Einleitung
Liebe Freunde,
Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: Das deutsche Schicksal – vor einem
Schalter zu stehen. Das deutsche Ideal – hinter einem Schalter zu sitzen."
Die vor dem Schalter stehen, haben immer die Mehrheit. Aber die hinter dem
Schalter sitzen, die haben immer die Macht – das macht sie denen vor dem
Schalter immer so verdächtig. Jedenfalls, wenn sie ihre Macht missbrauchen.
Jedenfalls, irgendwie haben die Leute immer etwas gegen Beamte, jedenfalls
gegen Zollbeamte. Jedenfalls ist das zur Zeit von Jesus so gewesen.
Drei Gründe, warum Zöllner verhasst waren.
Damals war der Beruf des Zöllners so anrüchig gewesen wie, sagen wir einmal
der Beruf des Zuhälters. Eine einträgliche Sache, aber irgendwie
unanständig. Mit solchen Leuten verkehrte man nicht, mit denen sprach man
nicht, mit solchen Leuten wollte man nichts zu tun haben. Zöllner waren zur
Zeit von Jesus verhasst bei der Bevölkerung – aus drei Gründen: erstens,
weil sie die Staatseinkünfte für die verhasste Besatzungsmacht eintrieben,
also mit ihrer Zusammenarbeit mit der fremden Zwangsherrschaft die
Besatzungsmacht unterstützten, galten sie als nationale Verräter. Zweitens,
weil man in Israel Abgaben nur zu religiösen Zwecken kannte und weil sie
mit den heidnischen Besatzern zusammenarbeiteten galten sie als religiöse
Verräter. Drittens, weil sie durch Erpressung und auf Kosten ihrer eigenen
Mitbürger sich ein großes Vermögen erworben haben, galten sie auch noch als
Verräter an der Sache des ausgebeuteten Volkes.
Von so einem Typ wird im Lukasevangelium erzählt, Kapitel 19, die ersten
Verse. Der Mann hieß Zachäus, wohnte in Jericho, war ein kurzes Kerlchen,
aber jeder Zoll ein Zöllner. Er war ein Ober-zöllner, also ein
Obergangster, der wiederum von der Auspowerung seiner Unterzöllner lebte.
Auf Deutsch gesagt: ein Miststück erster Sorte.
Wozu muss ein sündiger Zöllner bitteschön Jesus sehen?
Nun gehört ja zum Beruf eines Zöllners bekanntlich die Neugierde. Und die
hatte der Zachäus. Als er eines Tages hört, dass Jesus durch Jericho kommt,
da will er Ihn natürlich sehen. Er hat ja gehört, dass Jesus vor Jericho
ein Wunder getan hatte, er hat ja einen Blinden geheilt und diese Sensation
hatte sich überall herumgesprochen. Und als Jesus durch Jericho kommt,
rennt alles, was Beine hat, und jeder will Ihn sehen. Ein dichtes Gedränge
auf alle Bürgersteigen, und der Zachäus mitten drin. Aber so sehr er auch
seinen Hals reckt und sich auf die Zehenspitzen stellt – er kann nichts
sehen! Dem geht's so wie euch da hinten: ihr seht auch bloß den Kopf eurer
Vordermänner. Er sah nicht mal Köpfe von Vordermännern, sondern er sah
höchstens Rücken oder kalte Schultern.
Gerade weil er so kurz war – da sieht man mal, wie die Leute auf ihn böse
waren – hätte man ihn ja nach vorne lassen können, er hätte dort ja
niemandem die Aussicht versperrt. Aber nein, nun gerade nicht! Der böse
Zachäus nimmt uns unser gutes Geld weg, und da nehmen wir ihm mal zur
Abwechslung die gute Aussicht weg. Endlich mal eine Gelegenheit, diesem
Hundesohn eins drauf zu geben und ihn vom Anblick des Gottessohnes
auszuschließen und überhaupt – wozu muss so einer wie der Jesus sehen? Die
Bürger von Jericho sind längst ausgestorben, aber ihre Nachkommen leben
noch. Das sind die Leute, die sagen: Hauptsache ich habe einen Sitzplatz,
Hauptsache ich sehe gut, Hauptsache mir geht's gut, Hauptsache ich bin mit
dem Rücken an der Wand. Oder das sind die Christen, die sich für etwas
Besseres halten und andere Menschen verachten. Die sich besser vorkommen
als gewisse Leute und die sich dann, wenn gewisse Typen einmal in die
Kirche kommen, die Nase rümpfen und sagen: Na, was will denn der hier?!"
