Serie•Teil 12 / 52Das Lukasevangelium
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Einführung und Überblick über den Abschnitt
Guten Abend, ich möchte alle herzlich willkommen heißen. Wir stehen heute immer noch in Lukas 9, wie letztes Mal. Es geht um Lukas 9,1-50. Das ist, wie auch schon erklärt, Teil 5 der ersten Hälfte des Lukas-Evangeliums.
Was ich letztes Mal noch nicht gesagt habe, obwohl wir schon in der Übersicht einiges gesehen haben, ist die harmonische Struktur dieses Abschnitts. So wie das in allen früheren Abschnitten der Fall war, dass alles nach einem bestimmten Plan komponiert ist, haben wir auch hier wieder in der Übersicht eine Struktur: A, die Anweisungen an die zwölf Apostel, dann kommt ein Wunder, das Wunder der Speisung der Fünftausend, und dann geht es um die Herrlichkeit des Herrn Jesus.
Die zweite Hälfte von Teil 5 ist dann so komponiert, dass wir einen Teil C' haben, der also Bezug nimmt auf C hier. Da geht es auch um die Herrlichkeit, und zwar um die Herrlichkeit des Herrn Jesus auf dem Berg der Verklärung. Dann kommt wieder ein Wunder, das Wunder der Heilung dieses jungen Knaben. Die Jünger konnten nicht helfen. Übrigens sagte wieder der Herr Jesus den Jüngern: Gebt ihr ihnen zu essen, und sie konnten es nicht.
Ja, und dann haben wir im letzten Teil wieder Anweisungen an die zwölf Apostel, und das spiegelt sich eben mit Teil A. Wir haben letztes Mal schon einen großen Teil gelesen in Lukas 9, aber ich schlage vor, dass wir nochmals lesen ab Vers 10. Und zwar möchte ich bitten, zunächst einmal zu lesen bis und mit Vers 27.
Die gelesene Passage und ihre erste Einordnung
Erzählten sie ihm alles, was sie getan hatten, nahm er sie mit und zog sich abseits zurück in eine Stadt mit Namen Bezeida. Als aber die Volksmengen es erfuhren, folgten sie ihm. Er nahm sie auf und redete zu ihnen vom Reich Gottes. Und die, die Heilung brauchten, machte er gesund.
Der Tag aber begann sich zu neigen. Da traten die Zwölf herzu und sprachen zu ihm: Entlass die Volksmenge, damit sie in die Dörfer ringsum und auf die Höfe gehen und Herberge und Speise finden; denn hier sind wir an einem öden Ort! Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingingen und für dieses ganze Volk Speise kauften. Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern, dass sie sich reihenweise zu je fünfzig lagern sollten.
Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie. Und er brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie der Volksmenge vorlegten. Und sie aßen und wurden alle gesättigt. Und es wurde aufgehoben, was ihnen an Brocken übrig geblieben war: zwölf Handkörbe voll.
Und es geschah, als er für sich allein betete, waren die Jünger bei ihm. Und er fragte sie und sprach: Was sagen die Volksmengen, wer ich bin? Sie aber antworteten und sprachen: Johannes der Täufer; andere aber: Elija; andere aber, dass einer der alten Propheten auferstanden sei. Er sprach aber zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Petrus antwortete und sprach: Der Christus Gottes.
Er aber redete ihnen ernstlich zu und gebot ihnen, dies niemandem zu sagen, und sprach: Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet und am dritten Tag auferweckt werden.
Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert oder einbüßt? Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und in der des Vaters und der heiligen Engel.
Ich sage euch aber in Wahrheit: Es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.
Rückblick auf die erste Hälfte und die Frage der Textüberlieferung
Wir haben also letztes Mal schon einiges betrachtet, der Übersicht nach auch bis zum Berg der Verklärung. Wer heute Abend zum ersten Mal da ist und sich am Ende fragt, warum über dieses oder jenes nichts gesagt worden ist, dem sei gesagt: Über manches wurde letztes Mal bereits gesprochen. Man könnte es, wenn man möchte, im Livestream nachhören.
Gerade den ersten Abschnitt, Verse 1 bis 9, hatten wir schon letztes Mal betrachtet. Auf etwas möchte ich aber noch zurückkommen, was wir nicht gesehen haben. In Vers 3 sagt der Herr, je nach Bibelübersetzung: Nehmt nichts mit auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld; auch soll niemand zwei Unterkleider haben.
Jetzt vergleichen wir das mit Markus 6,8, das ist die Parallelstelle, und fragen: Was fällt im Vergleich auf? Kann jemand bitte vorlesen? Markus 6,8:
Und er gebot ihnen, dass sie nichts mit auf den Weg nehmen sollten als nur einen Stab, kein Brot, keine Tasche, keine Münze im Gürtel, sondern Sandalen untergebunden und zieht euch nicht zwei Unterkleider an.
