Serie•Teil 2 / 3Die Bibel - das Wort Gottes
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Einleitung und Beispiele für gelungene Problemlösungen
Ich möchte kurz abschliessen betreffend Beispiele von Problemlösungen. Da möchte ich noch zwei Dinge anfügen.
Apostelgeschichte 9,7, in der Bekehrungsgeschichte von Paulus, sagt, dass die Begleiter die Stimme hörten, aber niemanden sahen. Im parallelen Bericht von Paulus in Apostelgeschichte 22,9 wird im gleichen Buch gesagt, die Begleiter sahen das Licht, aber sie hörten nicht die Stimme. Ein klarer Widerspruch.
Ich kann mich noch erinnern: Als Teenager habe ich auf dem Bahnhof Zürich Traktate verteilt. Dann kam ich mit jemandem ins Gespräch, es war ein Theologe. Ich habe ihn irgendwie auf die Glaubwürdigkeit der Bibel und die Inspiration angesprochen. Da sagte er, ja, das sei ein Thema, das ihn im Moment sehr beschäftige, und er habe seine Zweifel. Da habe ich gefragt, was er als Beispiel für Zweifelsgründe habe. Dann sagte er, ja, die verschiedenen Berichte in der Apostelgeschichte, diese Widersprüche.
Dann habe ich erklärt, dass es hier etwas nützt, die griechische Grammatik zu berücksichtigen. Es ist beides das Verb hören, akouo. Aber in Apostelgeschichte 9 ist es akouo plus Genitiv, also steht die Stimme im Genitiv, im Wesfall. Das bedeutet dort, man hört von der Stimme, man hört ihren Klang, aber nicht den Inhalt.
In Apostelgeschichte 22,9 hat Lukas akouo mit dem Akkusativ benutzt, für die Stimme im Akkusativ. Und das bedeutet, den Inhalt ihrer Botschaft verstehen und hören.
Wenn man das zusammennimmt, heisst das: Die Begleiter sahen das Licht, aber sie sahen keine Person. Sie sahen niemanden, sie sahen nicht Jesus Christus. Sie hörten den Klang einer sprechenden Stimme, so wie wenn man eine grosse Volksmenge hört, in der alle durcheinander sprechen. Man hört, dass gesprochen wird, aber man versteht nichts. Sie hörten den Klang der Stimme, aber sie verstanden nicht den Inhalt.
Das ist nun ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, eben nach dem Grundtext zu fragen.
Eine lange geklärte Frage aus der Königszeit
Schliesslich noch die Zahlen der Könige von Juda und Israel im Buch der Könige. Das ist ein Problem, mit dem man sich seit über zweitausend Jahren herumschlägt. Schon im alten Judentum war dieses Problem bekannt, und Hieronymus sagte, man solle sich damit nicht abgeben, man verschwende nur Zeit, weil niemand das Problem lösen könne.
Im Buch der Könige stehen die Jahreszahlen der Könige von Juda und von Israel in einem Widerspruch zueinander, wenn man sie zusammenrechnet und vergleicht. Man bringt sie nicht miteinander in Einklang. Mit der modernen Archäologie hat man dann ausführlichste Königslisten der alten Assyrer gefunden, in denen gerade aus dieser Zeit der Könige jedes Jahr assyrisch belegt ist. Doch auch zu dieser Chronologie stehen die beiden biblischen Chronologien im Widerspruch.
Wie soll man dieses Problem lösen? Drei Zahlenreihen, und alle stehen zueinander im Widerspruch. Dieses Problem wurde erst in unserem Jahrhundert, also in unserer Zeit, gelöst, und zwar durch Edwin Thiele. Man kann das nachlesen in seinem Buch The Mysterious Numbers of the Hebrew Kings, die geheimnisvollen Zahlen der hebräischen Könige. Wirklich ein bisschen geheimnisvoll.
Er zeigt auf, dass es im Nordreich und im Südreich verschiedene Zählweisen gab. Es gab den Frühlingsanfang und den Herbstanfang. Wenn man so unterschiedlich rechnet, entstehen plötzlich Verschiebungen der Jahre zueinander. Dazu kam noch, dass es unterschiedlich war, ob man das Thronbesteigungsjahr mitzählte oder nicht. Wenn ich also heute auf den Thron steigen würde, dann würde man dieses Jahr noch nicht zählen, und erst ab dem nächsten Jahr würde man zählen: eins, zwei, drei. Andere würden aber schon heute mein erstes Königsjahr zählen. Das ergibt nochmals eine Abweichung.
So hat Thiele das alles zusammengesetzt und konnte fast alle Zahlen lösen. Und noch etwas: Sie stimmen mit der assyrischen Königsliste überein. Das finde ich total gewaltig. Mathematisch muss man auf den ersten Blick sagen: hoffnungslos. Aber solche Probleme können gelöst werden. Manchmal muss man eben 2300 Jahre warten, bis so jemand wie Thiele kommt. Ja, das bedeutet Demut vor dem Wort Gottes.