Zum Beispiel haben sie kürzlich Mal einen der Musiker, die beim letzten
Gottesdienst hier gespielt haben aus einer Kirche rausgeschmissen. Also, so
gefährlich sahen die gar nicht aus, nicht? Ich weiß auch nicht, was an dem
dran war. Jedenfalls saß der in einer Kirche ganz ruhig da. Die Kirche war
geöffnet und er war ganz legal hineingekommen, aber vielleicht war der Bart
zu lang und die Hose zu ausgefranzt, ich weiß es nicht, es kam ein
Kirchenvorsteher und hat ihn aus der Kirche hinaus gefeuert. Den Namen der
Kirche verrate ich euch nicht. Es war eine berühmte Kirche in Dresden. Wir
haben schon ein Kreuz so mit der Kirche manchmal[1].
Der trickreiche Zachäus.
Also zurück nach Jericho: dort hatten die Bürger zwar einen großen Buckel,
aber einen kleinen Verstand, und da hat sie der Zachäus ausgetrickst. Sie
hatten vergessen, dass zum Beruf des Zöllners nicht nur die Neugierde
gehört, sondern auch die Findigkeit. Der Zöllner muss ja immer etwas
finden. Und wenn er nichts findet, dann muss er etwas erfinden. Und
erfindungsreich ist Zachäus gewesen. Der sagte zu denen, die ihm mit ihrem
Buckel die Sicht verstellten: Ach, rutscht mir den Buckel hinunter und
rannte ein Stück die Straße voraus und dann machte er es wie die Leute,
die, wenn der Friedenspfarrer kommt, sich mit einer Leiter an den
Straßenrand setzen. Er kletterte auf einen Maulbeerbaum, der seine Äste
weit über die Straße wegstreckte, und von dort oben wollte er durch die
Blätter durch Luki-Luki machen, wenn Jesus unten vorbei kommt.
Ihr müsst euch mal vorstellen, was das für ein Hallo gab, als das kleine
Männchen nun Klimmzüge machte und sich an dem Stamm hoch hievte und an dem
Ast entlang robbte wie so ein Zwölfjähriger beim Kirschen mausen. Ein
Reporter war dort, der wollte einen Schnappschuss machen, aber es war kein
Film in der Kamera. Da sagt er zu seiner Kollegin: "Nana" – so hieß die
Kollegin nämlich – Nana, nanu, du hast den Farbfilm vergessen! Meine
Seel!" und als er sie fragen will, warum, da war sie schon abgereist
(Großes Gelächter)[2].
Ihr müsst euch vorstellen, wir haben zwar keinen Farbfilm, aber wir haben
diesen herrlichen Bericht von Lukas, ihr müsst das mal lesen, Lukas 19. Das
ist ein richtig humorvoller Bericht im Neuen Testament. Ihr müsst euch mal
vorstellen, wie die Leute geguckt haben, als der Zachäus da hoch kletterte.
Das war eine stadtbekannte Persönlichkeit, schon wegen seines Reichtums.
Der kaufte seine Klamotten nicht im Konsum. Der ging nur in den Exquisit.
Und als Zöllner hat er ja genug ausländisches Geld gehabt, der hat also nur
im Intershop[3] gekauft (Gelächter).
