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Das Gleichnis vom Weinberg und vom Sohn des Hausherrn

Matthäus 21,33-46
Matthäus 21,33-4619.06.2022
SerieTeil 48 / 90Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi
Warum wirkt der Feigenbaum „falsch“? Der Schlüssel liegt in Sprache, Land und Zeit: Wer die Bibel oberflächlich liest, sieht Widersprüche – wer genauer hinschaut, entdeckt erstaunliche Präzision.

Einleitung und Ausgangsfrage

Im Matthäusevangelium wird die Tempelreinigung beschrieben, Matthäus 21,12-17, und dann kommt die Verfluchung des Feigenbaums, nämlich ab Vers 8: „Frühmorgens aber, als er in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn.“ Wenn man das aber im Markusevangelium anschaut, wo ja die genaue zeitliche Reihenfolge beschrieben wird, dann wird klar, dass das eben vor der Tempelreinigung war. Denn Markus 11,12-14 berichtet die Verfluchung des Feigenbaums, und ab Vers 15 wird die Tempelreinigung beschrieben.
So, jetzt kann man sich die Zähne ausbeißen. Wie bringt man das zusammen? Das sind natürlich auch Dinge, die gerne Leute aufbringen, die behaupten, die Bibel sei voller Fehler. Und gerade gestern hat mich jemand gefragt, was er da tun soll. Er habe eine Liste mit 100 Widersprüchen in der Bibel bekommen, was er damit machen solle. Und ich habe ihm dann erklärt: Bring doch selber Bibelstellen, und sag ihnen zum Beispiel bei Esra 1, dass die Zahlenangaben nicht aufgehen. Bitte erklärt das. Und wenn sie das nicht können, dann sag ihnen die Lösung. Aber dann musst du ihnen erklären: Ihr seid nicht die Richtigen, um zu sagen, da und da seien Widersprüche, denn ihr seid gar nicht in der Lage, solche schwierigen Fragen zu lösen. Ihr seid die falschen Leute.
Wenn jemand so etwas bringt und sagt: Seht ihr, Widerspruch in der Bibel, dann muss man den Spieß drehen und die Lösung bringen. Und wenn du das nicht kannst, dann bist du nicht die geeignete Person, um Fehler in der Bibel aufzuzeigen.
Nun, der Punkt ist: Die Zeitformen im Griechischen sind ganz anders als im Deutschen. Man muss die griechische Grammatik lernen und eben lernen: Das ist eine ganz andere Welt, aber eine fantastische Welt. Das griechische Verb mit 450 Formen ist ein fantastischer Reichtum, aber das ist etwas anders als im Deutschen. Zum Beispiel ist das griechische Imperfekt etwas ganz anderes, als wenn man diesen Ausdruck im Deutschen braucht. Früher sagte man Imperfekt, heute sagt man Präteritum. Aber auch das griechische Perfekt ist etwas vollkommen anderes als das deutsche Perfekt. Man benutzt die gleichen Wörter, aber es ist ganz anders.
Im Griechischen gibt es keine Vorzeitigkeit bei den Verben. Das haben wir aber im Deutschen. Dort kann man mit dem Plusquamperfekt ausdrücken: Nachdem er das Haus gebaut hatte, ging er nach New York. Diese Vorzeitigkeit kann man mit dem Plusquamperfekt übersetzen. Und im Griechischen ist das Plusquamperfekt etwas ganz anderes, hat zwar den gleichen Namen, aber da kann man nicht Vorzeitigkeit ausdrücken.
Ich lese mal vor aus der Griechischen Grammatik zum Neuen Testament, das ist so das Standardwerk im Deutschen von Ernst Hoffmann und Heinrich von Siebenthal. Die erklären zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Aorist, das ist die Erzählform im Griechischen. Wenn man eine Geschichte erzählt, benutzt man gewöhnlich den Aorist. Da gibt es im Griechischen keine Consecutio temporum, also keine Zeitenfolge. Der Indikativ-Aorist kann sich je nach sachlichem Kontext auch auf die Sphäre der Vorvergangenheit beziehen. Also muss man beim Übersetzen den Aorist nicht einfach immer mit Präteritum übersetzen.
Jetzt hier in Vers 8: „Frühmorgens aber, als er in die Stadt zurückkehrte“ – so erzählen wir im Deutschen. Da muss man übersetzen: „Frühmorgens aber, als er in die Stadt zurückgekehrt war, hungerte ihn.“ Das ist quasi ein zeitlicher Rückgriff.
Das Wichtige ist also in Matthäus zu zeigen: zuerst der Einzug nach Jerusalem und gleich in der Folge die Tempelreinigung. Das wird zusammengestellt. Und dann wird berichtet: Aber übrigens, an diesem Tag, als er nach Jerusalem kam, da hatte er Hunger und hat dann diesen Feigenbaum verflucht. Aber das nimmt er eben extra rüber, damit es da nicht einen Unterbruch gibt: Einzug des Königs und dann Reinigung des Tempels durch den König. Und so muss man das mit Vorzeitigkeit übersetzen. Und das Problem ist gelöst.
