Ich weiß nicht, ob ihr wisst, welcher Bestseller im Jahr 1788 veröffentlicht wurde. 1788 – das ist schon eine ganze Weile her. Adolf Freiherr von Knigge veröffentlichte das Buch „Über den Umgang mit Menschen“, ein Werk über gute Umgangsformen.
Bis heute ist der Name Knigge untrennbar mit Benimmregeln verbunden. Wenn man sagt: „Ich habe mir einen Knigge gekauft“, meint man damit einen Benimmratgeber.
Ich dachte mir, wir machen heute Morgen einmal einen „Knigge für Älteste“. Also: Wie geht man richtig mit Ältesten um? Die Predigt könnte den Titel tragen: „Von der Hege und Pflege eines Ältesten, damit er lange Freude an seinem Dienst hat und die Gemeinde viel Segen von ihm erfährt.“
Einführung: Vom Knigge zum Umgang mit Ältesten
Ihr müsst verstehen: In meinem Büro steht nur eine einzige Pflanze, und das ist ein Kaktus. Dieses Ding lebt.
Ich bin immer wieder überrascht, weil meine Pflege darin besteht, dass ich ihn etwa alle drei Monate, wenn ich ihn vergessen habe, plötzlich wieder bemerke. Dann nehme ich den Topf, gehe ins Badezimmer nebenan, fülle ihn komplett mit Wasser und stelle ihn wieder auf den Absatz in meinem Büro. Danach bleibt er wieder etwa ein Vierteljahr dort stehen – und er lebt weiterhin.
Ich finde das total faszinierend.
Ich habe mich gefragt, was sonst noch in meinem Büro überleben könnte, wenn dieser eine Kaktus es schafft. Das Problem ist: Wenn ihr mit euren Ältesten genauso umgeht wie ich mit meinem Kaktus, werdet ihr nicht viel Freude an ihnen haben – und sie auch nicht viel Freude mit euch.
Kontext der Apostelgeschichte: Die Einsetzung der Ältesten
Wir beschäftigen uns ja eigentlich mit der Apostelgeschichte, und ich mache jetzt mal einen kleinen Sprung innerhalb dieses Buches. Wirklich nur einen kleinen Sprung, denn eigentlich wären heute Apostelgeschichte 14, die Verse 21 und 22, dran. Aber diese lassen wir gerade mal aus, machen wir beim nächsten Mal, und springen stattdessen direkt zu Apostelgeschichte 14, Vers 23.
Eigentlich sind die Ältesten also nur einen Sonntag zu früh eingesetzt worden. Für mich hätte es beim nächsten Mal besser gepasst, aber wir ziehen das jetzt vor.
In Apostelgeschichte 14, Vers 23 heißt es: „Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.“
Wir wissen, wo wir sind: Rückreise der ersten Missionsreise. Das Missionsteam hat überall Gemeinden gegründet und geht jetzt zurück, will wieder nach Hause. Auf dem Rückweg tun sie Dinge, die ganz, ganz wichtig sind. Etwas, woran man ganz klar erkennen kann: Wenn das in einer Gemeinde nicht etabliert ist, wenn das nicht da ist, dann fehlt substanziell etwas in der Gemeinde.
Hier heißt es also: „Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten.“ Jede Gemeinde bekommt Älteste. Die gehören zur Standardausstattung. Das ist nichts für Gemeinden, die schon ganz weit sind, wo es irgendwann mal Älteste gibt, sondern von Anfang an gab es Leute, die Verantwortung hatten. Diese wurden ausgewählt.
Diese Einsetzung geschieht nicht leichtfertig. Ich möchte heute nicht über die Kriterien mit euch reden, aber im vergangenen Prozess wird euch klar geworden sein, dass die, die hier vorne jetzt standen und offiziell gesagt haben, „Wir wollen Älteste sein, die ihr ausgewählt habt“, nicht irgendwelche Luschen sind. Das sind nicht Leute, die vorgestern zum Glauben gekommen sind, oder die ihre Bibel nicht kennen. Es sind gestandene geistliche Männer, deren Leben als vorbildlich befunden wurde und von denen ihr gesagt habt: „Wir wollen uns von ihnen wirklich als Gemeinde leiten lassen.“
Dann heißt es hier, sie werden unter Fasten gesegnet. Ich weiß nicht, wer von euch heute fastet, aber damals haben sie gefastet und gesegnet. Genau das wurde getan, was ihr heute als Gemeinde auch getan habt.