Und dieser vornehme Herr klettert nun auf den Baum hoch, reißt sich noch
ein Loch in die Exquisit-Hose und in den Interschlips, der Salamander-Schuh
rutscht runter. Nun klettert er auf seinem Ast wie so ein Wetterfrosch,
macht Stielaugen und wartet, bis Jesus kommt. Der Mann macht sich einfach
lächerlich vor den Leuten. Er macht sich lächerlich, aber es macht ihm
nichts aus. Es ist ihm egal, ob seine schönen Hosen oder sein bürgerliches
Image kaputtgeht. Ihm geht's bloß um das eine, um Den einen, er will Jesus
sehen. Und tatsächlich hat niemand in ganz Jericho eine so gute Aussicht,
Ihn zu sehen, wie dieser Mann, über den sie jetzt noch alle lachen.
Der Ruf Jesu.
Als nämlich Jesus an dem Maulbeerbaum vorbei kommt, und Zachäus wie ein
Mops auf der Lauer in seinem Geäst da oben schwebt, da entdeckt Jesus ihn.
Er sieht hoch und sagt zu ihm: Zachäus, steig schleunigst herunter, denn
Ich muss heute in deinem Haus einkehren[4]. Dem Zachäus bleibt die Spucke
weg, wie Jesus ihn entdeckt, und wie Er ihn sogar mit seinem Namen anredet.
Ihr wundert euch vielleicht auch darüber, woher er den Namen weiß. Also ich
weiß das auch nicht, aber ich wundere mich nicht darüber – das ist bei
Jesus so. Er kennt jeden Menschen beim Namen – dich auch.
Bevor der Mensch sieht, wird er von Gott schon gesehen. Und ob sich der
Mensch nun vor Gott versteckt, so wie unser Stammvater Adam hinter dem
Baumstamm oder unser Zachäus im Laub des Baumes - in jedem Fall entdeckt
uns das Auge Gottes und ruft uns die Stimme Gottes und sagt: Du, ich hab
mir dir ein Wörtchen zu reden!" Du fühlst dich da unten ziemlich sicher
hinter deinem Vordermann, hinter der Säule da oben auf der Empore.
Vielleicht bist du ganz zufrieden, dass du dich unter der Menge des frommen
Fleisches verstecken kannst. Du versteckst dich wie Zachäus, du bist ein
Beobachter wie Zachäus, du bist ein Sünder wie Zachäus und jetzt ruft dich
Jesus wie Zachäus. Und Er sagt: Du, komm raus aus deinem Versteck, aus
deiner reservierten Haltung. Komm runter von deiner skeptischen
Verstiegenheit und von deinem hohen Ross. Komm her zu Mir!"
Der Zachäus ließ sich das nicht zweimal sagen. Er wusste als Zollbeamter:
wenn man erst einmal entdeckt ist, dann hat es keinen Zweck mehr, sich wie
ein grünes Chamäleon im grünen Laub zu verstecken. Sondern da heißt es:
raustreten und Farbe bekennen, was man für einer ist. Was bist du für
einer? Bist du ein Mensch, der zu Jesus will oder hängst du so im Leben und
weißt eigentlich gar nicht, wo du hingehörst? Falls du vielleicht gar nicht
weißt, was du willst: heute ruft Jesus dich! Also steig raus aus der Rolle
des kühlen Beobachters und neugierigen Zuschauers. Bleib doch nicht länger
hängen im Geäst deiner lächerlichen Standpunkte. Klammere dich nicht mehr
krampfhaft an deine Vorurteile. Du kennst doch das Lied: Lass die Zweifel
und Bedenken, lass dir Gottes Liebe schenken." Jesus ruft dich in sein
Reich. Er ruft dich genauso wie damals diesen Zöllner Zachäus, und zwar zu
einer schnellen Entscheidung. Er sagt zu dem Zachäus: Komm sofort runter!"
So hieß es auch in unserem Lied: Warte nicht und komme gleich!" Jetzt,
heute, in diesem Gottesdienst, in diesem Augenblick. Jesus sagt zu Zachäus:
Heute muss Ich in deinem Haus einkehren.
Heute, das heißt, du hast keine Zeit zu verlieren. Und so wie du bis jetzt
rumhängst, unentschieden zwischen Ja und Nein, so kann das nicht länger
weitergehen. Und jetzt ist der Tag gekommen, wo du dich entscheiden sollst.
