Begrüßung und Einführung ins Thema
Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich euch allen, die ihr hier live vor Ort seid, und auch denen, die auf YouTube zuschauen – sei es live oder vielleicht später einmal.
Ich bitte euch, gemeinsam mit mir 2. Korinther 4, die Verse 5 und 6, aufzuschlagen. Eigentlich müsste man ab Vers 1 lesen, aber aus Zeitgründen lese ich nur die Verse 5 und 6 vor. Dort heißt es:
„Denn wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, hat es auch in unseren Herzen Licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“
Das ist das Ziel und der Grund, weswegen wir uns heute hier treffen. Es geht nicht darum, den Sonntagvormittag zu füllen, nicht darum, hier schön bespielt zu werden, schöne Lieder zu singen oder eine gute Predigt zu hören. Vielmehr verkündigen wir Jesus Christus. Er hat uns erleuchtet, er will uns erleuchten, und er will auch dich erleuchten.
Unser Gebet heute Morgen ist, dass dieses Licht, das erschienen ist, das Mensch geworden ist und heute noch wirkt, auch heute Veränderung bei dir bewirkt.
Ich bitte darum, ich bete dafür und lade euch ein, dafür aufzustehen, um den Segen des Herrn für diesen Gottesdienst zu empfangen.
Gebet und Lobpreis zum Beginn
Grossallmächtiger Gott, wir danken dir, dass wir uns heute hier wieder treffen dürfen. Danke für die Freiheit, die wir geniessen, und für das Vorrecht, dein Wort ohne Verfolgung weitergeben zu können.
Herr, wir sind uns sehr wohl bewusst, welche Verantwortung wir tragen. Wir geben nicht Menschenworte weiter, sondern dein Wort. Deshalb bitten wir dich, durch deinen Heiligen Geist zu wirken. Bitte gebrauche Sebastian, damit er dein Wort in rechter Weise weitergeben kann und wir erleuchtet werden.
Herr, danke für deinen Heiligen Geist, der ihn dazu befähigt zu reden und uns offene Ohren und Herzen schenkt. Wir loben und preisen dich dafür.
Zum Anfang singen wir zwei Lieder: Zuerst „Es klingt ein Lied so frisch und frei durch das Dunkel dieser Welt“ und gleich danach das Kinderlied „Der Kluge baut sein Haus auf festem Grund“.
Lied: „Es klingt ein Lied so frisch und frei“
Es klingt ein Lied, so frisch und frei, durch das Dunkel dieser Welt,
dass Jesus Christus Sieger sei und auf ewig Recht behält.
Ja, die Freude strahlt aus unserem Herzen,
Gottes Liebe gibt den hellen Schein.
Trotz Kummer, Sorge, Angst und Pein
wird das Leben unser sein.
Es klingt ein Lied, so frisch und frei,
dringt hinein in Trug und Not,
befreit aus dumpfer Träumerei,
ruft zum Leben frei für Gott.
Ja, die Freude strahlt aus unserem Herzen,
Gottes Liebe gibt den hellen Schein.
Trotz Kummer, Sorge, Angst und Pein
wird das Leben unser sein.
Es klingt ein Lied, so frisch und frei,
in die Unrast dieser Zeit,
macht Glaube, Liebe, Hoffnung neu
bei den Menschen, die in Streit.
Ja, die Freude strahlt aus unserem Herzen,
Gottes Liebe gibt den hellen Schein.
Trotz Kummer, Sorge, Angst und Pein
wird das Leben unser sein.
Es klingt ein Lied, so frisch und frei,
in das Dunkel dieser Welt,
dass Jesus Christus Sieger sei
und auf ewig Recht behält.
Ja, die Freude strahlt aus unserem Herzen,
Gottes Liebe gibt den hellen Schatz.
Trotz Kummer, Angst und Pein
wird das Leben unser sein.
Lied: „Der Kluge baut sein Haus auf festem Grund“
Viel Wasser kam, und die Flut stieg hoch, doch das Haus, das auf dem Fels gebaut war, blieb fest.
Aber wer sein Haus auf Sand gebaut hat, dem kam die Flut hoch, und das Haus stürzte ein.
So bau dein Haus auf den Herrn Jesus, klug und fest gebaut.
Der Segen strömt herab, und das Gebet steigt empor.
So bau dein Haus auf den Herrn Jesus, klug und fest gebaut.
Der Segen strömt herab, und das Gebet steigt empor.
Technische Hinweise und Predigtankündigung
Schönen guten Morgen! Die Technik funktioniert gut, ich hoffe, sie ist zufrieden mit mir. Ich hoffe, ihr seid fit und munter und bereit, gut zuzuhören.
Heute wird es ein bisschen spannender, denn ich werde keine normale Predigt halten. Trotzdem hoffe ich, dass ihr etwas für euer Leben mitnehmen könnt. Gleich werde ich erklären, warum das so ist.
Zuvor möchte ich noch etwas ergänzen, was Stefan vergessen hat: Wir haben eine Bitte an die Damen. Dürfen wir heute eure Toilette mitbenutzen? Die Männertoilette ist leider kaputt, und wir warten darauf, dass der Vermieter sie repariert.
An die Herren: Bitte geht pfleglich mit der Damentoilette um. Die Herausforderung besteht jetzt darin, besonders ordentlich zu sein. Vielen Dank, wenn ihr alle dabei unterstützt und zusammenhelft. Wir hoffen, dass die Männertoilette bald wieder repariert wird.
Das war der kurze Punkt, den ich noch dazwischenbringen wollte.
