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Das Leben des jungen Königs Josaphats: Das Gewissen wacht auf

03.03.19592. Chronik 18,1-8

Einleitung und Gemeindemitteilungen

Wir wollten über König Josaph sprechen. Darf ich vorher ein paar Dinge sagen, bevor ich beginne?

Hier vorne ist noch viel Platz, Herr Dr. Schäfer. Es sind noch Plätze frei, kommen Sie ruhig nach vorne. Hier sind noch fünf Plätze frei, da können Sie alle noch sitzen.

Ich möchte vorher einige Dinge ansprechen, die mir auf dem Herzen liegen, ehe ich anfange. Kommen Sie gerne hier vorne durch.

Das Erste: Ich habe am Sonntag vergessen zu erwähnen, dass unsere Frauenstunde, die mittwochs immer im CVM stattfindet und die meine Frau leitet, jeden ersten Mittwoch im Monat um halb vier beginnt. Wo ist meine Frau? Sie ist so klein, ich sehe sie nicht. Also, mittwochs um halb vier, jeden ersten Mittwoch. Am kommenden Mittwoch sind viele Frauen aus der Frauenstunde hier. Ich habe am Sonntag nicht daran gedacht, das bekannt zu geben.

Zweitens: Der Molli ist hier, der sogenannte Molli. Den muss ich nachher unbedingt sprechen, Molli, nicht wahr?

Drittens: Wir haben eine Ungarnhilfe. Sie sind eine großartige Gemeinde. Letzten Dienstag und heute haben wir für notleidende Ungarn gesammelt. Es ist so viel zusammengekommen. Freund Hoffmann, wie viele Pakete haben wir weggeschickt? Zehn Pakete, so herrlich, nicht wahr? Wir schließen die Sammlung heute Abend ab.

Die Tische, Frau Hoffmann, die die Pakete mit einigen Helfern aus der Bibelstunde gepackt hat, hat das organisiert. Sie hat ihre Bibel da hinten hingelegt, damit sie ihren Namen und Konfirmationsspruch kennt. Da hätte ich eine Bitte: Wer die Bibel mit dem Konfirmationsspruch von Frau Hoffmann in der Hand hat, möge sie ihr bitte umgehend zurückgeben. Die ist um das Fußballspiel geraten, nicht wahr? Frau Hoffmann braucht ihre Konfirmationsbibel. Es wäre schrecklich, wenn sie die verliert. Eine Gemeinde braucht ihre Konfirmationsbibel.

Sehen Sie bitte alle in Ihre Bibeln hinein, ob Sie die Bibel von Frau Hoffmann haben. Danke, herrlich, da bin ich kolossal beruhigt.

Dann habe ich noch etwas, das unbedingt zur Bibelstunde gehört: Am Dienstag in der Karwoche, Paul, da haben wir doch das Liebesmahl, nicht wahr? Ich möchte heute schon ein Wort dazu sagen.

Wir wollen rechtzeitig daran erinnern, dass wir an diesem Dienstag in der Karwoche die altchristliche Sitte pflegen, das Abendmahl miteinander zu feiern, hier in diesem Kreis. Das ist keine Missionsveranstaltung. Bitte laden Sie keine Leute ein, die nicht zu diesem Kreis gehören.

Anschließend haben wir das sogenannte Liebesmahl. Dabei wird gegessen, getrunken, Zeugnis gegeben und gemeinsam gebetet. Das hatten die ersten Christen so gehalten, das können Sie im 1. Korinther 11 nachlesen. Wir haben diese Tradition wieder aufgenommen. Das findet am Dienstag der Karwoche statt.

Sie müssen sich rechtzeitig eine Eintrittskarte beim neuen Hausmeister besorgen. Ich habe ihn am Sonntag vorgestellt. Sein Spitzname ist Peipi. Wir sind froh, einen feinen, netten, jungen und gläubigen Hausmeister bekommen zu haben.

Zum Schluss möchte ich noch von unserem Bruder Behmenburg berichten, der zu uns gehört. Er wurde von einem Auto überfahren, und wir hatten ihn schon aufgegeben. Es geht ihm langsam besser. Er dankt für alle Fürbitten, deren Kraft er deutlich erfahren durfte. Er ist wie durch ein Wunder mit dem Leben davongekommen.

So, jetzt kommen wir zu König Josaph. Aber diese Dinge sind nicht belanglos.

Beginn der biblischen Erzählung: Josaphats Bündnis mit Ahab

Wir sind bei 2. Chronik 18. Da ein neuer Hausmeister da ist, gibt es auch wieder Bibeln, glaube ich. Haben Sie eine? Das ist wundervoll. Es liegen noch einige dort. Haben Sie alle?

Ich lese noch einmal 2. Chronik 18, Verse 1 bis 8: Josaphat hatte große Reichtümer und Ehre. Gott hatte ihn gesegnet, und er befreundete sich mit Ahab, dem gottlosen König. Nach einigen Jahren zog er zu Ahab nach Samaria hinab. Ahab ließ für ihn und das Volk, das bei ihm war, viele Schaf- und Obstenschlachten veranstalten. Er überredete ihn, mit ihm hinauf nach Ramot in Gilead zu ziehen.

Ahab, der König von Israel, sprach zu Josaphat, dem König von Juda: „Zieh mit mir nach Ramot in Gilead!“ – also zu einem Kriegszug. Josaphat antwortete ihm: „Ich bin wie du, und mein Volk ist wie dein Volk. Wir wollen mit dir in den Streit ziehen.“

Soweit haben wir besprochen. Ich möchte noch einmal kurz den Zusammenhang herstellen, den wir in den letzten Malen besprochen haben: Josaphat war ein junger Mann, der dem Herrn gehörte und an dem man Freude haben konnte. Er wurde mutig auf den Wegen des Herrn, rechnete mit dem Herrn als einer Wirklichkeit und durfte erfahren, dass der Herr mit ihm ist und ihn segnet.