Wo du ja sagen sollst, oder nein. Du heißt nicht Zachäus, du heißt Andreas
oder Renate, du hängst nicht auf dem Baum, du sitzt auf einer alten
Kirchenbank. Es ist egal, Hauptsache ist, du hörst. Hörst du mich? Ok, wenn
du mich hörst, dann bedeutet das, du hörst die Stimme von Jesus. Er hat zu
seinen Jüngern gesagt, wer euch hört, der hört mich. Jesus ruft dich, und
er sagt: Komm, entscheide dich – ich möchte heute - heute! - in dein
Leben einkehren." Verstehst du: nicht morgen und nicht übermorgen und nicht
am jüngsten Tag. Morgen kann das schon zu spät sein, da ist vielleicht der
Ast, auf dem du sitzt, abgebrochen, und Jesus ist schon weitergezogen.
Nutze den günstigen Augenblick der Gnade und komm, heute!
Wie gesagt: Zachäus lässt sich das nicht zweimal sagen. Wie der Blitz
rutscht er an seinem Baumstamm runter, ratscht sich dabei noch das andere
Hosenbein – macht nichts, egal. Es heißt von ihm: Er stieg sofort vom Baum
und nahm Jesus auf mit großer Freude und Jesus sagte zu ihm: heute hat Gott
dich angenommen. Bisher hatte Zachäus die Leute bloß ausgenommen, deshalb
waren sie alle gegen ihn. Und da begegnet ihm einer, der ist für ihn! Da
kommt zum ersten Mal in seinem Leben einer zu ihm, in sein Haus, unter sein
Dach und stellt sich vor allen Leuten auf seine Seite und setzt sich mit
ihm an den Tisch. Er wirft ihm seine Verworfenheit nicht vor. Er ist
einfach gut zu ihm.
Jesu Mittagsmahl mit dem stadtbekannten Gangster.
Jesus ist so gut. Er ist so gut auch zu den Menschen, die böse sind, denen
man vieles mit Recht vorwerfen könnte. Er tut es nicht. Jesus ist einfach
gut. Und so erfährt dieser Mann, dieser Verbrecher, dieser Strolch, dieser
Gauner, dieser elende Mensch erfährt zum ersten Mal im Leben, was Liebe und
was Güte ist. Und da ist er glücklich, und es gibt ein Festessen und hoch
die Tassen und er freut sich und alle anderen, die foppen sich. Ein lautes
Volksgemurmel regt sich und alle fragen sich, weswegen Jesus ausgerechnet
diesen kleinen Zachäus vom Baum herunter geholt hat. Allgemeine Empörung
darüber, dass Jesus ausgerechnet bei diesem stadtbekannten Gangster zum
Mittagessen geht. Das hatten sie von Jesus nicht erwartet.
Vor kurzem, im letzten Herbst, da waren zwei sowjetische Kosmonauten hier
in Karl-Marx-Stadt. Die kamen hier vorne über die Leipziger Straße herein
gefahren. Nun stellt euch mal vor, was passiert wäre, wenn die vorne über
die Salzstraße gefahren wären und zu ihrem Chauffeur gesagt hätten:
Towaritsch Lenkradowitsch, fahr mal hier vor und halt mal neben der
Schlosskirche am Restaurant Schlosswald" beim Paul. Wir wollen da Mittag
essen." Also ich möchte kein Wort gegen das Restaurant vom Paul gesagt
haben, aber es ist doch eine unbestreitbar objektive Tatsache, dass das
Interhotel Moskau" irgendwie repräsentativer ist als das Restaurant vom
Paul. Und jeder nimmt doch an, dass hohe Gäste beim Interhotel speisen und
nicht beim Paul.
Naja, und damals haben sie eben auch alle erwartet, dass Jesus beim Herrn
Bürgermeister absteigt, oder wenigstens beim Herrn Pfarrer – aber doch
nicht beim Zachäus, beim übelsten Schlitzohr von ganz Jericho. Und deswegen
das große Genöle über Jesus, Vers 7, wo sie sagen: Sieh nur, bei einem
Sünder ist er eingekehrt!
