Zum Inhalt

Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 17/60

Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 17/60
27.04.2008Psalm 69,1-37
SERIE - Teil 17 / 60Der Messias im Alten Testament (AT)

Abschlussbetrachtung zu Psalm 69 und Übergang zu Psalm 72

Wir stehen immer noch bei Psalm 69 und wollen die letzten Verse gemeinsam genauer betrachten, bevor wir zu Psalm 72 weitergehen.

 Psalm 69 ist einer dieser ausführlichen Kreuzespsalmen. David hat darin die Leiden des Messias über tausend Jahre im Voraus aufgezeichnet. Die Verse 1 bis 22 beschreiben die Leiden des Herrn. Danach folgt ein Gebet von David um Gottes Gericht über die Feinde des Messias.

Dass wir dies so sagen können, haben wir beim letzten Mal gesehen. Im Römerbrief wird in Kapitel 9 aus diesem Psalm zitiert, und diese Gerichtsverse werden David zugeschrieben.

Lesen wir nun nochmals ab Vers 23 bis zum Schluss des Psalms:

„Ihr Tisch werde ihnen zur Falle, zur Vergeltung und zum Strick; ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihre Hüften lass immerfort wanken. Gieße deine Ungnade über sie aus, und dein grimmiger Zorn ergreife sie! Ihre Wohnstadt soll verwüstet werden, und niemand wohne in ihren Zelten; denn sie verfolgten den, den du geschlagen hast, und reden gern vom Schmerz dessen, den du hart getroffen hast. Lass sie aus einer Schuld in die andere fallen, dass sie nicht kommen zu deiner Gerechtigkeit! Tilge sie aus dem Buch des Lebens, dass sie nicht geschrieben stehen bei den Gerechten!“

„Ich aber bin elend und voller Schmerzen, Gott, deine Hilfe schütze mich! Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und will ihn hoch ehren mit Dank. Das wird dem Herrn besser gefallen als ein Stier, der Hörner und Klauen hat. Die Elenden sehen es und freuen sich, und die Gott suchen, denen wird das Herz aufleben. Denn der Herr hört die Armen und verachtet seine Gefangenen nicht. Es lobe ihn, Himmel und Erde, die Meere mit allem, was sich darin regt! Denn Gott wird Zion helfen und die Städte Judas bauen, dass man dort wohne und sie besitze. Und die Kinder seiner Knechte werden sie erben, und die, die seinen Namen lieben, werden darin bleiben.“

Die Verblendung Israels und die Gerichtsverse im Römerbrief

Jawohl, wir schauen uns vielleicht nochmals diese Stelle im Römerbrief an, die hier Psalm 69 zitiert. Wir schlagen Römer 11 auf. Es geht um die Verblendung Israels.

Des Zusammenhangs wegen lesen wir bereits ab Vers 7, also Römer 11,7-10:
„Wie nun, was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Auserwählten aber haben es erlangt. Die anderen sind verstockt, wie geschrieben steht: Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören bis auf den heutigen Tag. Und David spricht: ‚Lass ihren Tisch zur Falle werden und zu einer Schlinge und ihnen zum Anstoß und zur Vergeltung. Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge alle Zeit.‘“

Jawohl, also hier in Vers 9 wird aus Psalm 69 zitiert. Paulus sagt, David sagt das, nicht Christus.

Wenn Paulus aber in Römer 15 ebenfalls aus Psalm 69 zitiert, dann bezieht er diese früheren Verse auf Christus. Lassen wir aber Römer 11 noch offen und schlagen stattdessen Römer 15 auf, Vers 3:
„Denn auch Christus hat nicht sich selbst zu Gefallen gelehnt, sondern wie geschrieben steht: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sie sind auf mich gefallen.“

Ja, das ist jetzt ein Zitat aus Psalm 69, Vers 10, und das bezieht Paulus auf Christus. Dieses Gebet um Gottes Gericht hingegen bezieht er auf David, der also das Gericht Gottes erbittet über sein eigenes Volk, das den Messias abgelehnt hat.

Der Altar als Fallstrick und die Zerstörung Jerusalems

Wir haben das bereits in Vers 23 gesehen. Dieser Tisch sollte zum Fallstrick werden. Vielleicht ist es sinnvoll, das noch einmal zu wiederholen: Worauf hat sich das bezogen? Welcher Tisch wurde für Israel zum Fallstrick?

Genau, es war der Altar. In Maleachi 1 wird der Altar als der Tisch des Herrn bezeichnet. Inwiefern wurde dieser Altar zum Fallstrick für Israel?

Weil sich die Menschen in den Tempel geflüchtet haben, als die Römer Jerusalem zerstörten, und dort sind sie umgekommen. Es war gerade Passahzeit, als Titus den Krieg gegen Jerusalem begann. Er wartete ab, bis alle Festbesucher aus dem ganzen Land nach Jerusalem zum Passahfest gekommen waren. Erst als die Stadt zum Bersten voll war, schloss er den Belagerungsring endgültig um Jerusalem.

Innerhalb von 140 Tagen wurde die Stadt dem Erdboden gleichgemacht, ebenso der Tempel. In einer sehr späten Phase des Krieges suchten noch Abertausende, besonders im Tempelbezirk und sogar im innersten Vorhof beim Altar, Schutz. Dort wurden sie von den römischen Legionären brutal und gnadenlos in Massen niedergemetzelt.

Dieser Altar wurde also zum Fallstrick. Das Passah-Lamm durfte man ja nicht irgendwo im Land schlachten, sondern nur am Altar in Jerusalem. Das brachte die Menschen aus dem ganzen Land nach Jerusalem, doch es wurde ihnen zur Falle.

Nur von den messiasgläubigen Juden, also den jüdischen Christen, wissen wir, dass sie damals nicht mehr zum Passahfest gingen. Aufgrund von Lukas 21,20, wo der Herr Jesus gewarnt hat: „Wenn ihr Jerusalem von Armeen umzingelt seht, so wisst, dass die Zerstörung bevorsteht.“

Der Herr sagt weiter, dass diejenigen, die in Judäa sind, auf die Berge fliehen sollen, und auch die in der Mitte Jerusalems sollen auf die Berge fliehen, denn dann kommt die Verwüstung.

So flohen alle messiasgläubigen Juden damals auf die Berge, überquerten den Jordan und gingen nach Pella, wo sie Zuflucht fanden. Keiner der messiasgläubigen Juden kam damals ums Leben.

Für die anderen jedoch war das ein Fallstrick. Laut dem Augenzeugen Josephus Flavius kamen über eine Million Menschen ums Leben. Dieses Jahr 70 war also eine schreckliche Zeit, nur wenige Jahrzehnte nach der Kreuzigung.

Die Verblendung Israels als prophetischer Prozess

Und David betet weiter: „Lass dunkel werden, Vers 24, ihre Augen, dass sie nicht sehen.“ Damit bittet er um Verblendung derjenigen, die Christus abgelehnt haben.

Haben wir diese Stelle nicht schon beim letzten Mal genauer betrachtet? Es handelt sich um Jesaja 6. Ja, haben wir die angeschaut? Gut, dann wiederholen wir das nicht noch einmal.

Dort haben wir gesehen, wie Gott voraussagt, dass es zu einer Verblendung Israels kommen wird. Auf die Frage Jesajas, wie lange diese Verblendung dauern soll, antwortet Gott, dass sie so lange andauern wird, bis das Land entvölkert ist und die Städte ohne Bewohner sind. Selbst wenn nur noch ein Zehntel im Land bleibt, werden auch diese nochmals dezimiert.

Doch ein Überrest soll im Land bleiben, vergleichbar mit dem Wurzelstock eines Baumes, den man abgeschlagen hat. Und so ist es gekommen: Das Land Israel hat sich ab dem Jahr 70 n. Chr. zunehmend entvölkert.

Es gab einen weiteren Aufstand der Juden gegen Rom von 132 bis 135 n. Chr., der von Kaiser Hadrian niedergeschlagen wurde. Dabei kamen etwa 560.000 Juden im Krieg ums Leben und eine ähnlich hohe Zahl starb durch Hungersnot und Seuchen – also insgesamt wieder über eine Million Tote.

In diesen beiden Kriegen, 70 und 135 n. Chr., sind etwa eine Million Juden nach Babylonien geflüchtet, dem heutigen Irak. So sieht man, wie sich das Land immer weiter entvölkert hat.

Dieser Prozess zog sich über Jahrhunderte hin, in denen die Juden zunehmend aus dem Land vertrieben wurden.

