Micha, vielen Dank für die einleitenden Worte. Mein Ziel heute ist nicht so sehr zu belehren oder zu ermahnen, sondern vielmehr zu ermutigen. Das werdet ihr im Verlauf der Predigt noch deutlich merken.
Ich überlege gerade, ob ich den ersten Petrusbrief komplett predigen werde. Ich weiß, dass er bei uns schon vor einigen Jahren behandelt wurde, deshalb bin ich mir noch nicht ganz sicher. Für den Anfang habe ich jetzt erst einmal den ersten Abschnitt ausgewählt.
Einführung in den Kontext des ersten Petrusbriefs
Nun, ich weiß nicht, wie sehr euch der erste Petrusbrief vor Augen ist. Man weiß schon, der erste Petrusbrief geht in vielen Fragen auf praktische Lebenssituationen ein, wie Arbeit, Ehe und ähnliche Themen. Aber jeder, der den Brief wirklich öfter liest und versucht, das große Ganze zu erkennen, wird merken, dass es in erster Linie ein Brief ist, der an leidende Christen geschrieben wurde.
Petrus geht in jedem der fünf Kapitel auf das Thema Leid ein. Wir müssen tatsächlich aus dieser Dringlichkeit, da es ein Thema ist, das sich komplett durchzieht, schon daraus schließen, dass Petrus sehr, sehr ernst war. Wenn ihr in 1. Petrus 1, Vers 1 schaut, seht ihr etwas – ihr könnt es nochmal aufschlagen: 1. Petrus 1,1. Dort sehen wir, dass Petrus diesen Brief an mehrere Gemeinden schickt, die in der heutigen Türkei lagen, damals Teil des Römischen Reiches. Die Frage ist: Was ist die Situation, dass Petrus so ermutigend in das Leben von Christen schreibt, die unter Druck stehen?
Nun, es ist ungefähr im Jahr 64 nach Christus. Ich weiß nicht, wie sehr ihr euch mit Kaiser Nero auseinandergesetzt habt, aber zu dieser Zeit herrschte Kaiser Nero. Er mochte Rom nicht so sehr und wollte die Stadt nach seinen Vorstellungen neu aufbauen – so zumindest wird es berichtet. Es wird angenommen, dass er einen Brand in Rom gelegt hat, bei dem große Teile der Stadt niederbrannten.
Es gab Christen, die Kaiser Nero nicht gehuldigt haben. Was Nero dann machte, war, dass er den Christen die Schuld für den Brand gab. Er sagte, diese bösen Christen hätten Rom angezündet. Daraufhin begann eine sehr lokale erste Christenverfolgung. Kaiser Nero ist dafür bekannt, dass er Christen als lebendige Fackeln angezündet hat. Er hat sie aufgestellt, lebendig angezündet, oder hat ihnen Tierfelle umgenäht und sie dann gegen andere Tiere kämpfen lassen. Diese Phase, diese erste große Christenverfolgung, entstand gerade zu dieser Zeit. Noch sehr lokal und stark auf Rom bezogen, aber für die Christen dort war es eine harte Zeit – für etwas, das sie gar nicht getan hatten.
Man brauchte einen Sündenbock, und die Situation war einfach sehr, sehr schwierig.
Wie wir hier in Kapitel 1, Vers 1 lesen, geht es in dem Brief um Gemeinden in der Türkei. Doch es ist so, wie es jemand mal ungefähr ausgedrückt hat: Diese Christen in Kleinasien sahen sozusagen am Horizont, wie die Stimmung kippte. Die politische Lage verschlechterte sich, es gab viel Leid und Verfolgung in Rom.
Was Petrus jetzt tut, ist, dass er es als seine Aufgabe sieht, diesen Christen Hoffnung zu geben. Es ist ein sehr hoffnungsvoller Brief, der schonungslos – also ohne vorsichtig zu sein oder die Dinge nicht beim Namen zu nennen – die Klarheit des Leidens beschreibt. Wie gesagt, in jedem der fünf Kapitel. Aber das Ganze dient dazu, Mut zu machen, um seinen Freunden und Geschwistern Mut zu geben.
Wenn man hört, was da in Rom vor sich geht, und man merkt, dass sich die Stimmung im Römischen Reich so entwickelt, dann kann man Angst bekommen. Ja, da bekommt man auch Lebensangst letztendlich.