Und eben diesen Satz, den die braven Bürger mit ihrer ganzen moralischen
Entrüstung aussprechen, eben dieser Satz ist die frohe Botschaft, ist die
Zusammenfassung der ganzen biblischen frohen Botschaft der
Weihnachtsgeschichte. Und wir sprechen diesen Satz nicht im Tone maulender
Entrüstung aus, sondern im Tone eines dankbaren Triumphes: Bei einem Sünder
ist Jesus eingekehrt! Gott sei Dank! Gott sei Dank kommt Jesus zu den
Sündern, egal ob es sich um so einen reichen Ausbeuter handelt wie den
Zachäus, einen aus der reichen Ausbeuterklasse oder einen aus der armen
Arbeiterklasse wie den Fischer Petrus.
Jesus hat ein Faible für die schwarzen Schafe.
An den Frommen jedenfalls, die sich einbilden, sie wären etwas Besseres und
unbedingt bei ihnen müsste Jesus Platz nehmen, an diesen marschiert Jesus
ohne Aufenthalt vorbei, denn Er ist nicht auf der Suche nach den
Selbstgerechten, sondern auf der Suche nach den Sündern. Das heißt also,
nach Menschen, die mit sich und der Welt nicht mehr zurecht kommen. Die
frommen Spießer, die lässt er stehen. Er geht zu den Ausgeflippten, die
spießrutenlaufen müssen vor den anderen, wie Zachäus.
Natürlich weiß Jesus, dass die Art wie der sein Geld macht, eine große
Schweinerei ist. Und gerade weil er das weiß, weil er weiß, dieser Mann ist
ein Betrüger, und das ist ein ganz armes Schwein, obwohl der stinkreich
ist. Das ist ein Sünder, das ist ein schwarzes Schaf der Gesellschaft,
einer der ausgestoßen und verloren ist. Deshalb geht Jesus zu ihm. Die
schwarzen Schafe liebt Jesus am meisten.
Und gerade, wenn du für dich schwarz siehst, wenn du in Schuldgefühlen drin
steckst, da sagt Jesus zu dir: Ich will in dein Leben! Du bist es, wegen
dem ich hier bin." In Vers 10 sagt Jesus: Ich bin gekommen, um die Verloren
zu suchen. Jesus sucht dich. Hast du dich schon mal von Ihm finden lassen?
Viele zucken zurück, wenn sie diesen Satz hören – Jesus sucht dich. Manche
sind ein Leben lang auf der Flucht vor Gott. Sie wissen genau, was Jesus
von ihnen will. Aber sie wissen nicht genau, was Er von ihnen will. Und
manche denken, Jesus stellt tausend Bedingungen und macht tausend
Vorschriften Das darfst du nicht und das darfst du nicht!" – bis euch das
Leben keinen Spaß mehr macht. Bloß – wo steht das in der Bibel geschrieben?
Wo steht in unserer Geschichte, Lukas 19, ein Satz davon geschrieben, dass
Jesus irgendeine Bedingung stellt.
Das ist ja gerade das Herrliche, dass er keine Bedingung stellt! Jesus geht
nicht zu dem Zöllner: Jetzt komm mal her, jetzt zieh dich erst mal
anständig an und jetzt zahl erst mal das ganze gemauste Geld zurück und
jetzt werd' erst mal ein anständiger Mensch und bring dein Leben in Ordnung
wenn du das und das und das getan hast, dann kommst du. Dann wollen wir mal
darüber reden, ob ich dein Freund sein kann oder nicht.
Sowas sagt Jesus nicht. Sondern Jesus sagt zu diesem Zöllner, zu diesem
Gauner und ekelhaften Menschen: Du, ich möchte zu dir." Das ist alles.
Keine einzige Bedingung, aber eine einzigartige Verheißung. Er sagt: Ich
komme, um die Verlorenen zu suchen und selig zu machen; das heißt:
glücklich will Er dich machen! Mach doch mal die Türen deines Herzens auf,
schieb doch mal die Riegel deiner Vorurteile beiseite und lass ihn in dein
Leben rein.