Dann kommt dieses schwierige Kapitel 18. Josaphat befreundet sich mit dem gottlosen König Ahab. Damals war das Volk Israel zweigeteilt – nicht in Ost und West, sondern in Nord und Süd. Das Südreich, das Josaphat regierte, hatte Jerusalem als Hauptstadt mit dem Tempel. Das Nordreich mit der Hauptstadt Samaria gehörte ebenfalls zu Israel. Dort regierte der gottlose, vom Heiligentum abgefallene, abtrünnige König Ahab. Er war ein mächtiger und kluger König, der aber völlig unter dem Einfluss seiner heidnischen Frau Isebel stand.

Josaphat befreundete sich mit ihm und zog zu ihm hin. Das fiel mir schwer zu sagen, darüber haben wir beim letzten Mal gesprochen. Der König Ahab sagte ihm dann bei einem Festmahl: „Ich habe einen Kriegszug vor. Ich will die Stadt Ramot in Gilead, die mir die Syrer gestohlen haben, zurückerobern. Du ziehst doch mit?“

Josaphat antwortete: „Mein Volk ist wie dein Volk.“ Im Chronikbuch heißt es sogar: „Meine Reiter sind wie deine Reiter.“ Also: Wir machen das gemeinsam.

Das erwachende Gewissen Josaphats

Und nun geht es so apart weiter, so kann nur etwas in der Bibel stehen. Josaphat sprach zum König Israels: „Frage doch heute das Herrenwort.“ Der König Israels sammelte daraufhin vierhundert Propheten und sprach zu ihnen: „Sollen wir gern gegen Ramot in Gilead ziehen in den Streit, oder soll ich davon absehen?“ Sie antworteten: „Sieh hinauf, Gott wird die Stadt in die Hand des Königs geben.“

Josaphat aber fragte: „Ist hier nicht noch ein anderer prophetischer Herr, dass wir durch ihn fragen?“ Man würde doch denken, vierhundert genügen, nicht? Vierhundert Pfarrer, denken Sie nur, Pater Konrad. Da sagt er, ist er nicht in Inrichtia hier? Ja, in Inrichtia hier. Und der König Israels sprach zu Josaphat: „Es ist noch ein Mann, dass man den Herrn durch ihn frage, aber ich habe ihn nicht gern, denn er weissagt über mich kein Gutes, sondern nur Böses, nämlich Micha, den Sohn Jemlas.“

Josaphat sprach zum König: „Rede nicht also.“ Der König Israels rief daraufhin seinen Kämmerer und sprach: „Bringe eilends her Micha, den Sohn Jemlas.“ Sehen Sie, Vers vier ist mir interessant, den möchte ich überschreiben mit: „Das Gewissen wacht auf.“

Bis dahin hatte dieser Kromme Schlichte Dosawat links mit dem imponierenden Ahab und seiner kötzendienerischen Frau Isebel mitgemacht. Vielleicht hatte es ihm imponiert, dieses Eidenfest und was da alles so gab. Als der König Ahab sagt: „Wir wollen nicht Streit ziehen, du machst doch mit?“ antwortet er: „Klar, mache ich mit.“ Und dann fragt er auf einmal: „Wollen wir nicht lieber mal den Herrn fragen?“ Auf einmal wacht sein Gewissen auf.

Ist dieser ganze Kriegszug, ist diese ganze Unternehmung eigentlich noch in der Richtung meines Weges? Ich war mutig geworden auf den Wegen des Herrn. Gehört das noch zu den Wegen des Herrn, dass ich mit dem wortlosen Ahab gemeinsame Kriegszüge mache? Gehört das noch zu den Wegen des Herrn? Sein Gewissen wird auf einmal unruhig.

Nehmen Sie, da muss man zunächst darauf hinweisen, es ist ein bisschen spät. Das hätte man doch eigentlich sagen müssen, als er seine Zusage gab, den Krieg mitzumachen. Er hat großtönend erklärt: „Mein Volk ist wie dein Volk, und deine Rösser sind meine Rösser, und wir machen alles gemeinsam.“ Und dann auf einmal sagt er: „Ja, aber wir hätten doch Gott fragen sollen.“ Das kommt ein bisschen spät.

Ich glaube, die unter uns, die eine Bekehrung in ihrem Leben hinter sich haben, kennen diese peinlichen Situationen, in denen man einen raschen Schritt getan hat und hinterher denkt: „Da hast du Gott nicht gefragt.“ Und dann geht es einem wie Josaphat, dass man in große Not geraten kann, in große Not.

Also sehen Sie, für mich war es so, erlauben Sie mir, dass ich noch einmal persönlich rede. Es soll nicht heißen, dass ich mich für wichtig halte, aber es soll ein Zeugnis sein. Als Weigel zu mir sagte, Busch werde mein Nachfolger, und Weigel war eine imponierende Persönlichkeit, da habe ich Ja gesagt. Da habe ich nicht gesagt: „Lass mich erst mal darüber beten, lass mich erst meinen Herrn fragen.“ Da habe ich Ja gesagt. Und dann habe ich mein Gebet gemacht, einfach weil ich es gewiss nicht bedacht hatte, nicht immer ausgeklammert.

