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Gottesfurcht

28.08.2022
Du musst Gott nicht erst besänftigen. Wer Jesus sieht, erkennt: Hinter seiner Größe steht kein ferner Richter, sondern ein Vater, der dich erlösen und zu sich ziehen will.

Einleitung: Zwischen Wandel und bleibender Orientierung

Ich finde es sehr schön, dass es bei so viel Wandel bei Micha eine Konstanz gibt. Auf das Kinderlied kann man sich verlassen.
Ich freue mich, euch alle wiederzusehen. Ich konnte jetzt leider nicht dabei sein, aber ich freue mich, in das Thema mit hineinzugehen, weil mich das total begeistert. Ihr werdet hoffentlich am Ende merken, warum ich von Gottesfurcht begeistert bin und warum ich glaube, dass ein Nachdenken darüber zu einem ganz anderen Ergebnis führt, als man im ersten Moment erwarten würde.
Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann erkenne ich in meinem Leben immer wieder die Tendenz, dass ich Angst vor Gott habe, und zwar wirklich Angst. Angst, dass ich ihm gerecht werden kann. Stefan hat euch auf der Freizeit die Schöpfermacht Gottes vorgestellt, diese schier unfassbare Genialität, aber auch Macht und Größe. Wer sich in der Schöpfung umschaut, wer die Naturgewalten auch irgendwie betrachtet, der kann eine Ahnung davon bekommen, wie groß und mächtig Gott ist. Und man merkt vielleicht, dass sich Gott gar nicht in unsere menschlichen Schubladen, was Größe und Gewalt angeht, hineinpressen lässt.
Er ist viel mächtiger, größer als alles, was die Menschheit je an mächtigen Menschen irgendwo hervorgebracht hätte. Mächtiger, furchteinflößender, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen wahrscheinlich vorstellen könnte, wenn ich diese Macht sehe. Und wer ehrlich ist, und das kann eigentlich jeder Mensch, der kann da auch nur zittern und Angst bekommen. Insbesondere dann, wenn er vielleicht auch irgendwo noch eine Vorstellung davon hat, was dieser Gott sich für unser Leben wünscht, wie heilig und gerecht er ist, wie abgesondert er von Sünde ist, und wenn er sich dann selbst anschaut.
Wenn ich diese Größe Gottes sehe, diese Heiligkeit, diese Gerechtigkeit und mich selbst anschaue, dann bleibt mir eigentlich nur übrig, Angst zu haben. Und selbst als Gläubiger, wo ich da vielleicht drüber hinausgehen sollte, falle ich immer wieder in dieses Muster zurück.
Das löst dann bei dem einen oder anderen verschiedene Reaktionen aus. Der eine läuft vielleicht weg von Gott und will mit ihm nichts zu tun haben. Der andere versucht erst recht, irgendwo Dinge zu tun, damit er vor diesem Gott bestehen kann und ihm doch angenehm wird. Und auch da wieder, gerade in dieses letzte Muster tappe ich doch immer wieder auch als Gläubiger. Ich falle schnell hinein, dass ich denke, ich müsste jetzt Dinge tun, um Gott irgendwie zufriedenzustellen, um diese Angst irgendwo wegzuschieben.
Ich weiß nicht, ob ich da alleine bin oder ob es dir manchmal ähnlich geht, dass deine Furcht vor Gott sich ganz gut mit Angst beschreiben lässt, dass du Angst vor Gott hast, gerade wenn du über seine Gewalt, Macht und Herrlichkeit nachdenkst. Und vielleicht sogar die Frage: Was ist deine Motivation im Glaubensleben? Deine Motivation, in den Gottesdienst zu kommen, deine Motivation, Dienst für Gott zu tun? Ist es, weil du Angst vor ihm hast, weil du Angst hast, dass du ihm nicht genügen könntest, weil du Angst hast, dass du ihn nicht zufriedenstellen kannst?
Warum machst du Kinderstunde, warum singst du hier vorne, warum predigst du vielleicht sogar, warum evangelisierst du? Und die Frage steht im Raum, ob diese Angst angemessen ist, ob es die richtige Reaktion ist, vor allem für die, die glauben. Und die zweite Frage ist, ob diese Angst Gott selbst gerecht wird.
Manche aktuelle Buchautoren und YouTuber meinen, dass es gut wäre, diese Angst vor Gott zu haben, auch als Gläubiger. Die Frage wäre, ob dem wirklich so ist. Muss sich diese Furcht nicht verändern, wenn ich Gott wirklich kennenlerne?
Und ich nehme es vorweg: Ich behaupte, dass diese Furcht für ein Kind Gottes nicht mehr angemessen ist. Mehr noch: dass sie oft sogar, diese Furcht in Form von Angst, oft sogar Kennzeichen eines falschen oder zumindest einseitigen Gottesbildes ist. Und dass sie zur Verhaltensweise führt, die ich gerade beschrieben habe, die Gott überhaupt nicht will und mit der er nichts anfangen kann.
Und warum das so ist, will ich jetzt darauf eingehen.