Überblick über die Geschichte der Christenverfolgung
Bevor wir nun tiefer in den ersten Abschnitt eintauchen, möchte ich bewusst einen kurzen Überblick über die Kirchengeschichte geben. Dieser kompakte Überblick soll uns die Realität der Christenverfolgung vor Augen führen. So können wir den Brief besser verstehen und anwenden. Es geht darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Bedeutung die Wahrheiten aus dem ersten Petrusbrief für andere Christen hatten. Mit diesem Eindruck können wir vielleicht auch die Argumente von Petrus besser nachvollziehen.
Verzeiht mir diesen kurzen geschichtlichen Überblick. Wir fangen etwas früher an: Christenverfolgung begann nicht erst zur Zeit Jesu, sondern schon zuvor wurden die Propheten Gottes getötet. Isabel tötete die Propheten Gottes, andere erfuhren Spott, Geißelung, Ketten und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt und gefoltert. Manche erlitten den Tod durch das Schwert. Sie zogen umher in Schafspelzen und Ziegenfellen und litten unter Mangel, Bedrückung und Misshandlung.
Was geschah mit Johannes dem Täufer? Er wurde enthauptet. Was geschah mit Jesus Christus? Er wurde gekreuzigt. Was geschah mit Stephanus? Er wurde gesteinigt. Laut Apostelgeschichte 12,1 legte Herodes Hand an einige aus der Gemeinde, um sie zu misshandeln. Im gleichen Atemzug wird berichtet, dass Jakobus getötet wurde. Was geschah mit Paulus? Wir wissen, dass er lange im Gefängnis saß.
Im Jahr 380 nach Christus trat ein Reformer namens Priszilian auf. Er predigte und lehrte Gottes Wort, und es gab eine Erweckung. Es war ein Werk Gottes, bei dem viel geschah. Doch was geschah mit Priszilian? Ich zitiere: Priszilian und sechs andere wurden enthauptet, unter ihnen eine vornehme Dame, Eurotia, Witwe eines bekannten Dichters und Redners. Dies war der erste Fall, dass Christen durch die Kirche hingerichtet wurden. Ein Beispiel, dem andere mit erschreckender Häufigkeit folgten.
Von 339 bis 379 mussten persische Christen Verfolgungen erleiden. In dieser Zeit starben ungefähr sechzehntausend Christen. Ich zitiere erneut: „Systematisches Gemetzel, Enthaupten, Verbrennen, Ertränken setzte unter der Regierung der Kaiserin Theodora erneut ein und dauerte viele Jahre an. Doch es konnte die Standhaftigkeit der Gläubigen nicht erschüttern.“
Es wird behauptet, dass in den Jahren 842 bis 867 das Vorgehen Theodoras und ihrer Schergen den Tod von ungefähr einhunderttausend Menschen zur Folge hatte. Weiter wird beschrieben, dass die Generäle mitleidlos waren, weder alte Menschen noch Kinder verschonten. Man brannte den Menschen Bilder von Füchsen auf die Stirn und stach ihnen die Augen aus. Mit der Aussage: „Wenn ihr für das Geistliche keinen Blick habt, dann sollt ihr das echte Leben auch nicht sehen. Weil ihr für das Geistliche blind seid, sollt ihr auch das Sichtbare nicht schauen.“ So wörtlich.
Auf dem Konzil von Toulouse 1229 wurde beschlossen, dass Laien keine eigene Bibel besitzen dürfen. Es durften nur lateinische Psalmen gelesen werden. Für jeden, der Latein konnte, war das vielleicht verständlich – für den Rest aber nicht. Diese Menschen, die ständig Druck auf die Gemeinde Christi ausübten, standen allen Menschen feindlich gegenüber. Sie versuchten, das Evangelium am Zugang zu den Menschen zu hindern.
Nach der Einnahme einer anderen Stadt fand man 140 Gläubige, Frauen in einem Haus und Männer im anderen, im Gebet, in Erwartung ihres Urteils. Von Montfort hatte einen großen Scheiterhaufen herrichten lassen. Er erklärte ihnen, sie sollten sich zum katholischen Glauben bekehren oder den Scheiterhaufen besteigen. Das Feuer wurde entzündet, und sie gingen ohne Zögern in die Flammen.
Es gibt weitere Berichte von der Vergangenheit bis heute über Gemetzel an Menschen, die nichts anderes taten, als ihren Nächsten zu lieben. Wir können die Geschichten von Frauen erwähnen, denen Hexerei unterstellt wurde und die ertränkt wurden. Tyndale, der sich dem Übersetzen der Bibel widmete, wurde erwürgt. Die Wiedertäufer aus dem Raum Heidelberg, Alzey und Kreuznach – von ihnen wurden 350 hingerichtet. Jakob Huter wurde öffentlich verbrannt – und so weiter.
