Zum Inhalt

Halte dich an Jesus fest

Predigtserie zum Kolosserbrief, Teil 3/6
31.07.2016Kolosser 2,16-19
SERIE - Teil 3 / 6Predigtserie zum Kolosserbrief
Suchst du nach dem Schlüssel, wie du als Christ wirklich frei leben kannst? Die Predigt zeigt: Das Gesetz des Mose ist wie eine Hochsprunglatte, die wir nicht schaffen – Jesus hat sie für uns übersprungen! Aber wie unterscheidet sich das „Gesetz des Mose“ vom „Gesetz des Christus“? Und warum sind spirituelle Visionen kein Ersatz für echte Beziehung zu Jesus? Wie hältst du dich an Jesus fest, ohne im Gesetz oder in Erfahrungen stecken zu bleiben?

Als wir das letzte Mal im Kolosserbrief unterwegs waren, fiel uns auf, dass Paulus den Kolossern deutlich machen will, dass sie in Jesus alles haben, was sie brauchen. Das war der Titel der letzten Predigt.

Er möchte damit sagen: Bei Jesus allein werde ich wirklich satt. Deshalb muss ich nicht woanders krampfhaft nach etwas Essbarem suchen, also nach etwas, das mein Leben erfüllt.

Dass ich in Jesus alles habe, hat der Apostel seinen Lesern zunächst mit biblischen Fakten belegt. Das haben wir uns beim vorletzten Mal angeschaut. Diese Fakten begannen, wenn ihr euch noch erinnert, in Kolosser 2,6: „Wie ihr nun den Jesus Christus empfangen habt, so lebt auch in ihm.“

Warnung vor falschen Wegen zum Christsein

Und heute Morgen beginnt Paulus ab Vers 16 mit seinem zweiten Teil. Hier spricht er einige Dinge an, auf die auch wir als Christen oft hereinfallen. Es sind Mogelpackungen, die uns versprechen: So wirst du auf jeden Fall ein besserer Christ.

Doch diese Versprechen können oder diese Angebote können das Versprechen, das sie geben, nicht halten. Hören wir zunächst Paulus im Originalton, und zwar in Kolosser ab Vers 16:

„So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber ist es Christus. Um den Kampfpreis soll euch niemand bringen, der seinen eigenen Willen tut in scheinbarer Demut und Anbetung der Engel, der auf das eingeht, was er in Visionen gesehen hat, grundlos aufgeblasen von der Gesinnung seines Fleisches und nicht festhält das Haupt, von dem aus der ganze Leib durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengefügt das Wachstum Gottes wächst.

Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt: berühre nicht, koste nicht, betaste nicht? Was doch alles zur Vernichtung durch den Gebrauch bestimmt ist, nach den Geboten und Lehren der Menschen. Das alles hat zwar einen Anschein von Weisheit in eigenwilligem Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des Leibes, also in einer gewissen Wertschätzung, dient aber zur Befriedigung des Fleisches.“

Seht ihr den Text noch einmal hinter mir, hinten an der Wand? Die Dinge, die mir helfen sollen, ein besserer Christ zu werden. Ich habe diese drei Dinge hier unterstrichen: Zunächst einmal geht es um das Gesetz, dann um Visionen und schließlich um menschliche Vorschriften.

Die zentrale Botschaft: Festhalten an Jesus

Die Predigt habe ich aus Vers 19 abgeleitet, denn dort steht auch die Überschrift der Predigt. Paulus kritisiert in diesem Vers, dass sie sich nicht an das Haupt halten. Wenn er das so sagt, möchte er im Grunde ausdrücken, dass sie sich an das Haupt halten sollten. Deshalb habe ich die Predigt „Halte dich an Jesus fest“ genannt, denn das ist die Grundbotschaft, die er uns in diesem Text heute Morgen deutlich machen möchte.

Für die Verse 16 und 17 lautet die Überschrift: „Halte dich an Jesus fest und nicht am Gesetz“. Dann geht es weiter mit „und nicht an Visionen und nicht an menschlichen Vorschriften“. Der Text ist also relativ einfach gegliedert.

Auf diese erste Überschrift möchte ich meinen Predigt-Schwerpunkt legen. Ich merke nämlich, dass wir Christen oft unsicher sind, wenn es um die Frage geht, was vom Gesetz für uns noch gilt. Wir sagen: Eigentlich gilt ja nichts vom Gesetz. Aber die Zehn Gebote? Die gelten doch für uns. Und die kommen doch vom Gesetz.