Gott erkennen heißt mehr als nur seine Macht zu sehen

Wenn du Gott nämlich so kennenlernen willst, wie er wirklich ist, wenn du ihn richtig fürchten musst und richtig fürchten willst, dann musst du über Gott als Schöpfer hinausgehen. Das ist aber nicht mehr möglich, indem wir uns einfach nur die Natur, die Geschichte und das, was um uns herum passiert, anschauen. Damit wir Gott richtig kennenlernen, wie er ist, muss er sich uns selbst offenbaren und zeigen, wie er in seinem innersten Wesen ist. Und um ihn richtig kennenzulernen, musst du in einer Beziehung mit ihm sein.
Den Schöpfer kann die ganze Welt erkennen, das beschreibt uns Römer 1. Den kann jeder wahrnehmen, der ehrlich durch diese Welt geht. Er kann erkennen, dass es Gott gibt, und er kann seine Macht erkennen. Er kann auch irgendwo erkennen, wie seine Stellung vor ihm ist. Aber wie Gott wirklich in seinem Innersten ist, das erkennt man so nicht.
Wir alle kennen irgendwie Queen Elisabeth. Seht von euch einen Begriff, man kennt irgendwie etwas von ihrem Leben. Also, ich glaube, das sind nur ganz wenige hier im Raum, die schon auf der Welt waren, als sie noch nicht Königin von England war. Jeder kennt sie. Wir bekommen massig Berichte über ihr Leben, selbst das Familienleben wird in den Medien vor uns breitgetreten, und jeder von uns könnte sagen, er kennt sie.
Gerade jetzt hat sie vielleicht nicht mehr so viel Macht, aber früher hätten wir auch eine Vorstellung von der Macht und der Größe dieser Könige gehabt. Das hätte jeder wahrnehmen können. Aber keiner von uns kennt sie wirklich. Keiner von uns weiß, wie sie in ihrer Persönlichkeit ist, was ihr Denken prägt, was ihr wirklich wichtig ist. Und da helfen auch keine Serien von Netflix oder Ähnliches. Da hilft nur, in einer persönlichen Beziehung mit ihr zu stehen und sie zu kennen.
Klammer auf: Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr das werdet, ist sehr gering. Klammer zu.
Aber das wäre die einzige Chance, um sie persönlich zu kennen. Und so ist es auch mit Gott. Nur wer in einer persönlichen Beziehung mit ihm steht, kann ihn wirklich kennenlernen und wissen, wie Gott denkt und wie er fühlt. In der Regel lernt man das, indem der andere es einem auch mitteilt. Und Gott hat das getan. Er hat sich offenbart, und er hat das unter anderem in seinem Wort getan, wo er uns zeigt und beschreibt, wie er wirklich ist, wie er in seinem Innersten ist.
Deswegen müssen wir genau da hineingehen, wenn wir Gott wirklich kennenlernen wollen, wenn wir wirklich wissen wollen, wie Gott ist, wenn wir Gott recht fürchten wollen. Bevor ich in Gottes Wort hineingehe, will ich mit uns noch beten und genau darum bitten.

