Serie•Teil 1 / 2Einführung in das Buch des Propheten Hosea
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Einführung in die kleinen Propheten und ihre Bedeutung
Herr Präsident! Heute Nachmittag werden wir uns im Sinne einer Einführung mit dem Buch des Propheten Hosea beschäftigen. Bevor wir damit beginnen, möchte ich allerdings eine kurze allgemeine Einleitung in die zwölf kleinen Propheten geben.
Hosea ist ja das erste der zwölf kleinen Propheten, und wir werden nun der Reihe nach an den Bibelstudientagen alle diese Prophetenbücher durchnehmen. Nun ein paar Vorbemerkungen zu den zwölf kleinen Propheten im Allgemeinen:
Die Rabbiner schon im alten Judentum haben diese Bücher bezeichnet als Schneemassar, das heißt auf Hebräisch „die Zwölf“, gemeint ist „die Zwölf Propheten“. Sie nannten sie auch diese Bücher „Ketanim“, was so viel heißt wie „die Kleinen“, natürlich im Sinn von „die Kurzen“, klein im Blick auf die Kürze der Bücher. Das hat nichts damit zu tun, dass sie etwa weniger wert wären als die großen, das heißt die langen Prophetenbücher, wie das von Jesaja, Hesekiel, Jeremia.
Es ist wichtig, dass man eine Übersicht hat über all diese Prophetenbücher und auch den Charakter jedes Buches kennt, die Blickrichtung, das Hauptthema. Erst dann kann man eben auch wirklich über biblische Prophetie und Endzeit sprechen. Es gibt manche, die sagen: Ach, was soll diese ganze Endzeit-Prophetie-Betrachtung, das ist ja sowieso nur Spekulation. Aber wenn man dann ein bisschen nachbohrt, merkt man, dass es oft Leute sind, die nie zum Beispiel die zwölf kleinen Propheten gründlich studiert haben.
Ja gut, klar: Wenn man keine feste Basis hat in den biblischen Prophetenbüchern, dann ist es klar, dass alles so spekulativ erscheint. Aber auf der anderen Seite gibt es natürlich auch solche, die viel über Prophetie sprechen und trotzdem nie gründlich all diese Prophetenbücher studiert haben. Und dass dann auch viel Spekulation hereinkommt, ist dann auch kein Wunder.
Also, kurz gesagt: Das Studium der Prophetie ist ganz wichtig, um eine solide biblische Basis zu haben, bei der Anwendung auch auf künftige Dinge. Aber es ist so wichtig: Man kann nicht ohne gewaltigen Verlust die prophetischen Bücher der Bibel ignorieren.
Wir lesen ja in 2. Petrus 1 in dem Testament von Petrus; dieser Brief wurde aus der Todeszelle geschrieben. In Vers 19 heißt es: Und so besitzen wir das prophetische Wort befestigter, auf welches zu achten ihr wohltut, als auf eine Lampe, welche an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen, indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift von eigener Auslegung ist.
Das bedeutet, man kann nicht einen Prophetentext so für sich isoliert anschauen und denken, jetzt hat man die Prophetie verstanden. Ein Abschnitt erläutert den anderen. Wir brauchen also alle Prophetenbücher zusammen und letztlich alle Bücher der Bibel zusammen, um zu den richtigen Schlüssen zu kommen. Bibelwort erklärt Bibelwort.
Aber nochmals: Das betont auch, wie wichtig es ist, dass man die zwölf kleinen nicht wegen ihrer Kürze eben vernachlässigt. In Vers 21 heißt es: Denn die Weissagung oder die Prophetie wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Männer Gottes redeten getrieben vom Heiligen Geist.
Das zur Wichtigkeit dieses Bibelstudiums.
Die Ordnung der zwölf Bücher und ihre geschichtlichen Linien
Die zwölf kleinen Propheten waren im Judentum schon in vorchristlicher Zeit zu einer Buchrolle zusammengefasst. In den Höhlen von Qumran hat man sieben Rollenfunde mit den kleinen Propheten gemacht. Genau genommen waren es sogar acht: Sieben wurden in Höhle vier gefunden, der berühmten Höhle, die man auf den meisten Bildern sieht. Gerade wenn man auf dem Plateau von Qumran steht und hinüberschaut, sieht man Höhle Nummer vier. Das war die reichste aller Qumran-Höhlen mit Zehntausenden von Fragmenten. In Höhle fünf hat man außerdem noch eine weitere Rolle gefunden.
Alle diese sieben Rollen stammen aus der Zeit von 150 bis 25 v. Chr. Daran wird deutlich, dass diese kleinen Propheten schon damals zu einer Einheit zusammengefasst wurden. Man muss sich dabei klar machen: Die Prophetenbücher in dieser Reihe der zwölf sind nicht in zeitlicher Reihenfolge zusammengestellt. Das heißt, das Buch Hosea steht an der Spitze, aber es ist nicht das älteste. Wir werden noch sehen, dass das Buch Obadja älter ist. Trotzdem erkennt man in der Abfolge eine Einordnung nach geschichtlichen Gesichtspunkten.
Man kann also sagen: Erstens die assyrische Zeit, also die Zeit, als Assyrien Weltmacht war. Dazu gehören die Bücher Hosea bis Nahum. Nahum prophezeit ja den Untergang von Ninive, der Hauptstadt Assyriens. Zweitens haben wir dann die babylonische Zeit, die Zeit, in der Babylon zur Weltmacht aufstieg. Nach dem Sturz von Ninive im Jahr 612 v. Chr. gab es noch drei Jahre Krieg, und 609 v. Chr. war dann Babylon die Weltmacht. In diese babylonische Zeit fallen die Bücher Habakuk und Zephanja. Die dritte Periode ist die nachexilische Zeit, also die Zeit nach der babylonischen Gefangenschaft der Juden, als sie zurückgekehrt waren. Da traten die letzten drei der zwölf Propheten auf: Haggai, Sacharja und Maleachi.
So gesehen sind die Bücher in Blöcken nach zeitlichen Kriterien angeordnet. Übrigens heißt es im Talmud, dem wichtigsten theologischen Werk im Judentum, im Traktat Sanhedrin, dass nach dem Tod der Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi der Heilige Geist von Israel wich. Im Judentum war also die Gewissheit allgemein verbreitet: Mit Maleachi, dem letzten Buch des Alten Testaments, war die Zeit der Schriftpropheten vorüber. Man kannte keinen mehr, der nach Maleachi aufgetreten wäre und die Autorität eines Schriftpropheten besessen hätte.
Es entstanden natürlich noch andere Bücher in der Zeit nach Maleachi, zum Beispiel die Apokryphen, die Bücher der Makkabäer, Judith, Tobias und so weiter. Diese entstanden nach Maleachi, aber sie wurden im Judentum nie als Heilige Schrift anerkannt, weil es keine Schriftpropheten mehr gab. Es heißt sogar in 1. Makkabäer 9,27, dass es in der traurigen, schlimmen Zeit im zweiten Jahrhundert vor Christus, also in der Makkabäerzeit, eine solche Trübsal in Israel gab wie nie zuvor, seitdem man keine Propheten mehr hat. Also findet man sogar in den Apokryphen das Bewusstsein: Es gibt keine inspirierten Propheten mehr, die der Heiligen Schrift noch etwas hinzufügen könnten.
Und so hat man im Judentum alle diese Bücher abgelehnt. Dadurch wird uns auch verständlich, dass das Konzil von Trient zu spät kam. Im 16. Jahrhundert, im Zuge der Gegenreformation, wollte man festschreiben, dass jeder, der die Apokryphen als Gottes Wort leugnet, verflucht sei. Aber da sind Sie schon zweitausend Jahre zu spät gekommen, ja? Im Judentum war das klar: Die gehören nicht dazu. Der letzte der kleinen Propheten war eben der letzte Schriftprophet des Alten Testaments überhaupt.
Hoseas Stellung, die Paarordnung und inhaltliche Übergänge
Nun, wieso steht Hosea an der Spitze der zwölf Propheten, obwohl es nicht das älteste Buch ist? Hosea ist das längste und umfassendste Buch der kleinen Propheten, und deshalb wurde es an die Spitze gesetzt. Hier wird die grösste allgemeine Übersicht über die Zukunft Israels gegeben, sowohl des Nordreiches Israel als auch des Südreiches Juda.
