
Das Arbeitsverhältnis aus einer anderen Perspektive
Einführung in das Thema Arbeit und ihre Bedeutung im Leben
Ja, das Thema, mit dem wir uns heute beschäftigen möchten, also das Thema der heutigen Predigt, lautet: „Das Arbeitsverhältnis aus einer anderen Perspektive – wofür wir wirklich arbeiten.“
Nun ist es so, dass die meisten von Ihnen in einem Arbeitsverhältnis stehen oder einmal standen. Bis auf die Vorgesetzten unter uns hat fast jeder einen Vorgesetzten. Natürlich sind manche bereits im Ruhestand und hatten früher einen Vorgesetzten. Andere sind noch in der Schule und werden später einen Vorgesetzten bekommen. Es gibt auch Mütter, die gerade Kinder erziehen und somit ein anderes Aufgabengebiet haben. Aber im Grunde kann man sagen, dass fast jeder in einem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer steht. Unter Umständen hat man täglich mehrere Stunden mit seinem Vorgesetzten zu tun.
Der normale Arbeitnehmer befindet sich aufgrund seines Arbeitsverhältnisses in einer Lebenssituation, die einen Großteil seiner Lebenszeit einnimmt. Ich denke, das ist Ihnen allen bewusst: Unsere Arbeit nimmt einen großen Teil unseres Lebens ein.
Deshalb ist dieses Thema – die Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber – so wichtig. Die Bibel beachtet dieses Thema sehr stark. Im Titusbrief und im ersten Timotheusbrief wird beschrieben, dass die Art und Weise, wie wir arbeiten und wie wir unsere Vorgesetzten ehren, die Macht hat, Gottes Lehre, Gottes Wahrheit und Gottes Prinzipien sowie Gott selbst entweder öffentlich zu ehren oder zu verunehren.
Das ist eine unglaublich ernste Wahrheit. Im Titusbrief und im ersten Timotheusbrief wird also deutlich gemacht, dass unser Verhalten bei der Arbeit und im Umgang mit Vorgesetzten direkten Einfluss darauf hat, ob Gott geehrt oder verunehrt wird.
Im Epheserbrief wird dieses Thema weiter ausgeführt. Doch zu Beginn wollen wir kurz diese zwei Stellen aus Titus und Timotheus anschauen, um uns die Ernsthaftigkeit des Themas vor Augen zu führen.
Die biblische Grundlage: Arbeit als Ausdruck der Gottesverehrung
Nun nimmt die Arbeit einen großen Platz in unserem Leben ein. Sie hat die Macht, dass Gott entweder geehrt oder verunehrt wird. Das ist eine biblische Wahrheit.
Die erste Stelle dazu finden wir in 1. Timotheus 6,1. Dort heißt es: „Diejenigen, die als Knechte unter dem Joch sind, sollen ihre eigenen Herren aller Ehre wert halten.“ Zwar wird hier von Knechten und Herren gesprochen, doch wir können diese Begriffe heute mit Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichsetzen. Auch wenn das Verhältnis heutzutage etwas anders ist, lassen sich die biblischen Wahrheiten so auf unsere Situation übertragen.
Warum sollen die Mitarbeiter ihre Vorgesetzten ehren? Damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werden. Das zeigt, wie wichtig das Verhältnis zu unserem Vorgesetzten ist. Es hat die Macht, Gottes Namen entweder zu ehren oder zu verlästern. Eine unglaublich klare Wahrheit!
Die zweite Stelle finden wir in Titus 2,9-10. Dort wird zu den Knechten gesprochen: „Die Knechte ermahne, dass sie sich ihren eigenen Herren unterordnen, in allem gern gefällig sind, nicht widersprechen, nichts entwenden, sondern alle gute Treue beweisen.“ Auch hier wird das Ziel genannt: „Damit sie der Lehre Gottes, unseres Retters, in jeder Hinsicht Ehre machen.“
In diesen Stellen wird deutlich, dass wir gute Arbeiter sein sollen. Wir sollen nichts entwenden und respektvoll mit unseren Vorgesetzten umgehen. Doch das Wichtigste ist: Wenn wir vorbildlich bei der Arbeit leben und handeln, wird dadurch Gott geehrt.