Die muslimische Eroberung und die weitere Entvölkerung

Ganz wichtig war im siebten Jahrhundert die Eroberung Jerusalems durch die Muslime im Jahr 638. Kurz zuvor, im Jahr 632, starb Muhammad. Seine Nachfolger zogen von der saudischen Halbinsel aus weiter nach Norden und eroberten nach und nach Gebiete, um sie dem Islam zu unterwerfen.

Im Jahr 638 wurde Jerusalem erobert. In der Folge kam es zu schweren Unterdrückungen der Juden, was dazu führte, dass immer mehr Juden das Land verließen. Dies zog sich durch die Jahrhunderte hindurch. Es gab verschiedene muslimische Herrscher, die das Land beherrschten. Die letzte Herrscherperiode war die des Osmanischen Reiches der Türken, das ab 1517 regierte.

Während der osmanischen Herrschaft wurden Juden zu bestimmten Zeiten massiv verfolgt und unterdrückt. Dies führte erneut zu einer weiteren Entvölkerung jüdischer Gemeinden. Der Tiefpunkt wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erreicht, als nur noch etwa fünftausend Juden im Land lebten.

Im Jahr 1882 begann die erste große Einwanderungswelle, hauptsächlich aus Russland, zurück ins Land der Väter. Damals kamen etwa 25.000 Juden. Es folgte eine zweite Welle mit weiteren 40.000 Einwanderern. So setzte sich die Zuwanderung fort, bis heute insgesamt etwa drei Millionen Juden eingewandert sind und der Staat Israel wieder gegründet wurde.

Die Wende in der Judenmission und die heutige Situation

 Jesaja 6 fragt: Wie lange soll die Verblendung andauern? So lange, bis das Land in einem fortwährenden Prozess entvölkert wird.

Demnach müsste im neunzehnten Jahrhundert eine Wende in der Judenmission feststellbar sein. Genau in diesem Zeitraum gab es tatsächlich eine solche Wende. Ab dem neunzehnten Jahrhundert haben sich Tausende von Juden bekehrt – völlig anders als zuvor.

Früher war die Judenmission sehr schwierig. Ich glaube, ich habe das auch schon erwähnt – noch zu Luthers Zeiten oder wie er anfangs dachte: Wenn in Europa eine Erweckung ausbricht und die Menschen die Gnade Gottes durch das Evangelium erkennen, dann würden sich auch die Juden bekehren. Doch es gab kein Echo bei den Juden. Tausende von Mönchen und Nonnen verließen die Klöster, weil sie Gottes Gnade allein durch den Glauben erkannt hatten. Bei den Juden jedoch geschah nichts.

Diese Enttäuschung führte dazu, dass der spätere Luther sehr verbitterte Dinge über die Juden schrieb. Er bezeichnete sie als ein verstocktes, verbohrtes Volk, das nicht glauben wolle. Das war natürlich sehr problematisch. Es ist aber wichtig, diese Hintergründe zu kennen – besonders wenn Luther heute in Diskussionen falsch dargestellt wird. Man muss sagen: Halt, das ist der späte Luther, nicht der frühe Luther. Der späte Luther kam aus bestimmten Gründen zu dieser Verirrung. Eigentlich war Luther ein Mann, der die Juden liebte und sie missionieren wollte.

In seiner Zeit war die Judenmission jedoch noch sehr schwierig. Ab dem neunzehnten Jahrhundert änderte sich das. Heute geht man davon aus, dass es weltweit etwa dreihunderttausend bekehrte Juden gibt. Diese glauben, dass Jesus der Messias ist und dass er Gott und Mensch in einer Person ist – also ganz klar die neutestamentliche Lehre, wer Jesus Christus ist. Diese Lehre stimmt hundertprozentig mit dem Alten Testament überein.

Man nimmt an, dass seit den neunziger Jahren etwa hunderttausend Juden zum Glauben gekommen sind. Wenn man das auf die weltweit dreizehn Millionen Juden umrechnet, ist der Prozentsatz deutlich höher als der Anteil der Deutschen oder Schweizer, die sich heute bekehren.

Man darf nicht denken, dass diese hunderttausend aus bereits gläubigen Familien stammen. Sie kommen vielmehr aus einem Umfeld, das sich gegen das Evangelium gesperrt hatte, und sind dennoch zum Glauben gekommen. Würde man das auf die Bevölkerung Deutschlands heute umrechnen, müsste man sagen: Hunderttausend Deutsche hätten sich aus nicht-christlichen Haushalten ab den sechziger Jahren bekehrt. Das wäre eine echte Erweckung – doch so ist es nicht.

Genau hier ist die Wende in der Judenmission gekommen.

Die zukünftige Wende und Gottes Verheißung für Zion

In Psalm 69 wird auch die zukünftige Wende angekündigt, und zwar in Vers 36. Das Gericht sollte zwar kommen, wie wir gesehen haben, und hat sich grausam erfüllt. Aber Gottes Gnade sollte ebenfalls kommen. Wer Vers 36 liest, erkennt: „Denn Gott wird Zion retten und die Städte Judas bauen. Dort wird man wohnen und sie besitzen.“

Es ist also nicht so, dass Gott das jüdische Volk als Ganzes endgültig aufgegeben hätte. Psalm 69 macht das deutlich, ebenso wie Römer 9 bis 11 im Neuen Testament. Gott hat sein Volk gewissermaßen auf die Wartebank gesetzt, wegen der Kreuzigung des Messias. Ein Teil, aber nicht alle, sind verstockt worden.

Darum sagt Römer 11, Vers 25 ganz klar, dass Israel zum Teil Verstockung widerfahren ist, aber nicht allen. Das ist wichtig. Natürlich müssen wir auch sagen, dass ein großer Teil, der größte Teil, verstockt worden ist. Doch es ist nur ein Teil. Es gab immer solche, die sich durch alle Jahrhunderte hindurch bekehrt haben.

Im ersten Jahrhundert waren das Zehntausende. Das berichtet uns die Apostelgeschichte 21, wo Paulus erzählt: „Siehe, wie viele Zehntausende, in Griechenland Myriaden von Juden gibt, die glauben und alle Eiferer für das Gesetz sind.“ In den späteren Jahrhunderten nahm die Zahl ab. Das ging bis ins 19. Jahrhundert, als die Erneuerung wieder richtig begann.

 Psalm 69 sagt nun, dass es eine Wende geben wird. Gott wird sich Zions annehmen und die Städte Judas wieder aufbauen. Diese Wende begann mit der ersten Einwanderungswelle im Jahr 1882. Auch die jüdische Bevölkerung in Jerusalem begann sich wieder richtig zu entwickeln. Heute ist Jerusalem eine der Großstädte Israels, neben den Ballungszentren Tel Aviv und Haifa.

Die historischen Städte und ihre Bedeutung

Was war Tel Aviv im Alten Testament? Eigentlich war es Jaffa oder Joppe im Neuen Testament, beides bezeichnet dieselbe Stadt. Jaffa war der große Schiffshafen im Altertum von Israel. Dort ist auch der Prophet Jona hingegangen, um seine Fahrkarte zu kaufen beziehungsweise das Fährgeld zu bezahlen, damit er nach Spanien fliehen konnte.

Tel Aviv wurde 1909 auf dem Wüstensand neben Jaffa gegründet. Die Stadt wuchs immer weiter, sodass Jaffa schließlich zu einem Vorort wurde, der mit Tel Aviv vollständig zusammengewachsen ist.

Und wie sieht es mit Haifa aus? Welche wichtige Stadt gab es dort im Alten Testament? Nördlich von Haifa lag Akko, im Neuen Testament Ptolemais genannt. Paulus besuchte dort in der Apostelgeschichte Brüder.

Haifa wurde im 20. Jahrhundert zu einem starken jüdischen Ballungszentrum. Akko ist heute ebenfalls eng mit Haifa verbunden.

Diese Orte sind also die Hauptballungszentren.

Hier steht: „Denn Gott wird Zion retten.“ Zion ist ein Name für Jerusalem, aber ganz besonders für den Tempelberg. Der Tempelberg ist Zion. Ursprünglich war Jerusalem zur Zeit Davids ein kleines Städtchen am Südabhang des Berges Zion oder Moria.

In der Bibel wird Zion oft als Bezeichnung für Jerusalem verwendet, aber ganz besonders meint es den Tempelberg in Jerusalem.

Die politische Geschichte Jerusalems und die Bedeutung des Tempelbergs

Und nun 1948, als der Staat Israel am 14. Mai gegründet wurde, gehörte der Berg Zion, der Tempelberg, nicht zum Staatsgebiet. Das lag daran, dass die UNO im November 1947 bei der großen Abstimmung beschlossen hatte, dieses Gebiet Ostjerusalem zu internationalisieren.

