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Glaubensunterricht bei einem Heiden-Hauptmann, Teil 1/2

Glaubensunterricht bei einem Heiden-Hauptmann, Teil 1/2
21.06.1964Lukas 7,6-7
SERIE - Teil 1 / 2Glaubensunterricht bei einem Heiden-Hauptmann

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft und seine Güte nicht von mir wendet.

Wir wollen jetzt ganz offen vor ihn treten und im Namen Jesu alles vorbringen, was in unserem Herzen ist. Du hast gesagt: Schüttet euer Herz aus vor dem Herrn. Du kennst uns besser, als wir uns selbst kennen. Du kennst alle Schuld, die auf uns lastet. Du kennst alle Fesseln und zerreißt sie dennoch.

Du nimmst unsere Sorgen und Qualen auf dich. Herr, du hast sie längst getragen. Befreie jetzt unsere Seele ganz von allem, und ziehe in unser Herz ein, damit wir hören können, was du uns sagen willst.

Wir wollen weiter vor dir stehen und unser Herz reinigen. Gelobt seist du, dass du unser Gebet nicht verwirfst.

Nun soll sich die Gemeinde setzen.

Einführung und Gebet

Im Bericht von Jürgen denke ich daran, eine Geschichte aus einem Testament vorzulesen. Aus dieser Geschichte werde ich später der Gemeinde ein Wort herausnehmen, um es auszulegen. So versteht man die Geschichte besser. Ich glaube, das gehört zusammen.

Mir steht Lukas 7 vor Augen: Nachdem Jesus vor dem Volk gesprochen hatte, ging er in eine entfernte Gegend. Dort lebte ein römischer Hauptmann, dessen Diener schwer krank war. Da er von Jesus hörte, sandte er die Ältesten der Juden zu Jesus und bat ihn, zu kommen und seinen Knecht zu heilen.

Die Ältesten kamen zu Jesus, baten ihn inständig und sagten: „Er ist es wert, Herr, dass du ihm hilfst, denn er liebt unser Volk, und er hat uns das Synagogengebäude gebaut.“ Jesus ging mit ihnen.

Als sie aber noch nicht weit vom Haus entfernt waren, sandte der Hauptmann Freunde zu Jesus und ließ ihm sagen: „Herr, bemühe dich nicht, unter mein Dach zu kommen. Ich bin nicht würdig, dass du in mein Haus kommst. Darum habe ich auch nicht den Mut, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund.

Denn auch ich bin ein Mensch unter Autorität und habe Soldaten unter mir. Wenn ich zu einem sage: ‚Geh!‘, dann geht er, und zu einem anderen: ‚Komm!‘, dann kommt er. Wenn ich zu meinem Knecht sage: ‚Tu dies!‘, dann tut er es.“

Diese Rede Jesu wunderte sehr. Er wandte sich um und sprach zu der Menge, die ihm folgte: „Ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“

Als die Gesandten wieder nach Hause kamen, fanden sie den kranken Knecht gesund.

Herr, dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost. Amen. Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Die Geschichte des Hauptmanns von Kapernaum

Wir hören ein Wort aus der Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum aus Lukas 7: „Ach Herr, bemühe dich nicht, denn ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst. Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Herr, heilige uns in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Meine Freunde, heute sind durch den Bericht über die Haie Soldaten und die Wehrmacht wieder in aller Munde. Es ist also ganz aktuell, dass wir heute von einem Hauptmann sprechen – wenn auch nicht von einem Soldaten der Wehrmacht.

Trotzdem finde ich, dass dieser Text eine ziemliche Zumutung ist. Sehen Sie, als junger Mann war ich Soldat, und offen gestanden hat mich am meisten angeödet, dass wir so oft zu sogenannten Instruktionsstunden mussten. Dort hat ein Offizier oder Unteroffizier uns in unsachlicher Langeweile Nichtigkeiten beigebracht. Was habe ich mich da gelangweilt!

Mutet uns der Herr Jesus hier zu, dass wir eine Instruktionsstunde bei dem römischen Hauptmann mitmachen sollen? Immerhin ist es keine Instruktionsstunde über Waffentechnik oder Strategie, sondern eine Instruktionsstunde über den Glauben. Er soll uns einen rechten Glauben beibringen.