1. Timotheus 6 ermahnt uns also, dass Gott nicht verlästert oder verunehrt wird durch unser Verhalten bei der Arbeit. Titus 2 zeigt, dass Gott geehrt wird, wenn wir uns gut verhalten. Das Bild, das wir bei der Arbeit abgeben – an dem Ort, an dem wir täglich viele Stunden verbringen – hat die Macht, Gottes Ehre entweder zu fördern oder zu schädigen. Eines von beidem wird geschehen.
Deshalb möchte ich im Rahmen des Themas der Verherrlichung Gottes heute auf die Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber eingehen. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn wir alle wünschen uns doch, dass Gott verherrlicht wird. Mal haben wir diesen Wunsch stärker, mal weniger stark. Doch grundsätzlich wollen wir, dass Gott Ehre widerfährt.
Die Perspektive aus Epheser 6,5-9: Arbeit als Gottesdienst
Nun schlagen wir gemeinsam den Hauptbibeltext in Epheser Kapitel 6, die Verse 5 bis 9, auf. Dort geht Paulus genau auf dieses Prinzip ein.
Alles, was wir heute hören, steht in diesem Rahmen: Es geht um Gottes Ehre und Gottes Verherrlichung in unserem routinierten Alltag. Genau das ist der Punkt – es dreht sich um unseren routinierten Alltag.
Epheser 6,5-9 lautet:
Ihr Knechte, gehorcht euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern in Einfalt eures Herzens als dem Christus, nicht mit Augendienerei, um Menschen zu gefallen, sondern als Knechte des Christus, die den Willen Gottes von Herzen tun. Dient mit gutem Willen dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ein jeder, der Gutes tut, es vom Herrn empfangen wird, sei er ein Sklave oder ein Freier. Und ihr Herren, tut dasselbe ihnen gegenüber und lasst das Drohen sein, denn ihr wisst, dass auch euer eigener Herr im Himmel ist und dass es bei ihm kein Ansehen der Person gibt.
Rein strukturell gehört unser heutiger Bibeltext zum dritten Punkt, der aus Paulus’ Aufforderung in Kapitel 5, Vers 21 stammt. Wenn ihr möchtet, schaut gern noch einmal dort hinein. Dort steht als Überschrift, dass wir uns einander unterordnen sollen.
Paulus beginnt hier mit einer Überschrift: „Ordnet euch einander unter“ und geht dann in den folgenden Versen verschiedene Hierarchien durch und erklärt sie. Das bedeutet, dass wir, obwohl wir in Jesus Christus völlig frei sind, von Gott in Hierarchien gestellt sind.
Das sagt uns Vers 21 aus Kapitel 5: Obwohl wir völlig frei sind in Christus, stellt Christus uns in weltliche Hierarchien. Ab Vers 21 beginnt Paulus direkt mit dem Thema: Die Frauen sollen sich den Männern unterordnen. In Kapitel 6, Vers 1 spricht er davon, dass Kinder ihren Eltern gehorchen sollen. Und nun, in Kapitel 6, Vers 5, geht es um die Unterordnung des Arbeitnehmers gegenüber seinem Arbeitgeber.
Das ist die Linie, in der wir uns gerade befinden, in der Paulus argumentiert.
Was wir sagen müssen, ist – und ich habe es eben schon gesagt, aber ich wiederhole es gern: Der Mensch ist zwar von Gott völlig frei gemacht, aber gleichzeitig stellt Gott den Menschen in verschiedene Ordnungen, damit er dort Gott dienen kann.
Der Mensch ist völlig frei gemacht durch Christus, wir sind völlig frei, und gleichzeitig stellt Gott uns in bestimmte Ordnungen, in Über- und Unterordnungen, um genau dort Gott zu dienen.
Das sehen wir heute im ersten Punkt.
Wir sind Gottes Arbeitnehmer
Der erste Punkt sind die Verse 5 und 6, die die Überschrift „Wir sind Gottes Arbeitnehmer“ tragen. Die meisten von uns sind zeitweise der Autorität von Arbeitgebern unterstellt. Genau so ist es von Gott gewollt. Er hat uns unter die Autorität von Arbeitgebern gestellt, die meisten von uns.
Wenn ihr aber in euren Bibeltext schaut, dann wird uns eine Sache klar: Nicht unser Chef ist unser eigentlicher Chef, sondern Christus. Ich weiß nicht, ob euch das schon aufgefallen ist. Wir werden es gleich noch einmal herausarbeiten. Wenn wir in unserem Bibeltext schauen, sehen wir, dass nicht unser Chef unser Chef ist, sondern Christus.