Einstieg in den Galaterbrief: Hintergrund und persönliche Motivation
Ich werde in den nächsten Predigten mit uns gemeinsam in den Galaterbrief einsteigen. Der Grund dafür ist folgender: Die meisten wissen es, wir renovieren gerade einiges am Haus. Eigentlich wäre ich daher eher aus dem Predigtdienst raus, doch da wir momentan recht dünn besetzt sind mit Predigern, habe ich mit den anderen ausgemacht, dass ich den Galaterbrief noch einmal auswähle und predige.
Ich werde ihn nicht so intensiv behandeln wie vor etwa acht Jahren, glaube ich, dass das her ist. Es werden ausgewählte Predigten daraus sein, und heute gibt es erst einmal eine Einleitung dazu. Deshalb sage ich, dass es heute keine typische Predigt sein wird, sondern wir werden den Brief als Ganzes anschauen. Dabei werden wir uns auch Paulus ein wenig genauer ansehen, denn für den Galaterbrief ist seine Biografie wahrscheinlich wichtiger als für jeden anderen Brief von Paulus. Das ist ausschlaggebend.
Außerdem habe ich festgestellt, dass die meisten von euch vor acht Jahren noch gar nicht hier waren. Ihr bekommt das also zum ersten Mal zu hören, was gar nicht so schlecht ist.
Warum der Galaterbrief? Für mich persönlich war das ein total spannender Brief, weil er an der einen oder anderen Stelle Fragen im Leben gestellt hat. Wenn man als Kind in einem christlichen Umfeld aufwächst, hat man irgendwann den Eindruck, dass Christentum bedeutet, die zehn Gebote zu halten und dass Jesus irgendwie auch dazugehört. Wenn man das halbwegs hinkriegt, dann passt es.
So war mein Verständnis damals. Wenn man älter wird, ins Jugend- oder junge Erwachsenenalter kommt, stellt sich irgendwann die Frage: Wo ist der Unterschied zu anderen Religionen? Ähnliche Vorstellungen gibt es im Islam, im Buddhismus, im Katholizismus und vielen anderen Bereichen. Dort gilt: Halte ein paar Regeln ein, und wenn du das halbwegs gut machst, hast du vielleicht gute Chancen, irgendwie in die Ewigkeit zu kommen.
In dieser Situation war ich, als ich mit diesem Verständnis aus der Kindheit herauskam und solche Fragen hatte. Mir hat damals sehr geholfen, dass wir im Hauskreis, lange her, Tavea erinnert sich vielleicht noch, Immi war auch dabei, und Friedrich, den Galaterbrief mal gründlich durchgearbeitet haben.
Das war ein Stück weit ein Augenöffner für mich. Ich konnte erkennen, dass etwas anderes im Mittelpunkt steht als nur das Einhalten von Regeln. Es geht um viel, viel mehr.
Paulus fasst das für sein eigenes Leben im Galaterbrief zusammen. Das ist auch das, was ich für mich mitgenommen habe. Es ist Galater 2,20, eine ganz bekannte Stelle. Dort sagt Paulus:
„Denn ich bin mit Christus gekreuzigt worden; und nun lebe ich, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich hingegeben hat.“
Diese Verse fassen das Leben von Paulus zusammen und bilden das Zentrum des Galaterbriefs. Für mich waren sie ein großer Augenöffner.
Ja, die Verse sind erst einmal kompliziert, weil sie etwas beschreiben, das paradox klingt: Man ist irgendwo gestorben und lebt trotzdem. Man lebt für etwas, aber nicht mehr für sich selbst, sondern mit Christus.
Heute werde ich diese Verse nicht im Detail auslegen, denn dazu werde ich sicher noch eine eigene Predigt halten. Aber ich fand sie sehr wertvoll, weil sie herausstellen, was für uns Christen wirklich wichtig ist: Das Gesetz hat uns verurteilt und uns letztlich mit Christus ans Kreuz gebracht. Doch jetzt dürfen wir neues Leben leben.
Dieses neue Leben bedeutet, dass wir nicht mehr einfach dem Fleisch nachleben, also unseren eigenen Begierden, sondern für Christus leben dürfen.
Ich wünsche mir, dass dir der Galaterbrief wichtig wird, wenn wir noch ein bisschen tiefer eintauchen. Er führt uns zweitausend Jahre zurück in eine andere Kultur, mit anderen Problemen, die auf den ersten Blick anders wirken, aber gar nicht so weit von unseren entfernt sind.
Ich wünsche dir, dass das Zentrum des christlichen Glaubens wieder der Mittelpunkt deines Lebens wird. Und ich wünsche dir, dass du erfährst, wie großartig die Wahrheit ist, dass Christus in mir lebt – eine der schönsten und wichtigsten Wahrheiten, die in der Bibel überhaupt stehen.
Historischer Hintergrund und geographische Einordnung
Um den Galaterbrief besser zu verstehen, möchte ich zunächst einige Hintergrundinformationen geben. Diese helfen uns, den Brief einzuordnen und zu verstehen, warum Paulus gerade solche Dinge schreibt. Hintergrundwissen ist bei Briefen oft noch wichtiger als bei anderen Themen. Es stellt sich die Frage: Warum schreibt Paulus gerade so? An wen richtet sich der Brief? Und in welchem Umfeld ist er entstanden?
Dazu müssen wir etwa zweitausend Jahre zurückgehen und einige wichtige Personen sowie das Umfeld kennenlernen. Die erste Frage lautet: Wer waren die Galater überhaupt? Wenn man an Gallien denkt, hat man oft sofort Asterix und Obelix im Kopf – die kleinen Männer, die gegen die Römer kämpfen und dem römischen Imperium Widerstand leisten. Diese Vorstellung ist gar nicht so falsch. Denn die Galater waren tatsächlich eine Gruppe, die ursprünglich aus dieser Region kam und sich in der nordöstlichen Türkei angesiedelt hatte.