Dann gibt es noch einige andere Vorschriften. Die einen sagen: „Doch, die müssen wir halten.“ Die anderen sagen: „Nein, die müssen wir nicht halten.“ Was gilt denn jetzt? Das Gesetz oder nicht? Eigentlich nicht, aber was gilt?

Das ist natürlich spannend. Wenn Paulus das hier bei den Kolossern so formuliert, ist es gut, sich grundsätzlich einmal Gedanken darüber zu machen. Denn manche Dinge hatten die Kolosser hier offenbar nicht wirklich verstanden.

Das Gesetz im Kontext der Kolosser

Wenn Paulus hier von den Sabbatgeboten und den Speisegeboten spricht, dann meint er Vorschriften und Gebote, die aus einem Gesamtpaket stammen. Es sind Vorschriften, die sich nicht irgendein Mensch ausgedacht hat, sondern Gesetze, die Gott dem Volk Israel gegeben hat. Das unterscheidet diesen ersten Teil vom letzten Teil des Textes, mit dem wir uns hier beschäftigen.

Diese Gebote gehören also zu dem Gesamtpaket von 613 Geboten und Verboten, die Gott dem Volk Israel gegeben hat. Theologen haben, weil sie alles strukturieren müssen, dieses Gesetz in drei große Bereiche eingeteilt. Sie sagen, man könne unterscheiden zwischen den Gottesdienstordnungen, den Staatsgesetzen für Israel und den moralischen Vorgaben. Diese Unterscheidungen sind sehr hilfreich.

Dennoch müssen wir verstehen, dass Paulus, wenn er vom Gesetz spricht, immer das Gesamtpaket meint. Er differenziert hier nicht. Die Gebote, von denen er in Vers 16 und 17 spricht, gehören genauso zum Gesetz wie die Zehn Gebote.

Paulus sagt zum Beispiel in Galater 3,12: Wenn du nicht alles erfüllst, was das Gesetz dir vorschreibt, dann kannst du dir den Himmel nicht verdienen. Wenn du ein einziges Gebot übertrittst, dann war es das – so steht es in Jakobus 2,10.

Das ist die Wahrheit, die die Christen in Kolossä noch nicht wirklich verstanden hatten. Vielleicht ist es auch eine Wahrheit, die viele Christen heute noch nicht wirklich verstanden haben, gerade solche, die ernsthaft mit Jesus unterwegs sind. Sie versuchen, bestimmte Gebote krampfhaft zu erfüllen – nicht, um in den Himmel zu kommen, sondern um sich selbst zu beweisen, dass sie gute Christen sind. Sie reißen sich zusammen, haben genug Disziplin und schaffen es, die Gebote zu halten.

Doch dann ist es kein Wunder, dass sie auf dem Weg mit Jesus mehr Krampf als Freude erleben.

Das Gesetz als unerreichbare Hochsprunglatte

Vielleicht kann man das Gesetz mit einer Hochsprunglatte vergleichen. Hier habe ich mal zwei Ständer aufgestellt. Der Weltrekord liegt bei 2,45 Metern. Wie hoch ist ein Fußballtor, die Jungs? Wie hoch ist ein Fußballtor? Wie viel? Ah, der Willi ist ganz nah dran, 2,44 Meter. Das heißt, der Rekord ist so hoch wie ein Fußballtor.

Der Rekord zeigt einfach, dass jemand über ein Fußballtor springt. Ich habe hier eine Stange, die nicht kaputt ist, sondern nur heruntergefallen. Ich könnte mal annehmen – rein hypothetisch – diese Stange wäre drei Meter hoch. Der Weltrekord liegt bei 2,45 Metern.

Damit ihr es nicht vergesst: Das Ganze soll das Gesetz des Mose darstellen. Über diese Stange musst du kommen. Vielleicht sollte ich da noch etwas ankleben. Gut, können wir mal schauen, wer darüberkommt? Es geht um Hochsprung und nicht um Stabhochsprung.

Wenn du den Anspruch hast, das Gesetz zu halten, dann musst du über diese Stange springen. Du wirst merken, dass die Stange dir deine Unfähigkeit zeigt. Du kommst nicht darüber. Das ist die Aufgabe des Gesetzes: Es zeigt mir, dass ich es nicht schaffen kann.