Der Herr Jesus sagt am Schluss: „Solchen Glauben habe ich in der Kirche nicht gefunden.“ Er sagt in Israel, das war die Kirche der damaligen Zeit, solchen Glauben wie bei diesem Heiden habe ich in der Kirche nicht gefunden.

Und meine Freunde, sehen Sie, da ist die zweite Zumutung. Sie sind doch alle Christen, nicht? Wir sind alle Christen. Sie haben Unterricht gehabt. Als ich mal in München im Löwenbräukeller evangelisierte, sagte der bayerische Bischof damals zu mir: „Was soll das?“

Ich antwortete: „Wir wollen die Draußenstehenden erreichen.“ Er sagte: „Das gibt es hier nicht in München, die sind alle unterwiesen und getauft, es gibt keine Draußenstehenden, es sind alle Christen, die hier sitzen.“

Na ja, und der Hauptmann war ein Heide. Und jetzt soll dieser Heide uns Christen die Instruktionsstunde über den richtigen Glauben geben? Na, das kann ja interessant werden – nicht wahr? Eine ziemliche Zumutung: Erstens eine Instruktionsstunde sowieso, und zweitens ein Heide über den rechten Glauben.

Aber der Herr Jesus hat uns das nur ans Herz gelegt. Wir sollen bei diesem Hauptmann den richtigen Glauben lernen. Und weil schließlich irgendwo der Wille Jesu gelten muss – also in der Kirche wenigstens –, wollen wir seinen Befehlen nachkommen.

Wir schreiben also über den Text und über die Predigt: Glaubensunterricht bei einem heidnischen Hauptmann. Glaubensunterricht bei einem heidnischen Hauptmann.

Erster Teil: Was wir von uns selbst halten sollen

Ich habe drei Teile, ich müsste aber sechs haben. Wie gesagt, die anderen drei bringe ich nächsten Sonntag, nicht?

Erstens: Da lernen wir, was wir von uns selber zu halten haben. Mein lieber Mann, was hältst du von dir? Was halten sie von sich? Wilhelm Busch, was hältst du von dir? Hier lernen wir, was wir von uns selber zu halten haben.

Um das auszuführen, muss ich uns die Geschichte noch einmal vergegenwärtigen. Palästina gehörte damals zum großen Römischen Reich. Überall lagen römische Besatzungen, auch in der galiläischen Hauptstadt Kapernaum. Der Stadtkommandant der Römer hatte einen Knecht. Wir wissen nicht genau, ob er Sklave oder Soldat war, ein Bursche, wie man bei uns sagt. Einmal nennt er ihn sogar seinen Sohn – also irgendeiner seiner Untergebenen, der ihm sehr wertvoll war. Dieser Knecht ist todkrank, und kein Arzt kann ihm helfen.

Nun hat dieser Mann von Jesus gehört und glaubt, dass Jesus heilen kann. Deshalb bittet er die Ältesten der Stadt – die Ältesten der jüdischen Gemeinde, die zugleich auch den städtischen Rat bildeten. Israel war immer Kirche und Staat völlig eins, nicht? Er bittet die Ältesten der Juden, für ihn zu Jesus zu gehen und ihn zu bitten, in sein Haus zu kommen. Er hat das wohl getan, weil er wusste, dass es für einen Juden verboten war, in ein heidnisches Haus zu gehen; man wurde dadurch unrein. Darum bittet er die Ältesten der Juden, für ihn zu bitten.

Jetzt stelle ich mir die Geschichte mit meiner blühenden Fantasie so vor: Er wartet zu Hause gespannt, ob dieser Jesus wohlkommt. Plötzlich kommt ein Bote atemlos und sagt: „Hauptmann, er kommt!“

Weißt du, diese Ältesten haben die Sache großartig gemacht. Sie haben richtig gebeten. Was haben sie denn gemacht? Oh, sie haben gleich gesagt: „Herr Jesus, dieser Hauptmann ist es wert, dass du kommst.“ Sie haben darauf hingewiesen, dass er der Gemeinde hier ein Versammlungshaus gebaut hat, wo der Name des Herrn verkündet wird. Sie haben darauf hingewiesen, dass er freundlich und barmherzig mit den Leuten umgeht.

