Zum Inhalt

Gottes Sühneopfer

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 14/33
18.05.2025Römer 3,25
SERIE - Teil 14 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Warum opfert Gott seinen Sohn freiwillig und was bedeutet das für dich heute? Jesus ist das Sühnopfer, das Gottes Zorn über unsere Sünde stillt – nicht aus Zwang, sondern aus Liebe. Dieses Opfer ist zentral für Rechtfertigung, Erlösung und Versöhnung. Wie wirkt das vergossene Blut Jesu in deinem Leben? Es wird wirksam durch deinen Glauben. Kannst du dich wirklich auf dieses Opfer verlassen – auch wenn dein Leben nicht perfekt ist?

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Wir setzen heute unsere Arbeit im Römerbrief fort und sind nun im dritten Kapitel angekommen. Ich lade euch ein, gemeinsam zu stehen. Heute betrachten wir nur einen halben Vers etwas genauer. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden wir noch lange Freude am Römerbrief haben.

Es geht um Römer 3,25a: „Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut.“

Noch einmal: „Ihn“ – damit ist Jesus gemeint. Gott hat ihn zum Sühnopfer bestimmt, das durch den Glauben an sein Blut wirksam wird. Amen.

Nehmt gerne Platz.

Die Einzigartigkeit des freiwilligen Opfers

Es gibt kaum Berichte darüber, dass ein Vater sein Kind freiwillig zugunsten anderer sterben lässt. Dies mag in Extremsituationen, wie Katastrophenfällen, vorkommen, ist aber nicht gewöhnlich.

In solchen expliziten Nöten kann es sein, dass ein Vater sich entscheiden muss, welches seiner Kinder er rettet und welches er sterben lässt. Doch dies geschieht in der Regel immer aus großer Not heraus. Beim japanischen Tsunami-Unglück im Jahr 2011 gab es Berichte von Vätern, die versuchten, mehrere Menschen – seien es ihre Kinder oder andere Familienangehörige – zu retten, aber dabei ihr eigenes Kind nicht mehr rechtzeitig erreichen konnten. Das ist eher ein tragisches Scheitern als ein gezieltes Sterbenlassen zugunsten anderer.

Unser Bibeltext zeigt uns Gott den Vater, der seinen Sohn freiwillig opfert, um dich zu bergen. Der Vater stand unter keiner Verpflichtung und keinem Zwang, dies zu tun. Sondern er tat es aus freien Stücken und nur aus Liebe.

Dieser Umstand ist fast zu groß, als dass wir ihn verstehen könnten. Wir haben heute Morgen in den Liedern diesen Opfertod Jesu am Kreuz besungen. Wir werden die gesamte Ewigkeit dieses Opfer Jesu nicht vergessen. Es wird für uns immer wieder neu großartig sein, dass Christus uns am Kreuz erlöst hat.

Die theologische Bedeutung des stellvertretenden Opfers

Die liberale Theologie lehnt das stellvertretende Sühneopfer Jesu Christi ab. Die Vorstellung, dass Gott den Tod seines Sohnes braucht, um versöhnt zu sein, erscheint dieser Strömung als unvereinbar mit einem liebenden Vater.

Auch in der christlichen Friedensethik ist man meist der Ansicht, es sei göttliche Gewalt anzunehmen, dass Gott der Vater seinen Sohn als Opfer benötigt. Deshalb lehnt man das Sühnopfer Jesu ab.

Der stellvertretende Sühnetod Christi ist jedoch ein zentraler Bestandteil des Evangeliums und zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Heilige Schrift. Die Bibel sagt im 1. Johannes 2,2: „Und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden.“

Im Hebräerbrief 10,10 heißt es: „Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt durch die Opferung des Leibes Jesu Christi, und zwar ein für allemal.“ Auch unser Predigttext heute Morgen lehrt uns, dass Gottes Sühneopfer Jesus Christus ist.