Und dann noch etwas Eindrückliches: Einer der grössten Ägyptologen unserer Zeit, Kenneth Kitchen, ist ein gläubiger Mann. Er hat in Bezug auf dieses Problem schon früher geschrieben: Wahrscheinlich steckt da ein altes Zählsystem dahinter, das wir heute nicht mehr kennen. Er hat nicht gesagt: Ich bin einer der besten Ägyptologen, also ist es falsch in der Bibel. Sondern er hat gesagt: Wir wissen einfach zu wenig. Das ist wahre Demut, sich unter das Wort zu stellen.
Vom Ursprung der biblischen Schriften bis zu ihrer Überlieferung
Nun kommen wir zu Teil B: Kanon, Entstehung und Überlieferung der Bibel. Die Bibel ist Gottes Botschaft an die Menschheit. Sie entstand während einer Periode von fast eintausendsiebenhundert Jahren in den Sprachen Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Das heißt: von der Zeit Moses, 1560 v. Chr., bis Johannes, 68 n. Chr. Das ist das Datum für das Johannesevangelium. Ja, das wurde noch nach der Offenbarung verfasst.
Mehrere Dutzend Männer haben aufgeschrieben, was Gott, der Autor der Bibel, ihnen aufgetragen hatte. Sie verfassten ganz verschiedene Beiträge: geschichtliche Berichte, Gedichte und Lieder, Biografien, Gesetzestexte, Spruchsammlungen, Prophetien, Visionen, Gleichnisse, Rätsel, Briefe, Aufsätze usw. usf.
Die Schreiber waren fast alle Israeliten. Nur von Lukas wissen wir, dass er kein Israelit war. Sie stammten jedoch aus ganz verschiedenen sozialen Schichten. Unter ihnen finden sich zum Beispiel Könige, Fischer, Musiker, Hirten, Gelehrte, Priester und Propheten. Sie schrieben in ganz verschiedenen geschichtlichen Epochen, in diversen Ländern, unter den unterschiedlichsten Umständen und in allen möglichen Gemütsverfassungen: Angst, Schrecken, Trauer, innere Ruhe usw. Außerdem behandelten sie die vielfältigsten Themen, die man sich denken kann.
Das also zur Entstehung und zum Charakter der Bibel. Und jetzt wollen wir uns fragen: Wie ist dieses Bibelwort bis zu uns gekommen? Wir beschäftigen uns zunächst mit dem Grundtext des Alten Testaments.
Der alte Text des Alten Testaments und seine erstaunliche Stabilität
Bis noch vor einigen Jahrzehnten hatte man bei den Grundtext-Handschriften nur den masoretischen Text aus dem Mittelalter.
Ich erkläre: Für das Alte Testament liegen uns aus dem Mittelalter tausende hebräische Manuskripte vor, die man auch als masoretische Handschriften bezeichnet. Masora heißt auf Hebräisch Überlieferung, und die Masoreten waren die Abschreiber im Mittelalter, die die Bibel überlieferten. Jüdische Gelehrte haben diese Texte mit großer Präzision abgeschrieben, indem sie Buchstaben, Wörter und Wortverbindungen auszählten.
In der nächsten Pause kann ich das dann zeigen, da in der hebräischen Bibel, wie sie das am Rand jeweils vermerkt haben, wie oft dieser Ausdruck vorkommt. Dadurch wurde der Text mit einer Perfektion überliefert, die ans Computerzeitalter erinnert. Oder wenn ich ein Buch schreibe und dann plötzlich nicht mehr weiß, welche Version ich eigentlich ursprünglich benutzt hatte, wenn ich das mehrfach abgespeichert hatte, dann kontrolliere ich das, indem ich nachschaue: Wie viele Wörter hat es da drin, wie viele hat es da drin? Also mit dem Auszählen der Wörter, so kann man Texte kontrollieren. So haben die gearbeitet.
Die wussten also genau, wie oft der Buchstabe Aleph, Bet, Gimel, Dalet in der Tora vorkam und so weiter und so fort. Aber früher haben dann Bibelkritiker gesagt, die haben zwar ganz toll abgeschrieben, sehr schöne Arbeit, Fleissarbeit im Mittelalter, aber wer sagt uns, dass die Überlieferung vor dem Mittelalter auch so gut war? Das war nur ein akademischer Zweifel. Sie hatten keine Argumente dafür, dass sie sagen konnten, es wäre schlecht gewesen.
Dann kam das zwanzigste Jahrhundert mit dem größten archäologischen Fund: Qumran. 1947 bis 1956 wurden in elf Höhlen in Qumran in der Nähe des Toten Meeres Schriftrollen entdeckt, die zu einem großen Teil aus vorchristlicher Zeit stammten. Es kamen dann noch weitere Funde dazu, in der Nähe im Wadi Murabba'at und dann auf der Festung Masada.