Gottes Selbstoffenbarung im Alten Testament

Jesus, wir stehen vor dir als Menschen, die vielleicht diese Welt ansehen können, die um uns herum betrachten können, aber die blind sind, wenn es darum geht, dich zu erkennen, solange du dich uns nicht offenbarst. Und Herr, selbst wenn wir jetzt in dein Wort hineinschauen, dann sind unsere Herzen oft hart, blind, kalt. Wir bitten dich, Herr, dass du sie uns öffnest, damit wir dich sehen, wie du bist.
Wir wollen dich bitten, Herr, dass du dich uns offenbarst. Wir wollen dich bitten, dass du uns einen Blick in dein tiefes Inneres gewährst, damit wir erkennen und verstehen, wie du bist. Wir wollen dich bitten, Herr, dass es unser Verhältnis zu dir und unsere Furcht vor dir in die richtige Richtung prägt, dass es unsere Beziehung zu dir ins richtige Verhältnis stellt, Herr. Amen!
Meine Behauptung heute ist, dass Gott in seinem tiefsten Inneren, in dem, was der tiefste Kern von ihm ist, nicht diese Schöpfermacht ist, die Teil von ihm ist. Sein tiefstes Innerstes ist vielmehr eine tiefe Sehnsucht danach, seine Kinder zu erlösen. In seinem tiefsten Innersten, das, was sein Herz ausmacht, ist Gott barmherzig und gnädig. Und das will ich uns zeigen.
Wir starten nicht da, wo ihr damit gerechnet hättet, nicht im Neuen Testament, sondern im Alten Testament, wo Gott sich auch schon ein Stück weit zu erkennen gibt. Und klassischerweise teilt man dieses Alte Testament, oder bei den Juden gerne das, was ihr auch bei Jesus selbst erlebt, in das Gesetz und in die Propheten auf. Ich will zwei Stellen zeigen, wo Gott in diesen harten Büchern, in unseren Augen, schon Andeutungen macht und sichtbar werden lässt, dass er genau das ist, was ich gerade beschrieben habe: barmherzig und gnädig.
Wir gehen zuerst ins Alte Testament hinein, und ich habe die Stelle schon zwei, drei Mal hier im Gottesdienst erwähnt. Aber sie ist so zentral und so wichtig, weil sie dort zeigt, im Gesetz, in dem Moment der Gesetzgebung, in dem Moment des ersten tiefen Falls des Volkes Israel, wie Gott wirklich ist. Wir haben die Situation, dass Mose am Berg war, lange nicht zurückgekommen ist, Israel sich einen anderen Gott gebastelt hat, nämlich dieses goldene Kalb. Eigentlich spricht alles dafür, dieses Volk einzustampfen. Sie haben Gott ins Gesicht geschlagen und tief gesündigt.
Mose ist mit Gott unterwegs, und er äußert einen Wunsch Gott gegenüber: Er will Gott sehen. Und jetzt ist das ein spannender Wunsch, weil Mose Gott die ganzen letzten Jahre zigmal erlebt und erfahren hat. Das geht los am Dornbusch, wo er mit ihm redet. Das geht mit den Begegnungen am Sinai los. Und trotzdem hat Mose diesen Wunsch, Gott richtig zu erkennen und zu erfahren. Und Gott gewährt ihm das. Er sagt, er zieht an ihm vorüber, aber er kann ihn nur von hinten sehen, weil er nicht in der Lage wäre, diese Herrlichkeit zu ertragen.
Wie Gott an ihm vorüberzieht, wird in 2. Mose 34 beschrieben, wo Gott nämlich eine Aussage über sich selbst trifft. Mose will Gott, so nenne ich das mal, privat kennenlernen, und Gott tut ihm den Gefallen. In 2. Mose 34, ab Vers 6, heißt es: Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief aus: Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde. Aber ungestraft lässt er niemanden, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied.
Gott offenbart sich Mose in dem Moment, wo das Gesetz kommt, in dem Moment, wo Israel so gesündigt hat, dass sie eigentlich verworfen werden sollten. Er offenbart sich als ein gnädiger, geduldiger Gott von großer Gnade und Treue. Und ja, der Vers reißt hier schon die Spannung des ganzen Alten Testaments auf: vergeben und gleichzeitig Dinge nicht ungestraft lassen, was der Vers hier beschreibt. Die Frage ist offen, und sie ist an der Stelle nicht geklärt. Aber das, was Gott in seinem Innersten ausmacht, wird hier schon deutlich: barmherzig, gnädig, geduldig, von großer Gnade und Treue.
Passt das mit deinem Gottesbild, von dem Gott der Tora und des Gesetzes zusammen?