In unserem Text sehen wir erstens, dass dieses Sühnopfer festgelegt ist. Noch einmal: Der Text sagt, dass Gott ihn zum Sühnopfer bestimmt hat, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut. Die Luther-84-Übersetzung lautet: „Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne.“

Es war also keine Verlegenheit, in die der Vater geriet, weil er keinen Ausweg wusste. Nein, in der Pfingstpredigt macht Petrus dies deutlich und unmissverständlich klar. Er sagt: „Jesus, der nach Gottes festgesetztem Ratsschluss und Vorsehung dahingegeben worden war, den habt ihr genommen und durch die Hände der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet.“

Die Motivation hinter dem Opfer: Liebe und Einigkeit in der Dreieinigkeit

Warum tat Gott dies? Warum opfert der Vater seinen Sohn? Antrieb dieses Handelns ist Liebe.

 1. Johannes 4,10 ist die Definition, können wir fast sagen, der Liebe, denn darin steht die Liebe: Nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden. Liebe war die Motivation.

Wir müssen jedoch vorsichtig sein und dürfen nicht meinen, es sei allein ein Ratschluss des Vaters gewesen, dem sich der Sohn am Ende widerwillig unterordnete. Nein, Jesus willigte nicht widerwillig ein, sondern ließ sich bereitwillig vom Vater senden. Auch auf Erden beugte er sich dem ewigen Ratschluss und betete: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Der Prophet Jesaja macht deutlich, dass dies ohne Zwang geschah: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.“

Das Sühnopfer Jesus Christus ist also von Gott bestimmt, gesetzt, aus Liebe und in vollkommener Übereinstimmung der Dreieinigkeit. Gottvater, Gottsohn und Gottheiliger Geist waren sich eins in dieser Sendung des Sohnes und in der Opferung des Unschuldigen – für dich und für mich.

Die Notwendigkeit des Sühnopfers angesichts der menschlichen Schuld

Nun, über mehrere Seiten hinweg hat Paulus im Römerbrief bisher gezeigt – und wir erinnern uns an den Kontext –, dass der Mensch ohne Gott durch und durch verdorben ist. Wir werden hoffentlich nie vergessen, mit welchem Nachdruck der Apostel uns das immer wieder vor Augen gemalt hat.

Der Mensch ohne Gott ist mit Schuld beladen, und keines seiner Werke reicht aus, um mit Gott versöhnt zu sein. Kurz vor unserem heutigen Text, in Vers 23, schreibt Paulus: „Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten.“ Paulus erklärt uns hier im Kontext, dass es zwei Dinge gibt, die uns von Gott trennen.

Das eine ist unsere Sünde, das andere sein Zorn. Einerseits stehen wir unter der Macht der Sünde und können uns von ihr nicht befreien. Andererseits stehen wir unter Gottes Zorn und können uns von ihm und seinem Gericht nicht aus uns selbst heraus erlösen.

In Kapitel 1, Vers 18 schreibt Paulus: „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel herab über die Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen.“ Gottes Zorn gleicht aber nicht dem willkürlichen Zorn heidnischer Götter. Dennoch ist es ein echter, ein wahrer Zorn. Denn Gott ist gerecht, er hasst die Sünde und muss sie strafen.

Um seine Gerechtigkeit nicht zu verlieren, muss deshalb unsere Sünde gesühnt werden. Sühnung bedeutet, dass die Strafe Gottes, sein Zorn, abgewendet und gestillt werden muss. Sühnung bedeutet auch, dass unsere Schuld überdeckt wird.

In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, bedeutet das Sühnopfer, was Paulus hier in Vers 25 erwähnt, auch Sühnedeckel oder Gnadenstuhl. Er ist bestimmt zum Sühnedeckel.

Das Bild des Sühnedeckels und die Erfüllung im Opfer Christi

Ratter, ratter, ratter – wir erinnern uns. Ja, Predigtreihe zweiter Mose: Bundeslade, der Kasten mit Gold überzogen. In diesem Kasten, der Lade, befinden sich die zehn Gebote, die zwei Tafeln. Auf dem Kasten liegt der Deckel, der Sühnedeckel.

Zwei Cherubim aus Gold, gebeugt über dieser Lade, zeigen an, dass die Bundeslade im Allerheiligsten der Stiftshütte die Gegenwart Gottes repräsentiert. Er schaut auf die Forderung der Gebote.