Um das besser zu veranschaulichen, hilft eine Karte. Das römische Reich umfasste damals den gesamten Mittelmeerraum. Die heutige Türkei liegt hier, und oben sieht man eine Region, die Gallien genannt wird. Diese Region ist noch nicht genau die der Galater, aber es ist eine Einführung. In Gallien hatten sich rauhe Typen, vermutlich aus Frankreich und Umgebung, niedergelassen. Sie hatten Verbindungen zu denjenigen, die man typischerweise mit Asterix und Obelix verbindet – auch wenn diese Figuren natürlich nicht wirklich gelebt haben. Wahrscheinlich handelte es sich bei den Galatern um römische Söldner mit keltischem Hintergrund, die sich etwa 300 vor Christus dort ansiedelten.
Da es diese ethnische Gruppe der Gallier gab, gibt es die Theorie, dass Paulus an Leute im Norden schreibt. Diese wären dann eher rau und wild gewesen. Doch 25 vor Christus fassten die Römer alle Gebiete hier, einschließlich der Küstenregion, zu einer Provinz namens Gallien zusammen. Das war ähnlich wie ein heutiges Bundesland, zum Beispiel Bayern. Der offizielle Begriff lautet Galatien.
Ein Problem bei der Frage, an wen Paulus im Galaterbrief schreibt, ist nun: Schreibt er an die Menschen im eher nördlichen Gebiet, also an die rauen keltischen Stämme? Oder schreibt er an die gesamte Provinz, die auch die Küstenregion umfasst? Dort lebten viele Griechen und Römer, und es gab eine reiche jüdische Kultur mit zahlreichen Synagogen und Städten wie Tyrus, Antiochien und Lystra.
Wenn man diese Städtenamen hört, verbindet man sie schnell mit der Apostelgeschichte und anderen biblischen Texten. Viele haben die Apostelgeschichte schon einmal gelesen oder gehört. In Kommentaren zum Galaterbrief findet man daher unterschiedliche Theorien: Einige sagen, Paulus schreibe an die Menschen im Norden, andere meinen, die ganze Provinz sei gemeint.
Für die Auslegung des Briefes halte ich die zweite Theorie für wahrscheinlicher, dass also die gesamte Provinz Galatien gemeint ist. Dafür sprechen mehrere Gründe:
Erstens hat Paulus im Süden Gemeinden gegründet, wie wir in der Apostelgeschichte lesen. Im Norden hingegen ist kein Besuch von ihm dokumentiert. Das heißt nicht, dass er dort nie war, aber die Frage bleibt offen.
Zweitens verwendet Paulus in seinen Briefen meist die offizielle römische Provinzbezeichnung. Die südlichen Städte würden also mit unter Galatien fallen.
Drittens hatte Paulus wahrscheinlich keinen besseren Begriff als Galater oder Galatien, um die Städte seiner ersten Missionsreise anzusprechen. Dazu gehören Antiochien und andere Städte im Süden.
Ein weiterer Grund, den ich hier nicht ausführlich genannt habe, ist der jüdische Hintergrund des Galaterbriefs. In der Gemeinde waren wahrscheinlich viele Juden. Im Norden hingegen ist nicht bekannt, dass es dort Synagogen gab.
Daraus folgt, dass die Galater eher Menschen im Süden der Provinz waren. Sie hatten einen griechisch-römischen und jüdischen Hintergrund und bildeten eine bunt zusammengewürfelte Gemeinde aus Heiden und Juden. Das passt auch besser zum Thema des Briefes. Von dieser Sichtweise gehe ich aus.
Zeitliche Einordnung des Galaterbriefs
Habe ich noch eine andere Frage, nämlich: Wann ist der Galaterbrief geschrieben worden? Fast alle gehen davon aus, dass der Galaterbrief der älteste Brief von Paulus ist, den wir in der Bibel haben.
Die große Frage ist, ob er vor dem Apostelkonzil geschrieben wurde, das in Apostelgeschichte 15 beschrieben ist. Dieses Konzil fand wahrscheinlich um 48 bis 50 nach Christus statt. Oder wurde der Brief danach verfasst?
Ich würde dafür plädieren, dass der Galaterbrief davor geschrieben wurde. Warum? Ich glaube, wenn das Konzil bereits vorbei gewesen wäre, hätte Paulus es sicher erwähnt. Im Galaterbrief, auf dessen Inhalt ich gleich eingehen werde, geht es stark um die Themen, die auch im Apostelkonzil in Jerusalem behandelt wurden.
Ein weiterer Punkt ist, dass Paulus im Galaterbrief Petrus kritisiert oder zumindest erwähnt, dass er ihn kritisieren musste. Ich glaube nicht, dass sich Petrus nach der Entscheidung, die gemeinsam mit den anderen Aposteln in Jerusalem getroffen wurde, noch einmal zu so einem Verhalten hätte hinreißen lassen.
Ich will Petrus nicht ganz ausschließen, aber ich denke, nachdem diese Entscheidung festgelegt war, war die Frage eigentlich geklärt. Deshalb würde ich davon ausgehen, dass der Brief sehr früh geschrieben wurde, wahrscheinlich um 48 nach Christus. Das wäre gerade mal etwa 15 Jahre nach der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus.
Paulus: Biografie und Bedeutung für das Verständnis des Briefes
Jetzt könnt ihr einmal kurz entscheiden, ob ihr das Schwarzmachen wollt oder das so lasst, Karina, wie du magst. Ich möchte nämlich ein bisschen über Paulus sprechen und jetzt auch etwas Praktischeres ansprechen.