Das gibt es auch im Alten Testament. Zum Beispiel hat die alte Elberfelder 1. Mose 12,1 mit Präteritum übersetzt. Es geht um die Berufung Abrahams. Da heißt es in der alten Elberfelder: „Und Jehova sprach zu Abraham: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters.“ Nun hat man aber ein Problem: In den Versen davor wird schon berichtet, wie Abraham aus Ur in Chaldäa nach Haran ging, und dann wird berichtet: Der Herr sprach zu Abraham: Geh aus deinem Land. Er war ja schon aus dem Land gegangen.
Nun erklärt Stephanus in Apostelgeschichte 7 vor dem Sanhedrin: Abraham wurde von Gott berufen, ehe er in Haran war, als er noch in Ur in Chaldäa wohnte: „Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft.“ Also ist zeitlich klar, dass Abraham in Ur in Chaldäa berufen wurde und nicht erst in Haran. Darum haben wir damals bei der Revision der Schlachter 2000 das dann auch geändert. Ich hatte dort im Komitee gesagt: Das muss man unbedingt mit Vorzeitigkeit übersetzen.
Liest du mal? Du hast Schlachter 2000, nicht wahr? Nein, der Elberfelder dazu. Von so weit sehe ich das auch nicht. Wer hat Schlachter 2000? Ja, dort sehe ich das aber. „Der Herr aber hat zu Abraham gesprochen: Geh hinaus aus deinem Land.“ Danke, der Herr hatte gesprochen, um klarzumachen, dass Mose hier zeitlich zurückgreift auf die Zeit, als er noch in Ur in Chaldäa war. Und die Elberfelder CSV, die hat das jetzt auch. „Und der Herr hatte zu Abraham gesprochen: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land.“
Das reicht. Also: Plusquamperfekt, um zeitlich zurückzugreifen, die Vorzeitigkeit auszudrücken. Das können wir im Deutschen, und darum müssen wir das auch ausnützen. Und im Hebräischen ist es eben so: Die Erzählform, man kann sagen, die Wajiktol-Form, wird manchmal mit Präteritum übersetzt, meistens, aber an diversen Stellen muss man unbedingt mit Plusquamperfekt übersetzen. Aber man muss eben lernen: Wie ist es im Hebräischen, wie ist es im Griechischen und wie ist es im Deutschen? Und dann kann man eben eine Übersetzung verbessern.
Und so übersetzte ich dann in Matthäus 21,8: „Frühmorgens aber, als er in die Stadt zurückgekehrt war, hungerte ihn.“ „Zurückgekehrt war“ ist Plusquamperfekt und greift dann zeitlich wieder zurück.
Ja, aber noch eine andere Frage kam auf. Denken Sie mir, Vers 13: „Denn es war nicht die Zeit der Feigen.“ Das machte den Eindruck eines banalen Wesens wie mich: Er verflucht einen Baum, er kommt ja gar keine Feigen auf. Ja, also Markus 11, schlagen wir auf. Lies nochmals Verse 12 und 13, bitte, Pascal.
„Und am folgenden Tag, als sie von Bethanien weggegangen waren, hungerte ihn. Und als er von weitem einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, ging er hin, ob er vielleicht etwas an ihm fände. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigen.“
Ja, und dann sagt Peter: Da kommt die Frage auf: Er sucht Frucht, findet keine Frucht, verflucht den Feigenbaum, aber es war ja nicht die Zeit der Früchte.
So, jetzt kann man den Kollegen bei der Arbeit, die über die Bibel spotten, noch mal etwas sagen. Bitte gebt ihnen die Antwort. Ja, wir haben ja immer gesagt, die Bibel ist voller Widersprüche. Nein, wie löst sich das?
Man muss eben nach Israel gehen und die Welt der Bibel kennenlernen. Also zum Beispiel im März, April, in der Zeit sind wir ja hier. Im April. Und da muss man Feigenbäume anschauen, Blätter, und dann sieht man auf den letztjährigen Zweigen: Ab Mitte Sommer sind da kleine Feigen gewachsen. Und das sind die Pagim, sagt man auf Hebräisch, das sind die grünen Frühfeigen, die dann rötlich werden, so wie es in Joel 2,14 steht. Da wird der Jahresablauf beschrieben, und dann kommt es eben auf die Zeit von Mai, Juni, und dort heißt es, die Pagim röten sich. Anfang Juni kann man sie essen als reife Früchte, und die sind süß. Sie fallen allerdings sehr schnell vom Baum, und das ist noch nicht die eigentliche Ernte.
Man muss eben im April und Mai auch die Zweige anschauen. Das sind ganz kleine Früchte, und zwar auf den neuen Trieben vom neuen Jahr. Und das gibt dann im August in Israel Früchte, das sind die Te’enim, die eigentlichen Feigen. Aber ein Feigenbaum produziert keine Te’enim, also die richtigen Feigen, wenn er nicht Pagim produziert, diese Vorfeigen vom Vorjahr. Und die sind natürlich im April noch nicht reif.
