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Der Mensch - Was macht ihn so einzigartig?

Vortragsreihe Schöpfung und Evolution
07.04.2024
Event•Teil 2 / 17Vortragsreihe Schöpfung und Evolution 2024
Was macht uns Menschen so einzigartig? Es ist nicht Größe, Kraft oder Schnelligkeit. Unser Gehirn mit seinen unglaublichen 100 Milliarden Nervenzellen, die Fähigkeit zu sprechen, kreativ zu sein, über Vergangenheit und Zukunft nachzudenken – das zeichnet uns aus. Doch das Wichtigste: Nur wir können echte Gemeinschaft mit Gott erleben. Warum ist die Beziehung zu Gott das größte Privileg des Menschen?
Wir machen uns zusammen auf eine Reise mit den Kindern und mit allen Erwachsenen, die interessiert sind.
Kinder, ihr seid ja sicher schon viel gereist. Vielleicht wart ihr mal in die Berge gefahren oder ans Meer gefahren. Heute wollen wir gemeinsam mit euch eine Reise machen, aber nur in Gedanken. Im Weltall war sicher noch keiner von euch, ich auch nicht. Aber dieses Bild ist aus dem Weltraum aufgenommen.
Stellt euch vor, ihr wärt noch nie auf der Erde gewesen. Stellt euch vor, ihr wüsstet nichts von Menschen, von Pflanzen, von Tieren. Ihr wärt noch nie hier gewesen und ihr sitzt in einem Raumschiff und fliegt durch das riesige Universum.
Diese Fotografie, das ist eine echte Fotografie, die etwa vierzig Jahre alt ist oder dreißig Jahre alt ist und zu den bekanntesten Weltraumfotografien zählt, heißt Pale Blue Dot, also blassblauer Punkt. Das ist ein heller Punkt, den man mitten in einem Sonnenstrahl sieht. Das ist die Erde, aus sechs Milliarden Kilometer Entfernung aufgenommen, von der Raumsonde Voyager 1.
Und euch Kinder interessiert jetzt dieser helle Punkt, und wir machen uns jetzt mal gemeinsam auf die Reise zu diesem Punkt. Ihr wart aber noch nie dort gewesen, ihr wisst gar nicht, was euch erwartet.
Wir fliegen in Richtung Erde und sind jetzt nur noch ein bis zwei Milliarden Kilometer entfernt. Wir sehen, dass dieser helle Punkt schon etwas größer wird. Die größeren Kinder erkennen wahrscheinlich, wo wir uns befinden, nämlich in der Nähe vom Saturn, und schauen unter dem Saturn durch in Richtung von der Erde. Auch das ist eine echte Fotografie.
Wir wollen aber genauer wissen, was auf dieser Erde so vor sich geht. Und wir sehen, als wir nur noch einige, wahrscheinlich Tausende Kilometer entfernt sind, dass die Erde auf der dunklen Seite, also auf der Seite, die nicht von der Sonne beschienen ist, helle Punkte hat, viele helle Punkte. Und das wundert uns jetzt, das haben wir noch nicht gesehen.
Als wir etwas näher sind, erkennen wir sogar Deutschland, die Niederlande, dann den Nil, erkennen vielleicht schon die größeren Kinder, dann die Mittelmeerküste. Auch Südostasien erkennt man. Viele helle Flecken.
Jetzt verstehen wir nicht mehr so viel. Wir haben schon vieles gesehen im Universum. Wir haben helle Kometen gesehen, schöne Sonnen gesehen, viele Planeten entdeckt. Aber dass ein Planet selbst leuchtet, das haben wir noch nicht entdeckt. Wir wollen wissen, was da passiert.
Als wir jetzt direkt über die Erdoberfläche fliegen, sehen wir, dass unten seltsame Linien sind, und auf diesen Linien gibt es viele kleine Kästen, die sich so hin und her bewegen. Das können wir jetzt nicht so richtig einordnen. Wir fliegen über den Urwald, sehen noch dort eine lange Linie, die über eine tiefe Schlucht gespannt ist. Komisch, wir wissen gar nicht mehr, wer das jetzt gemacht hat, was das überhaupt ist. Auch hier mitten im Urwald über einem Fluss eine weitere Linie. Hier im Urwald entdecken wir dann auch so seltsame Gebäude. So richtig erklären können wir das nicht.
An Pflanzen haben wir uns mittlerweile gewöhnt, aber dass es solche Gebäude gibt, haben wir bisher noch nirgends im Universum entdeckt. Als wir dann über eine andere Gegend fliegen, sehen wir riesige Gebäude, die sind zum Teil mehrere hundert Meter hoch.
Wir haben jetzt genug gesehen, wollen lieber über den ruhigen Ozean fliegen. Auf einmal fliegt unter uns ein riesiger, lauter Vogel vorbei. Das verschlägt uns jetzt völlig die Sprache. Wer kann so ein großes Gebilde bauen, das selbst fliegt? Und etwas weiter auf dem Ozean dann ein noch größeres Gebilde, das fährt und ganz, ganz viele kleine Kästen geladen hat?
Wir haben jetzt genug gesehen, müssen jetzt etwas darüber nachdenken und fliegen wieder zurück ins Weltall. Gerade als wir die Erde verlassen haben, schwebt neben uns ein riesiger Gegenstand vorbei, größer als hundert Meter, mit riesigen Sonnensegeln.
Wer kann Straßen bauen? Wer kann Fahrzeuge bauen, die sich selbst bewegen? Wer kann Flugzeuge entwickeln, die mehrere hundert Menschen gleichzeitig transportieren und sicher ans Ziel bringen? Wer kann Gebäude bauen, die mehrere hundert Meter hoch sind? Das finden wir nur auf der Erde.
Und nach allem, was wir jetzt gesehen haben, interessiert uns die eine Frage: Wer besitzt die Fähigkeiten, so etwas zu bauen? Wer oder was ist dafür verantwortlich?
Heute wollen wir uns den Menschen anschauen. Ihr seid wahrscheinlich alle schon mal, oder die meisten, durch die Ausstellung gegangen. Da geht es teilweise um leicht verständliche Sachen, auch teilweise um Chemie, um ganz schwierige Themen. Aber wenn man heute nicht mehr weiß, worum es geht, dann muss man nur noch auf sich selbst schauen, nämlich um uns selbst, um den Menschen, um den menschlichen Körper.
Am sechsten, am letzten Schöpfungstag, nachdem Gott alle Tiere und alle Pflanzen erschaffen hatte, schuf Gott den Menschen. Und dann kam dieser Abschluss: Und siehe, es war sehr gut. Man sagt ja so landläufig: Der Mensch ist die Krone der Schöpfung.
Jetzt eine Frage an die Kinder: Wer trägt eine Krone? Welche Menschen tragen eine Krone? Könige, sehr gut. Also kann man sagen, der Mensch ist so etwas wie ein König innerhalb der Schöpfung.
Das heißt ja aber, der Mensch muss irgendeine Sache haben, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet, wenn der Mensch so der König ist, sozusagen die Krone der Schöpfung. Deswegen die Frage: Was macht den Menschen so einzigartig?
Da lade ich ein, dass auch die Kinder mitdenken und überlegen: Was denkt ihr, was macht den Menschen besonders? Ich mache meinen Vorschlag. Der Mensch ist vielleicht das größte aller Lebewesen.
Hier seht ihr einen Menschen, der zu den größten Menschen des letzten Jahrhunderts zählte: Robert Wadlow, ein Amerikaner. Er war 2,72 m groß. Ich weiß nicht, ob die Kinder wissen, wie groß ihre Papas sind. Mein Papa ist ungefähr 1,90 m groß. Euer vielleicht auch so groß, ein bisschen kleiner, ein bisschen größer, aber so groß ist mit Sicherheit keiner von euren Papas.
Was denkt ihr, vielleicht ist dieser Mann das größte Lebewesen? Kennt jemand ein Lebewesen, das größer ist als dieser Mann? Ja, genau, das ist auch ein Mensch gewesen, aber ich meine jetzt ein Lebewesen, also gibt es Tiere, die größer sind. Genau, Giraffen, Blauwale, sehr gut.