Das Buch Obadja ist, wie wir dann später bei der Behandlung dieser Perle sehen werden, das älteste. Es ist zugleich das kürzeste Buch, und darum kam es nicht an die Spitze. Es ist auch sehr spezifisch, denn die Prophetie umfasst nur Edom, das ist das Gebiet von Südjordanien. So war es nicht passend, dass dieses spezialisierte, kürzeste Buch an die Spitze kam.
Was man weiter feststellen kann, ist eine interessante Anordnung, eine Paaranordnung. Und zwar so, dass immer ein Prophet ein Prophet des Nordreiches ist, der zehn Stämme, und dann ein Prophet des Südreiches. Das wechselt so ab. Diese Paaranordnung ist also ein weiteres Kriterium in der Reihenfolge dieser Bibelbücher.
So haben wir zunächst Hosea, das ist ein Prophet aus dem Nordreich. Dann kommt nach Hosea Joel, das war ein Prophet des Südreiches. Weiter kommt Amos. Amos wirkte im Nordreich Israel. Und dann haben wir Obadja, ein Prophet des Südreiches. Weiter kommt Jona aus Gat-Hefer in Galiläa, das war also wieder ein Prophet des Nordreiches, während Micha ein Prophet aus dem Südreich war. Nahum war wieder ein Prophet, der im Nordreich gewirkt hatte, und Habakuk ein Prophet aus dem Südreich. Also, diese Paaranordnung ist sehr bedeutsam.
Nachher gibt es diese Paaranordnung nicht mehr, weil das Nordreich ja vorüber war. Darum sind dann alles nur noch Propheten des Südreichs, die später gekommen sind.
Es gibt noch weitere Kriterien, die bei der Anordnung eine Rolle spielen, offensichtlich. In Joel 4,16, in der alten Elberfelder anders gezählt, ist es 3,16, heisst es: Und der Herr brüllt aus Zion und lässt aus Jerusalem seine Stimme erschallen, und Himmel und Erde erbeben.
Nun, wenn wir weitergehen zum nächsten Buch, Amos, da finden wir eine Wiederaufnahme dieses Leitmotivs. Es ist wie in der Musik, wo es Leitmotive gibt, die immer wieder auftauchen. Das Leitmotiv wird gleich an den Anfang gestellt im Buch Amos, was so zum Höhepunkt gehört am Schluss von Joel. Amos 1,2: Und er sprach: Der Herr wird aus Zion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme erschallen lassen, und die Auen der Hirten werden trauern, und der Gipfel des Karmel wird verdorren.
Also hier besteht ein interessanter Anschluss. Weiter ist ein interessanter Übergang zwischen Amos und Obadja. In Amos 9,12 heisst es im Zusammenhang um die Wiederherstellung Israels in der Endzeit, aber dann sagt der Prophet: auf dass sie den Überrest Edoms und alle die Nationen in Besitz nehmen, über welche mein Name genannt werden wird, spricht der Herr, der dies tut. Hier wird also über ein besonderes Gericht in der Endzeit von Israel über Edom gesprochen. Das ist genau das Thema, das Leitmotiv, das dann im nächsten Buch aufgenommen wird und das Hauptthema wird.
Das Buch Obadja beginnt nämlich: Vision Obadjas. So spricht der Herr, der Ewige, von Edom: Und dann geht es um die Zukunft Edoms, und es geht um Israels Gericht an Edom in der Endzeit.
Nun sehen wir also: Verschiedene Faktoren haben mitgespielt bei der Anordnung der Bibelbücher, die man so eben schon vorchristlich in Qumran findet, also nach groben Zeitblöcken: assyrische Zeit, babylonische Zeit, nachexilische Zeit; dann Paarordnung Nordreich, Südreich, Nordreich, Südreich; und schliesslich nach gewissen inhaltlichen Motiven: Joel 3, Amos 1, Amos 9, Obadja 1.
Die chronologische Reihenfolge ist etwa diese: Obadja, Joel, wahrscheinlich Joel als Nächstes. Das kann man nicht genau beweisen. Dann kommt die Zeit mit Jona, Amos, Hosea, weiter Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja. Gewisse sind eben gleichzeitig, so ungefähr gleichzeitig, und schliesslich Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi.
Übergang zum Buch Hosea und die Form des Textes
Nun, nach diesen Vorbemerkungen gehen wir zum Buch des Propheten Hosea. Wie man sieht, ist das Skript diesmal mit seinen zwölf Seiten ein wenig ausführlicher geworden. Ich habe nämlich neben den Kurznotizen auch den ganzen Text Hoseas mitgeliefert, und zwar in einer Übersetzung von mir.
Vor einiger Zeit wurde ich gebeten, alle zwölf Propheten zu übersetzen, und zwar ganz, ganz wörtlich, noch wörtlicher als die alte Elberfelder Übersetzung. Das war für eine Studienreihe gedacht, die erscheinen soll, über alle zwölf Propheten, von Heer de Koning, also nur auf Niederländisch. Dafür habe ich als Beispiel das erste Buch „Hosea aktuell, Gottesliebe und Treue“ übersetzt; dort wurde diese Übersetzung dann im Niederländischen verwendet. Nach und nach sollen also alle so auf Niederländisch erscheinen, aber hier auf Deutsch ist das ja besser.
Eine weitere Besonderheit ist, dass ich darauf geachtet habe, dass die Poesie klarer herauskommt als in manchen Übersetzungen. Es sollte also ersichtlich werden, wie die Verszeilen im Hebräischen sind. Nun ist das ein Problem. Eigentlich hätte ich nicht zwei Spalten benutzen sollen, sondern nur eine; dann hätte es keinen Umbruch bei den Zeilen gegeben, die ein bisschen zu lang sind. Aber man merkt das sofort: Dort, wo ein Umbruch stattfindet, zum Beispiel nur wegen eines Wortes, gehört das immer noch auf dieselbe Zeile im Grundtext.
Das meiste in Hosea, wie auch in den übrigen elf kleinen Propheten, ist poetisch, also in Gedichtsform. Man merkt dann dort, wo es eben keine Verszeilen gibt, dass wir auch Fließtext haben. Kapitel 3 zum Beispiel ist ganz klar Fließtext; dort sieht man nicht die Verszeilen.
Das erste Kapitel: Zeichenhandlungen und prophetische Namen
Der Herr sprach zu mir: Geh nochmals hin, liebe eine Frau, von ihrem Freund geliebt, aber Ehebruch treibend, gleich wie der Herr die Söhne Israels liebt, obwohl sie sich zu anderen Göttern hinwenden und Traubenkuchen lieben.
In Kapitel 1 merken wir gleich, wo die Poesie beginnt. Wir haben zunächst die Einführung in Prosa: Das Wort des Herrn, das zu Hosea, dem Sohn Be'eris, geschah, in den Tagen Usias, Jothams, Ahas, Hiskias, der Könige von Juda, und in den Tagen Jerobiams, des Sohnes Joas, des Königs von Israel.
Und nun kommt die Poesie: Beginn des Redens des Herrn zu Hosea. Da sprach der Herr zu Hosea: Geh, nimm dir eine Frau von Hurereien und Kinder von Hurereien, denn das Land treibt hurische Hurerei weg von der Nachfolge des Herrn.
Das ist Poesie. Dann kommt wieder etwas Prosa: Da ging er hin und nahm sich Gomer, die Tochter Diblaims. Und sie wurde schwanger und gebar ihm einen Sohn.
Jetzt kommt wieder Poesie: Da sprach der Herr zu ihm: Nenne seinen Namen Jisreel, denn noch ein wenig, und ich werde die Blutschuld von Israel heimsuchen. „Heimsuchen“ gehört noch zu dieser Verszeile. Am Haus Jehus, und ich werde dem Königtum des Hauses Israels ein Ende setzen. Und es wird geschehen an jenem Tag: Da werde ich den Bogen Israels zerbrechen in der Talebene von Jisreel.
Das war die zweite Botschaft an Hosea in Poesie. Nun kommt wieder Prosa: Und sie wurde wieder schwanger und gebar eine Tochter. Da sprach er zu ihm: Nenne ihren Namen Lo-Ruchama, denn ich fahre nicht mehr fort, mich über das Haus Israels zu erbarmen, dass ich ihnen vergebend vergebe. Doch des Hauses Judas werde ich mich erbarmen, so dass ich sie retten werde durch den Herrn, ihren Gott, und nicht werde ich sie retten durch Bogen und durch Schwert und durch Krieg und durch Pferde und durch Reiter.