Dann bin ich umgezogen, die Weigelstraße übernahm das Weigelhaus, und dann häuften sich die Schwierigkeiten. Alle Leiter meinten, sie täten Gott einen Dienst, wenn sie mir querständen. Und da ging mir auf: Ich hatte eine gesegnete Arbeit im dreizehnten Fabrizier, ich hätte es nie tun sollen. Begegnet, ich hätte ja gesagt, auf Rat vieler imponierender Menschen hin, ehe ich meinen Herrn gefragt hatte.

Und nun kamen die Nöte, und ich habe ein schreckliches Ja durchgemacht, bis mein lieber Bruder Alfred Christlieb mir geholfen hat. Ich werde nie die Türstlichen Trugkonferenz vergessen, wo ich ihm das vorlegte, und Emil sagte dann: „Bitte Gott mal um Vergebung und dann bitte ihn, da der Weg nicht rückgängig zu machen ist, dass er mitgeht.“ Und das habe ich beides getan, und dann hat Gott auch den falschen Weg gesegnet.

Ich bin dann fröhlich Jugendfahrer gewesen, und Gott hat es gesegnet. Und im Weidlaus wimmelt es heute noch von Dung. Aber es ist dann merklich, dass ich am Anfang dieses Weges schon ungehorsam stand. Und ich habe damals gelernt, was das für eine gefährliche Sache ist, was Josaphat hier tut, dass man für irgendeine Sache Ja sagt, nachdem man des Herrn Eigentum gewonnen hat.

Der Weltmensch versteht davon nichts, der geht immer seinen eigenen Wegen, nicht? Aber verstehen Sie, ich rede von Kindern Gottes. Das ist ja eine bibelschöne Vorgeschichte hier, die einen Anfang gemacht hat mit dem Herrn. Wenn man nun für irgendeine Sache Ja sagt und hinterher auf einmal überlegt: Hat eigentlich der Herr nicht gefragt? Es war ja auch hier so, der Josaphat, das werden wir in den nächsten Diensten noch besprechen, konnte ja nachher eigentlich auch nicht mehr zurück, obwohl die ganze Sache offen war und gegen Gottes Willen. Da war alles verkehrt in dem ganzen Kriegssuch.

Unter Josaphat war es ihm vom Moment des Verses vier an klar: Das ist alles verkehrt, aber er konnte nicht mehr zurück, fand keinen Halsbruch mehr. Sehen Sie, ich denke an manche Verlobungsgeschichte, hier als Jugendpfarrer ist man ja umgeben von Liebesgeschichten, nicht wahr? Eine richtige Liebesgeschichte.

Ich meine, was ich für Aufregung und Nöte nicht nur mit eigenen Töchtern, sondern auch mit all meinem jungen Volk hier habe. Nein, mit Töchtern habe ich keine Nöte, pardon, da habe ich immer nur Freude gehabt. Ja, da habe ich immer nur Freude gehabt. Ich habe auch mit meinen jungen Freunden viel Freude, nicht? Aber manchmal auch Nöte, dass jetzt nicht das Falsche herauskommt.

Ich habe auch viel Freude mit meinen jungen Freunden, aber manchmal auch Nöte. Lieber, wie oft passiert es, dass irgendein junger Mann oder eine junge Frau bei mir sitzt und weint über ihre Ehe: „Trabt nicht, mein Mann trinkt“ oder „Mein Mann“ und so weiter, oder die Frau. Und dann frage ich immer: „Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich, als Sie sich verlobt haben, darüber gebetet und gesagt: Herr, mach mir klar, ob das dein Wille ist?“ Und dann kommt die Antwort: „Habe ich nicht getan.“ Und dann wundert man sich vor Gott, dass man in so einer wichtigen Sache wie der Heirat ohne die Führung des Herrn abzuwarten einfach losmarschiert, und dass dann am Ende alles schiefgeht.

Ich sage Ihnen, jetzt habt ihr es gehört: Ich dürfte nicht einfach scheiden lassen, jetzt auf keinen Fall. Jetzt müsste ich damals als Jugendpfarrer Gott um Vergebung bitten und bitten, dass er aus der verpfuschten Sache noch etwas macht. Das kann er.

Und bei Berufsfragen, da bekommt man irgendeine Aufforderung, das lockt die ganze Geschichte. Da sollte ein Kind Gottes auf den Rat hören, den der Pastor Christlieb mir damals gegeben hat. Er sagte: „Mein Lieber Wilhelm Busch, merk dir für alle Zeiten: Wenn du vor irgendeiner wichtigen Lebensentscheidung stehst, dann frage deinen Heiland, ob es richtig ist. Und wenn du keine Klarheit bekommst, dann tu nichts und bleib auf der Stelle.“ Er sagte: „Ich will dich mit meinen Augen leiden.“ Er wird dir schon klar machen, wie es geht.

Da habe ich gesagt: „Ja, auf diese Weise bist du immer Pfarrer im ganz kleinen Nest geblieben und bist nie weggekommen.“ Er sagte: „Das war eben der Weg Gottes für mich.“ Es ist so unendlich wichtig.

Also ich sage noch einmal: Für Weltmenschen hat das gar nichts zu bedeuten. Von Weltmenschen, von unbekehrten Weltmenschen sagt die Bibel: „Der Sinn ist wie die Spreu, die der Wind zerstreut.“ Da gibt es keine Führung Gottes, sondern sie werden getrieben vom Wind, das heißt vom Wind ihrer Triebe, ihrer Lüste, der öffentlichen Meinung, Ratschläge von Tante Augustin, Tante Eulalia, alles Mögliche – das ist der Wind, der sie treibt, nicht?