Nach der Staatsgründung sind die Araber mit ihren Armeen einmarschiert, und die Engländer haben geschwiegen. Man muss es so sagen: Das war eine ganz traurige Geschichte, wie sie sich damals verhalten hatten. Die UNO hat ebenfalls geschwiegen. Schließlich hat Jordanien Ostjerusalem in die Hand bekommen und das Gebiet durch eine Mauer abgetrennt.

Bis 1967, im Sechstagekrieg, hat Israel dann die Kontrolle über Ostjerusalem übernommen und die Stadt vereinigt. Das war natürlich ein ganz entscheidendes Ereignis in diesem Prozess, denn Gott wird Zion retten. Doch das ist noch nicht das Endziel; das Ganze ist ein Prozess.

Dieser Prozess wird übrigens sehr schön beschrieben in Joel 4 beziehungsweise 3, je nach Bibelausgabe. Es gibt unterschiedliche Kapitelzählungen.

Die Endzeit und das Gericht über die Nationen

1 und 2 oder 4,1 und 2 – wer liest? Man hört die Stimme des Herrn Jesus, des Messias.

Ich werde selbst über die Rechte walten, über mein Volk und mein Erbteil Israel, das sie unter die Nationen zerstreut haben. Mein Land wurde geteilt, und über mein Volk wurde das Los geworfen.

Jesus sagt: „In jenen Tagen und zu jener Zeit“ – ein Ausdruck, der immer wieder in der Prophetie vorkommt und besonders die Endzeit meint. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich das Schicksal Judas und Jerusalems wenden.

Es wird also klar, dass dies eine Zeitperiode ist, in der das Schicksal des Landes Juda und der Stadt Jerusalem eine Wende erfährt. Diese Wende begann richtig 1882 mit der ersten Einwanderungswelle. Weitere Einwanderungswellen folgten bis zur Staatsgründung 1948 und dann zur Eroberung und Wiedervereinigung, insbesondere zur Eroberung Ostjerusalems und zur Wiedervereinigung der Stadt Jerusalem.

Dieser Prozess geht weiter. Auffällig ist, dass der Herr sagt: In jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich das Schicksal Judas und Jerusalems wenden werde, werde ich alle Nationen versammeln.

Er wird dort im Tal Josaphat – ein anderer Name für das Tal Kidron, das in Ostjerusalem den Ölberg und den Tempelberg trennt – mit ihnen rechten. Das heißt, in dieser Zeit wird er auf der Erde sein, in der Zeit, in der dieses Schicksal gewendet wird.

Das ist interessant, denn es macht deutlich: Wir leben in dieser Zeitepoche, in der Jesus Christus kommen wird. Er wird dann mit den Völkern rechten. Worum geht es?

Es geht darum, welches Verhalten das Land geteilt hat. Man denkt an England: Im Ersten Weltkrieg haben sie Palästina erobert – so nannte man das heutige Land Israel mit dem heutigen Jordanien. Bereits 1921 haben sie den ganzen Ostteil, etwa 77 Prozent, abgeteilt für die Araber, für einen arabisch-palästinensischen Staat. Daraus wurde dann Jordanien.

Das war die erste Teilung Palästinas. Die zweite Teilung erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg, genau 1947. Das war wieder eine Teilung. Den Rest Palästinas wollte man den Juden nicht geben, man hat nochmals geteilt und zum Beispiel den Tempelberg ausgeklammert.

Jetzt wollen die Palästinenser noch weitere Gebiete haben. Die Welt macht erneut Druck und hilft mit, dass Land abgegeben und geteilt wird.

Aber das wird einem schwül, wenn hier der Richter der Welt sagt: „Ich werde dort im Kidrontal sitzen und mit euch darüber abrechnen, weil ihr mein Land geteilt habt.“

Gott wird Zion retten. Von da sind wir ausgegangen, Psalm 69,36: „Denn Gott wird Zion retten und die Städte Judas bauen.“

Und das erleben wir seit über 120 Jahren, wie diese Städte Judas wieder aufgebaut wurden und lebendige Städte mit pulsierendem Leben geworden sind.

Die besondere Rolle Judas und die Erfüllung in Judas

Herr Roche, ich habe eine Frage: Warum wird hier nur Juda genannt und nicht die anderen Stämme? Die anderen Gebiete werden an anderen Stellen erwähnt.

Hier wird speziell Zion, die Hauptstadt des Stammesgebiets von Juda, erwähnt. Juda wird genannt, weil es der führende Stamm war, aus dem der Messias kommen sollte. Da es hier um Psalm 69 geht, um die Verwerfung des Messias, der aus dem Stamm Juda kam, hatte der Stamm Juda eine ganz besondere Verantwortung in dieser Verwerfung. Darum wird hier betont, dass Gott trotzdem das Schicksal wenden, Zion retten und die Stätte Judas bauen wird.

Noch etwas aus diesen Versen sollten wir genauer anschauen. Ich glaube, wir haben Vers 26 noch nicht betrachtet, insbesondere in Verbindung mit der Erfüllung in Judas. Judas hat ja Selbstmord begangen, jener Apostel, der seinen Herrn verraten hatte. Petrus zitiert in Apostelgeschichte 1 Psalm 69, um zu erklären, was geschehen ist.

Schlagen wir Apostelgeschichte 1 auf. Liest uns jemand den längeren Abschnitt von Vers 15 bis 20 vor?

„In diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach, und es war eine Menge von etwa hundertzwanzig Personen beisammen: Ihr Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden, die der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen, die Judas festnahmen, Wegweiser geworden ist. Denn er war uns zugezählt und hatte das Los dieses Dienstes empfangen. Dieser nun hat zwar von dem Lohn der Ungerechtigkeit einen Acker erworben, ist aber kopfüber gestürzt, mitten in Zweigeborsten, und alle seine Eingeweide sind ausgeschüttet worden, und es ist allen Bewohnern von Jerusalem bekannt geworden, so dass jener Acker in ihrer eigenen Mundart Hakel Damach, das heißt Blutacker genannt worden ist. Denn es steht im Buch der Psalmen geschrieben: Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin wohne; und sein Aufseheramt empfange ein anderer. Es muss nun von den Männern, die mit uns gegangen sind in all der Zeit, in der der Herr Jesus unter uns einging, ein Ersatz gewählt werden, der mit uns Zeuge seiner Auferstehung wird.“

Petrus erklärt hier, dass ein Ersatz für Judas gewählt werden muss, der seinen Platz einnehmen kann. Er erklärt das Schicksal des Judas mit dem Buch der Psalmen: „Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin wohne“ – das ist ein Zitat aus Psalm 69,26. Und das andere Zitat, „sein Aufseheramt empfange ein anderer“, stammt aus Psalm 109,8. Dazu kommen wir später noch.

Wenn wir Psalm 69,26 im Alten Testament lesen, steht dort in der Mehrzahl: „verwüstet sei ihre Wohnung, in ihren Zelten sei kein Bewohner.“ Das bedeutet, es ist das Gericht über die Feinde des Herrn. Dieses Gericht hat sich ganz besonders in Judas erfüllt, der seinen Herrn verraten hatte.

Das Gericht beschränkt sich jedoch nicht nur darauf. Das hilft uns, die Prophetie besser zu verstehen. In einem prophetischen Vers kann man eine bestimmte Erfüllung auf eine Person bezogen sehen, aber es beschränkt sich nicht darauf. Die Schrift sagt es ja in der Mehrzahl. Im Fall von Judas hatte sich dieses Gericht damals bereits ganz anschaulich vollzogen, während das Gericht für die größeren Massen erst im Jahr 70 kam.

Das Buch des Lebens und die Bedeutung der Auslöschung

Ja, und dann gibt es noch einen Punkt, der uns besonders beschäftigen sollte: Vers 29. Wer kann das vorlesen? Jawohl, das ist nun interessant.

Wenn David hier das Gericht über sein eigenes Volk ausspricht, spricht er über Menschen, die nicht bekehrt waren und den Herrn damals als Messias verworfen hatten. Aber wenn er sagt: „Lasst sie ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens“, was bedeutet das? Dass sie im Buch des Lebens standen, ja.

Das ist vielleicht ein Schock für manchen Sonntagsschullehrer oder Sonntagsschullehrerin, die den Kindern gesagt haben: „Wenn ihr den Herrn Jesus als euren Retter aufnehmt, dann werdet ihr ins Buch des Lebens eingeschrieben.“ So geschehen. Aber man muss sich fragen: Wo steht das in der Bibel, dass man bei der Bekehrung ins Buch des Lebens eingeschrieben wird? Hätte jemand eine Belegstelle dafür?

In der Offenbarung wird das Buch des Lebens erwähnt. Was steht dort genau? Offenbarung 3,5 nennt das Buch des Lebens, aber was steht dort? Wir kommen jetzt langsam auf diese Spur, weil wir festgestellt haben, dass nach Psalm 69 ungläubige Menschen im Buch des Lebens standen und ausgelöscht werden sollten.