Diese poetische Botschaft ist fertig. Dann kommt wieder etwas Prosa: Und sie entwöhnte die Lo-Ruchama. Da wurde sie schwanger und gebar einen Sohn. Da sprach er: Nenne seinen Namen Lo-Ammi, denn ihr seid nicht mein Volk, und ich bin nicht euer.
Bis dahin.
Wir haben also in Vers 1 die Angaben über die Entstehung des Buches zur Zeit der Könige Usia, Jotham, Ahas und Hiskia. Dank der Chronologie in den Büchern der Könige und Chronika können wir das datieren auf 787 bis 686 v. Chr. Es wird aber auch datiert nach einem König im Nordreich, Jerobeam II. Das wäre 782 bis 753 v. Chr. Das überschneidet sich.
Diese Angaben helfen uns zu sehen, dass das Buch Hosea in der Zeit entstand, in den Jahrzehnten vor und dann auch über den Untergang des Nordreiches hinaus. Im Jahr 722 v. Chr. ging das Nordreich unter. Hosea hat also ganz speziell in dieser Zeit gewirkt, besonders vor dem Untergang des Nordreiches, 787 bis 722 v. Chr. Das ist auch ein ganz zentrales Thema: der Untergang des Nordreiches im Jahr 722 v. Chr., aber prophetisch angekündigt, was sich dann alles wortwörtlich erfüllt hat.
Darum wurde ja auch das Buch Hosea im Judentum als von Gott kommend anerkannt, weil es sich erfüllt hat. Die erfüllte Prophetie, die erfüllte Kurzzeitprophetie, war die Garantie dafür, dass hier ein echter Prophet gesprochen hat. Er durfte sich auch nie in einem Punkt irren. Also ein Irrtum in der Kurzzeitprophetie hätte den Tod des Propheten gekostet, gemäß 5. Mose 18. Hosea hat die Kriterien für einen wahren Propheten erfüllt, und darum konnte dieses Buch auch als Heilige Schrift angenommen werden.
Das Thema des Buches ist ganz kurz: Gottes Liebe und Israels Untreue. Man kann es so zusammenfassen: Der Ewige ist mit Israel ein Ehebündnis eingegangen, doch Israel beging Ehebruch durch Götzendienst. Gottes Liebe macht das Unglaubliche möglich. Ein durch und durch verdorbenes Volk kann durch Buße und Glauben am Ende der Zeit, also in der Endzeit, das ist die Zeit, in der das jüdische Volk aus allen Kontinenten ins Land der Väter zurückkehren soll, eine völlige Heilung und Erneuerung erleben. Das ist das mutmachende Thema des Buches.
Man könnte also sagen, als praktische Lehren aus Hosea lernen wir: Gottes Liebe ist unbegreiflich. Und zweitens: Bei Gott gibt es selbst für sogenannte hoffnungslose Fälle Hoffnung. Das macht Mut im Blick auf Menschen, für die wir vielleicht schon Jahrzehnte beten, und es hat sich noch nichts bewegt. Das Buch Hosea zeigt, wie Gott schließlich mit einem störrischen, widerspenstigen, rebellischen und götzdienerischen Volk doch zum Ziel kommen wird.
Eine dritte praktische Lehre aus dem Buch ist: Buße und Reue führen zu einer völligen Wiederherstellung. Also Gott ist nicht ein Gott, der einfach so wiederherstellt. Die absolute Basis werden wir sehen in Hosea: Es ist die Buße, die Umkehr. Der Mensch muss bereuen, der Mensch muss seine Schuld bekennen, er muss zu Gott umkehren. Aber dann kann es wirklich eine völlige Heilung und Erneuerung geben. Eine frohe Botschaft.
Wir haben im ersten Vers schon gelesen, wie der Prophet Hosea seinen Namen nennt. Hosea, in der Fußnote im Bibeltext wird erklärt, hebräisch Hoshea heißt Rettung, Heil. Das ist auch das Thema dieses Buches. Gott schenkt Rettung, Wiederherstellung für Israel in der Endzeit. Gott ist ein rettender Gott. Sein Name ist also gleich Programm.
Nun haben wir im ersten Kapitel bereits davon gelesen, wie Gott spricht über das Haus Israel, zum Beispiel Vers 4 am Ende: Und ich werde dem Königtum des Hauses Israels ein Ende setzen. Israel meint im Buch Hosea meistens, nicht ganz immer, die zehn Stämme im Norden. Die zehn Stämme fasste man nominell zusammen als Israel. Während das Südreich mit den Stämmen Juda und Benjamin Juda genannt wird, hier zum Beispiel in Kapitel 1, Vers 7: Doch des Hauses Judas werde ich mich erbarmen.
Diese zwei und zehn Stämme waren ja ursprünglich ein Königreich, vereinigt unter David und Salomo. Aber wegen Salomos Götzendienst am Ende seines Lebens hat Gott als Zucht über sein Volk die Spaltung der Nation zugelassen, so dass es eben zu einem Abfall der zehn Stämme im Norden kam, die sich trennten vom Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem.
Es gab in der ganzen Zeit nach Salomo bis zum Untergang des Nordreiches im Jahr 722 v. Chr. keinen einzigen gottesfürchtigen König im Nordreich. Die waren alle übel, die waren alle abgefallen. Der erste König im Nordreich war Jerobeam, wir sagen Jerobeam I., um ihn zu unterscheiden von dem Jerobeam II. Er richtete Götzenstädte ein in Dan, ganz im Norden, und im Süden seines Nordreiches in Bethel. Dort wurden goldene Kälber aufgestellt, und er sagte den Zehnstämmen: Ihr müsst jetzt nicht mehr nach Jerusalem zum Tempel gehen.
Er hatte ja Angst, würden die weiter die Feste feiern in Jerusalem, könnten sie sich schließlich wieder dem Südreich anschließen. So hat er eine Alternative geboten. Das kann man alles in den Büchern Könige und Chronika nachlesen. Das war im Prinzip ein Abisstierkult aus Ägypten. Es war nämlich so: Jerobeam musste vor Salomo fliehen und hatte Exil, Asyl bekommen in Ägypten. Dieser Ägyptenaufenthalt hat auch seine Spuren hinterlassen. Als man zurückkommt und König wird, führte er den Abisstierkult in Israel ein. Aber es war eine Religionsvermischung, denn er hat also Elemente aus dem wahren biblischen Glauben mit ägyptischer Religion verknüpft. Das ist das Prinzip des Synkretismus, der Religionsvermischung.
Das ist ja das, was eigentlich unsere Gesellschaft wünscht. Unsere Gesellschaft ist nicht prinzipiell gegen Religion, aber ja nie gegen einen ausschließlichen Weg. Man muss alles irgendwie zusammenbringen, und letztlich ist ja doch alles irgendwie dasselbe, ja, Hans Küng, Weltethos usw. als Stichwort. Das ist so das, was heute in ist. Synkretismus ist uralt, das ist überhaupt nicht modern. Das steckt tief im sündigen Fleisch des Menschen drin. Und wenn man so die Religion dieser Welt anschaut, hat man überall die Tendenz dieser Vermischung.
Zum Beispiel die alten Römer: Die haben da wieder einmal ein Land erobert, eine Stadt zerstört und ihrem Reich eingegliedert. Da haben sie mal gut hingeschaut: Was haben die für Götter? Und wenn sie sagen, da gibt es einige Götter, die sind ganz ähnlich wie die, die wir schon haben, von den Griechen übernommen, dann haben sie die einfach mit neuen lateinischen Namen benannt. Und wenn es da doch ziemlich andere Götter waren, dann haben sie die gleich auch aufgenommen in ihr Pantheon, in ihre Göttersammlung in Rom. Also das war sehr, heute würde man sagen, integristisch. Ja, man kann alles integrieren.