Schaut mit mir in Vers 5. Was sagt Paulus? Er sagt: „Gehorcht euren leiblichen Herren“, also euren Vorgesetzten. Und wie sollen wir ihnen gehorchen? „Als gelte es dem Herrn, als gelte es Jesus Christus.“ Ich soll also auf der Arbeit in der Unterordnung auf meinen Chef hören. Ich soll für ihn arbeiten, aber nicht, weil ich es in erster Linie für ihn tue, sondern weil ich es für Christus tue. Das ist die Aussage.
Schaut im Vers 6, und der ganze Text ist damit durchdrungen. Was steht in Vers 6? Soll ich meinem Chef gefallen, wenn ich auf der Arbeit fleißig bin? Wem soll ich gefallen, laut Vers 6? Nicht meinem Chef, sondern als Knecht Christi. Und wir können dieses Wort „Knecht“ mit dem Wort „Arbeitnehmer“ austauschen. Arbeitet auf der Arbeit nicht, um eurem Chef zu gefallen, sondern als Arbeitnehmer Christi.
Es ist ganz interessant, wenn ihr Vers 5 und Vers 6 vergleicht: Vers 5 spricht von „Ihr Knechte“ und bezieht sich auf dieses irdische Verhältnis, also Arbeitnehmer. „Ihr Knechte, gehorcht euren irdischen Arbeitgebern“, heißt es in Vers 5. Paulus spricht hier tatsächlich das weltliche Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber an.
Dann geht Paulus in Vers 6 und öffnet plötzlich eine himmlische Perspektive. Er zeigt eine himmlische Sicht und sagt: „Arbeitet nicht, um dem Menschen zu gefallen, sondern als Arbeitnehmer Christi.“ Vers 5 sagt: Ihr seid weltliche Arbeitnehmer, in Wirklichkeit aber seid ihr in Vers 6 Arbeitnehmer Christi. Das ist die wahre biblische Perspektive, die Paulus uns hier eröffnen möchte.
Ja, wir sind Arbeitnehmer hier auf Erden, ja, wir haben irdische Vorgesetzte. Aber Paulus zeigt uns die Perspektive, dass wir in Wirklichkeit tagtäglich mit ewigen Routinen in unserer Arbeit stehen, weil das unser Gottesdienst für Gott ist. Wir gehen tagtäglich zur Arbeit, auch wenn wir müde sind. Unser Text sagt uns im Grunde: Das ist unser Gottesdienst für Gott.
Nun, es wird oft unterschieden, und wir verstehen alle, was damit gemeint ist: Es wird oft unterschieden zwischen vollzeitlichen Mitarbeitern im Reich des Herrn. Ihr habt alle ein Bild davon. Wenn ich sage „vollzeitlicher Mitarbeiter im Reich des Herrn“, dann denken wir an Missionare oder an Leute, die von der Gemeinde freigestellt werden und sich ganz für das Reich Gottes aufopfern können. Wir verstehen alle, was damit gemeint ist, und das ist auch richtig.
Aber ich möchte euch auf der Grundlage unseres heutigen Textes eines sagen, und das ist die Wahrheit: Alle, die ihr zur Arbeit geht, ihr seid alle vollzeitliche Mitarbeiter im Reich des Herrn. Wirklich wahr! Jeder von euch, der arbeiten geht, ist ein vollzeitlicher Mitarbeiter im Reich des Herrn, tagtäglich von früh bis abends. Denn das ist genau das, was Paulus uns hier sagen will.
Ich zitiere: „Alles, was ich tue, ist ein Dienst für ihn, und er beurteilt alles.“ Das trifft ebenso auf jede andere Arbeit zu, egal ob du Hamburger machst, in einem Warenhaus arbeitest, als Mechaniker tätig bist, in einer Fabrik arbeitest oder Lehrer bist. All das wird von Gott beurteilt. Dieses ganze Zitat bestätigt sich in Vers 7.
Denn wisst ihr, was dort steht in Bezug auf meine weltliche Arbeit? Dort steht: „Dient dem Herrn und nicht dem Menschen!“ Du bist in die Arbeit gestellt, umringt von Menschen, und tust die Aufträge von Menschen. Aber er sagt: Diene nicht dem Menschen. Tu schon, was er dir sagt, aber tue es nicht dem Menschen, sondern dem Herrn. Es ist dein Gottesdienst, es ist dein Gottesdienst, es ist dein Gottesdienst.