Was sagt Offenbarung 3,5? Wer liest vor? Der Herr sagt zur Gemeinde in Sardes diese Worte: „Wer von euch überwindet, der wird nicht ausgelöscht werden.“ Aber es steht nicht: „Wer sich bekehrt hat, ist dann eingeschrieben worden.“

In der Offenbarung gibt es das Buch des Lebens des Lammes. So wird es auch genannt, das ist ein längerer Name, aber es ist dasselbe Buch: das Buch des Lebens des Lammes.

In Offenbarung 13, Vers 8 geht es um die antichristliche Zeit, bereits nach der Entrückung der Gemeinde. Der Diktator von Europa ist das Tier aus dem Meer, das dort beschrieben wird. Lies doch mal Offenbarung 13,8 vor!

Hier wird das Buch des Lebens genannt, das Buch des Lebens des geschlachteten Lammes. Es ist dasselbe Buch. Von diesen Menschen, die das Tier anbeten, wird gesagt, dass sie nicht von Anfang an im Buch des Lebens waren.

Wie steht es genau? Es heißt, deren Namen sind nicht geschrieben oder nicht geschrieben stehen in dem Buch des Lebens. Das bezieht sich auf die Gegenwart, oder? Zu diesem Zeitpunkt, wenn sie diesen Diktator sogar göttlich verehren, gilt: Ihr Name steht nicht im Buch des Lebens. Aber es steht nicht, dass er nie eingeschrieben worden war.

Ich verstehe, es ist ein bisschen kompliziert. Die Zeitform im Griechischen ist ein Perfekt. Das Perfekt bezeichnet eine Handlung, die in der Vergangenheit geschehen ist, aber immer noch gültig ist jetzt.

Von diesen Menschen wird gesagt, dass sie nicht im Buch des Lebens stehen zu diesem Zeitpunkt. Es kann also nicht gesagt werden, dass sie eingeschrieben waren und jetzt noch stehen. Wenn nur gesagt werden sollte, sie seien nie eingeschrieben worden, hätte Johannes den Aorist benutzt. Das würde bedeuten, sie waren nie im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an.

Aber was Johannes sagen will, ist nicht, dass sie nie eingeschrieben worden sind, sondern dass sie eben nicht mehr eingeschrieben stehen jetzt, zu diesem Zeitpunkt. Darum benutzt er das Perfekt.

Genauso ist der Fall in Offenbarung 17, Vers 8. Wer liest? „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben. Und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und wieder sein wird.“

Auch hier benutzt Johannes die Zeitform Perfekt. Auf Deutsch ist es das Perfekt, eine ganz normale Zeitform: „Ich bin gegangen“ ist Perfekt. Im Griechischen wird das Perfekt aber selten in Erzählungen verwendet, dort benutzt man meist den Aorist.

Jedes Mal, wenn man im Neuen Testament auf die Perfektform stößt, sollte man aufhorchen und fragen, warum gerade diese Zeitform gewählt wurde. So muss man das Neue Testament lesen.

An diesen beiden Stellen zeigt die Perfektform, dass eine Handlung in der Vergangenheit geschehen ist, die bis jetzt anhält. Johannes sagt also, diese Menschen sind nicht geschrieben in diesem Buch, sie sind nicht eingeschrieben.

Man kann es aber auch so verstehen, dass sie von Grundlegung der Welt an nicht eingeschrieben wurden. Es steht auch nicht, dass sie von Anfang an eingeschrieben sind. Man kann sagen, Gott führt dieses Buch seit Grundlegung der Welt und hat alle Menschen eingeschrieben, die je geboren werden sollen.

Denn Gott ist ein Gott, der das Leben will (1. Timotheus 2,4). Unser Rettergott will, dass alle Menschen gerettet werden. Fast hätte ich beim Zitieren 2. Petrus 3,9 verwechselt, wo es heißt, dass Gott nicht will, dass irgendjemand verloren geht, sondern dass alle gerettet werden.

Gottes Heilswille gilt für jeden Menschen. Er hat jeden in das Buch des Lebens eingeschrieben. Aber wenn die Gnadenzeit eines Menschen auf Erden abläuft und er die Gnade Gottes nicht in Anspruch genommen hat, wird er ausgelöscht.

Darum wird von den Menschen, die das Tier anbeten, gesagt, ihre Namen stehen nicht geschrieben. Auf Deutsch wird die Präsenz benutzt: deren Name ist nicht geschrieben in dem Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an.

Natürlich war ihr Name eingeschrieben, aber weil er gelöscht wurde, steht er jetzt zu dem Zeitpunkt der Offenbarung 13 und 17 nicht mehr.

Das ist eine gewaltige Entdeckung: Gott schreibt jeden Menschen in das Buch des Lebens. Wenn ein Mensch das Heil verwirft – und im Psalm 69 geht es um Menschen, die Christus, den einzigen Retter, abgelehnt haben – dann sagt David: „Ihre Namen sollen ausgelöscht werden, lasst sie ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens und nicht eingeschrieben sein mit den Gerechten.“

Sie sollen nicht mehr darin stehen, zusammen mit den Gerechten, die durch Glauben gerecht geworden sind.

Das zerschlägt den Calvinismus, der sagt, Gott habe nur eine bestimmte Zahl aus der ganzen Menschheit ausersehen, die gerettet werden sollen. Aber das Neue Testament lehrt, dass Gott will, dass alle errettet werden.

Gott will das Heil für alle und schließt nicht von vornherein eine bestimmte Gruppe aus.

Gerade die Entdeckung, dass Gott jeden Menschen ins Buch des Lebens einschreibt, macht klar: Gott hat nicht nur eine bestimmte Anzahl fürs Leben vorgesehen, und die anderen gehen verloren.

Calvin hat gesagt: „Ja, der Mensch ist böse, und diese Menschen wollen auch nicht gerettet werden, aber sie könnten auch nicht gerettet werden.“ Das ist der Punkt.

Auch die biblische Allversöhnung wird dadurch widerlegt. Die Anhänger der Allversöhnung sagen, alle Menschen werden einmal gerettet. Aber das ist nicht wahr, denn Gott löscht Menschen aus dem Buch des Lebens aus.

Gott wird ihnen aber einmal sagen können: „Ihr habt nicht gewollt. Ich habe euch eingeschrieben, aber weil ihr abgelehnt habt, seid ihr gelöscht worden.“

Darum ist das Buch des Lebens so wichtig, wenn es um die ewige Verdammnis geht.

Das letzte Gericht und das Buch des Lebens in der Offenbarung

In Offenbarung 20 wird das Buch des Lebens wieder geöffnet. Dies geschieht nicht, weil Gott nicht wüsste, wer darin steht, sondern um dies zu dokumentieren. Denn es handelt sich um eine Gerichtsverhandlung.

 Offenbarung 20, Verse 11 bis 15 lautet: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß. Vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde kein Platz für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor Gott stehen. Und es wurden Bücher geöffnet, und ein anderes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben stand, entsprechend ihren Werken. Das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren. Und der Tod und das Totenreich gaben die Toten heraus, die in ihnen waren. Und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken. Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod. Wenn jemand nicht im Buch des Lebens eingeschrieben gefunden wurde, so wurde er in den Feuersee geworfen.“

Hier wird deutlich: Gott wollte das Heil für jeden Menschen. Doch am Ende wird nicht jeder gerettet werden. Alle, die das Heil ausgeschlagen haben, wer Christus verwirft, wird ewig verloren gehen.

Ja, unbedingt. Wir können das auch kurz aufschlagen.

Das Buch des Lebens und die pränatale Existenz des Menschen

David spricht hier über seine Bildung im Mutterleib. Er nennt es jedoch nur „dein Buch“. Das wirft natürlich die Frage auf: Meint Psalm 139 damit das Buch des Lebens, wenn dort in den Versen 15 und 16 von einem Buch die Rede ist?

 Psalm 139,15-16 lautet: „Mein Gebein war nicht verhüllt vor dir, als ich im Verborgenen gemacht wurde, kunstvoll gewirkt tief unten auf Erden. Deine Augen sahen mich schon als ungeformten Keim, und in dein Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden.“

David spricht hier also von seiner Entwicklung im Mutterleib und sagt, dass er vor Gottes Augen nicht verborgen war. Im Hebräischen steht in Vers 16 das Wort „Golen“, was einen unausgebildeten Kneuel meint – also einen ungeformten Keim. Gottes Augen sahen ihn bereits in diesem Zustand, und alle Lebenstage, die noch kommen sollten, waren in Gottes Buch eingeschrieben.

