach, ach, ach.“ Der Reisende sagte: „Hauptsache, ich habe einen Pass.“ Der Beamte erwiderte: „Nein, nein, Hauptsache ist, Sie haben den richtigen Pass.“

So ist es auch mit dem Glauben in unserer Zeit. Viele sagen: „Hauptsache, ich habe meinen Glauben.“ Sie glauben an den Herrgott, an die Natur, an das Schicksal, an die Vorsehung. Manche glauben sogar an die Vorsehung von Hitler, an die Straßenbahn und vieles andere. Aber das ist kein wahrer Glaube.

Nein, meine Freunde, Hauptsache ist, ich habe den richtigen Glauben. Einen Glauben, der Frieden gibt – Frieden mit Gott, Frieden im Herzen – und der selig macht und retten kann. Ich muss den Glauben haben, der vor der Hölle rettet und der mir hier ein neues Leben schenkt. Sonst kann ich auf den Glauben verzichten.

Viele von Ihnen hier haben einmal an Deutschland, an den Führer geglaubt. Was ist daraus geworden? Wird Ihnen klar, dass es falschen Glauben gibt? Ich muss einen rettenden Glauben haben. Und das ist der Glaube, mit einem Wort gesagt, an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. An Jesus Christus, nicht an einen Religionsstifter – davon gibt es viele –, sondern an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes.

Die Bedeutung von Jesus Christus für den Glauben

Und jetzt muss Kurz davon sprechen, was es mit Jesus auf sich hat. Sehen Sie, ich war in meinem Leben öfter mal im Gefängnis um meines Glaubens willen. Da erinnere ich mich an eine Szene, die mir unvergesslich ist.

Ich saß in einem Gefängnis, das hatte so kalte Betonwände, sehr dünn, aber sehr fest. Wenn im dritten Stock jemand hustete, hörte man das unten. In der Zelle neben mir war ein Mann, der schrecklich unglücklich war. Ich habe nachts gehört, wie er weinte, wie er vor Weinen geschüttelt wurde. Tagsüber hörte ich ihn ruhelos auf und ab gehen, zweieinhalb Schritte hin, zweieinhalb Schritte zurück.

Die Zellen waren so schmal, wir waren wie Tiere eingesperrt. Als ich ihn einmal so schrecklich weinen hörte, so verzweifelt, ging mir das durch und durch. Wenn ein Mann weint, berührt das tief. Ich habe den Mann nie gesehen, ich weiß nicht, wie er aussah, und ich wusste nicht, warum er dort saß. Aber ich hörte sein Elend.

Da habe ich schließlich den Wärter gerufen und gesagt: „Hören Sie mal, ich bin Pfarrer, ich bin Seelsorger. Nebenan ist jemand verzweifelt, lassen Sie mich mal zu ihm, ich möchte mit ihm sprechen.“ Der Wärter antwortete: „Ja, da muss ich erst fragen.“ Dann kam er zurück und sagte: „Er ist abgelehnt.“

Nun konnte ich nur hören, wie der Mann drüben auf und ab lief. Wenn ich seine Friedelosigkeit hörte – zweieinhalb Schritte hin, zweieinhalb Schritte her – dachte ich: „Wenn ich doch die Mauer einschlagen könnte und zu ihm gehe.“ Aber ich konnte es nicht.

Und sehen Sie, so ist es mit Gott. Gott ist ganz nah bei uns, aber in einer anderen Dimension. Wir sind in der dreidimensionalen Welt, Gott ist in einer anderen Dimension, aber ganz nah. Wir können nicht zu ihm, da ist die Mauer.

Und nun hört Gott das Weinen in dieser Welt. Heute Nacht habe ich ein paar Betrunkene singen und schreien gehört, und ich dachte, heimlich ist das ein Weinen der friedelosen Seelen. Zu Gott steigt es auf durch die Wand, wie es auch zu mir kam – aller Jammer, Schmutz und Dreck der Welt.

Und Gott konnte die Mauer kaputthauen. Gott konnte die Mauer zerschlagen. Er zerschlug sie und kam in unser Gefängnis hier – in Jesus.