Einblick in das Leben von John Bunyan als Beispiel für Glaubensleid
Nun zoomen wir noch einmal ganz kurz hinein. Das war bisher eher ein Überblick, damit man ein Gefühl dafür bekommt, was in der Kirchengeschichte passiert ist. Jetzt betrachten wir ein ganz spezielles Leben: das von John Bunyan. So sehen wir auch, wie Einzelschicksale unter den Ereignissen litten.
John Bunyan war ein Prediger. Zeitweise kamen werktags, also unter der Woche, 1.200 Leute, um seine Predigten zu hören. Er war kein hochgebildeter Mann, hatte keinen Doktortitel in Theologie, wurde aber dennoch von Gott gesegnet.
John Bunyan war verheiratet und hatte vier Kinder. Eines davon war blind. Zehn Jahre nach der Hochzeit stirbt seine Frau. Sie hinterlässt die vier Kinder, darunter das blinde Kind. John Bunyan steht nun alleine da, mit vier Kindern.
Ein Jahr später heiratet er erneut. Seine neue Frau nimmt die vier Kinder an wie ihre eigenen. Doch ein Jahr nach dieser zweiten Hochzeit kommt John Bunyan ins Gefängnis. Er erhält das Angebot: „Lieber John Bunyan, du musst nur aufhören zu predigen, dann kommst du frei. Hör auf zu predigen!“
Berichtet wird, dass John Bunyan lieber zwölf Jahre im Gefängnis blieb, als seinen geistlichen Prinzipien untreu zu werden. Die neue Frau ist erst ein Jahr verheiratet, kümmert sich um vier Kinder, die nicht ihre eigenen sind, und ihr Mann sitzt im Gefängnis.
Zitat: „So ging Bunyan lieber mit reinem Gewissen zwölf Jahre ins Gefängnis, als die Freiheit zu haben und ein Gewissen, das durch das Abkommen, nicht zu predigen, verunreinigt worden wäre.“ Er hätte seine Freiheit haben können, wenn er gewollt hätte.
Man könnte sagen: „John Bunyan übertreibt es ein bisschen. Was für ein harter Hund! Du hast vier Kinder und eine Frau draußen, und nur weil du deinen Prinzipien treu bleiben willst, gehst du zwölf Jahre ins Gefängnis und vernachlässigst deine Familie.“ So könnte man denken: „Für Christus gebe ich alles, notfalls opfere ich meine Familie.“
Doch so einfach ist es nicht. Man könnte meinen, er sei ein Mann, der seine Familie allein ließ und sie leiden ließ. Aber ich möchte noch ein weiteres Zitat bringen, das John Bunyan in dieser Zeit im Gefängnis geschrieben hat – oder vielleicht auch danach, wann genau, weiß ich nicht. Es beschreibt diese zwölf Jahre als eine riesige Qual für ihn.
Trotzdem, obwohl er seinen Prinzipien treu bleiben wollte, quälten ihn manchmal Zweifel. Er fragte sich, ob er nicht mit Rücksicht auf seine Familie die falsche Entscheidung getroffen hatte. Er schrieb: „Die Trennung von meiner Frau und den armen Kindern war für mich oft so, als risse man mir das Fleisch von den Knochen.“
Wir merken also: Im Gefängnis hatte er große Qualen. Es fühlte sich für ihn so an, als würde man ihm das Fleisch von den Knochen ziehen. Nicht nur, weil er seine Familie sehr liebte, sondern auch, weil er oft daran denken musste, wie sehr seine arme Familie unter Nöten, Elend und Sorgen litt, wenn sie getrennt waren.
Besonders dachte er an sein blindes Kind, das ihm mehr als alles andere am Herzen lag: „Oh, wenn ich an dieses ganze Elend denke, das meinem blinden Kind zustossen kann, zerreißt es mir das Herz.“
Wir sehen also: John Bunyan war alles andere als ein knallharter Typ, der seine Familie opfert, um Gottes Reich zu bauen und dann eben im Gefängnis sitzt. Es zerreißt ihn das Herz, wenn er an seine Familie denkt.
Es war eine Qual – eine riesige Qual. Wir sehen einen Mann im Gefängnis sitzen, der nichts anderes tut, als aus Liebe zu Christus zu predigen. Und er sitzt dort mit zerrissenem Herzen.