Was steht also in diesem Buch? Es sind die Lebenstage, es ist das Buch des Lebens. Es geht hier um David, der im Mutterleib gebildet wird. Deshalb steht dieses Buch in direktem Zusammenhang mit dem Leben des Menschen – es ist das Buch des Lebens.

David sagt hier nicht, dass er sich erst zu dem Zeitpunkt, als er sich später bekehrte – denn David war ein alttestamentlich Bekehrter – in dieses Buch einschreiben ließ. Nein, er kann sagen, dass Davids Lebenstage schon längst in diesem Buch eingeschrieben waren, auch damals, als er im Mutterleib gebildet wurde.

Ich komme gleich noch darauf zurück, will aber hier erst einmal abschließen. Es gibt natürlich noch viele weitere Stellen dazu. Von mir gibt es dazu eine CD zum Thema „Das Buch des Lebens“, in der ich versuche, alle Stellen im Alten und Neuen Testament über das Buch des Lebens zu behandeln. Das nur als Tipp.

Wir können jetzt nicht auf alle Stellen eingehen, aber auf das Buch Exodus werden wir auf jeden Fall noch eingehen.

Die Bedeutung des Buches des Lebens für den Schutz des ungeborenen Lebens

Ist nicht diese Stelle, die wir gerade zitiert haben, einer der Gründe für die ganze Diskussion um die sogenannten Stammzellen? Dort beginnt das Leben im Grunde genommen schon, und wie hier geschrieben steht, ist man im Buch des Lebens eingezeichnet.

Diese Stelle ist sehr wichtig, um zu zeigen, dass Gott den Menschen auch im Mutterleib als einen wirklichen Menschen betrachtet. Nicht so, wie gewisse Evolutionisten denken, dass es sich nur um ein Hohltier, eine Mehrzelle oder einen Zellhaufen handelt. David kann hier bereits sagen: „Deine Augen haben meine ungeformten Knochen gesehen.“ Damit bezieht er sich auf einen ganz frühen Bereich der Embryonalentwicklung und sagt: „Und meine Lebenstage waren eingeschrieben.“

Der Mensch wird also nicht erst zum Menschen, sondern ist schon von seiner Bildung im Mutterleib her ein Mensch. Darum ist diese Stelle besonders wichtig.

Interessant ist das auch aus einem anderen Grund: In der Medizin des 19. Jahrhunderts glaubte man, der Mensch sei im frühesten Stadium seiner Entwicklung im Mutterleib ein kleines Männchen. Die Mikroskope waren damals noch nicht so gut. Man nahm an, dass die männliche Samenzelle die Form eines kleinen Männchens habe. Dieses kleine Männchen entwickle sich dann in neun Monaten zu einem etwas größeren Männchen von circa fünfzig Zentimetern oder zu einem Weibchen.

Unglaublich, das galt damals als moderne Wissenschaft! Dabei schrieb David vor über dreitausend Jahren: „Meinen Golem, meinen ungeformten Knäuel, sahen deine Augen.“ Das war korrekt. Auch von daher ist diese Stelle eindrücklich.

Die Heilsgewissheit und das Buch des Lebens

Ja, also eine kurze Antwort: Es ist das Buch des Lebens gemeint, und dabei wird deutlich, dass der Mensch nicht erst bei der Bekehrung eingeschrieben wird. Bereits im Mutterleib kann er sagen, dass er eingeschrieben war. Der genaue Zeitpunkt wird dabei nicht erwähnt.

Es heißt, meine Lebenstage waren in einem Buch eingeschrieben. Gerade die Stellen in Offenbarung 13 und 17 machen klar, dass Gott dieses Buch schon ab der Grundlegung der Welt führt. Da die ganze Menschheit schon gesehen wird, die nicht kommen wird, hat er sie eingeschrieben.

Wenn der Mensch dann geboren wird, kann er sagen: Meine Lebenszeit ist in einem Buch eingeschrieben. Läuft die Gnadenzeit ab, ohne dass er die Gnade Gottes in Anspruch nimmt oder seine Sünden vor Gott bekennt, wird er gelöscht.

Wann geschieht das spätestens? Beim Tod, ja. Aber nicht unbedingt erst dann. Wahrscheinlich geschieht es bei vielen Menschen schon früher.

Beim Pharao in Ägypten sehen wir, dass er sein Herz sechsmal verhärtet hat. Beim siebten Mal heißt es, dass Gott sein Herz verhärtete. Von diesem Zeitpunkt an konnte er nicht mehr umkehren.

Auch bei Saul sehen wir später keine Buße mehr. Es heißt, er habe Gott nicht gesucht. An einer anderen Stelle steht jedoch, er habe Gott gefragt. Im Hebräischen sind das zwei verschiedene Wörter: Er wollte von Gott Informationen erhalten, doch Gott antwortete nicht mehr. Es wird von ihm gesagt, dass er Gott nicht gesucht habe – das heißt, er hat nicht wirklich den Herrn gesucht, seine Gemeinschaft und Nähe zu ihm.

Es kommt also ein Zeitpunkt, an dem es nicht mehr möglich ist. Dann wird der Mensch gelöscht. Deshalb sagt Psalm 69, als sie den Herrn verworfen haben: „Lasst sie ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens!“

Das letzte Gericht und die Heilsgewissheit der Gläubigen

Ja? Nein, die Dokumentation meine ich. Sie bezieht sich darauf, dass Gott, also Gott der Sohn, auf dem großen weißen Thron sitzen wird (Offenbarung 20). Alle Verlorenen, also die Gestorbenen, werden dann nach dem Tausendjährigen Reich erscheinen. Sie werden gerichtet nach den Büchern, die ihre Taten in ihrem Leben verzeichnen. Dann wird das Buch des Lebens als Dokument herangezogen, um zu beweisen, dass dein Name nicht mehr darin steht.

Doch! Ja, aber es ist von großer Bedeutung, dass man im Buch des Lebens steht. Darum erwähnt das David auch in Psalm 139. Besonders die Stelle in Offenbarung 3, Vers 5 ist wichtig. Dort sagt der Herr: „Wer überwindet, den werde ich nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens.“

Wer sind nun die Überwinder? Wo steht das? Der gleiche Johannes, der die Offenbarung schrieb, sagt in Offenbarung 3, Vers 5: „Wer überwindet, den werde ich nicht auslöschen.“ Er hat auch das Erste Johannesbrief 5, Vers 4 geschrieben: „Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt. Der wahre Wiedergeborene überwindet die Welt. Darum darf sich der Wiedergeborene umso mehr freuen: Mein Name wird nie mehr ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens.

Jetzt ist natürlich die Frage: Der Herr Jesus spricht dieses Wort in Offenbarung 3 zur Gemeinde in Sardes. Man kann zu einer Gemeinde gehören, aber das heißt noch lange nicht, dass jemand wiedergeboren ist. Er sagt den Wiedergeborenen, also denen, die überwinden: „Ich werde ihren Namen nicht auslöschen.“ Das ist der Punkt.

Wenn jemand mich fragt: „Glaubst du, dass ein Christ wieder verloren gehen kann?“ – Ja, natürlich. Aber anders gefragt: „Glaubst du, dass ein Gläubiger wieder verloren gehen kann?“ – Natürlich wird ein Gläubiger verloren gehen können. „Glaubst du, dass ein Wiedergeborener wieder verloren gehen kann?“ – Nein, auf keinen Fall.

Es gibt keine Stelle, die so etwas sagen würde, aber das Gegenteil schon. Alle Stellen, mit denen man die Heilsicherheit in Frage stellt, sind solche, in denen nicht die Ausdrücke „Wiedergeborener“, „Kind Gottes“ oder „Auserwählter“ verwendet werden. Sobald diese Ausdrücke vorkommen, sind die Aussagen eindeutig. Dort gibt es keine Heilsunsicherheit.

Sobald es heißt, zum Beispiel in Lukas 8, im Gleichnis vom Same, der auf den Stein fällt: Das sind die, die das Wort mit Freuden aufnehmen und für eine Zeit glauben. Wenn Verfolgung kommt, fallen sie ab. Ihr Glaube war auch zeitlich beschränkt.

Aber den Wiedergeborenen gibt Gott die Gabe des Beharrens. Erst in 1. Petrus 1, Vers 3 sagt Petrus: „Der Vater hat uns wiedergeboren.“ Und dann in Vers 5: „Durch seine Macht wird unser Glaube bewahrt bis ans Ende.“

Darum ist für die Wiedergeborenen das Buch des Lebens ein Thema der Freude. Es ist das Buch, in dem sie für alle Ewigkeit stehen werden.

