Generierte Mitschrift
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Einführung und Einordnung des Kapitels
Das Thema heute Morgen lautet Jesaja 53, der leidende Gottesknecht. Auf der Einladung stand erklärend zu diesem Thema: Es gibt heute weltweit etwa 300 Juden, die an Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser glauben. Für wohl die meisten hat in Verbindung mit ihrer Bekehrung Jesaja 53 eine Schlüsselrolle gespielt.
In Apostelgeschichte 8 wird berichtet, wie ein Afrikaner im ersten Jahrhundert nach Christus durch Jesaja 53 die Botschaft des Evangeliums erfassen konnte. Worin liegt die gewaltige Überzeugungskraft dieses Kapitels für Juden und Nichtjuden? Ein gründliches Studium von Jesaja 53 wird uns helfen, dieses Kapitel wirkungsvoll im Zeugnis für ungläubige Mitmenschen einsetzen zu können.
Man spricht immer von Jesaja 53. Eigentlich beginnt diese gewaltige Prophetie über den leidenden Messias bereits in Kapitel 52, Vers 13. Die Kapiteleinteilung ist ja eine spätere Angelegenheit, und sie hat mit Inspiration gar nichts zu tun. Das ist einfach ein Hilfsmittel, meistens ein gutes Hilfsmittel. Hier ist es ein bisschen schlecht, weil man besser mit 52,13 schon Kapitel 53 begonnen hätte. Denn diesen geschlossenen Abschnitt 52,13 bis 53,12 kann man zu Recht bezeichnen als das Evangelium nach Jesaja.
Es ist ja so, dass man, wenn man dieses Kapitel zum ersten Mal liest und sich bewusst wird, worum es hier geht, wirklich überwältigt wird. Man hat den Eindruck, der Prophet sei unter dem Kreuzestamm gestanden und hätte das Leiden Jesu Christi beschrieben: so prägnant, so eindringlich, so eindeutig, so klar. Das Evangelium nach Jesaja.
Aber dieser Text wurde geschrieben, wie das ganze Buch Jesaja, in der Zeit um 700 vor Christus. Natürlich lehnt man in der liberalen Theologie alles Übernatürliche ab und damit auch Prophetie. Und deswegen versucht man, alles, was irgendwie mit erfüllter Prophetie zu tun hat, zu umschiffen.
Nun, wer heute meinen würde, man könnte einfach behaupten, dieses Kapitel sei wahrscheinlich viel später, nach der Kreuzigung, geschrieben worden, der muss enttäuscht werden. Die Echtheit dieses Buches konnte ganz eindeutig bewiesen werden durch die vollständige Jesajarolle. Sie ist hier hinter mir auf dem Boden als Kopie in Originalgröße ausgebreitet, etwa 7,30 Meter lang. Alle 66 Kapitel sind darin enthalten, natürlich noch ohne Kapiteleinteilung.
Diese Rolle wurde 1947 in der Höhle I in Qumran entdeckt, und sie wird heute auf circa 125 v. Chr. datiert. Man hat ja vor einigen Jahren einen C14-Test an der ETH Zürich durchgeführt, und das hat ergeben: als Alter 100 bis 200 v. Chr. Aber aufgrund der Entwicklung des Schriftbildes kann man das noch genauer datieren. Da ist man völlig unabhängig davon auf etwa 125 v. Chr. gekommen. Also geben diese beiden völlig unabhängigen Datierungsmethoden, C14, und zwar die korrigierte neuere Methode an der ETH, und auf der anderen Seite die paläographische Untersuchung anhand des Schriftbildes, das gleiche Ergebnis.
Und darin ist Jesaja 53 auch vollständig enthalten. Ich habe hier auf dem Tisch dann noch eine weitere Ausgabe dieser Jesajarolle Seite für Seite kopiert und daneben die hebräische Schrift in der heutigen Druckschrift. Da wird man sogar noch sehen: Jesaja 53, beziehungsweise 52,13, beginnt hier auf einer ganz neuen Kolonne oben. Also die oberste neue Zeile ist gerade: „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln“, Hine, Jaskil, Avdi usw.
Aber man hat nicht nur diese vollständige Jesajarolle gefunden. Es gibt noch vier weitere Jesajatexte im Qumran, in denen Jesaja 53 mit enthalten ist, also alles Texte aus der Zeit von 125 v. Chr. bis 60 n. Chr. Da haben wir alles zwischendurch.
Nun, es ist kein Zweifel: Dieses Kapitel wurde vor dem Kommen von Jesus Christus geschrieben, ist also echte Prophetie, und wir werden sehen, es hat sich nachweislich in Jesus von Nazareth erfüllt.
Jüdische Lesepraxis und die Frage nach der Deutung
Nun ist etwas Besonderes die Feststellung, dass Jesaja 53 nicht Teil der Haftara ist. Ich muss das erklären: Im Synagogengottesdienst werden in einem Drei-Jahres-Zyklus alle fünf Bücher Mose vorgelesen. Früher, zur Zeit Jesu, war es ein Einjahreszyklus, also kam man in einem Jahr durch alle fünf Bücher Mose hindurch. Später hat man das erweitert auf einen Drei-Jahres-Zyklus.
Bei jeder Sabbatlesung kommt also ein bestimmter Abschnitt, der in der ganzen Welt so befolgt wird, im orthodoxen Judentum. Man liest den bestimmten Abschnitt aus den fünf Büchern Mose und dann noch bestimmte ausgewählte Abschnitte aus den Propheten. Aber da kommt man nie durch alle Prophetenbücher hindurch. Es sind also nur ganz bestimmte, ausgewählte Stellen in den Prophetenbüchern. Jesaja 53 ist aber nicht in der Haftara, kommt also bei der Sabbatlesung nie dran.
Mit anderen Worten: Ein Jude, der einfach so wie ein Kirchgänger in der Christenheit in die Kirche geht beziehungsweise eben in die Synagoge geht, aber sonst kein persönliches Bibelstudium betreibt, kommt nie an Jesaja 53 heran. Er wird nie damit konfrontiert. Es braucht persönliches Bibelstudium, dann kommt man an Jesaja 53 heran. Das ist also sehr wichtig. Denn wenn man mit Juden spricht, die nicht besonders biblisch bewandert sind, dann muss man nicht erstaunt sein, wenn sie dieses Kapitel gar nicht kennen und keine Ahnung davon haben.
Die heutige Deutung von Jesaja 53 ist eigentlich eine Umdeutung. Man sagt: Der Knecht des Herrn, von dem hier die Rede ist, beginnt ja in 52,13: Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln. Es geht hier um den Knecht Gottes. Also wird gesagt: Der Knecht des Herrn ist nicht der Messias, sondern das Volk Israel oder ein Teil davon. Da wird behauptet, über das Volk Israel seien ja furchtbare Leiden gekommen, was die absolute Wahrheit ist. Man behauptet dann, das seien die Leiden, die hier beschrieben werden. Dieser Knecht personifiziert das jüdische Volk. Aber ein solches Verständnis ist völlig unhaltbar. Man muss sich nur ein paar Gedanken darüber machen.
Erstens: Wann hat das Volk Israel, oder wenigstens ein Teil davon, für die Sünden anderer gelitten? Denn in Jesaja 53,4 wird von diesem Knecht gesagt: Fürwahr, er hat unsere Leiden getragen und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Vers 5: Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Noch Vers 6: Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg, und der Herr hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit.
Hier wird über stellvertretendes Leiden gesprochen. Aber wann hat Israel jemals die Sünden anderer getragen und für sie gelitten? Und da ist es ganz wichtig: Nach Hesekiel 14 können nicht einmal gerechte Menschen wie Noah, Daniel oder Hiob so etwas tun. Hesekiel 14,12: Da spricht Gott über ein Land, das gegen ihn sündigt und deshalb unter das Gericht Gottes fällt. Vers 14: Und wenn diese drei Männer in demselben wären, Noah, Daniel und Hiob, so würden sie durch ihre Gerechtigkeit nur ihre eigene Seele erretten, spricht der Herr. Und das Gleiche wird dann wiederholt in Vers 19: Oder wenn ich die Pest in dasselbe Land sende und meinen Grimm in Blut über dasselbe ausgieße, um Menschen und Vieh darin auszurotten, und Noah, Daniel und Hiob wären in demselben, so wahr ich lebe, spricht der Herr, der Ewige, sie würden weder Sohn noch Tochter erretten können; sie würden durch ihre Gerechtigkeit nur ihre eigene Seele, beziehungsweise ihr eigenes Leben, kann man übersetzen, erretten. Also unmöglich.
Dann eine zweite Frage: Kann von irgendeinem Juden außer dem Messias gesagt werden, dass er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist? Denn genau das wird in Jesaja 53,9 von diesem leidenden Knecht gesagt. Unmöglich. Es geht hier um jemanden, der wirklich vollkommen ist.
Dritte Frage: Wann befand sich das Volk Israel, oder mindestens ein Teil davon, im Grab eines Reichen anstatt im Grab bei Gesetzlosen? Denn 53,9 sagt: Und man hat sein Grab bei Gesetzlosen bestimmt, aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist. Das kann man überhaupt nicht irgendwie auf das Volk Israel als Volk übertragen. Wo findet man dieses Grab des Reichen?
Viertens: In Vers 8 wird eindeutig gesagt, dass dieser Knecht des Herrn stellvertretend stirbt für das Volk Israel. Ich lese am Schluss von Vers 8: Wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Also hier wird der Knecht deutlich vom Volk selbst, von dem Volk Gottes, unterschieden: mein Volk. Also kann der Knecht nicht Israel sein, nicht das jüdische Volk sein.
