Einleitung
Das Loblied der Maria wird auch "Magnificat" genannt. Dieser Name
kommt vom ersten Wort der lateinischen Übersetzung.
I. Die überglückliche Maria (46-50)
Nachdem Elisabeth Maria alles erzählt hat, was Maria ihr eigentlich
berichten wollte, wurde Maria überglücklich.
Nun hat sie das Verlangen den Herrn zu Rühmen. Ihre Seele und ihr
Geist sollen den starken Gott preisen.
Mit allem was Maria zur Verfügung steht, möchte sie Gott loben,
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Er hat es nicht verabscheut diese unscheinbare Frau anzusehen, d.h.
ihr eine so wichtige Aufgabe zuzuteilen. Sie ist sich bewusst:
denn er hat große Dinge an mir getan.
Ja, sie ist wirklich begnadigt diese junge Frau. Sie ist überglücklich
und freut sich riesig über die erfahrene Barmherzigkeit. So grossartig
findet sie dies Gnade Gottes, dass sie der Überzeugung ist, dass
von nun mich selig preisen alle Geschlechter.
Maria wird allen Geschlechtern bekannt sein, denn ihr Name wird stets
mit ihrem Sohn, Jesus Christus, verbunden werden.
Man wird sie glücklich preisen, die in ihrer Niedrigkeit vom Herrn
angesehen wurde.
Ich bin der Überzeugung, dass Maria damit nicht meinte, ihr werde fast
göttliche Verehrung zuteil werden, dies würde ja vollkommen im
Widerspruch zu ihrem Lobgesang stehen.
Sie selber zeigt uns ja gerade durch ihren Lobgesang, wem die Ehre
gehört, nämlich allein Gott dem Mächtigen.
Und sie sagt in Vers 50:
Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die
ihn fürchten.
Sie bezeugt selbst, dass die Barmherzigkeit Gottes für alle erfahrbar
ist, nämlich für alle die ihn fürchten. Dies ist ein Grundwissen bei
den Juden, so lesen wir in den Sprüchen:
Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten
Weisheit und Zucht. Spr.1,7.
Was Maria erfahren hat, kann jeder erfahren der den Herrn fürchtet,
denn das ist der Blickwinkel Gottes. Er scheut sich nicht dem Geringen
zu begegnen, wenn dieser ihn fürchtet.
Evangelisation
Fürchtest Du den Herrn? oder anders gefragt: Bist du dir bewusst, dass
du dich vor Gott zu verantworten hast?
Die Not der Menschen ist, dass sie Gott nicht fürchten. Der Prediger
zeigt einen der Gründe auf, wenn er sagt:
Weil das Urteil über böses Tun nicht sogleich ergeht, wird das Herz der
Menschen voll Begier, Böses zu tun. Pred.8,11.
Er fügt dann hinzu, dass es lethtlich darauf ankommt, daß wir Gott
fürchten:
Wenn ein Sünder auch hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich
doch, daß es wohlgehen wird denen, die Gott fürchten, die sein Angesicht
scheuen. Pred.8,12.
Jesus sagt es deutlich vor wem wir uns fürchten sollen:
Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die
den Leib töten und danach nichts mehr können, / Ich will euch aber
zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der,
nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen, ja, ich
sage euch, vor dem fürchtet euch. Lk.12,4-5.
Lerne Gott zu fürchten, denn nur Jesus kann dich vor dem Verderben
retten. Willst Du dich nicht retten lassen?
Wer Gott fürchtet, der wird Gottes Barmherzigkeit erfahren wie Maria
sie erfahren hatte.
Weiter
Wer von Jesus gerettet ist, der kent die überschwengliche Freude, die
Maria hatte. Natürlich ist das nicht ein Dauerzustand, denn auch Maria
musste in der Beziehung zu ihrem Sohn noch viel lernen und sie machte
sich auch oft Sorgen.