Ich habe mit einem Bauern da hinten gesprochen, und er sagt: Ja, aber das würde er jetzt nicht schon früher essen. Ich habe auch probiert. Aber wir wissen aus dem Nahen Osten, dass man sich eben manchmal auch damit begnügt und sie gegessen hat, wenn keine Früchte da waren. Und so ging der Herr an diesen Feigenbaum und fand nur Blätter, keine Pagim, die dann übrigens Anfang Juni reifen sollten zu dem, was die Bibel Bikurim nennt. Die Bikurim, das sind die Frühfeigen, also die Pagim, das sind die grünen Feigen vom letzten Jahr. Die werden dann im Juni reif und heißen dann Frühfeigen, weil das eben diese Vorernte ist. Und die eigentliche Ernte mit den Te’enim, den eigentlichen Feigen, die kommt dann im August.
Und wenn Markus sagt: „Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigen“, dann heißt das nicht: Es gab überhaupt nichts. Natürlich sind die schon längst da, schon von Mittsommer des vergangenen Jahres sind die da. Aber es ist noch nicht Anfang Juni, und darum sind sie noch nicht reif. Aber der Herr hätte sich mit diesen unreifen Vorfeigen begnügt. Und so ist es gelöst. Also: Umwelt, Biologie und so weiter alles mitberücksichtigen, das hilft beim Bibellesen.
Gut, gehen wir zurück zu Matthäus 21, oder gibt es noch weitere solche gute Fragen? Jetzt kommen wir, nachdem wir gesehen haben: der Sohn, der Nein sagt und dann Ja denkt; der Sohn, der Ja sagt und dann Nein denkt; zu dem Sohn, der Ja sagte und auch Ja dachte. Darf ich bitten: Matthäus 21,33-41.
„Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darumsetzte und ein Kelter darin grub und einen Turm baute. Und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes. Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen. Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie. Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten, und sie taten ihnen ebenso. Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen! Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun? Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter auf schlimme Weise umbringen und den Weinberg an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abliefern werden zu ihrer Zeit.“
Danke! Also, hier wird dieser Sohn in Vers 37 genannt: „Sein Sohn“, und dann eben noch in Vers 37: „mein Sohn“. Damit ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, gemeint. Also hilft uns das, das Gleichnis richtig zu verstehen. In diesem Fall: Wer sind die Weingärtner? Die Führer des Volkes. Er spricht ja mit den Sanhedrin-Leuten, auch die sind mit dem Gleichnis direkt angesprochen.
Und jetzt spricht er über sich, aber auch eben sehr indirekt. Aber er weiß, dass er sein Sohn ist. Und übrigens: Wenn jemand sagt: „Mein Sohn hat gesagt“, wie viele Söhne hat er? Einen, wenn er richtig sprechen kann. Ja, es gibt schon Leute, die haben vielleicht drei Söhne und sagen: „Mein Sohn hat gesagt.“ Aber das ist falsch. Da muss man sagen: Mein Ältester hat gesagt, oder der Mittlere, oder der Jüngste, oder einer meiner Söhne hat gesagt. Aber wenn man sagt: „Mein Sohn“, dann haben wir keinen anderen.
Also: Zuletzt sandte er seinen Sohn, das ist einziger Sohn. Und das wird übrigens ausgedrückt mit dem Wort Monogenes, der eingeborene Sohn. Das bedeutet nicht, dass der Herr Jesus als ewiger Sohn entstanden wäre, sondern der einzige Sohn, das heißt der einzige in seiner Art. Das ist der Monogenes, wenn es in Bezug auf den Sohn Gottes gebraucht wird.
Schon in Sprüche 30 im Alten Testament wird klar, dass Gott einen Sohn hat. Die Engel werden ja Söhne Gottes genannt, in Hiob 1 und 2 zum Beispiel, aber aus dem Grund, weil Engel alle Prototypen sind. Sie wurden direkt von Gott erschaffen. Kolosser 1,16 sagt: Durch den Sohn Gottes wurden die Throne, Fürstentümer, Gewalten erschaffen. Der Jesus hat jeden Engel direkt erschaffen, nicht durch Generationenfolge, nicht wahr? Wir haben Vorfahren, und die haben wieder Vorfahren, Vorfahren, Vorfahren, und wir gehen zurück auf die ersten Menschen, Adam und Eva. Aber wir sind also so erschaffen worden über Generationenfolgen, und die Engel direkt, jeder als ein direkter Prototyp. Und darum werden sie genannt: „Söhne Gottes“ in der Mehrzahl.
Aber in Sprüche 30 heißt es in Vers 4: „Wer ist hinaufgestiegen zum Himmel und herabgekommen? Wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt? Wer die Wasser in ein Tuch gebunden? Wer hat alle Enden der Erde aufgerichtet? Was ist sein Name, und was der Name seines Sohnes, wenn du es weißt?“ Hier werden sieben Fragen gestellt. Und die sechste Frage: „Was ist sein Name?“ Das kann man auch beantworten, denn in Vers 9 heißt es nämlich: „Damit ich nicht satt werde und dich verleugne und spreche: Wer ist Yahweh? Und damit ich nicht verarme und stehle und mich vergreife an dem Namen meines Gottes.“ Also die sechste Frage kann man gerade beantworten: Was ist sein Name? Yahweh.