Die Verbindung von Christsein und Leiden
Nun, warum diese steile Einleitung? Weil wir verstehen müssen, dass Christsein und Leiden zusammengehören.
Christsein und Leiden gehören im Kontext der Geschichte untrennbar zusammen. Vielleicht denkt ihr jetzt: „Ach, ich hätte lieber heute süßere Worte.“ Und ich will euch sagen, die kommen gleich. Ja, sie kommen gleich, denn Petrus will nicht drücken, sondern Mut machen angesichts der Realität dieser Gedanken, die ich eben entfaltet habe.
Petrus will denjenigen, die ohnehin schon leiden, nicht noch ein schlechtes Gewissen machen. Vielmehr will er ihren Blick auf etwas richten, das ihre Herzen erhebt – hin zu Christus. Petrus wird, wie wir gleich sehen werden, nicht schreiben: „Ihr Christen, ihr werdet komfortabel leben.“ Stattdessen macht er Mut, aber auf eine andere Weise.
Der Mut, den Petrus macht, besteht darin, dass er die Ewigkeit für die leidenden Christen groß macht. Er bereitet sie darauf vor, dass sie sich eines Tages freuen werden – mit einer Freude, die sie hier auf Erden gar nicht kennen. Er gibt ihnen Hoffnung im Leiden.
Deshalb habe ich den Titel auch so gewählt: „Was dir in deinem Leiden Hoffnung gibt.“ Nicht die Hoffnung, wie wir sie in der Kirchengeschichte hatten, als es hundert Jahre lang „alles gut“ und komfortabel war. Diese Hoffnung hatten die leidenden Christen damals nicht. Aber es gibt eine andere Hoffnung, die wirklich trägt.
Wir wollen nun sehen, was Petrus in den Stürmen des Lebens zu sagen hat.
Auslegung von 1. Petrus 1,1-9: Hoffnung und Freude trotz Leid
Schaut mit mir in 1. Petrus Kapitel 1, die Verse 1 bis 9. Im Grunde werden wir die Verse 3 bis 9 betrachten.
Ich lese ab Vers 1: 1. Petrus 1,1-9. Dort schreibt Petrus, der Apostel Jesu Christi, an die Fremdlinge in der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kappadokien, Asien und Bithynien, die auserwählt sind gemäß der Vorsehung Gottes, des Vaters, und der Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi.
Gnade und Friede werde euch mehr und mehr zuteil.
Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat – wohin? Zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten. Zu einem unvergänglichen, unbefleckten und unverwüstlichen Erbe, das im Himmel für uns aufbewahrt wird.
Wir, die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben, erwarten das Heil, das bereit ist, offenbar zu werden in der letzten Zeit.
Dann, liebe Christen, dann – nicht jetzt – werdet ihr euch jubelnd freuen.
Wenn ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es sein muss, traurig seid in mancherlei Anfechtung, dient das dazu, dass die Bewährung eures Glaubens sehr viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird.
Lob, Ehre und Herrlichkeit werden euch zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi.
Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt; an ihn glaubt ihr, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht.
Über ihn werdet ihr euch in der Zukunft jubelnd freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.
Wann? Wenn ihr das Endziel eures Glaubens erreicht habt – die Errettung eurer Seelen.
Die Bedeutung des Lobpreises und der Hoffnung in den Versen 3-5
Nun wollen wir uns in diesem Text schwerpunktmäßig mit zwei Abschnitten beschäftigen, und zwar den Versen drei bis fünf sowie sechs bis neun.
In den Versen drei bis fünf sehen wir einen typischen Lobpreis. Man könnte hier jedes Wort genau analysieren, doch ich möchte betonen, dass wir diesen Lobpreis nur dann richtig verstehen und einordnen können, wenn wir ihn im Kontext betrachten.
Warum ist das wichtig? Die Verse drei bis fünf sind keine bloße Aneinanderreihung geistlicher Segnungen, die man isoliert betrachtet und sich dann in Details verliert. Diese Verse haben ein Ziel. Wisst ihr, was das Ziel dieses Lobpreises ist? Es steht im Vers sechs.
Die Verse drei bis fünf sollen in dir eine Hoffnung wecken. Aufgrund dieser Segnung wirst du dich später jubelnd freuen. Dieses Ziel dient dazu, dir Hoffnung zu geben, falls du gerade eine traurige Phase durchmachst.