Nun, wenn wir diesen Vers 7 aus dem Zusammenhang reißen würden, also „Dient dem Herrn und nicht dem Menschen“, dann könnte man tatsächlich meinen: „Ja, okay, ich verschwende meine ganze Lebenszeit, um irgendjemanden reich zu machen. Nein, ich will nicht dem Menschen dienen, ich will Gott dienen. Ich gehe jetzt in die Mission oder was weiß ich.“ Das wäre, wenn man den Vers herausreißt.
Aber was dieser Bibelvers und der ganze Zusammenhang sagen, ist: Dienst bedeutet, du arbeitest für Gott an deinem Arbeitsplatz. Und ich möchte einfach, dass uns diese Realität aufgeht, diese biblische ewige Perspektive deiner Routine.
Sicherlich müssen manche Frauen gerade Kinder erziehen. Dann ist ihr täglicher Gottesdienst, wenn sie abspülen – so plump heruntergedrückt –, oder Windeln wechseln, oder die Kinder stillen. Versteht ihr, das ist doch alles dasselbe Prinzip. Das ist täglicher Gottesdienst. Das ist, was Paulus uns hier sagen will: In der Routine deines Alltags dienst du Gott.
Und Vers 7 ist die Aufforderung an dich, genau das auch zu tun. Also die Perspektive ist: Du arbeitest für Gott und nicht für Menschen. Aber Vers 7 fordert dich jetzt auf, es auch wirklich vor Gott zu tun und nicht für die Menschen. Denn das ist der Kampf, in dem wir stehen, laut Vers 6.
Vers 6 sagt uns, dass wir in dem Kampf stehen, in unserem Herzen das, was wir tun, zu tun, um Menschen zu gefallen. Das ist Vers 6, und das ist der Konflikt, in den Paulus uns stellt.
Die Bedeutung der Herzenshaltung und Motivation bei der Arbeit
Die ewige Perspektive ist: Du dienst Gott. Gleichzeitig müssen wir unser Herz darauf richten, dass wir wirklich Gott dienen. Denn wir können auch Menschen dienen – im Sinne davon, dass ich groß herauskomme, dass ich für meine Arbeit geehrt werde usw. Aber das schauen wir uns noch einmal im Detail an.
Zuerst macht ihr gerade einen Makro-Blick. Wir überprüfen unseren ganzen Bibeltext erst einmal im Ganzen: Um was geht es hier? Bevor wir in die einzelnen Details gehen, möchte ich einleitend klar machen, dass es eine Perspektive gibt, in der wir Gottes Mitarbeiter sind. Wir dienen Gott tagtäglich bei unserer Arbeit. Unsere Arbeit ist ein täglicher Gottesdienst.
Jetzt wollen wir uns im Detail ein bisschen diese Grundprinzipien aus unserem Text anschauen. Wichtig ist, dass diese Grundprinzipien, die wir bis jetzt gehört haben und die wir auch noch hören werden, genauso für die Arbeitgeber gelten – für Vorgesetzte – und nicht nur für die Arbeitnehmer. Das seht ihr in Vers 9. Paulus beschreibt also diese ganzen Prinzipien, indem er von Knechten in Bezug zu ihren Vorgesetzten spricht. Aber in Vers 9 sagt er: „Ihr Herren, ihr Vorgesetzten, tut genau dasselbe.“ Seht ihr das? Macht genau dasselbe! Diese Prinzipien gelten genauso euch, weil ihr genauso einen Herrn im Himmel habt.
Das heißt, hier geht es nicht nur darum, wie der Arbeitnehmer sich anstrengen soll, um ein gutes Bild auf der Arbeit abzugeben. Sondern der Arbeitgeber, der Vorgesetzte, hat genau dasselbe zu tun. Paulus erklärt uns also in Vers 5 dieses Verhältnis, kommt zu Vers 9 und sagt: „Ihr Herren, macht es ganz genau so!“ Sicher aus einer anderen Position heraus, sicher mit anderen Aufgaben, aber das gleiche Prinzip – genau dasselbe Prinzip.
Nun gehen wir zurück zu Vers 5 und Vers 6. Wenn ihr in eurem Bibeltext diese beiden Verse vergleicht, dann seht ihr, dass Vers 5 beschreibt, was wir tun sollen. Vers 5 sagt, tut das und das, damit Gott geehrt wird. Es zielt auf unser Verhalten, ganz praktisch. Das ist Vers 5.