Aber dann die siebte Frage: „Und was ist der Name seines Sohnes, wenn du es weißt?“ Hier lernt man: Gott hat einen einzigen Sohn. Das heißt nicht eines seiner Söhne, sondern bēnô, sein Sohn, das ist der eingeborene Sohn. Aber der Name wird nicht gesagt. Und im ganzen Alten Testament wird der Name nie verraten. Und in Jesaja 49 sagt der Messias in der Prophetie: „Der Herr hat meines Namens Erwähnung gemacht von Mutterschoss an.“ Dann muss man lesen in Lukas 1: Der Engel sagt zu Maria, dass dieses Kind Jesus heißen soll. Und in Matthäus 1 sagt ein Engel zu Josef, er soll ihm den Namen Jesus geben, denn der Herr wird sein Volk retten, er wird sein Volk retten von seinen Sünden. Jesus heißt: Der ewige Yahweh ist Rettung.
Also wird neutestamentlich dann die Frage, die siebte Frage hier, beantwortet: Wie heißt der eingeborene Sohn? Jesus, hebräisch Jeschua. Der Ewige ist Rettung. Ja, also das zum einzigen Sohn. Das konnten die Sanhedrin-Leute auch nachlesen im Buch der Sprüche und wissen, wer der einzige Sohn ist.
Nun haben wir also schon Verschiedenes geklärt. Wer sind diese Knechte? In Vers 34 kommen die Knechte, in Vers 36 kommen wieder Knechte. Wer sind die? Die Propheten. Ja, was wir hier haben, ist eigentlich gleichnishaft beschrieben, was der Hebräerbrief in der Eröffnung sagt. Der Hebräerbrief ist in einem besonders feierlichen Griechisch geschrieben, und der Autor nennt seinen Namen am Anfang gar nicht, sondern fokussiert sofort auf den Sohn Gottes. Aber er fasst das ganze Alte Testament zusammen.
Lies Hebräer 1,1-2:
„Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat, welcher die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge durch das Wort seiner Macht tragend, nachdem er durch sich selbst die Reinigung von den Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe.“
Jawohl, also hier beginnt die Heilsgeschichte. Das Alte Testament wird zusammengefasst: Nachdem Gott vielfältig, also viele, viele Male, auf vielerlei Weise, auf ganz verschiedene Arten, nämlich durch Träume, durch Visionen, durch Auditionen, durch Geschichten, durch Lieder und, und, und, durch apokalyptische Beschreibungen, Daniel 7 zum Beispiel, also auf vielerlei Weise hat Gott ehemals zu den Vorfahren, zu den Vätern, geredet in den Propheten. Und dann kommt die Wende: Am Ende dieser Tage hat er zu uns geredet im Sohn.
Das bedeutet übrigens nicht, mit dem Kommen von Jesus Christus vor zweitausend Jahren habe die Endzeit begonnen. Ich muss genau lesen: Hier steht nicht „hat er am Ende der Tage zu uns geredet“. „Am Ende der Tage“ ist ein Ausdruck für die Endzeit, zum Beispiel Daniel 8 und andere Stellen. Aber hier steht: „Am Ende dieser Tage“, das heißt am Ende der Tage, während der Gott durch die Propheten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hatte. Das heißt also: am Ende des Alten Testaments. Am Ende dieser alttestamentlichen Tage, wo die Propheten gesprochen haben, nicht in der Endzeit.
Also, wenn jemand sagt, die Endzeit habe vor zweitausend Jahren begonnen, ist er auf dem Holzweg, auf dem falschen Weg. Nein, die Endzeit ist jetzt, in der Zeit, wenn das Volk Israels aus aller Welt heimkehrt ins Land der Väter. Das wird in der Bibel genannt: am Ende der Zeit. Aber am Ende dieser Zeit, und das entspricht jetzt in unserem Gleichnis: Der Herr Jesus sagt, da sind diese Knechte geschickt worden, die wurden eben getötet, wie das Alte Testament berichtet, wie die Propheten verfolgt wurden, getötet wurden. Und dann sagt der Herr in Vers 37 von Matthäus 21: „Zuletzt aber sandte er seinen Sohn.“ Das „zuletzt“ drückt aus: das Ende des Alten Testaments, am Ende dieser Tage, da kommt der Sohn.