Jawohl. Was fällt als Unterschied auf?
Mit einem Stab, und hier heißt es kein Stab.
Ja, jetzt die Lösung. Markus 6,8 sagt, sie sollen einen Stab mitnehmen, und so, wie ich es vorgelesen habe, heißt es: Nehmt nichts mit auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot. Beides stimmt. Dumm ist natürlich sehr postmodern; da können Widersprüche kein Problem mehr sein. Oder was meinst du? Beides kann stimmen: Er sagt, er nimmt einen Stab mit, und dann nimmt er keinen Stab mit. Es ist nicht dasselbe. In Lukas heißt es: weder Stab noch das andere.
Ja, aber jetzt konkret: Heißt es, sie sollen weder Stab noch das noch das mitnehmen? In Markus 6 steht, dass sie einen Stab mitnehmen sollen. Jetzt höre ich gerade, jemand hat gerufen: Ja.
In deiner Übersetzung steht eben nicht Stab in Lukas 9, sondern Stäbe in der Mehrzahl. Man kann mit seiner Übersetzung vergleichen. Jetzt: Was stimmt, Stab oder Stäbe?
Der Mehrheitstext, das ist die gewaltige Mehrheit der griechischen Handschriften. Wir besitzen heute ungefähr 5860 griechische Handschriften, von Fragmenten bis zu großen, umfassenden Handschriften. Und die Mehrheit, der Mehrheitstext, sagt hier: weder Stäbe, in der Mehrzahl. Also sollten sie nicht zwei oder noch mehr Stäbe mitnehmen. Stäbe ist ja Plural; Plural bedeutet zwei und mehr, so haben wir es in der Schule gelernt, nur hat der Lehrer das nicht ausdrücklich gesagt, aber das sollte es bedeuten.
Und in Markus sagt der Herr: einen Stab dürfen Sie mitnehmen. Aber der Nestle-Aland-Text, das ist der griechische Text, der sich auf eine Minderheit von Handschriften stützt, allerdings auf sehr alte, und das ist der Text, der heute an allen möglichen Bibelschulen und theologischen Ausbildungsstätten als der wissenschaftliche Text propagiert wird. Er beruht hauptsächlich auf den Handschriften Sinaiticus und Vaticanus und dann auf den alten Papyri aus dem zweiten Jahrhundert aus Ägypten. Und dort haben wir eben die Einzahl: weder Stab noch Tasche. Dann haben wir einen Widerspruch mit Markus 6. Im Mehrheitstext haben wir weder Stäbe, und dann gibt es keinen Widerspruch.
Nun ein anderes Beispiel. Zwischen diesen beiden Texten, Johannes 7, geht es um das Laubhüttenfest und die damals noch ungläubigen Halbbrüder des Herrn. Sie sagen dem Herrn, er solle doch auf das Fest gehen und sich dort zeigen und quasi seine Berühmtheit dort einsetzen.
Johannes 7, bitte ab Vers 3:
Es sprachen nun seine Brüder zu ihm: Zieh von hier fort und geh nach Judäa, dass auch deine Jünger deine Werke sehen, die du tust; denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht dabei selbst, öffentlich bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt. Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn. Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. Die Welt kann euch nicht hassen, mich aber hasst sie, weil ich von ihr zeuge, dass ihre Werke böse sind. Geht ihr hinauf zu diesem Fest? Ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt.
Jawohl, und dann bitte noch Vers 10.
Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren, da ging auch er hinauf zum Fest, nicht öffentlich, sondern wie im Verborgenen.
Danke. Also in Vers 8 sagt der Herr in der verlesenen Übersetzung: Ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest. Und in Vers 10 geht er hinauf zum Fest. Das ist ein Problem, oder? Wenn man sagt: Ich gehe nicht, und dann geht man doch, dann ist das ein Problem.
Im Mehrheitstext liest du, Schlachter?
Ich gehe noch nicht zu diesem Fest hinauf, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt.
Ja, dann steht es da, dann geht es auf. Der Herr sagte, dass er nicht gerade sofort zum Fest geht, erst dann, wenn der himmlische Vater ihm sagt, es ist der Zeitpunkt, um die Reise anzutreten, dann werde ich gehen. Und er geht hinauf. Das Problem ist also, dass der Nestle-Aland-Text den Herrn darstellt, als hätte er nicht die Wahrheit gesagt.
Noch ein Beispiel: Apostelgeschichte 13. Der Apostel Paulus predigt in der Synagoge in Antiochia in der Türkei. Und sagt, Edmund, könntest du lesen? Ab Vers 18, nachdem er vom Auszug aus Ägypten gesprochen hat, sagt er:
Der Gott dieses Volkes Israel erwählte unsere Väter und erhöhte das Volk in der Fremdlingschaft im Land Ägypten, und mit erhobenem Arm führte er sie von dort heraus. Und eine Zeit von etwa vierzig Jahren ertrug er sie in der Wüste. Und nachdem er sieben Nationen im Land Kanaan vertilgt hatte, ließ er sie deren Land erben für etwa vierhundertfünfzig Jahre, und danach gab er ihnen Richter bis zu Samuel, dem Propheten.