Wenn ihr in Vers 6 schaut, seht ihr, dass Vers 6 auf unsere Motivation zielt. Denn beides gehört zusammen. Nicht nur das Tun – denn das Tun kann auch verwerflich sein, wenn es noch so gut ist, das werden wir gleich sehen. Also Vers 5 zielt auf unser Tun, es soll einwandfrei sein, sage ich mal. Aber Vers 6 spricht in unser Herz, Vers 6 spricht unsere Motivation an: Warum tue ich, was ich tue? Und beides muss geprüft werden.
Vers 5 fragt also: Wie soll ich auf der Arbeit sein? Zusammengefasst ausgedrückt: Ich soll meinem Chef mit Furcht und Zittern gehorchen. Das hört sich erst einmal ziemlich unterdrückend an. Aber was es wirklich bedeutet, ist einfach, dass wir eine Grundhaltung haben sollen, die hinhört, die Acht gibt und das, was der Chef mir aufgibt, mit Inbrunst und Eifer tun möchte.
Das ist im Grunde das, was Paulus sagen möchte: Du als Arbeitnehmer, hör hin! Wenn dein Chef etwas von dir möchte, tu es mit Eifer, mit gutem Willen und mit Freude. Nicht wie jemand, der keinen Bock hat und eh nicht auf das hört, was der Chef sagt. Das ist im Grunde das, was er sagt.
Das heißt, wenn mein Chef mir einen Auftrag gibt, dann soll er merken, dass ich es gerne und mit Leidenschaft tue. Vielleicht habt ihr alle solche Kollegen – die gibt es zumindest, habe ich gehört – mit denen man super im Team arbeiten kann. Man hilft sich gegenseitig. Wenn man nach Unterstützung fragt, sind sie sofort und freudig da. Solche Leute sind einfach angenehm. Du weißt, du kannst immer kommen, und sie helfen dir gerne.
Dann gibt es aber auch diese Art von Arbeitskollegen, die es immer widerwillig tun, bei denen man sich fast gar nicht traut, hinzugehen und zu fragen. Weil du genau merkst, dass du ihnen einfach auf die Nerven gehst usw. Ich weiß nicht, ob ihr von solchen schon mal gehört habt. Ich glaube, das ist genau dieses Beispiel.
Ich finde, es ist gut, ganz praktisch, wenn wir als Christen zu den Mitarbeitern gehören, die von ganzem Herzen mit Freude ihre Arbeit machen.
Wenn ihr in Vers 5 schaut, beschreibt Paulus noch die Herzenshaltung. Er sagt, dass die Herzenshaltung einfältig sein soll. EINFÄLTIG bedeutet hier ein Herz, das in Geradheit und Reinheit ist – also im Grunde genau das Gegenteil von jemandem, der zwei Gesichter hat.
Zwei Gesichter bedeutet: Wenn der Chef da ist, bin ich richtig fleißig und ganz tief konzentriert in meiner Arbeit. Und wenn mein Chef nicht da ist, bin ich der faulste, muffeligste Mitarbeiter, der es gibt, und hänge die ganze Zeit am Handy. Ich weiß nicht, ob ihr solche Leute kennt oder vielleicht selbst solche seid – ich glaube es nicht. Aber im Grunde haben wir doch alle denselben Kampf zu kämpfen.
Was Paulus sagt, ist im Grunde: Seid eifrig und einfältig und habt keine zwei Gesichter. Macht eure Arbeit genauso gut, wenn euer Chef da ist, wie wenn er nicht da ist.
Was uns hier hilft, unserem Chef auch dann gut zu dienen, wenn er nicht im Raum ist, ist das, was in Vers 5 steht: Unsere Treue auf der Arbeit – auch wenn mein Chef nicht da ist – soll nicht zuerst meinem Arbeitgeber gelten, sondern, wie es in Vers 5 heißt, wir tun es, als gelte es unserem Herrn Jesus Christus. Das ist die Motivation dahinter.
Wir machen es also nicht nur gut, wenn mein Chef da ist, sondern auch, wenn er weg ist. Warum? Weil ich genau weiß, dass Jesus Christus ins Verborgene sieht und mich auch sieht, wenn mein Chef nicht da ist. Und weil ich zuerst meinem eigenen Herrn verpflichtet bin, meinem ewigen Herrn, meinem wahren Arbeitgeber.