Und es wäre zu erwarten gewesen, ihm gegenüber verhalten sich die Führer Israels anders als wie sie sich gegenüber den Propheten verhalten haben. Ein Jeremia kam in den Brunnen hinunter, in den Schacht; einen Jesaja haben sie zersägt, in einem hohlen Baum und und und; einen Propheten gesteinigt. Eben wie wir das hier sehen: geschlagen, getötet, gesteinigt. Und dann war zu erwarten: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Aber der Herr macht in diesem Gleichnis klar, was hinter dem Sanhedrin steckt, war Eifersucht. Wie kann das sein? Ja, sie sagen: „Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen!“ Eifersucht auf den Herrn, das war mit ein Motiv, warum sie ihn so massiv angegriffen hatten.
Und dann haben sie ihn aus dem Weinberg hinausgeworfen. Und nun ist noch etwas Interessantes: Der Herr sagt das hier, in welchem Umfeld dieses Gleichnis? Im Tempel. Ja, das muss man sich immer wieder vor Augen halten: Wo findet das statt? Wir sind hier im Tempel, in Jerusalem. Und da im Tempel gab es einen Weinstock. Wo? An den Säulen des Eingangs des Tempelhauses gab es einen goldenen Weinstock, und der wuchs. Denn jedes Mal, wenn jemand etwas dem Tempel weihen wollte, konnte er Geld geben, und da wurden neue Trauben und Blätter hinzugefügt. Also ein Riesengebilde. Im Talmud wird gesagt, man brauchte dreihundert Leute, um ihn zu tragen. Er war da an den Säulen aufgehängt.
Und dann haben wir weitere Parallelen. In Vers 33 heißt es: ein Weinberg pflanzte und einen Zaun darumsetzte. Um den ganzen Tempelbezirk, wo der Weinstock war, gab es eine mächtige Tempelmauer, die dem eingezäunten Weinberg entspricht. Und dann gab es da eine Kelter. Wie sah eine Kelter damals aus? Man musste mit den Füßen treten. Und zwar: Wie war die behauen, wie sah die aus? Es war eine mit Stein ausgebaute Grube oder sehr oft einfach direkt aus dem Felsen herausgeschlagen. Vor kurzem war ich mit meiner Frau spazieren gegangen in der Region Adullam, und da am Spazierweg gibt es eine alte Kelter, tausende alte Keltern, direkt aus dem Felsen herausgehauen. Und da hat man die Trauben hineingetan und Rinnen gebaut, so dass man dann eben den Traubensaft sammeln konnte, wenn man barfuß das zertreten hatte.
Blut der Trauben floss, und das entspricht dem Altar, der eine ganz entsprechende Form hat wie die Kelter. Beim Altar wurden die Opfertiere im Tempel geschlachtet, und dort floss das Blut. Und dann haben wir noch den Turm, und das Tempelhaus war ein mächtiges Gebäude, und zwar zur Zeit des Herrn Jesus hundert Ellen hoch, also 52,5 Meter. Viel höher als der Felsendom, der da genau an der Stelle des Tempelhauses heute steht, viel höher: 52 Meter, das ist ein Hochhaus mit etwa zwanzig Stockwerken, nicht wahr? Und das entspricht dem Turm.
Also diese Analogien sind wirklich bemerkenswert. Und es ist so: Wir sind hier am Dienstag, aber am darauffolgenden Freitag würde der Herr dann vor dem Hohenpriester stehen in der kündigten Säulenhalle, und der Hohepriester wird seine Kleider zerreißen und ihn zum Tod verurteilen, im Tempel. Und dann würden sie ihn aus dem Tempel hinausführen. Der direkte Weg zu Pontius Pilatus führte im Westen über dieses mächtige Tor, gerade gebaut über einem Aquädukt, eine Brücke, die zum Praetorium von Pilatus führte, beim heutigen Jaffator. Ich nenne dieses Tor, weil es keinen Namen gibt, der überliefert ist, das Tor der Verwerfung. Da wurde der Messias, das wahre Opfer im Tempel, zum Tod verurteilt und dann aus dem Tempel hinausgeworfen, zu Pilatus gebracht und nachher aus der Stadt hinausgetan und auf Golgatha umgebracht.
Und genau das lesen wir hier in Vers 39: „Und sie nahmen ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.“ Genau so ist es geschehen. Und dann sagt der Herr: Ja, was geschieht mit diesen Weingärtnern? Und sie fällen als Richter ihr eigenes Urteil. Was sagen sie? „Er wird die Übeltäter auf schlimme Weise umbringen und den Weinberg anderen Weingärtnern verpachten.“ Für sie gibt es das Todesurteil, und dann würde die ganze Verantwortung von der Führerschaft weggenommen werden an andere, die treu sind. Und genau so ist es gekommen. In der Belagerung von Jerusalem im Jahr 70 da fielen mehr als eine Million Juden diesem Krieg zum Opfer. Josephus Flavius, ein Augenzeuge aus der Zeit, berichtet: mehr als eine Million sei umgekommen in diesem 140 Tage dauernden Krieg. Und dann wurde Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht und der Tempel.