Wir sind manchmal als Christen auch ganz clever. Sie sagen: „Gut, gut, das sehe ich natürlich schon ein, ich komme nicht darüber.“ Aber wir können das ja ein bisschen anders gestalten. Wir können die Stange mal runternehmen und an einen anderen Platz legen.

Wir stellen uns vor, die Stange wäre drei Meter hoch. Wir halten gewisse Dinge ein und sagen: „Hey, eigentlich können wir das Gesetz so halten.“ Und zack, wir springen drüber und sagen: „Super!“

Manchmal machen wir das so, wir greifen einfach verschiedene Dinge heraus. Aber das geht nicht. Es ist ein Gesamtpaket. Deswegen gehört die Stange ganz oben hin. Wenn du schon meinst, dass du über diese Stange springen kannst, dann sagt dir der Galaterbrief, dass das nicht geht. Du musst wirklich über diese Stange da oben springen.

Wenn ich meine, ich kann über diese Stange springen, dann habe ich nicht verstanden, dass ich keine Chance habe. Wenn ich meine, ich kann über diese Stange springen, dann habe ich nicht verstanden, warum Jesus sterben musste. Denn ich komme nicht über diese Stange rüber.

Jesus ist gestorben, weil ich nicht über diese Stange komme, weil ich das Gesetz nicht halten kann. Aber ich muss das Gesetz auch nicht halten.

Das Gesetz als Schatten auf Jesus hin

Paulus sagt hier in Vers 17: Die Vorschriften des Gesetzes sind ein Schatten der künftigen Dinge.

Stell dir vor, du stehst an einem schönen Sommerabend, wenn die Sonne tief steht. Du stehst an einer Straße, und da drüben, wo du die Tür siehst, kommt gerade eine Kreuzung. Eine andere Straße läuft quer dazu. Hinter einer Mauer läuft jemand, den du noch nicht sehen kannst. Aber er wird von der tiefstehenden Sonne beschienen. Deshalb siehst du zuerst seinen Schatten, der sich nähert. Erst danach siehst du die Person selbst. Dann kommt Max oder Minna um die Ecke, und der Schatten ist nicht mehr so wichtig.

Wenn du Max und Minna gut kennst, erkennst du schon am Schatten, dass es nicht Charlie ist, der da um die Ecke kommt. Es kann nur Max sein, vielleicht aufgrund seiner Körpergröße oder anderer Merkmale.

Paulus sagt hier, dass das Gesetz nichts anderes als ein Schatten ist. Auch die Speisegebote und die Sabbatgebote sind nur ein Schatten. Wer aber kommt hinter dem Schatten hervor? Paulus sagt sehr deutlich: Da kommt der Herr Jesus.

Vieles in den Speisegeboten weist auf den Herrn Jesus hin. Wenn ich mich jeden Tag damit beschäftigen muss, was heilig ist und was nicht, merke ich schnell, dass ich das nicht schaffen kann. So werde ich zu dem geführt, der wirklich heilig ist. Ich werde zu dem geführt, der mir die Kraft geben kann, in dieser Heiligkeit zu leben – und das ist der Herr Jesus.

Wenn ich mich mit den Sabbatgeboten beschäftige, merke ich, dass dahinter jemand steht, der mir wirklich Ruhe geben kann von all meiner persönlichen Anstrengung. Bei Jesus darf ich zur Ruhe kommen. Diese Dinge sollen mich zu Jesus führen.

Ich erkenne, dass ich mich selbst nicht verändern kann. Es ist Jesus, der mich verändert. Der Schatten soll meinen Blick auf Jesus lenken. Genau das hatten die Kolosser nicht verstanden.

Wenn ich zu Jesus gehöre, dann gilt dieses gesamte Gesetzespaket nicht mehr für mich. Das muss ich verstehen, wenn ich diesen Text lese. Für mich gelten weder Sabbatgebote noch Speisegebote noch die Zehn Gebote so, wie sie in 2. Mose 20 stehen.

Paulus hat das Gesetz niemals auseinandergesägt und gesagt: Über diese Hälfte kannst du springen, und die andere Hälfte lassen wir einfach so. Es ist ein Gesamtpaket, über das ich nicht hinwegkomme.