Übrigens, der Hinduismus ist ein Paradebeispiel für Synkretismus. Ich habe gelernt in Religionsgeschichte: Der Hinduismus ist eigentlich ein Religionsmuseum. Es begann ganz früh um 1500 v. Chr. mit etwas mehr als dreißig Göttern, und heute sind es aber, aber, aber Millionen von Göttern. Ständig hat man Neues aufgenommen, kein Problem. Jesus kann man auch aufnehmen in den Hinduismus, kein Problem. Nur wehe, wer sagt, er sei der Weg, die Wahrheit und das Leben. Das geht dann nicht, sehr integristisch.
Also, das ist das, was unsere Gesellschaft liebt: eine multikulturelle Situation, in der man alles letztlich miteinander so zusammenbringen und vermischen kann. Aber das hat das Nordreich schon längst gemacht, und deswegen kam es zum Untergang im Jahr 722. Das ist also ein biblisches Warnzeichen für alle, die gerne Religionsvermischung betreiben.
Noch zum Nordreich ist zu sagen: Die Zeit von Ahab war ganz entscheidend. Ahab hat eine Tochter von einem libanesischen Hohenpriester und König geheiratet, Isebel, also von einem kanaanitischen, phönizischen, libanesischen Hohenpriester. Isebel hat den Baalskult und den Ascherakult in Israel eingeführt, im Nordreich, und das hat zu einer totalen Perversion geführt in Israel. Hosea geißelt diesen Baalskult ganz besonders, wie wir noch sehen werden.
Dabei muss man wissen: Baal war ein Blitz- und Regengott der Kanaaniter, ein Fruchtbarkeitsgott. Und der kanaanitische Glaube war dieser: Im Hochsommer, wenn alles vertrocknet im Nahen Osten, Israel, Libanon, in Kanaan, da stirbt Baal und er geht ins Totenreich, um dann im Frühjahr wieder aufzuerstehen, wenn die Vegetation wiederkommt.
Und wie das so üblich ist in der Magie: Sie glaubten an das magische Prinzip der Analogie. Ich glaube, in der ganzen Magie ist alles darauf aufgebaut. Zum Beispiel die Voodoo-Okkultisten: Die nehmen eine Puppe und durchstechen sie, und dann sagen sie sich, das symbolisiert eine Person, und die wird dann sterben. Quasi das Parallele geschieht dann mit einer wirklichen Person, wenn sie das mit der Puppe machen.
Und die Kanaaniter haben gesagt: Wenn wir uns prostituieren an den Baals-Kultplätzen, auf allen möglichen Hügeln, dann wird das den Baal dazu bringen, dass er Fruchtbarkeit schenkt im nächsten Frühjahr. Diese kultische Prostitution hat Israel völlig moralisch zerstört. Man könnte sagen, durch Isebel, durch Ahab kam es zu einer sexuellen Revolution im Nordreich. Und dieser Götzendienst, diese Unzucht, wird in Hosea ganz besonders ins Visier genommen.
Also Hurerei bedeutet in Hosea wirkliche Unzucht, verbunden mit Götzendienst, was Gott eben auch in der Bibel immer als Hurerei bezeichnet. Denn Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen am Sinai, und in diesem Bund, in diesem Ehevertrag, in diesem Ehebund hat Gott in den Zehn Geboten festgelegt: Punkt eins: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Das heißt auch, wenn ein Mann und eine Frau die Ehe schließen, heißt das, sie sagen zueinander Ja, und gleichzeitig sagen sie zu allen anderen Nein.
Es ist ganz wichtig, dass man das auch bei Hochzeiten betont: Das Ja hier ist ein Nein der Frau zu allen anderen Männern, und es ist ein Nein des Mannes zu allen anderen Frauen. Ganz wichtig. Also Götzendienst: Wenn Israel andere Götter begann zu verehren, das war Ehebruch und damit eben geistliche Hurerei. Wir werden dieses schreckliche Wort sehr viele Male in Hosea finden, und da müssen wir immer an beides denken: geistlicher und wörtlicher Ehebruch.
Das Schlimme ist, im Südreich gab es zwar immer wieder Erweckungen. Wir haben eine ganze Reihe von Königen, die sogar eine Reformation erlebt haben im Südreich, zum Beispiel König Joas, Josaphat, Hiskia usw., Asa, nicht der Reihe nach. Josaphat, dieser gute König, hat sich verschwägert mit dem Königshaus im Norden. Das heißt, ein Sohn Josaphats hat eine Tochter dieser Hexe Isebel genommen. Und diese Verschwägerung, man kann alles nachlesen in der Zweiten Chronik und in den Königsbüchern, hat dazu geführt, dass dieser Baalskult auch massiv im Südreich eingeführt wurde, ganz schrecklich.
Ein gottesfürchtiger König, aber da war nicht genügend konsequent. Der hätte dem Sohn wirklich widerstehen müssen. Das Prinzip, das ungleiche Joch, ist absolut unakzeptabel. 2. Korinther 6,14: Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen. Dieses Prinzip hatte alttestamentlich die Familie Josaphat übertreten, und so kam dieser abscheuliche Baalskult auch ins Südreich hinein und hat die Moral dort völlig zerstört.
Nun, all diese Bemerkungen helfen uns, Kapitel 1 besser zu verstehen. Ich lese jetzt nochmals in Kapitel 1, Vers 2: Beginn des Redens des Herrn zu Hosea. Da sprach der Herr zu Hosea: Geh, nimm dir eine Frau von Hurereien. In der Fußnote habe ich geschrieben: Das heißt eine von Hurerei gebrandmarkte Frau. Und Kinder von Hurereien, das heißt, Fußnote: von Hurerei gebrandmarkte Kinder. Die Kinder waren noch nicht da, oder? Aber er sollte dann von dieser wirklich unzüchtig gebrandmarkten Frau Kinder bekommen, und die waren gewissermaßen durch ihre schlimme Mutter schon so gezeichnet.
Nimm dir eine Frau von Hurereien und Kinder von Hurereien, denn das Land treibt hurische Hurerei. So wörtlich in der Fußnote heißt das: Das Land hat sich der Hurerei völlig hingegeben. Das ist ein typischer hebräischer Ausdruck. Weg von der Nachfolge des Herrn!
Nun, was wird hier verlangt? Gott sagt zu Hosea, er soll eine unzüchtige Frau heiraten. Das war schon sehr ungewöhnlich, schockierend, abstoßend. Aber Gott wollte durch dieses ungewöhnliche Beispiel Israel schockieren. Ich frage die Konten kommen zu hören: Was, Hosea, du ein Prophet und dann eine solche Frau? Wir wissen alle, was das für eine Frau ist. Wir sind geschockt. Und dann konnte er sagen: Und Gott ist noch mehr, noch mehr entsetzt über das, was ihr tut. Ihr seid das Volk Gottes und lebt so in Abgötterei und Unmoral.
Also ein ganz ungewöhnlicher Weg. Wir finden keine Parallele sonst in der Bibel. Aber man muss doch festhalten: Es war eine Israelitin, also er hat nicht eine Heidin geheiratet. Es war eine Israelitin, aber eben die Ehe war ein Schock und sollte auch schockieren, weil die Leute nicht mehr hörten auf das Rufen der Propheten. Sie sollten durch Schock aufgerüttelt werden.
Vers 3 zeigt dann, wie Hosea gehorsam war: Da ging er hin und nahm sich Gomer, die Tochter Diblaims. Diblaim heißt doppelte Umarmung, zeigt also auch schon etwas Zweideutiges, nur schon durch den Namen. Nahm sich Gomer, nehmen im Hebräischen, lakach, bedeutet „zur Ehefrau nehmen“, also er hat sie geheiratet, ein Ehebund geschlossen. Nahm sich Gomer, die Tochter Diblaims, und sie wurde schwanger und gebar ihm einen Sohn.
Da sprach der Herr zu ihm: Nenne seinen Namen Jisreel. Denn noch ein wenig, und ich werde die Blutschuld von Israel heimsuchen am Haus Jehus, und ich werde dem Königtum des Hauses Israels ein Ende setzen. Israel ist der Name einer riesigen Ebene im Norden Israels, im Hinterland von Haifa. Jisreel heißt „Gott sät“ oder „Gott wird säen“. Es ist eine sehr fruchtbare Ebene, und auch heute wird diese Ebene besonders landwirtschaftlich genutzt.