Nun die große Überraschung: Jetzt konnte man den Text des Mittelalters endlich vergleichen mit Handschriften, die zum Teil über tausend Jahre älter waren. Denn diese Bibelhandschriften gehen bis ins dritte Jahrhundert vor Christus zurück. Toll, jetzt können wir sehen, was in tausend Jahren geschehen ist. Und die Qumranforschung hat das schon seit ein paar Jahrzehnten untersucht, Jahrzehnte sind da vergangen, da kann man ein bisschen zurückgelehnt darüber Auskunft geben.
Die Qumranforschung hat gezeigt, es gibt nichts Besseres als den masoretischen Text des Alten Testaments, MT, ja, den MT. Und zwar hat man festgestellt: Die Orthographie, die Rechtschreibung des masoretischen Textes, ist im Allgemeinen altertümlicher als die in den meisten Handschriften von Qumran verwendete. Ja, das ist natürlich irgendwie ein Joke. Wir sind ja heute etwas sensibilisiert für neue Rechtschreibung. Heute ist es möglich, anhand der Rechtschreibung zu sehen, ob eine NZZ vor oder nach der Wende geschrieben worden ist. So gibt die Rechtschreibung da einige Auskunft, und nun entspricht der mittelalterliche Text eigentlich der Rechtschreibung aus dem siebten bis fünften Jahrhundert vor Christus. Das ist fantastisch.
Und jetzt merken wir vielleicht noch: Wann war der letzte Prophet des Alten Testaments? Maleachi, um 400. Das heißt, es entspricht der Rechtschreibung zur prophetischen Zeit, als immer noch Propheten da waren, die unter Inspiration ein Recht hatten, die Rechtschreibung des Alten Testaments zu redigieren. Nicht den Inhalt, die Rechtschreibung.
Und nun muss man also sagen: Viele Handschriften in Qumran wirken modern im Vergleich zum MT aus dem Mittelalter. Zum Beispiel die vollständige Jesajarolle, die kennt ja jeder, aus dem ersten Jahrhundert vor Christus, besitzt eine deutlich modernisierte Orthographie. Und zwar werden dort viele Lesemütter eingesetzt, das heißt Konsonanten, die man eingesetzt hat, um gewisse Vokale anzudeuten, damit man weiß, wie man das aussprechen muss. Hebräisch wird ja nur mit Konsonanten geschrieben. Und das ist Modernisierung, diese Lesehilfen.
Weitere Textformen und der Jerusalemer Zentraltext
Nun gibt es aber noch, neben dem masoretischen Text, den Text der Samaritaner. Sie haben die fünf Bücher Mose für sich überliefert, und diese Überlieferung weist auch gewisse Abweichungen von den fünf Büchern Mose der Juden auf. Dann gibt es die alten Übersetzungen. Wichtig ist dabei die älteste Übersetzung, die wir haben: die Septuaginta, eine griechische Übersetzung des Alten Testaments aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Auch sie weicht in verschiedenen Hinsichten vom hebräischen Text ab.
Jetzt haben wir also verschiedene Texttypen. Man kann grob sagen, dass wir in Qumran vier Texttypen finden. Nämlich den masoretischen Text; den findet man dort ebenfalls, aber man nennt ihn heute den vormasoretischen Text, eben weil er nicht aus dem Mittelalter stammt, sondern aus Qumran. Dann haben wir den samaritanischen Typ, ebenfalls in Qumran, den Septuaginta-Typ, auch in Qumran, und schließlich noch den modernisierten Typ, wie etwa die vollständige Jesajarolle. Vier verschiedene Typen.
Nun, was machen da wieder liberale Theologen? Sie sagen: Gut, der masoretische Text würde bedeuten, dass das wirklich gut überliefert wurde seit dieser frühen, schon vorchristlichen Zeit. Aber wer sagt uns, dass das der authentische Text ist? Es könnte ja auch der Septuaginta-Text authentischer sein oder der samaritanische. Ja, was sollen wir da sagen? Nun, einfach weiterforschen.
Es ist so: Wie kommt es eigentlich, dass diese mittelalterlichen Handschriften so altertümlich sind? Diese Gelehrten im Mittelalter aus dem offiziellen Judentum hatten Zugang zu den allerbesten Quellen des Judentums, mit anderen Worten: zum Zentraltext des Judentums. Und wo war der? Der Zentraltext wurde im Tempel in Jerusalem aufbewahrt. In Haggai 2,5 sagte Gott damals zu den Juden, die den zweiten Tempel bauten: Das Wort, das ich mit euch eingegangen bin, als ihr aus Ägypten zoget, und mein Geist bestehen in eurer Mitte; fürchtet euch nicht. Das sagt Gott in Verbindung mit dem Tempelbau. Mein Wort besteht in eurer Mitte. Und so wurde der Tempel der Aufbewahrungsort für die Heilige Schrift.