Als die Engel auf Bethleems Feld verkündeten: „Euch ist heute der Heiland geboren“, da war Gott in seinem Sohn Jesus aus der anderen Welt zu uns gekommen. So sehr hat Gott diese elende Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Sehen Sie, das ist der rettende Glaube an den Sohn Gottes, den Herrn Jesus.

Die Geschichte am Kreuz als Beispiel für rettenden Glauben

Dann erzählt uns die Bibel eine wundervolle Geschichte, in der dieser rettende Glaube geradezu vorgeführt wird.

Gehen wir im Geist etwa zweitausend Jahre zurück, vor die Tore Jerusalems, zum Hügel Golgatha, zur Schädelstätte. Achten wir nicht auf die Menschen, die dort schreien, brüllen und erschrocken sind. Achten wir auch nicht auf die römischen Kriegsknechte, die Wache halten und um die Kleider der Verurteilten würfeln. Stattdessen sehen wir hinauf. Dort, in der Mitte, am Kreuz, hängt der Sohn Gottes.

O, ein Haufen Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, angenagelt. Sein Gesicht ist blutig von der Dornenkrone, die man ihm ins Gesicht gedrückt hat. Dort hängt Gott. Rechts von ihm hängt ein Mörder, der ebenfalls hingerichtet wurde. Links hängt ein weiterer.

Nun wird es dunkel, der Tod naht. Und da fängt einer der Mörder an zu schreien – man kann es verstehen. „Hör mal, du hast gesagt, du bist Gottes Sohn, du in der Mitte. Wenn du es bist und kein Lügner, dann komm herunter und hilf mir auch.“ Oh, man kann verstehen, dass ein Mensch in Todesnot Dinge sagt, die er sonst vielleicht nicht gesagt hätte.

Da meldet sich der andere Mörder. Er rät an Jesus vorbei. Wissen Sie, gehängt, in grausamen Qualen, rät er an Jesus vorbei zu seinem Genossen und sagt: „Und du fürchtest dich immer noch nicht vor Gott?“ Damit beginnt das Verstehen, dass Gott heilig und schrecklich ist.

Als die Bomben über unsere Städte fielen, standen die Menschen fassungslos da. Vielleicht ist es eine Schuld der Kirche, dass man nicht gesagt hat: Gott kann schrecklich sein. Gott kann die Hand abziehen. „Du fürchtest dich auch nicht vor Gott?“ Man sollte über unsere Großstädte schreien: „Ihr fürchtet euch nicht vor Gott?“ Man möchte in die Kontore und Büros brüllen, wo Menschen über Leichen gehen, um Geld zu machen: „Und ihr fürchtet euch nicht vor Gott?“ Man möchte den jungen Leuten sagen, die in Hurerei leben: „Fürchtet ihr euch nicht vor Gott? Wie denkt ihr das euch? Seid ihr blind?“

Damit fängt es an, dass man die Heiligkeit und Schrecklichkeit Gottes erkennt.

Dann redet aber dieser Verbrecher weiter: „Du fürchtest dich nicht vor Gott. Wir sind zu Recht verdammt. Wir haben es verdient.“ Das ist weit. Er bekennt seine eigene Schuld.

Ich habe viele Menschen getroffen, die sagen: „Ich kann nicht glauben.“ Sie sagen, sie hätten immer begriffen, dass sie vor Gott schuldig sind. „Nein, ich tue Rechten scheue niemand“, sage ich. Wenn sie sich so belügen, kommen sie nie zum Licht.

Manchmal treffe ich jemanden, der sagt: „Ich tue Rechten scheue niemand.“ Dann sage ich: „Glückwunsch! Mir könnte niemand sagen, in meinem Leben stimmt vieles nicht.“ Und dann sagt er: „Ja, natürlich, wenn man so genau nimmt, da ist einiges.“ Dann lügen sie sich nicht mehr selbst an. Sehen Sie, sie kommen zum richtigen, rettenden Glauben, erst wenn sie ihre Sünde Sünde nennen.