Es gibt schon viele Vorschläge, das stimmt. Der Blauwal zählt zu den größten Lebewesen. Er wiegt 90 Tonnen, ist 33 Meter lang, also viel länger als so ein Auto, mit dem wir jeden Tag fahren. Er wiegt so schwer wie mehrere, wie viele Lkw voll beladen. Man sieht hier sogar einen Taucher nebendran, der verschwindend klein aussieht.
Aber ich verrate euch was: Das habe ich jetzt auch neu entdeckt, dass das nicht das größte Tier ist, zumindest nicht das längste. Man hat nämlich an der Küste von Schottland schon vor einigen Jahren, vor über hundert Jahren, einen Wurm gefunden, der 55 Meter lang war. Schnurwürmer. Das heißt, der Blauwal ist nicht das längste, nicht das größte Tier.
Würmer, die sind dann ungefähr so lang im Verhältnis. Aber vielleicht ist der Mensch ja das stärkste aller Lebewesen, vielleicht macht das ja den Menschen so einzigartig.
Hier sieht man einen der stärksten Menschen der letzten Jahre oder Jahrzehnte, mittlerweile lebt er nicht mehr, einen Deutschen. Man sieht, dass er hier ein Pferd auf seine Schulter gepackt hat und mit diesem Pferd siebzehn Sprossen einer Leiter hochgelaufen ist und das Pferd nur in einer Hand hielt. Dieser Mann, Emil Bahr hieß er.
Man hat ihn sogar mal an zwei Flugzeugen mit zwei Ketten festgebunden, und dann haben diese Sportflugzeuge versucht zu starten. Das waren so kleine Sportflugzeuge, und er hat die festgehalten, die haben es nicht geschafft zu starten. So stark war dieser Mann.
Kennt jemand ein Lebewesen, das stärker ist? Vielleicht ist der Mensch ja das stärkste aller Lebewesen. Gorilla, sehr gut. Weißt du, wie stark? Weiß ich nicht genau, aber bestimmt stärker als der Mensch.
Ich zeige aber ein Tier, das noch stärker ist: der Elefant, hier ein indischer Elefant. Elefanten können bis zu neun Tonnen stemmen. Deswegen werden sie auch zum Beispiel zum Transport von schweren Baumstämmen eingesetzt.
Schon wieder hat der Mensch diesen Wettkampf verloren. Der Mensch ist also nicht das stärkste aller Lebewesen.
Ich mache noch einen Vorschlag: Vielleicht ist der Mensch ja das schnellste aller Lebewesen. Hier ein Mann, den vielleicht manche kennen: Usain Bolt, der vor einigen Jahren den Weltrekord aufgestellt hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das noch der aktuellste Weltrekord ist, aber zumindest gehörte er zu den schnellsten Menschen.
Was denken die Jungs, kennt ihr ein Lebewesen, das schneller ist? Ja, das wissen die Jungs: Gepard, sehr gut. Menschen können ungefähr 45 km/h schnell laufen, also so schnell wie ein Auto auf der Landstraße oder wie in der Stadt. Der Gepard kann 120 km/h schnell laufen.
Es gibt aber Tiere, die noch schneller sind: die Wanderfalken. Die können bis zu 300 km/h schnell werden. Schon wieder ist der Mensch nicht so besonders.
Wir haben schon fast die Hoffnung aufgegeben. Man könnte nämlich sagen, der Blauwal ist größer, der Elefant ist stärker, der Gepard ist schneller, der Adler kann besser sehen, und es gibt noch viel mehr Disziplinen, viel mehr Eigenschaften, wo der Mensch gar nicht so besonders ist, wie wir uns vielleicht zuerst fühlen.
Die Frage ist aber immer noch: Was macht den Menschen so einzigartig? Und das ist diese Sache, die den Menschen einzigartig macht, zumindest als erste Antwort. Dieses Organ trägt jeder in sich, im Schädel. Wenn man mal seine zwei Fäuste nebeneinander hält, dann ist es genau die Größe von dem Organ, das man in sich trägt. Ungefähr 1,6 Liter vom Volumen her, also so wie eine Saftflasche. So groß ist unser Gehirn. Es fühlt sich von außen an wie Pudding, ziemlich weich, sieht aus wie eine Walnuss mit vielen Furchen.
Und dieses Gehirn, das hört man sehr oft, vielleicht auch im Schulunterricht, das macht den Menschen so einzigartig. Diese Antwort wollen wir aber mal überprüfen, ob die stimmt.
Wie funktioniert das Gehirn? Ich hatte mal eine Batterie auf den Tisch gelegt und einige Schnüre dran gebunden, damit wir verstehen, wie das Gehirn funktioniert. Es ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Stellt euch vor, die Kinder wissen auch: Wenn man ein Haus baut, dann muss man ganz viele Ziegelsteine kaufen, und aus diesen Ziegelsteinen, die aufeinander sitzen, entsteht dann ein Haus.
Und genauso ist auch das Gehirn aus ganz vielen kleinen Teilen aufgebaut, und diese kleinen Bausteine heißen Nervenzellen. So eine Nervenzelle ist hier dargestellt. Die Batterie, das ist so der Computer, also die Zentrale dieser Nervenzelle. Da gibt es oben einige Antennen, wo dann die Signale empfangen werden, und unten eine lange Leitung, die dann das Signal an die nächste Zelle weiterleitet. Das heißt hier nochmal dieser Nervenzellkörper, oben die Antennen, unten die Leitung.
Und dann gibt es jetzt ganz viele Nervenzellen, also ganz viele Bausteine, die miteinander verknüpft sind im Gehirn. Und diese Verknüpfungen sind ganz wichtig, die heißen Synapsen. Und dann im Gehirn sieht es ungefähr so aus, nur noch ein bisschen komplizierter.
Da das jetzt nicht ausgedacht ist, zeigt dieses Bild: Das ist jetzt eine echte Fotografie von einem Elektronenmikroskop. Und man hat hier dargestellt: Man sieht jetzt unten solche kleinen Kügelchen, das sind diese Nervenzellkörper, dann diese lange Leitung und oben ganz viele Antennen oder ganz viele Verbindungsstellen, und unten, was aussieht wie die Wurzeln, das sind dann die Antennen. Das heißt, so wie ich das eben im Modell gezeigt habe, ist das wirklich im Gehirn so.
Wir wollen uns aber jetzt mal überlegen: Wie kompliziert ist denn das Gehirn? Vielleicht gibt es ja nur so drei, vier Nervenzellen. Ich habe mir aus dem Kühlschrank ein Stück Gurke geholt und einen Würfel aus diesem Stück Gurke herausgeschnitten. Das Volumen von diesem Gurkenwürfel ist ein Milliliter, also nicht viel. Das heißt, jede Seite von diesem Würfel ist ein Zentimeter lang.
Jetzt überlegen wir mal: Wenn wir so ein Stück aus unserem Gehirn rausschneiden würden, das machen wir natürlich nicht, deswegen nur aus der Gurke, wie viele Nervenzellen wären in so einem Stück Gehirn drin? Antennen hätten wir 460 Kilometer nur in diesem kleinen Stück Gehirn, Nervenleitungen 3000 Kilometer, Nervenzellen ungefähr so viele wie Deutschland Einwohner hat, 81 Millionen, und Nervenzellverbindungen 800 Billionen, also eine Zahl, die sich wirklich keiner mehr vorstellen kann.
Ich hoffe aber, dass das Gehirn, oder ich bin mir sicher, dass das Gehirn von uns nicht nur so groß ist, sondern etwas größer. Deswegen jetzt noch mal neue Zahlen: Wie viele Kilometer haben wir in unserem gesamten Gehirn? 560 Kilometer Antennen, 5,8 Millionen Kilometer Nervenleitungen nur in diesem kleinen Organ, Nervenzellen 100 Milliarden und Verbindungen 10 hoch 18, eine Trillion. Das ist eine Zahl, die jede Vorstellungskraft sprengt. Das kann sich kein Mensch auch nur annähernd vorstellen, wie viele Verbindungen das Gehirn hat.