Aber weil wir aufgrund unserer Sünde diese Gebote gebrochen haben, liegt Strafe auf den Übertretern: nämlich der Tod. Der Lohn der Sünde ist der Tod.

Was musste geschehen? Einmal im Jahr kam der Hohepriester und brachte ein Opfer. Symbolisch legte er die Sünden des Volkes auf dieses Opfer, das geschlachtet wurde. Es gab sein Leben als Sühnung für die Sünden des Volkes.

Der Priester tauchte den Usop in das vergossene Blut des zunächst fehlerlosen Lammes, das nun behaftet war mit der Schuld derer, die es als Sühnung annehmen. Einmal im Jahr ging er in das Allerheiligste und besprengte den Sühnedeckel.

Der Sühnedeckel war die Bewahrung des Volkes vor dem Zorn Gottes. Einmal im Jahr war diese Tat notwendig. Jahr für Jahr wurde dieses Ritual durchgeführt.

Natürlich lehrt uns der Hebräerbrief, dass das Blut von Tieren keine Sünden nehmen kann. Und doch brauchte es die Opferung eines Lammes, das stellvertretend für die Sünder starb.

Jetzt kommt Paulus und sagt, dass Gott ihn hingestellt hat als Sühnedeckel, als Schutz vor dem Zorn Gottes, besprengt mit seinem eigenen Blut.

Die ganze Bibel erzählt eigentlich nichts anderes als die Geschichte einer Suche, eines Wartens auf ein Opferlamm, das ein für allemal nicht nur symbolisch, sondern substanziell die Sünden des Volkes sühnt.

Die Erwartung des Opfers im Alten Testament

Als Abraham als Glaubenstest seinen Sohn Isaak opfern sollte, entwickelte sich auf dem Berg Moria, dort oben, eine besondere Unterhaltung. Übrigens ist dies der Ort, an dem Christus später gekreuzigt wurde.

Abraham nahm seinen Sohn, weil Gott zu ihm gesagt hatte: Opfere ihn. Er nahm das Holz und bereitete die Feuerstätte vor. Der Junge war angewiesen, mitzukommen, um geopfert zu werden. Doch irgendwann bemerkte Isaak, dass etwas nicht stimmte. Er fragte seinen Vater: „Mein Vater, hier ist Feuer und hier ist Holz, aber wo ist das Lamm zum Brandopfer?“

Abraham antwortete: „Mein Sohn, Gott wird für ein Lamm zum Brandopfer sorgen.“ Dies ist das Glaubensmotto aller Gläubigen durch das ganze Alte Testament. Es war die Erwartung und die Sehnsucht: Gott wird ein Lamm besorgen.

War es nicht schon bei Adam so? Der Lohn der Sünde ist der Tod. Adam starb nicht physisch, als er aus dem Paradies geworfen wurde. Stattdessen nahm Gott ein Tier, schlachtete es und kleidete Adams Nacktheit mit dem Fell des geschlachteten Tieres. Adam lebte weiter aufgrund eines Opfers.

Wie war es später mit den Israeliten in Ägypten? Sie strichen das Blut eines Passalams an die Pfosten ihrer Eingänge, damit der Würgeengel vorbeiging. Doch die Situation war ihnen klar: Es war nur eine vorübergehende Lösung. Die Frage, die im Raum stand, lautete: Wo ist das Lamm, das uns nicht nur heute aus Ägypten befreit, sondern unsere Schuld für immer tilgt?

Auch David hätte die Frage stellen können: Wo ist das Lamm, das meine Sünden trägt? Er sündigte schwer; Ehebruch und Mord waren seine Vergehen. Als er Buße tat, betete er: „Entsündige mich mit Ysop, so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee.“ Ysop war die Pflanze, die von den Priestern benutzt wurde, um das Blut des Opfers zu sprengen.

Als David also schrieb „Reinige mich mit Ysop“, bat er um Reinigung durch das Blut des Opfers. Aber auch hier steht die Frage im Raum: Wann kommt das Lamm, dessen Blut mich wirklich von meinen Sünden reinigt?