Das Gesetz gilt nicht mehr für den Gläubigen

Steht das auch an anderen Stellen in der Bibel? Ja, zum Beispiel wird Paulus in 1. Timotheus 1,9 sehr deutlich. Er sagt: Wir wissen, dass das Gesetz gut ist. Die Stange ist gut. Wenn jemand das Gesetz gesetzmäßig gebraucht und dabei weiß, dass es nicht für den Gerechten bestimmt ist, sondern nur für Gesetzlose und Gottlose, dann ist es für die Letzteren gedacht.

Für einen Gerechten, also für euch in Kolossä, wäre diese Stange gar nicht bestimmt. Paulus wird noch deutlicher in 1. Korinther 9,20. Dort sagt er: „Ich, Paulus, bin nicht mehr unter dem Gesetz.“ Damit meint er, dass er nicht mehr über diese Stange springen muss. Diese Stange zeigt ihm nur seine Unfähigkeit, mit Gott in eine Beziehung zu treten.

Warum ist das so? Die Antwort steht in Römer 10,4: Christus ist das Ende des Gesetzes. Man könnte sagen: Schluss, basta! Das Gesetz gilt für dich als Christ nicht mehr.

Das hatten die Kolosser nicht verstanden. Deshalb versuchten sie, diese Stange auf ihr Niveau herunterzuholen, einige Dinge zu halten, sie auf die Stühle zu legen und dann darüber zu springen, um zu sagen: Ja, wir haben es geschafft.

Jesus erfüllt das Gesetz

Und jetzt stellt sich die Frage: Wie ist Matthäus 5,17 zu verstehen? Dort sagt Herr Jesus: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern es zu erfüllen.“ Dieser Satz ist gar nicht so schwer zu verstehen.

Damit sagt Herr Jesus, dass er die Stange nicht wegnehmen will. Er senkt die Stange auch nicht auf zwei Meter, weil er denkt, dann hätten vielleicht doch einige Leute eine Chance, irgendwie darüber zu springen. Nein, er lässt die Stange auf drei Meter. Er sagt ausdrücklich: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen.“

Hinter der Stange wartet eine Beziehung zu Gott. Wenn ich aber nicht darüber springe, werde ich diese Beziehung zu Gott nicht haben. Am Ende meines Lebens werde ich immer noch vor der Stange stehen. Und der Herr Jesus sagt, dass er mich dann richten wird, weil ich vor der Stange stehe. Das wird mich richten.

„Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen.“ Er erklärt also nicht, dass die Strafe, die auf dem Bruch des Gesetzes steht, einfach ungültig ist. Er sagt nicht: „Okay, da ist zwar eine Strafe angedroht, aber die wird nicht eintreten, weil du es ja sowieso nicht schaffst.“

Wer eines von Gottes Gesetzen bricht, der hat keine Beziehung zu ihm. Er steht vor der Stange. Und er wird, wie Paulus es in 1. Timotheus 1,9 gesagt hat, als Gottloser gerichtet werden, weil er losgelöst von Gott ist.

Dieses Wort des Gesetzes wird ihn richten. Das Gesetz trifft die Gottlosen, die vor der Stange stehen, mit voller Härte. Das hat Paulus im 1. Timotheus 1 gesagt: Das Gesetz ist den Gottlosen gegeben, jawohl! Dadurch werden sie gerichtet werden, und sie gehen in Ewigkeit verloren.

Warum? Weil sie durch das Gesetz gerichtet werden.

Die Gerechtigkeit durch Jesus wird angerechnet

Das heißt, ich bin nicht gekommen, um das Gesetz aufzulösen. Aber die gute Nachricht ist: Jesus hat das Gesetz erfüllt. Das heißt, er ist über diese Stange gesprungen. Wenn ich mich an Jesus festhalte, dann bin ich auch über diese Stange gesprungen. Dieser neue Weltrekord wird mir zugeschrieben, und Gott sieht mich so an, als ob ich das Gesetz erfüllt hätte.

Nun sagst du vielleicht: Das geht doch gar nicht. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich habe viele Olympische Spiele im Fernsehen gesehen, aber dass sich jemand an einem Hochspringer festhält und ihm dann der Hochsprung angerechnet wird, das habe ich noch nie erlebt. Das stimmt, das gibt es auch nicht. Warum nicht? Weil das IUC festgelegt hat, dass es das nicht gibt. Das sind die Regeln, die sie aufgestellt haben.