Der historische Kontext ist hier entscheidend: Es geht um Verfolgung, um Verluste und Leid. Die Verse drei bis fünf sollen den Gemeinden Hoffnung schenken, dass eine Zeit kommen wird – wie in Vers sechs beschrieben – in der du dich jubelnd freuen wirst.
Ich weiß nicht, wer gestern den letzten Bundesligatag verfolgt hat, aber für Bayern lief es nicht so gut. Daher nehme ich ein Beispiel aus der Vergangenheit, etwa die WM 2014. Stellt euch vor: Im letzten Spiel ist alles ganz knapp, und die Deutschen schießen in den letzten Minuten das entscheidende Tor.
Was passiert dann im Stadion? Die Menschen springen auf, jubeln und freuen sich. Nicht nur dort, auch an Public-Viewing-Bildschirmen und überall auf der Welt. Die ganze Welt freut sich, dass Deutschland gewonnen hat – zumindest fast alle, außer vielleicht Brasilien.
Unabhängig davon möchte ich mit diesem Beispiel verdeutlichen: Wisst ihr, was es bedeutet, sich jubelnd zu freuen? So könnt ihr euch vorstellen, wie ein Stadion jubelt und sich freut. Und Petrus sagt hier: Jetzt habt ihr Traurigkeit, es ist schwer für euch. Aber die Hoffnung ist, dass einmal Freude kommen wird – ein jubelndes Freuen, wie im Stadion, und noch viel reiner und besser.
Diese Hoffnung soll euch Mut machen, euren Blick vom Hier und Jetzt auf das Kommende richten lassen. Die Hoffnung, die Petrus hier vermittelt, richtet sich an verfolgte Christen oder diejenigen, die wissen, was bald kommen wird. Sie haben gehört, was in Rom passiert ist: Christen wurden getötet, gefoltert, enteignet, Familien wurden getrennt – es ist eine schlimme Zeit.
Petrus sagt: Ja, es ist eine Anfechtung, und sie bringt Traurigkeit. Aber schaut in die Zukunft, was passieren wird, wenn Christus euch holt, so wie es in Vers neun heißt: Wenn ihr das Endziel eures Glaubens erreicht, werdet ihr euch einmal jubelnd freuen.
Die Hoffnung, die Petrus hier gibt, ist nicht, dass das Leid und die Traurigkeit auf der Erde enden werden. Das ist nicht die Botschaft. Die Hoffnung liegt in der Ewigkeit, in der Zukunft, in der wir einmal jubeln werden.
In den Versen drei bis fünf lobt Petrus Gott unter Druck. Er kann nicht anders, als Gott zu preisen. Wofür? Dafür, dass Gott der Vater uns aufgrund seiner Barmherzigkeit wiedergeboren hat. So steht es in Vers drei: Zu was? Um uns eine lebendige Hoffnung zu geben.
Eine lebendige Hoffnung – das klingt zunächst abstrakt und wenig greifbar. Aber wenn ihr den Kontext bedenkt, in dem Christen angesichts des Todes stehen, wird es klar. Petrus sagt: Liebe Christen, auch wenn ihr sterbt, habt ihr eine lebendige Hoffnung, die nicht sterben wird. Er hat uns wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung.
Liebe Christen, egal was euch passiert, ihr werdet bewahrt, um dieses Endziel zu erreichen. Eine Hoffnung, die lebendig bleibt, selbst wenn wir sterben. Das ist das Fundament in dieser Drucksituation.
Was Petrus in Vers vier macht, ist Mut machen. Er schreibt: Liebe Christen, Gott hat euch ein Erbe im Himmel aufbewahrt, und das soll euch durchhalten lassen.
Was ich an Vers vier spannend finde, ist die Beschreibung, dass dieses Erbe – dieser Reichtum, dieses Geschenk, das Gott den Christen bereithält – aufbewahrt wird. Seht ihr das? Petrus macht ihnen klar: Euer Erbe wird im Himmel für euch aufbewahrt.
Wenn wir das in den Kontext stellen: Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem Verfolgung herrscht. Wo jederzeit dein Erbe, das du von deinen Eltern bekommst, beschlagnahmt werden kann. Wo du heute reich sein kannst und morgen ein Bettler auf der Straße bist. Das war damals eine reale Gefahr.
