Einleitung
Im Moment bin ich bei meiner persönlichen Bibellese in den Psalmen.
Bei diesem Psalm bewegte mich unweigerlich die Frage, wer denn diese
Götter sind.
Das möchte ich als erstes klären und dann werden wir ganz
interessante Punkte sehen, die Gott ausserordentlich wichtig sind.
Ein Lied Asafs.
Gott steht auf in der Versammlung der Götter, und zieht sie zur
Rechenschaft: (Ps 82,1) »Wie lange wollt ihr noch das Recht verdrehen und für die Schuldigen
Partei ergreifen? (Ps 82,2) Verteidigt die Armen und die Waisenkinder, verschafft Wehrlosen und
Unterdrückten ihr Recht! (Ps 82,3) Befreit die Entrechteten und Schwachen, reisst sie aus den Klauen ihrer
Unterdrücker! (Ps 82,4) Aber ihr seht nichts und ihr versteht nichts! Hilflos tappt ihr in der
Dunkelheit umher, und die Fundamente der Erde geraten ins Wanken. (Ps
82,5)
Ich hatte zwar gesagt: 'Ihr seid Götter, meine Söhne seid ihr, Söhne
des Höchsten!' (Ps 82,6) Doch ihr werdet wie die Menschen sterben, wie unfähige Minister aus dem
Amt gejagt!« (Ps 82,7) Greif ein, Gott, regiere die Welt; denn dir gehören alle Völker! (Ps
82,8)
Exkurs: Wer sind die Götter?
Also: Wer sind nun diese Götter? Ist Gott lediglich einer dieser
Götter? Lebt er gar in einer Göttergemeinschaft, in der er sich zu
behaupten hat?
Nein, zum Glück nicht, denn wenn Gott damit beschäftigt wäre sich in
einer Göttergemeinschaft zu behaupten, dann müssten wir immer mit der
Wahrscheinlichkeit rechnen, dass ein anderer Gott die Oberhand
gewinnt.
Es gibt eben nur einen lebendigen und ewigen Gott, der unwandelbar
ist, nämlich der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er ist souverän
und Daniel beschrieb diese Souveränität treffend:
Er verändert das Bestehende und gibt allem seine Frist; er setzt Könige
ab und setzt Könige ein. Er gibt den Weisen ihre Weisheit und den
Klugen ihren Verstand. (Dan 2,21) Die Bibel lehrt uns unmissverständlich, dass die Führung eines
Volkes von Gott eingesetzt ist, dass er die Macht und Autorität
zuteilt. Deshalb schrieb Paulus den Römern:
Alle ohne Ausnahme müssen sich den Trägern der Staatsgewalt
unterordnen. Denn es gibt keine staatliche Macht, die nicht von Gott
kommt. Die jeweiligen Amtsträger sind von ihm eingesetzt. (Röm 13,1) Und Jesus selbst sagte zu Pontius Pilatus:
Jesus antwortete: »Du hättest keine Macht über mich, wenn Gott es nicht
zugelassen hätte. Darum liegt die grössere Schuld bei denen, die mich
dir ausgeliefert haben.« (Joh 19,11) Also wieder zurück zu den Göttern. Der Psalm macht eines ganz klar:
Die Götter waren nicht einfach da, sie wurden von Gott benannt und
eingesetzt.
Ich hatte zwar gesagt: 'Ihr seid Götter, meine Söhne seid ihr, Söhne
des Höchsten!' (Ps 82,6) Damit ist eindeutig, dass Gott hoch erhaben über diesen Göttern
steht. Sie sind nicht einmal unsterblich. Vielleicht bildeten sie sich
aufgrund ihrer Machtfülle ein, sie seien unantastbar und sogar
unsterblich, aber Gott erinnert sie an ihre Vergänglichkeit.
Doch ihr werdet wie die Menschen sterben, wie unfähige Minister aus dem
Amt gejagt!« (Ps 82,7) Also, da sie sterben wie Menschen, sind sie keine göttlichen Wesen.
Es handelt sich hier ganz einfach um Menschen, die von Gott für ganz
bestimmte Aufgaben eingesetzt wurden – die verlängerten Arme Gottes.
Die Menschen, denen Gott Macht und Verantwortung zur Führung des
Volkes übergab.
Sie werden als Götter bezeichnet, weil sie in göttlicher Autorität
handeln sollten. Dass Gott das so sieht, lässt sich am einfachsten am
Beispiel von Mose aufzeigen.
Wenn Aaron für dich zum Volk spricht, wird das so sein, wie wenn ein
Prophet die Botschaften seines Gottes weitergibt. (Ex 4,16)
Luther
Und er soll für dich zum Volk reden; er soll dein Mund sein, und du
sollst für ihn Gott sein. (2.Mose 4,16) Und nochmals sagte Gott zu Mose:
Darauf sagte der HERR zu Mose: »Ich bevollmächtige dich, vor den Pharao
hinzutreten, als wärst du Gott, und dein Bruder Aaron wird dein Prophet
sein. (Ex 7,1) Übrigens nimmt Jesus in einem Streitgespräch auf diesen Psalm bezug.