Wieso bekommt der erste Sohn Hoseas diesen Namen? Gott erklärt: Das hat eine prophetische Bedeutung, denn noch ein wenig, und ich werde die Blutschuld von Israel heimsuchen am Haus Jehus. Jehu war König, kann man nachlesen in den Chronik- und Königsbüchern. Gott hat diesen Propheten gesalbt. Wir können das kurz aufschlagen: 1. Könige 19, es war die Zeit von Elija, der sagte: Ich bin allein übrig geblieben. Dann bekommt er in Vers 15 den Auftrag: Und der Herr sprach zu ihm: Gehe, kehre zurück deines Weges nach der Wüste von Damaskus, 1. Könige 19,15. Und wenn du angekommen bist, so salbe Hasael zum König über Syrien, und Jehu, den Sohn Nimsis, sollst du zum König über Israel salben, und Elisa, den Sohn Saphats von Abel-Mehola, sollst du zum Propheten salben an deiner Stadt.
Und es soll geschehen: Wer dem Schwert des Hasaels entrinnt, den wird Jehu töten, und wer dem Schwert des Jehus entrinnt, den wird Elisa töten. Das ist der einzige König im Nordreich, den Gott ausdrücklich salben ließ: Jehu. Er bekam den Auftrag, die Dynastie Ahabs als Gericht über diesen Baalskult auszurotten. Das hat er mit höchstem Eifer gemacht. Man kann nachlesen in 2. Könige 9 und 10. Er hat die ganze Dynastie ausgerottet, aber er ist in seinem Eifer über das göttliche Maß hinausgegangen und hat auch Leute, die gar nicht hätten getötet werden dürfen, nicht nur getötet, sondern gemordet.
Und bei dieser ganzen Geschichte um das Haus Ahabs, das ausgerottet wird, und Jehu, der diese göttliche Rache vollziehen sollte, steht eng im Zusammenhang mit dieser Ebene von Jisreel. Und darum wird das hier genannt: Die Blutschuld von Israel soll am Hause Jehus heimgesucht werden. Also, obwohl das schon, sagen wir, 80 Jahre zurücklag, Gott hat diese Mordereien von Jehu nicht vergessen. Das zeigt: Es gibt kein Verjähren. Gott nimmt wahr die Ungerechtigkeit des Menschen, und er zieht zur Rechenschaft auch viel später.
Gott hatte Jehu versprochen: Vier Generationen sollen auf dem Thron sein. Dann kam das Gericht, dass dann die Dynastie Jehus auch ein Ende nehmen musste. Das war die Erfüllung von dieser Prophetie hier: Ich werde die Blutschuld von Israel heimsuchen am Haus Jehus. Und so nahm nach vier Generationen die Königsherrschaft dieser Dynastie ein Ende. Aber Gott geht noch weiter, und er sagt: Und ich werde dem Königtum des Hauses Israels ein Ende setzen. Ich werde nicht nur die Dynastie Jehus wegtun, sondern schließlich werde ich sogar überhaupt dem Königtum der Dynastien im Nordreich ein Ende setzen. Das ist die Ankündigung von 722, wo die Hauptstadt Samarias unter dem Ansturm der assyrischen Weltreichstruppen zu Fall kam. Die Leute aus dem Nordreich wurden dann deportiert nach Nordirak, überhaupt ins assyrische Reich.
Vers 5 sagt weiter: Es wird an jenem Tag geschehen, da werde ich den Bogen Israels zerbrechen in der Talebene von Jisreel. Diese Ebene Jisreel war eben ein beliebter Kampfplatz im Altertum. Da haben viele Schlachten stattgefunden, weil das Gebiet so übersichtlich ist, und es gab einen Ort, der erhöht in dieser Ebene, hieß er Megiddo. Da hatte schon König Salomo, 1. Könige 9, eine Festung, eine Militäranlage. Wer diese Stadt Megiddo in diesem Hügel besaß, der hatte die größte Chance bei den Kämpfen in der Ebene Jisreel. Von dort aus konnte der Feldherr schön die Truppen dirigieren.
Diese Ebene spielte also durch die ganze Geschichte hindurch immer wieder eine wichtige Rolle bei Kämpfen und so eben auch im Zusammenhang mit dem Untergang des Nordreiches. Zuletzt im Ersten Weltkrieg war das eine ganz wichtige Ebene, die man übrigens auch nennt Harmagedon. Das ist das Gleiche. Harmagedon heißt Berg von Megiddo, das ist eben dieser Ort innerhalb der Jisreel-Ebene. Und so nimmt man auch das ganze Tal Harmageddon. Die Engländer haben dort eine ganz entscheidende Schlacht gewonnen gegen das türkische Großreich, und so kam es dann später zur Eroberung von Jerusalem, von ganz Palästina.
Also, sogar im Ersten Weltkrieg war Harmageddon ganz wichtig. Aber die Prophetie zeigt uns in der Bibel, dass eine ganz wichtige Endzeitschlacht in Offenbarung 16 noch in Harmagedon stattfinden wird. Wenn das wiedererstehende römische Reich seine Truppen in den Nahen Osten verschieben muss, dann werden sie dort in Harmagedon aufmarschieren, und der Herr Jesus wird dann zurückkehren und diese Heere vernichten.
Ich lese aus Offenbarung 16. Wie es alle aufgeschlagen haben, kann ich noch erklären: Wenn der Westen nämlich seine Truppen verschieben muss in den Nahen Osten, dann müssen die Kriegsschiffe vom Mittelmeer hier in den großen Hafen nach Haifa. Dort ist der israelische Militärhafen heute der große, und im Hinterland ist Harmagedon, also ideal. Und wenn man auf dem Kamel oben steht, bei Muchraka, hat man einen schönen Blick in die Harmagedon-Ebene, in die Ebene Jisreel, und sieht dort einen der größten Militärflughäfen Israels mit Pisten in alle vier Richtungen. Also auch die Flugzeuge, wenn die aus dem Westen verschoben werden nach Israel, die können dort ideal in Harmagedon landen und aufkreuzen.
Offenbarung 16,13: Und ich sah aus dem Mund des Drachen, das ist der Satan, und aus dem Mund des Tieres, das ist der kommende Diktator über das neue Europa, und aus dem Mund des falschen Propheten, das ist der Antichrist in Israel, drei unreine Geister kommen wie Frösche. Denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, welche zu den Königen des ganzen Erdkreises, griechisch Oikumene, das ist der Fachausdruck für das römische Gebiet, das Gebiet des Römischen Reiches, ausgehen, sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen.
Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der da wacht und seine Kleider bewahrt, auf dass er nicht nackt wandle und man seine Schande sehe. Und er versammelte sie an den Ort, der auf Hebräisch Harmagedon heißt. Da wird dann Jesus Christus erscheinen, nach Offenbarung 17,14, zum Gericht. Dieser wird mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden, denn er ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm, das sind die entrückten Gläubigen, sind Berufene und Auserwählte und Treue. Diese Schlacht wird dann auch beschrieben in Offenbarung 19,11-21.
Also, diese Ebene Jisreel ist von gewaltiger heilsgeschichtlicher Bedeutung. Ich lese nun weiter in Hosea 1, Vers 6: Und sie wurde wieder schwanger und gebar eine Tochter. Da sprach er zu ihm: Nenne ihren Namen Lo-Ruchama. Die Fußnote erklärt: die nicht Erbarmen erlangt hat. Lo ist die Verneinung, ja, das heißt nein oder nicht. Ruchama heißt, die Erbarmen bekommt, die Erbarmen erlangt. Lo-Ruchama, die nicht Erbarmen erlangt hat. Denn ich fahre nicht mehr fort, mich über das Haus Israels zu erbarmen, dass ich ihnen vergebend vergebe.
Das heißt, dass ich ihnen irgendwie vergebe. Wieder ein prophetisches Kind, diesmal ein Mädchen. Lo-Ruchama soll ausdrücken: Gott macht nun wirklich ein Ende mit Israel, mit dem Nordreich, und sie soll nicht damit rechnen, dass es da schnell wieder eine Wiederherstellung gibt. Es ist Schluss. Und so sind die zehn Stämme im Jahr 722 in dieser Zeit in Phasen deportiert worden nach Assyrien, und diese Stämme haben sich dann ausgebreitet. In der weiteren Geschichte verliert man den weiteren Verlauf dieser Völker. Sie haben also ihre Identität eingebüßt.