Weitere Bücher und Dokumentationen Gottes

Jetzt machen wir zwanzig Minuten Pause. Wenn danach noch Fragen offen sind, können wir kurz darauf zurückkommen. Ansonsten gehen wir dann weiter zu Psalm 72.

In der Pause wurde gefragt, ob es außer dem Buch des Lebens noch andere Bücher gibt. In Offenbarung 20 haben wir ja von weiteren Büchern gelesen, die beim letzten Gericht geöffnet werden.

Einerseits gibt es das Buch der Werke. Offenbarung 20,11-15 sagt, dass die Menschen nach ihren Taten gerichtet werden, die in den Büchern verzeichnet sind. Gott verzeichnet alle Taten der Menschen nicht, weil er eine Erinnerung bräuchte – Gott weiß alles. Vielmehr dient es der Deklaration. Die Menschen versuchen oft, vieles in ihrem Leben zu vertuschen. Wir werden jedoch sehen, dass alles dokumentiert ist – auch das, was in der größten Finsternis geschehen ist.

Es gibt aber weitere Bücher. Zum Beispiel erwähnt ein Engel gegenüber Daniel das Buch der Wahrheit. Ich gebe nur die Stelle kurz an: Daniel 11,10-21. Dort heißt es: „Doch will ich dir kundtun, was in dem Buch der Wahrheit verzeichnet ist, und es ist kein einziger, der mir wieder jene mutig beisteht, als nur Michael.“ Ab Kapitel 11 erklärt der Engel, was in diesem Buch der Wahrheit im Himmel steht. Das sind all diese Prophezeiungen, die in Daniel 11 kommen.

Ich habe das mal ausgezählt: Es sind 150 Prophezeiungen, die alle schon bis Vers 35 erfüllt sind. Ab Vers 36 springt die Prophetie in die Endzeit, und dort geht es dann weiter. Dieser Engel kannte also das Buch der Wahrheit im Himmel und hat es Daniel mitgeteilt. Daraus sind dann auch Daniel 11 und 12 entstanden.

Ein weiteres Buch wird in den Psalmen erwähnt: das Buch der Tränen. Dort sagt der Psalmist, dass Gott alle seine Tränen, alle seine Umherirren und alle seine Not aufschreibt – im Buch der Tränen.

Dann wird in Hesekiel 13 das Buch des Hauses Israel erwähnt. Das ist ein Verzeichnis, das Gott ganz speziell im Blick auf das Volk Israel führt. Das kann man für sich nachschauen.

Also gibt es eine ganze Serie verschiedener Bücher, die Gott führt. Ganz besonders wichtig ist natürlich Psalm 119, wo gesagt wird: „Dein Wort steht in den Himmeln auf ewig.“ Die Bibel selbst – die werden wir auch im Himmel sehen. Sie ist nicht nur für die Erde bestimmt, sondern auch im Himmel vorhanden und gehört somit zu diesen Büchern Gottes.

Fragen zur Heilsgewissheit und zum Buch des Lebens

Dann habe ich noch vor der Pause gesagt, wenn es jetzt noch weitere Fragen zu dem Themenkomplex der Heilsgewissheit gibt, den wir behandelt haben, dann wäre jetzt Gelegenheit dazu.

Ja, bitte. Ich habe eine Frage: Kann man es so interpretieren, dass die Kinder im Buch des Lebens stehen, auch wenn sie von der Erbsünde belastet sind, aber trotzdem gerettet sind, wenn sie vor der Entscheidung sterben?

Ja, das ist so. Es zeigt auf jeden Fall, dass Gott das Leben für alle Menschen will. Wir können also wissen, dass die Kinder in diesem Buch stehen. Nun stellt sich die Frage: Wenn man als absolute Lehre sagen würde, alle Kleinkinder, die sterben, seien hundertprozentig errettet, dann würde man mehr behaupten, als die Bibel sagt.

In Matthäus 18 spricht der Herr Jesus über die kleinen Kinder und sagt, der Sohn des Menschen sei gekommen, das Verlorene zu retten. Gott hat also gerade im Blick auf die Kinder einen Heilsplan. Doch die Frage bleibt: Wird Gott den Menschen, die zum Beispiel mit starker geistiger Behinderung geboren werden, nicht auch die Möglichkeit zur persönlichen Entscheidung geben?

Das müssen wir Gott überlassen. Wir können nicht mehr sagen, als die Heilige Schrift uns offenbart. Aber die Tatsache, dass Gott alle ins Buch des Lebens eingeschrieben hat, spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle im Blick auf das Heil der Kleinkinder.

Alle Zeit werden sie das Angesicht des Vaters schauen, wenn ein Hymn ist. Das bedeutet aber nicht, dass sie automatisch zur Bräutigemeinde gehören. Nein, das auf keinen Fall. Ich habe mich bewusst etwas vage ausgedrückt, weil ich nicht mehr sagen möchte, als die Bibel ausdrücklich lehrt.

Gerade was die Kinder betrifft, dürfen wir es in Gottes Hand legen. Er sagt in 1. Mose 18: Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben? Gott begeht keine Fehler. Jesus ist nach seinem Tod in die unteren Örter gegangen und hat dort gepredigt. Wahrscheinlich gibt es auch für solche Menschen oder Fälle die Möglichkeit, sich zu entscheiden.

In 1. Petrus 3 heißt es, dass Christus den Geistern gepredigt hat, die im Gefängnis sind, die einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs harrte. Interessant ist, dass es sich in dieser Stelle nur um eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen handelt: die Menschen zur Zeit Noahs, nicht um alle Menschen.

Ausgerechnet die Leute zur Zeit Noahs hatten das Evangelium zu Lebzeiten gehört und waren ungehorsam. Die Stelle erklärt sich so: Gott wirkte durch seinen Geist und den Prediger Noah. In 1. Mose 6 sagt Gott: „Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen richten, weil er Fleisch ist“ und setzt eine Frist von hundertzwanzig Jahren bis zur Sintflut.

In dieser Zeit hat Noah durch den Geist Gottes gepredigt. Jetzt sagt Petrus in 1. Petrus 3, Vers 19: Christus ist gestorben und durch den Geist Gottes auferweckt worden. In diesem Geist ging er hin und predigte den Geistern, die im Gefängnis sind, im Totenreich. Aber er predigte ihnen nicht im Totenreich selbst, sondern damals durch Noah.

Das ist der Punkt, denn sonst käme man auf die Irrlehre, dass es eine Möglichkeit gibt, das Evangelium hier auf der Erde zu hören und dann nochmals nach dem Tod. Nein, die Möglichkeit der Sündenvergebung besteht nur hier auf Erden.

Darum heißt es in Hebräer 9, Vers 27: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht.“ Und Jesus sagt in Markus 2, Vers 8 oder 9: „Damit ihr wisst, dass der Sohn des Menschen Macht hat, Sünden zu vergeben auf Erden.“ Warum auf Erden? Weil Sündenvergebung nur möglich ist, solange ein Mensch lebt.

Sobald er im Jenseits ist, gibt es keine Möglichkeit mehr zur Sündenvergebung. Deshalb ist es wichtig, 1. Petrus 3 korrekt zu verstehen: Jesus ist in diesem Geist hingegangen und hat zur Zeit Noah den Menschen gepredigt, die damals ungehorsam waren. Jetzt sind sie im Gefängnis, haben aber keine zweite Chance bekommen.

Es ist, als würde ich heute Hans das Evangelium verkündigen. Wenn er morgen ins Gefängnis kommt, kann ich sagen, ich habe Hans im Gefängnis das Evangelium verkündigt. Natürlich bin ich nicht selbst ins Gefängnis gegangen, um ihn dort zu besuchen, sondern ich habe ihm bereits vorher das Evangelium verkündet.

Das stimmt mit den Grundlehren der Bibel überein. Es gibt keine Möglichkeit einer zweiten Chance nach dem Tod. Einige Ausleger sagen, das beziehe sich auf die Menschen im Alten Testament, denen Christus nach seiner Erlösung verkündigt habe, dass der Sieg gekommen sei. So etwa in der Studienbibel von John MacArthur.

Das ist jedoch nicht korrekt, denn diese Stelle bezieht sich nur auf die Menschen zur Zeit Noahs, nicht auf alle alttestamentlichen Gläubigen. Man kann nicht einfach einen Text nehmen und etwas hineininterpretieren, was dort nicht steht.

Es geht wirklich nur um die Leute zur Zeit Noahs, und diese waren damals ungehorsam.