Jesus tritt in Zachäus' Leben ein – andere Dinge müssen raus.
Der Zachäus nahm Ihn sofort. Er bekehrte sich auf der Stelle und die
Echtheit seiner Bekehrung zeigt sich an seiner Reue, die er empfindet. Und
die Echtheit seiner Reue zeigt sich daran, dass er sein Leben ändert. Vers
8: Zachäus trat vor den Herrn und sagte: Herr, ich verspreche Dir: ich
werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben und wenn ich jemanden
betrogen habe, so will ich ihm das vierfach zurück geben.
Vielleicht wirst auch du heute Abend, wenn du Jesus in dein Leben einlässt,
manches aus deinem Leben rausschmeißen. Denk' mal nach, was in deinem
Zimmer drinsteht an geklauten Gegenständen. An Büchern, die du geborgt hast
und mit Absicht nicht zurück gegeben hast. Und was du für Geld besitzt, das
du unterschlagen hast oder das du auf unrechtmäßigem Wege dir erworben
hast. Du kannst dir das jetzt noch gar nicht vorstellen, dass du einmal
hingehen könntest zu einem, den du über's Ohr gehauen hast und sagst:
Hier, das hab' ich dir mal geklaut – ich bring dir's zurück. Das kannst du
dir jetzt noch gar nicht vorstellen. Wenn du Jesus in dein Leben reinlässt,
dann bekommst du die Kraft dazu, dass du dich änderst. Dann geht das.
Der Zachäus konnte sich das auch nicht vorstellen, dass er mal zu denen
hingeht, die er betrogen hatte und denen das Geld zurück bringt. Dass er
selber mit der Hälfte des Geldes auskommt, das er bisher verdient hat. Aber
irgendwie hat er sich in dem Leben, das er geführt hat, gesehnt danach,
nach einem besseren, reineren Leben. Deswegen wollte er Jesus sehen. Und
wenn du Jesus sehen willst, wenn du ein neues Leben haben willst, dann
kannst du es geschenkt kriegen, so wie Zachäus. Dem hat Jesus keine einzige
Bedingung gestellt – und dir stellt er auch keine. Jesus stellt sich ganz
einfach vor dich hin und Er sagt: Du …." – und hier kannst du deinen Namen
einsetzen – Du, ich möchte in dein Leben."
In Offenbarung 3, 20 sagt Jesus. Hört mal gut zu: Ich stehe vor der Tür
und klopfe an. Und wenn jemand meine Stimme hört und öffnet, zu dem werde
ich eintreten und mit ihm zusammen essen." Heute Abend steht Jesus vor der
Tür deines Lebens. Und du brauchst weiter gar nichts zu machen, als
aufzumachen. Das heißt, du brauchst nur zu sagen: Ja, Herr, komm bitte,
tritt ein in mein Leben." Das ist alles. Und Jesus wird so, wie Er es
versprochen hat, in dein Leben eintreten. Ich weiß es! Ich weiß, dass Er
jeden rettet.
_
[1] Es konnte sich damit nur um die Kreuzkirche in Dresden handeln. – Anm.
des Schreibers.
[2] Theo Lehmann bezieht sich wohl ironisch auf eine damals aktuelle
Situation im Kampf mit der DDR-Staatsmacht, die sich dem heutigen Leser
nicht mehr erschließt. – Anm. des Schreibers.
[3] Konsum, Exquisit und Intershop waren Einzelhandelsketten der DDR. Die
Konsum Genossenschaften waren das Rückgrat des DDR-Einzelhandels. Die
Exquisit-Geschäfte boten ein höherpreisiges Sortiment an Kleidung an. In
den Intershop-Geschäften konnten DDR-Bürger West-Waren gegen Devisen
erwerben. DDR-Mark wurden in den Intershops nicht akzeptiert. – Anm. des
Schreibers.
[4] Lukas 19, 5