Es gibt heute verschiedene Völker, die behaupten, sie seien Nachkommen von den zehn Stämmen. Aber man genießt das mit großer Vorsicht in Israel, denn das sind ja alles mündliche Überlieferungen, und wenn man da einmal Ja sagt, dann kommen aber Millionen nach Israel, die wollen alle dort wohnen. Das kann ich verstehen, aber eben, das wäre ein Problem. Das zu den zehn Stämmen.
Wir sehen also, der Sohn Jisreel und Lo-Ruchama, die Tochter, haben prophetische Bedeutung im Blick auf das Schicksal des Nordreiches. Nun kommt Kapitel 1, Vers 7: Doch des Hauses Judas werde ich mich erbarmen, so dass ich sie retten werde durch den Herrn, ihren Gott, und nicht werde ich sie retten durch Bogen und durch Schwert und durch Krieg und durch Pferde und durch Reiter.
Und sie entwöhnte die Lo-Ruchama. Da wurde sie schwanger und gebar einen Sohn.
Also Gott sagt, das Nordreich bekommt keine Gnade, aber Kapitel 1, Vers 7 macht deutlich: Das Südreich, das bekommt Erbarmen. Gott wird das Südreich retten. Und das ist nun die Erklärung, warum das Südreich, das ja auch deportiert wurde, in den Jahren 605 bis 582 haben die Babylonier unter Nebukadnezar das Südreich zerstört und die Juden in die Gefangenschaft nach Babylonien, im heutigen Irak, weggeführt. Aber nach 70 Jahren Herrschaft, Weltherrschaft Babels, nämlich von 609, das war ja der Moment, wo das assyrische Reich endgültig gefallen war, bis 539, das sind siebzig Jahre, im Jahr 539 haben die Perser das babylonische Reich erobert, und dann war es fertig mit der babylonischen Gefangenschaft.
Die Perser haben dann den Juden die Erlaubnis gegeben: Ihr dürft wieder zurückkehren ins Land der Väter. Exakt siebzig Jahre, wie das Jeremia Kapitel 25 und 29 vorausgesagt hatte. So hat das Haus Juda Erbarmen erlangt, sie durften wieder zurückkehren, sie erfuhren Rettung. Man kann sich fragen: Warum haben wir eine Ausnahme bekommen? Da könnte man sagen: Ja, da ging es eben besser, die haben ja viele Reformationen erlebt unter Josia, Joas, Hiskia und so weiter. Aber man muss doch sagen, in Jeremia 7 sagt der Prophet, dass das Südreich schließlich sich noch mehr verdorben hat, verderbt hat als das Nordreich. Die war noch schlimmer, und trotzdem durften sie aus reiner Gnade wieder zurückkehren.
Aber es hat einen ganz besonderen Grund: Vater Jakob hatte ja schon lange, lange, über tausend Jahre zuvor prophezeit, dass der Messias, der verheißene Erlöser, aus Juda kommen wird. 1. Mose 49,10. Er spricht hier prophetisch über Juda. Siehe Vers 8, in Vers 10 heißt es: Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis das Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorchen.
Das Königreich Juda ging zwar unter durch den Babylonischen Krieg, aber sie wurden deportiert nach Babylon und blieben trotzdem eine gewisse nationale Einheit. Sie hatten ihre eigenen Ältesten über das Volk gesetzt, zum Beispiel Hesekiel 8,1, das kann man nachlesen. Und dann durften sie eben wieder zurückkehren, hatten wieder einen eigenen Staat, einen halbautonomen Staat. Das Zepter, der Herrscherstab, sollte nicht von Juda weichen. Das kann man bei den zehn Stämmen, die nach Assyrien gingen, nicht sagen. Dort ging die nationale Verwaltung bald völlig verloren. Aber bei Juda sollte das nicht sein. Das Zepter, der Herrscherstab, soll nicht weichen, bis das Schilo kommt.
Schilo bedeutet auf Deutsch „der Friede schaffende, der Ruhe bringende“. Das ist der Messias, und ihm werden die Völker gehorchen. Das heißt, Heiden werden sich ihm dann anschließen. Tatsächlich ist ja der Herr Jesus dann im ersten Jahrhundert, in der Zeit des ersten Jahrhunderts, in Israel in Juda aufgetreten, und erst im Jahr 70 ging dann das Staatswesen und in den folgenden Jahren ging das Staatswesen der Juden vollkommen unter. Da war der Stab, der Herrscherstab und das Zepter dann völlig gewichen. So musste der Messias also noch vor dem Jahr 70 kommen.
Und eben, Gott hat sich Judas erbarmt, damit der Messias ihnen begegnen könnte. Ja gut, der Messias hätte ja auch im Irak auftreten können, in Babylon. Nein, das ging auch nicht, denn der Prophet Micha hatte ja schon längst im achten Jahrhundert vor Christus gesagt, er wird geboren in Bethlehem. Micha 5,1: Und du, Bethlehem, Ephrata, zu klein unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher in Israel sein soll, und seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.
Also, das Reich Juda, der Stamm Juda und Benjamin, sollte zurückkehren ins Land der Väter aus reiner Gnade Gottes, um dem Messias zu begegnen, der dann eben zum Segen werden sollte für die Völker. Und seither haben sich Millionen von Menschen in allen fünf Kontinenten dem Messias Jesus Christus geöffnet und die frohe Botschaft angenommen.
Also wir sehen die heilsgeschichtliche Tragweite dieser Hosea-Verse, und wir sind erst immer noch an Kapitel 1. Ja, wir haben noch dreizehn Kapitel vor uns.
Das dritte Zeichenkind und die Bedeutung von Lo-Ammi
Ja, jetzt haben wir zwei prophetische Kinder betrachtet. Nun kommt noch ein drittes in Vers 8:
Da wurde sie schwanger und gebar einen Sohn. Da sprach er: Nenne seinen Namen Lo-Ammi. Am heißt auf Hebräisch Volk, das I angehängt bedeutet mein. Ami heißt mein Volk, Lo-Ammi heißt nicht mein Volk, Lo-Ruchama nicht Begnadigte.
Nennet seinen Namen Lo-Ammi, denn ihr seid Lo-Ammi. Ich habe das übersetzt mit: Nennet seinen Namen Lo-Ammi, denn ihr seid nicht mein Volk. Aber im Hebräischen ist es: Nennen Sie Lo-Ammi, denn Sie sind Lo-Ammi, und ich bin nicht euer.
Hier wird nun nicht eingeschränkt, dass diese Aussage sich nur auf das Nordreich beschränkt, wie bei Israel und Lo-Ruchama. Hier wird das allgemein gesagt. Dieser göttliche Ausspruch bezieht sich sowohl auf das Nordreich als auch auf das Südreich.
Und da haben wir noch eine ganz, ganz wichtige Sache, die uns hilft, Israel heute biblisch richtig einzuordnen. Also, Gott hat gesagt: Nun kündige ich auf. Ich habe euch als mein Volk angenommen beim Sinai, aber ihr habt alles durch Ehebruch zerstört. Nun anerkenne ich euch nicht mehr als mein Volk.
Wie gesagt, die Leute aus dem Südreich, die Juden, kamen zurück nach der babylonischen Gefangenschaft. Sie haben den Tempel wieder gebaut, das Buch Esra, die Stadt wieder aufgebaut, das Buch Nehemia. Aber Israel war Lo-Ammi. Das jüdische Volk war Lo-Ammi auch dann im Land, obwohl sie immer noch das Zeugnis Gottes trugen. Und das hat sich an verschiedenen Dingen deutlich gemacht.
Sie haben zuerst in Esra 3 den Altar gebaut auf dem Tempelplatz. Und dann geschah etwas, was eigentlich hätte geschehen müssen. Nicht wahr, als Mose den Brandopferaltar der Stiftshütte errichtet hatte, war alles bereit. Es wurde ein Opfer aufgelegt, und ein Blitz vom Himmel hat das Opfer verzehrt, in Brand gesetzt. Und dieses Feuer wurde dann ständig auf dem Brandopferaltar erhalten, als ein ewig brennendes Feuer. Das wird auch so betont in 3. Mose 6, dass das Feuer auf dem Brandopferaltar erhalten bleiben muss. Und alle Opfer in der Stiftshütte brannten immer durch dieses Feuer Gottes, oder wie die Rabbiner sagten: Esch Elohim, Feuer Gottes, war da.