Und es kam wirklich so, wie Römer 11 sagt, dass Gott das Zeugnis von Israel als Nation weggenommen hat und es solchen gegeben hat aus den Nationen, die in den vergangenen zweitausend Jahren zur Hauptsache, mit allen messiasgläubigen Juden zusammen, aber zur Hauptsache Menschen aus allen Nationen der Welt dieses Zeugnis übernommen haben. Das ist genau das Urteil, das sie gefällt haben, und wird es anderen geben, die die Früchte abliefern werden zu ihrer Zeit. Aber Römer 11 sagt: Es ist befristet. Gott hat zwar edle Ölzweige aus dem Ölbaum des Zeugnisses Gottes auf Erden ausgerissen und wilde Ölbaumzweige eingesetzt, aber das wird wieder geändert werden. Und die Edlen werden eingesetzt werden. Israel wird das Zeugnis wieder zurückbekommen.
Nun sagte der Herr Jesus weiter in Vers 42. Lies bitte vor bis Vers 46.
„Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen. Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die dessen Früchte bringen wird. Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen irgend er aber fällt, den wird er zermalmen. Und als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, dass er von ihnen redete. Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten.“
Danke! Also, jetzt wird der Herr viel direkter. Mit den Gleichnissen hat er so versucht, die Herzen langsam zu erreichen, so dass sie zuhörten und sich überlegten. Und jetzt spitzt er es aber doch zu und sagt ihnen, Leuten, die stolz waren auf ihre Bibelkenntnis: „Habt ihr nie in den Schriften gelesen?“ Das ist schon ein hartes Wort, ja? Habt ihr es nie gelesen? Und dann kommt dieses Zitat aus Psalm 118: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.“
Nun, das war im Judentum bekannt. Der Messias wird in Jesaja 28,15 der Eckstein genannt. Der Messias hat den Namen der Eckstein. Und jetzt in diesem Zitat aus Psalm 118 heißt es: Der Stein, den die Bauleute verworfen hatten, dieser ist zum Eckstein geworden. Und jetzt noch etwas Hintergrundwissen: Damals vor zweitausend Jahren hat man Schriftgelehrte Bauleute genannt, weil sie durch ihre Predigten das Volk aufbauen sollten. Wir sprechen auch von einer Predigt, die war aufbauend. So spricht das Neue Testament: reden zur Auferbauung. Und das hat jetzt mit Hausbau, mit Erbauen zu tun. Und so nannte man die Prediger, also die Ausleger, die Schriftgelehrten, Bauleute.
Und jetzt steht in diesem Vers: Der Stein, der zum Eckstein wird, ist der Messias, den die Bauleute verworfen haben. Also ganz klar sagt die Schrift: Die Führer, die Schriftgelehrten, werden den Messias ablehnen. Das ist der Hammer, nicht wahr? Und im Lukasevangelium in der Parallelstelle heißt es sogar, dass der Herr sie anblickte. Das wird hier nicht gesagt. Aber das macht also klar: Der Herr hat ganz bewusst den Leuten, die er vor sich hatte, diesen Richtern, in die Augen geschaut, direkten Augenkontakt gesucht. Und das trifft dann noch mehr, nicht wahr?
Jetzt muss man sich vorstellen: Wir haben da gemerkt, wer spricht von ihnen. Vers 45: „Erkannten sie, dass er von ihnen redete.“ Aber ein paar Tage später waren alle schön zusammen in der Familie, Donnerstagabend, das war Pessach-Seder, das macht man in der Familie, diese Feier, das Passafest, das Lamm ist bereit, auf dem Tisch. Und die Kinder, die sind besonders erwünscht, die sollen an diesem Abend Fragen stellen usw. Und immer an Pessach wird unter anderem gelesen Psalm 113 bis 118. Das gehört fix dazu, das sind die sogenannten Hallelpsalmen, Halleluja-Psalmen 113 bis 118. Und also ziemlich am Schluss der ganzen Feier heißt es: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.“
Und nach dieser Feier gingen diese Leute aus der Familie raus, angeführt von Judas, einem Kontingent der Burg Antonia mit Soldaten. Wenn man genau schaut, was die Bibel darüber berichtet, wird klar: Das waren Hunderte von Leuten. Aufgebot. Das geht dann rüber nach Gethsemane, und der Herr geht zum Eingang des Gartens und sagt: „Wen sucht ihr?“ – „Jesus von Nazareth.“ – „Ich bin’s“, und sie fallen um. Und er sagt: „Wenn ihr mich sucht, so lasst diese gehen.“ Er stellt sich schützend vor die Herde und wird dann abgeführt zum Verhör. Und am nächsten Tag, der im jüdischen Kalender immer noch der gleiche Tag ist – man rechnet immer von Vorabend bis Abend – wird der Herr gekreuzigt.
Und die hatten eben noch in den Ohren, in jeder Familie wurde gelesen: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.“ Sie erinnerten sich an Dienstag: Da hat er mit uns gesprochen, hat uns in die Augen geschaut, der Stein, hat er nie gelesen. Natürlich, mindestens an jedem Passafest: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.“ Und sie wussten genau, er spricht von uns. Und sie machten genau das, was hier steht, und hatten ihn verworfen.