Aber wer sein Leben in die Hand seines Erlösers gegeben hat, der soll dann auch die Konsequenz ziehen und sich von ihm führen lassen. Nicht wahr, es gibt ein Lied, das heißt so: „Nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selbiges Ende und ewiglich.“ Und die Pfarrer heute tun meinen Zitaten Gott und Dienst daran, wenn sie gegen dieses Lied kämpfen, weil es so ein sentimentales Lied wäre.

Das ist halb richtig. Es ist allmählich sentimental gemacht worden, so dass man sagt: „Du nimm meine Hände und führe mich da bis zum Drehorgel.“ Und dass ein gottloser Mensch das singt und denkt, der liebe Gott soll schon mitgehen und alles gut machen, was ich versehe. So ist es nicht gemeint in diesem Lied. Das ist gar nicht sentimental, das ist unendlich ernst.

„Führe mich“ heißt: Ich gebe meinen eigenen Willen in den Tod, Herr, du sollst deinen Willen durchsetzen in meinem Leben, bis an mein seliges Ende, nicht bloß heute und morgen, sondern mein Leben lang. Ich bin bereit, jeden Tag meine ganzen Lebenspläne zu opfern gegenüber deinem Willen.

Und nun schätze ich dir die Frage, wie erkenne ich den Willen Gottes? Hier wurden Propheten gefragt, nicht? Ach, liebe Freunde, ich will dich in meinen Augen leiden. Es ist mir merkwürdig, das kann ich einfach nur bezeugen, dass Gott tausend Mittel hat, uns klarzumachen, was sein Weg ist.

Es gibt einen Rat der Brüder und Freunde, den soll man nicht verachten. Im Wort Gottes gibt es manchen klaren Rat, einen klaren Rat und so weiter. Ich will ihm ein Augenleiden geben: Der Herr kann einem innerlich ganz klar machen, was sein Weg ist. Und je verborgener unsere Zeiten sind, desto gewisser sollten wir uns über unsere Wege werden, auch im kleinsten Sinne. Auch im kleinsten Sinne können wir fröhlich wandern.

Nicht, es war dumm, dass Josaphat auf einmal sagt: „Wir wollen den Herrn fragen“, nachdem er eine leichtsinnige Zusage gegeben hat, diesen Krieg so mitzumachen. Aber immerhin ist es doch schön, wie sich Josaphat hier unterscheidet von dem gottlosen Ahab.

Der Ahab kommt gar nicht auf die Idee, den Herrn im Rat zu fragen. Er sagt: „Welche politische Sache hat mit der Millionen Dreck zu tun?“ Kirche ist Kirche und Politik ist Politik, und wir haben nichts mehr damit zu tun. Und es ist ein Geschrei, das wir heute an allen nur hören können.

So handeln die Politiker gottlos und brutal, die Christen sitzen in ihren Kirchen und lassen alles über sich ergehen. Ja, so hat Ahab gesagt. Und hier hören wir, dass man in solchen Dingen auch mal fragen kann: „Was ist dein Wille, Herr?“ Denn Ahab kommt nicht auf die Idee, dass man den Herrn fragen könnte in so einer Entscheidung.

Vielleicht kam ihm die Idee, es war ja immer ein König in Israel, und da hat er gedacht: „Wenn ich den Herrn erst frage, wird er aus dem ganzen Kriegssuch aussteigen. Ich frage ihn lieber erst gar nicht, denn ich weiß ja ganz genau, was er antwortet.“ Man weiß es nämlich meist nicht.

Aber Josaphat, dem wacht das Gewissen auf. Sollte man nicht den Herrn fragen? Ein bisschen spät, aber sie ist doch da. Sehen Sie, das ist das Schöne bei Kindern Gottes: Da gibt es ein unruhiges Gewissen, das wacht. Da redet Gott noch im Gewissen, da alarmiert Gott noch: „Das stimmt nicht bei dir, das stimmt nicht.“

Denn ich habe mal so eine nette Geschichte gelesen, vielleicht haben Sie sie auch mal irgendwo gehört, so eine von den schönen Traktatgeschichten, dass man einen Bauernhund hatte, und eines Nachts wacht der Bauer auf, weil der Hund so schrecklich bellt. Und da hat der Bauer zum Fenster hinausgerufen: „Sei still, Karo!“ Aber der Hund hat weitergebellt. Der Bauer sagt: „Wir schlafen, Karo!“ Bis er endlich still ist, hat er so herausgeschrien und getobt.

Man kann das lange ausführen, wenn man es den Kindern erzählen könnte, lang erzählen, nicht wahr, wie der Bauer schließlich seine Jagdflinte von der Wand nimmt und den Hund totschießt. Nur war Ruhe, nur war still, der Bauer konnte schlafen. Und am nächsten Morgen fand er seinen Stall ausgeräumt.

So kann man sein Gewissen erschießen. Das kann man. Man kann sein Gewissen totkriegen, indem man sich einfach daran gewöhnt, seine eigenen Wege zu gehen. Man kann sich an Sünden gewöhnen, man kann sich an Lügen gewöhnen. Und wenn das Gewissen rebelliert, überfährt man es einfach so lange, bis es totgeschossen ist.