Die Propheten als Ruf zur Umkehr und als Zeugnis von Gottes Rettungswillen

Ich gehe weiter in die Propheten. Die Propheten sind der Ort, an dem wie nirgends sonst Gottes Gericht angekündigt wird. Dort klagt Gott Israel die ganze Zeit an, dass sie von ihm weggegangen sind, Israel und Juda. Dort könnt ihr einen Tiefschlag nach dem anderen aus Gottes Angesicht lesen, wenn es darum geht, wie sich das Volk verhalten hat.
Die Bilder dort sind heftig: Hurerei, Ehebruch, Abgötterei, Götzendienst in den tiefsten Dingen. Und Gott beschreibt hier Gericht. Wenn wir die Propheten im Buch haben und das Gottesbild, das sie beschreiben, schnell zusammenfassen sollten, dann kämen wir sehr schnell an den Punkt, dass wir sagen würden: vollkommen heilig, eifersüchtig, gerecht, Richter und so weiter. Das wäre so der erste Blick auf die Propheten, wie wir Gott beschreiben würden.
Ja, diese Propheten sind von drastischen Gerichtsankündigungen geprägt. Aber wer nur das sieht, versteht die Propheten nicht und versteht Gott nicht. Denn hinter all diesen Ankündigungen von Gericht und Anklage gegen Israel steht ein Gott, der um sein Volk ringt. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass es endlich zu ihm kommt, umkehrt von allen fremden Göttern und sich ihm zuwendet. Lest dafür das Buch Hosea und andere Stellen, geht da so tief hinein. Lest die Propheten einmal mit diesem Blick!
Deshalb bin ich überzeugt, dass der Kern der Propheten uns an ganz vielen Stellen zeigt, wie Gott sein Volk retten und lieben will. Woher nehme ich das? Ich glaube wirklich, dass es in jedem Prophetenbuch vorkommt. Ich zeige euch nur drei Stellen aus dem Buch, wo es am deutlichsten wird. Das ist, denke ich, Jesaja, wo Juda eigentlich auch immer wieder angekündigt wird, wie es wegrennt, und ich zeige schon ein paar Stellen davon an.
 Jesaja 41,14: „Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, du armer Haufe Israel.“ Das sind tolle Worte für uns. „Ich helfe dir, spricht der Herr, und dein Erlöser ist der Heilige Israels.“ Da wird etwas Spannendes sichtbar in den Propheten, und es wird eben überdeutlich im Propheten Jesaja: Dieser heilige Israel, dieser heilige, gerechte Gott, der dieses Gericht irgendwo fordert, der diese Gerechtigkeit fordert, bringt noch eine andere Seite mit sich. Er ist der Erlöser. Er ist der Erlöser, und er ist gleichzeitig der Heilige Israels.
Dasselbe könnt ihr sehen in Jesaja 54,5: „Denn der dich gemacht hat, ist dein Mann, Herr Zebaoth heißt sein Name, und dein Erlöser ist der Heilige Israels, der aller Welt Gott genannt wird.“ Jesaja bringt hier eine Verbindung her zwischen diesem Schöpfergott, der diese gigantische, unvorstellbare Macht hat, und sagt: Dieser Gott will gleichzeitig dein Erlöser sein. Also dieser Gott, der Angst auslöst, wenn wir ihn betrachten, wenn wir uns vor ihm sehen, wo wir eigentlich nur weglaufen können oder wie ein Hamster im Hamsterrad versuchen könnten, irgendwie vor ihm gerecht zu werden und doch nicht vorwärtskommen. Und Jesaja sagt uns hier, dass er Erlöser sein will.
 Jesaja 63,16: Es gibt noch viel mehr Jesaja-Stellen. Ich habe nur die drei herausgepickt, wo er diese Heiligkeit, Macht und Größe Gottes und seine Schöpfermacht verbindet mit der Eigenschaft, dass er Erlöser sein will. Jesaja 63,16 spitzt das noch einmal zu, wo er sagt: „Bist du doch unser Vater; denn Abraham weiß von uns nichts, und Israel kennt uns nicht.“ Übrigens spannend, wenn ihr die Pharisäer später seht, was die zu Jesus sagen, wer ihr Vater ist. „Du, Herr, bist unser Vater, unser Erlöser, das ist von Alters her dein Name.“
Ihr müsst euch diese Sprengkraft hier auf der Zunge zergehen lassen. Vielleicht ist unser größtes Problem, dass das für uns alles schon Alltag ist, solche Begriffe für Gott zu hören. Aber Jesaja sagt hier zu dem Volk Israel, dass dieser Herr ihr Erlöser ist und dass das nicht jetzt eine neue Eigenschaft wäre, die von Gott irgendwo kommen würde, sondern dass das seit jeher seine Beschreibung war. Sein Name. Und da dürft ihr nicht vergessen: In dieser Zeit im Alten Testament hatte der Name auch irgendwie eine Bedeutung dafür, wofür die Person gestanden ist. Und Jesaja sagt ja: Der Name Gottes von jeher ist unser Erlöser, unser Vater.
Jesaja tut ja noch mehr. Er bringt nämlich Gott als den Vater seiner Kinder ins Spiel. Und wenn ihr die Propheten anschaut, das ist hier nur ein knappes Spotlight, ein Scheinwerferlicht darauf, dann könnt ihr darin eben genau diesen Vater sehen, der einen ganz, ganz tiefen Wunsch hat, nämlich sein Volk, dich und mich zu retten und zu erlösen, und dass das im Kern und von jeher sein Wesen ausgemacht hat.
Ich möchte dir wirklich Mut machen, das einmal zu tun: die Propheten aus diesem Blickwinkel zu sehen und zu lesen, Ausschau zu halten danach, wie sehr Gottes Sehnsucht darin vorkommt, wie ausgeprägt sie ist, sein Volk zu retten und zu erlösen. Und bitte geht da einmal von unserer Romantik weg, die wir manchmal mit dem Volk Israel haben. Das Volk Israel und die Juden zu dem Zeitpunkt waren alles andere als ein treuer Sohn und ein vorbildliches Volk. Die waren im Götzendienst verhaftet bis zum Gehtnichtmehr. Zur Zeit Jesajas war es teilweise besser, z. T. schlechter. Er war auch zur Zeit Hiskias unterwegs, wo das mal ein bisschen aufwärtsging, aber das Volk hat sich gar nicht wirklich umgekehrt. In der großen Masse war dieses Volk ein Volk des Götzendienstes.
Und Gott steht als ein Vater da, der mitleidet, wie wenn sein Kind eine schwere Krankheit hat, und sich wünscht, dass der Weg kommt, um es zu erlösen und zu retten. Wenn eure Kinder krank sind, wenn sie mal richtig fiebern oder so etwas, dann ist da ein tiefer Wunsch, dass man das irgendwie wegnehmen könnte dem Kind, dass man es ihm leichter machen könnte. Und so ist es, wie Gott mitleidet.
Ja, es stimmt: Er ist dieser heilige, gerechte Schöpfer. Und diese Spannung ist im Alten Testament da, und sie ist auch bei Jesaja nicht aufgelöst, wie er gleichzeitig Erlöser sein kann, wie Gott gerecht bleiben kann und trotzdem Retter, Erlöser, gnädig und barmherzig. Und sie wurde im Neuen Testament natürlich aufgelöst. Und da will ich weitergehen.