Auch wenn wir nicht immer in dieser überwenglichen Freude leben,
sollte doch die Dankbarkeit über Gottes Handeln unser Leben prägen.
II. Der mächtige Gott (51-55)
## A. Keine VorschauNun beginnt Maria damit, den mächtigen Gott, dessen Name heilig ist zu
beschreiben.
Viele sind hier der Meinung, dass es sich um eine Voraussage handelt,
d.h. Maria sagt jetzt in Voraussicht wie Gott handeln wird.
Ich bin aber zu Schluss gekommen, dass Maria hier keine Voraussagen
macht, sondern dass Sie Gottes Chararakter, das Wesen Gottes
beschreibt.
Sie kommt ja aus dem Judentum und sie wusste sehr wohl wie Gott in der
Geschichte Israel gehandelt hat.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es ihr wie dem Hiob ergangen ist,
der nach der Begegnung mit Gott sagte:
Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge
dich gesehen. Hiob 42,5.
Maria hatte vom Hörensagen gehört, wie Gott handelte, aber nun hat sie
an sich selbst erfahren, wie Gott handelt.
Nun bestätigt sie alles was sie gelernt hat und sagt damit: Du Herr
bist in der Tat so wie ich es gelehrt bin. Bis jetzt wusste ich das
alles auch, aber nun habe ich dies alles erfahren.
Was Maria nun über Gott aussagt, sind Wesenszüge Gottes, die natürlich
bestehen bleiben, sie stützt sich aber ab auf das Handeln Gottes in
der Vergangenheit. Aber Gott wird natürlich auch in Zukunft in
gleicher Weise handeln, weil es seinem Wesen entspricht.
B. Das Lob
Betrachten wir nun, wie Maria diesen mächtigen Gott beschreibt.
Er übt Gewalt mit seinem Arm
Gott handelt in der Geschichte, ihm sind keine Grenzen gesetzt, so
sagt er durch den den Propheten Habakuk dem Volk Israel:
Denn siehe, ich will die Chaldäer erwecken, ein grimmiges und schnelles
Volk, das hinziehen wird, so weit die Erde ist, um Wohnstätten
einzunehmen, die ihm nicht gehören. Hab.1,6.
Mit seinem starken Arm kann Gott ganze Völker bewegen und sie
gebrauchen ohne dass sie es merken.
Er zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn
Hoffart oder Hochmut ist Gott stets zuwieder. Gott warnt durch Jeremia
sein Volk vor Hochmut, indem er sagt:
Höret und merkt auf und seid nicht so hochfahrend, denn der Herr hat's
geredet. Jer.13,15.
Auch Mose warnte bereits das Volk:
So hüte dich nun davor, den Herrn, deinen Gott, zu vergessen, so daß du
seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete,
nicht hältst. ... dann hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt und
du den Herrn, deinen Gott, vergißt, der dich aus Ägyptenland geführt
hat, aus der Knechtschaft, Dt.8,11.14.
Genau das ist Israel passiert. Sie haben vergessen, sie wurden
hochmütig und der Herr zerstreute ganz Israel.
Wir stehen selbst in der Gefahr Hochmütig zu werden, denn es gibt auch
einen frommen Hochmut. Dies kann Gott aber in keiner Weise gefallen.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
Mehrfach hat Israel dies erfahren, dass Gott gewaltige von ihren
Thronen warf und Niedrige erhoben hat.
So stiess er beispielsweise Saul von seinem Thron und setzte David als
König ein, welcher der jüngste seiner Familie war und nicht in grossem
Ansehen stand.
Aber nicht nur in Israel handelte Gott so, sondern auch in andern
Völkern, so heisst es von Nebukadnezar:
Denn nach zwölf Monaten, als der König auf dem Dach des königlichen
Palastes in Babel sich erging, / hob er an und sprach: Das ist das große
Babel, das ich erbaut habe zur Königsstadt durch meine große Macht zu
Ehren meiner Herrlichkeit.