Diese Erkenntnis bewahrt uns davor, zwei Gesichter zu haben. Wir müssen uns schon die Frage stellen: Wie oft haben wir zwei Gesichter? Wie oft geben wir im Angesicht unserer Vorgesetzten ein besseres Bild ab, als das, was wir im Alltag wirklich leisten?
Paulus weist darauf hin, dass der Mensch in Gefahr steht. Deshalb spricht er in Vers 5 die Geradheit unseres Herzens an. Deswegen tut er es ja. Und in Vers 6 sagt er in Bezug auf unsere Arbeit, dass wir dem Willen Gottes von Herzen tun sollen.
Wenn ihr euch Vers 5 und Vers 6 anschaut, dann seht ihr, dass es bei unserer Arbeit unglaublich auf unser Herz ankommt. Es kommt sehr auf unsere Herzenshaltung an, es kommt sehr auf unsere Motive an. Darauf nimmt Paulus die ganze Zeit Bezug: Bei unserer Arbeit müssen wir ständig unser Herz und unsere Motive wieder auf Gott ausrichten, neu polen.
Nun eine Frage: Wenn ihr in Vers 6 schaut, was steht im Zentrum unseres Kampfes in Bezug auf unsere Arbeit? Für manche ist der größte Kampf auf der Arbeit vielleicht Faulheit oder Trägheit. Aber hier, in Bezug auf Vers 6, was ist der große Kriegsschauplatz, der in unseren Herzen stattfindet? Welche Motivation wird genau hier angesprochen?
Ganz genau: Es ist der Konflikt – ich wiederhole noch mal für die, die es nicht gehört haben – der Konflikt ist, dass ich meine Arbeit tue, weil ich von Menschen gelobt werden möchte.
Paulus sagt: Nein, tu das nicht aus diesem Grund! Paulus nennt es Augendienerei. Das bedeutet, du tust es, weil du möchtest, dass die Menschen zu dir kommen und dir auf die Schulter klopfen. Paulus sagt: Nein, das ist eine ganz schlechte Motivation.
Augendienerei zielt darauf ab, vor Menschen gut dazustehen. Und jeder für sich: Ist es nicht oft so, dass wir genau das wollen? Ist es nicht genau das, was uns oft antreibt zu Topleistungen? Jeder soll sich selbst prüfen.
Ist es nicht genau das: Augendienerei? Vor den Menschen möchte ich gut dastehen. Deswegen bringe ich Topleistungen.
Das heißt, der beste und motivierteste Mitarbeiter kann in seiner Herzenseinstellung vor Gott durchgefallen sein. Es kann sein, dass wir als Christen – und ich nehme mich hier ausdrücklich mit hinein und prüfe mich selbst – unsere Arbeit super machen. Es kann auch sein, dass wir in der Praxis wirkliche Vorbilder sind.
Unsere Chefs finden vielleicht sogar, dass das Christ ist, der seine Arbeit gut macht und sie mit seinem Glauben verbindet. Aber in unserem Herzen geht es um den Applaus meines Chefs oder um den Konkurrenzkampf mit meinen Kollegen.
Das sind zwei verschiedene Bereiche, und es kann uns beide treffen – manchmal auch gleichzeitig, manchmal nur das eine, manchmal mehr, manchmal weniger. Jeder weiß es selbst.
Es kann sein, dass ich in der Praxis ein Vorbild bin, aber in meinem Herzen geht es mir um den Applaus meines Chefs, den Schulterklopfer und den Konkurrenzkampf mit meinen Kollegen.
Die Frage ist: Was ist dein Motiv, gut zu sein auf der Arbeit?
Paulus erkannte genau das aus seinem alten Leben. Er schreibt: „Wenn ich noch Menschen gefallen wollte.“ Paulus schaut in die Vergangenheit. Früher hat Paulus Menschen gefallen. Alles, was Paulus früher getan hat, ging für ihn darum, vor Menschen etwas darzustellen. Es war sein Stolz.
Paulus hat mit dieser Motivation, vor Menschen etwas darzustellen, eine beachtliche Karriere gemacht. Er war unglaublich gebildet, eifrig, ein Pharisäer vor dem Herrn. Er war auf seiner Karriereleiter ganz oben.