Warum ist es hilfreich, den Autor eines solchen Briefes zu kennen? Wenn ihr zuhause irgendwo einen Brief von eurer Urgroßmutter findet, vielleicht auf dem Speicher, dann hilft es euch, die Person gekannt zu haben. So könnt ihr einige Hintergründe aus ihrem Leben besser verstehen und auch einige Dinge, die sie schreibt, besser einordnen. Deshalb wollen wir uns Paulus genauer ansehen.
Vieles werdet ihr schon kennen, aber es hilft, das Wissen aufzufrischen. Paulus war hebräischer Abstammung, hatte aber durch seinen Vater das römische Bürgerrecht. Das war in der damaligen Zeit sehr wertvoll, weil man dadurch viele Privilegien hatte. Zum Beispiel wurde man in Strafverfahren anders behandelt. Das könnt ihr am Ende der Apostelgeschichte in Paulus’ Prozess verfolgen, wo er das bewusst erwähnt.
Paulus war ein stolzer Jude und liebte sein Volk sowie das Gesetz Mose. Das schreibt er selbst im Philipperbrief. Er war stolz darauf, Jude zu sein, und machte Karriere im jüdischen Raum. Er war bei einem der besten Lehrer seiner Zeit, Gamaliel, und erhielt von ihm eine fundierte Ausbildung.
Paulus war aber auch derjenige, der als starker Jude und Verfechter seines Glaubens die erste Christenverfolgung mit unterstützte und losgetreten hat. Das könnt ihr in der Apostelgeschichte, besonders in den Kapiteln 7, 8 und 9, nachlesen.
Dann geschah etwas Unerwartetes: Paulus war auf dem Weg nach Damaskus, ein junger Mann auf dem besten Weg, der neue Superstar unter den Pharisäern zu werden. Plötzlich wird er von Jesus Christus persönlich getroffen. Diese Begegnung findet ihr in Apostelgeschichte 9. Es ist zu umfangreich, um es jetzt komplett zu lesen.
Paulus hatte eine ganz persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus. Von einem Moment auf den anderen erkennt er, dass er auf dem falschen Weg ist. Der Weg, der für ihn so richtig schien und bei dem er überzeugt war, Gott mit aller Kraft und bester Leistung zu dienen, war völlig falsch. Er hat das Gegenteil von dem getan, was er eigentlich wollte: Gott dienen.
Jesus fragt ihn: „Warum bekämpfst du mich?“ Paulus lernt in diesem Moment Jesus als den Auferstandenen kennen und erkennt, dass er Vergebung braucht. Gott schickt einen Mann nach Damaskus, der Paulus zuerst skeptisch gegenübersteht, ihm dann aber zeigt, wie er Vergebung erfahren kann. Ich glaube, dieser Mann heißt Hananias.
Paulus reagiert radikal: Er wirft alles über Bord, wofür er bisher gelebt hat – seinen Job, seine Abstammung – und setzt alles auf eine Karte: Jesus Christus, den er gerade noch verfolgt hat.
Nachdem Paulus seine Bekehrung erlebt hat und Jesus kennengelernt hat, zieht er sich erst einmal für einige Jahre zurück. Kurz nach Jerusalem kommt er zwar noch einmal vorbei, aber einige Leute haben Angst vor ihm. Schließlich hat er vorher nicht für die Gemeinde gearbeitet, sondern gegen sie. Paulus wird deshalb erst einmal auf die Seite gesetzt.
In der Zeit zwischen Apostelgeschichte 9,30 und 11,25 taucht Paulus nicht auf. Er geht nach Tarsus und verschwindet dort erst einmal aus der Öffentlichkeit. Wir können nur spekulieren, was in dieser Zeit mit ihm passiert ist. Es sind wohl einige Jahre, die vergehen.
Ich gehe davon aus, dass einer der besten Schriftkenner seiner Zeit, der eine der besten Ausbildungen in den Schriften des Alten Testaments hatte, jetzt Jesus kennengelernt hat und den Heiligen Geist empfangen hat, die Schriften ganz neu kennenlernt und neu versteht. Ich bin überzeugt, dass Paulus in dieser Zeit die Schriften des Alten Testaments mit einem ganz neuen Blick gelesen hat – weil er Jesus Christus erkannt hat.
Warum glaube ich das? Weil das, was Paulus danach predigt und in seinen Briefen schreibt, voll davon geprägt ist und davon überfließt.
Barnabas setzt sich dann für Paulus ein und sorgt dafür, dass er mit ihm auf die erste Missionsreise geht.
Zentrales Thema: Rechtfertigung und Freiheit im Glauben
Das große Thema, das Paulus immer wieder beschäftigt, ist die Frage nach der Rechtfertigung. Bin ich gerecht durch das Gesetz? Hat das Gesetz noch Anteil daran, dass ich vor Gott gerecht werde? Oder geschieht das allein durch das Blut Jesu Christi? Und wenn Letzteres der Fall ist, wozu ist das Gesetz dann überhaupt noch da?
Diese Frage zieht sich durch viele Predigten von Paulus, die wir in der Apostelgeschichte lesen können. Sie zieht sich durch den Römerbrief, ist im Epheser- und Kolosserbrief immer wieder präsent und spielt eine besonders wichtige Rolle im Galaterbrief.
Paulus’ großes Thema ist das, weil er es, glaube ich, selbst vor Damaskus erfahren hat: Ich bin gerecht, weil Jesus für mich gestorben ist. Durch den Glauben an sein Blut werde ich gerecht. Das bringt er auch in Galater 2,20 zum Ausdruck, wo er schreibt: „Ich lebe doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich hingegeben hat.“
Paulus gerät immer wieder in Diskussionen über dieses Thema: Wie wird man gerecht? Immer wieder muss er diese Kämpfe ausfechten. Sein ganzer Dienst ist davon geprägt.