Dass das auch nicht ausgedacht ist, zeigt dieses Bild. Das ist jetzt eine Nervenzelle, die von oben kommt, dann sieht man so einen kleinen Spalt, wo es ein bisschen dunkel ist, und unten dann die nächste Nervenzelle, und das ist diese Synapse, also diese Verbindung zwischen zwei Nervenzellen. Und von diesen Verbindungen gibt es im Gehirn ungefähr 10 hoch 18, also eine Trillion. Das ist eine Eins mit achtzehn Nullen. So viele Verbindungen haben wir im Gehirn.
Das ist unvorstellbar viel. Deswegen hat man versucht, das mal wirklich nachzuprüfen und mit einem Computer darzustellen. Und zwar gibt es ein Projekt, das unter anderem in Heidelberg weltweit durchgeführt wird, wo man ein Gehirn in ganz, ganz kleine Scheiben schneidet und dann diese kleinen Scheiben scannt mit einem Mikroskop und dann diese Bilder mit einem Computer zu einem 3D-Modell zusammensetzt.
Das sieht dann so aus. Das sind diese gescannten Scheiben, und dann guckt man, welche Verbindungen wohin gehen. Man hat so versucht, den gesamten Schaltplan des Gehirns mal darzustellen, aufzuzeichnen. Es gibt sicher einige Elektroniker oder Elektriker hier, die auch viel mit Schaltplänen zu tun haben. Das kennt auch jeder aus dem eigenen Haus, dass es da auch eine Verschaltung gibt, und genauso hat das Gehirn eine Verschaltung.
Und man hat versucht, das mal alles darzustellen. Das sieht dann im Modell so aus. Man kann tatsächlich nachprüfen, welche Nervenzelle mit welcher in Verbindung steht. Und die Idee war die: Wenn man jetzt das ganze Gehirn mal scannt in dieser Auflösung und alle Verbindungen darstellt, dann werden wir viel besser verstehen, wie das Gehirn funktioniert, wie Krankheiten entstehen usw.
Es gibt nur ein riesiges Problem: Wenn man genau dieses Bild, wenn man jetzt das gesamte Gehirn und man hat schon angefangen, das gesamte Gehirn in so kleine Scheiben zu schneiden und zu scannen und dem Computer das berechnen lässt, dann bräuchte man mit den besten Rechnern, mit der besten Technik, die aktuell angewendet wird, zehn Millionen Jahre, um das ganze Gehirn zu kartografieren, um den Schaltplan zu entziffern.
Das heißt, selbst bei diesem kleinen Gehirn, nur bei einem Gehirn, ist es für den Menschen aktuell noch unmöglich, alle Verbindungen darzustellen. Man kann sagen: Das Gehirn sprengt jede Vorstellungskraft aufgrund dieser Komplexität.
Kein Tier besitzt so viele Nervenzellen wie das Gehirn. Es gibt natürlich auch Tiere, die sehr, sehr viele Nervenzellen besitzen, auch sehr komplex gebaut sind, aber so viele Nervenzellen im Gehirn besitzt, so viele Nervenzellverbindungen wie im Gehirn der Mensch hat, besitzt kein Tier. Also der erste Punkt, der den Menschen vom Tier unterscheidet, ist die Komplexität des Gehirns, des Organs an sich.
Ich will noch einige Punkte aufzählen, die das Gehirn noch weiter unterscheiden. Ein Bild, das erstmal etwas unverständlich aussieht, das kennen wir aber auch aus dem normalen Leben, wenn man nämlich ein Kabel mal nimmt und durchschneidet, als Elektriker zum Beispiel, dann sieht das so ähnlich aus. Man hat eine große Umhüllung von außen und in dem Kabel dann nochmal viele einzelne Fasern.
Hier ist die Besonderheit, dass jede einzelne Faser von diesem Nervenfaserbündel isoliert ist. Es ist so wunderbar gemacht wie bei einem echten Kabel, dass diese Nervenleitungen, die ja nichts anderes als Stromleitungen sind und Strom im Gehirn leiten, ganz, ganz kleine Ströme, dass die alle isoliert sein müssen.
Ich hatte mal vor einigen Jahren aus Versehen ein Kabel angefasst mit 240 oder 230 Volt, und es hat sich nicht gut angefühlt. So ist es gefährlich, wenn im Körper Nervenfasern ohne Isolierung da liegen. Das ist zum Beispiel das Problem bei MS, dass dann diese Isolierung kaputt ist und es dann zu Krankheiten kommt.
Wenn man sich das jetzt mal im Detail anschaut, auch das ist eine elektronenmikroskopische Aufnahme, dann sieht man, dass dieses Nervenfaserbündel in der Mitte von ganz, ganz vielen Umhüllungen umgeben ist. Es gibt sogar mehrere hundert Mal eine Isolierung um die Nervenfaser, um die Nervenfaserleitung, mehrere hundert Mal umwickelt. Und das ist so exakt gemacht. Man sieht jetzt auf diesem Bild, dass es immer wieder Unterbrechungen gibt, und durch diese Unterbrechungen wird das Signal einerseits isoliert, aber springt dann doch von Unterbrechung zu Unterbrechung. Ja, sehr kompliziert, aber wir sehen, wie präzise diese Isolierung und dann auch diese Unterbrechungen konzipiert sind.
Und diese Unterbrechungen, die ganz, ganz wichtig sind, die haben einen fest definierten Abstand von einem Nanometer. Das heißt, der Kopf ist so präzise gebaut, dass er sogar im Nanometerbereich genau aufgebaut ist. Man könnte sagen, der zweite Punkt ist die Präzision im Detail, auch eine Sache, die den Menschen besonders auszeichnet. In keinem Lebewesen sind die Nervenfasern so präzise und so ausgiebig isoliert wie im Menschen.
Ein weiterer Punkt, den ich besonders spannend finde: Wie ist das jetzt eigentlich? Wenn ein Mensch entsteht vor der Geburt, dann müssen ja die Nervenzellen sich irgendwie miteinander verbinden. Es gibt erst nur eine Nervenzelle, dann wachsen weitere. Die Frage ist nur, woher wissen die Nervenzellen, mit welcher Zelle sie eine Verbindung eingehen müssen? Es kann ja nicht komplett zufällig sein, sonst hätten wir kein so gut funktionierendes Gehirn, sonst könnten wir nicht leben. Also muss es schon ein System geben. Aber wo bitte ist dieser Schaltplan von diesem Gehirn, der so kompliziert ist, dass es der Mensch noch nicht mehr entziffern kann?
Da gibt es verschiedene Ursachen, ich möchte jetzt nur eine nennen. Das ist keine verblühte Rose oder keine verblühte Blume, sondern das ist die Spitze von so einer Nervenzelle. Wenn jetzt die Nervenzellen entstehen und wachsen, bei kleinen Kindern sozusagen, dann haben sie vorne an der Spitze sozusagen eine Nase, mit der sie wirklich riechen können. Die Nervenzellen können tatsächlich riechen und sie riechen Geruchsstoffe. Und wenn sie jetzt im Gehirn entstehen, dann wachsen sie in die Richtung von dem Geruchsstoff, den sie besonders mögen. Das heißt, sie wachsen dann irgendwie in Richtung von der Stirn zum Beispiel oder wandern, also sie können tatsächlich wandern, oder wandern dann genau in die entgegengesetzte Richtung, wenn sie diesen Geruchsstoff nicht mögen. Das hat man nachgewiesen, dass das tatsächlich so ist.
Das heißt, die Nervenzellen können wandern und können riechen, und dadurch entsteht dann eine sehr hochgradige Ordnung, die man hier sieht. Diese Linien sind solche Schienen, an denen sich die Nervenzellen dann entlanghangeln, genau an die Position, wo sie hingehören, und dann entstehen solche Stockwerke, das ist jetzt von der Gehirnrinde, die eine sehr ausgeklügelte Architektur aufweisen, also eine sehr große Ordnung im Gehirn.