Gottes Reaktion liess nicht lange auf sich warten, denn Daniel fährt
weiter:
Ehe noch der König diese Worte ausgeredet hatte, kam eine Stimme vom
Himmel: Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Dein Königreich ist dir
genommen, / man wir dich aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen,
und du sollst bei den Tieren des Feldes bleiben; Gras wird man dich
fressen lassen wie die Rinder, und sieben Zeiten sollen hingehen, bis du
erkennst, daß der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen
und sie gibt wem er will. Dan.4,26-29.
Und Asaf sagt:
"sondern Gott ist Richter, der diesen erniedrigt und jenen erhöht."
Ps.75,8.
Im Psalm 2 wird uns sogar berichtet, dass Gott über das Gehabe der
Grossen nur lachen kann. Sie meinen, sie machen Weltgeschichte und
sind sich nicht bewusst, dass sie keinen Schritt weiter können, als
Gott es ihnen zulässt. Dort steht:
Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat
miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten: / "Lasset uns
zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!" / Aber der im
Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer. Ps.2,2-4.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer ausgehen.
oder: Die Hungrigen füllte er mit Gutem und Reiche schickte er leer weg.
[Ps.107,9]
Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, / wie
er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
Und schliesslich wird Maria sehr klar, dass die Zusagen Gottes, die er
Abraham und den Vätern gemacht hatte, dass er diese halten wird.
Barmherzigkeit wird er seinem Volk trotz allem zukommen lassen. Israel
ist das erwählte Volk ob uns das gefällt oder nicht.
Das bezeugt Gott durch Mose:
Aber wenn sie auch in der Feinde Land sind, verwerfe ich sie dennoch
nicht, und es ekelt mich nicht vor ihnen, so daß es mit ihnen aus sein
sollte und mein Bund mit ihnen nicht mehr gelten sollte; den ich bin der
Herr, ihr Gott. Lev.26,44.
C. Starker Gott
Maria rühmt den starken Gott vielfältig. Ihr Herz geht über, sie ist
begeistert von ihrem Gott.
Maria rühmt Gott aufgrund von Tatsachen. Sie stützt sich auf das
Handeln Gottes, das er durch die ganze Geschichte Israels gezeicht
hat.
Kennen wir diese Begeisterung? Oder haben wir immer noch ein Wenn und
Aber?
Geben wir Gott recht in seinem Handeln?
III. Maria verlässt Elisabeth (56)
Maria geht vermutlich vor der Geburt des Johannes wieder zurück nach
Nazareth.
Vielleicht wollte sie nicht von den vielen Gästen gesehen werden, denn
im 4. Monat sieht man bereits, daß ein Kind am wachsen ist.
Schluß
In solchen besonderen Erfahrungen fällt es uns oft leicht den Herrn zu
rühmen. Aber wir machen nicht alle Tage besondere und
aussergewöhnliche Erfahrungen.
Die Schlußfolgerung aus dem Lobgesang der Maria, wir sollten täglich
unseren Gott in dieser überschwenglichen Weise loben, wäre falsch.
Jakobus ist diesbezüglich sehr nüchtern, er schreibt:
Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe
Psalmen. Jak.5,13.
Dieses Lob der Maria ist ein kleiner Vorgeschmack auf die Ewigkeit
hin, dort werden wir Gott ohne Zweifel in hohem Maße loben.
Jetzt aber sollten wir aber nicht mittels verschiedener Methoden einen
solchen Lobpreis hochstilisieren. Dieser Lobpreis kommt automatisch,
wenn sich Gott uns in einer besonderen Weise beschenkt.
Unsere Aufgabe auf dieser Erde ist es in allen Dingen dem Herrn
dankbar zu sein, wie Paulus die Thessalonicher auffordert:
Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus
Jesus an euch. 1.Thes.5,18.
Amen