Der Talmud, das steht ganz unten auf Seite dreizehn, letzter Abschnitt, spricht ausdrücklich von drei Torarollen, die im Tempel aufbewahrt wurden. Ich habe die genauen Stellen in der Fußnote angegeben. Von besonderer Bedeutung ist die Erwähnung einer Torarolle, die das Buch Esra genannt wurde. Man geht im orthodoxen Judentum davon aus, dass hier eine Torarolle der fünf Bücher Mose gemeint ist, die auf Esra zurückging, der selbst ein Bibelschreiber war. Also wurden diese Kopien der mosaischen Gesetzesbücher im Judentum dem Schriftgelehrten und Priester Esra zugeschrieben, und sie genossen höchste Verehrung und Achtung. Aber die rabbinischen Quellen bezeugen, dass nicht nur die Tora, sondern offensichtlich alle kanonischen Bücher des Alten Testaments im Tempel aufbewahrt worden sind.
Nun, in Qumran haben wir es mit einer Sekte zu tun, das heißt mit einer Gruppe, die sich im zweiten Jahrhundert vor Christus vom offiziellen Judentum abgesondert hatte. Sie lehnten den Tempel in Jerusalem als unrein ab. Und als sie gegangen waren, haben sie eben mitgenommen, was man haben konnte. Darum hatten sie in ihrer Bibliothek so viele verschiedene Texttypen.
Aber jetzt hat man weitere Funde gemacht, etwa im Wadi Murabbaat. Das sind Funde aus späterer Zeit als Qumran, aus der Zeit des zweiten jüdischen Aufstands, 132 bis 135 nach Christus. Das waren Juden aus dem offiziellen Judentum, und die Handschriften dort haben ganz deutlich das masoretische Gepräge. Man hat weitere Handschriften entdeckt; ich habe überall die Quellen in den Fußnoten angegeben, auch auf Masada. Und man hat festgestellt, dass die masoretischen Texte aus Masada, ebenfalls aus dem offiziellen Judentum, sogar noch näher beim mittelalterlichen Text sind als die masoretischen Handschriften von Qumran. Da merkt man die Bedeutung, sich am Zentraltext zu orientieren.
Und nochmals zum Wadi Murabbaat in der Nähe von Bethlehem, in der Wüste Judäas: Die Fragmente, die man dort von den fünf Büchern Mose gefunden hat, stimmen in jedem Buchstaben mit dem mittelalterlichen Text überein. Keine einzige Variante, gut, es sind Fragmente, aber keine einzige Variante in der Buchstabierung. Und so können wir sagen: Der masoretische Text ist der Jerusalemer Zentraltext. Merkt euch diesen neuen Begriff. Denn davon hört man von Theologen nicht oft, weil die meisten diese Dinge gar nicht kennen. Das ist wichtig, das ist ein anderes Gebiet, das Gebiet der Orientalistik.
Jerusalemer Zentraltext, das ist der masoretische Text. Er ist das Beste, was es gibt, und auf diesem Text beruhen alle Übersetzungen in reformatorischer Tradition. Also sind wir da wirklich gut bedient.
Der Tempel als Ort der Schrift und die Frage nach dem Kanon
Nun etwas zum Neuen Testament. Was fragen Sie sich in erster Linie bei diesem Hinweis in Haggai 2,5?
Aus der rabbinischen Überlieferung weiß man ganz genau, dass der Tempel tatsächlich der Aufbewahrungsort für die besten Handschriften war, nach denen man sich übrigens richten musste. Es gab sogar Abschreiber, die aus der Tempelkasse für ihre Arbeit bezahlt wurden. Das zeigt die Zentralität des Tempels.
Es war auch so: Man durfte zum Beispiel Homer nicht auf den Tempelplatz mitnehmen. Heute liest man andere Bücher, aber damals hätte man als säkulare Literatur Homer gelesen. Apokryphen durfte man ebenfalls nicht auf den Tempelplatz bringen. Es durften also nur kanonische Bücher auf den Tempelplatz gebracht werden, und dann gab es gewisse Ausnahmen, zum Beispiel Geschlechtsregister der Priester, also das, was unbedingt nötig war für den Tempeldienst. Aber auch da wurde ganz klar unterschieden: Der Tempel war der Ort für die Heilige Schrift.
Jetzt versteht ihr viel besser, warum Paulus in 2. Timotheus 3,15 von den heiligen Schriften spricht. Das sind die Schriften, die heilig sind und allein im heiligen Tempel aufbewahrt werden konnten, im Gegensatz zu allen anderen Schriften.
Und das ist noch eine ganz tolle Sache. Wenn ihr wieder mit liberalen Theologen sprecht, würden sie euch sagen: Ja, der Kanon war im Alten Testament noch lange nicht festgelegt. Das wurde erst in der Besprechung im Konzil von Jamnia etwa 90 nach Christus festgelegt. Dann könnt ihr sagen: Ja, wo steht in der alten Literatur etwas von einem Konzil in Jamnia? Ja, das haben wir so gelernt. Aber wo haben wir da konkret etwas? Ja, im Talmud. Wo im Talmud? Ja, müsste ich nachschauen, in einem Buch.