Nun ist es aber ganz wichtig: In der rabbinischen Literatur wurde Jesaja 53 vor dieser Umdeutung ganz selbstverständlich auf den Messias bezogen. So zum Beispiel im babylonischen Talmud, Sanhedrin 98b. Es gibt den babylonischen Talmud auch in deutschen Ausgaben, zum Beispiel in der Zentralbibliothek in Zürich kann man ihn ausleihen, wenn man ihn nicht persönlich hat, Viktor Goldschmidt Ausgabe in zwölf dicken Bänden. Dann kann man das Traktat Sanhedrin nachschauen, und dort wird aus Jesaja 53 zitiert. Es wird gefragt: Wie heißt eigentlich der Messias, was ist sein Name? Und dann wird zitiert aus 53,4: Wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Und da wird also dieser Ausdruck, dass er von Gott geschlagen oder bestraft sei, als der Ausdruck für den Namen des Messias verstanden. Also wird hier deutlich, dass dieses Kapitel auf den Messias bezogen wird. Und das ist wichtig im babylonischen Talmud, weil das dann, könnte man sagen, das wichtigste und maßgeblichste rabbinische Buch ist, mit größter Autorität nach der Bibel.
Ich habe noch ein paar weitere Beispiele angegeben, aus einer Liste von noch viel, viel mehr Stellen in der ganzen rabbinischen Literatur. Im Buch Pessikta Rabbatti, Piska siebenunddreißig, wird dieses Kapitel auch messianisch gedeutet. Das wurde um siebenhundert nach Christus geschrieben. Dann im Buch Midrasch Ruth Rabbah. Midrasch ist immer ein Kommentar zu einem Bibelbuch. Also Midrasch Ruth Rabbah, das ist der große Kommentar zum Buch Ruth. Dort wird in Verbindung mit Ruth 2,12 das so messianisch gedeutet.
Dann ist es so, dass Abrabanel, einer der größten Rabbiner im Mittelalter, in seinem Kommentar darauf hinweist, dass alle alten jüdischen Kommentatoren den messianischen Sinn dieser Stelle anerkannt hatten. Aber Abrabanel ist eben einer der Ersten, der begonnen hat, das Kapitel umzudeuten, zusammen auch mit Raschi, einem weiteren ganz bedeutenden Kommentator im Judentum, aber erst im Mittelalter. Und die haben auch zugegeben: Wir ändern die Auffassung gegenüber den früheren Kommentatoren, den früheren großen Rabbinern.
Rabbi Alschesch sagt noch im sechzehnten Jahrhundert zu Jesaja 53, ich zitiere: Unsere alten Rabbiner haben auf das Zeugnis der Tradition hin angenommen, dass hier die Rede vom König, Messias, sei. Daraus nehmen auch wir ihnen folgend an, dass für das Subjekt dieser Weissagung David, das ist der Messias, gehalten werden müsse, wie dies offenbar ist. Also ist es ja offenkundig, dass es hier um den Messias geht. Aber das haben die früheren Kommentatoren einstimmig so anerkannt.
Frühere jüdische Auslegung und messianische Zeugnisse
Tanchuma ist wieder ein Kommentar aus dem Mittelalter, etwa aus dem neunten Jahrhundert nach Christus. Dort heißt es zu den Worten aus Jesaja 52,13: Siehe, mein Knecht wird klug handeln. Dies ist der König Messias, welcher hoch und erhöht und sehr erhaben ist, erhabener als Abraham, erhöht über Mose, höher als die dienenden Engel.
Da hat man fast das Gefühl, der hätte den Hebräerbrief gelesen. Im Hebräerbrief wird doch am Anfang gesagt: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat, in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge. Und dann heißt es am Schluss von Vers 3: Nachdem er durch sich selbst die Reinigung der Sünden gemacht hat, hat er sich gesetzt zu Rechten der Majestät in der Höhe, indem er um so viel besser geworden ist als die Engel, als er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat. Also: erhoben über die Engel.
Dann wird in den weiteren Kapiteln im Hebräerbrief gezeigt, dass Jesus erhaben ist über alle Menschen, Kapitel 2, dann in Kapitel 3 erhaben über Mose, in Kapitel 4 über Josua und in Kapitel 5 erhaben über Aaron und so weiter und so fort. Genau dieser Gedanke wird also ausführlich im Hebräerbrief erklärt. Und da steht: Erhabener als Abraham, erhöht über Mose, höher als die dienenden Engel. Das ist quasi der Kommentar zu der Aussage aus Jesaja 52,13: Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben und erhöht und sehr hoch sein.
Dann noch ein weiteres Beispiel, aber es gäbe noch viel, viel mehr im Targum Jonathan ben Uzziel. Das ist eine aramäische Übersetzung der Propheten. Sie wird oft nicht wörtlich übersetzt, sondern etwas freier, also schon als Kommentar. Ein Targum wird nicht unbedingt als strenge Übersetzung gewertet, sondern als eine Mischung zwischen Kommentar und Übersetzung. Im Judentum weiß man normalerweise, wenn man einen Targum liest, dass das nicht einfach eine wörtliche Übersetzung ist.
Bei uns ist es heute so, dass man bei solchen modernen Umschreibungen sagt, es sei eine Übersetzung. Man müsste wenigstens sagen, es ist ein Targum, dann weiß man, dass man keine wörtliche Übersetzung liest. Der Targum Jonathan ben Uzziel enthält oft noch erklärende Bemerkungen, die eingeschoben sind. Wenn man dort Jesaja 52,13 liest, heißt es: Siehe, mein Knecht, der Messias, Meshicha, wird einsichtig handeln. Durch diese Hinzufügung wird gleich verdeutlicht, dass dieser Knecht in Vers 13 der Messias ist.
Allerdings ist dann im weiteren Text alles so formuliert, dass sich die Leiden nicht auf den Messias beziehen können. Der Text ist dort wirklich Gewalt angetan worden. Das muss man sich so erklären, dass es wohl eine spätere redaktionelle Überarbeitung des ursprünglichen Targums war. Aber man ging doch nicht so weit, dass man den Ausdruck Messias noch in Jesaja 52,13 herausgeschmissen hätte. Das blieb noch drin. Dann wird aber alles so formuliert, dass die Leiden sich eben gerade nicht auf den Knecht beziehen.
Gut, das ist das Problem dieser Bearbeiter. Trotzdem gibt der Text ein klares Zeugnis über das Wissen im Judentum. Hier haben wir eine Beschreibung des Messias vor uns, des verheißenden Erlösers für Israel und die Völker.
Der Auftakt der Auslegung: der Knecht und seine Erhöhung
Nach all diesen Vorbemerkungen wollen wir nun Vers für Vers durch den Text gehen. Ich habe auf dem Blatt den Text von Jesaja 53 so aufgeführt, dass man immer klar die poetischen Verszeilen sieht. Denn das Ganze ist ja im Hebräischen ein Gedicht, wie das meiste im Buch Jesaja.
Jesaja 52,13: Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein.
Gott nennt den Messias meinen Knecht. Das drückt aus, dass der Sohn Gottes in diese Welt kommen sollte, um sich selbst zu erniedrigen und die Stellung als Knecht einzunehmen. Sein ganzes Leben sollte in seinen Taten von göttlicher Einsicht gekennzeichnet sein. Wenn man die Evangelien liest, ist man ja überwältigt, wie der Herr Jesus im Umgang mit den Menschen in jeder Situation immer genau richtig gehandelt hat, nicht nach einem einzigen Schema, sondern immer angepasst und entsprechend den Personen, den Menschengruppen, mit denen er zusammentraf. In allem sieht man eine göttliche Einsicht.
Dieses Wort einsichtig handeln, hebräisch Hiskil, ist sehr interessant, weil hier Denken und Handeln zusammengefasst sind. Nicht wahr, in unserer Gesellschaft wird Denken und Handeln getrennt. Wenn man an die Universität geht, wird man dadurch kein besserer Mensch. In den 68er-Jahren war es sogar eine große Gefahr, dass man dann ein Rebell wurde. Aber das moralische Handeln ist etwas, das für sich separat steht. Man übernimmt einfach intellektuelles Wissen, aber man bemüht sich nicht so darum, wie sich das nun in der Praxis, im praktischen Leben, auswirkt.
Nun, biblische göttliche Weisheit ist immer Weisheit, die sich auch im Praktischen äußert und ausdrückt. Und das kommt eben in diesem wunderbaren Wort Hiskil zum Ausdruck. Und die ganze Weisheit des Herrn Jesus, das heißt in Lukas 2: Als kleines Kind wuchs er auf und nahm zu an Gunst und an Weisheit und Gunst bei den Menschen. Und all diese Weisheit des Menschen Jesus hat sich in seinem Handeln ausgedrückt.
In diesem Zusammenhang ist es noch interessant, dass die endzeitlichen Gläubigen im Buch Daniel Maskillim genannt werden. Ich gebe nur als Beispiel Daniel 12,3. Da wird von den Verständigen gesprochen in der Endzeit. Oder Daniel 12,10: Viele werden sich reinigen und weiß machen und läutern; aber die Gottlosen werden gottlos handeln, und keine der Gottlosen werden es verstehen, die Verständigen aber werden es verstehen.