Wenn sie ihre schmutzigen sexuellen Verhältnisse Hurerei nennen, ihren Ehebruch Ehebruch nennen, ihre Lüge nicht mehr Schlauheit nennen, sondern Lüge, ihre Selbstsucht nicht mehr berechtigt, sondern sagen: „Ich bin mein eigener Gott.“ Und das ist Abgötterei.

Das ist das Zweite, was zum rettenden Glauben führt: dass ich meine Sünde endlich Sünde nenne und vor Gott gehe und sage: „Ich habe dein Gericht verdient.“

So sensibel, wie unsere Zeit sich selbst einredet, in meinem Leben sei alles gut, wird Gott uns die Maske vom Gesicht reißen.

Da hat dieser Mörder weitergeredet: „Du fürchtest nicht vor Gott. Wir haben es verdient.“ Und jetzt redet er nicht mehr an Jesus vorbei, sondern zu Jesus: „Du hast doch nichts Unrechtes getan. Warum hängst du hier?“

Und dann wird ihm klar: Er hängt hier für mich, er trägt meine Schuld weg. „Herr, gedenk an mich, du König, wenn du in dein Reich kommst!“

Das ist das Dritte: Er glaubt, dass Jesus ihn retten kann, weil er für unsere Schuld stirbt.

Und da sagt Jesus: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Sehen Sie, der rettende Glaube ist: die Heiligkeit Gottes erkennen, meine Verlorenheit sehen und Jesus als einzige Chance annehmen. Denn Jesus, der am Kreuz für mich starb, an meiner Stelle, trägt die Strafe. Die Strafe liegt auf ihm, sagt die Bibel, auf dass wir Frieden hätten.

Ohne diesen Glauben kommen Sie im Leben nicht zurecht. Aber mit diesem Glauben kommen Sie zurecht.

Ich kann Ihnen nichts anderes sagen.

Wir haben schon Leuten gesagt: „Sie sind ja völlig einseitig.“ Ich sage: Verzeihung, es gibt nur diesen einen Weg, im Leben, im Sterben und im Gericht zurechtzukommen: dass ich als Sünder zu Jesus komme, ihm meine Sünde bekenne und daran glaube, dass sein teures Blut für mich vergossen wurde.

Das glaube und fasse ich. Es macht auch meinen Schaden gut, denn Jesus starb für mich.

Die Einladung zum Glauben und die Kraft des Bekenntnisses

Ich möchte Sie später nach Hause gehen lassen mit nur einem Satz im Kopf: Jesus starb für mich. Wenn Sie morgen früh aufstehen, soll es in Ihrem Gehirn klingeln: Jesus starb für mich. Und wenn Sie morgen bei der Arbeit im Trubel sind, soll es plötzlich in Ihnen aufleuchten: Jesus starb für mich.

Dann wird es geschehen, dass Sie auf die Knie fallen, anbeten und sagen: Für mich? Dann darf ich ja glauben! In dem Augenblick, in dem Sie das erfassen, sind Sie ein Kind Gottes.

Jesus sagt mir: Wer durch mich die Tür betritt, wird selig werden, wird errettet werden.

Jetzt muss ich aber noch ein drittes sagen. Viele Leute sagen mir: „Ja, aber Pastor Wusch, das kann ich eben nicht glauben, was Sie da gesagt haben.“ Wenn ich Sie so höre, denke ich, dass ich es viel schöner sage. Aber genau das kann ich nicht glauben, sagen sie.

Darauf muss ich jetzt antworten. Ich bin nun ein alter Großstadtpfarrer und habe das schon so oft gehört: „Ich kann das eben nicht glauben.“ Deshalb möchte ich diese Aussage in vier Gruppen einteilen.

Die verschiedenen Gründe für Unglauben

Die erste Gruppe sind diejenigen, die mir sagen: „Ich kann nicht glauben, ich bin eben nicht religiös.“ Herr Pfarrer Busch, Sie sind religiös, ich nicht. Vielleicht sitzen hier Leute, die denken: Das ist ja ganz schön und gut, aber ich bin nicht religiös. Religiös schreibt man so, aber man spricht es „religiös“. Darauf kann ich immer nur antworten: Ich bin auch nicht religiös.