Gott wird für ein Lamm sorgen. Auch die Propheten, wie zum Beispiel Jesaja, warteten auf dieses Lamm, das seinen Mund nicht auftut, das zur Schlachtbank geführt wird. Es ist wie ein Schaf, das verstummt vor seinen Scherern und seinen Mund nicht auftut.

Wo ist dieses Lamm? Gott wird für dieses Lamm sorgen.

Jesus als das endgültige Opferlamm

Als Johannes der Täufer Jesus Christus kommen sah, rief er aus: „Siehe, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.“ Jesus wurde vom Vater dazu bestimmt, das Sühnopfer für deine Sünden zu sein.

Während in heidnischen Religionen die Menschen durch Opfer versuchen, ihre Götter zu besänftigen, liegt hier der absolut entscheidende Unterschied: Gott befriedigt seinen Zorn, seinen gerechten Zorn, durch den Tod seines eigenen Sohnes.

Wer muss besänftigt werden? Das ist eine ganz entscheidende Frage. Es ist nicht der Teufel, der besänftigt werden muss. Wer muss besänftigt werden? Der gerechte und heilige Gott. Denn es heißt, ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt.

Was war die Besänftigung? Gott selbst sorgt für die Besänftigung – und zwar in der Person seines Sohnes. Der Theologe John Stott hat es in seinem Buch „The Cross of Christ“ sinngemäß so ausgedrückt: Gott versöhnt Gott.

Er sieht uns in unserer Rebellion, in unserer Schuld, in unseren Übertretungen. Er sieht unsere Verlorenheit und liebt uns so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Christus ist bestimmt als Opferlamm für deine Sünden. Deshalb glaube an Christus, so wird dir deine Schuld vergeben.

Die Wirksamkeit des Sühnopfers durch den Glauben

Das Sühnopfer ist also erstens von Gott festgelegt; es ist Gottes Lamm, nicht unseres.

Zweitens wird es, wie der Text sagt, wirksam durch den Glauben an sein Blut. Lesen wir noch einmal Vers 25: „Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut.“ Das ist die entscheidende Frage: Wie bekommt dieses Sühnopfer Jesu am Kreuz von Golgatha eine Kraft für mein Leben? Wie übertragen sich die Ereignisse am Kreuz damals auf mich heute, am 18. Mai 2025?

Die Antwort ist der Glaube, wie der Text es deutlich macht. Es heißt hier, dass seine Wirksamkeit durch den Glauben an sein Blut wirksam wird. Nun gibt es Menschen, wie R.C. Sproul, die dem, was durch die Adern Jesu floss, fast einen mystischen Charakter zuschreiben. Sproul wurde einmal von einem aufrichtigen Mann gefragt: Wenn Jesus seinen Finger an einem Nagel aufgerissen hätte, wäre dann das Blut, das er dort vergossen hätte, für die Sühnung ausreichend gewesen?

Die Antwort des Theologen lautete: Nein. Im Blut allein ist keine Mystik. Sproul erklärte, dass Jesus nicht nur bluten musste, sondern sterben, denn die Strafe, die Gott für die Sünde verhängt, ist der Tod. Wenn die Bibel also sagt „durch den Glauben an sein Blut“, bedeutet das wörtlich „durch den Glauben an seinen Tod“.

Verstehen wir das? Wir brauchen nicht auf eine Figur zu warten, die blutweint und zu glauben, das sei besonders heilig. Christi Blut ist vergossen zur Vergebung unserer Sünden, und das heißt, er starb für dich am Kreuz von Golgatha.

Mit anderen Worten: Das Sühnopfer Jesu wird für dich wirksam, wenn du Jesu Sterben und sein vergossenes Blut im Sterben für dich im Glauben annimmst. Für dein Sündenproblem liegt die Hoffnung allein im Glauben an das Lamm Gottes, Jesus Christus.

Das bedeutet, wir müssen eingestehen, dass alle Opfer, die wir bringen, nicht ausreichen, um unsere Schuld zu sühnen. Wir müssen uns auf das Opfer eines anderen verlassen.

Die zentrale Botschaft des Römerbriefes zur Rechtfertigung und Erlösung

Das ist das große Thema des Römerbriefes: Unsere Werke reichen nicht aus. Es braucht das vergossene Blut, den Tod Jesu Christi am Kreuz von Golgatha. Deshalb singen wir: Sein Blut bedeckt meine Schuld, sein Blut macht hell mich und rein.