Nun, Maskillim ist die Mehrzahl von Maskil, und Maskil ist das Partizip von Hiskil, also jemand, der einsichtig handelt. Und so werden die Endzeitgläubigen im Buch Daniel genannt: Maskillim, also solche, die einsichtig handeln, wo also Weisheit und Handeln eine Einheit bilden. Und der Prototyp für diese Art Menschen war Daniel selbst. In Daniel 1 sehen wir: Daniel bekam von Gott Weisheit, aber diese Weisheit hat sich ausgewirkt in seinem praktischen Handeln und in seinem Streben nach Reinheit, in seinem Lebenswandel, Reinheit und Gerechtigkeit. Also das finden wir vollkommen in der Person des Erlösers: Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln.
Nun haben wir in der nächsten Verszeile drei Stufen: Er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein. Der Messias sollte erhoben werden aus dem Grab, Apostelgeschichte 2,24; das ist die Auferstehung. Erhöht werden in der Himmelfahrt, Apostelgeschichte 1,9. Und dann sehr hoch sein, nämlich seinen Platz einnehmen zur Rechten Gottes auf dem Thron, Markus 16,19.
Wir sehen: Bevor Gott über die schrecklichsten Leiden seines Sohnes spricht, stellt er uns zunächst den Triumph des Gekreuzigten vor.
Entstellung, weltweite Wirkung und die erste Reaktion des Unglaubens
Dann gehen wir zum nächsten Vers: Gleich wie sich viele über dich entsetzt haben, so entstellt war sein Aussehen weg von einem Mann und seine Gestalt weg von den Menschenkindern.
Hier habe ich die Übersetzung der alten Elberfelder ein wenig geändert. Die alte Elberfelder hatte: so entstellt war sein Aussehen mehr als irgendeines Mannes und dann in der nächsten Verszeile mehr als der Menschenkinder. Nun ist es so, dass das hebräische „meh“ sowohl mehr als auch weg bedeuten kann; es hat verschiedene Bedeutungen. Aber hier ist es eigentlich besser, diese Übersetzung mit weg zu wählen. Sie drückt aus, dass der Messias so misshandelt und entstellt werden sollte, dass er nicht mehr menschenähnlich aussehen würde.
Man merkt: Das ist natürlich eine ganz wörtliche Übersetzung, es ist kein schönes Deutsch. Aber es macht klar, was wirklich die Kraft der Aussage ist: nicht mehr menschenähnlich.
Der Rücken des Herrn Jesus wurde in eine blutige Masse verwandelt, und sein Fleisch wurde zerstückelt, als Pilatus ihn geißeln ließ. In Johannes 19,1 beschreibt der Heilige Geist das so knapp und sparsam, wenn es dort heißt: Pilatus ließ ihn geißeln. Aber aus unserem Hintergrundwissen wird uns klar, was das bedeutete: Das waren Lederriemen, also Stöcke mit Lederriemen daran, an deren Ende sich entweder spitze Metalle, Steine oder sogar Widerhaken befanden.
Darum führte die Geißelung bei den alten Römern oft schon zum Tod. Das war so verheerend. Und doch ist es eindrücklich, wie der Heilige Geist das so knapp beschreibt und nicht in einem Übermaß, sodass gewissermaßen menschliche Emotionen zwar geweckt werden, die aber letztlich nichts anderes bleiben als Emotionen.
Wir wissen auch aus den Evangelien, dass die Soldaten dem Herrn eine Dornenkrone aufgesetzt haben. Da können wir ruhig darüber nachdenken, dass Dornen in biblischen Ländern fünf bis acht Zentimeter lang sein können, sodass das Blut in Rinnsalen über die Haare, über den Bart und über das Gesicht des Herrn fließen musste. Johannes 19,2: Sein Aussehen war nicht mehr menschlich.
Das ist das, was der Heilige Geist hier so poetisch durch Jesaja inspiriert hat: Gleich wie sich viele über dich entsetzt haben, so entstellt war sein Aussehen, weg von einem Mann, also nicht mehr mannähnlich, und seine Gestalt weg von den Menschenkindern, nicht mehr menschenähnlich.
Aber mit „ebenso“ wird der nächste Gedanke eingeleitet: Ebenso wird er viele Nationen in Staunen setzen. Dieses „ebenso“ nimmt also Bezug auf das Vorhergehende: Gleich wie sich viele über dich entsetzt haben, so entstellt war sein Aussehen. Ebenso wird er viele Nationen in Staunen setzen. Über ihn werden Könige ihren Mund verschließen, denn sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden war, und was sie nicht gehört hatten, werden sie wahrnehmen.
Hier verkündigt Jesaja Jahrhunderte im Voraus, dass die Botschaft von diesem leidenden und entstellten Messias über die Grenzen Israels hinaus zu den Heidenvölkern gehen wird, und viele Nationen werden in Staunen versetzt werden. Wir 2000 Jahre später können zurückblicken und sagen: Ja, tatsächlich, heute hat die Botschaft von diesem leidenden Messias jede Nation der Welt erreicht. Es gibt keine Nation, die heute noch nicht erreicht worden wäre. Natürlich nicht jede Sprachgruppe, auch nicht jeder Stamm, auch nicht jedes Volk, aber jede Nation der Welt, und wenn nicht direkt, so doch durch das Radio, durch die Arbeit zum Beispiel von Trans World Radio.
Unter all den Nationen sind Unmengen von Menschen in Staunen versetzt worden. Wenn man denkt: Allein heute rechnet man in China mit etwa 80 Millionen bekehrten Christen im Untergrund. Das ist schon gewaltig. Sie wollen sich also nicht den kommunistischen Vorschriften darüber unterwerfen, wie man sich als Gemeinde versammeln soll, sondern nur den biblischen Prinzipien. Das sind etwa 80 Millionen, und das ist nur China heute. Aber wenn wir daran denken, dass diese Botschaft in 2000 Jahren in der ganzen Welt verbreitet worden ist, dann gilt: Ebenso wird er viele Nationen in Staunen setzen.
Über ihn werden Könige ihren Mund verschließen. Diese Botschaft kam also bereits im ersten Jahrhundert über die Grenzen Israels hinaus und erregte überall großes Aufsehen. Selbst Könige hörten von dieser Botschaft. Wir denken an die Rede von Paulus vor Agrippa, Apostelgeschichte 26, oder später sogar vor dem Kaiser von Rom. Denn Paulus hatte sich ja auf den Kaiser berufen, und so konnte er höchstpersönlich vor Nero stehen und Zeugnis ablegen von diesem leidenden Messias.
Also sollten sie eine Botschaft erfahren, von der sie gar nichts wussten, etwas völlig Neues, ohne Parallele. Denn sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden war, und was sie nicht gehört hatten, werden sie wahrnehmen.
Wie geht das mit dem Sehen? Nun, der Apostel Paulus hat so gepredigt, dass das Wort sehr anschaulich war. In Galater 3 sagt er in Vers 1: „O unverständliche Galater, wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als unter euch gekreuzigt vor Augen gemalt wurde?“ Also hat er wirklich das Leiden des Herrn in der Verkündigung vor Augen gemalt. Aber es ist wieder interessant: Er hat nicht irgendwelche Filme laufen lassen, sondern es ist durch das Wort geschehen.
Und zwischen einer bildlichen Darstellung, einem Film und einfach der eindrücklichen Darstellung in Worten liegen Welten. In den Worten können wir eben die Nüchternheit behalten, auch dann, wenn wir erklären, wie eine Geißel den Rücken aufreißt usw. Und vielleicht auch mit Hinweisen auf den Psalm, den messianischen Psalm 129, Vers 3. Dort hört man die Stimme des Erlösers: Pflüger haben auf meinem Rücken gepflügt, haben langgezogen ihre Furchen. Das trifft unsere Herzen, unsere Seelen, aber in einer Weise, die immer nüchtern bleibt.
Es ist etwas anderes, was zum Beispiel Origenes gemacht hat. Origenes war eigentlich ein Irrlehrer; er ist übrigens der Vater der Allversöhnungslehre, und er hat gnostisches Denken in das Christentum hineingebracht. Er hat zum Beispiel gelehrt, die Seelen der Menschen hätten schon früher existiert, bevor der Mensch geboren war usw.
Und Origenes hat quasi eine Kreuzesmeditation praktiziert, bei der er sich gewissermaßen in die Leiden Christi versenkt hat bis zur Ekstase. Das hat natürlich später in der Kirchengeschichte durch die Jahrhunderte, in denen die katholische Kirche alles beherrscht hat, Tradition behalten. Also: die Leiden Christi zu nehmen, um sich in eine religiöse Ekstase zu bringen.
Übrigens steht auf dieser Linie der Film „The Patient“, der so viel Aufsehen erregt hatte in der jüngsten Vergangenheit. Aber das hat mit geistlichem Empfinden überhaupt nichts zu tun, sondern das geht in eine ganz andere Richtung, und dahinter steht ein ganz anderer Geist.
Aber eben: Das, was uns das Wort Gottes bringt, das sollen wir uns zu Herzen führen. Dadurch können auch unsere Herzen wirklich für unseren Erlöser gefangen genommen werden.
Wir gehen weiter zu Jesaja 53,1: Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Ewigen offenbar geworden?
Jetzt haben wir gerade gehört, dass diese Botschaft unter alle Nationen gebracht wird, viele in Staunen versetzt werden, und nun diese Frage, eine enttäuschte Frage: Wer glaubt? Also wird hier schon einmal klar gemacht, dass die Verkündigung vom Messias und seinen Leiden zwar in die ganze Welt ausgehen sollte, aber auch auf großen Unglauben stoßen würde.