Das kann man. Aber es ist schlimm, das ist der sicherste Weg in die Hölle. Kinder Gottes sind Leute, die ein waches Gewissen haben, wo es noch alarmiert, wo der Geist Gottes noch einen Ansatzpunkt findet: „Du, Josaphat, die Sache stimmt nicht.“ Man spürt – hören wir uns den Vers vier an, wollen Sie mal lesen? „Josaphat sprach zum König Israel: Frage doch heute das Herrn Wort.“

Man spürt hier plötzlich eine Not heraus, eine Not. Sein Gewissen ist unruhig geworden, die ganze Sache stimmt nicht. Ach, das war schön, das unruhige Gewissen von Christen. Es wurde manchmal unbequem für die Welt, für Josaphat selber unbequem, und doch eine herrliche Sache.

Die falschen Propheten und ihre Verheißungen

Und nun gehen wir weiter. Im nächsten Abschnitt treten die falschen Propheten auf. Der König von Israel versammelte vierhundert Propheten und fragte sie: „Sollen wir nach Ramot in Gilead ziehen zum Kampf, oder soll ich davon absehen?“ Sie antworteten: „Zieh hinauf! Gott wird es in die Hand des Königs geben.“

Wir werden im Folgenden sehen, dass Gott Ramot in Gilead nicht in die Hand Ahabs gegeben hat. Diese Männer haben also glatt gelogen. Die vierhundert Propheten, die der König bestellt hatte, bekamen ihr Gehalt. Es waren Hofpropheten, geschmückt mit Verdienstkreuzen. Sie glaubten nicht wirklich. In ihren Ordensbrüsten blinkte es, sie waren verdiente Männer, die ihre christliche Salbung über das legten, was der König gerade tat.

So etwas hat es zu allen Zeiten gegeben, bis in unsere Zeit hinein. Wenn ich nur daran denke, wie unsere Kirche 1945 sagte, dass sie auftreten müsste und dass nie mehr Krieg sein dürfe – und wie sie allmählich sagte, man wolle aber die Kriegsdienstverweigerer schützen. Heute geben sie schon ihren Senf und Segen zur Atombombe. Schließlich muss sie ja leben. Diese Leute bekommen ja Staatszuschüsse. Gott sei Dank, das ist das Schrecklichste, was 400 Propheten tun können: den religiösen Segen geben zu dem, was das gottlose Weib Isebel zuvor beschlossen hat. Denn das Ganze ist ein Plan von Isebel, einer heidnischen Prinzessin.

Es ist dumm, wenn man als Pfarrer so etwas sagt, nicht? Aber was bleibt mir übrig? Hier steht es ja, dass so etwas passiert. Ich vergesse nicht den Militärpfarrer, zu dem ich als junger, erweckter Mann ging, mit Angst vor der Hölle. Ich suchte in seiner Predigt Trost, damit ich nicht in die Hölle komme. Ein Pfundst und die Baum, nicht? Ich hatte nur Leutnantsrang, der Major war Herr. Und da sagte der Herr Leutnant: „Sie dürfen nicht grübeln, Deutschland muss siegen, Deutschland über alles.“ Mein Schreck! Ich sagte: „Sie wissen es auch nicht.“ Na ja, er wusste auch nicht, was man tun soll, um selig zu werden. Er war auch so ein Hofprediger, der sagte: „Sieh hinauf nach Frankreich, Gott wird Paris in die Hände geben.“

Das ist ein sehr ernstes Thema, meine Freunde. Vielleicht darf ich mal einen Namen nennen, der sich im Moment aufrecht hält: Niemann. Der Mann ist zumindest davor geschützt, dass man ihm vorwirft, Könige Nahrung zu reden. Er hat jedes Mal seine Popularität aufs Spiel gesetzt. Darum sollten Christen zumindest diesem ernsten Mann nicht in den Rücken fallen. Zumindest nicht in den Rücken fallen. Wenn sie eine politische Meinung haben, sollten sie sich mal fragen, ob der Mann nicht etwas Prophetisches sieht.

Er ist mir jedenfalls immer wieder aufgefallen. Sie können denken, was Sie wollen, Sympathie oder nicht, im Gegensatz zu all den Pastoren, die seit 1945 bis heute langsam wieder anpassen. Ja, dann lieber gar nicht politisch leiden, aber das ist mir unheimlich.

Verstehen Sie, im zweiten Timotheusbrief steht ein schreckliches Wort, das ich gerade eben vorlesen möchte: „Es wird eine Zeit sein, da sie die heilsamen Lehren nicht mehr ertragen werden. Stattdessen werden sie sich nach ihren eigenen Lüsten Lehrer suchen, die ihnen die Ohren kitzeln.“ (2. Timotheus 4,3)

Doch Ahab wollte Propheten haben, so religiös war er. Da reichten nicht nur ein Prophet, sondern vierhundert. Was war das für ein Konklave? Ein Dollarladen, vierhundert – so eine Zahl konnte man sofort zaubern. Da musste man die Sache nicht in acht Tagen verschieben, die waren sofort da, diese vierhundert.

Aber sie mussten reden, damit Ahabs Ohren kitzelten. Sie sollten nach Ramot in Gilead ziehen. Doch, Herr, es ekelt einen vor dem Namen Gottes, der in diese schmutzige Geschichte hineingenommen wird. Und das ist wohl das Schrecklichste: Es hat in der Kirche immer wieder Zeiten gegeben, in denen die Kirche so abhängig von der öffentlichen Meinung war, dass sie nicht mehr zur Buße rief, sondern den Menschen sagte, was sie gern hören wollten.

Sehen Sie, ein Beispiel: Es ist zur Sitte geworden, goldene oder silberne Konfirmationen zu feiern – aber wir wissen nicht mehr, was das bedeutet. Ich habe wenig mit Jugendpfarrern zu tun. Goldene Konfirmation heißt: Sie kommen zusammen, wurden vor 50 Jahren konfirmiert, feiern Gottesdienst, gehen zum Abendmahl, trinken Kaffee und erinnern sich an den lieben Pastor Schulze und daran, wie sie damals noch schöne Haare hatten – heute Glatzen und alles mögliche.

