Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Rahmen für die kommenden Predigten
Guten Morgen. Das ist die Technik auch zufrieden mit mir. Ich hoffe, ihr seid fit und munter und könnt gut zuhören.
Heute wird es ein bisschen spannender, weil ich keine normale Predigt machen werde. Ich hoffe aber, dass ihr trotzdem etwas für euer Leben mitnehmt. Ich werde gleich erklären, warum.
Zuerst muss ich noch etwas anderes ergänzen, was Stefan vergessen hat. Wir hätten eine Bitte von den Männern an die Damen: Dürfen wir heute bitte eure Toilette mitbenutzen? Die Männertoilette ist wirklich kaputt, und wir warten darauf, dass der Vermieter sich darum kümmert und sie repariert wird. Und an die Herren: Bitte geht pfleglich damit um. Da ist die Herausforderung jetzt ein bisschen höher, ordentlich zu sein. Danke, wenn ihr da alle unterstützt und zusammenhilft. Wir hoffen, dass sie bald wieder repariert ist. Genau, das war noch kurz der Punkt dazwischen.
So, ich werde mit uns in den nächsten Male, an denen ich predigen werde, wieder in den Galaterbrief einsteigen. Der Grund ist: Die meisten wissen es, wir renovieren gerade einiges am Haus, weshalb ich eigentlich eher aus dem Predigtdienst raus wäre. Da wir aber gerade recht dünn mit Predigern sind, habe ich mit den anderen ausgemacht, dass ich den Galaterbrief noch einmal auswähle. Ich werde ihn nicht so intensiv machen wie vor acht Jahren, glaube ich, ist das her. Aber es wird ausgewählte Predigten daraus geben, und heute eben eine Einleitung dazu.
Das ist der Grund, warum ich sage, es wird heute keine typische Predigt in dem Sinne sein. Stattdessen werden wir den Brief als Ganzes anschauen und uns Paulus ein bisschen ansehen. Denn für den Galaterbrief ist, wie wahrscheinlich für keinen anderen Brief von Paulus, seine Biografie total wichtig und ausschlaggebend. Zumal ich auch übrigens festgestellt habe: Der Großteil war vor acht Jahren gar nicht hier. Ihr bekommt das dann zum ersten Mal, und das ist dann auch gar nicht so schlecht.
Warum dieser Brief für den Glauben so wichtig ist
Warum der Galaterbrief? Für mich persönlich war das ein total spannender Brief, weil er an der einen oder anderen Stelle Fragen im Leben aufgeworfen hat.
Wenn du als Kind in einem christlichen Umfeld aufwächst, dann hast du irgendwann den Gedanken: Naja, Christentum bedeutet, die Zehn Gebote zu halten, und Jesus ist auch irgendwie dabei. Und wenn du das halbwegs hinkriegst, dann passt es. Das war jedenfalls das Verständnis, das ich irgendwie mitgenommen hatte.
Und wenn du dann älter wirst, jugendlich wirst, ins junge Erwachsenenalter reinkommst, dann stellt sich irgendwann die Frage: Wo ist eigentlich der Unterschied zu anderen Religionen? Das bietet dir der Islam an, das kannst du im Buddhismus haben, das kannst du im Katholizismus haben und in vielen anderen Bereichen auch. Halte ein paar Regeln ein, und wenn du das halbwegs gut hinkriegst, dann hast du vielleicht gar nicht so schlechte Chancen, irgendwie in die Ewigkeit zu kommen.
In dieser Situation, in der ich mit diesem Verständnis aus der Kindheit herauskam und solche Fragen hatte, hat mir unheimlich geholfen, dass wir damals im Hauskreis, wo das schon lange her ist, Tavea, die sich vielleicht noch erinnert, und Immi, die dabei waren, und Friedrich den Galaterbrief mal durchgearbeitet haben. Das war schon ein Stück weit ein Augenöffner, weil ich da erkennen konnte, dass eigentlich etwas anderes im Mittelpunkt steht als reines Regeltreuehalten, dass es um viel, viel mehr geht.
Und das fasst Paulus für sein eigenes Leben im Galaterbrief zusammen. Das ist auch das, was ich für mich mitgenommen habe. Das ist Galater 2,20, wo Paulus das mal beschreibt, eine ganz bekannte Stelle. Da sagt er: Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben hat.
Diese Verse fassen das Leben von Paulus zusammen, und sie fassen auch das Zentrum des Galaterbriefes zusammen. Für mich waren sie ebenfalls ein totaler Augenöffner. Und ja, sie sind erst einmal kompliziert, weil sie etwas beschreiben, das schwer zu greifen ist: dass man da irgendwo gestorben ist und trotzdem lebt, und für etwas lebt, aber irgendwie nicht mehr selbst lebt, sondern mit Christus lebt.
Ich werde das heute gar nicht im Detail auslegen, weil wir später noch dazu kommen. Darüber werde ich sicherlich dann eine Detailpredigt halten. Aber ich fand diese Verse unheimlich wertvoll, weil sie das herausstellen, was für uns Christen eigentlich wichtig ist: dass dieses Gesetz uns verurteilt hat und uns deswegen letztendlich mit Christus ans Kreuz gebracht hat. Aber wir jetzt neues Leben leben dürfen, in dem wir auch nicht mehr einfach dem Fleisch nachleben, also dem, was wir gerade Lust haben, sondern für Christus leben dürfen.