Bei meinem ewigen Leben geht es jedoch nicht darum, was das IUC festlegt, sondern darum, was Gott bestimmt. Gott legt fest: Wenn ich mich an Jesus festhalte, dann habe auch ich das Gesetz erfüllt. Gott sieht mich so an, als ob auch ich über diese Stange gesprungen wäre. Deshalb muss ich es nicht noch einmal versuchen.

Auch wenn jemand einen Weltrekord springt, muss der Richter nicht sagen: „Oh, Entschuldigung, ich habe gerade nicht aufgepasst. Können Sie das bitte noch einmal machen?“ Wenn ich rübergesprungen bin, dann bin ich rübergesprungen. Und ich komme nur über diese Stange, indem ich mich an Jesus festhalte.

Das heißt, ich glaube daran, dass Jesus mich gerechtgesprochen hat. Ich glaube daran, dass ich vor Gott ein unbeschriebenes Blatt bin. Deshalb ist das Gesetz nicht mehr für mich bestimmt. Wenn ich rüber bin, dann muss ich nicht vor der Stange stehen bleiben und es noch einmal versuchen. Ich stehe also hinter der Stange. Ich habe eine Beziehung zu Gott, und das Gesetz gilt nicht mehr für mich.

Deshalb sagt Paulus: Ich stehe nicht mehr unter dem Gesetz. Er hat es verstanden.

Leben unter dem Gesetz Christi

Heißt das denn, ich kann leben, wie ich will? Natürlich nicht, denn ich lebe für den, der mich über diese Stange genommen hat.

Das Neue Testament spricht von einer zweiten Stange. Wie heißt diese Stange? Nein, so heißt sie nicht. Auch nicht so. Richtig ist: Es gibt das Gesetz des Christus. Paulus sagt in 1. Korinther 9,21 wörtlich: „Ich stehe unter dem Gesetz des Christus.“

Oder in Galater 6,2 wird es noch einmal deutlich: „Wenn du die Last des anderen trägst, dann hast du das Gesetz des Christus erfüllt.“

Das ist gut, dass die Kinderfreizeit anfängt. Dann müssen wir hier keine zweite Stange aufbauen. Wir nehmen einfach das, was da ist, und sagen: Okay, ich könnte auch gucken, dass ich da irgendwie damit lebe.

Aber das sind zwei verschiedene Dinge. Einmal habe ich vorne das Gesetz, um in eine Beziehung zu Gott hineinzukommen. Dann habe ich die Herausforderungen meines Alltags, die ich in meinem Leben bewältigen muss. Dabei gibt mir Gott, der Herr Jesus, immer wieder die Kraft, auch anders leben zu können.

Das ist ganz entscheidend: Ich lebe unter dem Gesetz des Christus.

Und das Gesetz des Christus steht in Johannes 13,34: Da sagt der Herr Jesus: „Ein neues Gesetz oder Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.“

Das ist das Gesetz des Christus, unter dem ich lebe.

Unterschied zwischen Gesetz des Mose und Gesetz des Christus

Und die Frage ist: Was ist jetzt der Unterschied zwischen dem Gesetz des Mose und dem Gesetz des Christus?

Jetzt bitte ich mal um die zweite Folie. Einige von euch kennen noch Windows 3.1. Als ich noch jung war, war das das Programm, das jeder haben wollte. Man konnte endlich mal ganz komplexe Programme bedienen, ohne sich ständig auf der DOS-Ebene bewegen zu müssen. Windows 3.1, wenn es denn mal lief und nicht abgestürzt war, war schon eine tolle Sache.

Heute gibt es Windows 10. Die Frage ist: Was ist der Unterschied zwischen Windows 3.1 und Windows 10? Jeder, der mit Programmierung vertraut ist, würde energisch den Kopf schütteln, wenn man sagt, Windows 10 sei nur ein lockeres Update von Windows 3.1. Das stimmt so nicht. Es ist im Grunde ein neues Programm, eine neue Version. Dennoch findest du manche Programmteile aus Windows 3.1 modifiziert darin wieder. Gleichzeitig sind viele neue Teile hinzugekommen. So läuft etwas zusammen.

Wenn du noch Windows 3.1 kennst und Windows 10 siehst, erkennst du vielleicht den Startbutton und Ähnliches. Du merkst, dass die Programme durchaus miteinander zu tun haben. Das ist der Unterschied zwischen dem Gesetz des Mose und dem Gesetz des Christus.