Da springt der Hauptmann auf: „Was haben sie gesagt?“ Dann schickt er ein paar Freunde, die er gerade zur Hand hat, los. Diese müssen nun zu Jesus gehen, der schon ganz nah ist, und ihm sagen: „Herr, der Hauptmann lässt dir sagen: Ich bin’s nicht wert, dass du zu mir kommst. Sprich nur ein Wort, wo du bist, da wird mein Knecht gesund.“

Ich möchte heute an dem Wörtlein „Ich bin’s nicht wert“ hängenbleiben. Wie kommt der Mann dazu, so von sich zu reden? Ich habe im Geiste mal Erhebungen über den Hauptmann eingeholt. Ich habe seine Vorgesetzten gefragt: „Herr General, was halten Sie von dem Hauptmann von Kapernaum?“

Und da sagt der General: „Judäa ist die schwierigste Provinz im ganzen Römischen Reich. Dort gibt es sofort Aufstände. Die Menschen sind sofort beleidigt, wenn nur ein Adlerbild, so eine Standarte, nach Jerusalem getragen wird. Es ist eine schwierige Provinz. Und der schwierigste Teil von Judäa ist Galiläa. Jeder zweite dort ist ein Zelot, ein Freiheitskämpfer. Die Hauptstadt von Galiläa ist Kapernaum, eine der schwierigsten Ecken im ganzen Römischen Reich. Dort können wir nur unsere besten Leute einsetzen, und genau dort haben wir diesen Hauptmann hingesetzt.“

„Du wirst verstehen“, sagt der General zu mir, „dass wir ihn für einen außerordentlich wertvollen Mann halten.“

So, und der Hauptmann sagt zu Jesus: „Ich bin nicht wert.“

Und da frage ich die Ältesten Israels in Galiläa, die die Römer hassten: „Was haltet ihr von dem Mann?“

Haben wir ja schon gehört: Sie sagen, er tritt nicht auf wie die SS in Polen, mit dem Stiefel des Siegers. Nein, nein, er ist unser Bruder und Freund. Er hat ein Versammlungshaus gebaut, und da kommt er selbst hin – ein wertvoller Mensch. Das haben die Ältesten gesagt. Und er sagt: „Ich bin nicht wert.“

Jetzt möchte ich mal fragen: Was halten Sie von dem Hauptmann? Sie haben da auch schon ein Urteil über ihn, jetzt allmählich.

Sehen Sie, man sagt heute so viel: Die Pfarrer sollten vor allem Dingen von Mitmenschlichkeit predigen. Es gibt eine ganze theologische Fakultät, die sagt, das ganze Christentum bestehe in Mitmenschlichkeit.

Also in puncto Mitmenschlichkeit können wir uns eine Scheibe abschneiden von dem Hauptmann, wie er sich um seinen kranken Knecht kümmert. Da geht es nicht einfach bloß um die Frage der Lohnfortzahlung oder so etwas. Er läuft, er schickt Freunde, er bemüht sich um seinen kranken Knecht – Mitmenschlichkeit pur.

Ein vollgültiger Mann, manches Jahr. So möchte man ja sein, wie der Mann. So möchten wir sein.

Untersteht dieser Hauptmann und sagt: „Ich bin nicht wert, Herr Jesus, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach kommst.“

Jetzt frage ich Sie: Wie kommt der Hauptmann dazu, so von sich zu reden? „Ich bin’s nicht wert.“

Es gibt nur eine Antwort. Und jetzt gebe Gott, dass Sie sie hören können: Er hat vor dem Angesicht des heiligen Gottes gestanden. Er hat in Israel vom lebendigen Gott gehört und nicht nur gehört, sondern den wirklichen lebendigen Gott erlebt.

Er hat eine Frage gelernt, die wir endlich mal wieder lernen sollten: Was sagt Gott über mich?

Es ist nicht mehr zum Anhören, wie heute jeder Hans Wurst davon redet, was er von Gott hält. Interessiert doch niemanden. Interessiert mich auch nicht, was Theologieprofessoren von Gott halten. Aber das interessiert mich: Was hält Gott von uns? Darum geht es.