Ich habe für Glockenläuten, Weihrauch und all solche Sachen wenig Sinn. Ich bin froh, dass ich in den letzten Jahren in Essen immer in einem Saal gepredigt habe, wo es anscheinend keine Orgel, keine Glocken und nichts dergleichen gab. Und es hat mir nichts gefehlt. So wenig religiös bin ich. Ich habe nichts dagegen, es ist ein bisschen schön, aber ich will Ihnen mal erzählen: Als Jesus, der Sohn Gottes, auf der Erde war, gab es religiöse Leute – sehr religiöse Leute. Es waren Schriftgelehrte, Priester, Pharisäer, sehr religiöse Leute; wer liberal religiös war, waren die Sadduzäer. Das sind die, die heute sagen würden: „Ich suche Gott in der Natur“, wissen Sie, so religiös, oder „in meinem eigenen Innern“. Wie in der Nazizeit sagten sie: „In unseren Fahnen lodert Gott“ – immer religiös.

Und diese religiösen Leute haben den Sohn Gottes gekreuzigt. Er passte nicht in ihren Kram. Dann gab es total unreligiöse Leute: Prostituierte, Dirnen, Schwarzhändler, Zöllner, sagt die Bibel, Handwerker, die im Ruf standen, weil sie ums tägliche Brot trinken mussten, vornehme Männer wie Zachäus, Menschen, die Geld gemacht hatten – es waren total areligiöse Typen. Und diese fanden zu Jesus. Wie kommt das?

Weil sie wussten: Wir sind vor Gott schuldig, es stimmt alles nicht in unserem Leben. Und da kommt ein Heiland, der uns zu Kindern Gottes macht. Da glaubten sie an ihn. Der Herr Jesus ist nicht gekommen, um religiöse Leute noch religiöser zu machen, sondern um Sünder vom Tod und von der Hölle zu erretten und zu Kindern Gottes zu machen.

Wenn hier Leute sind, die sagen: „Ich kann nicht glauben, weil ich religiös bin“, sage ich: Mensch, du hast die größte Chance, ein Kind Gottes zu werden. Sünder bist du, das weißt du ganz genau. Nicht du. Jesus starb für mich. Ich möchte immer wieder sagen: Jesus starb für mich. Jesus ist nicht gekommen, um religiöse Leute noch religiöser zu machen, sondern um verlorene Sünder zu Kindern des lebendigen Gottes zu machen.

Die zweite Gruppe, von der ich reden muss, sind diejenigen, die sagen: „Ich kann nicht glauben.“ Aber wenn sie ganz ehrlich wären, müssten sie sagen: „Ich will gar nicht glauben.“ Denn wenn ich zum Glauben käme, müsste mein ganzes Leben geändert werden, und das möchte ich eigentlich gar nicht.

Ich weiß, dass alles nicht stimmt, und wenn ich ein Kind Gottes würde, müsste ich ja ins Licht kommen. Und, Heiner, das möchte ich nicht. Vielleicht sind solche hier, die sagen: „Ich kann nicht glauben“, und wenn sie ganz ehrlich sind, dann müssten sie sagen: „Ich will gar nicht.“ Denn dann würde ich unter meinen Kollegen vielleicht dumm angesehen. Was würden meine Kinder sagen, wenn ich plötzlich christlich würde? Nein, ich will lieber nicht.

Überlegen Sie gut: Wenn Sie Leute treffen, die sagen: „Ich kann nicht glauben“, schauen Sie genau hin, ob sie nicht heimlich sagen müssten: „Ich will gar nicht.“

Es gibt eine erschütternde Geschichte: Da sitzt der Sohn Gottes, der Herr Jesus, auf dem Ölberg. Vor ihm liegt im Sonnenglanz die herrliche Stadt Jerusalem. Und da drüben erhebt sich der Tempelberg, wo der herrliche Tempel war, von dem sogar die Heiden sagten, es wäre eigentlich ein Bau, der unter die Weltwunder gerechnet werden müsste.