 1. Johannes 1,7 sagt: Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. Dieser Sühnetod und das vergossene Blut Jesu Christi sind zentral für alles, was unsere Errettung betrifft. Das macht Paulus im gesamten Kontext deutlich.

Er bettet die Sühnung, von der wir in Vers 25a gelesen haben, in unsere Rechtfertigung und Erlösung mit ein. Was meine ich damit? Schau noch einmal in die Bibel, Kapitel drei. Die Sühnung wird eingebettet in die Erlösung und die Rechtfertigung.

In Kapitel 3, Verse 23 bis 25 heißt es: „Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, so dass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.“ Dann folgt unser Vers: „Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut.“

Das bedeutet: Weder unsere Rechtfertigung noch unsere Erlösung oder die Sühnung unserer Sünden kann losgelöst vom vergossenen Blut Jesu am Kreuz von Golgatha erfolgen. Es ist wichtig, dass wir das verstehen.

Wenn wir uns in einer Debatte befinden, auch theologischer Natur und vielleicht gerade etwas technisch, kommen wir später noch zur Anwendung – was das für dich bedeutet. Aber es ist wichtig, dass wir daran festhalten.

In einer Zeit, in der das Sühneopfer Jesu Christi abgelehnt wird, müssen wir deutlich sagen: Wenn wir den Sühnetod Jesu verleugnen, dann gibt es weder Rechtfertigung noch Erlösung.

Wir haben in den letzten Wochen gelernt, dass die Rechtfertigung ein Begriff aus der Juristerei ist. Wir stehen als Angeklagte vor Gott. Er hält uns unsere Übertretungen und Sünden in detaillierter und klarster Weise vor.

Wir stehen als Angeklagte vor ihm und können die von ihm geforderte Gerechtigkeit nicht vorweisen. Unsere eigene Gerechtigkeit, die wir ins Spiel bringen, ist keine echte Gerechtigkeit – höchstens Selbstgerechtigkeit – aber diese reicht nicht aus.

Wir brauchen die Gerechtigkeit eines anderen, der vollkommen unschuldig ist und alle Gebote Gottes vollumfänglich erfüllt hat. Wer ist das? Es ist Jesus, das Lamm Gottes.

Durch den Glauben an seinen Tod am Kreuz und damit an sein vergossenes Blut rechnet er uns seine Gerechtigkeit zu. Wir werden nicht gerechtfertigt ohne das vergossene Blut Jesu Christi am Kreuz.

Der Römerbrief macht das später deutlich, in Kapitel 5, Vers 9: „Wie viel mehr nun werden wir, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt worden sind, durch ihn vor dem Zorn errettet werden?“

Nimmst du den Sühnetod Jesu weg, streichst du die Rechtfertigung aus der Bibel. Das tun wir nicht, weil die Bibel es nicht tut. Amen!

Jesus Christus hat sein Blut am Kreuz stellvertretend für dich vergossen, damit du vor Gott in Christus nicht mehr als der schuldige, zu bestrafende Sünder dastehst. Die Strafe liegt auf ihm – und das nur durch sein vergossenes Blut.

Die Erlösung als Befreiung durch das vergossene Blut

Aber nicht nur unsere Rechtfertigung ist untrennbar mit dem vergossenen Blut und dem Sühneopfer Jesu Christi verbunden. Wir sehen diesen Zusammenhang auch im Kontext unserer Erlösung.

Vers 24 spricht von der Gnade, die wir aufgrund der Erlösung haben, die in Jesus Christus ist. Hier haben wir nicht das Bild aus der Justiz, sondern das Bild vom Sklavenmarkt. Du liegst in Ketten deiner Sünde auf diesem elenden Markt, wo ein Stand nach dem anderen ist. Jeder von uns liegt gekettet am Boden, ohne Hoffnung und dem Tod geweiht.