Das sieht dann so aus, hier ein Bild von der rechten und linken Hirnhälfte und eine Verbindung mit 250 Millionen Datenkabeln, also 250 Millionen Fasern, die von der linken in die rechte Hirnhälfte ziehen. Also kein Bild von einem Durcheinander, sondern einer hochgradigen Ordnung im Gehirn. Gott ist ein Gott der Ordnung, das sieht man auch im Gehirn.
Man sagt ja, dass bei Frauen die linke und die rechte Hirnhälfte besser verknüpft sind als beim Mann. Weiß ich nicht, ob das wirklich so ist, es ist eher wahrscheinlich einfach ein Spruch, aber man sieht es sowohl beim Mann als auch bei der Frau, dass sehr viele Fasern von der linken in die rechte Hirnhälfte ziehen.
Dieser Teil ist für die Kinder besonders wichtig. Es ist ein Teil, der für das Gedächtnis sehr entscheidend ist: Hippocampus. Der liegt mitten im Gehirn, in der Mitte, und man sieht hier ganz viele Nervenzellen, die hier künstlich angefärbt wurden, die fast wie Soldaten einer neben dem anderen stehen und ihre Nervenleitungen schön ordentlich alle nach unten leiten oder eben in anderen Gegenden. Also kein Bild von einem Durcheinander, wo einfach hundert Milliarden Nervenzellen in eine Kiste gemacht und geschüttelt wurden, sondern eine hochgradige, eine beeindruckende Architektur.
Dann eine Sache, die auch sehr außergewöhnlich ist beim Gehirn, nicht nur beim menschlichen Gehirn, aber auch beim menschlichen Gehirn: Das ist ein Bild eines Gehirns. Ich weiß nicht, ob den Kindern auffällt, was da fehlt. Auch wenn ihr so Bilder noch nicht so oft gesehen habt, wer von den Kindern entdeckt, was da fehlt in diesem Kopf?
Sehr gut, das ist die Gehirnhälfte. Wir schauen von hinten auf einen Menschen, auf den Kopf eines Menschen, eines Patienten, und die rechte Gehirnhälfte, die fehlt komplett. Ihr könnt mal euren Papa zuhause fragen, ob ihr mal die Hälfte von eurem Computer zuhause ausbauen dürft und dann mal gucken, wie gut er noch funktioniert. Die natürlich nicht funktionieren. Bei Menschen funktioniert das.
Wenn es früh genug geschieht, dass die rechte Hirnhälfte hier war es wahrscheinlich durch einen Gendefekt komplett sich nicht entwickelt hatte in der Entwicklung des Menschen vor der Geburt, konnte die andere Hirnhälfte alle Aufgaben fast zu hundert Prozent abfangen und übernehmen. Man nennt das Anpassungsfähigkeit oder Plastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, Ausfälle komplett zu übernehmen.
Der bunte Bereich, der hinten eingefärbt ist, das ist der Bereich vom Gehirn, also hinten, der für das Sehen, für das Wahrnehmen von Dingen zuständig ist, verantwortlich ist. Diesen Patienten hat man nur zufällig entdeckt, er war ein völlig normaler Mensch, der sich normal oder fast normal verhalten hatte, und durch eine andere Krankheit kam er ins Krankenhaus. Man hat ein Bild von seinem Kopf gemacht und sich gewundert, wie dieser Mensch so leben konnte, nur mit der Hälfte seines Gehirns. Und er konnte auch normal sehen, das heißt, dieser bunte Bereich hat komplett die Aufgabe vom anderen Bereich übernommen.
Eine sehr beeindruckende Fähigkeit, die man so bei den Sachen, die wir als Menschen entwickeln, bei Maschinen nicht findet. Die Besonderheit des Gehirns ist, dass Hardware und Software, also das Programm und der Stoff oder das Gehirn an sich als Organ, verschmelzen. Das wird nicht getrennt, sondern im Gehirn ist das eine und dasselbe, also die Anpassungsfähigkeit.
Wie viele Menschen kennt ihr? Vielleicht die ein bisschen größeren Kinder. Hier sehen wir eine Gruppe von etwa zwanzig, dreißig Personen. Was schätzt ihr, wie viele Menschen kennt ihr? Ihr kennt sicher eure Eltern, Geschwister, Opa und Oma, die Nachbarn, ein paar Klassenkameraden. Was schätzen die ein bisschen größeren Kinder, wie viele Personen kennt ihr? Die Mädchen, die habe ich noch nicht gehört. Über hundert? Die Jungs dürfen auch. Wer will mal irgendeine Zahl schätzen? Bitte? Zweihundert? Sehr gut, also zweihundert ist schon ziemlich viel.
Bei Kindern ist es vielleicht ungefähr so. Man weiß von Erwachsenen, dass man fünf bis zehntausend Personen unterscheiden kann, also auch ungefähr weiß, wo die hingehören. Und was wissen wir denn von Menschen? Wir kennen sehr häufig den Namen, jetzt nicht vielleicht von allen zehntausend, aber doch von vielen. Wir wissen, wo sie wohnen ungefähr, wir kennen ihr Aussehen, wir kennen die Haarfarbe, wir können sie ja erkennen, wir kennen ungefähr die Gesichtskonturen. Wir wissen vielleicht die Telefonnummer, früher mehr als heute, heute gibt es zu viele Nummern. Wir kennen den Geburtstag, das Auto, das sie fahren. Wir erkennen schon von weitem: Das muss die und die Person sein, weil das Auto, das kenne ich. Wir kennen vielleicht Instrumente, die diese Person spielen, die Stimme, weil wenn wir die Stimme nur hören, ohne die Person zu sehen, dann wissen wir auch: Das ist meine Mama oder mein Papa. Das heißt, wir haben die Stimme auch gespeichert. Wir kennen den Charakter von Personen, wir wissen, der eine ist immer so ganz hektisch und der andere eher langsam. Auch das haben wir in uns gespeichert.
Wir wissen, wo wir diese Person zum letzten Mal gesehen haben. Wir wissen von vielen, ob die vielleicht eher gut Fußball spielen können oder eher gut im Schach spielen sind, ob die gut singen können oder ein gutes Instrument spielen können. Wir kennen gemeinsame Erfahrungen, wir wissen, wo wir ihn zum letzten Mal gesehen haben, wir wissen sogar, ob er wahrscheinlich gerade zu Hause ist oder eher auf der Arbeit sein wird. Wir kennen ja selbst den Charakter und die Stimme.
Wenn mein Kollege morgen ins Zimmer kommt und so richtig aufgeregt ist und ganz hektisch ist und irgendwas ruft, dann finde ich das ja nur seltsam, weil ich seinen normalen Charakter irgendwie gespeichert habe. Ich weiß, dass er normalerweise nicht so ist. Und jetzt verhält er sich plötzlich anders, das heißt, auch sein Charakter ist gespeichert.
Wenn meine Frau morgens eine ganz heisere Stimme hat, dann fällt mir das ja nur auf, weil ich ihre normale Stimme kenne und diese normale Stimme auch in meinem Kopf irgendwo in diesen hundert Milliarden Nervenzellen gespeichert habe, und plötzlich fällt mir auf, dass es anders ist. Das heißt, wir wissen über diese fünf bis zehntausend Personen extrem viele Sachen, die uns häufig so gar nicht bewusst sind, weil sie so schnell abgerufen werden.
Man könnte also sagen, das Gedächtnis ist wie eine Bibliothek, aber ich möchte gleich ein Beispiel zeigen, das es noch viel komplexer ist als eine Bibliothek. Der Mensch kennt etwa hunderttausend Wörter, bei Fremdsprachen sind es dann bis zu zweihunderttausend Wörter, Deutsch, Englisch, Russisch vielleicht. Man weiß, wenn man dieses Wort verwendet, weil man vielleicht das eine Wort eher nicht sagt, das andere Wort verwendet, wie man das Wort ausspricht, wie man es hoffentlich richtig schreibt, wie man es im Satz einbindet, weil man das eine Wort sagt, danach das andere, dann das dritte Wort.