Der geschichtliche und geografische Hintergrund der Adressaten
Und ich wünsche mir für dich, wenn wir da noch mal ein bisschen in den Galaterbrief eintauchen, dass er dir wichtig wird. Zweitausend Jahre zurück in eine andere Kultur hinein, vielleicht mit anderen Problemen auf den ersten Blick, die aber gar nicht so weit weg sind von uns. Und ich wünsche dir, dass dieses Zentrum des christlichen Glaubens wieder der Mittelpunkt deines Lebens werden darf. Ich wünsche dir, dass du erfährst, dass dieses „Christus lebt in mir“ wirklich eine der tollsten und besten Wahrheiten ist, die in der Bibel überhaupt drin sind.
Um da hineinzugehen, will ich mit uns ein paar Hintergrundinformationen anschauen, die uns einfach helfen, so einen Brief zu verstehen. Das ist bei Briefen wahrscheinlich noch einmal zentraler als bei anderen Themen, weil ein paar Hintergrundthemen einfach da sind, im Raum stehen: Warum schreibt der Paulus gerade solche Dinge? An wen schreibt er denn überhaupt? Und in welchem Umfeld ist das vielleicht entstanden?
Dazu müssen wir zweitausend Jahre zurückgehen und ein paar Protagonisten kennenlernen, ein bisschen das Umfeld kennenlernen. Und wer bei Galata, das wäre so die erste Frage, wer die Galater überhaupt waren. Wer da an Gallien denkt und im ersten Moment Asterix und Obelix im Kopf hat, diese kleinen Männer, die hier gegen die Römer kämpfen und dem römischen Imperium Widerstand leisten, ist gar nicht so falsch unterwegs. Denn bei den Galatern hat man tatsächlich erst einmal verstanden, dass sie wahrscheinlich aus dieser Region gekommen sind und sich in der nordöstlichen Türkei angesiedelt hatten.
Jetzt muss ich mal schauen, ja, da kriegt man eine Karte her. Und jetzt haben wir wieder einen ohne Laserpointer oder ja, also dann schaue ich mal hinzugehen. Das wäre erst einmal das römische Reich, das wir uns gerade einordnen können. Hier der ganze Mittelmeerraum, den damals die Römer beherrscht haben. Und ich gehe einmal weiter. Das ist jetzt hier die heutige Türkei, und hier oben, das hier, wäre erst einmal eine Region Gallien. Das sind vielleicht noch nicht unbedingt die Galater, von denen wir reden, aber das war als Einführung.
Da haben sich eben so raue Typen tatsächlich aus Frankreich und so weiter angesiedelt, die durchaus Verbindungen haben mit denen, die typischerweise als Asterix und Obelix beschrieben werden, wenn die auch natürlich nicht wirklich gelebt haben. Wahrscheinlich waren das dann auch irgendwann römische Söldner, die dort unterwegs waren, keltischer Hintergrund und so weiter. Die haben sich wahrscheinlich 300 vor Christus dort angesiedelt.
Da es diese ethnische Gruppe gab, die eben Gallier heißen, ist durchaus eine Theorie, dass Paulus an Leute hier im Norden oben schreibt. Das wären dann so ein bisschen wildere, rauere Typen gewesen. Aber 25 v. Chr. haben die Römer alles, was in diesem Gebiet hier ist, auch die Küstenregion, als eine Provinz Gallien zusammengefasst. Die haben also gesagt, so ähnlich wie wir halt Bundesland Bayern haben oder so etwas: Diese ganze Region nennt sich jetzt Gallien oder Galatien ist eigentlich der saubere Begriff.
Die Frage nach Ort, Zeit und Zielgruppe
Und jetzt ist ein Problem entstanden, wenn man heute darüber nachdenkt, an wen Paulus den Galaterbrief schreibt. Schreibt er an die Leute im eher nördlichen Gebiet, also an die eher rauen keltischen Typen? Oder schreibt er an die Menschen in der gesamten Provinz, die durchaus andere Hintergründe haben konnten? In der Küstenregion lagen nämlich viele Handelsstraßen. Dort lebten sehr viele Griechen und Römer, und es gab auch eine sehr reichhaltige jüdische Kultur, also viele Synagogen und so weiter. Städte im Süden, also in diesem Bereich hier unten, wären zum Beispiel Tyros, Antiochien, Lystra usw.
Wenn ihr diese Namen hört, dann bringt man das viel schneller mit der Apostelgeschichte und anderen Dingen in Verbindung, vor allem, wenn man die Apostelgeschichte schon einmal gelesen oder davon gehört hat. Wenn ihr Kommentare zur Einleitung des Galaterbriefs lest, dann findet ihr in dem einen die Theorie, dass die Leute im Norden gemeint sind, und in dem anderen, dass die ganze Provinz gemeint ist.
Ich werde euch jetzt nur sagen, dass ich mich für die Auslegung dem Letzteren anschließen würde, also dafür, dass die ganze Provinz gemeint ist. Und zwar aus ein paar Gründen. Das eine ist: Paulus hat im Süden Gemeinden gegründet. Das lesen wir in der Apostelgeschichte. Im Norden ist kein Besuch von ihm dokumentiert. Das heißt natürlich nicht, dass er nicht dort war, aber die Frage ist erst einmal offen.
Das Zweite ist: Im Normalfall verwendet Paulus in seinen ganzen Briefen die offizielle römische Provinzbezeichnung. Und da würde der Süden eben mit darunter fallen. Das Dritte ist, dass Paulus wahrscheinlich keinen besseren Begriff gehabt hätte als Galata oder Galatien, um die Städte seiner ersten Missionsreise anzusprechen. Das wären dann eben Antiochien usw.