Die Frage lautet nun: Wie geht man richtig mit Ältesten um? Ich selbst bin in diesem Jahr, glaube ich, seit zwanzig Jahren in der Gemeindeleitung. Deshalb erlaube ich mir, in diesem „Ältesten-Knigge“ ein paar subjektive Erfahrungen mit einfließen zu lassen.
Wenn ihr jetzt sagt, „Hm, an der einen oder anderen Stelle gehst du vielleicht ein bisschen zu weit vom Text weg“, ja, das tue ich. Aber ich glaube, es gibt euch eine Idee, worauf man achten muss.
Erste Regel im Umgang mit Ältesten: Zuhören und Gehorsam
Erster Vers, erster Punkt: Wie gehe ich richtig mit einem Ältesten um? Punkt eins: Zuhören und tun, was er sagt.
Das schmeckt uns schon gar nicht. Es ist aber der erste Punkt. „Zuhören und tun, was er sagt“ klingt nicht besonders populär, steht aber in Hebräer 13,17. Wenn wir uns den Vers mal anschauen, möchte man ihn im Zeitalter des Individualismus und der eigenen Freiheit ja gar nicht mehr vorlesen.
Hebräer 13,17: „Gehorcht und fügt euch euren Führern! Eure Ältesten sind eure Anführer, zu denen ihr euch bekehrt habt. Gehorcht und fügt euch euren Führern, denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre euch nicht nützlich.“
Älteste wachen über eine Gemeinde. Das heißt, sie denken betend über die Geschwister nach. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie sich immer und immer wieder durch die ganze Gebetsliste der Gemeinde beten – durch alle Familien, durch alle Singles, durch alle Kinder hindurch. Sie überlegen vor Gott, wie sie jedem Einzelnen gerecht werden und wie sie ihn fördern können. Das ist die zutiefst wichtige Aufgabe der Ältesten.
Irgendwann wird Gott dann kommen und fragen: „Sag mal, wie ist es dir damit gegangen in deinem Dienst?“ Wenn wir als Älteste zurückblicken, werden uns zwei Sorten von Gemeindegliedern vor unserem geistigen Auge erscheinen. Da sind auf der einen Seite die, die einfach nett waren, die gehört haben und getan haben, was man ihnen gesagt hat. Auf der anderen Seite – und das werden leider nicht wenige sein – werden wir als Älteste einmal vor Gott stehen und sagen: „Ehrlich, soll ich etwas zu dem oder zu der sagen? Ey, das war eine Tratschtante und ein Querkopf, das war ein Nörgler und ein Störenfried. Wir haben ihn gerade so ertragen können, das war echt schwer.“
Was der Text hier sagt, ist: Pass auf, dass dir das nicht passiert. Dass wenn später einmal dein Ältester über dich vor Gott Rechenschaft ablegt, er nicht erst einmal durchatmet, seufzt und dann sagt: „Das war ganz schön schwer.“ Denn wenn er das tut, ist das für dich nicht nützlich.
Ich glaube, es bezieht sich auf das, was wir selbst vor Gott erfahren werden, nämlich dass Gott uns richten wird für das, wie wir unser geistliches Leben in der Gemeinde gelebt haben. Wenn ich als Gemeindeglied dieses Gebot nicht ernst nehme, wenn ich meinem Ältesten das Leben immer nur schwer gemacht habe, dann wird Gott irgendwann sagen: „Du, darüber reden wir noch mal.“ Und dafür werde ich dich weder loben noch belohnen, sondern ich werde dich in gewisser Weise zur Rechenschaft ziehen, wie du mit den Ältesten umgegangen bist.