Und zwar sehen wir zuerst beim jüdischen Volk, wie viel Unglaube es gegeben hat. Johannes zitiert genau diese Stelle, um die Verstockung der Massen zu deuten. In Johannes 12,37 heißt es: Wiewohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn, auf dass das Wort Jesajas des Propheten erfüllt würde, welches er sprach: Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn offenbar geworden?
Also: Die Masse damals hat den Messias nicht erkannt. Aber damit haben sie gleich diese enttäuschte Frage des Propheten erfüllt: Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, wem ist der Arm des Ewigen offenbar geworden? Also: Wem ist klar geworden, dass hier Gott in seiner Macht eingreift, um uns zu retten, durch seinen Sohn?
Aber wir wissen auch: Unter den Heiden, den Nichtjuden, stieß und stößt das Evangelium auf sehr viel Ablehnung. Was dabei tröstlich ist: Wenn Menschen das ablehnen, können wir sagen: Ihr erfüllt genau die Bibel, ihr bestätigt die Bibel mit eurer Ablehnung. Die Tatsache, dass die Massen das Evangelium heute ablehnen, ist nur eine Bestätigung dieser Prophetie.
Das Bild des Wurzelsprosses und die verborgene Gemeinschaft des Messias
Wir gehen weiter. Und er ist wie ein Reis vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich.
Da merkt man wieder schön, dass das typisch hebräische Poesie ist. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass zwei parallel gestellte Verszeilen vorliegen. Hier haben wir einen synonymen Parallelismus. Das heißt: Ein gleicher Gedanke wird mit anderen Worten zweimal ausgedrückt. Er ist wie ein Reis vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Aber es ist nicht bloße Wiederholung, sondern jede Aussage birgt nochmals neue Information in sich und betont das Ganze noch mehr.
Also wird der Herr Jesus hier verglichen, genauer gesagt der Messias, mit einer Pflanze, die aufwächst, einem Reis. Hier haben wir ein schönes Wortspiel, denn das hebräische Wort für Reis, Yonek, bedeutet gleichzeitig auch Säugling. Das kann man verstehen, weil eine Pflanze aus dem Boden Wasser und Nährstoffe saugt. Und der Säugling saugt an der Brust.
Aber der Jesus kam ja nicht einfach als erwachsener Mensch in diese Welt auf den Wolken des Himmels, so wird er kommen bei seinem zweiten Erscheinen. Er kam wirklich als kleines Kind in die Welt, geboren von Maria. Er war ein Säugling. Aber dieses Aufwachsen bei dem Herrn Jesus geschah vor ihm, das heißt in völliger Gemeinschaft mit Gott. Und das kann niemand von uns sagen. Es gibt Leute, die sagen: Ja, ich bin von Geburt an Christ. Ja, das ist die Definition, was denn ein Christ ist, ja. Aber das ist nicht die biblische Definition von Christ, wo man eben eine Bekehrung braucht, die bewusst geschehen muss, um Christ zu werden. Aber niemand von uns kann sagen, dass er von klein auf, von Säugling auf, in Gemeinschaft mit Gott war. Aber der Herr Jesus war es von Anfang an.
In Psalm 22, ebenfalls einem messianischen Psalm, der übrigens in dem rabbinischen Buch „Pessikta Rabbatti“ auf den Messias bezogen wird, und zwar wird dort gesagt, hier werden stellvertretende Leiden des Messias für die Sünden beschrieben. Das ist erstaunlich, weil man im Psalm 22 zwar von dem Leiden eines Menschen liest, aber nicht davon, dass er für die Sünden anderer leidet. Das haben wir in Jesaja 53, im Psalm 22 ist das nicht so gesagt. In dem rabbinischen Kommentar wird selbst Psalm 22 als „Sühnen des Leiden des Messias“ gedeutet.
Hier heißt es in Vers 9 beziehungsweise 10: Doch du bist es, der mich aus dem Mutterleib gezogen hat, der mich vertrauen ließ an meiner Mutterbrust. Auf dich bin ich geworfen von Mutterschoß an, von meinem Mutterleib an bist du mein Gott. Also der Herr Jesus hat von Anfang an, von Mutterschoß an, eine Beziehung der Gemeinschaft mit Gott. Niemand von uns konnte sagen: Gott war mein Gott, als ich auf die Welt kam. Aber er kann sagen: Von Mutterleib an bist du mein Gott.
Übrigens, das nur so als kleine Parenthese für stillende Mütter, die vielleicht manchmal ein bisschen frustriert sind. Ja, ich habe selber auch nie gestillt, aber ich habe das so mitbekommen nebenbei, ja, mit den sechs Kindern. Hier in Psalm 22 sagt der Herr: Du hast mich an meiner Mutterbrust vertrauen lassen. Das macht also deutlich, dass effektiv das Säugen der Kinder ein Vertrauen in den ersten Tagen des Lebens fördert, eben im Kind. Und natürlich soll das nicht diejenigen frustrieren, die nicht stillen konnten. Das ist auch nicht eine Katastrophe. Aber diejenigen, die könnten und vielleicht nicht wollen, können sich dann doch überlegen: Ja, aber es ist effektiv ein Mittel, das Gott dem Menschen so gegeben hat, um das Vertrauen, ich dürfte hier ruhig den Ausdruck Urvertrauen verwenden, im Menschen zu fördern. Also wenn der Sohn Gottes das sogar sagt als Mensch, hat das doch seine Bedeutung.
Also das zu dem Reis, Yonek, vor ihm aufgeschossen. Und dann die nächste Zeile: Und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Das ist wie ein Widerspruch. Ein dürres Erdreich ist ja nicht geeignet zum Wachsen, ja? Und da kommt ein Wurzelspross, der aufwächst, aufschießt aus dürrem Erdreich.
Nun, das war genau die Situation. Der Herr Jesus wuchs zwar in völliger Gemeinschaft mit Gott auf, wie das so schön beschrieben wird von Lukas in Lukas 2,40-52, die Kindheit Jesu, wie er zunimmt an Größe und an Weisheit als Mensch. Aber der Herr Jesus wuchs auf inmitten eines durch Verhärtung, Unglauben und tote Religiosität gezeichneten Volkes. Also seine ganze Umwelt war ein dürres Erdreich. Und in dieser Situation ist der Herr aufgewachsen. Darum kann er auch mitfühlen mit Menschen, die sich auch so in einem besonders harten und ausgetrockneten Umfeld als Christen bewähren müssen. So ist er aufgewachsen.
Verachtung, zukünftige Umkehr und das Gebet des Überrests
Dann gehen wir weiter. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, dass wir seiner begehrt hätten. Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn für nichts geachtet.
Wir machen jetzt eine Viertelstunde Pause. Wir sind vor der Pause stehen geblieben in Jesaja 53,2b: Er hatte keine Gestalt und keine Pracht, und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, dass wir seiner begehrt hätten. Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn für nichts geachtet.
Wer spricht hier? Es ist das jüdische Volk, das hier spricht und sich später erinnert, wie das damals war, als er kam, als er in Israel auftrat und wie sie auf ihn reagiert hatten.
Wann Jesaja 53 so wörtlich seine ganz besondere Bedeutung bekommen wird, geschichtlich dann, wenn der Herr Jesus zurückkehren wird auf den Ölberg, Sacharja 14,3, um Israel aus der Katastrophe der großen Drangsal herauszuretten. Dann wird geschehen, dass dieser Drittel der Bevölkerung, der sich in diesem dreieinhalbjährigen Weltkrieg vor der Wiederkunft Christi bekehren wird, in äußerster Not, auf ihn blicken wird, nach Sacharja 12,10. Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben. Und dann heißt es weiter, sie werden über ihn wehklagen, wie man wehklagt über den Eingeborenen, usw.
Also: Der jüdische Überrest wird, wenn er in der Zukunft durch die Not zur Bekehrung kommt, ein Drittel der Bevölkerung, schließlich den Messias mit eigenen Augen sehen. Sie werden auf ihn blicken, den sie durchbohrt haben, und dann werden sie eine nationale Buße anstimmen, und zwar im ganzen Land Israel. Sacharja 12 sagt, wie das geschehen wird. Ich lese nochmals 12,10: Und ich werde über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen. Das ist die Geistesausgießung am Anfang des Tausendjährigen Reiches nach der Wiederkunft Christi, entsprechend Joel 3. Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, gleich der Wehklage über den Eingeborenen, und bitterlich über ihn Leid tragen, wie man bitterlich über den Erstgeborenen Leid trägt.
An jenem Tag wird die Wehklage in Jerusalem groß sein, wie die Wehklage von Hadadrimmon im Tal Megiddo. Und wehklagen wird das Land, jedes Geschlecht für sich: das Geschlecht des Hauses Davids für sich, das ist die Königslinie, und ihre Frauen für sich; das Geschlecht des Hauses Nathans für sich und ihre Frauen für sich. Nathan, das ist eine Nebenlinie der Königslinie. David hatte Salomo auf den Thron eingesetzt, aber ein anderer Sohn, Nathan, wurde nicht König. Aus dieser Linie kommt übrigens später Maria, nach Lukas 3. Also sind es zwei davidische Linien, die hier erwähnt werden, Linien, die auf David zurückgehen, ihre Frauen besonders.