Gehen wir auf die Stellen: Ihr findet kein Konzil in Jamnia. Das ist eine Konstruktion, die könnt ihr heute vergessen. Es gab in Jamnia Diskussionen über Hesekiel, über Prediger, über das Hohe Lied, aber es gab gar kein Konzil. Das war schon längst klar, welche Schriften in den Tempel durften und welche nicht, und damals war der Tempel schon zerstört.
Also, dieses Konzil hat es gar nicht gegeben. In Verbindung mit dem Tempel war die Kanonfrage schon längst entschieden, denn hier ging es ja darum, welche Bücher man überhaupt mitnehmen darf und welche nicht. Aber alle kanonischen Bücher wurden eben im Tempel aufbewahrt.
Ist die Frage so beantwortet? Gut, wir gehen weiter.
Sorgfalt beim Abschreiben und die Überlieferung des Neuen Testaments
Noch etwas zur Sorgfalt beim Überliefern. Rabbi Jishmael, Seite 14, zweiter Abschnitt, ermahnt im Talmud um 130 nach Christus einen Abschreiber so:
„Mein Sohn, sei vorsichtig, denn dein Werk ist das Werk des Himmels. Wenn du einen Buchstaben weglässt oder einen Buchstaben hinzufügst, so findest du dich in der Funktion eines Zerstörers der ganzen Welt.“
Ja, da muss man mal den sogenannten neo-evangelikalen Leuten, die sagen: Ja, mit Inspiration, so wörtlich können wir das auch wieder nicht nehmen, mal so etwas vorlesen. Das ist Ehrfurcht vor Gottes Wort, nicht einfach wegen Buchstabengläubigkeit, sondern weil die Buchstaben eben Gottes Wort vermitteln.
Jetzt gehen wir zum Grundtext des Neuen Testaments. Heute gibt es eine große Kontroverse über die Übersetzung des Neuen Testaments. Welchen Grundtext oder welche Grundtextausgabe soll man benutzen? Den Textus receptus, den Mehrheitstext oder auch Majority Text genannt? Ich nenne ihn neu mt und dann oben klein nt, im Gegensatz zum masoretischen Text oben klein at, den mt at und den mt nt. Oder soll man den Text von Nestle-Aland benutzen?
Ich erkläre: Textus receptus heißt der überlieferte Text. Damit sind die griechischen Handschriften gemeint, die man in der Zeit der Reformation zur Verfügung hatte. Die Reformatoren wollten ja wieder auf den Grundtext und nicht mehr auf die lateinische Vulgata der katholischen Kirche zurückgreifen. Also die Handschriften, die man in der Reformation zur Verfügung hatte, das nannte man Textus receptus, den überlieferten, damals allgemein zugänglichen Text.
Im neunzehnten Jahrhundert ging man auf die Suche nach noch älteren Handschriften. Zu diesem Zweck reiste auch Konstantin von Tischendorf in den Sinai, und dort fand er zum Beispiel den Codex Sinaiticus. Ich habe ihn da mitgebracht, könnt ihr da lesen, in Originalgröße, da ist gerade der Schluss des Hebräerbriefes. Also es ist nur eine Kopie. Er stammt aus etwa 350 nach Christus. Das war damals eine Sensation, so weit zurück kannte man noch nie.
Aber die Suche ging weiter. Im zwanzigsten Jahrhundert fand man die Papyrushandschrift P46 aus Ägypten, die nach der neuesten Datierung auf das erste Jahrhundert nach Christus datiert wird. Sie umfasst etwa achtzig Prozent des ursprünglichen Textes. Es ist eine Sammlung von Paulusbriefen. Der Koreaner Kim hat das in einer gründlichen Arbeit datiert und kam auf fünfundsiebzig bis hundert nach Christus. Das ist toll, ja? Wir haben also Zugang zu neutestamentlichen Handschriften bis in die Zeit der Augenzeugen. Das ist nicht die einzige. Man hat jetzt noch weitere Handschriften, die man so herunterdatieren musste. Das ärgert natürlich Bibelkritiker, und die haben die Arbeit von Kim gar nicht gern, aber keiner kann sie widerlegen.
Nun noch etwas: Man hat also viel ältere Handschriften gefunden, und viele kamen aus Ägypten. Warum? Ägypten ist so trocken und heiß, dass Handschriften aus ältester Zeit dort überleben konnten, besser als in der Türkei oder in Griechenland oder in Italien und so weiter und so fort. Darum kommen die allerältesten Handschriften insbesondere aus Ägypten.
Bibelkritiker haben die Ansicht verbreitet, dass das Neue Testament völlig verändert worden sei. Es habe im vierten Jahrhundert, als das Christentum zur Staatskirche wurde, eine Rezension durchgemacht. Also man habe die Bibel völlig überarbeitet. Dabei sei alles, was der Kirche nicht gepasst habe, aus dem Text herausgestrichen worden. Aber jetzt kann man mit Handschriften, die viel weiter zurückgehen, zeigen: Das stimmt überhaupt nicht. Könnt ihr vergessen, auch die New Ager, die sagen, im Neuen Testament gab es die Reinkarnation, die Kirche hat das rausgeschmissen. Wenn sie sagen: Ja, wann haben sie das rausgeschmissen? Ja, Rezension, wann? Vielleicht kommt dann noch dazu, zu sagen: im vierten Jahrhundert. Ja, und wir haben Handschriften aus dem ersten Jahrhundert. Die haben nicht eine andere Bibel gehabt, da ist auch nichts von Reinkarnation drin. Wir müssen diese Dinge verbreiten, die werden nicht bekannt gemacht, wenn wir sie nicht bekannt machen.
