Einführung in die Herausforderung der Nachfolge
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 382: Gelebte Nachfolge, Teil 2
Nachfolge ist teuer. Das ist die Botschaft, die Jesus seinen Jüngern vermitteln möchte. In Lukas 9,23 heißt es: „Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf und folge mir nach.“
In der letzten Episode haben wir uns mit dem Thema Selbstverleugnung beschäftigt. Nun soll es darum gehen, dass man sein Kreuz aufnehmen muss.
Im Deutschen sagt man, jemand habe ein Kreuz zu tragen, wenn er Schwierigkeiten bewältigen muss. „Sie hat ein schweres Kreuz zu tragen“ bedeutet also, dass sie ein hartes Leben mit vielen Problemen hat.
Die Bedeutung des Kreuzes in Jesu Worten
Wenn Jesus davon spricht, sein Kreuz auf sich zu nehmen, hat er dabei eine ganz andere Bedeutung im Sinn. Für seine Zuhörer ist das Kreuz kein Symbol für Schwierigkeiten, sondern ein Hinrichtungsinstrument. Ähnlich wie für uns heute ein elektrischer Stuhl, eine Guillotine oder die Todesspritze.
Ein römisches Kreuz bestand aus zwei Balken: einem längeren, der im Boden verankert war, und einem kürzeren Querbalken. Letzteren musste der verurteilte Schwerverbrecher selbst zum Hinrichtungsort tragen. Wenn Jesus also sagt, jemand solle sein Kreuz auf sich nehmen, meint er, dass man diesen Querbalken aufnimmt und zum Ort der Hinrichtung trägt.
Was bedeutet dieses Bild nun? Da es sich um ein Bild handelt, ist hoffentlich klar, dass es nicht um einen realen Querbalken geht. Das Kreuz, von dem Jesus spricht, ist eine Bildfrage. Was verbindet einen Jünger, der Jesus nachfolgen will, mit einem verurteilten Schwerverbrecher, der seinen Querbalken zum Hinrichtungsort schleppen muss?
Schon der Begriff Kreuz war für einen Römer abstoßend. Wenn Jesus also allein vom Kreuz spricht, war das bereits ein Skandal. Wir können uns das heute kaum vorstellen. Wir tragen kleine Silberkreuze als Schmuck um den Hals. Aber wir sind nie eine Straße entlanggelaufen, an der links und rechts Kreuze aufgestellt waren, an denen Menschen hingen, schrien, stöhnten und starben. Und auf den bereits Gestorbenen saßen Krähen und Geier.
Lukas 9,23: Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf und folge mir nach.
Die Formulierung „sein Kreuz zu tragen“ war also eine absolute Provokation, aber...
Das Kreuz als Symbol für radikale Nachfolge
Wofür steht das Bild?
Wenn man so will, erweitert das Bild vom Kreuz, das man aufnimmt, die Idee der Selbstverleugnung.
Die Konsequenzen des Kreuztragens für den Jünger
Wer mit dem Querbalken des Kreuzes durch die Straßen lief, für den waren zwei Dinge völlig klar: Er war sich der Verachtung der Menschen bewusst, und er hatte keine Erwartungen mehr an das eigene Leben. In den Augen der Menge war der Träger des Kreuzes ein verurteilter Schwerverbrecher, der auf dem Weg zu seiner Hinrichtung war.
Jesus spricht hier davon, dass wir unser Kreuz täglich aufnehmen sollen. Das bedeutet, dass es sich nicht nur um eine einmalige Handlung handelt, sondern dass diese Entscheidung immer wieder getroffen werden muss. Wenn man so will, entscheiden wir uns jeden Tag neu für die Nachfolge und damit für das Kreuz.
Wir entscheiden uns jeden Tag dafür, dort weiterzumachen, wo wir gestern aufgehört haben. Es ist wichtig, dass wir das verstehen: Jesus lädt uns ein, ihm zu folgen, aber er macht deutlich, dass diese Entscheidung zur Nachfolge nicht nur einmal getroffen wird, sondern immer wieder.