Das Geschlecht des Hauses Levis für sich und ihre Frauen für sich; das Geschlecht der Schimeiter, das ist nochmals ein priesterliches Geschlecht wie Levi, für sich und ihre Frauen für sich; alle übrigen Geschlechter, jedes Geschlecht für sich und ihre Frauen für sich. Also eine nationale Wehklage in Jerusalem und im ganzen Land, jede Sippe für sich, Männer und Frauen getrennt, und sie wehklagen.
Was werden sie dann wehklagen? Dann werden sie Jesaja 53 als Gebet nehmen und genau so beten: Er hatte keine Gestalt und keine Pracht, damals, als er das erste Mal kam. Als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, dass wir seiner begehrt hätten. Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn für nichts geachtet.
Es geht hier also noch nicht nur um die Kreuzigung, sondern um das gesamte Auftreten des Herrn in Israel und darum, wie sie darauf reagiert haben, bis hin zur Kreuzigung.
Nun, es ist uns klar, dass man unter den Juden damals als Messias einen Freiheitskämpfer erwartete, der das Joch der Römer abschütteln würde. Und so brachte man dem Herrn Jesus, der als demütiger Knecht des Ewigen kam, nur Verachtung und Schmach entgegen. Es waren übrigens besonders die Führer des Volkes, die ihn ablehnten. Und da ist interessant in der dritten Verszeile: Er war verachtet und verlassen von den Menschen. Für Menschen steht da Ischim, das ist eine ganz seltene Form, aber Ischim bedeutet ganz besonders hochgestellte Menschen, nicht die Menschen schlechthin. Und wir wissen, es waren also ganz besonders die Führer aus den Pharisäern und den Sadduzäern, die ihm besonders deutliche Feindschaft entgegengebracht haben. Das hat sich so erfüllt.
Aber es war eine Minderheit. Wenige erkannten seine Herrlichkeit. Johannes, auch ein Jude, schreibt später im Johannesevangelium 1,14: Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Die gleiche Person, aber die einen sahen gar nichts in ihm. Er hatte keine Gestalt, keine Pracht und doch voller Gnade und Wahrheit, Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater.
Im Judentum hatte man das Bewusstsein, dass es Stellen gibt im Alten Testament, die von einem leidenden Messias sprechen, und andere von einem herrschenden Messias. Es gibt verschiedene Stellen in der rabbinischen Literatur, wo man versucht, diese beiden Beschreibungen auseinanderzureißen und sie zwei verschiedenen Personen zuzuordnen. So spricht man, bei Raschi findet man das, vom Messias Maschiach ben Joseph, dem Messias, Sohn des Joseph, dem Leidenden, und dann vom Maschiach ben David, dem herrschenden Messias. Und das kommt natürlich aus der Überlegung heraus: Joseph hat gelitten, er war abgelehnt, verworfen von seinen Brüdern, und David war der König auf dem Thron Israels.
Aber interessant: Wir haben ja zum Beispiel das Zitat von Al-Sches, dem Rabbi Al-Sches aus dem sechzehnten Jahrhundert, gelesen, und er bezieht Jesaja 53, den leidenden Messias, auf den Melech Maschiach, den König Messias. Und er sagt, daraus nehmen auch wir Ihnen folgend an, dass wir das Subjekt dieser Weissagung, David, das ist der Messias, gehalten würde. Also wird der leidende Messias als David beziehungsweise Maschiach ben David, Sohn Davids, gesehen.
Nun, man hätte ja schon erkennen können, wenn man Joseph als Beispiel für Leiden nimmt: Joseph hat zuerst gelitten. Er war von seinen Brüdern verworfen, aber später wurde er zum Herrscher über Ägypten, über die Heiden. Und noch später haben dann auch seine Brüder ihn erkannt, in einer dramatischen Szene, und haben ihre Vergangenheit bereut. Da wurde er auch Herrscher über seine Brüder. Also der Leidende ist derselbe wie der Herrschende.
Und bei David ist es derselbe: David war nicht von Anfang an König. Sondern er war lange der Verworfene und Verfolgte, ständig auf der Flucht. Und es gab einen Überrest, einen getreuen Überrest, der ihm in der Verwerfung folgte. Und später wurde er König, und der Überrest hat dann mit ihm die Ehre der Mitherrschaft bekommen.
Und so sehen wir auch in dem Herrn Jesus: Es ist eben beides vereinigt. Das erste Mal kommt er als der Leidende, das zweite Mal kommt er als der Herrschende. Und das werden wir in Jesaja 53 noch finden, dass der Leidende und der Herrschende die gleiche Person ist, aber davon später.
Aber interessant ist ja in Johannes 1, da gibt es Menschen, die haben in dem Herrn Jesus den Messias erkannt, und die haben gesagt, Johannes 1,45: Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Mose in dem Gesetz geschrieben und die Propheten, Jesus, den Sohn Josephs, den von Nazareth. Wir haben den Maschiach gefunden, den Ben Joseph, den Sohn Josephs, ja, den der juristisch legale Pflegevater Jesu hieß Joseph. Und so war er Maschiach ben Joseph. Und seine Mutter Maria stammte von König David ab, nicht über die Königslinie, aber über Nathan, diese Seitenlinie, die wir aus Sacharja 12 kennen, unter anderem. Und so war er tatsächlich Sohn Davids, Maschiach ben David. Beides in einer Person.
Stellvertretung, Sünde und die Auslegung des Neuen Testaments
Jetzt gehen wir weiter, Jesaja 53, Vers 4, und betrachten das als Bußgebet des gläubigen Überrestes aus Israel in der Zukunft.
Fürwahr, er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Ich habe in der ersten Verszeile das „er“ dick gedruckt, weil es im hebräischen Grundtext besonders betont ist. Nicht einfach: „Er hat getragen“, sondern: „Er hat unsere Leiden getragen.“ Da wird nochmals betont: Eigentlich hatten wir ihn abgelehnt, aber gerade er war es, der unsere Rettung war. Und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen.
Nun haben wir da eine ganz interessante Stelle in Verbindung mit diesen Schmerzen, oder anderswo wird übersetzt: Krankheiten getragen. Wie müssen wir das verstehen? Leiden und Krankheiten getragen. In Matthäus 8 finden wir dazu die Auslegung des Heiligen Geistes. Es ist mir ganz wichtig, wenn wir das Neue Testament nehmen, da haben wir nicht irgendwelche menschlichen Gedanken, sondern direkt die Auslegung des Heiligen Geistes, wenn das Alte Testament zitiert wird.
Matthäus 8,16: Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm. Und er trieb die Geister aus mit einem Wort und heilte alle Leidenden, damit erfüllt würde, was durch Jesaja, den Propheten, geredet ist, welcher spricht: Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten. Jesaja 53,4.
Das muss ein Schock sein für manche. Erfüllt heißt es hier. Nicht: Das könnte man noch so anwenden, ja, das hat sich erfüllt. Wann? Vor dem Kreuz. Vor dem Kreuz. Und wie ist das nun zu verstehen? Tragen, unsere Schwachheiten, unsere Krankheiten getragen. Dieses Wort bastazo im Griechischen ist zum Beispiel dasselbe Wort wie in Galater 6. Der bekannte Vers: Galater 6,2: „Einer trage des andern Lasten, und also erfülle das Gesetz des Christus.“
Ja, damit ist gemeint, dass wir das, was den anderen bedrückt, was ihm Not macht, innerlich mittragen. Ja, einer trage des andern Lasten. Und von dem Herrn Jesus wird gesagt, wie er eben diese Leiden gesehen hatte, er war innerlich bewegt über sie. Das wird in den Evangelien wiederholt gesagt. Und er hat die Menschen geheilt. So hat er die Schwachheiten und ihre Krankheiten innerlich mitgetragen, durch Mitgefühl.
Ja, und dann kommen ihre Lehrer heute und sagen: Christus hat am Kreuz unsere Krankheiten getragen. Ich habe gerade vor kurzem von einem falschen Apostel eine CD gehört. Er hat gesagt, Christus hatte am Kreuz Aids, und dann zählte er alles auf: Alle Krankheiten hatte er am Kreuz. Ja bitte, wo steht das in der Bibel? Ja, natürlich Jesaja 53,4. Ja, aber bitte: Jesaja 53,4 wendet der Heilige Geist auf das Leben Jesu an und darauf, wie er zu Lebzeiten vor dem Kreuz das Leiden der Menschen mitgetragen hat und immer wieder über sie innerlich bewegt war.
Zum Beispiel nur um eine Stelle anzuführen: Matthäus 9,36: Als er aber die Volksmenge sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Der Herr hat innerlich mitgefühlt und das Mitempfunden. Am Grab von Lazarus hat er Tränen vergossen und war innerlich zutiefst erschüttert, Johannes 11, über die Folgen des Sündenfalls. Für ihn war der Tod nicht einfach: Das ist halt normal, wie viele Leute heute sagen, es muss ja halt jeder einmal sterben. Aber für den Herrn Jesus war das eben eine Realität. Der Tod ist nicht normal, er ist die Folge des Sündenfalls, 1. Mose 3, und auch Krankheit und Leiden ist erst in die Welt gekommen durch den Sündenfall Adams. Es ist nicht einfach normal, und der Herr hat mitgelitten, mitgetragen, und als Messias hat er sie geheilt.