Das sind starke Gründe. Und ein weiterer, den ich hier nicht aufgeführt habe, wäre noch, dass der Galaterbrief wahrscheinlich von einem jüdischen Hintergrund ausgeht, also davon, dass zumindest in der Gemeinde viele Juden gewesen wären. Das ist im Norden eher unwahrscheinlich. Man weiß nichts davon, dass es dort irgendwelche Synagogen gegeben hätte.
Also wäre der Punkt, dass die Galater wahrscheinlich eher Leute im Süden waren, mit einem griechisch-römischen und jüdischen Hintergrund, und dass es eine bunt zusammengewürfelte Gemeinde mit Heiden und Juden gewesen ist. Und das passt auch besser zum Thema. Davon würde ich ausgehen.
Wann der Brief entstanden sein dürfte
Habe ich noch eine andere Frage, nämlich: Wann ist der Galaterbrief geschrieben worden?
Die meisten gehen davon aus, dass der Galaterbrief der älteste Brief von Paulus ist, den wir in der Bibel haben. Die große Frage ist: Ist er vor dem Apostelkonzil geschrieben worden, das in Apostelgeschichte 15 beschrieben ist und wahrscheinlich um 48 bis 50 nach Christus stattfand, oder ist er danach geschrieben worden?
Ich würde dafür plädieren, dass er davor geschrieben worden ist. Warum? Ich glaube, wenn das Konzil bereits vorbei gewesen wäre, dann hätte Paulus es rechtssicher erwähnt. Warum? Weil es im Galaterbrief, ich komme gleich zum Inhalt, dann werdet ihr das sehen, ganz stark auch um die Themen geht, um die es auch in dem Apostelkonzil in Jerusalem gegangen ist.
Und das Zweite ist: Paulus kritisiert Petrus im Galaterbrief oder erwähnt, dass er ihn kritisieren musste. Ich glaube nicht, dass sich Petrus da noch einmal dazu hinreißen ließ, nach dieser Entscheidung, die in Jerusalem gemeinsam mit allen anderen Aposteln getroffen worden war. Ganz ausschließen will ich es bei Petrus nicht, aber ich glaube, nachdem das so festgelegt war, war die Frage eigentlich ziemlich geklärt.
Deswegen würde ich davon ausgehen, dass der Brief sehr, sehr früh geschrieben worden ist, wahrscheinlich 48 nach Christus. Also gerade mal 15 Jahre nach der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus, ungefähr.
Ja, dürft ihr einmal kurz wegen mir schwarz machen oder das da lassen, Karina, wie du magst, weil ich ein bisschen über Paulus reden möchte. Und jetzt gehen wir auch ein bisschen ins Praktischere rein.
Paulus als Person und seine geistliche Wende
Warum hilft es, den Autor zu kennen, der so einen Brief schreibt? Ja, wenn ihr zu Hause irgendwo einen Brief von eurer Urgrossmutter vielleicht auf dem Speicher oben finden würdet oder so etwas, dann hilft es euch, die Person gekannt zu haben, um ein paar Hintergründe aus ihrem Leben besser verstehen zu können, um ein paar Dinge besser verstehen zu können, die sie schreibt. Und deswegen wollen wir uns Paulus ansehen. Vieles werdet ihr kennen, aber es hilft uns, das aufzufrischen.
Paulus war hebräischer Abstammung, bekam aber durch seinen Vater römisches Bürgerrecht. Das war in der damaligen Zeit unheimlich viel wert, weil man einfach ganz viele Privilegien hatte und auch zum Beispiel in Strafverfahren und so weiter anders behandelt wurde. Das könnt ihr am Ende der Apostelgeschichte in Paulus’ Prozess auch verfolgen, wo er das ja bewusst auch erwähnt. Paulus ist aber stolzer Jude und liebt sein Volk und auch das Gesetz Mose. Das schreibt er selber mal im Philipperbrief.
Er war stolz darauf, Jude zu sein, hat da richtig Karriere gemacht im jüdischen Raum und war bei einem der besten Lehrer unterwegs, bei Gamaliel. Von ihm hat er eine Ausbildung genossen. Paulus war aber derjenige, der eben, weil er so ein starker Jude war und so sehr darin verhaftet war, die erste Christenverfolgung mit unterstützt hat und mit losgetreten hat. Das könnt ihr in Apostelgeschichte 7,8,9 und so weiter lesen, wo er unterwegs ist.
Und dann geschieht wie aus dem Nichts, dass Paulus auf diesem Weg nach Damaskus ist. Ein junger Mann auf dem besten Weg, der neue Superstar der Pharisäer und der Juden zu werden, und der wird von Jesus Christus persönlich getroffen. In Apostelgeschichte 9 könnt ihr das nachlesen. Das ist jetzt zu ausführlich, wenn wir das komplett lesen wollen. Paulus hat eine ganz persönliche Begegnung mit Jesus Christus als dem Auferstandenen und muss von einem Moment auf den anderen erkennen, dass er auf dem falschen Weg ist. Der Weg, der doch für ihn so gut schien und wo er überzeugt war, dass er Gott mit aller Kraft und bester Leistung dient, war der völlig falsche. Und er erkennt, dass er das, was er wahrscheinlich eigentlich tun wollte, nämlich Gott dienen, genau ins Gegenteil verkehrt hat.