Christus als Offenbarung des väterlichen Herzens Gottes

Da muss ich erst einmal wieder kurz von mir reden, weil ich nämlich so meine spezielle Vorstellung von der Dreieinigkeit und von den Personen der Dreieinigkeit unabhängig, unbewusst manchmal in mir habe.
Da ist auf der einen Seite dieser heilige, gerechte Gott, der Vater. Er ist eben derjenige, der als Richter dasteht, vor dem ich nicht bestehen kann, der der Schöpfer ist und der genau diese Macht symbolisiert. Und da ist auf der anderen Seite dann Jesus, der für meine Sünden und meine Schuld stirbt.
Und jetzt ist mein Blick dann auf Gott, den Vater, und so weiter, und auf Jesus, auf diese Situation. Ja, dass ich halt zwangsweise vom Vater irgendwie angenommen werde, weil Jesus jetzt so seine Schmuttelfreunde aus der Schule halt mit nach Hause bringt und na ja, so widerwillig kriegen die halt auch was zu essen oder so. Das ist so unbewusst manchmal ein bisschen mein Bild, wie ich mir Gott aufzeichne: also hier Jesus und hier der Vater.
Und man könnte meinen, Gott ist in seinem Charakter, also Gott der Vater in seinem Charakter, eben der Heilige, der Gerechte, der die Sünde nicht ungestraft lassen kann, und Jesus ist dann für die Seite der Barmherzigkeit, des Gnädigseins usw. zuständig. Und weil Jesus mich halt mitbringt, muss der Vater halt sagen: Ja, kommt der halt auch mit rein. Jetzt so ein bisschen überspitzt formuliert.
Ich weiß nicht, ob du dich da manchmal wiederfindest, aber ich behaupte, dass diese Trennung, die ich hier mache, absolut unbiblisch ist und dass sie zutiefst falsch ist, wenn ich diese Trennung innerhalb der Gottheit vornehme. Ja, die Personen der Gottheit sind in dem, was sie tun, in dem Werk, das sie vollbringen, unterschiedlich. Aber Gott als Einheit ist in seinem Charakter, in seinem Wesen, in seinem tiefsten Innersten nicht geteilt und unterschiedlich, sondern er ist eins. Das, was den Vater ausmacht, macht auch den Sohn aus, und was den Sohn ausmacht, macht auch den Heiligen Geist aus. Im Werk unterschiedlich, aber in der Motivation identisch.
Und ich halte es für zentral, das zu verstehen. Ich werde gleich begründen, warum dem so ist. Und wir werden dem Vater nicht gerecht, wenn wir ihm andere Motive und ein anderes Innerstes unterstellen als Jesus. Klammer auf: Wir werden auch Jesus nicht gerecht, wenn wir den Richter bei ihm ausklammern. Darum geht es jetzt heute mal nicht. Aber wir müssen hier sauber sein.
Warum komme ich zu dieser Aussage? Geht mit mir ins Johannesevangelium hinein. Johannes 14,8. Vielleicht hat jemand diese Stelle erwartet, aber die ist so zentral. Da ist dieser schlaue Philippus, der ein bisschen einen Wunsch an Jesus hat. Johannes 14,8: Da spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.
Also Philippus ist total, ja, wie sagt man so, genügsam. Der möchte ja nur den Vater sehen, und es reicht uns. Er kriegt eine Antwort. Jesus spricht zu ihm, er ist total schockiert über diese Anfrage von Philippus: Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater. Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater?
Lest euch das in Ruhe noch einmal durch. Jesus ist total schockiert über den Wunsch von Philippus. Warum? Weil der Wunsch von Philippus schon längst erfüllt ist, und er hat es nicht erkannt. Und ich glaube, wir sind manchmal ziemlich nah bei Philippus, dass wir uns wünschen würden, den Vater besser zu kennen. Und Jesus sagt: Hallo, ich war schon lange da, ich habe euch den Vater schon längst gezeigt.
Was steckt hier drin, hinter dieser Aussage? Wenn du Gott wirklich kennenlernen wirst, wenn du ihn persönlich kennenlernen wirst und wissen wirst, wie er ist, wenn du wissen wirst, was sein Herz ausmacht, wenn du wissen willst, was in seinem tiefsten Innersten verankert ist, dann gibt es genau einen Weg, wohin du musst: Jesus Christus. Dann musst du Jesus anschauen. Und in dem, wie du Jesus siehst, wie du siehst, wie Jesus handelt, wie Jesus agiert, wie Jesus fühlt, wie Jesus denkt, was er von sich selbst sagt, in dem Maß kannst du erkennen, wie Gott und wie Gott der Vater in seinem Innersten denkt, handelt und ist.