Das ist schon ein starkes Stück. Aber solche Munition muss man bereit haben, wenn man auf diese Themen zu sprechen kommt. Jesaja 53,4 und dann die neutestamentliche Verbindung Matthäus 8,16 und 17. Also man muss gut beachten: Hier in diesem Vers heißt es Leiden und Schmerzen, oder wie in Matthäus 8 übersetzt wird: Schwachheiten, Krankheiten. Da wird noch nicht gesprochen über Übertretungen und Missetaten. Ja, das kommt erst nachher im Text. Es geht noch nicht um das Kreuz.
Aber dann gehen wir weiter: Wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt; doch um unsere Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.
Jetzt wird deutlich über Sünden gesprochen. Und die Sünden, die hat der Herr Jesus am Kreuz getragen. Und dazu lesen wir aus 1. Petrus 2, und da haben wir wieder die Auslegung des Heiligen Geistes vor uns. Ich lese bereits 1. Petrus 2,21 in der Mitte: Denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt; welcher keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund erfunden; der gescholten nicht wiederschalt, leidend nicht drohte, sondern sich dem übergab, der recht richtet; welcher selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch dessen Striemen ihr heil geworden seid.
Das ist nun genau eine Anspielung auf Jesaja 53. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Durch dessen Striemen ihr heil geworden seid. Denn ihr ginget in der Irre wie Schafe. Das ist eine Anspielung auf Vers 6: Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg; und der Ewige hat ihn treffen lassen, unser aller Ungerechtigkeit. Aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.
Da wendet der Heilige Geist diese Verse aus Jesaja 53 auf das Leiden auf dem Holz, am Kreuz, an. Und da ist nun Folgendes ganz wichtig. Ich habe geschrieben im Skript: Es war eine Sache, dass der Messias Jesus vonseiten der Bosheit der Römer und der Juden litt. Und dies konnte keine einzige Sünde sühnen. Aber hier wird davon gesprochen, dass Gott ihn am Kreuz in den drei Stunden der Finsternis stellvertretend bestrafte, für die Sünden all derer, die Gott ihre Sünden reuig bekannt haben oder sie noch bekennen werden und an das sühnende Opfer auf Golgatha vertraut haben oder noch vertrauen werden.
Also wir müssen unterscheiden, was der Herr gelitten hat von Seiten der Menschen und was er gelitten hat unter der Hand Gottes. Die Menschen haben nicht sühnendes Leiden ausgeführt. Was die Menschen dem Herrn angetan haben, das war der Beweis der totalen Verdorbenheit der Menschheit, des Menschen schlechthin, des gefallenen Menschen. Das wurde dort richtig offenbar und sichtbar. Aber wir werden in Jesaja 53, besonders Vers 10, noch sehen, wo es heißt: Doch dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen. Gott hat in den Stunden der Finsternis am Kreuz den Herrn Jesus beladen mit unserer Schuld, und dort hat Gott ihn geschlagen. Das ist ein Leiden, das wir deutlich unterscheiden müssen von dem, was die Menschen ihm angetan haben. Und dieses Leiden war noch unvorstellbar schrecklicher als das, was der Herr vonseiten der Menschen erduldet hat.
Und da ist es ja auch wieder interessant: Dieser Film, den ich bereits angesprochen habe, The Patient, spricht ja nur über die Leiden vonseiten der Menschen und nicht über die Leiden vonseiten Gottes. Also wird eigentlich gerade das Wesentliche weggelassen: dass der Herr unter der Hand Gottes als Stellvertreter gelitten hat, und das hat uns Sühnung gebracht.
Dann noch ein Detail: Wenn es hier heißt: Und wir hielten ihn für bestraft. Das Wort bestraft heißt nagua. Das wurde besonders verwendet im Hebräischen für den, der geschlagen ist mit der Plage des Aussatzes. Darum heißt es im Talmud, Sanhedrin 98b, wo gefragt wird, wie heißt der Messias? Sein Name ist Nagua. Also der Bestrafte oder Geschlagene.
Der Aussatz ist ja ein Bild der Sünde. Der Aussatz ist eine Krankheit, die man in sich hat, so wie wir die Erbsünde in uns haben. Und dann bricht der Aussatz als Krankheit sichtbar äußerlich aus, so wie die Erbsünde, das heißt die sündige, zum Bösen neigende Natur des Menschen, die wir von Adam geerbt haben, ausbricht in konkrete Tat- und Gedankensünden. Aber letztendlich führt der Aussatz dann zum Tod, und so führen eben unsere Sünden und die Sünde in uns uns letztlich zum Tod.
Und der Herr Jesus hat also unseren Platz eingenommen. Er wurde zur Sünde gemacht. Er hat den Aussatz am Kreuz. Damit hat das gar nichts zu tun. Aber er hat unsere Stellung als Sünder eingenommen, so dass es in 2. Korinther 5,21 heißt: Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.
Also die Sünde habe ich erklärt, das ist die sündige Natur des Menschen. Und der Herr Jesus wurde von Gott juristisch am Kreuz erklärt, hingestellt, als wäre er die Ursache gewesen von all unserer Sünde in unserem Leben, das heißt: zur Sünde gemacht. Und Gott muss die Sünde bestrafen mit dem ewigen Gericht. Aber weil sein Sohn diese Stellung eingenommen hatte, konnte Gott dieses Gericht, das wir in Ewigkeit im Feuersee verdient hätten, auf ihn legen, auf ihn bringen in den Stunden der Finsternis am Kreuz. Und darum hat Gott ihn dann auch verlassen, so dass er geschrien hat nach Psalm 22,1: „Eli, Eli, lama sabachtani?“ – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Weil Gott keine Gemeinschaft haben kann mit Sünde, musste Gott den Menschen Jesus verlassen am Kreuz. Und das wird dem Überrest bewusst: Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen, die Strafe zu unserem Frieden, hebräisch Schalom, lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg, und der Ewige hat ihn treffen lassen, unser aller Ungerechtigkeit.
Hier finden wir alttestamentlich die fundamentale Wahrheit des Evangeliums, Erlösung durch Stellvertretung, ganz klar ausformuliert. Der Unschuldige leidet anstelle der Schuldigen.
Schweigen vor Gericht, das Lamm und die Verwerfung durch Menschen
Wir gehen weiter zu Vers 7: Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf. Da bezieht sich der Prophet auf all die Misshandlungen, die auch der Kreuzigung vorausgingen. Wir haben ja in 1. Petrus 2 gelesen, dass der Gescholtene nicht widersprach. Was er in Verbindung mit all diesen Pseudogerichtsverhandlungen erlebt hat, das ist hier zusammengefasst: Er wurde misshandelt, aber er, obwohl er es ist, betont im Hebräischen der Sohn Gottes, beugte sich darunter.
So lesen wir in Matthäus 27, wie der Herr Jesus seinen Mund nicht auftat in der Gerichtsverhandlung. Er schwieg vor Pilatus, er schwieg vor dem Hohen Priester Kajafas und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamm, welches zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern, und er tat seinen Mund nicht auf. Das war ja so eindrücklich. Der Herr hat früher in Diskussionen gesprochen, wenn er ungerecht angegangen wurde. Aber dann, in dieser letzten Verhandlung, hat er nicht mehr gesprochen. Und zwar deswegen: Es war ja von vornherein klar, das Urteil war gefällt, bevor der Prozess ausgeführt war. Und das ist ja etwas vom Schändlichsten, was es in der Justiz gibt, auch heute. Das Urteil darf erst gefällt werden, nachdem der Prozess vorbei ist. Aber es war klar: Er muss sterben, und jetzt müssen wir nur noch formal den Prozess durchziehen.
Gut, es war ja nicht irgendwie eine Tat wie eindeutiger Mord, der vorgelegen wäre. Dann weiß man schon im Voraus, was kommen wird. Aber es ging ja darum, jetzt all diese Einzelheiten, wo man ihn anklagen wollte, abzuwägen und zu schauen: Ist das gerichtswürdig oder nicht? Aber es war klar von Anfang an: Er muss sterben. Und so hat der Herr sich gar nicht mehr verteidigt. Er hat geschwiegen.
Aber es ist wichtig: Man kann davon nicht ableiten, dass wir in jedem Fall, wenn uns Unrecht getan wird, unbedingt schweigen müssen. Es gibt also Situationen, wo wir vor dem Herrn sehen: Da müssen wir etwas sagen, natürlich auf würdige Weise. Aber wir sehen im Leben des Herrn, wie er gesprochen hat, geantwortet hat, erklärt hat, und dann kam der Moment, wo er nichts mehr gesagt hat.
Da wird nun ein ganz interessanter Vergleich gemacht. Hier kommt das Lamm hinein: Gleich dem Lamm, welches zur Schlachtung geführt wird. Also hier wird alttestamentlich das Tieropfer nun gedeutet. Das, was jeder Jude als Selbstverständlichkeit kannte: die Opfer zuerst in der Stiftshütte, dann im salomonischen Tempel und nach Jesaja später im zweiten Tempel. Aber Jesaja, zur Zeit des ersten Tempels, wendet also hier das Opfer, die Tieropfer, auf den Messias an. Und da wird alttestamentlich also schon geklärt: Diese Tieropfer sind nur Symbole, die weisen hin auf das wahre Opfer, das einmal Sünden wegbringen, wegschaffen wird. Und das wird nachher noch deutlicher, das ist nur erst eine Andeutung.