Neulich sagte ein ernster Christ, eine solche Konfirmation könnte doch eigentlich nur so aussehen, dass man die versammelten Leute fragt, die damals am Altar Gottes dem Herrn Jesus versprochen haben, ihm treu zu bleiben: „Habt ihr das getan? Habt ihr den Gottesdienst besucht, das Abendmahl gehalten?“ Dann würde sich herausstellen, dass ein Bußfeuer nötig wäre über zerbrochenen Versprechen. Da gäbe es dann keinen Kaffee mehr.

Verstehen Sie? Es ist schauerlich, dass hier eine kirchliche Elite an der Buße vorbeigeht, an der heiligen Sammlung, und schuldig wird am Segen.

Als ich heute Nachmittag diese Stelle wieder für mich las, empfand ich innerlich Not. Denn ich kann Ihnen offen sagen: Es ist für einen Prediger nicht leicht, eine gewisse Popularität aufs Spiel zu setzen, um der Wahrheit treu zu bleiben.

Was für einen Mut hatte der Herr Jesus, dass er so redete, dass viele hinter ihm weggingen und nur noch zwölf übrig blieben. Mir graut davor, dass eines Tages um der Wahrheit willen Sonntagmorgens hier nur noch zwölf Leute sitzen. Das verstehe ich nicht.

Nun muss ich sagen: Israel hatte den König Ahab, weil es einen König Ahab verdiente. Und es hatte vierhundert falsche Propheten, weil es vierhundert falsche Propheten verdiente. Ohne Christenheit hat man auch immer die Prediger, die man verdient, oder nicht?

Ich danke Gott, dass mir in Essen, als ich kaum junger Pfarrer war, ein paar alte Brüder wie der alte Bruder Böhm oder der Bruder Gruber, ein Grubenschmied, schlichte und vornehme Leute, zur Seite standen. Sie zogen mich über die Predigt in der Bibel schnell zur Rettung, damit ich erkannte, dass nicht alles wahr war, was ich gesagt hatte. Dann habe ich mich gebeugt und Gott um Vergebung gebeten, dass ich mich jetzt richtig stellen muss.

Da habe ich gedacht: Gesegnete Gemeinde, die solche Leute hat, die einem Pastor den Kopf waschen können, über die Lehre, über die Predigt: „Wo steht das, Herr Pastor?“ Diese Hofprediger hat der Herr Jesus gekannt. Er hat gesagt: „Hütet euch vor falschen Propheten, sie kommen in Schafskleidern, sind aber reißende Wölfe.“

Manchmal, wenn ich meine Jungs vor mir sehe, denen ich Jesus verkündigen möchte, denke ich: „Das wird aus euch werden.“ Und ihnen sage ich zunächst mal schlicht, dass ein Pastor ja wohl die Wahrheit sagen muss.

Ich kann nicht gut sagen: Sei vorsichtig, Mensch! Aber das kann ich sagen. Und es ist so wichtig. Ich möchte Ihnen als reifer werdender Christ sagen, dass Sie ein Ohr bekommen für die Stimme der Wahrheit, für die Stimme der Wahrheit.

Ahab hatte sie nicht mehr. Er ließ diese vierhundert Kerle reden und folgte ihnen.

Das gesunde Misstrauen Josaphats gegenüber den Propheten

Aber damit kommt das Nächste: Josaphat hatte noch ein Organ für die Stimme der Wahrheit. Sehen Sie, da haben die vierhundert Kerle losgeredet, geschnattert, gepredigt – das hat nur so gehagert, nicht? Und da sagt Josaphat: Ist nicht noch ein Prophet des Herrn hier? Ich meine, vierhundert sollten genügen.

Das ist der nächste Abschnitt, den ich überschreiben möchte: Das gesunde Misstrauen eines geistlich gerichteten Menschen.

Wie kommt Josaphat dazu, zu begreifen, dass die 400 Kerle bleckig reden? Er kann ihnen nicht beweisen, dass sie Unsinn reden. Aber was sie sagen, geht nicht an sein Herz. Er fühlt, dass das nicht Gottes Stimme ist. Ja, woher weiß er das?

Sehen Sie, ich habe darüber nachgedacht, wie Josaphat zu diesem eigenartigen Misstrauen gegen die 400 ausgekochten Hoftheologen mit gottlosem Abgang kommt. Dabei bin ich auf die Stelle in Johannes 10 gestoßen, dieses wundervolle Kapitel, in dem Jesus von sich als dem guten Hirten und von seinen Seinigen als den Schafen seiner Herde spricht.

Da sagt er, er braucht verschiedene Bilder für sich. Er sagt: Ich bin die Tür; wer durch mich eingeht, wird selig werden. Dann sagt er: Ich bin der gute Hirte. Er ist die Tür und er ist der gute Hirte.

Dann führt der Hirte die Schafe aus, und es steht dieses phantastische Wort da: Einem Fremden folgen die Schafe nicht, sie kennen die Stimme des Fremden nicht. Da sagt der Herr Jesus einfach: Wer zu meiner Herde gehört, der kann beurteilen, ob die Stimme des Guten oder die eines Fremden klingt. Ob hier eine fremde Stimme ist, vor der fürchten sich die Schafe. Sobald ihr eigener Hirte ruft, kommen die Schafe angelaufen. Und wenn ein Fremder ruft, laufen sie weg.