Jesus sagt explizit zu Philippus, dass durch ihn Gott gesehen wird. Luther schreibt einmal in seinem Großen Katechismus: Denn wir könnten nimmermehr dazu kommen, dass wir des Vaters Huld und Gnade erkannten, ohne durch den Herrn Christum, der ein Spiegel ist des väterlichen Herzens, außer welchem wir nichts sehen, denn einen zornigen und schrecklichen Richter.
Was Luther hier in ein paar kurzen Worten beschreibt, ist das, was er in seinem Leben erlebt hat und erfahren hat: der als Mönch diesen gerechten, zornigen Schöpfer und Richter gesehen hat und in dieses Hamsterrad eingestiegen ist und alles versucht hat, vor diesem Gott gerecht zu werden und zu handeln. Und der dann irgendwann Jesus gesehen hat und das Herz Gottes gesehen hat.
Deswegen ist es absolut fatal, wenn wir die Gottheit Jesu streichen, wenn wir in Jesus nur irgendwie einen Menschen sehen, der besser gelebt hätte. Er ist und war Gott. Und er hat uns gezeigt, wie Gott ist. Diese Trennung, die wir vielleicht, du auch, ich auf jeden Fall, immer wieder in unserem Denken machen zwischen Gott, dem Vater, und Jesus, die ist unbiblisch. Sie ist nicht da. Und wenn wir nur das Alte Testament haben, dann können wir Gott nicht richtig erkennen, weil er erst in Jesus Christus, wo er auf die Welt gekommen ist, sich vollständig und ein für allemal offenbart hat.
Und ich lege noch eines drauf auf diese Johannesstelle, eine Stelle, die Paulus hat: 2. Korinther 5,19. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hatte unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
Denn Gott war in Christus. Gott ist nicht einfach passiv auf Golgatha dabei und schaut zu, wie der Mensch hier so stirbt. Nein, er selbst, Gott, ist dort auf Golgatha und stirbt für deine und meine Schuld. Das, was sich im Alten Testament immer wieder so andeutet und irgendwie nur so wie ein Blitzlicht kurz sichtbar wird, wird Realität. Gott erlöst sein Volk. Das, was ihn in seinem tiefsten Innersten auszeichnet, dass er von Herzen gnädig sein will, dass er eine Sehnsucht danach hat, sein Volk, seine Kinder zu retten, wird auf Golgatha sichtbar. Und er zeigt gleichzeitig, wie er im selben Atemzug absolut gerecht und heilig sein kann, weil er die Strafe selbst trägt.
Wenn du auf Golgatha blickst, hängt dort für dich nur ein Mensch, oder hängt dort Gott selbst für dich, für dich und mich, um uns zu retten? Und ich habe die Frage an dich, wie das deinen Blick auf Gott verändert. Auch auf Gott, den Vater. Sein tiefster Wunsch war, diesen Weg freizumachen, Erlösung zu schaffen. Und ich halte es für absolut zentral, dass wir in der Frage unserer Gotteserkenntnis, wie wir Gott erkennen, nicht mehr hinter Golgatha zurückgehen.
Dort, wo wir nur das Alte Testament nehmen, um Gott und auch Gott, den Vater, zu verstehen und zu erkennen, werden wir zwangsweise einseitig werden. Durch Jesus Christus und Golgatha wird unser Gottesbild vollständig, und erst dort können wir Gott in der Tiefe seines Wesens erkennen und erfahren. Nur dort wird der Kern deutlich, und nur dort wird unsere Beziehung zu Gott in das richtige Verhältnis gesetzt.
Und deswegen kann es manchmal scheinen, dass Aufforderungen zur Angst in Form von Gottesfurcht irgendwie doch biblisch sind, ja, weil die im Alten Testament manchmal durchaus so rüberkommen können. Aber erst wenn wir Golgatha hinzunehmen, wird klar, wie Gott sich wirklich wünscht, dass wir mit ihm umgehen können.
Und ich möchte noch einen großen Punkt drauflegen für den tiefsten Charakter Gottes und uns die Frage stellen, wo Gottes Herrlichkeit am stärksten sichtbar wird.