Der Herr Jesus übernimmt Teile des Programm-Codes aus dem alten System. Er fügt neue Programmteile hinzu. Wenn du zum Beispiel die Bergpredigt liest, wirst du merken, dass er sagt: „Ich aber sage euch.“ Das sind neue Programmteile, die er bewusst macht. Manche davon waren vielleicht schon im alten System vorhanden, aber noch nicht ganz umgesetzt. Es gibt auch etwas komplett Neues.

Es geht nicht nur um Anforderungen, sondern ganz stark um eine Zusage: „Ich will.“ Dieses Leben, das dort aufgeschrieben ist, will er durch seinen Geist in dir wirken lassen. Das ist komplett neu, benutzerfreundlich und anwenderorientiert. Das ist es, was er wirklich verändert.

Wenn ich mich an Herrn Jesus festhalte, habe ich durch seinen Geist auch diese neue Kraft. Paulus sagt es zum Beispiel in 2. Timotheus 1,7: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Enthaltsamkeit.“

Deshalb ist es möglich, im zweiten Bereich zu leben. Wir merken, dass hier ganz andere Voraussetzungen gelten. Es geht darum, eine Beziehung zu Gott zu bekommen. Ich lebe in einer Beziehung zu Gott, aber ich darf anders leben, weil er mir die Kraft dazu schenkt.

Das muss ich auseinanderhalten, sonst mache ich es genauso falsch wie die Kolosser. Sie meinten nämlich, durch das Beachten einiger Gebote eine Beziehung zu Gott zu bekommen, die sie, wenn sie gläubig waren, ja schon lange hatten.

„Halt dich an Jesus fest“ – das ist im Grunde das, was Paulus in diesem ersten Teil, den ich als Schwerpunkt verwendet habe, noch einmal ganz stark betont. Das Gesetz des Christus befähigt mich, Gottes Liebe, mit der ich so unfassbar geliebt bin, in meinem Umfeld zu leben.

Wenn ich das verstanden habe, höre ich auf, bestimmte Gebote des mosaischen Gesetzes halten zu wollen, um mein christliches Image aufzupolieren oder irgendwelche Bonuspunkte bei Gott sammeln zu wollen.

Das war einfach mal eine Erklärung zu diesem ersten Punkt.

Warnung vor der Fixierung auf Visionen und Erfahrungen

Jetzt gehen wir wieder in den Text hinein. Das wird jetzt nicht mehr so lang. Nun komme ich zum zweiten Teil. Ab Vers 18 ermahnt Paulus: Halte ich an Jesus fest und nicht an Visionen und Erfahrungen? Was erlebe ich eigentlich mit Jesus in meinem Alltag? Das ist eine ganz wichtige Frage.

Manche Christen leben wie die Juden im Buch Ezechiel. Der Gottesdienst lief ganz normal weiter, aber Gott war nicht da. Das hat kein Mensch gemerkt, denn es war das Gleiche wie immer. Man brachte genau die Opfer dar, wie man es schon immer wusste und getan hatte, aber die Beziehung zu Gott war nicht da. Das Volk kam also ganz gut ohne Gott zurecht. Es war kein echtes Leben.

Bevor wir uns mit diesem zweiten Punkt beschäftigen, ist das natürlich eine Frage, die man sich stellen muss: Wo habe ich in den letzten Tagen Gottes Handschrift in meinem Alltag entdeckt? Wie habe ich den Herrn Jesus in den letzten Wochen erlebt? Das sind Fragen, die helfen, über die eigene Beziehung zu Gott nachzudenken.

Aber – und das ist hier der Fall – ich kann auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen, indem ich meine, Gott zu erleben heißt, ich muss spektakuläre Erfahrungen mit Gott machen. Also, wenn du heute Morgen noch nicht gespürt hast, dass Gottes Kraft ganz warm durch deinen Arm geflossen ist, ist alles gut. Du musst so etwas nicht unbedingt spüren. Solche Dinge sind keine Voraussetzung, um nahe bei Jesus zu sein.

In Kolossä haben sie Engel angebetet. Das klingt nicht so, als hätten sie nur irgendwelche Puppen aufgehängt und gedacht: „Okay, jetzt beten wir mal die Engel an.“ Oder als hätten sie mit ihrem Schutzengel gesprochen. Das hier waren sicher Visionen, also man würde heute sagen: spirituelle Erfahrungen, die unter die Haut gingen.