Und dann wird es sehr, sehr ernst in Vers 44. Der Herr sagt: „Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden, und auf wen irgend er aber fällt, den wird er zermalmen.“ Das sind zwei verschiedene Dinge. Das sind Jesaja 8 und Daniel 2. Wir können ganz schnell noch zum Schluss das aufschlagen. Jesaja 8, das ist auch eine Stelle, die die Rabbiner schon erklärt haben: Das bezieht sich auf den Messias. Und zwar steht hier in Jesaja 8,14-15:
„Und er wird zum Heiligtum sein, aber zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns den beiden Häusern Israels, zur Schlinge und zum Fallstrick den Bewohnern von Jerusalem. Und viele unter ihnen werden straucheln und fallen und werden zerschmettert und verstrickt und gefangen werden.“
Jawohl, er wird zum Heiligtum sein. Und die Rabbiner sagten: Das ist der Messias. Ja, natürlich. Und erinnerten sie sich: Noch drei Jahre früher war der Herr im Tempel, Johannes 2, und hat gesagt den Führern: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“ Er sprach von einem Tempel seines Leibes, den sie eben töten würden. Und hier heißt es ja von dem Messias: Er wird zum Heiligtum sein. Und dann heißt es: „Aber zum Stein des Anstoßes, zum Fels des Strauchelns“, also ein Fels, über dem man stolpert, und dann fällt man auf den Stein. Und der Herr sagt hier: „Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden.“ So steht es hier: „Zum Fels des Strauchelns den beiden Häusern Israels, zur Schlinge und zum Fallstrick den Bewohnern von Jerusalem. Und viele unter ihnen werden straucheln und fallen und werden zerschmettert und verstrickt und gefangen werden.“
Das hat sich genau so erfüllt. Über eine Million kam um, und 96.000 wurden in die Kriegsgefangenschaft abgeführt: verstrickt und gefangen werden, straucheln, fallen, zerschmettert werden. Jedes Wort hat sich erfüllt. Und dann heißt es: „Binde das Zeugnis zu, versiegle das Gesetz unter meinen Jüngern.“ Das heißt, die Bibel soll ein verschlossenes Buch werden. So heißt es auch in Jesaja, wie ein versiegeltes Buch, das man jemandem gibt, der lesen kann und sagt: Lies! Wie kann man das lesen, wenn es verschlossen ist? Ja?
Und so hat Gott den Schlüssel der Erkenntnis den Rabbinen weggenommen für die weiteren zweitausend Jahre. „Binde das Zeugnis zu, versiegle das Gesetz“ – sie können es nicht mehr verstehen. Sie lesen und lesen und finden den Messias nicht darin. Aber dann heißt es: „Unter meinen Jüngern“, das heißt, alle, die aus Israel sich bekehren, durch zweitausend Jahre hindurch und auch aus allen Völkern. Das sind die Jünger des Herrn, und die kennen das Wort, die dürfen es verstehen.
Und dann heißt es noch weiter in Vers 17: „Und ich will auf den Herrn harren, der sein Angesicht verbirgt vor dem Haus Jakob, und will auf ihn hoffen.“ Gott verbirgt sein Angesicht vor Israel. Darum lesen wir in Römer 11, dass Gott eben für eine Zeit Israel verblendet hat, sein Angesicht verborgen. Aber dann heißt es in Vers 18, und das wird ja zitiert in Hebräer 2 und bezogen auf die Gläubigen der Gemeinde: „Siehe, ich und die Kinder, die der Herr mir gegeben hat, wir sind zu Zeichen und zu Wundern in Israel.“ Ha, alle, die ihm zum Glauben kommen, aus den Völkern, die werden von dem Herrn Jesus genannt: „Siehe, ich und die Kinder, die der Herr mir gegeben hat“, und die sollen Zeichen und Wunder sein in Israel.
Darum ist es so wichtig, dass man zum Beispiel auch als Deutscher niemals denkt, wir dürfen Juden kein Zeugnis ablegen. Natürlich. Ja, aber die belasten uns mit der Vergangenheit, egal. Das waren andere. Jede Generation entscheidet sich selbst, und darum darf man deutschen Christen den Mund niemals verbinden, so wenig wie den Schweizern. Wir müssen gegenüber Israel Zeugnis ablegen, und das Zeugnis kommt an, und Menschen bekehren sich.
Aber man wird eine Überraschung erleben, dass eben deutsche Christen, schweizer Christen, französische Christen die Bibel besser kennen als die Masse der Ultraorthodoxen. Sie studieren jeden Tag die Bibel. Wie bitte? Den Talmud. Die Bibel. Man ist erstaunt, wenn man hinter die Kulissen schaut, wie schlecht die Bibelkenntnis da ist. Und dann merken die: Die kennen die Bibel ja besser als wir. Aber das sind ja keine Juden. Ja, keine Juden. „Siehe, ich und die Kinder, die der Herr mir gegeben hat, wir sind zu Zeichen und zu Wundern in Israel.“ Das ist für sie ein Wunder. Warum kennen die die Bibel besser? Ja, eben, weil sie den Messias angenommen haben, und das Zeugnis ist unter ihnen verschlossen worden, so dass sie Zugang dazu haben.