Ja, also was steht hier? Paulus hätte gepredigt: Nach dem Auszug aus Ägypten habe Gott Israel vierzig Jahre durch die Wüste geführt, und dann hätten sie das Land erobert. Und dann ließ Gott also dieses Land, die Nationen wurden besiegt, und Gott ließ sie das Land erben für vierhundertfünfzig Jahre. Und nachher gab er ihnen Richter bis auf Samuel. Ja, das bringt die ganze Chronologie der Bibel durcheinander. Das geht jetzt überhaupt nicht! Nicht wahr, das funktioniert überhaupt nicht.
Aber es ist ja so: Wenn man die Zahlen im Buch der Richter und Samuel zusammenrechnet, die Richter und die Fremdherrschaften, die da aufgeführt werden, die Zahlen werden ganz genau angegeben, am Schluss gibt es genau 450, also nicht etwa, sondern genau. Übrigens: Schon in der verlesenen Übersetzung in Vers 18 war ein kleiner Fehler, da heißt es: Und eine Zeit von etwa vierzig Jahren pflegte er sie in der Wüste. So hat das geheißen, nicht wahr? Das ist die revidierte Elberfelder.
Du hast mich jetzt dreimal widerlegt.
Ja, richtig. Du musst ja nicht mit allem identifizieren, aber etwa vierzig Jahre. Wenn man die Bibel liest, waren es im Alten Testament genau vierzig Jahre. Und es ist eben so eine grammatische Regel: hoos kann heißen etwa, wie usw. Aber hoos als temporale Partikel bedeutet während. Also man müsste korrekt übersetzen: und eine Zeit, und während einer Zeit von vierzig Jahren pflegte er sie in der Wüste. Und dann nicht etwa vierhundertfünfzig Jahre, sondern während 450 Jahren. Und zwar liest der Mehrheitstext Folgendes: Und nachdem er sieben Nationen im Land Kanaan vertilgt hatte, ließ er sie deren Land erben. Und danach, während 450 Jahren, gab er Richter bis auf Samuel, den Propheten. Und dann stimmt es.
Also der Mehrheitstext ist absolut korrekt und in Übereinstimmung mit dem Alten Testament, während der Nestle-Aland-Text historisch völlig daneben ist, also richtig falsch. Das sind jetzt nur ein paar Beispiele. Und vielleicht möchte ich noch darauf hinweisen, wie man testen kann, welcher dieser Texte, der Minderheitstext oder eben die Mehrheit der Handschriften, richtig ist.
Es ist so: 80 Prozent sind ja ohnehin genau dasselbe, zwischen Mehrheitstext und Nestle-Aland-Text. Da gibt es gar keine Diskussion. Und das nennt man in der Wissenschaft einen A-Text, da muss man gar nicht diskutieren. Der größte Teil ist schon gar keine Diskussion wert. Und dann gibt es eben die Stellen, wo man über die Unterschiede diskutieren muss.
Nun kann man eine Handschrift testen in ihrer Qualität, indem man eine Handschrift nimmt und schaut, wie oft sie den A-Text korrekt wiedergibt. Und nun nimmt man die großen Zeugen, Sinaiticus, diese Handschrift, die Tischendorf im Sinai gefunden hatte, und Vaticanus, das war eine Handschrift, die lange in der Bibliothek des Vatikans ungebraucht dort herumgestanden ist. Nun nimmt man die und schaut mal den A-Text an, dann sieht man: Das sind ja schlechte Handschriften! So oft irren sie sich im A-Text.
Und jetzt kann man Mehrheitstext-Handschriften nehmen, irgendeine unbekannte aus dem zwölften Jahrhundert, also sehr weit weg vom Original. Wow, der A-Text ist so präzise, so überwältigend genau wiedergegeben. Wie ist das möglich? Ja, weil es eben eine gute Textüberlieferung ist. Und das zeigt eben, wie verlässlich solche Mehrheitstext-Handschriften sind, nicht nur die berühmten, sondern eben auch eine ganz unbekannte kann man herausgreifen.
Und das hängt natürlich damit zusammen: Wenn eine Handschrift aus dem zwölften Jahrhundert stammt, heißt das nicht, dass sie einen Abstand von 1200 Jahren zum Original des Neuen Testaments hat. Denn oft haben die Abschreiber natürlich schon ganz alte Vorlagen genommen. Sagen wir, eine Handschrift aus dem dritten Jahrhundert und dann kopierend. Nicht wahr, dann ist das eben nicht über Generation, Generation, Generation gegangen, sondern die konnten auf ganz alte Handschriften zugreifen, die heute nicht mehr existieren. Und das erklärt, warum sie eben auch in sehr später Zeit so genau sein können.