Stell dir mal vor, in deinem Zimmer steht plötzlich ein Engel und redet mit dir. Du hast eine Vision. Wow, das scheint so zu sein. Aber was war in Kolossä auch noch so? Diese Visionen waren das Gesprächsthema. „Hast du heute schon deine Vision gehabt?“ „Nein.“ „Wie steht es mit deinem Verhältnis zu Jesus?“ „Ich hatte gestern drei Stück.“ Drei Stück! Stell dir das mal vor. Und wenn du keine hast, dann bist du leider ein Christ zweiter Klasse.

Vielleicht kann man das mit der heutigen Lehre vergleichen: Wenn du die Geistestaufe nicht spürbar erfahren hast und nicht in Zungen redest, dann fehlt dir etwas Entscheidendes in deinem Christsein. Oder wenn du keine Bilder hast, keine Visionen siehst, keine prophetischen Eingebungen empfängst, dann kann mit deinem Glauben etwas nicht stimmen.

Als wir über das Gesetz geredet haben, waren wir gedanklich eher in konservativen Kreisen unterwegs. Man strengt sich an, um Gott irgendetwas zu beweisen. Hier bei den Visionen sind wir eher in charismatischen Kreisen unterwegs. Ihr merkt: In der Kirchengeschichte gibt es so viel Neues nicht.

Solchen Erfahrungshype gibt es nicht nur in charismatischen Kreisen, er ist auch schon lange in der evangelikalen Welt angekommen. Hörendes Gebet, ja, ich empfange Bilder für den anderen, bloß nichts Negatives, und ich sage dem anderen weiter, was Gott an Positivem in seinem Leben tun wird.

Paulus sagt in Vers 18: Eure angeblichen großartigen Erfahrungen mit Gott führen nur zu einem – dass ihr nämlich aufgeblasen seid. Ihr lauft herum wie aufgeplusterte Gockel und sagt: „Bewundert mich, weil ich so toll bin!“ Und warum bist du so toll? „Weil ich ganz besondere spirituelle Erfahrungen gemacht habe.“ Ja, die habe ich gemacht, und jetzt darfst du mich bewundern.

Paulus sagt: Das ist gerade dein Problem. Wir lesen es hier im Text: Du bist grundlos aufgeblasen. Es gibt dafür überhaupt keinen Grund. Und ich sage dir auch warum: Es ist die Gesinnung deines Fleisches, also deiner sündigen Natur, die hier sichtbar wird, mehr nicht.

Weil du stolz bist und bewundert werden willst, redest du ständig über deine Visionen und Erfahrungen. Aber das, was so demütig aussieht – „Der Herr hat es mir geschenkt, dass ich diese Vision hatte, weil ich ja so demütig bin“ – Paulus sagt, was so demütig aussieht, ist eigentlich nur Stolz.

Er spricht hier ein ganz wichtiges Prinzip an. Er sagt: Wenn du spirituelle Erfahrungen in den Mittelpunkt stellst und nicht mehr Jesus, dann wird es schiefgehen. Und das ist hier in Kolossä der Fall.

Das ist auch ein guter Maßstab für uns als Gemeinde: Worüber reden wir? Über das, was wir geleistet haben? Wie wir uns hingegeben haben? Welche spirituellen Erfahrungen wir gemacht haben? Oder reden wir über Jesus?

Hier ging es nicht zuerst um Jesus, hier ging es um diese Erfahrungen. Und das ist ein großer Unterschied auch zu Erfahrungen, die ich mit Jesus in meinem Alltag mache. Es ist völlig normal, dass ich sage: Hier hat der Herr mir geholfen. Aber hier geht es darum, dass die Erfahrung zum Mittelpunkt wird. Die Erfahrung wird zum Mittelpunkt, damit ich groß werde und nicht damit Jesus groß wird.

Natürlich kann Gott auch heute noch Träume schenken, keine Frage. Wir hören das oft aus dem muslimischen Kontext, dass Gott so einen Zugang zu den Herzen der Leute hat, dass er ihnen bestimmte Visionen gibt. Aber diese Visionen müssen immer zu Jesus hinführen. Sie stellen niemals mich in den Mittelpunkt.

Außerdem muss jede Vision mit dem Wort Gottes übereinstimmen und ihm untergeordnet sein. Das ist ein ganz wichtiges Prinzip, das wir schon aus Jeremia 23,28 kennen: Der Prophet, der einen Traum hat, erzählt den Traum. Wer aber mein Wort hat, der spricht es treu aus.