Wenn du als Gemeindeglied vor Gott Ehre haben möchtest, wenn du sagst: „Ich möchte irgendwann Lohn bekommen für mein Leben“, dann rate ich dir, Hebräer 13,17 wirklich ernst zu nehmen – auch wenn, wie gesagt, der Vers heutzutage unpopulär ist: „Gehorcht und fügt euch euren Führern.“
Persönliche Erfahrungen mit dem Gehorsam gegenüber Ältesten
Ich habe mir überlegt, wann seufze ich als Ältester? Dabei sind mir einige Situationen eingefallen, in denen ich wirklich seufze.
Zum Beispiel seufze ich, wenn ich jemandem einen Rat gebe, der einfach nicht zuhört und stur bleibt. Das ist etwas, was ich als Ältester kaum ertragen kann. Fragt mal die anderen Ältesten – denen geht es ganz genauso.
Ich seufze auch, wenn ich als Predigertyp vorne stehe und eine Predigt halte. Ich habe mir Mühe gegeben, herauszufinden, was die Zuhörer brauchen, und eine punktgenaue Predigt vorbereitet. Doch dann prallt das alles einfach an den Leuten ab, und es gibt keine Resonanz.
Was mich ebenfalls immer wieder zum Seufzen bringt, sind Geschwister, die Forderungen an die Gemeinde stellen. Sie sagen, die Gemeinde sollte liebevoller oder seelsorgerlicher sein. Dann setzt man sich als Ältester dafür ein, etwas zu verändern. Doch in dem Moment, in dem man die Umsetzung starten will, tauchen genau diese Geschwister plötzlich ab. Sie sind einfach nicht mehr da oder machen nur kurz mit. Dann verlieren sie das Interesse und steigen aus. Da denkt man sich: „Hä? Was soll das denn?“ Darüber kann man wirklich ins Seufzen kommen.
Auch wenn pauschale Klagen von Leuten kommen, die selbst keinen Finger rühren, um die Probleme in der Gemeinde zu lösen, bringt mich das zum Seufzen. So etwas erlebt ihr zwar selten, aber manchmal gehe ich durch meinen Spandauer Wald, bete für die Geschwister und sage: „Herr, das seufzt heute schon.“ Nicht erst, wenn Du mich in ein paar Jahren fragst. Deshalb seid da vorsichtig!
Was mir auch wirklich zusetzt – vielleicht geht das euren Ältesten anders –, ist, wenn Geschwister jede dusselige, unnütze Serie über Topmodels oder englische Adelshäuser schauen und dafür Stunden investieren, aber wenig Leidenschaft für das Reich Gottes zeigen. Das setzt mir einfach zu. Ich wünsche mir, dass wir eines Herzens und eines Sinnes sind und gemeinsam Gottes Reich bauen.
Das sind so Sachen, die mir zusetzen.
Traut euch mal, eure Ältesten, die schon eine Weile im Dienst sind, zu fragen: „Was setzt dir eigentlich zu?“ Und wenn ihr ganz mutig seid, dann fragt doch mal auf dieser Seufzskala: „Wo stehe ich eigentlich gerade so bei dir persönlich?“
Wenn Gott dich heute fragen würde: „Was hast du von meinem Mitdabeisein? Was hältst du von mir?“ – würdest du dann eher so antworten oder sagen: „Ja, das macht Spaß!“? Das gibt es ja auch.
Das war der erste Punkt. Er heißt: zuhören und tun, was er sagt.
Zweite Regel: Doppelte Anerkennung des Dienstes
Kommen wir zum zweiten Punkt: die doppelte Anerkennung des Dienstes.
In 1. Timotheus 5,17 heißt es: „Die Ältesten, die gut vorstehen, lasst doppelter Ehre würdig geachtet werden, besonders die, die in Wort und Lehre arbeiten.“
Dazu gibt es eine sehr sinnvolle Begründung aus dem Alten Testament: „Denn die Schrift sagt, du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.“ Außerdem eine Aussage aus dem Neuen Testament: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.“
Worum geht es bei der doppelten Ehre? Es geht um den ältesten Knigge. Ein Ältester verdient Anerkennung für seinen Dienst. Aber warum doppelt? Ehre kann hier einerseits finanzielle Unterstützung bedeuten. Andererseits kann es auch Lob sein, also doppeltes Lob. Es können auch kleine Geschenke sein, doppelte kleine Geschenke oder eine nette Postkarte, doppelte Postkarten.