Und eben wenn der A-Text so genau wiedergegeben wird, dann sind das Handschriften, bei denen man sagen muss: Das sind glaubwürdige Zeugen. Und diese glaubwürdigen Zeugen, die sagen Stäbe in Lukas 6, die sagen: Ich gehe noch nicht hinauf, die sagen: ließ er das Land erben, und danach, während 450 Jahren, gab er ihnen Richter bis auf Samuel, den Propheten, usw.
Also das war jetzt so ein kleiner Einschub zu diesem Thema, weil das immer wieder einmal Fragen aufwirft. Aber wer das ausführlicher hören möchte: Es gibt im Internet von mir auch einen speziellen Vortrag über die Frage, welcher griechische Text der richtige Text ist.
Ja, Carlo?
Aber ich frage mich, wieso wird der Mehrheitstext, wenn er so genau ist, so stark angegriffen?
Warum wird der Mehrheitstext so stark angegriffen? Muss man geschichtlich anschauen. Im 19. Jahrhundert gab es eben Gelehrte, die gesagt haben: Diese Handschriften, die wir bis heute haben, sind nicht so uralt. Wir sollten frühere haben, um einen besseren Text zur Verfügung zu haben. Und das war dann das Anliegen von Tischendorf.
Und nach Tischendorf haben zwei Gelehrte in England, Westcott und Hort, sich gesagt: Jawohl, dieser frühe Text aus Ägypten, das ist der richtige! Und die haben eine große Arbeit gemacht und den Mehrheitstext total in Verruf gebracht. Und die haben gesagt: Nehmen wir tausend Mehrheitstext-Handschriften, die so genau übereinstimmen, das ist das Typische, sehr stark übereinstimmen. Die haben gesagt: Das sind nicht tausend Zeugen, sondern das ist einfach tausendmal derselbe Zeuge. Die haben einfach von einem bestimmten Punkt abgeschrieben, und darum ist das alles dasselbe.
Das ist so ähnlich wie Strawinsky über Vivaldi. Vivaldi hat doch so viele Konzerte geschrieben, besonders Violinkonzerte, aber dann auch Trompetenkonzerte, Flötenkonzerte und Mandolinenkonzerte, und zwar etwa 500 ungefähr. Strawinsky sagte: Der hat nicht 500 Konzerte geschrieben, sondern 500-mal dasselbe. Ja, natürlich, weil sie sich schon ziemlich gleichen. Und so sagten Westcott und Hort: Das sind nicht so viele Zeugen, sondern das ist einfach ein Zeuge, die haben einfach dasselbe.
Und jetzt ganz wichtig: Die haben gesagt, etwa im vierten Jahrhundert habe die Kirche eine totale Revision vorgenommen des griechischen Textes, und dann hätte man eben diese frühen Handschriften vernichtet. Und ab da war nur noch dieser offizielle Text der Kirche der Standardtext, und dann haben alle treu diesen Text abgeschrieben.
So, jetzt sind wir heute natürlich weit über hundert Jahre nach Westcott und Hort, und wir können ganz entspannt zurücklehnen. Heute an den Hochschulen wird man kaum je noch einen Dozenten finden, der behauptet, im vierten Jahrhundert habe es eine Revision der Bibel gegeben. Warum? Weil es keine gegeben hat. Also historisch, das hat es gar nie gegeben, das war eine Erfindung.
Und nun dreht sich natürlich der Spieß. Wenn es keine Revision gegeben hat, dann muss man sich fragen: Aber wieso sind denn die Handschriften später immer trotzdem so einheitlich? Was ist der Grund?
Wenn man heute mit Wissenschaftlern spricht, die etwas von der Sache verstehen, es gibt auch manche, die kennen sich gar nicht wirklich aus. Aber eben solche, die wirklich etwas verstehen, und die Vertreter von Nestle-Aland sind, die würden dir, Carlo, wohl sagen: Das muss man mit einer Entwicklungstheorie erklären. Es hat eine Entwicklung gegeben, dass es mit der Zeit immer mehr eine Anpassung der Handschriften gab. Also in einem Entwicklungsgang waren sie zuerst sehr abweichend, und dann hat man sich immer mehr geeinigt und irgendwie einen Standardtext entwickelt.