Wir können uns nicht freikaufen. Wir haben keine Mittel und Wege, um in die Freiheit zu gelangen; wir sind bankrott. Gott aber ist sehr reich, um uns loszukaufen. Er bezahlt stellvertretend den Preis für uns. Was ist die Währung, die er vorlegt? Sein Blut.

In Epheser 1,7 heißt es: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen nach dem Reichtum seiner Gnade.“

 Apostelgeschichte 20,28 sagt: „So habt nun acht“, sagt Paulus den Ältesten von Ephesus, „und habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.“

 1. Petrus 1,18 betont: „Denn ihr wisst ja, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut des Christus als eines makellosen und unbefleckten Lammes.“

Die Rechtfertigung hängt an dem vergossenen Blut der Sühnung Christi am Kreuz. Deine Erlösung hängt am vergossenen Blut Jesu Christi am Kreuz. Und natürlich ist deine Sühnung, von der wir sprechen, nur durch Jesus Christus und sein vergossenes Blut am Kreuz für dich möglich.

Gottes gerechter Zorn über die Sünde führt dazu, dass jede Seele sterben muss. Doch um dem Gericht Gottes zu entkommen, muss unsere Schuld gesühnt werden. Sie muss auf einen Stellvertreter gelegt werden, der sein unschuldiges Blut für uns vergießt. Und das tat Jesus.

Darum heißt es in unserem Vers: „Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut.“

Die Erfüllung des alttestamentlichen Opferrituals in Christus

Damals mussten die Hohenpriester einmal im Jahr in das Allerheiligste eintreten, um für das Volk Sühnung zu erwirken. Es war notwendig, immer wieder ein makelloses Tier zu opfern, um mit dessen Blut den Sühndeckel der Bundeslade zu besprengen.

Diese Symbolik, die die Israeliten im Glauben annahmen, fand ihre Erfüllung in Jesus Christus. Gott hat ihn als Sühnopfer vor den Augen der ganzen Welt hingestellt. Hebräer 9 macht dies sehr deutlich, besonders in den Versen 11 bis 14:

Als aber der Christus kam als ein hoher Priester der zukünftigen Heilsgüter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt eingegangen, das nicht mit Händen gemacht ist, das heißt, nicht von dieser Schöpfung. Er ist auch nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt.

Denn wenn das Blut von Stieren und Böcken und die Besprengung mit der Asche der jungen Kuh die Verunreinigten heiligt zur Reinheit des Fleisches, wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dienen könnt?

Aus diesem Vers lernen wir, dass weder unsere Rechtfertigung noch unsere Erlösung oder Versöhnung mit Gott möglich wäre, wenn Jesus Christus als das fehlerlose Lamm Gottes nicht sein Blut vergossen hätte. Wir sind gerechtfertigt durch sein Blut, wir sind erlöst durch sein Blut, wir sind versöhnt durch sein Blut – und sein Blut steht für seinen Tod am Kreuz.

Gott hat ihn zum Sühnopfer bestimmt, das durch den Glauben an sein Blut wirksam wird. Was bleibt dir zu glauben? Zu vertrauen, dass Jesus Christus auch deine Schuld mit ans Kreuz genommen hat. Bring sie ihm, und du wirst Vergebung erfahren. Deine Sünden werden von ihm gesühnt.

Der Segen des Sühnetodes Jesu für das Leben der Gläubigen

Zum Schluss, drittens: Der Segen des Sühnetodes Jesu.

Welche Auswirkungen hat das alles auf das Leben der Kinder Gottes? Einige davon sind:

Es gibt dir eine tiefe Sicherheit. Wenn Gott der Vater sich selbst ein Opfer bereitet, spricht er dir Trost und Vergebung zu – unabhängig von deiner Leistung und Frömmigkeit. Das macht den absoluten Unterschied aus. Die heilsame Botschaft des Evangeliums lautet: Jesus hat es für dich getan, was du selbst nie hättest tun können.

Kürzlich hörte ich wieder von einem Glaubensbruder, der im Alter durch große gesundheitliche und familiäre Nöte geht. Er ist ein Kind Gottes, solange ich ihn kenne. Doch jetzt, wo die Not so groß ist, stellt er die Frage: Ist das vielleicht die Strafe Gottes für meine Verfehlungen?