Warum doppelt? Die Antwort ist ganz einfach: Weil man die eigentliche Arbeit, die ein Ältester tut, oft gar nicht sieht. Das werden jetzt die neuen Ältesten merken. Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, was man alles tun muss, wenn man Ältester wird. Die Arbeit ist kaum sichtbar. Im Hintergrund gibt es viel mehr zu tun, als die Gemeinde mitbekommt.
Wenn man mal die Stunden aufschreibt und in der Gemeindestunde sagt: „So und so viele Stunden sind schon normal“, denken die Leute oft: „Hä, was macht ihr da die ganze Zeit?“ Dann muss man das manchmal erklären, denn das ist die Realität: Es ist viel mehr Arbeit.
Vor allem im Text wird unterschieden zwischen denen, die in Wort und Lehre arbeiten. Es gibt also eine Arbeitsteilung in der Ältestenschaft. Das betrifft aber nicht nur die Bibellehrer, die sich hinsetzen und eine Predigt vorbereiten. Es betrifft auch Seelsorger und Organisatoren.
Eine Powerpoint-Folie, wie ihr sie bei jeder Gemeinde-Mitgliederversammlung seht, entsteht ja nicht dadurch, dass jemand mit einem Zauberstab auf den Rechner schlägt. Da hat jemand sich richtig Gedanken gemacht. Wie viel Zeit allein in das Schreiben eines Protokolls fließt oder wie viel Zeit man in Menschen investieren kann, wenn sie Probleme bekommen, ist enorm – absolut enorm.
Für Außenstehende ist kaum nachvollziehbar, mit welchem Kleinkram Älteste zugeschüttet werden. Sie können sich nicht immer wehren und müssen manches mitmachen. Deshalb verdienen sie doppelte Ehre.
Älteste verdienen eure doppelte Anerkennung. Wenn ihr die Kindermitarbeiter lobt, lobt die Ältesten doppelt. Wenn ihr über finanzielle Unterstützung nachdenkt, zum Beispiel für einen Missionar, denkt doppelt an eure Ältesten. Das ist es, was hier steht.
Ich setze noch einen drauf: In 1. Thessalonicher 5,12 heißt es: „Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die anerkennt, die unter euch arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen.“ Das ist eine klassische Ältestenaufgabe – die, die sich reinhängen, euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen.
Und jetzt kommt es: Man soll sie ganz besonders in Liebe achten um ihres Werkes willen. Merkt ihr den Gedanken der Anerkennung? Deshalb habe ich es unter diesem Überpunkt stehen lassen: doppelte Anerkennung für den Dienst der Männer.
Ich sage es gerne so: Die Familien, die sich für die Gemeinde aufrauchen, die den Kurs vorgeben und bereit sind, Sünde zu korrigieren – was heute kaum noch jemand gerne tut – die verdienen es, dass ihr sie ganz besonders in Liebe achtet.
So, alle Ältesten, die vor vier Wochen schon Älteste waren, stehen jetzt mal auf. Haben wir noch mehr? Drei, okay. Darf ich mal hören von euch: Würdet ihr sagen, dass diese Gemeinde euch ganz besonders mit Liebe umgibt? Das erlebe ich ganz oft. Okay, danke, das war’s.
Liebe Gemeinde, ihr habt echt Glück! Die letzte Gemeinde, wo ich das gemacht habe, lief ungefähr so ab: Ich fragte einen Ältesten einmal: „Fühlst du dich ganz besonders geliebt?“ Und er druckste ein bisschen rum, „Ja, hm.“ Meine Antwort an die Gemeinde war dann einfach nur „vier plus“. Und ihr habt richtig gesehen, wie die Gemeinde darauf reagiert hat.
Was wollten wir natürlich nicht von so einem fremden Prediger hören, dass er eine „vier plus“ gerade noch als ausreichend bewertet. Aber passt gut auf, dass das, was hier steht, wirklich so bleibt. Wenn ihr so ein Zeugnis von euren Ältesten bekommt, ist das eine großartige Sache, die es unbedingt zu bewahren gilt.