Die Herrlichkeit Gottes im Kreuz Christi

Vielleicht saßt ihr auf irgendeinem Berg oder auf einer Alm und habt einen schönen See gesehen. Ähnliches. Die Bilder haben so ein bisschen Neid hervorgerufen, nein, und ihr habt gedacht: Wow, wie herrlich ist Gott. Und es ist richtig, das in dem Moment zu denken. Aber es ist nicht der Ausdruck oder der stärkste Ausdruck von Gottes Herrlichkeit. Es gibt noch einen größeren.
Und ich schaue noch mal mit euch ins Alte und ins Neue Testament: Jesaja 40,3-5. Es ruft eine Stimme in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserem Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn der Mund des Herrn hat’s geredet.
Warum zitiere ich diese Jesaja-Stelle? Weil das die Stelle ist, mit der Jesus angekündigt wird. Und zwar ist dieses Kommen Jesu, dieses Rufen in der Wüste, das den Weg für den Herrn bereitet, Johannes der Täufer. Und er kündigt an, dass die Herrlichkeit des Herrn offenbart werden soll. Und um was kommt? Es kommt Jesus Christus. Wenn ihr wirklich wissen wollt, wo Gottes Herrlichkeit am stärksten sichtbar wird, dann ist es Jesus.
Kurz bevor das Johannesevangelium in die Passionserzählung wechselt, also in die ganze Geschichte, wo der Leidensweg angeht, sagt Jesus etwas Zentrales zu seinen Jüngern: Johannes 12,23. Auch relativ bekannt. Johannes 12,23: Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.
Und Jesus meint den Weg und sein Sterben auf Golgatha. Dort wird Jesus verherrlicht. Ist das nicht paradox? Ein Mensch am Ende seines Lebens, der unschuldig, zerschlagen, gedemütigt und unter grausamster Folter stirbt? Und das soll der Moment sein, wo Gottes Herrlichkeit am stärksten sichtbar wird? Nicht der Schöpfungsmoment? Nicht irgendwelche triumphalen Gerichte Gottes? Sondern Golgatha? Dort wird Gott verherrlicht.
Aber genau das wird hier beschrieben: Jesus und Gott werden am Kreuz verherrlicht. Warum? Weil dort seine Größe und Schönheit so wahnsinnig tief zum Ausdruck kommt. Weil hier der tiefe und schöne Charakter von Gottes Wesen so sichtbar wird. Dieser lösende, sich selbst hingebende Gott. Weil das mehr ist als alle Macht und alle Gewalt, die man in dieser Welt demonstrieren kann. Nicht die Schöpfung ist der Ort, wo Gottes Herrlichkeit am stärksten sichtbar wird. Auch da steckt sie mit drin, sondern das Kreuz.
Michael Reeves, ich werde euch gleich noch das Buch zeigen, schreibt: Die tiefste Offenbarung von Gottes Herrlichkeit und seinem Wesen liegt in seiner Identität als Erlöser.
Passend zu dem, was er jetzt genannt hat, hat Stephan das auch schon in seinem Vortrag mit angerissen. Calvin unterscheidet zwei Stufen der Gotteserkenntnis in seiner Institutio, und ich denke, die ist spannend. Die erste Stufe der Erkenntnis ist Gott als Schöpfer, und die zweite Stufe ist Gott als Erlöser. Und wir dürfen nicht bei der ersten stehenbleiben. Wir müssen Gott tiefer und weiter kennenlernen. Wir müssen ihn als unseren Erlöser kennenlernen.
Und wenn wir Gott durch Jesus Christus mehr und tiefer kennenlernen, dann sehen wir ihn als Erlöser und Vater. Das bedeutet nicht, dass wir aufhören, Gott als den übernatürlichen Schöpfer zu sehen und anzubeten. Aber dieses Wissen, dass er gleichzeitig unser Vater und Erlöser ist, bringt dem Ganzen eine neue Dimension. Gott ist eben dann nicht mehr nur der ferne, mächtige Regierungschef, sondern er ist gleichzeitig der Vater, der alles für seine Kinder tut und für sie aufgibt, der für uns einsteht.
Und das verändert und muss unsere Furcht verändern. Sie ist eben nicht mehr eine knechtische Furcht, die uns Angst bereitet, die uns irgendwo knüppelt und wo wir ständig Angst vor Strafe haben, sondern die zu einer kindlichen Furcht wird, die sich bei dem Vater geborgen weiß, die mit Jesus alles teilen darf als sein Bruder und die sich von ihm getragen und geführt wissen darf, geborgen gehalten.
Diese Vaterschaft Gottes ist so fundamental für ein richtiges Verständnis von Gottesfurcht. Hier muss der Schrecken weichen vor dem Heiligen, Unendlichen. Hier muss alle Abhängigkeit von eigenen Werken weichen, weil ich eh nichts tun kann, was ihn irgendwie mehr zu meinem Vater machen kann. Hier darf kindliche Furcht bleiben. Und diese Furcht könnt ihr bei Jesus auch erkennen.
Jesaja beschreibt das schon wieder in Jesaja 11,2-3, wo angekündigt wird, wie Jesus sein wird. Da heißt es: Jesaja 11,2-3. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Interessant, dass die verbunden werden und Wohlgefallen würde haben an der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören usw.
Bei Jesus ist diese Furcht vor Gott keine ängstliche Furcht vor dem Vater, sondern von Ehrfurcht geprägt, aus einer tiefen Liebesbeziehung heraus. Und um vielleicht zu beschreiben, wie das treffender ist, wie diese Ehrfurcht aussieht, wie diese erschüttert, es ist schwierig, das in Worten greifbar zu machen, Mat. Ich hoffe, ich tue dir jetzt nicht unrecht, aber jetzt hat er Angst, das ist nicht schlimm. Bei euch saß ich bei der Hochzeit weiter vorne, Tim konnte dich nicht so sehen. Aber ich konnte dich relativ gut beobachten, wie du da vorne standest und wie Debbie reingelaufen gekommen ist an der Hochzeit. Da wurde es ein bisschen feucht um deine Augen, hatte ich den Eindruck.
Und das ist, glaube ich, der Moment, den Gott sich wünscht, wie wir Furcht vor ihm haben sollten: tiefe Ehrfurcht, gepackt aus einer tiefen Liebesbeziehung heraus, wo einfach Freude da ist, wenn wir ihm begegnen können, wo Sehnsucht da ist, wo da ja einfach tiefes Glück heraussprechen kann. Und wenn man erzittert und erschaudert auch irgendwie für so einen Moment. Aber wo Gott als dieser Vater uns begegnet, das ist es, was Gott sich wünscht.
Und wenn ihr mir nicht glaubt, dann glaubt Paulus, der in Römer 8,14-17 Folgendes schreibt: Römer 8,14-17. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet. Das ist genau das, was ich jetzt die ganze Zeit mit beschrieben habe. Es geht nicht mehr darum, um den Geist der Angst, um ängstlich zu sein, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Aber, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.
In dem Moment, wo du Gottes Kind wirst, wird dieser unnahbare, übernatürliche Schöpfer zu deinem Vater. Wie gigantisch ist das bitte!
Ich zitiere noch mal Michael Reeves: Sie ist nicht die Furcht des Sünders vor einem heiligen Richter und auch nicht die Ehrfurcht der Geschöpfe vor ihrem gewaltigen Schöpfer. Sie ist vielmehr die überwältigte Hingabe von Kindern, die über die Güte, Gerechtigkeit, Herrlichkeit und Großartigkeit ihres Vaters staunen.
Das Kind darf so tief verankert sein in dieser Vater-Kind-Beziehung, umgeborgen sein, und dieser Vater ist es, der dafür bürgt. Er ist gleichzeitig der allmächtige Schöpfer dieser Welt. Wow!
Und erst dann, wenn du in diese Vater-Kind-Beziehung kommst, kannst du diese Schöpfermacht und Naturgewalten, die wir erleben und erfahren, richtig genießen, weil du darin die schier unbegreifliche Größe und Macht deines Vaters erkennen kannst, wie gewaltig er ist.