Also, ausgehend von Tischendorf haben dann Gelehrte behauptet, dass der Textus receptus eine relativ späte Erscheinung sei und man sich deshalb nicht auf ihn, sondern möglichst auf die ältesten Handschriften stützen sollte. Diese Entwicklung hat schließlich dazu geführt, dass heute in Europa die Textausgabe von Nestle-Aland hochgehalten wird, weil darin die alten Handschriften schwerpunktmäßig berücksichtigt worden sind. Ich will sagen: die ägyptischen Handschriften.
Jetzt hat man allerdings in den vergangenen Jahren schwere Einwände vorbringen können, vor allem von Amerikanern, gegen Nestle-Aland, und man hat zeigen können, dass der Textus receptus den Urtext viel besser widerspiegelt. Aber ich muss noch ein bisschen objektiver darlegen.
Wir haben jetzt durch all diese Handschriftensammlungen etwa 5.000 griechische Manuskripte des Neuen Testaments. Das ist ein absoluter Hammer. Von den lateinischen und griechischen Klassikern, Cicero, Caesar usw., ist es gut, wenn man von einem Werk ein Dutzend Handschriften hat. Aber als wir in der Schule den Gallischen Krieg lasen – Gallien ist omnis, die Wiese ein Part des Drehs, Gallien ist vollständig geteilt in drei Teile usw. – da hat keiner gezweifelt, dass das Caesar ist. Aber die Textgrundlage ist schwach. Im Vergleich zum Neuen Testament: 5.000 Manuskripte für das Neue Testament, das ist absolut grandios, fantastisch. Wir haben eine so breite Textgrundlage.
Nun ist es aber so: Der größte Teil der biblischen Manuskripte weist eine beachtliche Übereinstimmung auf, und darum nennt man diese Manuskripte den Mehrheitstext oder eben Majority Text. Das ist der mt nt.
Nun ist es folgendermaßen: Der Mehrheitstext stimmt größtenteils mit dem Textus receptus überein. Also die sind so ähnlich, die haben 98 Prozent Übereinstimmung. Man kann also sagen, der Textus receptus ist eine Spezialform des Mehrheitstextes. Aber wir können die Zusammenarbeit auf eine Seite stellen und auf die andere Seite den Nestle-Aland-Text. Wichtig ist auch da noch: Die haben 90 Prozent Übereinstimmung. Also in 90 Prozent gibt es keine Diskussion, auch nicht über einen Buchstaben. Das muss man auch mal klar sehen, also da wird überhaupt nicht diskutiert. Es geht also nur noch um die Unterschiede von den zehn Prozent.
Argumente für den Mehrheitstext: Der Nestle-Aland-Text stützt sich auf sehr alte Manuskripte, das ist gut, aber auf wenige Manuskripte. Und diese wenigen Manuskripte kommen aus einem sehr engen geografischen Bereich: Ägypten. Nun, Ägypten ist bekannt als ein besonders fruchtbares Gebiet in den ersten Jahrhunderten für Irrlehren. Darum ist also der Ort nicht gerade besonders günstig, von dem her gesehen. Und man kann das effektiv dann auch zeigen, so an bestimmten Lesarten.
Zum Beispiel eine wichtige Irrlehre in der frühen Zeit bestritt die Gottheit Christi. Seite 16, zweitletzter Abschnitt, ein Beispiel: Johannes 1,18. „Niemand hat Gott jemals gesehen.“ Das steht im ägyptischen Text: „Der eingeborene Gott hat ihn uns kundgetan“, anstatt „der eingeborene Sohn“. Man hat also einfach das Wort Hyos durch Theos ersetzt. Fast gleich, ja? Nun, wenn man sagt: der eingeborene Gott, dann kann man behaupten, Jesus Christus ist Gott, aber er ist dazu geboren worden. Er ist nicht von Ewigkeit her Gott. Da merkt man eine solche Irrlehr-Tendenz. So könnte man mehrere Beispiele bringen.
Aber das Große ist nun folgendes: Der Mehrheitstext kann sich auf mehr als 90 Prozent der 5.000 Manuskripte abstützen. Unglaublich, oder? Aber das hat man als Schwäche ausgelegt. Man hat gesagt: Ja, seht ihr, das ist einfach so viel tausendmal dasselbe, das ist gewiss mal einfach stur das Gleiche abgeschrieben. Aber das Problem ist: Wenn man die Manuskripte miteinander vergleicht, sieht man, das ist nicht so. Die sind nicht einfach stur abgeschrieben, denn die haben untereinander Unterschiede. Es ist kein Einheitsbrei, und trotzdem eine so verblüffende Übereinstimmung, obwohl die geografisch aus ganz verschiedenen Gebieten kommen.