Später hat Salomo den ersten Tempel in Jerusalem gebaut. Die Periode der Stiftshütte war fertig, jetzt kam die Periode des ersten Tempels. Und dann, als alles fertig war, hat man ein Opfer aufgelegt, und in 1. Könige 8 kam Feuer vom Himmel, ein Blitz, und hat das Opfer verzehrt. Und dieses Feuer wurde dann auf dem Brandopferaltar durch all die Jahrhunderte hindurch bis zur Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar erhalten.
Nun, als die Juden zurückkamen in Esra 3, haben sie Opfer geopfert, aber sie haben das selber angezündet. Es war kein Feuer Gottes mehr. Darüber wird auch im Talmud gesprochen, oder überhaupt in der rabbinischen Literatur: kein Esch Elohim, kein Feuer von Gott.
Zweitens: Die Wolken- und Feuersäule, die Gottes Gegenwart im Alten Testament anzeigte, als die Herrlichkeit des Herrn, die über der Stiftshütte ruhte, die ganzen Jahrhunderte hindurch ab 2. Mose 40. Und weiter: Wenn man die Einweihungsgeschichte des Salomontempels liest, 1. Könige 8, da kam diese Rauch- und Feuersäule wieder. Die Herrlichkeit des Herrn erfüllte den Tempel, und man konnte nachts immer über dem Salomontempel in Jerusalem dieses Feuer sehen, gewaltig, eindrücklich, Gottes Gegenwart.
Aber als die Juden im Buch Esra den Tempel wieder aufbauten, da hatten sie die Schechina nicht mehr. Sie kam nie mehr zurück. Hesekiel 8 bis 11 beschreibt, wie die Schechina weggegangen ist, in Phasen: vom Tempel in den Vorhof, dann ins Osttor, da, wo heute das Goldene Tor ist, das verschlossene, und dann ging die Schechina hinüber auf den Ölberg, Hesekiel 11. Und dann kam sie nie mehr zurück zum Tempel. Sie ist also nie zurückgekommen zum zweiten Tempel. Das war eine Demütigung.
Man hat darum im Frauenvorhof im Zweiten Tempel 26,5 Meter hohe Leuchter aufgestellt, die je vier Lampen hatten, mit gewaltigen Ölgefäßen, 9,25 Liter Öl, als Docht abgenutzte Priestergewänder. Und das hat man entzündet am Laubhüttenfest nachts. Das war eine Erinnerung an die Feuersäule, die bei der Einweihung des Salomontempels genau am Laubhüttenfest nach Jerusalem kam. Aber sie war nicht mehr da.
Warum? Schauen wir uns noch etwas an, was fehlte. In der Stiftshütte war ja die Bundeslade, 2. Mose 25 wird sie beschrieben, im Allerheiligsten. Da drin waren die Tafeln des Gesetzes, die eigentlich den Bund, den Ehebund Gottes mit Israel, symbolisierten. Später wurde die Bundeslade dann auch zum Salomontempel geführt, ins Allerheiligste getan, und sie symbolisierte: Gott ist verheiratet mit Israel. Er hat diesen Bund vom Sinai geschlossen.
Aber als die Juden zurückkehrten aus Babylon und den zweiten Tempel bauten, da brachten sie keine Bundeslade mehr ins Allerheiligste. Das Allerheiligste war ein leerer Raum. Das Zeichen des Bundes war nicht mehr da, das Zeichen, das deutlich machte: Ihr seid Ammi, mein Volk, war nicht mehr da.
Im Talmud wird an einer besonders wichtigen Stelle erklärt, dass die Bundeslade schon zu Josias Zeiten in den Tempelberg gebracht worden sei, in die Kammer, die Salomo errichtet hatte für Zeiten der Gefahr. Es scheint, dass man eben die Bundeslade nicht mehr heraufgeholt hat. Man war ja ständig unter Fremdherrschaft, zuerst unter den Persern, dann unter den Griechen und nach kurzer Autonomie dann unter den Römern. So war es immer gefährlich, dass die Bundeslade hätte gestohlen werden können, wie damals durch die Philister im ersten Buch Samuel.
Und so kam jedenfalls, was auch die Gründe sein mögen, die Bundeslade nie mehr ins Allerheiligste. Das Allerheiligste war ein leerer Raum, und das demonstrierte so richtig: Israel ist Lo-Ammi, nicht mein Volk.
Ja, aber das hatte auch seine guten Gründe gehabt, nämlich im Jahr 63 vor Christus, als die Römer in Jerusalem einmarschierten, um die Macht zu übernehmen. Da ist dieser schlimme Feldherr Pompeius ins Allerheiligste hineingegangen. Man hat ihn angefleht, diesen Frevel nicht zu begehen. Aber dieser gottlose Pompeius ging ins Allerheiligste hinein. Er wollte einmal den Gott Israels sehen, weil die Heiden behaupteten, sie würden einen Gott mit Eselskopf anbeten, aber im Gegensatz zu den Heiden würden sie ihren Gott nie zeigen. Die Heiden stellen ihre Götter an allen Straßenecken auf und zuhause auf dem Hausaltar usw., Israel nicht. Und da wollte er den Gott Israels sehen, und er sah einen leeren Raum. Das schreibt ein heidnischer Geschichtsschreiber, ein römischer Geschichtsschreiber, und er sagt, wie er beeindruckt war von der Schlichtheit dieses Raums.
Ja, das konnte ihm klar werden: Der Gott Israels ist nicht wie die Götter der Heiden, so auf ein paar Quadratmeter einzuschließen. Die Götter der Heiden, die kann man sogar in kleinen Haustempelchen unterbringen, aber nicht so der Gott Israels. Er ist der Allgegenwärtige. Man kann ihn nicht durch ein Bild darstellen.
Und übrigens, das hat man nochmals gesehen, als Jerusalem zerstört wurde im Jahr 70. Da sind die Römer auch wieder eingedrungen ins Allerheiligste. Es war ein leerer Raum, aber das Zeichen des Bundes war nicht da: Ihr seid, nenne seinen Namen Lo-Ammi, denn ihr seid nicht mein Volk, und ich bin nicht euer. Und so ist Israel Lo-Ammi bis heute.
Aber nun müssen wir das Neue Testament aufschlagen, im ersten Petrusbrief. Da schreibt der führende Apostel für die Juden. Nicht wahr, die zwölf Apostel waren ja von dem Herrn Jesus eingesetzt, ganz speziell im Blick auf Israel. Darum zwölf Apostel, entsprechend den zwölf Stämmen Israels. Während der Apostel Paulus von Gott eingesetzt wurde als Apostel für die nichtjüdischen Heidenvölker. Das sieht man zum Beispiel sehr schön in Galater 2 dargestellt: Petrus für die Beschneidung und Paulus für die Heiden, für die Unbeschnittenen.
Also Petrus tat seinen Dienst ganz speziell für die jüdischen Gläubigen. Und so schreibt er auch in 1. Petrus 1,1: Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Diaspora, zu Deutsch Zerstreuung, von Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters durch Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi: Gnade und Friede sei euch vermehrt.
Diaspora ist der Fachausdruck für Juden, die im Ausland leben. Er hat also die jüdischen Christen angeschrieben in verschiedensten Provinzen der heutigen Türkei. Und jetzt müssen wir schauen, was er diesen Juden sagt.
1. Petrus 2,9-10: Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.
Also, Petrus wendet hier Hosea an, spielt hier auf Hosea 1 an und sagt diesen israelitischen Gläubigen: Ihr wart einst nicht ein Volk. Wenn wir es zurückübersetzen, ist das Lo-Ammi. Jetzt seid ihr ein Volk Gottes, Am Elohim oder Am El. Die ihr einst nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, das wäre: Ihr wart Lo-Ruchama, aber jetzt habt ihr Barmherzigkeit empfangen, das heißt, ihr seid jetzt Ruchama.
Also dadurch, dass Zehntausende von Juden den Messias erkannten, Buße getan haben über ihre Schuld, Vergebung Gottes bekommen haben, wurden sie nun wieder Gottes anerkanntes Volk, aber Gottes himmlisches Volk. Denn diese bekehrten Juden nach dem Kommen des Herrn Jesus und nach Pfingsten wurden Teil der Gemeinde. Die Gemeinde als Gottes himmlisches Volk, und zwar wurden sie zusammengefügt mit all denen, die aus den Heidenvölkern sich auch zu Christus bekehrt haben.