Wenn wir unser Leben anschauen, liegt es nahe, diese Frage zu stellen. Schau dich ehrlich an, blicke auf dein Leben zurück, wenn du schon zurückblicken kannst und nicht zu jung bist. Auch wenn du jung bist, schau dir die Tage an, die du schon gelebt hast. Wer von uns kann sich hinstellen und sagen: „Was ich hier gebracht habe, reicht schon aus“? Niemand von uns.

Viele Christen tragen Schuldgefühle – ich spreche von lebendigen Gotteskindern. Sie tragen Schuldgefühle und sogar Vorwürfe mit sich herum. Sie sind gequält von der Ungewissheit, ob die eine oder andere Lebenssituation, in der sie sich jetzt befinden, vielleicht doch Strafe Gottes sei, mit der sie die Schulden, die bei Gott angehäuft wurden, abbezahlen müssen.

Das Sühneopfer Jesu spricht dir zu: Gott selbst hat sich um deine Schuld gekümmert. Keine Sünde ist zu groß, und keine Vergangenheit ist zu dunkel, denn das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.

Hör mal! Deine Vergebung wird nicht erarbeitet, sondern empfangen. Das Sühneopfer Jesu entlastet uns vom Gefühl, wir müssten würdig genug sein, um von Gott angenommen zu werden. Es nimmt jeden frommen Leistungsdruck weg.

Der Sühnetod Jesu schenkt uns Gewissheit: Reicht mein Glaube? Bin ich genug? Das Sühneopfer sagt: Christus ist genug. Du bist nicht gerettet, weil du stark glaubst, sondern weil Christus stark ist. Das trägt durch Glaubenszweifel und auch durch Todesangst. Jesus hat bezahlt, und das gilt.

Der Sühnetod Jesu schenkt uns aber auch eine neue Ausrichtung. Durch sein Blut werden wir nicht nur freigesprochen, sondern auch neu geschaffen. Darum heißt es: „Wenn jemand in Christus ist, ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Durch den Kreuzestod Jesu ändert sich auch die Richtung deines Herzens. Es heißt: „Ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib.“ (1. Korinther 6,20) Der Sühnetod Jesu gibt dir nicht nur Gewissheit in Zeiten des Zweifels und der Anfechtung, sondern wird auch zur Motivation für deine Heiligung.

Denn du bist teuer erkauft. Aufgrund der Gnade Gottes, die wirksam in deinem Leben ist, sagst du: Herr, nun will ich dir folgen. Weil wir durch Jesu Kreuz erlöst, gerechtgesprochen und versöhnt wurden, streben wir nach einem heiligen Leben.

Wir streben nicht nach einem heiligen Leben, um den Zorn Gottes zu besänftigen. Und wenn wir versagen, dann kommt der Zorn wieder hoch? Nein! Das allein hat das Lamm Gottes getan.

Weil es kam und dir Vergebung deiner Schuld zusprach und dich losgekauft und erlöst hat, werden wir unsere Leiber als ein Heiligtum Gottes darbringen. Verstehen wir den Unterschied? Es ist keine Moralkeule, die Gott dir über den Kopf brät, sondern es ist gnadenmotiviert.

Deine Heiligung, dein Leben in Christusähnlichkeit, dein Kampf mit der Sünde kann nur erfolgen durch den Sühnetod Jesu Christi, der dir sagt: Ich habe dich mit meinem teuren Blut erkauft und mache dir eine neue Schöpfung in dir.

Nun folgst du ihm mit Freuden und mit dem Blick auf den Erlöser am Kreuz. Das Kreuz und sein Blut sind die Triebkraft unserer Heiligung.

Wenn Jesus also dein Sühnopfer ist, dann hat das Auswirkungen. Du kommst mit deinen Sünden zu ihm, du vertraust, dass das, was er getan hat, reicht. Du tust Buße und lässt dich immer wieder neu ausrichten.

Du führst in der Kraft des Heiligen Geistes und mit dem Blick auf den Gekreuzigten ein Leben zu seiner Ehre.

Und wisst ihr was? Dazu möge Gott uns helfen – dir und auch mir. Und alles Volk sagt: Amen.