Seine Motivation war, Menschen zu gefallen. Er wollte etwas darstellen in der Welt. Er wollte nach ganz oben. Und er sagt, nachdem er Christ geworden ist: „Wenn ich noch manchen Menschen gefallen wollte.“ Früher war es so: Sein ganzer Eifer war darauf gerichtet, dass Menschen auf ihn schauen und er etwas Bedeutendes ist. Das war sein Punkt.
Das Schöne ist, Paulus ist nicht so geblieben. Er hatte zwar immer noch einen unglaublichen Eifer, er hat immer noch unglaublich viel gewirkt. Er konnte sogar sagen, dass er mehr getan hat als alle anderen.
Paulus ist von einem Menschen, der voller Eifer war, zu einem Menschen geworden, der voller Eifer ist. Aber auf der einen Seite, in seinem alten Leben, wollte er Menschen gefallen. Später wollte er nur noch von Gott gelobt werden.
Er schaut auf das Ende seines Lebens und freut sich, dass er endlich den Siegeskranz bekommt. Denn seine Motivation hat sich geändert. Sein Eifer war immer noch derselbe, er war immer noch dieser Mann, der viel bewirkt hat. Aber auf einmal war sein Herz ein anderes.
Nun wollte er nicht mehr vom Menschen gelobt werden, sondern von Gott gelobt werden.
Das trifft uns an – vielleicht in einem guten Sinne. Es ist ja nicht schlimm. Es ist gut, wenn das Wort Gottes, dieses Schwert Gottes, von dem wir gehört haben, in uns eindringt. Es prüft, wie unsere inneren Haltungen sind. Es ist ein Spiegel.
Es ist gut, zu überprüfen, wo ich meine Motivation neu auf Christus ausrichten muss.
Die Motivation: Arbeit für einen ewigen Lohn (Epheser 6,7-8)
Paulus kommt in unserem Ephesertext nicht einfach nur und sagt: „Hör auf, von Menschen gelobt zu werden, und fang an, von Gott gelobt zu werden.“ Oder: „Du sollst diesen Wunsch haben.“ So einfach ist es nicht. Paulus möchte uns motivieren, und genau das wollen wir uns im zweiten Punkt anschauen.
Der zweite Punkt ist ziemlich kurz, wir sind gleich schon fertig mit der Predigt. Er umfasst die Verse 7 und 8 und stellt die Motivation dar – die zweite ewige Perspektive, die Paulus uns aufzeigen möchte.
Epheser 6,7-8: Wir arbeiten für einen ewigen Lohn. Ich lese die Verse 7 und 8 vor: „Dient mit gutem Willen dem Herrn und nicht den Menschen. Denn ihr wisst, dass jeder, der Gutes tut, es vom Herrn empfangen wird, sei er Sklave oder Freier.“
Paulus möchte unser Denken verändern – und zwar, indem er uns neue Perspektiven gibt. Die erste neue Perspektive hat er uns bereits in Vers 5 gezeigt. Dort sagt er dem normalen Arbeitnehmer: „Ihr seid Knechte des Herrn“ (Vers 6). Das ist die erste Perspektive. Er macht deutlich, dass wir nicht für irgendeinen Chef arbeiten, sondern in Wirklichkeit für Gott. Unsere alltägliche Routine wird so zu einem Gottesdienst für Gott.
Die zweite Perspektive ist: Obwohl wir für einen monatlichen Lohn arbeiten, tun wir unsere Arbeit gleichzeitig für einen ewigen Lohn. Die erste Perspektive lautet also: Du hast zwar einen weltlichen Chef, aber dein wahrer Chef ist Christus. Die zweite Perspektive ist: Du bekommst zwar einen monatlichen Lohn, aber gleichzeitig arbeitest du für einen ewigen Lohn.
Paulus öffnet uns mit diesen Perspektiven den Blick für unser Arbeitsverhältnis, das so viel weiter reicht als nur von Montag bis Freitag. Er will unseren Horizont erweitern. Wir gehen täglich arbeiten und erhalten einen monatlichen Lohn. Paulus sagt: Du dienst täglich in einem Gottesdienst und erhältst dafür einmal einen ewigen Lohn. Ist das nicht eine neue Perspektive? Ist das nicht eine Motivation?
In Vers 7 will Paulus noch einmal mit Nachdruck motivieren. Er macht uns klar: Wir dienen Gott und nicht den Menschen. Das ist eine Sache, die im Herzen stattfindet. Für wen tue ich das eigentlich? Stehe ich früh auf, weil ich Angst vor meinem Chef und den Konsequenzen habe? Oder stehe ich früh auf und komme pünktlich zur Arbeit, weil ich es für Gott tue?