Und darum schreibt denn auch der Apostel Paulus, dass nun diese Einheit etwas ganz Neues ist, Galater 3,28: Da ist nicht Jude, da ist noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.
Also dieses neue Volk Gottes, bestehend aus bekehrten Juden und bekehrten Heiden, die sind nun eine ganz neue Einheit, und die anerkennt Gott heute als Ammi, mein Volk.
Also wir sehen: In Hosea wurde bereits dieses göttliche Urteil ausgesprochen: Ihr seid nicht mein Volk. Trotzdem durfte Juda nochmals zurückkehren ins Land, um dem Messias zu begegnen. Aber die Masse hat den Messias nicht erkannt, ihn verworfen, und so wurde das jüdische Volk von dort an unter alle Völker zerstreut. Aber die Zehntausenden von Juden, die sich bekehrt haben, die wurden Volk Gottes und zwar Teil der Gemeinde des himmlischen Volkes Gottes.
Ich habe gesagt Zehntausende von Juden, da muss ich vielleicht noch begründen, woher ich das habe. In Apostelgeschichte 21 sagt Jakobus zu Paulus, als er nach Jerusalem kam, Apostelgeschichte 21,20: Sie aber, als sie es gehört hatten, verherrlichten Gott und sprachen zu ihm: Du siehst, Bruder, wie viele Zehntausende der Juden es gibt, welche glauben, und alle sind Eiferer für das Gesetz.
Im Grundtext steht hier Myriaden der Juden. Eine Myriade im Griechischen ist Zehntausend. Also wie viele Myriaden von Juden es gibt, die glauben. Das waren also doch Zehntausende, die damals zur Bekehrung kamen. An Pfingsten waren es dreitausend, etwas später waren es bereits fünftausend Männer, ohne die Frauen, und schliesslich Zehntausende. Sie sind zusammen mit den bekehrten Nichtjuden heute Gottes Volk.
Aber das ist noch nicht das Ende. Viele Leute hören da auf und sagen: Israel ist auf die Seite gestellt, Israel hat als Nation keine Hoffnung mehr, die Gemeinde hat alles geerbt. Was hat die Gemeinde geerbt? Ja, den Segen. Und was ist mit dem Fluch? Den hat Israel behalten. Ja, so wird argumentiert.
Es ist völlig unlogisch, denn das Alte Testament spricht über Fluch und Segen, das Israel betreffen soll. Aber Sie haben das nun gespalten: Der Fluch, den kann Israel behalten, und der Segen, das ist jetzt die Gemeinde. Und viele sagen: Israel kann nur Segen erlangen, insofern es zur Gemeinde hinzukommt.
Aber wir wissen ja aus dem Neuen Testament, dass die Gemeinde befristet ist in ihrer Aufgabe hier auf Erden. Es hat begonnen am Pfingsttag in Apostelgeschichte 2, im Jahr 32 nach Christus. Und es wird Ende haben am Tag der Entrückung, wenn der Herr Jesus kommt, um die Gemeinde, alle wahren Gläubigen aus den Juden und den Heiden, heimzuführen ins Haus des Vaters.
Und dann wird Israel wieder seinen besonderen Platz bekommen. Das wird uns deutlich gemacht in Offenbarung 6 und folgende. Da kommen die Endzeitgerichte, und bereits in Offenbarung 7 haben wir dann die Vorhut, die Erstlinge aus Israel, versiegelte aus allen zwölf Stämmen Israels. Gott hat sein Volk nicht vergessen.
Die endzeitliche Wende und die Wiederherstellung Israels
Da gehen wir nun zu Kapitel 2, Vers 1:
Und die Zahl der Söhne Israels wird sein wie der Sand des Meeres, der nicht gemessen und nicht gezählt wird. Und es wird geschehen: Anstatt dass zu ihnen gesagt worden ist: „Nicht mein Volk seid ihr“ – hebräisch lo ami –, wird zu ihnen gesagt werden: „Ihr seid Söhne des lebendigen Gottes“ – Fußnote: hebräisch benei el chai, Söhne des lebendigen Gottes. Und versammeln werden sich die Kinder Judas und die Kinder Israels zugleich. Und sie werden sich ein Haupt setzen und aus dem Land hinaufziehen, denn groß ist der Tag Israels. Sagt zu euren Brüdern: mein Volk, und zu euren Schwestern: die Erbarmen erlangt hat.
Nun finden wir hier die endzeitliche Umkehr. Gott wird eine Wende herbeiführen. Ganz wichtig: Es gibt Übersetzungen, dort wo es heißt: „Zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk“, wird zu ihnen gesagt werden: „Söhne des lebendigen Gottes.“ Ich habe übersetzt: „Und es wird geschehen, anstatt dass zu ihnen gesagt worden ist.“ Bimkom heißt auf Hebräisch „an der Stelle“ oder eben „anstatt“. Also ist „anstatt“ besser. Früher galt lo ami, aber nicht für immer. Die Wende kommt. Anstatt dass gesagt wurde, in Hosea 1 lo ami, wird gesagt werden: Bnei Elchai, Söhne des lebendigen Gottes.
Das heißt also: In der Endzeit wird es zu einer Wende kommen, und zwar für alle zwölf Stämme. Die Kinder Judas, das Südreich, und die Kinder Israels, das Nordreich, werden sich ein Haupt setzen. Wer wird dieses eine Haupt sein? Das ist der Herr Jesus Christus, der Messias. In der Endzeit wird Israel den Messias erkennen, und Gott wird das zwölfstämmige Volk wiederherstellen.
Es ist so, dass unter denen, die wir heute Juden nennen, Blut aus allen Stämmen Israels vorhanden ist. Es war nämlich so: Als das Nordreich noch bestand, gab es viele Überläufer aus dem Norden nach Süden. Man kann das nachlesen in 2. Chronika 15 unter Asa, dann in 2. Chronika 30 und 31 unter Hiskia. Dort werden verschiedene Stämme erwähnt, wie Leute kamen und nach Süden überliefen. Das hat dazu geführt, dass zur Zeit des Herrn Jesus Christus effektiv Leute aus allen zwölf Stämmen im Land waren.
Jetzt versteht man, warum Lukas 2 über die Prophetin Hanna im Tempel spricht, die auf den Messias wartete. Sie war aus dem Stamm Aser, also aus dem Nordreich. Und Paulus sagt in seiner Rede vor König Agrippa in Apostelgeschichte 26: „Unser zwölfstämmiges Volk dient also“ – und bringt Gottesdienst im Tempel Gott Tag und Nacht. Unser zwölfstämmiges Volk. Und Jakobus schreibt seinen wunderbaren Brief an die zwölf Stämme, die in der Diaspora sind, seinen Gruß. Ja, das macht deutlich, dass da alle zwölf Stämme vertreten waren.
Nun kann man also sagen: Unter den Juden, die heute zurückgekehrt sind, diese Millionen seit 1882 ins Land der Väter aus allen fünf Kontinenten, da gibt es Blut aus allen zwölf Stämmen. Und trotzdem – man kann das nachlesen in Jesaja 11 – wird Gott eine ganz spezielle Sammlung auch von denen, die in der assyrischen Zerstreuung weggeführt wurden, in der Endzeit herbeiführen, dass die noch kommen werden.
Interessant: Die schwarzen Falascha aus Äthiopien bringen sich in Verbindung mit dem Stamm Dan, das war ja auch ein Nordreichstamm. Es gibt auch Leute, die eingewandert sind aus Indien, von einer Ethnie, von einem Völklein, das sich traditionell als Manasse bezeichnet. Also da wird in der Zukunft noch mehr geschehen. Und das kann sogar bis über die Wiederkunft Christi hinausgehen, dass am Anfang des Tausendjährigen Reiches der Herr offenbar machen wird, wer zu den zehn Stämmen gehört, und sie ins Land zurückführen wird.
Man lese also gut Jesaja 11, wo darüber gesprochen wird, wie Gott sammeln wird, Jesaja 11, ab Vers 11, sowohl aus Juda als auch aus den zehn Stämmen. Sie werden gemeinsam den Messias als Haupt über sich setzen. Und dann heißt es: Groß ist der Tag von Israel. Dazu mehr in einer halben Stunde.
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