Und das hat der Hauptmann gefragt: Was hält Gott von mir?

Und das steht in der Bibel ganz klar, was Gott von Ihnen, von euch und von mir hält: „Das Menschenherz ist böse von Jugend auf.“ Das hält Gott von uns.

Da steht in der Bibel: „Aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Lüge, Lästerung Gottes.“

Oder es fehlt uns der Ruhm, den wir vor Gott haben sollten.

Es packt mich immer wieder die Geschichte, wie man einmal eine Ehebrecherin, die man beim Ehebruch ertappt hat, vor Jesus führt und zu ihm sagt: „Herr, im Gesetz steht, dass sie sterben muss. Du bist doch einverstanden, dass sie gesteinigt wird.“

Und Jesus sagt: „Ja, sie soll gesteinigt werden. Halt, wer ohne Sünde ist, soll den ersten Stein werfen.“

Und dann wagt keiner mehr, einen Stein aufzuheben.

Im Lichte Gottes sehen Sie, dass keiner ohne Sünde ist. Haben Sie schon einmal so im Licht Gottes gestanden?

Der Hauptmann lehrt uns, was wir von uns selber halten sollen.

Wer einmal im Lichte Gottes gestanden hat, der spricht mit dem Hauptmann: „Herr, ich bin nicht wert.“

Der singt mit Hiller: „Ich hatte nichts als Zorn verdient.“

Da zerbricht einem der Hochmut. Dass wir eine so hochmütige Gesellschaft sind, beweist nur, dass wir Religion haben, aber noch nie vor Gott gestanden haben.

Zweiter Teil: Was wir von Jesus halten sollen

Und nun ein zweiter Glaubensunterricht beim heidnischen Hauptmann. Er hat uns zuerst gesagt, dass wir von uns selbst halten sollen, dass wir vor Gott nichts wert sind.

Und nun kommt als zweiter Teil – nicht wahr? Glauben Sie nicht, dass es beim Hauptmann darum geht, was wir von Jesus halten sollen? Im zweiten Teil lehrt er uns, was wir von Jesus halten sollen – nicht von der Kirche, nicht von Pastoren, nicht von Religion, nicht von Gott, sondern von Jesus.

Ist Ihnen klar, was wir von Jesus halten sollen? Wenn der Hauptmann vorher gesagt hat, dass er selbst nicht wert ist, dann sagt er jetzt: Das dürfen wir von Jesus halten, dass er der einzig Wertvolle vor Gott und den Menschen ist.

Lieben Freunde, er bekennt ihn als den Sohn des lebendigen Gottes, den Einzigen, der aus der anderen Welt gekommen ist. Ich möchte das deutlich machen. Sehen Sie, der Hauptmann lässt seine Freunde den Herrn Jesus so anreden. Wir müssen mal wieder ein bisschen Sprachforschung betreiben, nicht wahr?

Die Freunde müssen so reden: Herr – was Luther mit „Herr“ übersetzt, steht im griechischen Testament als „Kyrios“. Nun haben die Leute damals nicht Griechisch gesprochen, sondern Hebräisch oder Aramäisch, und dort sagten sie „Adonai“.

Das griechische Wort „Kyrios“ oder das hebräische „Adonai“ bedeutet nicht dasselbe wie bei uns, wenn wir sagen: Herr Schulze, Herr Meier, Herr Busch oder Herr Kimmel. „Kyrios“ oder „Adonai“ bedeuten „göttlicher Herr“. „Adonai“ ist sogar der Name Gottes.

Als die römischen Kaiser erklärten, sie seien Götter und ließen sich Weihrauch opfern, legten sie sich den Titel „Kyrios“ – Herr – zu. Das war ein religiöser Titel, verstehen Sie? Es bedeutet „göttlicher Herr“.

Und nun nimmt dieser römische Hauptmann, der dem Kaiser den Fahneid geschworen hat, bitte, seinem Kaiser den Titel „Kyrios“ und sagt zu Jesus: „Du, Rabbi aus Nazareth, wo du herkommst, du bist der Herr, du bist der Kyrios, du bist der Adonai.“ Er bekennt ihn als Gott, verstehen Sie?