Wir wissen, welche Synonyme, also welche ähnlichen Worte es gibt, in welcher Sprache wieder dieses Wort in einer anderen Sprache heißt, wir wissen, wie man sich die Schuhe bindet, wie man geht. Kein Mensch oder zumindest die etwas größeren Menschen müssen überlegen: So, jetzt den rechten Muskel anspannen, den großen Muskel jetzt entspannen, jetzt den linken Fuß nach vorne. Niemand überlegt, wie man zu gehen hat, jeder hat es gespeichert. Auch das ist im Gehirn, im Gedächtnis gespeichert, wie man geht.
Keiner muss jeden Tag neu lernen, ein Instrument zu spielen. Wir haben es einmal gelernt, müssen dann üben, aber an sich sind die Bewegungen, zum Beispiel beim Geige spielen, gespeichert. Wir kennen hunderte Melodien, ihr müsst nicht jede Versammlung die Lieder neu lernen, auch Melodien speichert man, Worte speichert man, das Datum der Weltkriege kennt man vielleicht aus der Schule, mathematische Regeln, grammatikalische Gesetzmäßigkeiten.
Wir wissen, wo wir gestern mittags waren, wo wir vor einem Jahr waren, was wir gestern zum Mittag gegessen haben, um wie viel Uhr wir heute morgens aufgestanden sind. Alle diese Erfahrungen, diese Erlebnisse, diese Eindrücke werden gespeichert. Natürlich nicht alles, aber das, was für uns wichtig ist. Das Abrufen von diesen Millionen Informationen funktioniert so schnell, dass wir uns wahrscheinlich noch fast gar nicht darüber Gedanken gemacht haben. Das ist aber noch besser als in einer Bibliothek.
Eine Frage an die größeren Kinder: War Napoleon, den man hier rechts sieht, einer der Menschen, einer der Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam? Das war jemand ganz schnell. Kennst du alle 60 Millionen Menschen, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen? Nein. Woher weißt du dann, dass Napoleon nicht dabei war? Schwierige Frage. Sehr gut, weil er nicht gelebt hat.
Und jetzt merken wir schon: Das menschliche Gedächtnis ist viel besser als eine Bibliothek. Man kann das Gedächtnis eher mit dem Bibliothekar, also mit dem Mitarbeiter in der Bibliothek vergleichen. Kein Mensch kennt alle 60 Millionen Menschen, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. Trotzdem können wir wahrscheinlich fast alle mit Sicherheit sagen, dass Napoleon nicht zu diesen Menschen gehört haben kann, weil, wie gesagt wurde, er früher, deutlich früher gelebt hatte.
Das heißt, das Gehirn kann das eine Buch herausholen: Zweiter Weltkrieg war ungefähr vor siebzig, achtzig Jahren, Napoleon lebte noch früher, das heißt, er kann nicht zu dieser Zeit umgekommen sein. Genial, man kann Sachen beantworten, die man gar nicht weiß, und trotzdem richtig antworten, indem man Informationen vergleicht und daraus Rückschlüsse zieht.
Das heißt, das Gehirn hat nicht nur die Sachen gespeichert, die wir tatsächlich sagen können, abrufen können, sondern durch Vergleichen von Informationen wissen wir noch viel mehr und können so viel besser durch das Leben kommen. Also das war jetzt nur noch ein Beispiel, aber die höheren Fähigkeiten sind so die fünfte Eigenschaft, die natürlich nicht nur den Menschen auszeichnen, aber in dieser Kombination den Menschen auch einzigartig machen.
Das letzte Beispiel, bevor wir ein gemeinsames Lied singen können, das letzte Beispiel für eine Eigenschaft, die den Menschen besonders macht, ist das menschliche Gehirn. Wir sehen hier Aufnahmen von menschlichen Gehirnen, wo immer bestimmte Bereiche rot-gelb markiert sind, die besonders aktiv sind, wenn man ein bestimmtes Gefühl hat. Man kann das durch verschiedene Messmethoden herausfinden, das ist bei jedem Menschen in etwa gleich. Wenn jemand richtig Angst hat, das kann man messen, dann ist dieser eine Bereich, der hier hellbunt markiert ist, besonders aktiv. Auch bei Traurigkeit, Ekel, Zorn usw. kann man so bestimmte Bereiche im Gehirn festlegen, feststellen, die besonders aktiv sind.
Aber was misst man da eigentlich? Man misst nur die Aktivität im Gehirn. Kein Mensch, kein Wissenschaftler kann mir sagen, was ich wirklich empfinde, wenn ich Angst habe vor einem Unfall oder wenn gerade etwas Schlimmes passiert ist. Wer kann mir sagen, was ich tatsächlich gedacht habe, was ich wirklich gefühlt habe? Das entzieht sich vollkommen der Wissenschaft.
So schrieb ein deutscher Physiologe: Was mit den Methoden der Naturwissenschaft zu finden ist, ist Struktur und chemische Zusammensetzung, das heißt das, was man sehen, was man messen kann, der Organe. Und niemals aber wird man durch das Mikroskop oder mit einem Messgerät eine seelische Regung im Nervensystem nachweisen. Wenn man wissen will, welche Gedanken, Wahrnehmungen oder Gemütserlebnisse das Gehirn hervorbringt, muss man den Menschen selbst fragen. Nicht einmal die einfachste Wahrnehmung, wie zum Beispiel Rot oder Sauer, ist mit den Methoden der naturwissenschaftlichen Hirnforschung zu finden.
Mit anderen Worten: Was wirklich im Gehirn passiert, oder was wir zumindest vorstellen, was im Gehirn passiert, weiß kein Mensch. Wir können zwar messen, ungefähr was passiert, wir können messen, wie viele Nervenzellen, wie viele Kilometer, wir wissen, welche Bereiche aktiv sind, aber was Menschen tatsächlich fühlen, denken, überlegen, was uns ja wirklich ausmacht, das ist völlig der naturwissenschaftlichen Erforschung bislang verschlossen, und ich denke auch nicht, dass das jemals zugänglich sein wird.
Ein Zitat von Menschen, die sich nicht direkt zum christlichen Glauben bekennen, aber die sagen auch: „Wir erkennen, dass das Gehirn deutlich komplizierter aufgebaut ist, als wir es uns jemals vorgestellt haben. Viele neurobiologische Vorgänge entziehen sich noch immer einer endgültigen Erklärung.“ Man kann also sagen, was das Gehirn auch besonders macht, sind die vielen offenen Fragen, die wir haben. Das Eigentliche können wir nicht erklären. Auch das macht den Menschen, das menschliche Gehirn, besonders. Vieles, was wir beobachten können, was wir erfahren, was wir jeden Tag, wodurch wir leben, was aber nicht erklärt werden kann.
Somit möchte ich mit diesem Zitat abschließen, diesen ersten Teil: Der das Ohr der Menschen erschaffen hat, sollte er wirklich nicht hören? Und der das Auge gebildet hat, sollte er nicht hinsehen? Aus Psalm 94. Und wir könnten jetzt vielleicht ergänzen, dass der die 100 Milliarden Nervenzellen weise und sehr genial zusammen in einem Gehirn verbunden hat, mit wunderbaren Eigenschaften, sollte er wirklich nicht wissen, wer wir sind, was wir denken, was wir wirklich brauchen?
Wir haben uns bisher im ersten Teil die Frage gestellt: Der Mensch, was macht ihn so einzigartig? Und unsere erste Antwort, ich hoffe, dass da alle zustimmen können: Das Gehirn.
Aber ich denke, wir merken doch, das Gehirn ist ja nur ein Teil vom menschlichen Körper von uns. Wir sind ja nicht nur Gehirn, wir sind ja noch etwas mehr. Die Fähigkeiten sind beeindruckend, das Organ an sich ist sehr beeindruckend, aber wir wollen jetzt mal einen Schritt zurückgehen und nicht nur auf das Organ schauen, sondern auch auf den Menschen an sich als Ganzen und uns die Frage stellen: Ist es nur das Gehirn, was den Menschen einzigartig macht? Und dahinter steht ja eigentlich die Frage: Wer ist der Mensch?