Die Juden wollten Jesus steinigen und er fragte sie, wegen welcher
guten Tat sie ihn steinigen wollten. Sie antworteten:
Sie gaben ihm zur Antwort: »Wir steinigen dich nicht wegen einer guten
Tat, sondern weil du ein Gotteslästerer bist. Du bist nur ein Mensch
und gibst dich als Gott aus.« (Joh 10,33) Jesus erwidert darauf:
Jesus antwortete: »In eurem eigenen Gesetz heisst es doch: 'Ich habe zu
euch gesagt: Ihr seid Götter.' (Joh 10,34) Und was in den Heiligen Schriften steht, ist unumstösslich, das wissen
wir. Gott nannte also die, an die er sein Wort richtete, Götter. (Joh
10,35)
Mit anderen Worten: Wenn Gott Menschen als Götter bezeichnete, warum
stösst ihr euch daran, dass ich mich so bezeichne?
Mich aber hat der Vater bevollmächtigt und in die Welt gesandt. Wie
könnt ihr da behaupten, ich lästere Gott, wenn ich sage, dass ich sein
Sohn bin? (Joh 10,36)
Wie sich Gott die Welt vorstellt
Wenn nun die Verantwortlichen eines Volkes hier als Götter
angesprochen sind, so zeigt uns dieser Psalm ein ganz hervorragendes
politisches Regierungsprogramm auf.
Gott sagt hier diesen Göttern oder Ministern, wie er sich die
Schwerpunkte ihrer Aufgabe vorstellt. Welchen Aufgaben sie besondere
Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten.
»Wie lange wollt ihr noch das Recht verdrehen und für die Schuldigen
Partei ergreifen? (Ps 82,2) Verteidigt die Armen und die Waisenkinder, verschafft Wehrlosen und
Unterdrückten ihr Recht! (Ps 82,3) Befreit die Entrechteten und Schwachen, reisst sie aus den Klauen ihrer
Unterdrücker! (Ps 82,4) Die Aufmerksamkeit der Regierung sollte auf die schwachen Menschen
ausgerichtet. Was Schwach ist sollte beschützt und nicht ausgebeutet
werden.
Man soll für den Unschuldigen Partei ergreifen und für sein Recht
kämpfen. Arme und Waisenkinder, Wehrlosen und Unterdrückten soll man
zu ihrem Recht verhelfen.
Entrechtete und Schwache soll man den Unterdrückern entreissen.
Wer das tut, der hat verstanden, wie sich Gott eine Regierung
vorstellt. Wie er möchte, dass die Völker geführt werden. Der hat
begriffen, was Gott am Herzen liegt. Das lehrte Gott sein Volk schon
lange. Im Gesetz steht:
Urteilt unparteiisch! Hört die kleinen Leute genauso an wie die
vornehmen und einflussreichen, und lasst euch von niemand
einschüchtern; denn Gott selbst wacht über das Recht. Ist euch ein Fall
zu schwierig, so kommt zu mir, damit ich ihn entscheide.« (Dtn 1,17) Gott verbindet sogar die Hilfe, die wir von ihm bekommen, mit der
Bereitschaft, mit der wir bereit sind zu helfen. So heisst es in den
Sprüchen:
Wenn du für das Schreien der Armen nur taube Ohren hast, wirst du keine
Antwort bekommen, wenn du selber um Hilfe rufst. (Spr 21,13)
Anwendung
Gott liebt es, wenn wir Gutes tun. Sein Programm war und ist es,
dass den Armen geholfen wird. Er verabscheut Unterdrückung. Das gilt
natürlich auch für die Gemeinde Jesu. Paulus schrieb:
Im Reich Gottes geht es nicht um Fragen des Essens und Trinkens,
sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: Gerechtigkeit, Frieden
und Freude. / Wer Christus auf diese Weise dient, an dem hat Gott
Freude, und er ist auch in den Augen der Menschen glaubwürdig. Rö.14,71-
18.
Und das gilt natürlich auch für den Auftrag den Jesus selber
wahrgenommen hatte. Jesus sagte, als sich die Schriftgelehrten und
Pharisäer wunderten mit welchem Menschen sich Jesus abgab:
Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin
nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Mk.2,17.
Und so ist auch die Einladung von Jesus die logische Folge:
Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast
erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen. / Nehmt mein Joch auf
euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So
werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Mt.11,28-29.
Was Menschen daraus machen
Das Problem ist wie immer nicht Gott, sondern der Mensch. Wir
Menschen sind von Gott eingesetzt und wir bekamen die nötigen
Vollmachten, doch statt das Richtige zu tun, handeln wir eigensüchtig.
Das Dilemma und Chaos unserer Welt ist allein auf diesen Sachverhalt
zurückzuführen.
Aber ihr seht nichts und ihr versteht nichts! Hilflos tappt ihr in der
Dunkelheit umher, und die Fundamente der Erde geraten ins Wanken. (Ps
82,5)
Die Fundamente der Erde, die Fundamente der Gesellschaft geraten ins
wanken. Alles gerät durcheinander.