Darum kann er nun so weiterreden zu ihm: „Brich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund.“ Sieh her, wenn ich bete, hört mich Gott nicht. Ich bin Heide, ich bin Sünder, mich hört er nicht, ich wage es nicht. Aber du, der Sohn, du brauchst nur ein Wort zu sagen, und der Vater hat es schon gehört.

Er lehrt uns, was wir an Jesus halten sollen: den Einzigartigen, den ganz Anderen, den Sohn Gottes. Es gibt eine wundervolle Geschichte, wie Jesus öffentlich auftritt und zuerst an den Jordan geht, wo Johannes die Sünder tauft.

Dort reiht sich Jesus in die Sünderei ein und trägt gewissermaßen unsere Sünde schon in den Jordan. Und da kommt eine Stimme vom Himmel: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Es ist, als hätte der Hauptmann diese Stimme gehört. Und er hat sie gehört, er hat sie ihm bewusst gehört: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Haben wir diese Stimme auch gehört? Dieses Zeugnis Gottes über Jesus?

Ich will zwischendurch mal eben sagen: Im Neuen Testament kommen drei römische Zenturionen vor. Eigentlich möchte man am liebsten ein kleines Examen abhalten, wo sie vorkommen.

Der erste ist dieser Hauptmann von Kapernaum, der an den Sohn Gottes glaubt. Der zweite ist der Hauptmann, der das Hinrichtungskommando auf Golgatha führt. Als Jesus stirbt, bekennt er: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“ Er glaubt an ihn.

Der dritte ist Hauptmann Cornelius, der in der Apostelgeschichte vorkommt, der durch die Predigt des Petrus zum Glauben an den Sohn Gottes kommt.

Stellen Sie sich vor, man kann es menschlich verstehen: Diese Leute sind in der Welt herumgekommen, haben all die Religionen gesehen, ihre Kraftlosigkeit, ihre Fragwürdigkeit. Und dann begegnen ihnen Gnade und Wahrheit in Jesus, und sie begreifen: Hier kommt jetzt der wirkliche Gott!

Aber, Freunde, Israel verwirft Jesus. Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Und die heidnischen Hauptleute glauben. Da erfüllt sich das Wort Jesu: Die Letzten werden die Ersten sein.

Das wird die tote Kirche des Armenlandes auch noch erfahren, dass eher die roten Kommunisten Chinas Erweckungen erleben als unsere tote Christenheit. Kein Satz, den Jesus sagt, sollten wir leichtfertig nehmen. Seien wir vorsichtig, ob wir nicht vielleicht unter dem Satz stehen, dass die Ersten dieses Evangeliums aus erster Hand Letzte sein werden.

Sehen Sie, so ist es eine aufregende Sache: Glaubensunterricht beim Hauptmann von Kapernaum. Dort werden wir von der Frage gestärkt: Was hältst du von Jesus?

Bitte geben Sie Antwort: Was hältst du von Jesus? Einen Religionslehrer, einen Betrüger, einen edlen Mann, einem, dem Gott besonders mehr als bei anderen Menschen gegenwärtig war? Oder glaubst du, wie der Priester Zacharias, dass in ihm Gott besucht und sein Volk erlöst hat?

Wir müssen Antwort geben auf diese Frage. Dieser Glaubensunterricht beim Hauptmann von Kapernaum ist ein Seminar, in dem wir gefragt werden: Was hältst du von Jesus?

Jesus selbst hat gesagt, das ist das ewige Leben: dass ihr den allein wahren Gott und den, den er gesandt hat, Jesus Christus, kennt (Johannes 17,3).

Ich muss noch sagen: Ich bin überzeugt, dass der Hauptmann sich klar macht, wenn hier Gott ihm begegnet in Jesus, dann ist Jesus nicht bloß gekommen, um kranke Knechte zu heilen, sondern um Größeres zu tun – um das Reich Gottes hierherzubringen, um Sünder selig zu machen, um wertlose Menschen bei Gott wertvoll zu machen.

Dritter Teil: Jesus für uns in Anspruch nehmen

Und damit sind wir beim Dritten: Glaubensunterricht beim Hauptmann von Kapernaum.