Jesus sagt ihm: Warum bekämpfst du mich? Und er macht ihm klar, dass das, wofür er gekämpft hat, ihn nicht in den Himmel bringen kann. Paulus lernt in diesem Moment Jesus als den Auferstandenen persönlich kennen. Er lernt auch kennen, dass er Vergebung braucht. Und dann schickt Gott ihm, ich glaube, es ist Hananias, einen Mann in Damaskus über den Weg, der sich zuerst nicht hintraut und ihm dann zeigt, wie Paulus Vergebung erfahren kann.
Paulus ist radikal. Er schmeißt alles, wofür er bisher gelebt hat, hin: seinen Job, seine Abstammung. Und er setzt alles auf die Karte Jesus Christus, den, den er gerade noch verfolgt hat.
Nachdem Paulus diese Bekehrung erlebt hat und Jesus kennengelernt hat, wird er erst einmal für ein paar Jahre herausgenommen. Ihr könnt dann noch kurz sehen, dass er kurz nach Jerusalem kommt. Dann haben ein paar Leute Angst, weil er vorher nicht unbedingt für die Gemeinde gearbeitet hat, sondern gegen sie. Paulus wird auf einmal erst einmal auf die Seite gesetzt. Zwischen Apostelgeschichte 9,30 und 11,25 taucht er nicht auf. Er geht nach Tarsus und ist erst einmal in der Versenkung.
Wir können nur spekulieren, was in dieser Zeit bei Paulus passiert ist. Es sind nur ein paar Jahre, die dort vergehen. Aber wovon ich ausgehen würde, ist, dass einer der besten Schriftkenner der damaligen Zeit, der eine der besten Ausbildungen in den Schriften des Alten Testaments hatte, jetzt Jesus kennengelernt hat und den Heiligen Geist bekommen hat. Er lernt diese Schriften ganz neu kennen, lernt sie neu zu verstehen, und sie gehen ihm auf. Ich glaube und bin überzeugt, dass Paulus diese Schriften des Alten Testaments in dieser Zeit mit einem ganz neuen Blick gelesen hat, weil er Jesus Christus erkennt und sieht.
Warum glaube ich das? Weil das, was Paulus danach predigt und was Paulus danach in seinen Briefen schreibt, einfach voll davon ist und mehr oder weniger überfließt. Barnabas kommt dann, setzt sich für Paulus ein und setzt sich dafür ein, dass er mit ihm auch auf die erste Missionsreise geht und so weiter.
Das grosse Thema, was Paulus immer wieder treibt, ist die Frage nach der Rechtfertigung. Bin ich gerecht durchs Gesetz, beziehungsweise hat das noch Anteil daran, dass ich vor Gott gerecht werde, oder allein durch das Blut Jesu Christi? Und wenn letzteres gilt, wozu ist das Gesetz überhaupt noch da? Diese Frage zieht sich durch ganz viele Predigten von Paulus, die wir in der Apostelgeschichte lesen können. Sie zieht sich durch den Römerbrief, sie steckt im Epheser- und Kolosserbrief auch immer überall drin, und sie ist ganz stark auch präsent im Galaterbrief.
Paulus’ grosses Thema ist, weil er das, glaube ich, selbst erfahren hat vor Damaskus: Ich bin gerecht, weil Jesus für mich starb, und durch dieses Blut, durch den Glauben an ihn, werde ich gerecht. Und das bringt er eben auch in Galater 2,20 zum Ausdruck, wo er das schreibt: Ich lebe doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich hingegeben hat.
Paulus kommt immer wieder in Diskussionen über dieses Thema hinein. Wie wird man gerecht? Immer wieder hat er diese Kämpfe auszufechten, sein ganzer Dienst ist davon geprägt. Und trotz all dieser Kämpfe bleibt Paulus, denke ich, demütig und er liebt sein Volk bis zum Ende. Obwohl er von ihnen diese grossen Anfechtungen hat, hat er diese tiefe Sehnsucht, dass seine Leute, aus denen er herauskommt, was eigentlich seine Wurzeln sind, doch gerettet werden. Aber über den Weg, der wirklich rettet, und nicht über den, den sie sich selbst gewählt haben.
Und dieser Paulus schreibt den Galaterbrief. Ich denke, wir können hier jetzt mal einen Überblick wagen und werden ein paar ganz kurze Spots auf den Brief an der einen oder anderen Stelle setzen, weil uns das hilft, wenn wir eine weitere Predigt haben, da vorwärtszugehen.
Aufbau des Briefes und seine Hauptgedanken
Ich habe die Struktur in vier Teile geteilt. Das tun die meisten in den Oberpunkten. Unterpunkte habe ich jetzt gar nicht gesetzt, so könnt ihr euch die nämlich leichter merken.
In den Versen 1 bis 10 schreibt Paulus eine Einleitung, und die Einleitung ist gleich, fast schon mit der Tür ins Haus. Das fällt auf, wenn ihr sie mit allen anderen Briefen vergleicht, weil Paulus in den ersten Versen ganz, ganz viel Wert auf seine apostolische Autorität legt und stark ins Feld führt, dass er hier wirklich berechtigt ist, solche Dinge zu schreiben.
Da dürft ihr nicht vergessen: Zu der damaligen Zeit waren die Apostel die engsten Jünger Jesu. Und Matthias kam noch dazu, der an die Stelle von Judas gewählt worden war. Das waren Leute, die mit fast göttlicher Autorität sprachen und deren Lehrentscheidungen akzeptiert und anerkannt waren. Paulus wurde hier eben auch als ein solcher anerkannt.