Trotz all dieser Kämpfe bleibt Paulus, wie ich denke, demütig. Er liebt sein Volk bis zum Ende. Obwohl er von ihnen große Anfechtungen erfährt, hat er eine tiefe Sehnsucht, dass seine Leute – aus denen er selbst stammt, die seine Wurzeln sind – gerettet werden. Aber gerettet auf dem Weg, der wirklich rettet, und nicht auf dem, den sie sich selbst gewählt haben.
Paulus schreibt den Galaterbrief. Ich denke, wir können uns jetzt einen Überblick verschaffen und einige kurze Abschnitte im Brief betrachten. Das hilft uns, wenn wir in einer weiteren Predigt tiefer in das Thema einsteigen wollen.
Aufbau und Ton des Galaterbriefs
Ich habe die Struktur in vier Teile gegliedert. Das machen die meisten bei den Überpunkten. Unterpunkte habe ich diesmal nicht gesetzt, damit ihr euch die Inhalte leichter merken könnt.
In den Versen 1 bis 10 schreibt Paulus eine Einleitung. Diese Einleitung fällt sofort auf, wenn man den Galaterbrief mit anderen Briefen vergleicht. Paulus legt hier in den ersten Versen sehr viel Wert auf seine apostolische Autorität. Er führt diese stark ins Feld, um zu zeigen, dass er wirklich berechtigt ist, solche Dinge zu schreiben.
Man darf dabei nicht vergessen: Zu der damaligen Zeit waren die Apostel die engsten Jünger Jesu. Matthias kam noch dazu, der für Judas in das Apostelkollegium gewählt wurde. Diese Personen sprachen mit fast göttlicher Autorität, und ihre Lehrentscheidungen wurden akzeptiert und galten als verbindlich. Paulus wurde ebenfalls als ein solcher Apostel anerkannt.
Dieses Thema taucht auch noch einmal in den Versen 11 bis 21 auf, wo Paulus seine Autorität erneut stark verteidigt. Aber schon am Anfang bringt er das klar zum Ausdruck.
Ein weiterer Punkt, der direkt in der Einleitung auffällt, ist der sehr harsche und strenge Ton. Einen solchen Ton findet man nicht einmal im 1. Korintherbrief, obwohl Paulus dort ziemlich aufräumen muss. Im 1. Korintherbrief gibt es Probleme wie Tempelprostitution oder ein Verhältnis mit der Stiefmutter. Trotzdem beginnt Paulus den Brief dort mit einem Lob für die Gemeinde.
Der Galaterbrief ist der einzige Brief, in dem Paulus direkt mit Kritik einsteigt, ohne einleitendes Lob. Warum tut er das? Ich möchte dazu die Verse 6 bis 9 vorlesen, in denen diese Härte deutlich wird. Auch im dritten Kapitel zeigt Paulus sich noch einmal sehr streng.
Er schreibt: „Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein anderes gibt. Nur dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium Christi verkehren wollen. Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist als das, was wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich es abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“
Merkt ihr die Schärfe, die darin steckt? Paulus kommt hier nicht mit einer sanften Ermahnung, dass man doch anders leben oder sich nicht verblenden lassen soll. Er sagt klar: Wer euch ein anderes Evangelium predigt als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht.
Wenn man den Galaterbrief in seiner Stärke betrachtet, geht es bei diesem „anderen Evangelium“ nicht um Themen, die heute oft diskutiert werden, wie zum Beispiel das Wohlstandsevangelium. Vielmehr scheint es so zu sein, dass Leute in die Gemeinde gekommen sind und den Gläubigen gesagt haben: „Ihr müsst euch wieder beschneiden lassen, ihr müsst das Gesetz in allen Details halten, um gerettet zu werden.“
Es geht also darum, dass manche strenger und härter sein wollten, als es die Bibel selbst vorschreibt. Paulus reagiert darauf mit radikaler Schärfe und sagt: Wer euch so etwas verkündet, der sei verflucht.
Für mich war es erstaunlich zu sehen, wie deutlich und massiv Paulus im Galaterbrief gegen solche Lehren vorgeht. Ich hatte immer gedacht, es schadet nicht, ein paar Dinge genauer zu nehmen oder mehr zu erfüllen. Über die Verse werden wir beim nächsten Mal noch genauer sprechen.
Festhalten kann man aber: Paulus geht hier mit unheimlicher Schärfe vor und hat kein Lob übrig. Das fällt auf, weil in allen anderen Briefen Lob für die Gemeinde üblich ist.
Verteidigung der apostolischen Autorität und Konflikt mit Petrus
Verse 11 bis 21 begründet Paulus nochmals seine apostolische Autorität. Er macht deutlich, dass er anerkannt war und auch berechtigt, als Apostel zu schreiben.
Ich lese nur mal Vers 23, in dem er beschreibt, wie die anderen Apostel mit ihm umgegangen sind. Er sagt, sie hatten nur gehört, dass derjenige, der uns früher verfolgte, jetzt die Predigt des Glaubens verkündet, den er früher zu zerstören versuchte. Das ist das, was sie gehört haben.
In Galater 2,7-10 wird noch einmal deutlich, wie sie mit ihm umgingen: Im Gegenteil, da sie sahen, dass mir das Evangelium an die Heiden anvertraut war, ebenso wie Petrus das Evangelium an die Juden, denn der, der in Petrus wirksam war zum Apostelamt unter den Juden, war auch in mir wirksam unter den Heiden.