Wenn ein Irrlehrer in Ägypten plötzlich schrieb: der eingeborene Gott, dann schreiben andere das in Ägypten ab. Dann gibt es in Ägypten diese Handschriften. Aber dann holen wir die Handschriften aus Italien und der Türkei und Griechenland, und alle sagen: der eingeborene Sohn. Da können wir sagen: Ja, schau mal, in Ägypten ist das als Spezialtext entstanden, aber weit verbreitet geografisch haben wir Übereinstimmung dagegen. Und so ist das eine Stärke des Mehrheitstextes.
Und dann kommt noch etwas Interessantes aus der Homerforschung. Die Homerforschung, das sind also Spezialisten für Altgriechisch, aber im Allgemeinen interessieren sie sich überhaupt nicht für das Neue Testament. Die haben sich also mit Ilias und Odyssee beschäftigt und haben festgestellt: Wir haben da drei Texttypen. Es gibt einen gekürzten Text, der ist intellektuellen Ursprungs, es gibt einen mittleren Text und einen verlängerten Text, der ist mehr populär, volkstümlichen Ursprungs. Nun haben sie festgestellt, für ihre Handschriften: Der mittlere Text ist der echte, der verkürzte ist eine intellektuelle Form und der verlängerte ist eine volkstümliche Form. Der mittlere ist der richtige.
Nun ist das beim Neuen Testament genau so. Wir haben auch drei Texttypen. Es gibt nämlich den verkürzten Text, das ist der ägyptische Text, oder ihr könnt sagen Nestle-Aland. Es gibt den verlängerten Text, den nennt man den westlichen Text, der ist zum Beispiel im Kodex D vertreten, nicht so viele Handschriften, und für den interessiert sich niemand. Da glaubt also niemand, dass der echt ist. Es bleibt nur noch der mittlere Text, das ist der Mehrheitstext.
Doch interessant: Allein dieser Vergleich würde schon zeigen, der mittlere Text ist eigentlich vorzuziehen. Bei der Homerforschung hat sich das als der richtige Text erwiesen, und beim Neuen Testament haben wir viele Argumente, ich habe Verschiedenes davon genannt, es gibt noch mehr, die zeigen: effektiv, der mittlere Text, der Mehrheitstext, ist die beste Grundlage für das neutestamentliche Wort Gottes.
Die Frage nach den Apokryphen und die Grenzen des Kanons
Jetzt gehe ich noch auf das Problem der Apokryphen ein. Dann haben wir es schon geschafft für die zweite Stunde.
Wir haben also gesehen: Der Bibeltext ist bis in unsere Zeit ausgezeichnet gut überliefert durch den MT-AT und den MT-NT. Aber jetzt drängt sich die Frage nach dem Umfang des Textes auf. Welche Bücher gehören zur Bibel?
Es gibt Bibelausgaben, die zwischen dem Alten und dem Neuen Testament noch zusätzliche Schriften haben, die sogenannten Apokryphen. Das Wort apokryph heißt verborgen. Gehören sie zur Bibel oder nicht?
Nun, ein klares Zeugnis haben wir aus dem alten Israel. Im alten Israel wurden diese Bücher abgelehnt. In der Fußnote 19 heißt es, der jüdische Historiker Josephus Flavius aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, ein Priester in Jerusalem, bringt in seinem Werk Contra Apion I,8 die allgemeine jüdische Sicht zum Ausdruck. Er macht klar, dass die biblischen Bücher von Mose bis in die Zeit des Artaxerxes, das ist die Zeit von Maleachi etwa, geschrieben wurden und dass die Schriften aus der Zeit danach im Judentum nicht diese Autorität bekommen haben.
Aber wie hat man denn diese autoritativen Bücher erkannt? Ein Bibelschreiber musste ein beglaubigter Prophet in Israel sein, nachweislich unfehlbar, 5. Mose 18,20-22, Fußnote 20. Dort wird deutlich: Wenn ein Prophet einmal eine falsche Aussage macht, ist er ein falscher Prophet, der gesteinigt werden muss. Ja, das muss man mal den modernen Propheten erzählen.
Ferner durfte er nichts sagen, was zum Abfall von Gott führen konnte, vom Abfall von dem Gott, der sich im Gesetz Mose geoffenbart hatte, 5. Mose 13,1-5. Er konnte also ein Zeichen voraussagen, und es erfüllt sich, aber wenn er etwas sagte, was zum Abfall führt, war er ein falscher Prophet. Wir sehen: Der Maßstab war die Tora, die fünf Bücher Mose. Und Mose war ja beglaubigt durch all die Wunder in Ägypten und in der Wüste als der von Gott gegebene Mittler. Und das Volk hat ja die Stimme Gottes selbst gehört beim Sinai. Und diese Stimme hat Mose bestätigt.