Das ist das Dilemma, das wir in der ganzen Völkerwelt beobachten
können. Je schlimmer und eigensüchtiger eine Regierung handelt, je
schlimmer geht es dem Volk.
Korruption nimmt überhand. Der Stärkere siegt und geht scheinbar als
Gewinner hervor.
All das ist ein Ausdruck des selbstsüchtigen Menschen, der sich
schlussendlich nur um seinen eigenen Profit Gedanken macht. Wenn einer
den anderen ausbeutet, dann ist kein Platz mehr für Gerechtigkeit und
Frieden.
Egal welches System man nimmt. Sei es der Kommunismus, der
Islamismus oder der Kapitalismus. In jedem System sind Menschen, die
andere ausbeuten und für sich die meisten Vorteile herausholen. Das
Hauptproblem ist nicht das System, sondern der Mensch in diesem
System.
Nur ein Beispiel. Schüepps erzählten einmal, dass sie die Kinder in
den brasilianischen Heimen fast nicht herausbekommen. Nicht weil sich
die Leitung Sorgen über die Kinder macht, denn die Kinder werden
völlig vernachlässigt und verwahrlosen in diesen Heimen. Nein, sie
wollen sie nicht freigeben, weil sie vom Staat für jedes Kind einen
Betrag erhalten.
Die Völker werden zu Pulverfässern, deren Zündschnur schon brennt.
Eben:
Aber ihr seht nichts und ihr versteht nichts! Hilflos tappt ihr in der
Dunkelheit umher, und die Fundamente der Erde geraten ins Wanken. (Ps
82,5)
Anwendung
Ganz anders hatte sich Gott das vorgestellt. Ganz anders wird seine
neue Welt sein. Ganz anders soll es deshalb bei uns Christen aussehen.
Wir sollen eben diese Werte aufrecht halten.
Ganz anschaulich macht das Johannes in seinem Brief:
Angenommen, jemand, de alles besitzt, was er zum Leben braucht, sieht
seinen Bruder oder seine Schwester Not leiden. Wenn er sich ihnen nun
verschliesst und kein Erbarmen mit ihnen hat – wie kann da Gottes Liebe
in ihm bleiben? 1.Joh.3,17.
Und auch in der Wahrnehmung von Verantwortung in der Gemeinde, geht
es nicht um Machtfülle sondern um Dienst. Petrus schreibt:
Leitet die Gemeinde, die Herde Gottes, die euch anvertraut ist, als
rechte Hirten! Kümmert euch um sie, nicht weil es eure Pflicht ist,
sondern aus innerem Antrieb, so wie es Gott gefällt. Tut es nicht, um
euch zu bereichern, sondern aus Hingabe. (1.Petr 5,2) In eurem Verantwortungsbereich führt euch nicht als Herren auf, sondern
gebt euren Gemeinden ein Vorbild. (1.Petr 5,3) Dann werdet ihr, wenn der oberste Hirt kommt, den Siegeskranz erhalten,
der nie verwelkt. (1.Petr 5,4) Wir als Gemeinde Jesu sollen in den Völkern ein Gegengesellschaft
oder eine vorbildliche Gemeinschaft leben. An uns sollten die Menschen
sehen, wie sich Gott das Leben vorstellt.
Gott regiert
Gott wird aber alles zu seiner Zeit in Ordnung bringen. Er wird als
gerechter und erhabener Herrscher Ordnung schaffen und dem
Unterdrückten aufhelfen. Er wird die stolzen und eingebildeten
Menschen von ihrem Sockel stossen, die nicht bereit waren auf ihn zu
hören.
Ich hatte zwar gesagt: 'Ihr seid Götter, meine Söhne seid ihr, Söhne
des Höchsten!' (Ps 82,6) Doch ihr werdet wie die Menschen sterben, wie unfähige Minister aus dem
Amt gejagt!« (Ps 82,7) Greif ein, Gott, regiere die Welt; denn dir gehören alle Völker! (Ps
82,8)
Es ist der sehnlichste Wunsch Asafs, dass Gott bald einschreiten
möge, um diesem Treiben in den Völkern ein Ende zu setzen.
Aber noch ist es nicht so weit. Der Tag wird kommen, an dem Gott
alles ins rechte Licht rücken wird. Dann wird nicht mehr der stolze
und gottlose Mensch gewinnen, sondern dann werden die Schwachen und
die Verachteten den Sieg davon tragen. All jene, die Jesus treu
nachgefolgt sind.
Dann wird Gott als absolut gerechter Richter in Erscheinung treten
und nichts und niemand wird sich vor ihm verbergen können.
Schluss
- Zusammenfassung
- Gott regiert! Paulus schrieb dem Timotheus: Erfülle deinen Auftrag vorbildlich und untadelig, bis Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt. / Das wird Gott zu der von ihm bestimmten zeit geschehen lassen – er, der vollkommene und alleinige Herrscher, der König über alle Könige und der Herr über allen Herren, / er, der als einziger Unsterblichkeit besitzt ... / Ihm gebühren Ehre und Macht für immer und ewig! AMEN. 1.Tim.6,14-16.