Es gilt darauf zu achten, dass man Älteste achtet und liebt und dass Wertschätzung nie zu wenig wird. Man muss natürlich aufpassen, dass an die Stelle von Anerkennung nicht irgendwann Kritik, Ungehorsam, Desinteresse oder unrealistische Forderungen treten. Da muss man wirklich vorsichtig sein.
Diese Leute arbeiten doppelt so hart, als ihr euch das vorstellen könnt. Deshalb verdienen sie doppelte Ehre. Ich glaube, wer noch nie Ältester war, hat keinen blassen Schimmer davon, womit sich Älteste auseinandersetzen müssen und wie sich das anfühlt.
Ich mache mal ein Beispiel aus meinem aktuellen Erleben: Wenn man zwei Jahre in eine kaputte, zerbrechende Ehe investiert und alles gibt, um diese Ehe zu retten, und dann sieht, wie alles durch die Finger gleitet, wie alles falsch gemacht wird, auf keinen Rat gehört wird und alles den Bach runtergeht – dann fragt man sich: Warum habe ich zwei Jahre investiert? Was soll das? Warum habe ich Zeit mit meiner Frau investiert, die ich eigentlich nicht hatte?
Das ist typischer Ältestendienst.
Deshalb kann sich wahrscheinlich niemand vorstellen, wie dusselig sich Geschwister manchmal verhalten, wie oft man versetzt wird, wie oft zugesagte Dinge nicht eingehalten werden, wie oft jemand, auf den man sein Vertrauen gesetzt hat, aus nichtigen Gründen das Handtuch wirft.
Man kommt spät abends müde und oft enttäuscht nach Hause, und die eigene Frau bekommt nur noch die kläglichen Reste eines völlig ausgewrungenen Ehemanns zu sehen.
Ihr könnt euch das kaum vorstellen. Deshalb sage ich euch das von hier vorne: Doppelte Ehre, doppelte Anerkennung, doppelte Wertschätzung und – wo nötig – doppelte Bezahlung.
Dritter Punkt: Schutz vor falschen Anschuldigungen
Dritter und letzter Punkt: Es gibt nur drei Punkte zu merken. Punkt eins: Tu, was sie sagen. Punkt zwei: Zeig ihnen deine doppelte, uneingeschränkte Wertschätzung. Punkt drei: Das ist der Schutz vor Rufmord.
Ein ganz wichtiger Punkt steht in 1. Timotheus 5,19: „Gegen einen Ältesten nimmt keine Klage an, außer bei zwei oder drei Zeugen.“ Älteste stehen grundsätzlich im Kreuzfeuer der Kritik. Warum? Weil sie Entscheidungen treffen. Und manche dieser Entscheidungen sind einfach extrem unpopulär. Deshalb werden Älteste immer wieder mit abstrusen Vorwürfen konfrontiert.
Deswegen muss man sich etwas angewöhnen: Wenn du hörst, dass irgendein Ältester etwas Schlimmes getan hat, dann bitte mach Folgendes. Die erste Frage muss lauten: „Sag mir, wer sind deine Zeugen?“ Nicht: „Boah, ehrlich? Ey, kannst du mir noch mehr erzählen davon? Was hat er denn auch noch gemacht? Boah, das geht ja gar nicht!“ Das ist Klatsch und Tratsch und verboten. Das machen wir grundsätzlich nicht.
Wenn du dich dabei ertappst, dann ist der nächste Schritt: Buße darüber, dass du gerade gesündigt hast. Aber was du bei einem Ältesten immer tust, ist, ihn in Schutz zu nehmen. Du sagst: „Hey, ich brauche erst mal deine Zeugen. Du sagst, der macht etwas Falsches? Kein Problem. Sag mir, wen ich fragen kann. Ich würde mir gern die Fakten anschauen, wenn du recht hast.“
Älteste verdienen Schutz vor Rufmord. Jemand hat gesagt: Ein Ältester braucht das Herz einer Mutter, die Weisheit eines Vaters und die Haut eines Nilpferds. Ja, das ist wahr, weil Gemeinden dazu neigen, schlecht über ihre Ältesten zu reden. Und das ist so einfach, weil Älteste so leicht angreifbar sind.