Nochmal einen ganz kurzen Ausflug ins Weltall mit den Kindern. Ihr wart hier schon gewesen vorhin, das ist jetzt ein detaillierteres Foto von der ISS, die wir vorhin gesehen haben. Jetzt ein Teil, da sieht man sogar, dass Menschen da schweben. Die ISS, für die Kinder, die es noch nicht gesehen haben, manchmal sieht man die sogar am Himmel, das ist ein Gebilde, in dem Menschen wohnen, etwa sieben Personen, die dort wohnen, und dieses Ding fliegt in einer Höhe von etwa 400 Kilometern um die Erde. Dort gibt es keine Luft, zumindest nicht so, dass man atmen kann, und die Menschen, die dort arbeiten, das sind meistens Wissenschaftler, die verschiedene Projekte machen und Experimente machen und dort einige Sachen testen.
An diesem Projekt haben fünf Raumfahrtagenturen aus 16 Ländern mitgearbeitet. Was musste alles passieren, damit der Mensch so etwas bauen konnte? Erstmal musste der Mensch Metall entdecken, dass es Metall im Gestein gibt. Dann musste man es schmelzen, dann musste man verschiedene Metalllegierungen, also verschiedene Metallmischungen erstellen, die geeignet sind, um so etwas zu bauen. Da ist auch Metall verbaut. Dann mussten Kunststoffe entwickelt werden, Keramik, verschiedene Materialien mussten entdeckt, entwickelt werden, natürlich nicht nur dafür, aber auch dafür.
Dann mussten Ingenieure sich überlegen, wie schafft man es, dass Menschen in einem luftleeren Raum überleben. Das muss irgendwie luftdicht sein, da muss man Sauerstoff herstellen, CO2 entfernen. Dann müssten wir dieses Ding, das mehrere, ich weiß nicht wie schwer es ist, mehrere Tonnen mit Sicherheit wiegt, nach oben transportieren, gegen die Schwerkraft, ins Weltall befördern, dann müssen wir es oben zusammenbauen. Was macht man, wenn ein Loch entsteht durch einen kleinen Gesteinsbrocken? Notfallpläne erstellen. Da mussten die Raketen gebaut werden, Raketen getestet werden, da mussten die Astronauten ausgebildet werden, verschiedene Übungen mit ihnen gemacht werden.
Wie genial ist es, dass der Mensch aus nur ganz wenigen Materialien, Keramik, Metall, Kunststoffe, vielleicht noch einiger anderer Sachen, Glas, so ein komplexes Gebilde baut, das wunderbar funktioniert und wo der Mensch auch viele gute Experimente machen kann.
Ich weiß nicht, ob es hier schon mal Eichhörnchen gibt, die Aufzüge bauen und mit ihrem Aufzug immer hoch in den Baum fahren, damit die ein bisschen schneller sind. Das gibt es natürlich nicht. Von Tieren kennen wir so etwas überhaupt nicht. Gut, man kennt vielleicht, dass Tiere gewaltige Bauten im Fluss bauen, zum Beispiel Biber, die Bienen, die bauen auch beeindruckende, sehr genaue, auch beeindruckende Gebilde, wo sie dann wohnen, Honig speichern usw. Also Tiere bauen schon Sachen, entwickeln schon Sachen, aber eigentlich immer nur zur eigenen Sicherheit, vielleicht um Nahrung zu speichern, aber nie in so einem Sinn, wie der Mensch es macht, um neue Sachen zu entdecken.
Der Mensch wäre ja auch ohne diese ISS glücklich, aber der Mensch hat einen Durst nach mehr Wissen, er möchte mehr erkunden, mehr erforschen, hat eine gewisse Neugier, und die Fähigkeit für so eine Entwicklung ist in diesem Ausmaß nur dem Menschen gegeben.
Warum kann der Mensch so etwas tun? Dieses Bild ist vielleicht aus der Schöpfungsausstellung bekannt, es soll so den Garten Eden symbolisieren, auch wenn wir natürlich nicht wissen, wie er aussah, einen schönen Garten, den Gott anlegte, wahrscheinlich noch ohne Hügel, noch ohne hohe Berge. Als Gott den Menschen in diesen Garten setzte, da lesen wir direkt im zweiten Kapitel: Gott setzte ihn in diesen Garten, damit er ihn bebaue und bewahre.
Das heißt, Gott hat gleich zum Beginn der Menschheitsgeschichte dem Menschen kreative, also schöpferische Fähigkeiten verliehen. Kreativ nicht im Sinne nur von Kunstunterricht, dass man besonders kreativ ist, sondern kreativ im Sinne von etwas Schöpferischem, etwas Neues erschaffen. Was heißt kreativ sein? Kreativ heißt, dass man aus einigen wenigen Komponenten etwas völlig Neues erschafft, was in diesem Maß da noch nicht da gewesen ist. Der Mensch baut aus wenigen Materialien ein ganz neues Gebilde, eine neue Maschine, etwas ganz Neues. Und diese Fähigkeiten in diesem Ausmaß hat nur der Mensch.
Davon lesen wir direkt schon in diesem zweiten Kapitel: Der Mensch wurde in den Garten gesetzt mit verschiedenen Bäumen, Pflanzen, und er sollte sie jetzt vielleicht neu kombinieren, irgendwie schön anlegen, einen schönen Garten erschaffen, Sachen anpflanzen, also auch eine schöpferische Aufgabe.
Warum sind diese schöpferischen Fähigkeiten so besonders? Ich denke, wer schon mal an einem Auto etwas herumgeschraubt hat, versucht hat, etwas zu reparieren, der kann erst wirklich nachempfinden, wie kompliziert ein Auto aufgebaut ist. Wer immer nur Auto fährt und nie etwas herumgeschraubt hat, der weiß gar nicht, wie komplex ein Auto sein kann.
Vielleicht hatte Gott auch dem Menschen zum Teil deswegen diese schöpferischen Fähigkeiten verliehen, dass der Mensch auf die Idee kommt: Moment, wenn wir schöpferisch tätig sein können, aber nur in begrenztem Maße, wie genial muss dann der große Schöpfer sein, der diese Dinge, die wir nutzen, aus dem Nichts entwickelt hat?
Der Mensch kann nur schöpferisch fähig sein durch Sachen, die es schon gibt. Gott war Schöpfer mithilfe von Sachen, die es noch nicht gab. Also aus dem Nichts hat er komplett neu die Erde, das Universum erschaffen.
Die schöpferischen Fähigkeiten, zum Zweiten, die erweitern unseren Horizont. Viele Dinge von der Natur, vielleicht aus dem Mikroskop, durch Teleskope, wüssten wir gar nicht, wenn der Mensch nicht neue Sachen entdecken, erfinden könnte, Teleskope bauen könnte, Raketen, Schiffe, Flugzeuge, Autos usw. Also sie erweitern auch und sie helfen uns, die Schöpfung Gottes wahrzunehmen. Natürlich missbraucht der Mensch leider auch häufig die Entdeckungen für böse Sachen, aber an sich erweitern sie auch unseren Horizont.
Der Mensch hat schöpferische Fähigkeiten, und das Interessante ist: Die erste Eigenschaft, die wir von Gott in der Bibel erfahren, ist genau diese. Gott schuf im Anfang. Schuf Gott, das sind die ersten Worte, die wir von Gott erfahren als Menschen. Gott schuf. Und etwas später dann im Kapitel zwei und auch der Mensch soll in gewissem Maße ähnlich wie Gott erschaffen, natürlich viel eingeschränkter. Gott hat schöpferische Fähigkeiten und hat sie auch dem Menschen zum Teil verliehen.
Eine Fähigkeit, die vielleicht zu den beeindruckendsten überhaupt des Menschen gehört, ist die Sprache. Ich denke, das ist die Eigenschaft, über die wir am wenigsten nachdenken, aber die am beeindruckendsten ist. Es sind sich eigentlich alle Sprachwissenschaftler einig, auch egal, ob sie jetzt an Gott, an einen Schöpfer glauben oder nicht, dass nur der Mensch die Fähigkeit der Sprache hat.