Das taucht auch noch einmal in den Versen 11 bis 21 auf, wo er diese Autorität noch einmal stark verteidigt. Aber er bringt das schon am Anfang.
Das Zweite, was direkt in der Einleitung auffällt, ist ein sehr harscher und strenger Ton. Den findet ihr nicht einmal im Korintherbrief, wo Paulus ziemlich aufräumen muss. Wenn ihr den Korintherbrief anschaut, da sind Leute schon fast auf dem Weg Richtung Tempelprostitution, da hat einer wahrscheinlich ein Verhältnis mit seiner Stiefmutter und so weiter. Da räumt Paulus im Korintherbrief auf. Trotzdem beginnt Paulus dort mit Lob. Er fängt eigentlich alle Briefe mit einem Lob für die Gemeinde an, nur nicht den Galaterbrief. Der Galaterbrief ist der einzige Brief, in dem Paulus direkt reinhaut und mit Kritik einsteigt.
Warum tut er das? Ich will einfach die Verse 6 bis 9 lesen, wo man diese Härte auch kennenlernen oder sehen kann. Im dritten Kapitel ist sie auch noch einmal ganz stark da. Dort schreibt er:
„Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein anderes gibt. Nur dass einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist als das, was wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich es abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“
Merkt ihr diese Schärfe, die da drin ist? Paulus kommt hier nicht einfach mit einem freundlichen Hinweis und sagt: Leute, strengt euch an, lebt anders und lasst euch nicht verblenden. Geht auf den richtigen Weg und so weiter. Er kommt hier mit einer Schärfe rein, in der er sagt: Wer euch ein anderes Evangelium predigt und verkündigt als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht.
Und wenn ihr den Galaterbrief in seiner Stärke anschaut, dann geht es hier bei einem anderen Evangelium tatsächlich nicht um die Themen, die bei uns heute oft vorkommen, etwa das Wohlstandsevangelium und Ähnliches. Sondern es geht darum, dass wahrscheinlich Leute in die Gemeinde hineingekommen sind und den Leuten gesagt haben, ihr müsst euch wieder beschneiden lassen, ihr müsst das Gesetz in jeder Detailtiefe halten, um gerettet zu werden. Es geht eher darum, dass Leute strenger sein wollten, härter sein wollten, als es die Bibel selbst war.
Und Paulus geht mit dieser radikalen Schärfe hinein und sagt: Wer euch so etwas verkündet, der sei verflucht. Für mich war das schon erstaunlich, das im Galaterbrief so in dieser Deutlichkeit zu sehen, dass Paulus da so massiv in der Härte dagegengeht. Ich dachte eigentlich immer, es schade ja nichts, es ein paar Nummern genauer zu nehmen, ein paar Dinge mehr zu erfüllen. Über die Verse schauen wir beim nächsten Mal noch genauer. Aber festhalten kann man, dass Paulus hier wirklich mit unheimlicher Schärfe reingeht und kein Lob übrig hat, was auffällt, weil das in allen anderen Briefen kommt.
Autorität, Konflikt und die Wahrheit des Evangeliums
In den Versen 11 bis 21 begründet Paulus nochmals seine apostolische Autorität. Er macht deutlich, dass er anerkannt war und dass er auch berechtigt war, als Apostel zu schreiben. Ich lese nur einmal Vers 23, wo er beschreibt, wie die anderen Apostel mit ihm umgegangen sind. Er sagt, dass sie nur gehört hatten, dass der uns früher verfolgte jetzt den Glauben predigt, den er früher zu zerstören versuchte. Das ist das, was sie gehört hatten.
In Galater 2,7-10 kommt noch einmal deutlich zum Ausdruck, wie sie mit ihm umgegangen sind. Im Gegenteil: Als sie sahen, dass mir das Evangelium an die Heiden anvertraut war, so wie Petrus das Evangelium an die Juden, denn der in Petrus wirksam gewesen ist zum Apostelamt unter den Juden, der ist auch in mir wirksam gewesen unter den Heiden, und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus und Kephas, das ist der andere Name für Petrus, und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter den Heiden, sie aber unter den Juden predigen sollten. Nur dass wir an die Armen dächten, was ich mich auch eifrig bemüht habe zu tun.
Es ist interessant, dass Paulus hier über ein ganzes Kapitel hinweg Wert darauf legt, warum er die Autorität hat, so aufzutreten. Wahrscheinlich sind Leute dahergekommen und haben gesagt: Ja, Moment mal, Paulus war ja gar nicht dabei. Der hat Jesus ja gar nicht mehr persönlich kennengelernt. Hat der überhaupt noch etwas zu sagen, und so weiter. Und Paulus begründet hier, warum er apostolische Autorität hat.
Ich hoffe, für euch ist das nicht die große Frage in eurem Leben, dass ihr Paulus anzweifelt. Aber ich habe selbst schon Diskussionen gehabt, ähnliche, wo es genau um die Frage ging, wo jemand versucht hat, Aussagen in den Evangelien und Aussagen von Paulus gegeneinander auszuspielen. Und wo dann gesagt wurde: Ja, aber Moment mal, das hat ja Jesus gesagt, Paulus ist ja nur Paulus gewesen, das hat ja nicht so viel Autorität. Letztendlich hat es dazu geführt, dass die Briefe von Paulus, die uns überliefert sind, und Teile der Apostelgeschichte zweitrangige Bücher wurden. Und dann ist in der Theologie unheimlich viel weggekippt.