Können Sie noch zuhören? Es ist sehr warm hier, aber ich hoffe, dass nicht nur äußerlich Wärme spürbar ist, sondern dass Ihnen die Herzen warm werden durch meine Predigten. Das wünsche ich mir sehr.

Glaubensunterricht beim Hauptmann von Kapernaum: Was wir von uns selbst halten, ist nichts wert. Doch was wir von Jesus halten, das ist wertvoll bei Gott und den Menschen.

Und das Dritte: Wir dürfen Jesus für uns in Anspruch nehmen. Der Hauptmann glaubte und nahm Jesus für sich in Anspruch – ganz einfach, in seiner ersten Not. Dafür hat Jesus ihn gelobt. Sehen Sie, genau das will Jesus: dass wir ihn für uns in Anspruch nehmen.

Das ist die eigentlichste Sünde, schlimmer als alle anderen Sünden in unserem Leben: ohne Jesus zu leben, ohne Jesus im Alltag zu stehen, ohne Jesus unsere Probleme zu lösen. Dass wir uns mitten in der Welt abfinden ohne Jesus, ohne Jesus Kinder Gottes sein wollen, ohne Jesus sterben wollen – und dann noch glauben, wir könnten selig werden. Nein, in die Hölle kommen wir.

Das ist die Sünde: Gott hat seinen Sohn gegeben, und wir sagen, es ist schön, wir glauben das, aber wir nehmen ihn nicht für uns in Anspruch.

Der Apostel Paulus hat in verschiedenen Bildern deutlich gemacht, was es bedeutet, Jesus für sich in Anspruch zu nehmen. Lassen Sie mich zwei davon herausgreifen.

Einmal sagt Paulus: Von Natur aus sind wir Gott unangenehm. Das Wort ist unangenehm, aber es beschreibt es gut. So wie ein Mensch unangenehm sein kann – etwa mit einem schleimigen Charakter oder schlechtem Atem –, so sind wir Gott ein Gräuel.

Doch dann sagt Paulus: Wenn ich Jesus für mich in Anspruch nehme, hat Gott mich ihm angenehm gemacht. Er hat uns in dem Geliebten angenehm gemacht. Wenn ich in Jesus bin, bin ich Gott lieb und wert wie sein eigener Sohn. In Jesus werden wir Gott angenehm.

Ein anderes Bild: Paulus sagt, wir sind vor Gott ungerecht, angeklagt und könnten auf tausend Einsprüche keine Antwort geben. Alle Sünden haben wir begangen, wir sind Verurteilte. So drückt Paulus es aus. Darum stehen wir zeitlich und ewig unter Gottes Zorn.

Wenn ich aber Jesus für mich in Anspruch nehme, dann bin ich in Jesus vor Gott gerecht. Dann hat das Gesetz nichts mehr gegen mich. Dann bin ich Gott so lieb und wert wie sein eigener Sohn, der ihm keine Sünde getan hat.

Dazu muss man natürlich mehr wissen als der Hauptmann: dass dieser Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, dass er unser Bürge wurde, dass er für unsere Schuld die Strafe getragen hat, dass er für uns eingetreten ist und von den Toten auferstanden ist.

Wir dürfen Jesus für uns in Anspruch nehmen.

Ich möchte nicht sterben, ohne einen Heiland zu haben, den ich für mich in Anspruch nehmen kann. Und ich möchte keinen Tag leben, ohne einen Heiland zu haben, den ich für mich in Anspruch nehmen kann und der sich darüber freut und mich lobt, wenn ich das tue.

Kritik an zeitgenössischer Welt und Aufruf zur Umkehr

Nun könnte ich hier meine Predigt abbrechen und Schluss machen, aber ein besonderer Anlass zwingt mich, noch ein paar Worte dazuzufügen.

Sehen Sie, in unserer Stadt wird gerade wieder kräftig Reklame gemacht – für diesen widerlichen Film, „Das Schweigen“. Lassen Sie mich grob sagen: Ein Misthaufen stinkt, auch wenn er künstlerisch aufgeschichtet ist. Nicht? Ich möchte sagen, dass ich den Film nicht gesehen habe. Es genügt mir, was ich darüber höre. Und ich möchte Ihnen sagen: Auch aus Studiengründen sollten wir uns solchen Kram nicht ansehen. Ich lasse mir doch mein Unterbewusstsein nicht verderben, nur damit irgendwelche Leute Geld verdienen.