Und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus und Kephas – das ist der andere Name für Petrus – und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wollten mit uns eins sein, dass wir unter den Heiden predigen, sie aber unter den Juden. Nur dass wir an die Armen dächten, was ich mich auch eifrig bemüht habe zu tun.
Es ist interessant, dass Paulus hier fast ein ganzes Kapitel lang Wert darauf legt, warum er die Autorität hat, so aufzutreten. Wahrscheinlich sind Leute zu ihm gekommen und haben gesagt: „Moment mal, Paulus war ja gar nicht dabei, er hat Jesus gar nicht persönlich kennengelernt. Hat er überhaupt noch etwas zu sagen?“ Paulus begründet hier also seine apostolische Autorität.
Ich hoffe, für euch ist das nicht die große Frage in eurem Leben, dass ihr Paulus anzweifelt. Aber ich habe selbst schon Diskussionen erlebt. Daniel weiß, ich hatte ähnliche, bei denen es genau um die Frage ging, wo jemand versucht hat, Aussagen in den Evangelien und Aussagen von Paulus gegeneinander auszuspielen. Da wurde gesagt: „Ja, aber Moment mal, das hat ja Jesus gesagt. Paulus ist ja nur Paulus gewesen, das hat nicht so viel Autorität.“
Letztendlich führte das dazu, dass die Briefe von Paulus, die uns überliefert sind, und Teile der Apostelgeschichte zu zweitrangigen Büchern wurden. In der Theologie wurde dann sehr viel davon weggelassen. Deshalb glaube ich, dass es auch für uns nicht unwichtig ist, anzuerkennen, dass die Apostel Paulus, aber auch Petrus, Johannes und die anderen Schreiber im Neuen Testament Autorität haben und auf der gleichen Stufe stehen wie die Evangelien.
Wenn wir das nicht akzeptieren, bekommen wir wirklich eine Schieflage mit der Bibel. Nur auf dieser Basis können wir dann herangehen und Vers für Vers miteinander auslegen, die Bibel mit der Bibel auslegen und so weiter.
Später könnt ihr dann noch sehen, dass Paulus auch gegen Petrus argumentieren musste – in dem zweiten Abschnitt hier von 1,11 bis 2,21. Petrus war nämlich bei den Galatern unterwegs, hat ein paar Wochen mit ihnen normal zusammengelebt. Das bedeutete, dass Juden und Heiden zusammen aßen. Für uns ist das heute selbstverständlich, damals aber für Juden überhaupt nicht.
Nun kamen einige Leute aus Jerusalem und sagten: „Nein, das geht nicht.“ Daraufhin sagte Petrus: „Okay, ich esse jetzt auch nur noch mit den Juden, ich habe mit den Heiden nichts mehr zu tun.“ Er zog hier eine Grenze.
Da stellte sich Paulus gegen Petrus, der damals wahrscheinlich die größte Autorität in der Gemeinde war, und sagte: „Du bist zwar Petrus, aber das, was du hier tust, ist nicht im Einklang mit dem, was Jesus und die Bibel uns lehren.“ Paulus stellte sich gegen ihn.
Wahrscheinlich hat das mit dazu geführt, dass es das Apostelkonzil in Jerusalem gab, wo die Sicht von Paulus bestätigt wurde. Auch Petrus hat wohl eingesehen, dass sein Verhalten hier falsch war.
Paulus argumentiert sehr stark. Das ist spannend, weil er auf der einen Seite seine Autorität unterstreicht, die ihm von Gott gegeben ist. Auf der anderen Seite macht er aber klar, dass es nicht um das Ansehen der Person geht, sondern um die Wahrheit.
Das kann man in Galater 2,1-21 sehr deutlich lesen.
Hauptteil des Galaterbriefs: Gesetz und Gnade
In Galater 3,1-24 folgt dann der große Hauptblock des Briefes, in dem Paulus das Gesetz und die Gnade im Gottesheilsplan gegenüberstellt. Er argumentiert vom Alten Testament her mit mehreren Punkten, warum wir allein aus Gnade gerettet werden und warum das Gesetz uns nie retten konnte. Dies zeigt er deutlich anhand des Alten Testaments auf.
In Galater 3,13 schreibt er zum Beispiel: „Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt.“ Hier macht Paulus deutlich, dass das Gesetz sogar einen Fluch über uns legt, weil wir es nicht halten können. Wir wären also niemals durch das Gesetz gerechtfertigt worden. Christus hat uns von dieser Strafe und Schuld erlöst, die auf dem Gesetz lag.
Paulus vergleicht auch die zwei Söhne Ismael und Isaak, um zu zeigen, auf wen die Verheißung beruhte und wo das Gesetz steht. Er geht auf den Sinai-Bund ein und zeigt – was besonders spannend ist und was wir uns im Detail anschauen werden –, dass der Sinai-Bund niemals den Zweck hatte, Menschen zu retten.
Das war für mich damals eine große Überraschung, denn sonst denkt man oft, Gott habe es mit Mose und dem Sinai-Bund irgendwie versucht. Die Menschen hätten es nicht geschafft, und dann hätte Gott einen Plan B entwickelt. Paulus macht hier jedoch klar: Nein, das war nie der Sinn und Zweck des Sinai-Bundes.
Freiheit in Christus und das Leben im Geist
Galater 4,21-6,10 beschreibt Paulus sehr eindrücklich, und ich habe vergessen, auf der Folie den letzten, den fünften Punkt zu setzen. Er beschreibt dort die Freiheit, die wir in Christus haben. Es ist spannend, wie er das einführt, insbesondere in Galater 5,1: „Zur Freiheit hat uns Christus berufen. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft spannen.“
Paulus meint hier ganz bewusst, dass wir uns nicht wieder unter das Joch des Gesetzes spannen lassen sollen. Gegen Ende von Kapitel 5 und fast schon am Schluss des Briefes geht Paulus auf eine Frage ein, die vielleicht auch bei uns im Kopf mitschwingt: Wenn wir zur Freiheit berufen sind, wenn das Gesetz nicht dazu da ist, uns zu retten, und wenn wir nicht nach dem Gesetz leben sollen, sondern in der Freiheit Christi leben sollen – kann dann jeder tun und lassen, was er will?