Petrus sagt nicht: Liebe Christen, Gott wird euer Hab und Gut hier auf der Erde bewahren. Das sagt er nicht, und wahrscheinlich ist es auch nicht so passiert. Aber er sagt: Liebe Christen, Gott im Himmel bewahrt euch dieses Erbe auf. Niemand wird es antasten, kein Rost und keine Motten werden es verderben.
Wir loben Gott, der uns wiedergeboren hat zu dieser lebendigen Hoffnung, der auf unser Erbe aufpasst und es aufbewahrt. Ich kann euch nicht versprechen, dass eure Güter hier auf der Erde bleiben. So viel Mut kann ich euch heute nicht geben.
Aber was Petrus sagen kann, ist: Gott bewahrt es euch auf. Vers vier sagt, es wird nicht verrosten wie ein Auto, sondern es ist unvergänglich.
Ich weiß nicht, ob ihr Autos mögt, aber ist es nicht so, dass alles seinen Glanz verliert? Man kauft sich einen coolen BMW, findet ihn heute noch toll, aber der Glanz geht mit der Zeit verloren. Alles auf dieser Erde ist so: Es geht wie Sand durch unsere Finger. Es kann uns kurz erfreuen, vergeht aber wieder.
Petrus sagt: Euer Erbe wird niemals verwelken.
Ich habe meiner Frau kürzlich zum vierten Mal in unserer Ehe Blumen mitgebracht – in zehn Jahren. Sie hat sich sehr gefreut, aber auch erst einmal ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich die Blumen an der Tankstelle gekauft habe. Liebe Familie Stecher, ihr werdet nicht durch mich reich.
Worauf will ich hinaus? Es war eine riesige Freude für meine Frau, aber wie lange hält sie? Spätestens bis die Blumen verwelken.
Das ist es, was Petrus hier sagt: Das, was Christus für dich, lieber Christ, aufbewahrt, wird nicht verwelken. Es wird niemals seinen Glanz verlieren. Du wirst dich am ersten Tag im Himmel nicht mehr darüber freuen als zehntausend Jahre oder eine Ewigkeit später. Es wird nicht verwelken, nicht von Motten oder Rost gefressen.
Petrus macht Mut: Lieber Christ, du verlierst alles hier auf der Erde, aber im Himmel bewahrt der Herr selbst das Ganze auf. Was Gott dir im Himmel aufbewahrt, ist unverderblich. Dieses Erbe wird niemals seinen Glanz verlieren.
Das ist es, was Jesus meinte, als er sagte: Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motten und Rost sie fressen, wo Diebe einbrechen und stehlen, oder die Schergen von Nero. Sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo der Herr selbst dieses Erbe für euch aufbewahrt – in einem Safe, den niemand knacken kann und niemand beschlagnahmen kann.
Dieses Erbe, das Petrus in den ersten Versen vor Augen malt, soll welche Frucht in uns bewirken? Vers sechs gibt darauf eine Antwort.
Ich verweise auch auf Römer 8,17-18. Dort steht: Wenn wir Gottes Kinder sind, sind wir auch Erben Gottes, Miterben Christi. Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mitverherrlicht. Paulus schreibt, er sei überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden wird.
Das ist derselbe Gedanke wie bei Petrus im ersten Brief, wo er schreibt: Dann werdet ihr euch jubelnd freuen, die ihr jetzt eine Zeit lang Traurigkeit habt. Ein und derselbe Gedanke.
Der Sinn von Leid und die Prüfung des Glaubens (Verse 6-9)
Und damit wollen wir zum zweiten kurzen Abschnitt kommen, den Versen sechs bis neun. Dabei wollen wir auch verstehen, welches Ziel diese Traurigkeit hat.
In den ersten Versen haben wir gesehen, dass Petrus ein Mutmacher ist. Er will den Leuten einfach Hoffnung geben – eine Hoffnung, die in der Ewigkeit bereitliegt und tatsächlich tragen kann. Ich glaube, wenn diese Christen damals in der Verfolgung und all der Traurigkeit den Blick erheben konnten und sagten: „Christus, bitte komme bald!“, dann konnten sie diese Hoffnung spüren. Sie wollten zu ihm, sie wollten dieses Erbe antreten. Das gibt Hoffnung.
Dieser Blick im Glaubensleben ist entscheidend – nicht das Schauen auf die gegenwärtige Situation, die Traurigkeit bringt. Im Glaubensleben ist die Hoffnung auf das, was noch kommen wird.