Die eigentliche Einladung: Kommen statt leisten

Was ist die Anwendung von heute? Ich habe keine. Und vielleicht ist genau das unser Problem: dass wir oft so sehr die Erwartung haben, ich brauche eine Anwendung, ich brauche etwas, damit ich irgendetwas tun kann, etwas, was ich diese Woche umsetzen kann, etwas, was ich machen kann.
Wir wollen etwas tun, wollen es praktisch auf unser Leben anwenden. Aber es geht um so viel mehr. Gott wünscht sich genau eine Sache: dass du zu ihm kommst. Er steht mit ausgebreiteten Armen da und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass du einfach kommst. Heute, morgen, in aller Ewigkeit. Dass du kommst, dass du zu ihm gehst. Er wünscht sich nicht, dass du irgendetwas für ihn tust. Er wünscht sich, dass du kommst und bei ihm bist, dich von ihm prägen und verändern lässt.
 Matthäus 11,28-29 sagt, dass Jesus so zentral ist. Vielleicht ist das schon so selbstverständlich geworden für uns, aber lasst es tief in euer Herz sinken: Matthäus 11,28-29. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. Und jetzt sagt Jesus, wie er ist, wie er von Herzen ist: Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Kommt zu Jesus, kommt zum Vater, taucht ein in diese tiefe und enge Beziehung und genießt es. Das ist das, was ich dir wünsche und was Gott sich wünscht, dass du tust. Komm zu Jesus. Wenn dieses Leben dir schöne Momente schenkt, Freude schenkt und du Momente hast zum Genießen, dann komm zu ihm und genieße mit ihm zusammen, der sie dir schenkt.
Wenn du durch Leid gehst und nicht mehr weiter weißt, da wünscht sich Gott nichts mehr, als dass du einfach zu ihm kommst. Er leidet mit dir und geht mit dir hindurch. Er wünscht sich nicht, dass du irgendwie anfängst, Dinge zu tun, um das besser zu machen, sondern er wünscht sich, dass du einfach kommst.
Und wenn Sünde dein Leben zerstört und du immer wieder hineinfällst, wenn du geplagt bist unter der Last der Sünde, da wünscht sich Gott nicht tiefer und mehr, dass du mit all deiner Schuld, mit deiner Last und deinem Versagen zu ihm kommst. Als Christ und auch dann, wenn du ihm noch nicht gehörst.
Der tiefste Wunsch Gottes, wenn Sünde in deinem Leben ist, ist nicht, dass du anfängst, ab morgen alles besser zu machen. Oder dass du es endlich in den Griff kriegst. Oder dass du jetzt endlich irgendwelche Werke tust, um Gott wieder ein bisschen gnädiger zu stimmen. Der tiefste Wunsch Gottes, wenn Sünde in deinem Leben ist, ist, dass du zu ihm kommst und diese Sünde zu seinen Füßen am Kreuz auf Golgatha legst. Komm zu Jesus!

Ausblick auf die Vollendung

Und noch ein Ausblick: In 1. Korinther 13,12 wird uns gesagt, wie es weitergeht. Da sagt uns Paulus: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, aber dann werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
Das, was wir jetzt auch mit dem ganzen Beschriebenen von Gott erkennen, ist für uns alle irgendwie nur stückweise, weil wir darin nur wachsen können, Gott zu verstehen. Und es ist jetzt eigentlich schon genial und herrlich, wenn wir Gott als diesen gnädigen, barmherzigen Gott erfahren und erkennen können. Aber es wird der Moment kommen, in dem wir Gott in seiner ganzen Tiefe und Schönheit noch viel mehr erkennen werden.
Und wisst ihr, was in der Offenbarung angebetet wird? Dieses Lamm, das in der Mitte steht. Ich bin davon überzeugt: Wenn wir in die Ewigkeit gehen, dann wird es nicht dieses „Ich muss jetzt zum Gottesdienst gehen“, wie wir das manchmal verbinden. Sondern es wird ein tiefes, tiefes Genießen dieser väterlichen Erlöserliebe sein, ein Baden darin, in dieser tiefen, innigen Liebesbeziehung zu diesem allmächtigen Schöpfer, der dein Vater ist, der sich in seinem tiefsten Innersten dir hingegeben hat, der dich erlöst hat in ewiger Liebe und dich mit ewiger Liebe liebt.
Komm zu ihm, genieß ihn, genieß das, was er dir jetzt schon gewährt. Gott wünscht sich nicht mehr. Amen.