Die Höllenfahrt Christi und die Bedeutung des Grabes

Aber warum wird im Glaubensbekenntnis so besonders betont: niedergefahren zur Hölle? Ja, Luther hat das so verkündet, aber Calvin hat das zu Recht abgelehnt. Das war keine Lehre, die alle Reformatoren geteilt hätten, sondern nur Luther. Darum findet man in der Lutherbibel auch die Überschrift „Höllenfahrt Christi“. Dort hat Luther sich geirrt, doch das schmälert nicht die vielen Wahrheiten Gottes, die er in großem Maß ans Licht gebracht hat.

Ebenso muss man bei Calvin sagen, dass seine Lehre von der sogenannten „Breest Nation“ falsch war. Glücklicherweise ist das in seiner „Institutio“ nur ein kleiner Teil. Das Lesen seiner Schriften lohnt sich dennoch sehr.

Könntest du dazu noch Epheser 4,9 auslegen, damit das auch noch klar wird? Denn hier wird oft das Gegenteil von dem gesagt, was du erwähnt hast. Epheser 4,9 ist gerade in diesem Zusammenhang wichtig. Dort heißt es: „Darum sagt er: Hinaufgestiegen in die Höhe hat er die Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.“ Aber es steht auch: „Er ist hinabgestiegen.“ Was bedeutet das? Hinaufgestiegen und hinabgestiegen – was ist der Unterschied?

„Hinabgestiegen in die unteren Teile der Erde“ meint das Hinabsteigen ins Grab. Der hinabgestiegene ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist, über alle Himmel, damit er alles erfüllte. Das Hinabsteigen in die unteren Teile der Erde bedeutet also das Hinabsteigen ins Grab.

Der Herr Jesus hat sich als Sohn Gottes so tief erniedrigt, dass er auf diese Erde kam und schließlich sogar in die Erde hineingelegt wurde. Er ging in den Tod und wurde ins Grab gelegt. Das ist das „Hinabsteigen in die unteren Teile der Erde“. Dieser Ausdruck wird im Alten Testament mehrfach verwendet, zum Beispiel in Hesekiel 29 bis 31, wo „die unteren Teile der Erde“ für das Grab stehen.

Gut, jetzt gehen wir weiter, falls noch etwas Wichtiges zu sagen ist: Der Leib des Herrn Jesus wurde ins Grab gelegt. Aber sein Geist? Von ihm hat der Herr gesagt: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.“ So ging der Geist des Herrn Jesus ins Paradies. Mit dem Mitgekreuzigten, dem er sagte: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23,43).

Wo ist das Paradies? Das ist der dritte Himmel. Paulus nennt in 2. Korinther 12,1 und folgende das Paradies den dritten Himmel. Die Bibel unterscheidet drei Himmel:

Der erste Himmel ist der Lufthimmel, in dem wir mit dem Flugzeug fliegen. Dann kommt der Astralhimmel, der Sternenhimmel, das Universum, in das wir mit dem Fernrohr blicken. Der dritte Himmel ist ein Bereich, der nicht zur sichtbaren Schöpfung gehört. Dort befindet sich Gottes Tempel, das Haus des Vaters im Himmel (Offenbarung 11,19).

Dorthin ist der Herr Jesus gegangen, aber sein Leib blieb im Grab. Bei der Auferstehung am dritten Tag wurde der Leib im Grab wieder auferweckt. Er wurde mit dem Geist und der Seele, dem menschlichen Geist und der menschlichen Seele des Herrn Jesus, wiedervereinigt.

Das heißt, es war nicht ein anderer Leib, sondern der Leib im Grab wurde auferweckt. Das erklärt 1. Korinther 15. Der Leib, der auferweckt wird, kann nicht mehr sterben. Das „anders“ bedeutet nicht, dass er wesensmäßig etwas anderes ist, sondern dass es derselbe Leib ist, der im Grab lag und nun auferweckt wurde.

Darum sah man auch die Wundmale des Herrn an diesem Körper. Er konnte den Jüngern sagen, die meinten: „Ein Geist? Wieso seid ihr furchtsam? Ein Geist hat nicht Fleisch und Bein. Seht her, ich habe Fleisch und Knochen, wie ihr seht“ (Lukas 24,37-39).

Auch der Auferstehungsleib der Gläubigen wird ein herrlicher Leib sein, der nicht mehr verwesen oder sterben kann. Es ist wirklich der gestorbene Leib, den Gott wieder zusammenfügt zu einem neuen Leib. In diesem Sinn ist er neu, aber dennoch derselbe Leib, der durch die geschlossenen Räume hindurchgeht.

Das sagt noch nichts über die Natur des Körpers aus, das ist eher eine Frage der Physik. Glücklicherweise wissen wir heute, dass Materie aus mehr Leerraum besteht als aus Substanz.

Die Emmaus-Jünger hatten den Herrn Jesus zunächst nicht erkannt. Das heißt, wie Paulus sagte, waren einerseits ihre Augen gehalten. Andererseits war der Leib so, dass sie ihn zuerst nicht erkannten. Doch schließlich erkannten sie ihn.

Das ist keine Aussage, dass der Leib des Herrn, der im Grab lag, ein anderer gewesen sei als der Leib, den der Herr vorher gehabt hatte.

Fragen zum dritten Himmel und dem Aufenthalt der Gläubigen nach dem Tod

Ich habe noch eine Frage zum dritten Himmel. Bis jetzt dachte ich immer, der dritte Himmel bestehe aus dem Paradies. Dann gibt es aber noch den Himmel, in dem Gott sitzt, denn Gott wohnt ja nicht mehr auf der Erde, sondern im Himmel. „Wohnen“ ist hier vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt; besser gesagt, Gott ist im Himmel.

Das Paradies ist doch der Ort, in den die Gläubigen kommen. Erst nach dem Gericht werden sie dann ganz bei Gott sein.

Nein, das ist glücklicherweise nicht so. Der Herr Jesus sagt ja zu dem Schächer am Kreuz: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Das Paradies wird in 2. Korinther 12 als der dritte Himmel bezeichnet. Johannes sieht die Seelen der ermordeten Märtyrer in Offenbarung 6 beim Altar im Himmel.

Man kann kurz in Offenbarung 6, Vers 9 nachschlagen: „Und als das Lamm Gottes das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: ‚Wie lange, o Herr, heiliger und wahrhaftiger Herr, richtest und rächest du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?‘“

Es wurde ihnen jedem ein weißes Gewand gegeben, und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte und Brüder vollendet sein würden, die ebenso wie sie getötet werden würden.

Hier wird also gesagt, dass Johannes die Seelen der Gestorbenen am Fuß des Altars sieht. Offenbarung 11, Vers 19 sagt, dass es im Himmel den Tempel Gottes gibt. Der Altar steht vor dem Tempelhaus im Himmel. Daraus können wir schließen, dass der himmlische Tempel im Paradies steht.

Diesen himmlischen Tempel nennt der Herr Jesus in Johannes 14 „das Haus meines Vaters“. In Johannes 2 nennt Jesus den Tempel in Jerusalem ebenfalls „das Haus meines Vaters“. Bei der Tempelreinigung sagt er, dass sie das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus machen sollen.

In Johannes 14 nennt der Herr Jesus den himmlischen Tempel „das Haus meines Vaters“ und spricht zu den Jüngern. Dort heißt es in Johannes 14, Vers 2: „In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, werde ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“

Der Herr Jesus sagt also, dass er ins Haus des Vaters geht – das heißt in den himmlischen Tempel, der im Paradies ist. Dort sind auch schon die Seelen der Verstorbenen.

Das bedeutet, es ist nicht so, dass es einen Ort für die Gläubigen jetzt gibt und sie später erst überführt werden. Der Unterschied ist nur, dass die verstorbenen Gläubigen jetzt dort im Haus des Vaters sind, aber noch ohne ihren Körper. Das ist unvollständig, denn der Mensch wurde von Gott als Einheit von Geist, Seele und Körper erschaffen.

Es ist zwar ein wunderbarer Ort. Paulus sagt in Philipper 1,21: „Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein.“ Und er sagt: „Es ist weit besser.“ Also es ist schöner als hier. Aber das war kein Grund, das Leben jetzt zu vergessen. Paulus sagt, es ist nötig, dass er im Fleisch bei den Gläubigen bleibt, für seinen Dienst.

Wir können also wissen, dass die verstorbenen Gläubigen jetzt in Glückseligkeit sind, aber noch nicht vollendet. Hebräer 11 erklärt am Schluss, dass auch die alttestamentlichen Gläubigen, die jetzt im Himmel sind, bei der Entrückung vollendet werden, nämlich dann, wenn die Gemeinde vollendet wird.

 Hebräer 11, Vers 39 sagt: „Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erlangten, haben die Verheißungen nicht empfangen, da Gott für uns, für uns von der Gemeinde, etwas Besseres vorgesehen hat, auf das sie ohne uns nicht vollkommen gemacht würden.“

Sie werden vollkommen gemacht, ihr Körper wird auferweckt und wieder mit Seele und Geist vereinigt. Aber das geschieht nicht getrennt von der Gemeinde.