Die Schafe, diese dämlichen Schafe – Schafe sind doch Urbilder der Dummheit. Sie verklagen mich doch, wenn ich sie Schafe nenne, Urbild der Dummheit. Aber die Schafe erkennen die Stimme ihres Hirten.

Und nun sagt Jesus: Was die dummen Schafe können, das können die von mir erkauften Kinder Gottes auch. Sie können die fremde Stimme von der Hirtenstimme unterscheiden.

Mehr kann ich jetzt hier nicht sagen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie zur Herde Jesu Christi gehören, dass Sie das singen können, weil ich Jesus Schäflein bin oder Großschaf bin. Mein Wegen freue ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich wohl weiß zu benichten. Unter seinem sanften Stab gehe ich aus und ein und habe unaussprechlich süße Weide, da ich keinen Mangel leide. Und so oft ich durstig bin, führt er mich zu Wasserstellen.

Und wenn ich die schönsten religiösen Reden höre, das ist fremde Stimme.

Hendi, ich bekam von auswärts einen Brief, der mich sehr nachdenklich machte. Da schreibt ein Mann, er sei Christ geworden, und seine Mutter sei unter dem Einfluss eines religiösen Propheten, der seine eigene Lehre entwickelt hat – aus allen Religionen das Beste. War es nicht Bahai? Man nennt jedem Deutschen seine eigene Religion so. Nehmen Sie ein bisschen Christentum, ein bisschen Islam, ein bisschen Eigenidee, ein bisschen Idealismus, ein bisschen Blödsinn, stampfen es zusammen, und Sie können ein großer Mann werden, nicht?

Und die Mutter sei diesem Mann völlig verfallen. Nun ist er in Not. Seine Mutter hat gesagt: Wenn du mich besuchen willst, nur wenn der dabei ist.

Und nun fragt er mich um Rat, viertes Gebot, meine liebe Mutter. Aber er schickte mir ein paar Schriften zu, ich soll mal beurteilen, ob er das könne, oder ob sie so eine Art Andersgläubigen von diesem Propheten ist.

Ich kann Ihnen sagen: eine solche leere Schelle. Aber wissen Sie, Worte sind alle vom Lichtstrahl Gottes geboren. Unsere Seele schwingt sich auf zum Lichtstrahl Gottes und versteht es. Das geht der Vernunft so ein, da können Sie sich richtig erheben, ohne dass Ihr Herz auch nur eine Spur geändert wird dabei.

Und vielleicht ist es beim Frauengemüt besonders eindrücklich schön, weil es ohne jede Kante und Ecke ist. Die ganze Geschichte ist nur so ein tolles Phrasenbröckchen.

Er schüttelt nicht mehr, wie seine Mutter, nun völlig dieser fremden Stimme erliegt. Und so entsteht eine kaputte Familie.

Es ist eine fremde Stimme. Mehr kann ich nicht sagen. Es heißt: Eine Familie kaputt. Aber ich kann nicht mehr die Folgen der fremden Stimme erklären.

Wo der Heilige Geist im Herzen regiert – und ich wünsche ihm den Heiligen Geist –, da haben nicht bloß große Apostel gesagt: Ich will ausgießen meinen Geist auf alles Fleisch, spricht der Herr.

Den Heiligen Geist dürfen alle haben, die in dem Herrn Jesus gehört haben. Wo der Heilige Geist ist, da bekommt man ein Unterscheidungsvermögen – auch für so 400 falsche Propheten.

Der einzelne Prophet Micha als Stimme der Wahrheit

Jetzt, im nächsten Abschnitt, überschreibe ich das räudige Schaf, das räudige Schaf. Der König von Israel sprach zu Josaphat: „Es ist noch ein Mann.“ Komisch, wie das ineinandergeht. Es ist ja nicht noch einer da? Doch, es ist noch einer da, und zwar Micha, der Sohn Jemlas.

Was musste dieser Mann tun? Man musste nicht denken, dass Gott einfach immer wieder solche Leute hat wie diesen Micha. In einer Zeit, in der die ganze Prophetenschar dem König Honig um den Mund schmiert und redet, was ihm gefällt, steht dieser einzelne Mann noch da und sagt, was Gott befohlen hat. Ein einzelner Mann, der gegen den Strom schwimmt.

Ich muss Ihnen die Geschichte noch einmal erzählen. Verzeihen Sie, die Alten kennen sie schon, meine alten treuen Freunde. Vor vielen Jahren hatte ich eine Einladung, eine Festpredigt im Neunkirchenkreis zu halten. Dort, im freien Grund, der von der Siegerländer Erweckung am Ende des 19. Jahrhunderts geprägt wurde, war es herrlich. Heute Morgen hatten wir einen Festgottesdienst, es wimmelte von jungen Männern. Danach wurde der Männer- und Jünglingsverein auf der Straße fotografiert. Da kam eine große Gruppe Fotografen zusammen.

Dann kamen zwei junge Männer angeschlendert und fragten, warum der Männer- und Jünglingsverein nicht dabei sei. Sie antworteten, sie seien von der Baptistengemeinde. Aber sie waren auch im christlichen Verein, das ist in Neunkirchen, nicht? Ich hatte gedacht, sie sagen jetzt, sie seien im Fußballverein, aber nein, sie sind Baptisten und auch dabei, nur in einer anderen Kompanie.

In diesem gesegneten Nest, wo die Erweckung jetzt hundert Jahre her ist, hat sie nicht so tief gewirkt, dass durch drei Generationen ein starkes geistliches Leben entstanden ist. Dort gaben die Brüder mir in der Mittagspause ein Büchlein mit der Geschichte dieses Männer- und Jünglingsvereins.