Deswegen glaube ich, dass es auch für uns nicht unwichtig ist, anzuerkennen, dass auch die Apostel Paulus, aber auch Petrus, Johannes und wie die anderen Schreiber im Neuen Testament heißen, Autorität haben und auf der gleichen Stufe stehen wie die Evangelien. Wenn wir das nicht annehmen oder akzeptieren, dann, glaube ich, kriegen wir echt Schieflage mit der Bibel. Und nur auf dieser Basis können wir dann hergehen und eben Vers für Vers miteinander auslegen, die Bibel mit der Bibel auslegen usw.
Später könnt ihr dann noch sehen, dass Paulus auch gegen Petrus argumentieren musste, in dem zweiten Block hier von 1,11 bis 2,21. Petrus war nämlich da bei den Galatern wohl unterwegs gewesen. Er hat ein paar Wochen mit ihnen normal zusammengelebt, was bedeutet hat, dass Juden und Heiden zusammen gegessen haben. Das ist ja für uns heute selbstverständlich, damals war das aber für Juden überhaupt nicht selbstverständlich.
Jetzt sind ein paar Leute aus Jerusalem gekommen, die gesagt haben: Nein, das geht nicht. Dann hat Petrus gesagt: Okay, okay, okay, ich esse jetzt auch nur mit den Juden, ich habe mit den Heiden nichts mehr zu tun, und hat hier eine Wand vorgezogen. Da ist Paulus gegen Petrus, der damals wahrscheinlich die größte Autorität in der Gemeinde war, aufgestanden und hat gesagt: Du bist zwar Petrus, aber das, was du hier tust, ist nicht im Einklang mit dem, was Jesus und die Bibel uns lehren. Und er hat sich gegen ihn gestellt.
Wahrscheinlich hat das mit dazu geführt, dass es eben dieses Apostelkonzil in Jerusalem dann gegeben hat, wo die Sicht von Paulus von allem bestätigt worden ist und auch Petrus eingesehen hat, denke ich, dass sein Verhalten hier in die falsche Richtung war. Paulus argumentiert ganz stark. Aber das ist spannend, weil er auf der einen Seite seine Autorität unterstreicht, wo er von Gott eingesetzt ist, und auf der anderen Seite argumentiert er: Es geht nicht um das Ansehen der Person, sondern es geht um die Wahrheit. Das könnt ihr in Galater 2 bis dahin relativ stark lesen.
Das Verhältnis von Gesetz, Gnade und Freiheit
In Galater 3,1-4,20 kommt dann der große Hauptblock des Briefes, in dem Paulus das Gesetz und die Gnade im Gottesheilsplan gegenüberstellt. Er argumentiert dabei vom Alten Testament her mit mehreren Punkten, warum wir allein aus Gnade gerettet werden und warum dieses Gesetz uns nie retten konnte. Das zeigt er vom Alten Testament her deutlich auf.
In Galater 3,13 schreibt er zum Beispiel: „Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt.“ Er macht deutlich, dass dieses Gesetz sogar einen Fluch auf uns legt, weil wir es eben nicht halten können. Wir wären da nie durchgekommen. Christus hat uns dadurch erlöst von dieser Strafe, von dieser Schuld, die darauf lag.
Er macht das auch deutlich im Vergleich der zwei Söhne von Ismael und Isaak. Dabei zeigt er, auf wen die Verheißung war und wo das Gesetz steht. Er geht auf den Sinai-Bund ein und zeigt, und das ist total spannend, das werden wir uns im Detail anschauen, dass der Sinai-Bund nie den Sinn hatte, Leute zu retten. Das war für mich damals echt eine totale Überraschung. Denn ansonsten denkt man ja gerne: Gott hat es halt mit Mose und dem Sinai-Bund irgendwie probiert, die Leute haben es nicht hingekriegt, und dann hat er sich einen Plan B überlegt. Paulus macht hier aber deutlich: Nein, das war nie Sinn und Zweck des Sinai-Bundes.
Galater 4,21 bis 6,10 schreibt er dann ganz, ganz stark, und ich habe vergessen, hier auf die Folie den letzten, den fünften Punkt zu setzen. Aber er beschreibt die Freiheit, die wir in Christus haben. Und es ist spannend, wie er das einführt: In Galater 5,1 heißt es erstmals: Zur Freiheit hat uns Christus berufen; so steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft spannen. Paulus meint hier ganz bewusst nicht wieder unter das Joch des Gesetzes spannen.
Zum Ende hin in Kapitel 5 und fast schon zum Ende des Briefes geht Paulus dann aber auf eine Frage ein, die bei uns vielleicht auch im Kopf klingen kann. Ja, wenn wir aber zur Freiheit berufen sind, wenn das Gesetz quasi nicht den Sinn hatte, uns zu retten, wenn das nicht der Punkt ist, nach dem wir leben sollen, sondern wenn wir in der Freiheit des Christus leben sollen, kann dann jeder leben und tun und lassen, was er will? Ist dann alles egal? Kann man dann einfach machen, worauf man Lust hat, so richtig sündigen und es krachen lassen? Ist das das, wo wir Christen leben sollen?