Das heißt, im gleichen Moment der Entrückung der Gemeinde werden nicht nur die Gläubigen der Gemeinde auferweckt, sondern auch alle alttestamentlichen Gläubigen. Dann werden sie vollendet.

Sie sind aber schon jetzt in völliger Glückseligkeit, in Gemeinschaft mit Gott dem Vater und mit dem Herrn Jesus. Allerdings noch nicht vollendet und bei vollem Bewusstsein.

Es ist also nicht so, dass die Seele schläft. Sie sind bei vollem Bewusstsein. Offenbarung 6 zeigt, dass sie beten und sprechen können.

Man kann fragen: Kann die Seele unabhängig vom Körper denken? Ja, offensichtlich. Wissenschaftlich können wir darüber nichts aussagen, aber Gott offenbart uns, wie die Seele nach dem Tod funktioniert.

Die Seele kann denken, ganz genau. Sie hat eine Eigenständigkeit, kann denken und beten, wie es in Offenbarung 6 beschrieben wird.

Weitere Fragen und abschließende Gedanken

Noch etwas? Ja, bitte.

 Psalm 16 sagt: „Du wirst meine Seele nicht dem Scheol überlassen, du wirst nicht zulassen, dass dein Frommer die Verwesung sieht.“ Das steht auf Seite 53, Vers 10. Wir haben Psalm 16 bereits damals bei den messianischen Psalmen genauer betrachtet. Für diejenigen, die nicht dabei waren, hier eine kurze Erklärung:

Der Ausdruck Scheol im Alten Testament bezeichnet den Zustand des Todes. Im Neuen Testament entspricht der griechische Begriff Hades genau dem, was im Alten Testament Scheol genannt wird. Hades bedeutet im Griechischen wörtlich „der Unsichtbare“, also der unsichtbare Bereich.

Im Alten Testament wird Scheol auf zwei Arten verwendet: Einerseits kann es das Grab bezeichnen, andererseits auch das Jenseits. Im Tod sind wir zweigeteilt: Der Körper ist der diesseitige Aspekt des Todes und liegt im Grab. Deshalb kann im Alten Testament das Grab mit Scheol bezeichnet werden. Dort heißt es etwa: „Im Scheol wird dich niemand loben.“ Man kann die Hände beim Gebet nicht mehr benutzen, die Stimme nicht mehr erheben, denn im Scheol ist alles verwest und zerstört.

Scheol meint aber auch das Jenseits. Dabei bezeichnet es sowohl den Ort der Gläubigen als auch den Ort der Ungläubigen. Jesus macht in der Geschichte in Lukas 16 einen grundsätzlichen Unterschied deutlich. Ich sage bewusst „Geschichte“, denn es ist kein Gleichnis mit Lazarus und dem reichen Mann. Jesus sagt ausdrücklich, dass er ein Gleichnis erzählt, wenn er eines erzählt. In keinem Gleichnis werden Eigennamen wie Lazarus verwendet. Auch bekannte Personen tauchen dort nicht auf. Abraham wird erwähnt, aber das ist kein Gleichnis.

Das ist ein wichtiger Punkt, warum der reiche Mann nicht namentlich genannt wird. Wichtig ist mir hier vor allem, dass es kein Gleichnis ist, sondern Jesus tatsächlich beschreibt, was geschieht.

Der reiche Mann, der verloren ist, wird im Totenreich gesehen. Dieser Ort wird bereits als Ort der Qual beschrieben. Es ist noch nicht die Hölle, sondern das, was in 1. Petrus 3,19 als „Gefängnis“ bezeichnet wird. Dort warten die Verlorenen auf die letzte Gerichtsverhandlung vor dem großen weißen Thron nach dem tausendjährigen Reich.

Lazarus hingegen ist im Schoß Abrahams. Was bedeutet das? Das ist ein Ausdruck der Rabbinen für das Paradies. Paulus nennt diesen Ort in Philipper 1 „bei Christus“. Es ist also alles dasselbe: das Paradies, der Schoß Abrahams, bei Christus.

Beide Bereiche, also sowohl das Paradies für die Erlösten als auch der Ort der Qual, werden mit Hades bezeichnet. In Apostelgeschichte 2 zitiert Petrus Psalm 16 und sagt: „Du wirst meine Seele dem Hades nicht überlassen.“ Das zeigt, dass auch Jesus’ Seele im Jenseits im Paradies war.

Jetzt sind wir eigentlich fast fertig mit der Zeit. Es fehlt noch ein Stück: Wo sind die Gläubigen jetzt? Wir haben gehört, dass der Anbetungsort und der Thron Gottes, die Wohnungen im Haus des Vaters sind. Aber wo ist das Arbeitsfeld? Ich dachte, es sind heute sechs?

Ja, klar, das kommt noch in der Zukunft. Wenn die Erlösten einmal mit ihrem Auferstehungskörper in der Herrlichkeit sein werden, dann werden sie im tausendjährigen Reich und auch in der Ewigkeit zwar im Haus des Vaters wohnen, aber mit Christus auf der Erde regieren. Das wird sehr dynamisch sein, keine Angst, es wird nicht langweilig.

Ja, da muss man ständig wechseln, oder? Vom Jenseits ins Diesseits. Oh, wir müssen wohl noch eine Stunde anhängen, glaube ich.

Wenn jetzt zum Beispiel die in Christus Gestorbenen hier auf die Erde herunterschauen, haben meine Kinder mich schon gefragt, ob ihre Oma, die jetzt im Himmel ist, also gestorben ist, sie hier sehen kann.

Abraham kann ja zum Beispiel hinüberschauen an den Ort der Verlorenen, denn aus dem Paradies kann er mit dem reichen Mann kommunizieren. Es besteht sogar ein Sichtkontakt. Es wird nicht gesagt, dass Lazarus hinübersieht oder mitgesprochen hat, aber Abraham konnte es. Das zeigt grundsätzlich, dass auch im Jenseits eine Sichtbeziehung möglich ist.

Noch etwas Interessantes zur Erde: Das war ja die Frage. Es ist ein Trick, wenn man eine Frage nicht beantworten kann, dann beantwortet man etwas anderes. Aber das wollte ich nicht.

In Offenbarung 16 sehen wir Engel im Himmel, im Tempel Gottes. Sie nehmen goldene Schalen, die eigentlich die Blutschalen des himmlischen Tempels darstellen. Ein Engel nach dem anderen gießt die Schale auf die Erde aus. Dann heißt es, sie werden auf das Meer und die Ströme ausgegossen. Das zeigt die Sichtmöglichkeit aus dem dritten Himmel auf die Erde.

Das macht also klar, dass es offensichtlich möglich ist, eine solche Sichtverbindung zu haben. Aber damit wird nicht gesagt, dass alle, die beim Herrn sind, ständig diese Sichtbeziehung haben.

Mindestens ein Erinnerungsvermögen ist jedoch vorhanden. Das ist auch klar. Unsere Identität bleibt immer bestehen. Darum sagt Jesus auch in Matthäus 8, dass im tausendjährigen Reich Menschen aus verschiedenen Himmelsrichtungen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden.

Abraham ist Abraham und wird als Abraham erkennbar sein. Menschen ohne verherrlichten Körper können mit Abraham, der dann den Auferstehungskörper hat, essen, kommunizieren und Gemeinschaft haben. Das sind schon ganz interessante Dimensionen.

Wir sollten nicht Dinge erforschen wollen, die uns die Bibel nicht sagt. Eine andere Gefahr ist jedoch, dass wir zu wenig von dem wahrnehmen, was die Bibel uns sagt. Das dürfen wir sehr wohl wissen.

Ist es möglich, dass wir sagen: „Hallo Abraham“ oder „Hallo Mose“ und sie sofort erkennen? Ja, wir sehen sogar, dass es ein großes Wunder war, als Mose und Elija auf dem Berg der Verklärung erschienen. Gott hat sie für kurze Zeit auferweckt, und selbst Petrus und die anderen Jünger haben erkannt, wer sie sind.

So sind wir schon vorweggenommen. Diese Interaktion wird es geben. Es ist keine Fantasie, sich vorzustellen, dass man dann tatsächlich einmal Daniel fragen kann: „Wie war das damals bei Nebukadnezar?“ Oder Mose fragen: „Wie war das damals, als du den Felsen geschlagen hast?“

Gut, wir müssen jetzt einen Punkt machen. Wir wollen noch zum Schluss beten.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Noch mehr Inhalte von Roger Liebi gibt es auf seiner Webseite unter rogerliebi.ch