Schön, das ist typisch Historiker oder viele Theologen, nicht alle, aber die so denken. Weil wir Naturwissenschaftler sagen: Das geht ja gar nicht. Man möchte mir zeigen, wie man das in der Statistik machen kann, dass Texte mit der Zeit ähnlicher werden durchs Abschreiben. Es gibt nur das Umgekehrte: Durchs Abschreiben werden Texte immer unähnlicher und weichen voneinander ab, weil es mit jeder Generation wieder neue Abschreibfehler dazugibt. Und nun ist genau das Gegenteil der Fall. Und das kann man nicht erklären mit einer historischen Anpassung in der Entwicklung. Aber es gibt auch keine Revision, die könnte es erklären, nicht wahr? Aber es hat keine Revision gegeben.
Und jetzt muss man noch Folgendes sagen: Gerade diese alten Papyri, auf die man sich beruft, die kommen aus Ägypten. Und Ägypten hat nie originale Schriften des Neuen Testaments bekommen. Nicht wahr, welchen Brief hätte Paulus nach Ägypten geschickt? In die Türkei: ja natürlich, Epheserbrief, Kolosserbrief, Johannes die Offenbarung. Und nach Griechenland: die thessalonischen Briefe, erster und zweiter Korintherbrief. Und nach Italien, nach Rom.
Und das Interessante ist: Diese Mehrheitstext-Handschriften, die kommen speziell aus diesem Raum, eben nicht aus Ägypten, sondern aus diesem Raum: Italien, Griechenland, Türkei. Diese Länder haben ein Problem: Die sind nicht so trocken wie Ägypten. Darum können alte Handschriften besser überleben in der Trockenheit von Ägypten. Darum sind die Handschriften ein bisschen weniger alt, die ältesten vom Mehrheitstext als diese ägyptischen. Aber die haben über lange Zeit hinweg die Vorlagen original noch gehabt.
Der Römerbrief in Rom, der wurde nicht zerrissen, nachdem man ihn einmal vorgelesen hatte, nicht wahr, den gab es noch, wohl als Papyrushandschrift. Und die Papyrushandschrift kann gut ein, zwei, drei, vierhundert Jahre überleben. Und so konnte man die Römerbrief-Handschriften immer wieder eichen am Original. Und genau so konnte man nach Korinth gehen und dort die Korintherbriefe eichen. Darum hat das in diesem Bereich eine solche Stabilität reingebracht.
Während das, schreibt Aland selbst in seinem Werk Das Neue Testament, also die Handschriften des Neuen Testaments, da schreibt er: Die Handschriften Ägyptens, diese Papyri, die haben einen fließenden Text. Das heißt, die sind alle so im Vergleich in Bewegung, eben nicht so einheitlich. Warum? Weil sie nichts hatten, woran sie sich eichen konnten. Wenn man in dem Zweifelsfall jetzt ein Wort reingeraten ist von einem Abschreiber, ja, jetzt, ist das richtig oder nicht? Ja, zur Sicherheit schreiben wir es ab. Ja, und so hat sich das erhalten. Und der andere hat eine Handschrift, da ist es nicht drin, zur Sicherheit schreibe ich es nicht ab. Und so ist der Text dort beweglich. Und das erklärt sich genau aus diesem Grund: Es gab keine Originale mehr.
Heute haben wir gar keine Originale mehr. Aber in den ersten Jahrhunderten können wir davon ausgehen, dass diese Originale noch verfügbar waren. Also ganz ähnlich wie im Judentum. Dort hatte man im Tempel in Jerusalem die allerbesten Handschriften. Wenn jemand Zweifel hatte in seiner Synagoge, ob das stimmt, konnte er die Handschrift beim nächsten Besuch in Jerusalem mitnehmen und dort eichen. Darum sind auch im Alten Testament Handschriften, die entstanden sind weit weg von Jerusalem, tendenziell die schlechtesten. Und die, die entstanden sind eben im Umfeld des Tempels, dort finden wir den besten Text. Das ist der masoretische Text.
Da hinten war noch eine Frage.
Okay, also ja, jetzt sind wir alles auf diesen Exkurs gekommen, nur wegen Vers 3: Stäbe.
Und dann hatten wir noch etwas nicht behandelt letztes Mal: Herodes, der Vierfürst, in Vers 7. Der hörte von all dem, was geschehen war, in Verbindung mit dem Herrn Jesus, und er wurde ganz unruhig, verwirrt. Ja, das ist dieser Teil: Herodes ist verwirrt über die Person Jesu. Wer ist er? Und er hat den Wunsch, Jesus Christus zu sehen.
Herodes, seine Unruhe und die spätere Begegnung mit Jesus
Aber erst später, wieder im Lukasevangelium, kommt es dann tatsächlich zu einer Begegnung mit dem Herrn Jesus.