Kommunikation auf jeden Fall gibt es auch im Tierreich. Wir wissen von Walen, dass sie kommunizieren können, Bienen können kommunizieren, auch andere Tiere. Aber die Sprache, wie wir sie kennen, ist nur dem Menschen gegeben. Ich weiß nicht, wie viele Sprachen ihr schätzt es weltweit gibt. War für mich auch überraschend festzustellen: 7000 unterschiedliche Sprachen plus unzählige Dialekte.
Ich weiß nicht, welcher Dialekt hier gesprochen wird, bei uns ist es eher so das Saarländisch-Pfälzische. Ihr sprecht wahrscheinlich reines Hochdeutsch. Aber selbst in der deutschen Sprache wissen wir, gibt es verschiedenste Dialekte. Wenn man das weltweit mal zusammenzählen würde, dann würde man über eine Zahl mit mehreren Hunderttausend verschiedenen Dialekten kommen, aber 7000 an sich unterschiedliche Sprachen.
Was heißt eigentlich Sprache? Sprache bedeutet doch, dass ich einen Gedanken habe, ein Gedanke ist etwas Nichtmaterielles, also was man gar nicht messen kann mit Messgeräten, und dann wird dieser Gedanke durch verschiedene Organe, durch meine Zunge, zu etwas Messbarem, was man messen kann, zu Schallwellen. Diese Schallwellen dringen dann durch das Ohr in den Menschen gegenüberliegenden Menschen ein, und bei ihm entsteht wieder ein Gedanke. Man könnte sagen, Sprache ist Gedankenübertragung: Ich denke etwas, ich sage etwas, und der andere denkt wieder etwas, was ich ihm gesagt habe.
Das heißt, wir können Gedanken, komplexe Gedanken weitergeben. Das ist das Wunder der Sprache, das Gott dem Menschen geschenkt hat. Wir haben fast unbegrenzte Ausdrucksmöglichkeiten, jeder Mensch kann etwa 50 bis 100 Worte einsetzen. Als Gott den Menschen schuf, da gab er ihm auch genau diese Eigenschaft, da sprach der Mensch, lesen wir auch schon im zweiten Kapitel, eine Fähigkeit, die sich nicht erst entwickeln musste, sondern die Gott dem Menschen direkt gab. Der Mensch konnte sprechen, und das beeindruckte auch Gott. Gott sprach. Und diese Eigenschaft, die er von Ewigkeiten her hatte, verlieh er dem Menschen.
Warum ist die Sprache so besonders? Wir können Immaterielles, also Sachen, die wir nur denken, können wir zum Ausdruck bringen, dem anderen gegenüber sagen. Wir können sagen, was wir erlebt haben in der Vergangenheit, wir können unsere Pläne für die Zukunft weitergeben, dass andere es verstehen, wir können unsere Emotionen, was ja ein Gefühl ist, was ja kein Mensch messen kann, können wir zum Ausdruck bringen, können sagen: Ich fühle mich gerade so oder so. Das hilft dem anderen, angemessen zu reagieren und uns vielleicht zu helfen.
Wir können Ideen weitergeben, ich habe vor, das und das zu tun, da kann der andere sagen: Oh, lass das lieber, das ist nicht gut. Oder: Ja, sehr gut. Das ist auch eine wichtige Fähigkeit. Wir können Eindrücke, wie bewerten wir Sachen, können wir zum Ausdruck bringen. Gott sprach, und auch der Mensch sprach. Gott brauchte genau dieses Mittel, dieses Kommunikationsmittel, dieses Werkzeug, um mit dem Menschen in Verbindung zu treten. Weil Gott sprach, kann der Mensch auch sprechen, weil Gott dem Menschen diese Fähigkeit gab. Der Mensch kann sprechen wie Gott auch.
Dann eine Fähigkeit, die auch den Menschen besonders auszeichnet, zumindest in dieser Tiefe: Der Mensch ist ein Wesen, das wie kein anderes Lebewesen, soweit wir es beurteilen können, sehr, sehr stark über die Vergangenheit nachdenken kann und über die Zukunft und auf die Gegenwart Rückschlüsse ziehen kann.
Ich habe noch nie Hasen gesehen, die sich auf der Wiese treffen und sich austauschen, was die Großeltern erlebt haben. Es tut nur der Mensch, dass er überlegt, was haben die Menschen früher erlebt, was war gut, was war nicht so gut, was können wir für die Gegenwart lernen, was wollen wir anders machen, was wollen wir so beibehalten. Diese Art von Gedanken macht nur der Mensch.
Nur der Mensch überlegt, weshalb sank die Titanic, warum ist die untergegangen, oder warum wurde die Berliner Mauer gebaut. Fragt man sich im Geschichtsunterricht. Da muss der Lehrer erklären, damit die Kinder das verstehen. Oder was haben die Menschen damals erlebt, was vielleicht in unserer Situation so ähnlich auch wieder passieren könnte? Was können wir lernen von früher, was können wir aus dem eigenen Leben lernen?
Auch die Zukunft ist ein ganz wichtiger Punkt im Denken. Die Mama fragt sich, welche Folgen wird es für mein Kind haben, wenn es weiterhin ohne Fahrradhelm mit dem Fahrrad zur Schule fährt? Wir überlegen uns, was wird passieren, wenn ich jetzt noch weiter mit einem fast leeren Tank auf der Autobahn fahre? Ein Gedanke, der die Zukunft betrifft, aber auch viel weitgehende Fragen: Welche Zukunft hat die Erde, welche Zukunft hat die Menschheit, welche Zukunft habe ich, was passiert mit mir, wenn ich einmal sterben muss oder nach dem Tod? Diese Fragen sind typisch menschliche Fragen, Tieren stellen sich diese tiefgehenden Fragen nicht.
„Warum hast du das getan?“, fragte Gott den Menschen, auch wieder ein Zitat aus den ersten Kapiteln der Bibel. Und Gott fragt die Frau, weil Gott weiß, dass die Frau etwas, was in der Vergangenheit passiert war, noch weiß und bewerten kann und für die Gegenwart beurteilen kann. Und dann muss die Frau antworten, und sie antwortet dann, und der Mann antwortet auch. Das heißt, die Eigenschaft, über die Gegenwart, über die Zukunft nachzudenken und auf die Rückschlüsse zu ziehen, gab Gott dem Menschen auch.
Interessant ist auch: Wenn Gott, heißt es, und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und dann kommt eine Bewertung: siehe, es war gut oder sehr gut. Das heißt, Gott ist allmächtig, aber hier wird es so fast menschlich ausgedrückt. Gott erinnert sich oder Gott beobachtet, was er gemacht hatte in der Vergangenheit, und dann bewertet er es. Also eine Eigenschaft, die ja auch wir Menschen so, natürlich in viel abgeschwächterer Form, kennen. Eine Eigenschaft, die den Menschen auch besonders auszeichnet.
Wir sehen hier viele Menschen, die einen gehen, vielleicht die einen stehen, wissen nicht genau, wo sie hin sollen, die einen gehen nach rechts oder nach links. Eine Eigenschaft, die den Menschen besonders auszeichnet, ist, dass er einen freien Willen hat, in gewissen Grenzen natürlich, aber an sich hat der Mensch einen freien Willen.
War uns schon mal bewusst, wie viel wir eigentlich selbst entscheiden können? Wohin wir gehen, wo wir morgen hinfahren wollen, was wir heute Nachmittag machen, ob wir jemanden einladen, ob wir an die Ausstellung gehen, ob wir einfach zu Hause bleiben. Wir können uns aussuchen, mit wem wir befreundet sein wollen, vielleicht dann eines Tages die Frage, wen man heiraten möchte, eine wichtige Entscheidung, die auch durch den freien Willen mit beeinflusst wird. Wir können uns entscheiden, welchen Beruf wir wählen wollen, auf welche Schule, gut, das entscheiden vielleicht eher die Eltern, man gehen möchte, wie wir wohnen wollen, eher schlicht oder eher luxuriös, welches Auto ich mir kaufen möchte, was ich spielen möchte. Und man kann sich entscheiden, Gutes oder Böses zu tun. Die Kinder können sich entscheiden, der Mama zu helfen in der Küche, beim Aufräumen oder auch ins Zimmer zu gehen, weil wir einen freien Willen haben.