Ja, und dann das Letzte noch: Wir haben gesehen, und auf die, welche der Stein fällt, die werden auch vernichtet werden, und das ist ein Hinweis auf Daniel 2, wo wir die vier Weltreiche beschrieben haben bis ans Ende der Zeit, das heißt bis in die Endzeit, heute. Und dann sieht Daniel beziehungsweise Nebukadnezar in dem Traum einen Stein, der sich löst aus dem Felsmassiv und auf die Füße des Standbildes, das die vier Weltreiche darstellt, und zerschmettert es. Und die Füße stellen das neue Europa dar. Und dieser Stein wird nicht die Füße treffen, aber das ganze Standbild wird zerschlagen werden, so schildert es Daniel 2. Das ist also das Gericht durch den Messias ganz am Ende, wenn er kommt auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit.
Der Herr macht also den ganzen Bogen: Damals, die, die über den Felsen gestolpert sind, wurden zerschmettert, im Jahr 70. Das geht bis in die Endzeit, wenn er kommt auf den Wolken des Himmels, und der Stein wird die Reiche dieser Welt zusammenbrechen lassen. Dann wird in Daniel 2 dieser Stein zu einem großen Berg, der die ganze Erde erfüllt. Das ist der Herr Jesus, der dann als König über alle Könige regieren wird, über die ganze Welt.
Und das sagt der König im Tempel den Führern des Volkes, dem Sanhedrin. Das ist ein ganz dramatisches Panorama, das wir hier haben, ab Palmsonntag, Montag, Tempelreinigung und dann eben dieser Dienstag, den wir nur begonnen haben zu betrachten. Jetzt gehen wir nämlich weiter. Dieser Dienstag geht bis Kapitel 25. Was von Kapitel 21 bis 25 alle diese Kapitel sprechen von diesem Dienstag, wo der Herr dann mit ganz verschiedenen Gruppen, nicht nur mit dem Sanhedrin, nächstes Mal sehen wir dann mit Pharisäern, mit Herodianern und so weiter spricht und eine Diskussion nach der anderen hat. Dieser Dienstag ist der reichste Tag, und er entspricht dem dritten Schöpfungstag. Da kommt das Festland aus dem Wasser, aus dem Urozean heraus, und dann wächst Gras, und dann Kraut, größeres Gras, und schließlich Fruchtbäume, die Frucht tragen. Das ist der reichste Tag, kann man sagen, und dort steht es zweimal: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Am zweiten Tag steht es nicht. Am dritten Tag, am Dienstag, zweimal: „Es war gut.“ Und das war dieser reiche, fruchtbringende Tag.
In all diesen Diskussionen, die uns da in der Bibel aufgeschrieben sind, kommt eine gewaltige Fruchtfülle aus den Antworten, die der Herr Jesus gibt, dem Sanhedrin und all diesen Gruppen des Judentums. Das ist ganz gewaltig. Also, dieser Dienstag, der hat es absolut in sich. Und jetzt merken wir auch, dass die Frage der Jünger an diesem Dienstag: Warum ist das Geschehen mit dem Feigenbaum, der keine Frucht brachte? Eben an diesem Tag, wo es um Frucht geht, um Fruchtbäume, erklärt der Herr: Das musste so sein, weil Israel keine Frucht bringen wollte. Aber der Herr hat an diesem Tag diese Frucht gebracht in diesem Zeugnis, und das werden wir nächstes Mal dann weiter studieren.
Wirklich grandios, was da alles noch rauskommt, und wir haben gesehen, mit welcher Finesse und Souplesse, also so feiner Art, gewinnender Art, der Herr mit diesen Leuten spricht. Und wir können so viel für uns lernen, wie wir mit den Leuten umgehen, um sie zu erreichen. Nicht um Kompromisse und unklar zu sein, wir müssen ganz klar sein, aber wir können Dinge so sagen und so und so, und dann manchmal ganz direkt, ja, und dann sogar in die Augen schauen. Ja, geht. Und so hat der Herr das gemacht, und er ist unser Vorbild, dem wir folgen.
Wir wollen schließen hier. Darf ich mal eben noch einen kleinen Hinweis nehmen? Am Anfang des Johannesbriefs, des Johannes, in der Einleitung steht ja, dass er in die Welt kam und die Seinen nahm sie nicht an, aber die, die ihn annahmen, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Genau, Johannes 1,11-12. Das sieht man auch in der Person von Nikodemus und auch Josef von Arimathäa. Es war ein hoher Rat oder ein Mitglied der Oberschicht, der nachher kühn zu Pilatus geht und um den Leichnam bittet, also die sich öffentlich gegen den Strom stellen. Exakt, Johannes 1,11-12 ist gerade die Zusammenfassung von dem, was wir heute gesehen haben. Danke, ja, Andreas, würdest du noch mit beten oder ein anderer Bruder?

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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