Schlagen wir Lukas 23 auf. Der Herr Jesus war in einer ersten Prozessphase vor Pilatus, und dann hat Pilatus realisiert: Dieser Jesus von Nazareth kommt ja aus Galiläa. Für dieses Gebiet bin ich als Prokurator von Judäa gar nicht zuständig, sondern dafür ist der Tetrarch zuständig, also eine Art Unterkönig, ein Sohn von Herodes, dem Kindermörder von Bethlehem, Herodes dem Großen: Herodes Antipas. Und der war damals gerade wegen des Passerfests in Jerusalem. Dann sagte er sich: Er soll sich um diesen Prozessfall kümmern, damit ich mir nicht die Hände daran verbrenne.
Und dann kann uns Edmund Lukas 23,6-12 vorlesen:
Als aber Pilatus von Galiläa hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer sei. Und als er erfahren hatte, dass er aus dem Machtbereich des Herodes sei, sandte er ihn zu Herodes, der auch selbst in jenen Tagen in Jerusalem war.
Vielleicht für die, die schon in Jerusalem waren: Der Palast, das Prätorium von Pontius Pilatus, war beim Jaffa-Tor, dort, wo das heutige Jerusalem-Museum ist. Herodes hatte seinen Palast im heutigen jüdischen Quartier, und zwar gerade dort bei dem grossen Innenplatz vor der Churva-Synagoge. Und zwar dort, Richtung Klagemauer, gerade unter der Bank, die dort ist, also der Geldbank, ja. Und ein Archäologe, der dort gearbeitet hat, hat dann diese Bodensteine gefunden, die man dort gefunden hat, von seinem Palastinnenhof. Es ist schade, wenn die Bank darüber gebaut wird. Er hat sie dann verschoben auf den Platz gerade da beim Kaffee als Bodensteine auf dem Innenplatz im jüdischen Viertel. Dort sieht man also noch die Spuren vom Palast von Herodes.
Und da die zweite Prozessphase, bitte:
Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr. Denn er wünschte schon seit langer Zeit, ihn zu sehen, weil er vieles über ihn gehört hatte, und er hoffte, irgendein Zeichen durch ihn geschehen zu sehen. Er befragte ihn aber mit vielen Worten; er jedoch antwortete ihm nichts. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten standen nun auf und verklagten ihn heftig. Als aber Herodes mit seinen Kriegsleuten ihn geringschätzig behandelt und verspottet hatte, warf er ihm ein glänzendes Gewand um und sandte ihn zu Pilatus zurück. Pilatus und Herodes aber wurden an jenem Tag Freunde miteinander, denn vorher waren sie gegeneinander in Feindschaft.
Danke, schrecklich! Jetzt kommt der Moment, auf den er schon so lange gewartet hat. Jetzt kann er Jesus Christus erleben und endlich vielleicht ein Wunderzeichen sehen. Das war ihm ja wichtig. Aber in der Zwischenzeit ist einiges geschehen, in der ganzen Zeit vorher, nicht wahr?
Der Prophet Johannes, der Täufer, hatte Herodes immer wieder darauf hingewiesen, dass seine Ehe illegal ist. Er hatte ja seine Frau entlassen, die Scheidung eingereicht, weil er die Schwester seines Bruders heiraten wollte. Er hatte die Schwester, die Frau seines Bruders, heiraten wollen und also nochmals eine Ehe gebrochen und pervers, also eine Schwägerin so aus der Ehe herausgelöst und für sich genommen. Und Johannes hat ihm immer wieder, in Griechisch ist es ein Durativ, in Matthäus 14, gesagt: Du darfst diese Frau nicht haben. Immer wieder etwas gesagt. Und das hat ihn so genervt, dass er schliesslich Johannes in den Kerker steckte. Das hatten wir ja auch schon in Lukas in den früheren Kapiteln gesehen.
Und dann kam der Geburtstag von Herodes. Und da tanzte die Tochter der Herodias, eben dieser illegalen Frau, und das gefiel dem Herodes. Und er sagte: Du kannst dir etwas wünschen, bis zur Hälfte des Königreiches. Okay. Und dann sagt die Mutter: Weisst du, was du wünschst? Den Kopf von Johannes. Und dann hat er ihn köpfen lassen, um moralisch sein Versprechen einzuhalten, nicht wahr? Dieser unmoralische Mann, welche Versprechen hat er eingehalten, nicht wahr? Und jetzt will er sein Versprechen einhalten und köpft Johannes.
Also, dieser Mann hat immer wieder ganz klar Hinweise bekommen auf sein sündiges Leben, dass er umkehren muss. Und jetzt sieht er Jesus, und Jesus Christus antwortet ihm nichts. Was bedeutet das? Die Gnadenzeit für Herodes war abgelaufen. Gott spricht mit jedem Menschen. Er lässt niemanden aussen vor, übergeht niemanden, sondern Hiob 33 sagt, dass Gott mindestens mit jedem Menschen zwei-, dreimal spricht, um ihn abzuhalten von dem Rennen ins Geschoss. Aber es kann auch mehr sein. Nicht wahr, der Pharao in Ägypten, der hat zweimal, dreimal sein Herz verhärtet bei all diesen deutlichen Beweisen Gottes durch Zeichen und Wunder, und dann hat Gott sein Herz verhärtet. Da war die Gnadenzeit vorbei, und hier auch. Und darum hat der Herr nichts mehr geantwortet. Das ist richtig schrecklich. Und dann entsteht eine Freundschaft mit Pilatus.