Was Petrus nun in den Versen sechs bis neun weitermacht, ist, dass er uns ein Stück weit mitnimmt und den Sinn von Leiden in diesem Zusammenhang erklärt. Kapitel vier macht das noch einmal sehr deutlich. Er hilft uns, den Sinn dahinter zu verstehen. Wenn man Dinge verstehen kann, fällt es leichter, sie einzuordnen.
Ich beginne mit einem Zitat: „Leid geschieht nicht zufällig oder durch den Willen des Menschen, sondern durch den Willen und die Bestimmung Gottes.“ Was für ein Satz! Leid geschieht also nicht zufällig, sondern durch Gottes Willen und Bestimmung.
Wenn wir nun in die Verse sechs und sieben schauen, stellen wir uns die Frage: Warum muss es in Vers sechs Traurigkeit geben? Warum kommen Anfechtungen, warum kommt Leid? Die Antwort steht in Vers sieben, der mit dem Wort „damit“ beginnt.
Vers sieben beschreibt uns den Zweck und das Ziel: Durch den Prozess der Traurigkeit wird unser Glaube erprobt. Am Ende wird Gott uns loben und ehren, wenn wir in diesen schwierigen Momenten unseres Lebens an Christus festhalten. Gott prüft im Leiden unseren Glauben.
Das Ganze soll Mut machen. Wir haben das schon von Petrus verstanden. Es ist so leicht, christlichen Glauben zu leben, wenn wir Glauben als etwas verstehen, das unser Leben auf der Erde einfacher machen soll. Aber wenn wir in 1. Petrus 4,1 schauen, entfaltet sich der ganze Gedanke, warum diese Leiden auch kommen und welches Ziel Gott damit verfolgt.
In 1. Petrus 4,1 heißt es: „Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat, wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung.“ Wappnen heißt, diese gleiche Einstellung anzunehmen. Dann beschreibt er weiter: Wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen.
Man sieht hier einen Zusammenhang zwischen Leiden und einer gewissen Heiligung, einem Werk Gottes, bei dem er im Leiden formt. Wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen und hat dieselbe Gesinnung wie Christus.
Wappnen heißt in 1. Petrus 4,1, dieselbe Einstellung anzunehmen, die Christus hatte. Als Christen gehört Leiden dazu. Wir wollen es nicht, wir wünschen es uns nicht – und ich wünsche es mir auch nicht. Aber es ist eine Tatsache der Kirchengeschichte, dass Leiden zum Christentum dazugehört.
Warum? Kapitel 1, Vers 7 sagt: Weil Gott selbst dieses Leiden benutzt, um unseren Glauben zu erproben. In Vers 7 nimmt Petrus das Beispiel von Gold, das durchs Feuer erprobt wird. Wir kennen diese Bilder: Gold wird durchs Feuer gereinigt, so dass Schlacke und alles, was Dreck ist, sich vom eigentlichen Gold trennt.
Frage: Was passiert mit deinem Glauben, wenn Gott dich durch Leid gehen lässt? Zuerst wird geprüft, ob er wirklich echt ist. Und wenn er echt ist, arbeitet Gott während des Leidens an deinem Glauben und macht ihn stärker.
Wie gesagt, in Vers sieben ist das Bild vom Feuer, das das Gold schmilzt und von Schlacke trennt. In Kapitel vier, Vers eins heißt es: „Wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen.“ Unbrauchbares Material wird weggenommen – das Ganze ist ein Feuerofen Gottes. Das ist ein starkes Bild dafür, wie Gott an unserem Glauben arbeitet.
Was passiert noch mit Gold, wenn es heiß wird? Es schmilzt. Es wird flüssig und formbar. Was kann man mit flüssigem Gold machen? Man kann es in Formen gießen. Im Feuerofen kann man es in Formen gießen.
Was passiert, wenn das Gold dann wieder abkühlt? Es wird hart und behält die Form, die es im Feuerofen bekommen hat. Versteht ihr das Bild? Es wird formbar, und wenn der Feuerofen vorbei ist, behält das Gold die Form, die es angenommen hat.
Das heißt: Wenn Gott uns oder hier im ersten Petrusbrief die Gemeinden in den Feuerofen Gottes bringt, dann tut er das, um den Glauben zu formen.
Das ist eine ziemlich harte Aussage, aber in diesem gedanklichen Kontext müssen wir auch Kapitel 4, Vers 19 lesen. Jedes Kapitel geht auf Leid ein, und in Kapitel 4, Vers 1 haben wir schon gesehen, dass wer im Fleisch gelitten hat, mit der Sünde abgeschlossen hat.