Die Frage ist in dem Fall nur, ob du mitmachst. Ich möchte dir hier im Rahmen dieses Knigge einfach sagen: Mach nicht mit, mach einfach nicht mit. Warum? Das ist eigentlich ein ganz einfacher Grund. Älteste stehen unter dem besonderen Schutz Gottes.
Im Alten Testament kommt Miriam vor. Sie hat mit ihrem Bruder Mose ein Hühnchen zu rupfen und möchte ein bisschen an seiner Stellung sägen. Wer geht mit dem Aussatz raus? Miriam, genau. Also, wenn du keinen Aussatz kriegen willst, dann rate ich dir, einfach nett mit deinen Ältesten umzugehen und da, wo du etwas hast, ganz vorsichtig in einem persönlichen Gespräch den Ältesten zu suchen.
Ja, manchmal kann der Älteste wirklich etwas falsch machen, aber nie hinter seinem Rücken, nie über ihn irgendwelchen Blödsinn verbreiten. Wenn du etwas hörst, dann stoppt das bei dir. Du sagst: „Schluss, ich will das einfach nicht mehr hören. Sag mir, wo sind die Zeugen?“ Und du wirst merken, dann hört das meistens schon auf.
Wenn du dann noch sagst: „Wo sind die Zeugen? Und hey, schön, dass du das entdeckt hast. Ich würde gerne mit dir und mit dem Ältesten mal reden, dann klären wir das mit ihm“, dann wirst du merken, dass die Gespräche meistens zu Ende sind.
Menschlichkeit und Nachsicht im Umgang mit Ältesten
Ein letzter Punkt, der eigentlich nicht direkt zum Knigge gehört, sondern eher zum normalen menschlichen Verstand. Man kann gute Umgangsformen haben, doch manchmal braucht man gar keine besonderen Manieren – es reicht, einfach einmal nachzudenken.
Dieser Punkt soll euch vor Augen führen: Älteste sind Menschen, keine Übermenschen. Das bedeutet, Älteste machen Fehler, sie wissen nicht alles und lernen selbst noch dazu. Sie haben Stimmungsschwankungen und manchmal keine Lust auf ihren Dienst oder auf dich ganz besonders.
Manchmal streiten sie sich mit ihren Frauen – das sieht man vielleicht nicht so oft, aber es passiert. Sie haben auch mal Probleme bei der Arbeit, leiden unter Magenverstimmungen oder Rückenschmerzen. Und ja, sie sind tatsächlich entschuldigt, wenn ich das so sagen darf, wenn sie vergesslich sind.
Es kann also sein, dass du dachtest: „Der Älteste wird sich heute ganz besonders um mich kümmern, hat er doch letzten Sonntag gesagt.“ Und dann hat er es tatsächlich vergessen – mir ist das auch schon passiert. Wir sind vergesslich, nicht allwissend und bei alledem auch noch nicht so heilig wie der Herr Jesus.
Dennoch sind Älteste für dich ein Vorbild im Glauben und in ihrem Leben mit Gott. Deshalb sagt die Bibel: orientiere dich an ihnen. Verlerne aber nicht, bei aller Orientierung über diese kleinen Schwächen in ihrem Leben auch zu schmunzeln. Sei bitte zugleich barmherzig und nüchtern.
Zusammenfassung: Drei Grundregeln im Umgang mit Ältesten
Fazit der ältesten Knigge:
Punkt eins: Tu, was der Älteste sagt. Und wenn du es nicht tust, dann denk zweimal darüber nach, warum.
Punkt zwei: Hab ihn extra lieb. Das meine ich ernst. Das heißt, er steht ganz oben auf deiner Gebetsliste. Außerdem überlegst du dir jeden Monat, wie du ihn ermutigen kannst und ob er weiß, dass du ihn extra lieb hast.
Punkt drei: Lerne, gut über seine Leiterschaft zu reden.
Das sind drei Punkte, von denen ich mir wünsche, dass sie bei euch Realität werden. Gleichzeitig sind es drei Punkte, die ich mir als Ältester in meiner Gemeinde auch für mich selbst wünsche. Amen.