Und das liegt vor ihm. Auf einmal sehen seine Jünger mit Schrecken die Tränen über Jesu Gesicht laufen. Sie sehen ihn erschrocken an, und dann bricht Jesus in Worte aus: „Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre kleinen Küchlein versammelt und ihre Flügel, wenn es blitzt und donnert, und ihr habt nicht gewollt. Jetzt steht ihr unter Gottes Gericht, eure Stadt wird euch wüst gelassen werden.“

Seien Sie mir das schützende Wort, und ihr habt nicht gewollt. Sagen Sie noch: „Wir können das nicht glauben.“ Er wollte nicht. Sehen Sie, wer nicht will, der braucht auch nicht.

Darf ich Ihnen das mal sagen: In der Kirche gibt es immer noch allerlei Zwang und Ordnung. Im Reich Gottes gibt es nur völlige Freiwilligkeit. Wer ohne Gott leben will, darf es. Wer diesen Heiland, den Gott geschickt hat, um Sünder zu versöhnen, nicht will, der darf ihn ablehnen. Wer in die Hölle laufen will, der darf es. Wer die Gebote Gottes nicht halten will, der darf sie mit Füßen treten. Es gibt keinen Zwang.

Nur machen Sie sich bitte klar – und dazu stehe ich hier –, dass Sie dann die Folgen auf sich nehmen. Gott bietet Ihnen durch Jesus Vergebung der Sünden und Frieden an. Sie können sagen: „Ich brauche es nicht, ich will es nicht.“ Dann dürfen Sie so leben.

Glauben Sie nicht, dass Sie in den letzten fünf Minuten im Sterben es noch fassen könnten. Das geht nicht. Dann müssen Sie sich nur entscheiden, dass Sie in aller Ewigkeit ohne Frieden mit Gott leben. Und das ist die Hölle.

Die Hölle sind nicht Bratspieße mit Teufelchen. Die Hölle ist der Ort, wo man Gott endgültig los ist. Da werden Sie nicht mehr eingeladen zu einer Evangelisation, da laufen keine Glocken mehr, da bläst kein Posaunenchor, da ruft Sie nichts mehr. Da wollen Sie vielleicht beten, aber dann können Sie nicht mehr. Sie wollen den Namen Jesu anrufen, er fällt Ihnen nicht mehr ein.

„Die Hölle ist der Ort“, sagt der russische Dichter Dostojewski, „wo Gott nicht mehr hinsieht.“ Sie brauchen die Botschaft, die ich Ihnen sage, nicht anzunehmen. Sie können es lassen, sich zu Jesus zu bekehren. Aber machen Sie sich klar, dass Sie damit die Hölle wählen. Sie haben die völlige Freiheit.

„Ihr habt nicht gewollt“, sagt Jesus zu Jerusalem. Er zwingt sie nicht, aber was sie wählten, das war Schauerweh.

Die dritte Sorte, von denen die sagen: „Ich kann nicht glauben“, haben immer so einen merkwürdigen Satz davor. Das sind Männer, das habe ich nie von Frauen gehört. Der Satz heißt so: „Herr Pastor, ich habe zu viel erlebt, ich kann nicht mehr glauben.“

Da frage ich: Was haben Sie denn erlebt? Ich habe auch kein langweiliges Leben gehabt, Mensch, nicht. Was haben Sie denn erlebt? „Ja, nein, ich habe zu viel erlebt, ich kann nichts mehr glauben.“ Das ist ein Satz, der in der Männerwelt umgeht wie ein Gespenst. Vielleicht sitzen so Männer hier oder Frauen, deren Männer das zuhause erzählen: „Ich habe zu viel erlebt, ich kann nichts mehr glauben.“ Das höre ich oft. „Ich habe zu viel erlebt, ich kann nichts mehr glauben.“

In diesem Fall pflege...