Ja, Christoph, für wen hat Herodes Jesus gehalten?
In Ithias gab es ja den Kindermord, wo er den König vernichten wollte, das kleine Kind.
Ja, aber das war sein Vater. Genau, Herodes der Grosse.
Und jetzt, für wen hat Herodes Jesus gehalten? Für einen Propheten, oder wie Johannes? Oder hat er schon irgendwie gedacht, dass er gleich ihm sein Königtum abstreitig machen wird?
Ja, es ist so: Herodes der Vierfürst, Lukas 9,7, hat gehört, dass gewisse Leute sagen, das sei Johannes, der aus den Toten auferstanden ist. Also, der hat sich gefragt: Ist das vielleicht Johannes, den ich geköpft habe? Und jetzt lebt er wieder. Muss man sich vorstellen, das ist der König, ja? Und jetzt hat er diesen Propheten, der ankündigt, dass Jesus Christus der wahre König von Gott ist. Diesen Propheten hat er getötet, aber jetzt lebt er wieder. Ja, dann merkt er: Das Reich Gottes, das ist ganz gefährlich für seine Macht. Denn diese gefährlichen Leute vom Reich Gottes kann man umbringen, und dann leben die plötzlich wieder. Sehr, sehr furchterweckend für jemanden, der an der Macht bleiben möchte.
Und wir haben ja gesehen, es geht hier in diesem Abschnitt ganz speziell um das Reich Gottes. Und darum wird hier eben Herodes erwähnt. Er meint vielleicht, oder es gab ja auch andere, die sagten, das ist Elija, der wiedergekommen ist, oder sonst einer der alten Propheten. Aber eben, er wollte wissen: Wer ist dieser? Das ist zwar die beste Frage, die es gibt: Wer ist Jesus Christus? Vers 9. Aber eben, hätte er auf all diese Ermahnungen gehört und sein Leben mit Gott in Ordnung gebracht, dann wäre die Tür offen gewesen, dass der Herr Jesus dann mit ihm sprechen würde. Aber der Moment kam: Der Herr hat nicht mehr mit ihm gesprochen.
Und übrigens hat Herodes ihm zum Spott ein glänzendes Gewand angezogen. Was hat das zu bedeuten? Wieso hat er das gemacht? Wegen dem König ein glänzendes Gewand? Ja, er wusste, dass er als König der Juden bekannt war, ja. Gold steht nicht glänzend, und das bedeutet eigentlich weiss, ein weisses Gewand. Ja, oder fast königlich. Es ist nämlich ein weisses Gewand, und das ist eine Toga candida, wie die Römer das nannten. Das ist die typische Bekleidung für jemanden, der gerne König werden möchte oder sonst ein hohes Amt. Wer Amtsbewerber war, trug die weisse Toga. Und von daher kommt übrigens unser Wort Kandidat. Kandidat kommt von candida, weiss auf Lateinisch. Also, der Kandidat hat dieses weisse Kleid, und damit wollte Herodes spotten: Seht ihr, dieser Mann aus Galiläa möchte gern König sein. Aber er schickt ihn dann zurück zu Pilatus, damit er den tödlichen Prozess zu Ende führt.
Ja, glänzendes Gewand oder weisses, der Sinn ist ein strahlend weisses Gewand.
Wie heisst es im Originaltext?
Ich müsste kurz nachschauen, mache ich nachher, um keine Zeit zu verlieren.
Ja gut, gehen wir weiter. Dann haben wir die Jünger in Vers 10, die kommen von ihrer Aussendung, wo sie das Reich Gottes verkündigen sollten, kommen sie zurück und erzählen alles dem Herrn Jesus, was sie erlebt haben. Aber dann kommen auch andere Leute, eine grosse Volksmenge. Und schön: Der Herr Jesus konzentriert sich nicht nur auf diese auserwählten zwölf Apostel, sondern er hat immer ein offenes Herz, wenn alle anderen kommen.
Wir werden später im Text sehen, in Teil A, wo es auch um Anweisungen an die Zwölf geht, dort in dem entsprechenden Abschnitt am Schluss C-Strich-A-Strich, sollte das sein A-Strich, das entspricht eben hier: Der Herr Jesus gibt den Zwölfen Macht über die Dämonen. Ja, und da in diesem Abschnitt sehen die Jünger jemand anders, der im Namen Jesu Dämonen austreibt, und sie möchten gerne, dass der Herr ihnen das verbietet, ja. Aber der Herr sagt: Lasst ihn. Und er akzeptiert diesen anderen, der das richtig im Namen des Herrn gemacht hat.