Das sieht doch keiner unbestraft an. Unser Unbewusstsein nimmt die Dinge auf. Seien Sie vorsichtig, ihr Jungs, seid vorsichtig! Das Leben in uns, wenn man so hilflose Kerle ist, wird von all den Eindrücken geprägt. Nun, ich kann nicht ändern, dass dieser Misthaufen stinkt, aber was mich nun packte, war die Art, wie für diesen Film in den Zeitungen Reklame gemacht wird – im Namen des Christentums.

Im Namen des Christentums liest man also als Inserat in der Essener Zeitung gestern folgende Sätze. Hören Sie gut zu: „Unrecht haben alle, welche in paulinisch missverstandener Sexualmoral nicht sehen wollen.“ Das ist ein Satz, den kein Mensch ganz versteht, auch der Schreiber nicht. Aber jetzt kommt’s: „nicht sehen wollen, dass das Christentum nichts mit Moral zu tun hat, sondern mit dem Gebet um einen gnädigen Gott.“ Das ist verblüffend richtig.

Was kann ich tun, um ein Kind Gottes zu werden? Nichts. Jesus annehmen. Das scheint verblüffend richtig. Aber es ist eine große Lüge. Evangelium hat nichts mit Moral zu tun – das ist richtig. Aber das Evangelium hat zu tun mit einem neuen Leben.

Meine Freunde, wer durch Jesus ein Kind Gottes geworden ist und Frieden mit Gott hat, der steht unter der Herrschaft des Heiligen Geistes und nicht mehr unter der Herrschaft eines Geistes von unten oder seiner Naturtriebe. Er hat den Kampf zu kämpfen, aber die Herrschaft hat der Heilige Geist. Wer seinen gnädigen Gott gefunden hat, der ist zu einem neuen Leben gekommen.

Was ist das für ein Christentum? Wir beten um Gnade bei Gott und wühlen gleichzeitig im Dreck. Nein, nein! Christentum hat nichts mit Moral zu tun, aber mit einem neuen Leben. Jesus ist gekommen, damit er uns Sünder zu Kindern Gottes macht und in ein neues Leben versetzt.

Wer in Jesus Frieden mit Gott gefunden hat, der sagt mit Paulus im Römerbrief: „Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir mit Christus abgestorben sind?“ (Römer 6,2). Und dann fährt er fort – und das möchte ich Ihnen zurufen: „Haltet euch dafür im Blick auf diesen Heiland, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christo Jesu, unserem Herrn“ (Römer 6,11).

Mögen die Mächte der Welt ihr schmutziges Wesen treiben, aber sie sollen die Finger vom Evangelium lassen. Das müssen wir uns also energisch verbitten, nicht wahr? In aller Deutlichkeit.

Ich möchte es Ihnen aber sagen: Ich kann die Welt nicht ändern. Darum protestiere ich hier nicht lange herum. Ich kann die Welt nicht ändern, aber ich kann dafür sorgen, dass Menschen am Klang des Evangeliums verändert werden. Wir dürfen Jesus für uns in Anspruch nehmen, damit wir Sünder vor ihm angenehm und gerecht werden und zu einem neuen Leben und einem neuen Geist kommen. Und das wollen wir tun – ihn so für uns in Anspruch nehmen.

Schlussgebet und Lied

Lassen wir uns beten: Herr, unser Heiland, wir danken dir von Herzen, dass du nicht nur dem Hauptmann von Kapernaum begegnet bist, sondern auch uns.

Nun stell uns in dein Licht, offenbare dich uns und mache uns zu Menschen, die an die Lebensquelle dürsten und zu ihr kommen. Amen!

Wir wollen stehenbleiben und aus dem Lied 150 den dritten Vers singen.

Nach dem Segen wollen wir aus dem Lied Anhang 69 die Verse 1, 2 und 4 singen. Das ist die ganze Predigt: 69, Verse 1, 2 und 4.

Nun werden wir still.

Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig.

Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden. Amen.