538 „Er ist, ich habe eingeführt in Klammer, in Eile weggerissen worden aus der Angst und aus dem Gericht.“ Dieses Lakach, reissen, diese Wurzel wird übrigens heute im modernen Hebräischen gebraucht, auch für den Ausdruck „Entdrückung“ unter den messianischen Juden, ja? Also das Lakach meint wirklich etwas massiv wegreißen, kann es bedeuten. Das hat ein breites Bedeutungsfeld, und darum habe ich das hier übersetzt mit: „Er ist in Eile weggerissen worden aus der Angst und aus dem Gericht.“
Die Verurteilung des Herrn Jesus war eine korrupte Pseudogerichtsverhandlung, und das war ein schändliches Kurzverfahren. Also man hat schnell die falschen Zeugen herbeigerufen und hat das so schnell wie möglich durchgezogen, um zum Schluss zu kommen: Er ist des Todes. Und so hat man ihn eben ganz schnell durch all diese Phasen der Verhandlung aus Angst und Gericht hindurchgeschleust, kann man sagen.
Es gab übrigens drei Phasen jüdischer und drei Phasen heidnischer Verhandlungen. Der Herr Jesus wurde ja verhaftet im Garten Gethsemane, und dann kam er in das Privathaus von Annas, dem Schwiegervater des Hohen Priesters Kajafas, der früher Hohepriester war. Das wird nur in Johannes 19 erwähnt. Und nach Annas kam er in das Haus von Kajafas. Dort war eine viel wichtigere Verhandlung, viel entscheidender. Und dann mussten sie warten, bis die Sonne aufgeht, weil, und das findet man auch im Talmud, nach rabbinischem Gesetz durfte man Gerichtsverhandlungen über Leben und Tod nicht nachts durchführen.
Darum sind sie in die Privathäuser gegangen, damit es keine Gerichtsverhandlung ist. Aber so konnte man Zeit gewinnen, um schon mal in einem Vorprozess, der kein Formalprozess war, den Tod festzustellen. Und dann konnte man, sobald die Sonne aufgeht, früh morgens, steht in Matthäus 27, konnte man in das Synedrium bringen, das heißt in die südliche Halle des Tempels, die Königliche Säulenhalle. Dort war der Sitz des Synedriums, und dort wurde nur noch formal vom Hohen Priester die Todesstrafe dann ausgesprochen.
Aber weil die Juden damals von den Römern her kein Recht hatten, die Todesstrafe auszuführen, musste er nachher zu Pilatus, dem Landpfleger, gebracht werden. Und so gibt es zunächst eine Verhandlung vor Pilatus. Er will sich aus der Sache herauswinden, weil er sieht, wie brisant die Sache ist, und realisiert: Es ist ja Passa, da ist doch Herodes aus Galiläa hier auf Besuch im Makkabäerpalast. Und dieser Mann kommt ja aus Galiläa, dann müsste ja eigentlich er das Gericht leiten und nicht ich als Landpfleger über Judäa im Süden.
Und darum wird dann der Herr, das wird nur in Lukas 23 beschrieben, zu Herodes gebracht. Das ist ein Nachkomme von dem Kindermörder von Bethlehem, und dieser Herodes möchte gerne endlich mal ein Wunder sehen, und der Herr spricht überhaupt nicht mehr mit ihm. Das war dieser Herodes, der ja schon mehrmals immer wieder von Johannes dem Täufer gewarnt wurde: Diese Frau, die du hast, darfst du gar nicht haben. Das ist Ehebruch, was du da machst. Er hat die Frau seines Bruders genommen. Und das hat ja letztlich Johannes dem Täufer den Kopf gekostet.
Und dann wollte eben dieser Herodes einmal ein Wunderwerk sehen. Der Herr hat kein Wunderwerk gemacht, hat kein Wort mit ihm gesprochen. Die Gnadenzeit war für ihn abgelaufen. Er hat auf Johannes nicht gehört, so wird er auf den Messias auch nicht hören. Und es kommt zu keiner Erklärung. Herodes schickt ihn zurück zu Pilatus, und dann kommt die letzte Phase, wo Pilatus schließlich die Kreuzigung zulässt. Diese Phasen bei Pilatus A und B werden zum Beispiel in Matthäus als eine Phase beschrieben, weil die Zwischenphase nicht genannt wird.
Aber so haben wir wirklich drei und drei Prozessphasen. Aber alles war nur ein Pseudoprozess, und so wurde der Herr in Eile weggerissen aus Angst und aus Gericht.
Die nächste Verszeile sagt: Und wer wird sein Geschlecht aussprechen? Wer kann beschreiben, wie verdorben diese Generation war, die auf solche Weise mit dem Messias umgegangen ist, der in seinem ganzen Leben nur gezeigt hat: Gerechtigkeit, Wahrheit, Liebe? Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln. Er hat all die messianischen Wunderwerke, die der Messias tun sollte, wenn er kommt, nach Jesaja 35 erfüllt und sogar noch vieles mehr, trotzdem abgelehnt. Wer kann das beschreiben? Wer wird sein Geschlecht aussprechen?
Und dann wird begründet: Denn er wurde abgeschnitten aus dem Land der Lebendigen. Wieso soll man seine Generation beschreiben? Ja, eben weil sie ihn ermordet hat. Und dann wird von Gott her erklärt, was aber dieser Tod, diese Ermordung bedeutet: Wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Also der Messias sollte zwar von dieser Generation, von den Führern, verworfen, hingerichtet werden, aber gleichzeitig starb er da für das Volk Israel als Stellvertreter.
Grab, Schuldopfer und die Verheissung von Frucht und Leben
Wir gehen weiter, Jesaja 53,9, und man hat sein Grab bei Gesetzlosen bestimmt. Aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist.
Die Kreuzigung war ja die schändlichste Todesart, die es in der alten Welt gab. Wer so hingerichtet wurde, war völlig entrechtet. Der hatte also auch kein Anrecht mehr auf ein Grab. Also blieb für so jemanden zum Beispiel als Möglichkeit offen die Kehrichtverbrennungsanlage im Tal Hinnom.
Nicht wahr, außerhalb von Jerusalem, der Altstadt, liegt das Tal Hinnom. Das führt so im rechten Winkel ins Kidron-Tal hinein. Es lohnt sich, mal einen Spaziergang durch das ganze Hinnom-Tal zu machen. Nur ein bisschen aufpassen am Ende, dann kommt man in das Dorf Silouan, dort kann es gefährlich werden. Aber da kann man ja wieder zurückgehen.
Das habe ich vor kurzem mit meiner Frau gemacht. Wenn ich da so hinunterspaziert bin durch das ganze Hinnomtal, das wird jetzt schön als Park ausgebaut auch. Dort war in der Zeit der Könige von Juda der Ort, wo Kinder geopfert wurden, wo man die Kinder dem kanaanitischen Gott opferte, durchs Feuer gehen ließ. Aber der König Josia wollte als erweckter, bekehrter König diesem abscheulichen Treiben, diesem Gräuel, ein Ende setzen. Und so lesen wir in seiner Geschichte, in den Königen und in Chronika, dass er das Tal Hinnom verunreinigte.
Das Tal Hinnom war also für die Götzendiener, für die abgefallenen Juden, der Ort, wo man heidnische Kinderopfer darbrachte. Aber König Josia hat dort begonnen, den Abfall zu verbrennen, so dass dieser Ort für die Götzendiener geschändet war und sie nicht mehr Kinder opfern konnten. Und so blieb das die Kehrichtverbrennungsanlage. Zur Zeit Jesu war also dort ein idealer Ort, um solche Gekreuzigten dem Feuer zu übergeben.
Das Tal Hinnom ist so zum Bild für die Hölle geworden. Denn das Wort Tal Hinnom heißt auf Hebräisch Gehinnom, Tal Hinnom, und das Wort im Neuen Testament für Hölle, das zwölfmal vorkommt, heißt Ge’enna. Das ist eigentlich kein griechisches Wort, sondern es ist hebräisch. Das heißt Tal Hinnom, griechisch ausgesprochen. Die Gehenna ist also das Tal Hinnom, das heißt der Ort außerhalb der Stadt des Friedens, der Ort der Friedelosigkeit, wo ein ewiges Feuer brennt. Und darum wird also das Tal Hinnom schlechthin zum Inbegriff der Hölle in der Bibel.
Übrigens, Hinnom heißt wimmern. Der Herr Jesus spricht ja über dieses ewige Weinen in der Hölle. Ja, dort konnten Verbrecher verbrannt werden, aber Gott ließ nach der Kreuzigung keine weitere Schändung mehr zu. Und so kam es, dass er in das Grab des Reichen, Joseph von Arimathäa, gelegt wurde, Matthäus 27,57-60.
Und der Grund ist ganz klar: Gott sagt, weil er kein Unrecht begangen hat, kein Trug in seinem Mund erfunden wurde. Wir haben im Neuen Testament ein wunderbares dreifaches apostolisches Zeugnis über die Unschuld und die Gerechtigkeit Jesu. Paulus sagt, er kannte Sünde nicht, 2. Korinther 5,21. Petrus sagt, er tat keine Sünde, 1. Petrus 2,22. Und der Apostel Johannes schreibt in 1. Johannes 3,5: Sünde ist nicht in ihm.
Er hat auch nie, er hat nicht nur nie eine Tatsünde begangen, sondern auch die Erbsünde war nicht in ihm. Sünde ist nicht in ihm. Und so hatte er dieses Felsengrab außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem, nahe von Golgatha, bekommen.
Jesaja 53,10: Doch dem Ewigen gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen. Wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird, so wird er Samen sehen, er wird seine Tage verlängern, und das Wohlgefallen des Ewigen wird in seiner Hand gedeihen.