Paulus geht hier auch darauf ein, wenn man Galater 5,19-22 liest. Da bringt er nämlich zwei Gegensätze gegeneinander. Er sagt in Galater 5,19: Offenkundig aber sind die Werke des Fleisches. Das sind Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltung, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue usw.
Was macht Paulus dort? Er bringt das dann eigentlich zu der Krönung, würde ich sagen. Er sagt: Wir sind zur Freiheit berufen. Wer aber jetzt lebt, wie einfach sein Gefühl es ihm vorgibt, wozu er Lust und Laune hat, der lebt weiterhin in Knechtschaft, nämlich in Knechtschaft des Fleisches, und bringt diese Werke des Fleisches hervor, die er hier aufzählt. Wer wirklich frei ist, der lebt aber auch nicht in der Knechtschaft des Gesetzes. Das würde er in den ganzen Kapiteln vorher aufzeigen, wo man einfach nach einem Regelkatalog versucht zu leben und vielleicht in Wirklichkeit doch viele Werke dieses Fleisches hervorbringt, mit Stolz und anderen Dingen. Hader, Eifersucht ist da ganz schnell dabei. Er ist also auch nicht frei, er ist ebenfalls in Knechtschaft. Und die sollen wir uns nicht wieder auferlegen lassen, wie man in Galater 5,1 hört.
Wer wirklich frei ist, der lebt aus der Beziehung und aus der Liebe Gottes heraus, unter der Leitung des Geistes Gottes, und bringt andere Früchte hervor, nämlich Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue usw. Und natürlich wird er, indem er diese Dinge lebt, viele Punkte des ursprünglichen Gesetzes erfüllen, aber nicht als Abarbeitung eines Regelkatalogs, sondern aus der Beziehung heraus, aus der Veränderung heraus, die Gottes Geist wirkt.
Und das ist, wohin Paulus will: dass er die Leute in diese Freiheit setzen will, die wirkliche Freiheit ist. Eine Freiheit, die nicht Knechtschaft eines Regelkatalogs ist, aber auch nicht Knechtschaft des eigenen Fleisches, das diese Dinge hervorbringt.
Und die Verse 11 bis 18, die habe ich vergessen, hier aufzuführen, ich halte sie auch für Verse des Galaterbriefes, die fehlen nur auf der Folie. Die sind dann im Endeffekt Briefschluss mit Grüßen und ähnlichen Dingen. Halte ich auch für wichtig, ist mir beim Folienmachen nur durchgerutscht.
Zusammenfassung und persönliche Anwendung
Wenn ich den Galaterbrief zusammenfassen will, dann sind wir am Anfang der Heidenmission unterwegs. Es geht also um die Frage, wie Heiden Christen werden und wie die Kultur oder das Christentum, das bisher eigentlich aus Juden bestand und sich von Jerusalem her entwickelt hat und auf einer jüdischen Kultur aufgebaut war, vor der Herausforderung stand, wie das zusammenpassen kann.
Auf der einen Seite steht eine Kultur, die strengste Regeleinhaltung als die Perfektion des Glaubens gesehen hat, wo das Gesetz im Zentrum stand. Und diese Kultur hat sich dadurch auch bewusst von allen anderen Kulturen abgegrenzt. Auf der anderen Seite steht eine Kultur, die von Ausschweifung und Götzendienst geprägt war, die griechisch-römische Kultur, die ihre Spuren im Leben der Menschen hinterlassen hat.
Man muss sich das vorstellen: Da sind wir heute wahrscheinlich sogar noch ein Stück entfernt davon. Die Perfektion der Religionen der Römer und Griechen bestand unter anderem darin, sich der Tempelprostitution und Ähnlichem hinzugeben. Das könnt ihr in Korinth und in anderen Tempelstädten sehen, wo Leute, Frauen – ich nenne das jetzt mal so – in den vollzeitlichen Dienst für ihre Religion damals gegangen sind, was bedeutet hat, in die Prostitution zu gehen. Es waren übrigens nicht nur Frauen damals, das waren durchaus auch Männer.
Wenn wir wissen wollen, wie es in Rom wirklich zugeht, empfehle ich, kann ich gerne ein paar gute Bücher empfehlen, die das historisch aufarbeiten, was dort los war.
Diese Kulturen prallen aufeinander, und die große Frage ist: Was ist jetzt der Weg, dieser jüdische oder dieser heidnische? Und die Antwort darauf, die das Neue Testament gibt und die der Galaterbrief gibt, ist: weder noch, sondern ein anderer Weg. Nicht Regelkatalog, aber auch nicht Ausschweifung und Götzendienst, sondern Veränderung von Christus her, Veränderung durch seinen Geist, auf der Grundlage, dass Rettung allein aus Glauben bedeutet.
Und in diese Situation hinein spricht der Galaterbrief. Ich glaube, er setzt zwei zentrale Punkte. Das Erste ist: Das Einzige, was wirklich rettet, ist der Glaube an Jesus Christus allein und nichts anderes. Und das Zweite ist: Wir sind zur Freiheit berufen und sollen uns auch nicht wieder in Knechtschaft bringen lassen. Da gelten zwei Dinge: die Knechtschaft des Gesetzes und die Knechtschaft des Fleisches, die uns nicht weiterbringen.
Ich möchte dir heute dazu ein paar Fragen stellen. Die erste ist: Ob du auch dein Damaskuserlebnis hattest. Gibt es in deinem Leben diesen Moment, wo du Jesus Christus begegnet bist, wo er Bestandteil deines Lebens wurde, wie Paulus das erlebt hat, vor Damaskus und in Damaskus? Wo du erkannt hast, dass der einzige Weg, wie du gerettet werden kannst, das Sterben und Auferstehen von Jesus Christus ist?