Hier fällt mir ein Wort von Stephan ein, das ich nicht sicher sagen darf – wir nennen es gerne „Halligallidrecksophie“. Das meint das Verhalten, einfach zu tun, wonach einem gerade ist, richtig zu sündigen und das Leben wild auszukosten. Ist das die Freiheit, zu der wir als Christen berufen sind?
Paulus geht auch darauf ein, besonders in Galater 5,19-22. Dort stellt er zwei Gegensätze gegenüber. Er schreibt in Galater 5,19: „Offenkundig aber sind die Werke des Fleisches, nämlich Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltung, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen.“
Davon hat er den Galatern schon vorausgesagt und sagt es noch einmal deutlich: Wer solche Dinge tut, wird das Reich Gottes nicht erben. Im Gegensatz dazu nennt er die Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und so weiter.
Was macht Paulus hier? Er bringt es auf den Punkt. Wir sind zur Freiheit berufen. Wer aber nur seinem Gefühl folgt und tut, wonach ihm gerade ist, lebt weiterhin in Knechtschaft – nämlich in der Knechtschaft des Fleisches. Er zeigt diese Werke des Fleisches deutlich auf.
Wer wirklich frei ist, lebt aber nicht in der Knechtschaft des Gesetzes. Das hat Paulus in den vorangegangenen Kapiteln erklärt: Wer versucht, nach einem Regelkatalog zu leben, erlebt oft, dass viele Werke des Fleisches wie Stolz, Hader oder Eifersucht hervorbrechen. Auch diese Menschen sind nicht frei, sondern in Knechtschaft.
Diese Knechtschaft sollen wir uns nicht wieder auferlegen lassen, wie Paulus in Galater 5,1 mahnt. Wer wirklich frei ist, lebt aus der Beziehung und aus der Liebe Gottes heraus. Er lebt unter der Leitung des Geistes Gottes und bringt die Früchte des Geistes hervor: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und so weiter.
Natürlich erfüllt er dadurch viele Gebote des ursprünglichen Gesetzes, aber nicht als Abarbeitung eines Regelkatalogs. Vielmehr geschieht dies aus der Beziehung zu Gott und der Veränderung, die der Geist Gottes bewirkt.
Genau darauf will Paulus hinaus: Er möchte die Menschen in diese Freiheit führen – eine Freiheit, die keine Knechtschaft unter einem Regelkatalog ist, aber auch keine Knechtschaft des eigenen Fleisches, das die Werke des Fleisches hervorbringt.
Abschlussgedanken und persönliche Anwendung
Und ja, die Verse 11 bis 18 habe ich hier vergessen aufzuführen. Ich halte sie ebenfalls für Verse des Galaterbriefes. Sie fehlen nur auf der Folie. Es handelt sich im Endeffekt um den Briefschluss mit Grüßen und ähnlichen Dingen. Das halte ich auch für wichtig. Beim Erstellen der Folien ist mir das nur durchgerutscht.
Wenn ich den Galaterbrief zusammenfassen will, dann befinden wir uns am Anfang der Heidenmission. Heiden werden Christen, und die Kultur – beziehungsweise das Christentum –, das bisher eigentlich aus Juden bestand und sich von Jerusalem her entwickelt hat, stand vor der Herausforderung, wie das zusammenpassen kann.
Auf der einen Seite gab es eine Kultur, die strengste Regeleinhaltung als die Perfektion des Glaubens ansah. Das Gesetz stand im Zentrum und wurde bewusst zur Abgrenzung von allen anderen Kulturen genutzt. Auf der anderen Seite gab es eine Kultur, die von Ausschweifung und Götzendienst geprägt war: die griechisch-römische Kultur, deren Spuren im Leben der Menschen deutlich sichtbar waren.
Man muss sich das vorstellen: Wir sind heute wahrscheinlich sogar noch ein Stück entfernt davon. Die Perfektion der Religionen der Römer und Griechen bestand unter anderem darin, sich der Tempelprostitution und Ähnlichem hinzugeben. Das kann man in Korinth und anderen Tempelstädten sehen, wo Menschen, vor allem Frauen, ich nenne es mal so, im vollzeitlichen Dienst für ihre Religion standen – was bedeutete, dass sie in die Prostitution gingen. Es waren übrigens nicht nur Frauen, sondern durchaus auch Männer.
Wer wissen will, wie es in Rom wirklich zuging, dem kann ich gerne ein paar gute Bücher empfehlen, die die Geschichte aufarbeiten und zeigen, was dort los war. Diese Kulturen prallen aufeinander. Die große Frage ist: Was ist jetzt der Weg? Der jüdische oder der heidnische?
Die Antwort, die das Neue Testament und insbesondere der Galaterbrief geben, lautet: Weder noch, sondern ein anderer Weg. Nicht ein Regelkatalog, aber auch nicht Ausschweifung und Götzendienst. Sondern Veränderung von Christus her, Veränderung durch seinen Geist, auf der offenen Grundlage, dass Rettung allein aus Glauben geschieht.
In diese Situation hinein spricht der Galaterbrief. Er setzt, glaube ich, zwei zentrale Punkte: Erstens, das Einzige, was wirklich rettet, ist der Glaube an Jesus Christus allein und nichts anderes. Zweitens, wir sind zur Freiheit berufen und sollen uns nicht wieder in Knechtschaft bringen lassen.