Ich entscheide mich also nicht nur im Moment der Bekehrung für die Nachfolge, und dann steht diese Entscheidung irgendwie fest. Vielmehr nehme ich täglich mein Kreuz auf. Es ist eine täglich neue Entscheidung, den Weg der Selbstverleugnung weiterzugehen. Täglich will ich mir vor Augen halten, was ich für mich noch vom Leben erwarte – nämlich nichts.
Wie gesagt: Der Kreuzträger ist auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Er hat keine großen eigenen Pläne mehr fürs Leben. Er hat mit diesem Leben hier eigentlich abgeschlossen.
Die Haltung eines Nachfolgers Jesu
Und lasst uns das wirklich gut verstehen: Wer Jesus nachfolgen will, der hat die Haltung eines Menschen, der nicht mehr für diese Welt lebt. Er erwartet, wenn es hart auf hart kommt, nichts mehr von dieser Welt als Ablehnung und den Tod.
Wenn dir dieses Bild und seine Bedeutung etwas grob vorkommen, dann kann ich dich trösten – mir geht es genauso. Jesus spricht hier mit einer Radikalität, die ich nicht ganz verstehe. Dennoch möchte ich sie auch nicht ausblenden.
Ich will Jesus nachfolgen, ich will einer seiner Jünger sein. Ich will mich selbst verleugnen und täglich die Haltung eines Kreuzträgers einnehmen. Gleichzeitig lebe ich aber im Wohlstand, im Frieden, bin glücklich verheiratet und habe gläubige Kinder.
Es fällt mir leicht, nichts vom Leben zu erwarten, weil ich schon so viel habe, scheint mir. Und ja, ich weiß, wenn ich jeden Monat für verfolgte Christen bete, dass mein Leben die Ausnahme ist.
Womöglich gilt es, sich genau das vor Augen zu halten: Es gibt viele Länder auf dieser Erde, in denen Kreuzesträger nicht nur verachtet, sondern tatsächlich hingerichtet werden.
Die Bedeutung des Verlusts für das ewige Leben
Und Jesus sagt ihnen ganz deutlich in Markus 8,35: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, wird es retten.“
Hier steht: „wer aber sein Leben verliert, wird es retten.“ Bei Matthäus heißt es dagegen: „wird es finden.“ Ich weiß nicht, ob wir uns das oft genug vor Augen halten. Unser ganzes Leben ist eine groß angelegte Rettungsaktion.
Wir müssen so leben, dass wir gerettet werden beziehungsweise ewiges Leben finden. Dazu gehört auch, dass wir bereit sind, um des Herrn Jesus willen oder um des Evangeliums willen unser irdisches Leben zu verlieren.
Lange bevor wir tatsächlich unser Leben verlieren, verlieren wir vielleicht unsere Reputation, unseren Besitz, unseren Ehepartner oder unseren Job. Dabei ist Vorsicht geboten, wenn wir dazu nicht bereit sind.
Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer sein irdisches Leben retten will, indem er sich anpasst und, wie Petrus es formulieren würde, im Strom der Heillosigkeit mitschwimmt, der wird sein ewiges Leben verlieren.
Entscheidungsfragen zur Nachfolge
Und deshalb steht die Frage im Raum: An welchem Leben hängen wir mehr – am irdischen Leben oder am ewigen Leben? Wenn wir uns entscheiden müssten, wem würden wir den Vorzug geben?
Eine weitere Frage finde ich interessant: Was ist eigentlich Nachfolge?
Wir wissen jetzt, welche Voraussetzungen wir erfüllen müssen: Selbstverleugnung, das Kreuz auf sich nehmen, die Entschlossenheit, alles zu wagen und alles zu investieren, um das eigentliche Leben zu finden. Wir kennen also die Voraussetzungen und das Ziel.
Aber woher kommt die Idee der Nachfolge? Wie kommt Jesus darauf, der Volksmenge samt den Jüngern so ein Angebot zu machen?
Damit wollen wir uns dann in der nächsten Episode beschäftigen.
Abschluss und Ausblick
Was könntest du jetzt tun? Überlege in Ruhe, wie sehr du an diesem Leben hängst. Woran machst du deine Einschätzung fest?
Das war es für heute. Bete für die Leitung deiner Gemeinde. Bitte um Weisheit, Bewahrung und ein gutes eigenes geistliches Leben für sie.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden! Amen.