Wenn du das nie erlebt hast, wirst du weder Paulus noch den Galaterbrief richtig verstehen. Ich glaube, die Frage ist zentral: Bist du gerechtfertigt, weil Jesus für dich stirbt? Glaubst du an ihn? Setzt du deine ganze Hoffnung, dein ganzes Vertrauen allein darauf? Oder hängt deine Hoffnung, dein Vertrauen, warum du vor Gott angenehm sein solltest, doch an dem, was du in deinem Leben leisten und schaffen könntest?
Es gibt keine andere Rechtfertigung als in Jesus allein. Ich wünsche dir, wenn du das nicht erlebt hast, dass du das erfährst.
Dann gilt aber weiter, dass wir, je nachdem, wo wir herkommen, von unserer Prägung immer wieder dazu tendieren, in eine dieser zwei Knechtschaften hineinzufallen. Ich glaube wirklich, dass jeder von uns da ein Stück weit anders geprägt ist. Der eine ist dazu geprägt, sich immer wieder in diese Knechtschaft des Gesetzes hineinfallen zu lassen. Das hat zwei, drei Auswirkungen.
Das Erste ist, dass er an seiner Rettung zweifelt, weil er sie an seinen eigenen Werken und Handeln festmacht und denkt: Ich müsste jetzt wieder etwas leisten, damit ich vor Gott angenehm sein kann. Das Zweite ist, dass man anfängt, anderen Lasten aufzuerlegen, die die Bibel ihnen nicht auferlegt, und sich damit schuldig macht. Und man muss aufpassen, der Grad ist ganz schnell überschritten zu dem, was Paulus sagt, dass man dann ein anderes Evangelium verkündet und sich Gottes Fluch zuzieht.
Das Dritte ist, dass man die Freudigkeit im Glauben verliert, weil man an sich selbst verzweifelt, weil man einen Anspruch hat, den man selbst nicht erfüllen kann, und sich eben nicht freut an dem, was Jesus Christus für einen getan hat.
Das ist die eine Seite. Da möchte ich dir nur sagen: Glaubst du, dass heute nichts tun kann, dass dich Jesus mehr liebt, weil das, warum er dich liebt, auf Golgatha geschehen ist?
Und die andere Seite ist die, in der Gefahr zu stehen, immer wieder in diese Knechtschaft des Fleisches hineinzufallen, sich gehen zu lassen und zu leben, wie man Lust und Laune hat. Da möchte ich dich fragen, ob das wirklich Freiheit ist, was du dort erfährst, oder ob es nicht vielmehr auch wieder diese Knechtschaft ist: die Knechtschaft der Sünde, der Lust und Laune. Ob dein Gott nicht dein Leben und deine Lust wird und nicht Jesus Christus ist. Ob dir nicht auch der Friede dadurch geraubt wird und ob du nicht vielmehr zu denen gehörst, die die Werke des Fleisches vollbringen und nicht die Werke des Geistes.
Und da will Jesus oder Paulus dazu aufrufen, sich ganz neu wieder auf diese Grundlage von Jesus Christus zu stellen, von ihm verändern zu lassen und sein Leben danach auszurichten. So zu leben, wie Gott es für uns richtig hält, weil es das Beste für unser Leben ist. Weil nur das wirkliche Freiheit schenkt. Und weil nur das wirklich Freude und Frieden im Leben gibt. Und weil wir nur so Zeugnis für Christus sein können.
Ich wünsche mir, wenn wir da tiefer in den Galaterbrief reinschauen, dass er dich wirklich mitnimmt, dass dir Jesus größer wird, dass dir sein Werk, das er getan hat, zentral in dein Leben wird. Dass es dir zentral wird, dass er die Grundlage ist, auf der du stehst, dass er die Grundlage ist, auf der wir leben, und dass er die einzige Grundlage ist, die im Sterben taugt.
Ich weiß nicht, wer von euch die alten Katechismen noch kennt. Ich liebe die erste Frage im Heidelberger Katechismus. Die wurde damals Teenagern gestellt. Die Frage ist: Was ist dein einziger Trost, im Leben und im Sterben? Weiß jemand von euch die Antwort? Dass ich im Leben und Sterben allein meinem Heiland Jesus Christus gehöre. Ich bringe ihn auch nicht ganz auswendig zusammen, der für mich gelebt und gestorben und auferstanden ist, in diese Richtung. Schaut euch das zu Hause noch einmal an. Es ist wirklich der einzige Trost im Leben und Sterben, und ich hoffe, er wird euch immer bewusster, dass ihr darauf stehen könnt.
Ich wünsche mir, dass uns der Galaterbrief zu dieser Freiheit weiterführt, die Christus uns schenken will. Wirklich frei zu sein, für ihn leben zu können, frei von allen Scheinfreiheiten, die uns diese Welt anbieten will. Dass diese doppelte Freiheit in unserem Leben sichtbar werden wird.
Und ich wünsche mir, dass wir dazu kommen, was Paulus für sein eigenes Leben in Galater 2,20 schreibt, weil ich glaube, dadurch wird diese Freiheit so deutlich: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben hat.
Das ist die größte Botschaft, die je über diese Erde gegangen ist. Ich wünsche mir, dass sie tief in deinem Leben verankert sein darf. Amen.