Es ist eine Herzenssache, ein Einstellungswechsel. Paulus fordert uns in Vers 7 auf, und im Grunde ist alles ab Vers 5 in unseren Bibeltext eingeflochten. Nun kommt seine Motivation in Vers 8. Er bindet alles zusammen – Vers 5 bis 7 – und stellt die Frage: Warum sollen wir arbeiten gehen? Für wen und für was tun wir es?
Vers 8 sagt: „Dient nicht den Menschen, sondern dem Herrn, denn ihr wisst, dass ihr vom Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. Ihr dient dem Herrn Christus.“ Paulus fordert uns auf, das zu wissen. Es muss eine Gewissheit für uns werden. Wir sollen uns fest vor Augen halten, dass Gott uns einmal für das Gute, das wir tun, belohnen wird.
Paulus öffnet diese ewige Dimension. Er sagt: Ihr wisst es – das muss unser geistiges Eigentum werden –, dass wir für unsere tägliche Arbeit von Gott Gutes zurückbekommen werden. Das ist im Grunde der ewige Lohn. Du wirst in die Herrlichkeit eingehen und von Gott für deinen Fleiß belohnt werden.
Wir arbeiten tagtäglich, weil es ein Gottesdienst für Gott ist. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel Menschen, die Kinder erziehen. Aber das Prinzip bleibt dasselbe.
Ich wünsche mir und möchte dafür beten, dass Gott uns die Augen für diese ewige Perspektive öffnet. Genau das betet Paulus auch im Epheser Kapitel 1: dass wir geöffnete Augen für diese ewige Berufung bekommen. Nur wenn wir diese Perspektive wirklich vor Augen haben, wird die Motivation aus Vers 8 auch zur Motivation für uns.
Denn was bringt es, wenn ich euch theoretische Dinge sage, die euch aber nicht wirklich motivieren? Wenn es euch nicht motiviert, dann ist diese Wahrheit, von der Paulus sagt „ihr wisst es“, nicht in eurem Herzen verankert.
Wir müssen wissen: Wir arbeiten für Gott. Und wir müssen wissen: Wir bekommen von Gott einmal den Lohn. Wisst ihr, diesen Applaus, den wir oft suchen, den Paulus auch in Vers 6 erwähnt? Das ist ein Applaus, der nächste Woche schon wieder verflogen ist. Vielleicht hält dein Chef, der viel von dir hält, in drei Jahren nichts mehr von dir. Vielleicht brauchst du ihn dann gar nicht mehr. Vielleicht lösen sich alle Versprechen, die er dir gegeben hat, plötzlich in Luft auf.
Ist es nicht eine Motivation, dieses Vergängliche – das, worauf wir eigentlich nicht wirklich bauen können – gegen einen Lohn einzutauschen, den wir in der Ewigkeit von Gott erhalten werden? Ist es nicht einfach vernünftig, mit genau dieser Perspektive täglich zur Arbeit zu gehen?
Abschluss mit dem Beispiel aus Johannes 12,26: Dienst für Christus und ewige Ehre
In Johannes 12, Vers 26 lesen wir die letzte Bibelstelle, die wir aufschlagen. Es ist im Grunde der vorletzte Satz in diesem Kapitel. Dort sagt Jesus Christus selbst:
„Wenn jemand mir dienen will und wir Gott mit unserer Arbeit dienen, so folge er mir nach. Und wo ich bin, da soll auch mein Diener sein.“
Achtet nun darauf: Wenn jemand mir dient, was wird der Vater tun? Der Vater wird ihn ehren.
Ist diese ewige Ehre, dieser Schulterklopfer unseres Herrn in Ewigkeit, nicht viel mehr wert als der kurze Schulterklopfer unseres Vorgesetzten, der nächste Woche schon vergessen ist?
Ich möchte euch motivieren, bewusst daran zu denken – auch wenn ihr morgen wieder an eure Arbeit geht. Denkt bewusst daran: „Ich gehe nun hierhin, um meinem Herrn zu dienen.“
Wenn ich irgendwelche routinierten, langweiligen Arbeiten mache, tue ich es als Gottesdienst für ihn. Und er wird mich einmal dafür ehren.
Das ist die Perspektive, die uns Paulus geben möchte. Amen.