Das ist ein ganz unverständlicher Vers. Wie kann es heißen, es gefiel dem Ewigen, ihn zu zerschlagen? Und dabei war es doch für Gott ein solcher Schmerz, seinen Sohn für uns hinzugeben. Nun, das Wohlgefallen ist nicht in der Hingabe an sich, sondern das Wohlgefallen war, weil Gott die Welt so sehr geliebt hatte. War es ein Wohlgefallen, diesen Weg zu gehen. Aber wir können nie ergründen, welchen Schmerz das für den Vater war, so wie wir nicht ergründen können, welcher Schmerz es für den Sohn war.
Aber nun haben wir in der nächsten Verszeile den Ausdruck Schuldopfer, wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird. Hebräisch Ascham, das ist nun ein Begriff aus der Opferordnung in 3. Mose 5, wo das Schuldopfer und das Sündopfer erwähnt wird. Also hier wird nun ganz eindeutig klar: Das vorher war eine Andeutung mit dem Lamm, jetzt eindeutig klar: Der Messias muss wie ein Tieropfer stellvertretend sterben, als Schuldopfer, der Gerechte für die Ungerechten.
Aber das wird Resultate haben, so wird er Samen sehen. Es wird also eine Nachkommenschaft gewissermaßen geben, ein Volk, das ihm zugerechnet wird. Das ist das Volk der Erlösten, die Kinder Gottes, alle Erlösten, die ihm zugerechnet werden. Und weiter: Er wird seine Tage verlängern. Im Gesetz wird immer davon gesprochen. Von dem Tage verlängern kann man dem einmal nachgehen, zum Beispiel in 5. Mose: Wenn ihr diese Gebote einhaltet, werdet ihr eure Tage im Land verlängern. Und konsequenterweise bedeutet das: Wer das ganze Gesetz einhält, wird seine Tage so verlängern, dass er nicht mehr stirbt, ewig lebt.
So heißt es in 3. Mose 19: Wer diese Gebote tut, wird durch sie leben. Es konnte sie ja niemand, darum sind alle gestorben, auch die Pharisäer. Aber wenn es nun von ihm heißt, er wird seine Tage verlängern, heißt das, er stirbt als Opfer und lebt dann wieder. Das ist eine direkte Prophezeiung auf die Auferstehung hin.
Und das Wohlgefallen des Ewigen wird in seiner Hand gedeihen. Er wird also auch nach der Auferstehung weiter wirken. Nach dem Wohlgefallen Gottes, siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, zuvor und auch danach.
Frucht des Leidens, Rechtfertigung und die Herrschaft des Messias
Vers 11: Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen. Und ihre Missetaten wird er auf sich laden.
Man merkt, die Wortstellung ist ein wenig verschoben, weil ich die Verszeilen, die poetischen im Grundtext, in der Übersetzung erhalten wollte. Aber man versteht es schon, ja? Auch so.
Also, der Herr Jesus wird durch dieses Leiden schliesslich Resultate haben, die ihn freuen, die ihm gewissermassen wie eine Belohnung sind. Das bezieht sich eben auf all die Erlösten, an denen er sich dann nach vollendetem Werk freuen wird. Er freut sich an den Erlösten. Das ist gewissermassen wie eine Belohnung für all sein Leiden.
Und dann gibt die nächste Verszeile die Grundlage für die Lehre des Römerbriefes: Rechtfertigung aus Glauben. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte zur Gerechtigkeit verhelfen.
Der Herr Jesus wird im Neuen Testament siebenmal genannt: der Gerechte. Und im Alten Testament wird die Frage gestellt: Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Diese Frage im Alten Testament wird durch den Römerbrief beantwortet. Dort haben wir die Lehre der Rechtfertigung aus Glauben.
Dadurch, dass der Herr Jesus als Stellvertreter gestorben ist und alle Schuld getragen hat, kann Gott dem, der jetzt an Jesus Christus glaubt, seine Schuld vergeben, wenn er sie ihm bekennt und bereut. Und so wird dieser Mensch, als hätte er noch nie gesündigt.
Rechtfertigen, das bedeutet jemanden als gerecht erklären, jemanden als gerecht erklären, nicht machen, sondern als gerecht erklären. Die Rechtfertigung ist also die Folge davon, dass alle Sünden weggetan sind.
Der Gerechte kann ungerechten Menschen zur Gerechtigkeit verhelfen, und zwar sind das viele: mein Knecht, den Vielen. Wir würden einmal staunen über diese unzählbare Schar von Erlösten, wenn wir sie sehen werden in der Herrlichkeit. Aber dies war nur möglich durch Stellvertretung, und ihre Missetaten wird er auf sich laden.
Und jetzt kommen wir zu Vers 12: Darum werde ich ihm die Grossen zuteilgeben, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen, dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan.
Jetzt sehen wir, dass darum ist nun wichtig: Weil der Jesus der leidende Messias war, wird er der herrschende Messias werden. Darum wird Gott ihm all die Grossen dieser Erde zuteilgeben. Wer sind heute die Grossen? Die wird er ihm zuteilgeben, die werden sich vor ihm beugen müssen. Heute ist es weitgehend eine Rebellion gegen ihn.
In Psalm 2 liest man von dieser Rebellion, heute und auch schon früher: Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf die Könige der Erde, und die Fürsten ratschlagen miteinander gegen den Herrn und gegen seinen Messias: Lasst uns zerreissen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!
Durch die Evolutionslehre hat man das zum Beispiel gemacht. Unsere Geschöpflichkeit ist ja eine Bindung an Gott, den Schöpfer, und durch die Evolutionslehre hat man versucht, die Menschen in unserer Gesellschaft von dieser Bindung zu lösen: Lasst uns zerreissen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!
Die Reaktion Gottes, der im Himmel thront, ist: Er lacht, der Herr spottet ihrer. Und dann sagt Gott zum Messias: Fordere von mir, und ich werde dir die Nationen geben. Das ist genau entsprechend hier: Darum werde ich ihm die Grossen zuteilgeben, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen.
Die Erlösten, der gläubige Überrest aus Israel, wird die Herrschaft mit dem verworfenen Messias einmal teilen. Das sind die Gewaltigen. Die werden die ganze Weltherrschaft mit ihm teilen. Und das ist eben nochmals dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist.
Er wurde mit zwei Verbrechern zusammengekreuzigt. Er aber hat die Sünde vieler getragen und am Kreuz sogar Fürbitte getan: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Lukas 23,34.
Also so sehen wir: Jesaja 53 macht deutlich, zuerst kommt der Messias, um zu leiden, und dann, um zu herrschen. Also die Reihenfolge kann man alttestamentlich klar herleiten. Sonst könnte man theoretisch sagen, er hätte ja auch zuerst kommen können als Herrscher und dann als Leidender. Nein, die Reihenfolge ist ganz eindeutig.
Ja, dieses prophetische Wort hat sich so eindrücklich erfüllt, von Jesaja beschrieben in prophetischer Vergangenheitsform. So nennt man diesen Kunstgriff der Hebräer, wenn man etwas Zukünftiges beschreibt, wie wenn es schon geschehen wäre, um dadurch die Gewissheit der Erfüllung zu betonen und auch um das Ganze lebendig zu gestalten. Eben als ein Gebet für die, die umkehren, aus dem jüdischen Volk in der Zukunft.
Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen. Aber jetzt wissen Sie: Er ist es, der unsere Schuld getragen hat.
Schlussgedanke: Zeugnis, Überzeugungskraft und praktische Anwendung
Und jetzt wird auch klar, warum dieses Kapitel für die meisten Juden, die zum Glauben gekommen sind, in der heutigen Zeit, aber auch durch die zweitausend Jahre hindurch, ein Schlüsselkapitel war. Es hilft zu verstehen, dass es zuerst den Leidenden braucht, der das Problem der Schuld löst.
Aber wir sehen auch bei dem Afrikaner, bei dem Kämmerer aus Äthiopien, Apostelgeschichte 8, dass selbst Nichtjuden durch dieses Kapitel überführt werden. Durch dieses Kapitel ist er zum Glauben gekommen.
Darum ist es wichtig, dass wir dieses Kapitel gut kennen und es auch im Gespräch anbringen, um zu beweisen, dass Jesus wirklich der Messias ist. So etwas gibt es in den anderen Religionen nicht. Man kann Muslime fragen: Zeigt uns einmal ein solches Kapitel über Mohammed. Wo finden wir eine solche Beschreibung?
Und wenn euch das nicht reicht: Im Ganzen gibt es über dreihundert erfüllte Prophezeiungen über Jesus Christus. Das ist sowohl für Juden als auch für Nichtjuden überzeugend. Darum lohnt es sich zum Beispiel auch, dieses Kapitel auswendig zu lernen.
Wir haben ja nicht immer gerade eine Bibel bereit und können dann zitieren. Aber wenn wir auf dem Bahnhof ins Gespräch kommen mit einem Juden, können wir sagen: Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben und erhöht, und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, dass wir seiner begehrt hätten.
So können wir, wir müssen die Munition immer bereit haben. Das ist Kolosser 3,16: Lasst das Wort des Christus, das Wort des Messias, reichlich in euch wohnen. Das muss Teil von uns sein.
Und so können wir Menschen wirklich eine Hilfe sein, um ihnen zu zeigen, warum wir der Bibel glauben und warum wir glauben, dass Jesus wirklich der Erlöser ist und der Herr unseres Lebens.
Ja, dann sind wir zeitlich am Ende.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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