Dabei gelten zwei Dinge: Die Knechtschaft des Gesetzes und die Knechtschaft des Fleisches, die uns nicht weiterbringen.
Ich möchte heute ein paar Fragen stellen. Die erste ist: Hast du auch dein Damaskuserlebnis gehabt? Gibt es in deinem Leben diesen Moment, in dem du Jesus Christus begegnet bist und er Bestandteil deines Lebens wurde – so wie Paulus das vor Damaskus erlebt hat?
Hast du erkannt, dass der einzige Weg, wie du gerettet werden kannst, das Sterben und Auferstehen von Jesus Christus ist? Wenn du das nie erlebt hast, wirst du weder Paulus noch den Galaterbrief richtig verstehen. Ich glaube, diese Frage ist zentral: Bist du gerechtfertigt, weil Jesus für dich gestorben ist? Glaubst du an ihn? Setzt du deine ganze Hoffnung und dein ganzes Vertrauen allein auf ihn? Oder hängt deine Hoffnung, dein Vertrauen, warum du vor Gott angenehm sein solltest, doch an dem, was du in deinem Leben leisten und schaffen kannst?
Es gibt keine andere Rechtfertigung als in Jesus allein. Ich wünsche dir, falls du das noch nicht erlebt hast, dass du es erfährst.
Dann gilt aber weiter: Je nachdem, wo wir herkommen und wie wir geprägt sind, neigen wir immer wieder dazu, in eine dieser zwei Knechtschaften hineinzufallen. Ich glaube wirklich, dass jeder von uns da ein Stück weit anders geprägt ist.
Der eine ist dazu geneigt, sich immer wieder in die Knechtschaft des Gesetzes fallen zu lassen. Das hat zwei oder drei Auswirkungen:
Erstens zweifelt er an seiner Rettung, weil er sie an seinen eigenen Werken und Handlungen festmacht. Er denkt, er müsste jetzt wieder etwas leisten, um vor Gott angenehm zu sein.
Zweitens neigt er dazu, anderen Lasten aufzuerlegen, die die Bibel ihnen nicht auferlegt, und macht sich damit schuldig. Man muss aufpassen, denn der Grad ist ganz schnell überschritten, bis zu dem, was Paulus sagt: dass man dann ein anderes Evangelium verkündet und sich Gottes Fluch zuzieht.
Drittens verliert man die Freude am Glauben, weil man an sich selbst verzweifelt. Man hat einen Anspruch, den man selbst nicht erfüllen kann, und freut sich nicht an dem, was Jesus Christus für einen getan hat.
Das ist die eine Seite. Ich möchte dir nur sagen: Glaubst du, dass Jesus dich heute mehr liebt, auch wenn du nichts tun kannst? Denn der Grund seiner Liebe liegt in dem, was auf Golgatha geschehen ist.
Die andere Seite ist die Gefahr, in die Knechtschaft des Fleisches zu fallen. Sich gehen zu lassen und zu leben, wie man Lust und Laune hat.
Ich möchte dich fragen: Ist das wirklich Freiheit, die du dort erfährst? Oder ist es nicht vielmehr wieder eine Knechtschaft – der Sünde, der Lust und Laune? Ist dein Gott nicht dein Leben und deine Lust geworden und nicht Jesus Christus? Wird dir dadurch nicht auch der Friede geraubt?
Gehörst du nicht vielmehr zu denen, die die Werke des Fleisches vollbringen und nicht die Werke des Geistes?
Jesus und Paulus rufen dazu auf, sich ganz neu auf die Grundlage von Jesus Christus zu stellen. Von ihm verändern zu lassen und das Leben danach auszurichten. So zu leben, wie Gott es für uns richtig hält. Denn das ist das Beste für unser Leben. Nur das schenkt wirkliche Freiheit, Freude und Frieden. Und nur so können wir Zeugnis für Christus sein.
Ich wünsche mir, dass wir, wenn wir tiefer in den Galaterbrief hineinschauen, wirklich mitgenommen werden. Dass Jesus dir größer wird und sein Werk, das er getan hat, zentral in deinem Leben wird. Dass es dir klar wird, dass er die Grundlage ist, auf der du stehst, auf der wir leben, und die einzige Grundlage, die uns retten kann.
Ich weiß nicht, wer von euch die alten Katechismen noch kennt. Ich liebe die erste Frage im Heidelberger Katechismus. Sie wurde damals Teenagern gestellt. Die Frage lautet: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Weiß jemand von euch die Antwort? Sie lautet: Dass ich im Leben und Sterben allein meinem Heiland, Jesus Christus, gehöre. Ich kann sie nicht ganz auswendig, aber sie lautet in etwa so: Er hat für mich gelebt, ist gestorben und auferstanden.
Schaut euch das zu Hause noch einmal an. Es ist wirklich der einzige Trost im Leben und Sterben. Ich hoffe, dass euch das immer bewusster wird und ihr darauf stehen könnt.
Ich wünsche mir, dass uns der Galaterbrief zu dieser Freiheit weiterführt, die Christus uns schenken will. Wirklich frei zu sein, für ihn leben zu können, frei von allen Scheinfreiheiten, die uns diese Welt anbietet.
Dass diese doppelte Freiheit in unserem Leben sichtbar wird. Und ich wünsche mir, dass wir zu dem kommen, was Paulus für sein eigenes Leben in Galater 2,20 schreibt:
"Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben hat."
Das ist die größte Botschaft, die je über diese Erde gegangen ist. Ich wünsche mir, dass sie tief in deinem Leben verankert sein darf. Amen.