Ich las die entzückende Geschichte, wie die Erweckung in Siegen und Umgebung vor hundert oder hundertfünfzig Jahren mächtige Wellen schlug. Der freie Grund war damals eine Talschaft, noch völlig unberührt.

Damals gab es rationalistische Pfarrer, die nach Vernunft predigten: Gott, Tugend und Sterblichkeit. Sie hatten die Bibel gründlich entmythologisiert und nur noch das akzeptiert, was einleuchtend erschien. Ein alter Pfarrer wurde pensioniert, und in seiner Abschiedspredigt, die abgedruckt wurde, sagte er ein paar Sätze: Gott sei gedankt, dass das Feuer religiöser Schwärmerei von der Gemeinde ferngeblieben sei.

Doch dann platzte er aus allen Nähten. Bis auf das eine räudige Schaf in Altenselbach – das war so viel Jahre da. Dort gab es einen Mann, der sich bekehrt hatte, und das Feuer sprang über. Das räudige Schaf in Altenselbach – ich weiß nicht, wer das war, aber das war ein Kerl. Dieses räudige Schaf in Altenselbach hat durch 150 Jahre jetzt hier ein Denkmal bekommen.

Er hat angefangen und erklärt: „Ich bin ein Sünder, aber Jesus macht mich gerecht, und alles andere stimmt nicht. Von wegen Tugend.“ An ihn wurde ich einfach erinnert, an dieses räudige Schaf in Altenselbach. Diese Ausdrucksweise hat Herrlich gebraucht. Er erinnert an den Pfarrer Wiederen, ich weiß auch nicht mehr, Schulz oder so ähnlich in Magdeburg zur gleichen Zeit.

Damals war Magdeburg völlig von der Aufklärung erfasst. Nicht, weil die Pfarrer langweilige Morallehrer auf der Kanzel waren, sondern weil die Kirchen leer waren. Dann erweckte Gott einen jungen Pfarrer, der predigte, dass wir verlorene Menschen seien, aber Jesus bußfertige Sünder annimmt und durch sein Blut vor Gott gerecht macht.

Die Kirchen füllten sich, das Evangelium hatte große Anziehungskraft. Natürlich gab es ein großes Trommelfeuer gegen ihn. Bei einer großen Gesellschaft, bei der Superintendent und verschiedene Pfarrer anwesend waren, sagte der Bürgermeister beim Glas Wein, dass dieser rückständige Pfarrer wohl ein ziemlicher Esel sei. Das verbreitete sich in Magdeburg: „Er ist ein Esel.“

Am nächsten Sonntag ging der junge Pfarrer auf die Kanzel und sagte: „Jeder weiß, dass ich ein Esel bin. Ich habe nichts dagegen einzuwenden. Aber dann möchte ich wenigstens der Esel sein, auf dem der Herr Jesus in Magdeburg einreitet, wie auf dem Esel, durch den er einst in Jerusalem eingeritten ist.“

Sehen Sie, Gott hat immer solche Michas, Söhne Jemlas, die im Glauben stark geworden sind und sich durch all das schöne Gerede nicht von der gründlichen Botschaft der Bibel abbringen lassen. Diese Botschaft handelt vom verlorenen Zustand des Menschen, von der Möglichkeit zur Umkehr, von Versöhnung, Vergebung der Sünden und Rettung.

Dieser Micha, der Sohn Jemlas – der Name spricht Bände. Micha heißt: „Wer ist Gott gleich?“ Vielleicht hat er sich den Namen erst später zugelegt. Er hat den Eindruck von der Majestät, Heiligkeit und dem Ernst Gottes. Wer das begriffen hat, verliert ein bisschen Respekt vor König Ahab und gewinnt den Mut, ihm zu sagen, dass seine ganzen 400 Hofpropheten ein großer Schwindel sind.

Ungewöhnlich ist, dass Ahab sagt: „Ich bin im Gram, denn er weissagt mir Böses.“ Was soll ein Prophet einem so gottlosen König noch weissagen, wenn nicht Böses? Was ist diesem König Ahab zu sagen? Gottes Gericht kommt über dich. Mehr war ihm nicht zu sagen.

Der Arzt hätte sagen müssen: „Ich bin ihm im Gram, denn er sagt mir die Wahrheit.“ Die Wahrheit kann oft sehr böse sein. Wenn ein Arzt operiert, kommt er nicht mit einem kleinen Weihrauchkessel und wedelt ein bisschen hin und her. Er braucht ein Messer. Die Wahrheit hat immer ein Messer.

Wenn Gott mir meine Sünde aufdeckt, tut das weh. Da zerbricht man. Da weint nicht nur Petrus, sondern auch der starke Mann Petrus. Das Messer ist kein Gesäusel. Wenn ein Herz bricht und zum Glauben kommt, sind das große und harte Dinge.

Wahrheit ist nicht einfach. Und da sagt Ahab: „Ich bin im Gram. Ich habe gern Leute, die mir schmeicheln, aber nicht gern Leute, die mir die Wahrheit sagen.“ So hat Herodes gesagt: „Ich bin Johannes im Gram, weil er mir meinen Ehebruch vorgehalten hat.“ Und Pilatus sagte: „Ich bin Jesus im Gram, weil er mich nach der Wahrheit gefragt hat.“

Wer sich dauernd aus dem Weg geht, sollte überlegen, ob er den Mut hat, der Wahrheit standzuhalten. Wer es mit Gott zu tun bekommt, muss der Wahrheit standhalten.