Darum wurden alle weiteren Propheten anhand der Tora geprüft. Wenn sie da irgendwie ein Problem hatten oder wenn sie etwas verkündigten, was sich nicht erfüllt hat, waren sie falsche Propheten. So konnte man unterscheiden zwischen autoritativ und falsch.
Seite 18: Im babylonischen Talmud, das ist das wichtigste theologische Werk im Judentum, geschrieben im zweiten bis fünften Jahrhundert nach Christus, heißt es im Traktat Sanhedrin 11a: Nachdem die letzten Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi gestorben waren, wich der Heilige Geist von Israel. Das war im Judentum die Überzeugung. Die prophetische Autorität ist nach Maleachi gewichen, etwa 400 v. Chr.
Interessant ist, dass sich in dem apokryphen Buch 1. Makkabäer in Kapitel 9,27 die Klage darüber findet, dass man keine Propheten mehr hat, im zweiten Jahrhundert vor Christus.
Nun, alle Apokryphen sind nach Maleachi geschrieben worden, ganz wichtig, und wurden im Judentum nie anerkannt, im offiziellen Judentum. Weiter: Die Apokryphen erheben keinen Anspruch darauf, von Gott inspirierte Schriften zu sein. Aber zum Beispiel 2. Makkabäer muss man den Schluss einmal lesen, ganz lustig. Der Schreiber sagt, es ist nicht lustig, immer Wein zu trinken oder immer Wasser, sondern mal so, mal so, und so ist es auch eben unterhaltsam, wenn man Verschiedenes liest. Und ich hoffe, dass mein Buch dem Leser angenehm ist. Es ist also gehobene Unterhaltungslektüre.
Und weiter interessant ist: Die Apokryphen haben im Vergleich zu den anderen biblischen Büchern geschichtliche Fehler, auch ethische Fehler, dass zum Beispiel das Gebet für die Toten. Das findet man im 1. Makkabäer, 1. Makkabäer 12. Sie haben lehrmäßige Fehler. Im Neuen Testament wird nie ein apokryphes Buch als autoritative, inspirierte Schrift zitiert, wie die Schrift sagt, und dann ein Zitat. Das findet man nirgends.
Und die katholische Kirche hat dann in der Gegenreformation erklärt, im Konzil von Trient: Verflucht ist, wer diese apokryphen Bücher nicht als Gotteswort anerkennt. Damit haben sie den heiligen Hieronymus verflucht, weil der Übersetzer um 400 die Bibel ins Lateinische übersetzt hat, aber gesagt hat, sie sind nicht Gotteswort.
Zu Gottes Wort erhoben wurden sie, weil die Reformatoren erklärt haben: Wir hören nicht auf Konzile, wir hören nicht auf Päpste, es muss einfach geschrieben sein in der Schrift, sola scriptura, allein die Schrift. Also wenn ihr uns beweisen könnt anhand der Schrift, dass wir falsch liegen, sind wir gerne bereit, aber sonst nicht.
Dann haben die sich gesagt: Ja gut, dann holen wir diese Bücher, machen klar, dass sie Gottes Wort sind, und dann können wir sie mit der Schrift widerlegen. Ihr seid zum Beispiel gegen Beten für die Toten. Sie haben also das Sola-Scriptura-Prinzip der Reformatoren im Kampf gegen die Reformation verwenden wollen. Das muss man sich auch deutlich im Bewusstsein behalten.
Die apostolische Autorität und der Abschluss der Pause
Und jetzt gehen wir zum Neuen Testament über. Jesus Christus übertrug bestimmten Personen eine ganz besondere Autorität. Er gab ihnen das Apostelamt. Lukas 6,12-16, Galater 1,1.
Und ihnen galt die Zusage aus Matthäus 10,40: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf.
Nun, die meisten Bücher des Neuen Testaments sind von Aposteln Jesu Christi geschrieben worden, also nicht von Aposteln im Sinn von Missionaren. Das gibt es auch im Neuen Testament. Gemeint ist hier aber das Apostelamt Jesu Christi, also Personen, die eine besondere Autorität bekommen haben.
Es war daher für Christen selbstverständlich, dass die Verfasserschaft der Apostel ein wichtiges Kriterium war, um die Schriften anzuerkennen. Denn der Herr hat den Aposteln ja die Inspiration durch den Heiligen Geist vorausgesagt. Das haben wir gelesen in Johannes 14,15,16.
Gemäß Epheser 2,20 ist die Kirche aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten. Deshalb konnten die Christen nur Bücher anerkennen, die von Aposteln oder von Propheten geschrieben waren, die von den Aposteln anerkannt waren, wie zum Beispiel Markus, Lukas, Judas und Jakobus.
Das waren keine Apostel Jesu Christi im Sinne von besonders autoritativen Personen, die Zwölf für Israel, Paulus für die Heiden. Aber sie waren anerkannt als Propheten, das heißt als inspirierte Schreiber durch die Apostel. Und darum konnte man auch ihre Schriften anerkennen.
Jetzt ist Zeit für Pause.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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