Wir sind nicht programmierte Roboter, die einfach das tun, was in sie hinein programmiert wurde und gar keine Möglichkeit haben. Gott schuf den Menschen auf der Erde in einem gewissen Lebensraum, in einem gewissen Feld, wo er seinen freien Willen natürlich mit gewissen Eingrenzungen frei ausleben kann. Gott hatte Gefallen, ihm ähnliche Wesen zu erschaffen, die einen freien Willen haben, damit sie ihn loben aus eigenem Willen, aus eigener Überzeugung.
Was wäre das für ein Lob, wenn nur Roboter im Chor stehen würden, die einfach ein einprogrammiertes Lied singen und das Lied abspulen, fertig. Ich denke, das merken wir selbst, das ist doch kein echtes Lob. Echtes Lob kommt nur aus einem freien Willen, aus einem freien Herzen.
Nur Menschen mit einem freien Willen können glauben. Glauben heißt ja unter anderem, freiwillig an einen unsichtbaren Gott zu glauben, mit ihm zu leben usw. Aber auch das geht nur, wenn man sich selbst dafür entscheidet. Es ist doch kein Glaube, wenn Roboter einfach einprogrammiert bekommen haben, es gibt einen Gott. Und ihr müsst an ihn glauben, zu ihm beten, das ist doch kein Glaube. Wir können nur glauben, weil Gott uns auch diesen freien Willen gegeben hat.
Und nur ein Wesen mit einem freien Willen kann auch letztendlich zur Rechenschaft gezogen werden. Gott könnte uns doch nicht zur Rechenschaft ziehen, wenn wir nur Gutes tun könnten oder wenn wir nur Böses tun könnten. Nein, Gott hat dem Menschen die Möglichkeit gegeben, sich so oder so zu entscheiden, Gutes zu tun oder Böses zu tun. Sich für Gott zu entscheiden oder sich gegen Gott zu entscheiden, das geht nur, weil Gott dem Menschen den freien Willen gegeben hat.
Auch davon lesen wir in den ersten Kapiteln: „Iss nicht davon“, sagte Gott. Und dann heißt es nicht, und sie konnte nicht davon essen, weil Gott es gesagt hatte. Nein, der Mensch konnte essen, obwohl Gott es ja davon abgeraten oder es verboten hatte. Und selbst von Gott heißt es: Gott sprach, es werde. Es war Gottes Wille, und dann geschah es, nach Gottes Willen, und es wurde. Der Mensch hat einen freien Willen, in eingeschränktem Maße natürlich, wie Gott auch in vollkommenem Maße.
Wir können festhalten: Der Mensch hat schöpferische Fähigkeiten, er kann sprechen, er kann nachdenken, er hat einen freien Willen und viele weitere Eigenschaften, die wir jetzt nicht erwähnt hatten. Aber warum besitzt der Mensch viele ähnliche Eigenschaften im Blick auf Gott? Weil der Mensch im Bilde Gottes geschaffen wurde, in seinem Ebenbild. Das wird mehrfach in der Bibel betont. Der Mensch wurde nicht einfach als geniales Wesen erschaffen, sondern in einem Abglanz zur göttlichen Herrlichkeit, wie es hier so symbolisch dargestellt ist mit dem Spiegelbild, das sich nicht ganz ähnelt, aber doch gewisse Ähnlichkeiten hat.
Ich weiß nicht, ob jemand schon mal, wenn er eine Katze hat, eine Maus gefangen hat und die Katz und Maus zusammen in ein Zimmer gesperrt hat und gehofft hat, dass die sich gut vertragen werden. Das wird meistens schiefgehen. Warum? Weil Katze und Maus zu unterschiedlich sind, die haben völlig unterschiedliche Interessen. So wird das so eine Art von Gemeinschaft nicht gut gehen.
Das heißt, Gott hat den Menschen mit gewissen Werkzeugen oder Fähigkeiten ausgestattet, damit der Mensch mit ihm in Gemeinschaft treten kann. Der Mensch kann mit dem allmächtigen Gott in Gemeinschaft treten, weil Gott ihn in seinem Ebenbild geschaffen hat. Wir sehen noch einmal das Motiv aus dem Raum, das symbolisch die Erschaffung von Adam zeigt, natürlich nur symbolisch, und die Möglichkeit, mit Gott in Kontakt zu treten, ist nur dem Menschen vorbehalten. Und das ist die Eigenschaft, die den Menschen so auszeichnet und von allen Tieren unterscheidet: Nur der Mensch kann mit Gott in eine Beziehung, in Gemeinschaft treten.
Das Interessante ist: Die erste Frage, die Gott dem Menschen nach dem Sündenfall stellt, ist nicht ein Vorwurf, was hast du getan oder ich habe es doch verboten, sondern die erste Frage bringt gerade diesen Wunsch Gottes nach einer Beziehung zum Ausdruck, nämlich: Wo bist du? Eine Suche nach Gemeinschaft.
Ja, an Gott zu glauben und mit ihm Gemeinschaft zu haben, das ist das größte Geschenk, das man sich vorstellen kann, das, was den Menschen wirklich auszeichnet, das größte Privileg, das wir als Mensch genießen dürfen. Gott hat dich, jeden von uns, mit dem Ziel geschaffen, dass wir mit ihm in Gemeinschaft treten können. Suchst du diese Nähe? Der Mensch, du bist nur wirklich ein Mensch, wenn du diese Nähe, diese Beziehung zu Gott suchst und sie annimmst. Gott hat sie angeboten.
Ich möchte mit einem Bild enden, das wir ganz am Anfang gesehen haben, und ein kurzes Gedicht vorlesen, das ursprünglich aus dem Englischen stammt, von Carl Sagan. Er ist Astrophysiker und schrieb genau zu diesem Bild einige Zeilen:
Jeder Mensch, den es je gab, jeder Mensch, von dem wir je hörten, lebte hier sein Leben. Dies ist die Plattform für alle Freuden dieser Erde und jedes Leid, für Jäger und Gejagte, jeden Held und die vielen Vergessenen.
Für jeden König und jeden Bettler, jedes hoffnungsvolle Kind, für alle Väter und Mütter, für alle Erfinder und Eroberer, sie alle lebten ihr Leben hier auf diesem Staubkorn, aufgehängt in einem Teil eines gleißenden Sonnenstrahls.
Ist für den allmächtigen Gott die Erde nicht auch so ein Staubkorn, und wer sind wir dann, der Staub auf dem Staubkorn, wo dann den Worten von dem Psalmisten im Psalm 8,5 der so ausdrückte: Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest?
Ist es nicht etwas Unvorstellbares, dass Gott uns winzige Wesen auf diesem winzigen Planeten mitten im Universum ausgewählt hat, damit wir mit ihm Gemeinschaft haben dürfen?
Ich möchte schließen mit diesem Bibelvers aus Offenbarung 21, der genau diesen Wunsch Gottes deutlich zum Ausdruck bringt: Und er wird bei ihnen wohnen, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Das macht das Leben zutiefst bedeutsam und wertvoll und gibt uns auch die Verantwortung, mit Gott in Gemeinschaft zu leben. Amen.
Ich lade ein, dass wir gemeinsam beten. Wer möchte beten? Wir stehen auf dazu.
Jesus, ich danke dir, dass du uns besucht hast, dass du auf die Erde kamst, damit wir mit dem allmächtigen Vater in Verbindung und Gemeinschaft treten dürfen. Danke dir, dass du mir die Sünden vergeben hast, danke dir für die wunderbare Schöpfung, über die wir staunen dürfen, und dich wollen wir auch als den Schöpfer anbeten dafür. Danke dir auch für diese Versammlung. Amen.