In Kapitel 4, Vers 19 heißt es: „So seid nun auch ihr bereit, die nach dem Willen Gottes leiden, ihre Seelen dem treuen Schöpfer anzuvertrauen.“ Das bedeutet, dass wir den Herrn um Rettung aus der schwierigen Situation bitten, in der die Gemeinden waren. Er soll uns durchtragen.
Gleichzeitig sollen wir verstehen, dass der souveräne Gott Ziele verfolgt, die wir jetzt vielleicht noch nicht ganz verstehen können. Aber über die werden wir uns einmal jubelnd freuen, so steht es in Kapitel 1.
Liebe Christen, in Kapitel 4, Vers 19 heißt es: Wir leiden nach Gottes Willen. Wir müssen keine Angst haben.
Warum wir keine Angst vor Leiden haben müssen
Liebe Christen, wir leiden nach Gottes Willen, aber wir müssen keine Angst haben. Warum müssen wir keine Angst haben? Aus zwei Gründen. Ich möchte sie euch vorlesen. Der erste Punkt stammt aus Zitaten, viele davon von Charles Spurgeon.
Wir müssen keine Angst haben aus zwei Gründen. Erstens bestimmt Gott das Maß und erlegt uns nicht mehr auf, als wir tragen können. Spurgeon schreibt: „Göttliche Weisheit reguliert die Hitze. Bedrängnis kommt nicht von ungefähr, die Stärke eines jeden Schlages mit der Rute ist genau bemessen. Wir können nicht zu viel leiden oder zu spät davon erlöst werden. Das Messer des himmlischen Arztes schneidet nie tiefer als absolut notwendig. Wenn wir bedenken, wie eigenwillig wir sind, ist es ein Wunder, dass wir nicht schwerer gezüchtigt werden.“
Der erste Gedanke, den Spurgeon uns hier vermittelt, ist also, warum wir keine Angst haben müssen: Weil Gott ganz genau das Maß in seiner Hand hat. Er wird nicht mehr oder weniger geschehen lassen, als es in seinem weisen Plan vorgesehen ist.
Zweitens müssen wir keine Angst haben, weil Petrus unseren Blick auf die Ewigkeit richtet. Schauen wir noch einmal in den Hauptbibeltext aus 1. Petrus 1,3-9 und sehen wir, wie oft Petrus uns an die zukünftige Freude erinnert.
Das erste Mal steht in Vers 6: „Ihr werdet euch einmal jubelnd freuen, wie die Spieler im Stadion, die aufspringen und von ganzem Herzen jubeln.“ Der zweite Hinweis steht in Vers 8: „Wenn wir Christus sehen, werden wir uns jubelnd freuen mit einer Freude, die man nicht in Worte fassen kann. Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt, an ihn glaubt ihr, obwohl ihr ihn nicht seht. Und über euch werdet ihr euch jubelnd freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.“
Unaussprechliche Freude ist eine Freude, die man selbst nicht beschreiben kann. Es ist eine Freude, die man vielleicht noch gar nicht kennt. Das Einzige, wie Petrus versucht, sie zu beschreiben, ist, indem er sagt: Sie ist unaussprechlich.
Was für ein Mut das ist, gerade in einer Welt, in der alles an einem seidenen Faden hängt. Die Christen damals sahen am Horizont große Gefahr. Unsere Glaubensgeschwister in Rom haben viel erlitten, und es kann uns jetzt an den Kragen gehen. Was für ein Mut von Petrus, diesen Blick einfach auf die Ewigkeit zu lenken.
Man spürt in diesem Text die Spannung zwischen dem Hiersein und dem Dortsein. Dieser Text kann erdrückend sein, aber er ist auch ehrlich und möchte uns ermutigen. Wie? Indem wir aufhören, unsere Hoffnung auf die jetzige Zeit zu setzen.
Das ist letztendlich, was Petrus versucht: Aufhören, die Hoffnung auf die jetzige Zeit zu setzen, sondern als Pilger das Ziel haben, in die Freude einzutreten, die Jesus für uns bereithält.
Tatsächlich ist es ein ermutigender Text in einem erdrückenden Kontext.
Abschlussgedanken zur Hoffnung im Leiden
Letztes Zitat: Alles, was mich dazu bringt, Gott zu brauchen, ist ein Segen. Alles, was mich dazu bringt, mein Leben stärker auf Gott auszurichten, ist ein Segen. Und damit schließlich Amen.