Also, da geht es um jemanden anders, der Macht über die Dämonen hat, und wir sehen eben: Der Herr Jesus ist nicht nur auf die Zwölf konzentriert, sondern er ist bereit, auch die anderen zu sehen. Und auch hier in Vers 11 sieht er eben diese Volksmenge, nimmt sie auf und predigt über das Reich Gottes. Es geht um das Reich Gottes hier.
Und jetzt kommt diese wunderbare Geschichte mit der Vermehrung der fünf Brote und zwei Fische. Was bedeutet diese Geschichte im Zusammenhang mit dem Thema des Reiches Gottes? Warum wird die da vorgestellt?
Die Speisung der Fünftausend als Hinweis auf das Reich Gottes
Wir können in Psalm 132, Vers 15 aufschlagen. Dieser Psalm ist sehr wichtig im Zusammenhang mit dem Thema des Messias, denn in diesem Psalm verspricht Gott, dass der Messias als Frucht seines Leibes von König David abstammen wird, Psalm 132, Vers 11.
Jemand soll vorlesen, Vers 15, vielleicht schon Verse 13 bis 15:
Denn der Herr hat Zion erwählt, hat es begehrt zu seiner Wohnstätte.
Dies ist meine Ruhestatt für immer, hier will ich wohnen; denn ich habe sie begehrt.
Ihre Speise will ich reichlich segnen, ihre Armen mit Brot sättigen.
Jawohl, also es geht um den Messias. Es geht in diesem Psalm darum, dass Gott die Königswürde des Hauses Davids bis ans Ende erhalten wird. Und der letzte König aus dem Haus Davids, der über diese Erde regieren wird, das ist der Herr Jesus, wenn er das Reich Gottes hier aufrichten wird, das tausendjährige Friedensreich. Dann wird es keine hungrigen Menschen mehr geben. Alle werden genug zu essen haben.
Wir wissen: Heute Abend gehen etwa 800 Millionen bis eine Milliarde Menschen mit Hunger ins Bett. Oder vielleicht spüren sie den Hunger nicht mehr, sie sind einfach unterernährt. Unglaublich, eine Milliarde Menschen! Und wir haben eine UNO, die so organisiert ist, dass die meisten Nationen der Welt dazugehören. Sie wollen den Weltfrieden anstreben, und sie wollen all diese großen Probleme der Menschheit gemeinsam mit gemeinsamen Kräften angehen und, wenn irgendwie möglich, lösen. Aber der Hunger wird nicht gelöst.
Wir wissen, schon für das Jahr 2000 gab es diese Millennium-Ziele, die man erreichen wollte, und es geht nicht vorwärts. Aber eben, das ist eine so wichtige Prophetie: Seine Armen will ich mit Brot sättigen. Der wahre König der Könige wird einmal alle Probleme lösen.
In Jesaja 9,6 heißt es von ihm: Und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, nicht wahr? Auf seinen mächtigen Schultern wird er alle Probleme der Welt lösen. Und es ist doch schön, daran zu denken: Der Hebräerbrief sagt, dass dieser selbe König unser Hohepriester ist. Und was trägt der Hohepriester im Alten Testament auf den Schultern? Zwei Edelsteine, Onyxsteine, mit den Namen der Söhne Israels, sechs hier, sechs hier. Das bedeutet: Er trägt sein ganzes Volk auf den Schultern.
Wir können wissen: Schon heute sind wir auf den starken Schultern des Herrn Jesus, auf den Schultern dessen, der in der Zukunft alle Probleme der Welt lösen wird. Das Problem des Hungers, das Problem der sozialen Ungerechtigkeit, das Problem des Krieges, das Problem der Naturkatastrophen und Seuchen und so weiter und so fort. Alles wird er lösen: Seine Armen will ich mit Brot sättigen.
Und dann noch dazu aus Psalm 146. Man kann daran denken: Die letzten Psalmen im Psalmenbuch sind ganz besonders ausgerichtet, fokussiert auf das tausendjährige Friedensreich des Messias. Und was steht da? Edmund, lies du uns vor, Vers 5 und folgende:
Glücklich der, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, dessen Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, steht,
der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was in ihnen ist,
der Treue hält auf ewig.
Er schafft Recht den Bedrückten, er gibt den Hungrigen Brot.
Der Herr macht die Gefangenen frei, der Herr öffnet die Augen der Blinden, der Herr richtet die Gebeugten auf, der Herr liebt die Gerechten.
Und dann noch den letzten Vers, Vers 10:
Der Herr wird regieren in Ewigkeit.
Dein Gott, Zion, von Geschlecht zu Geschlecht. Halleluja!
Ja, sehen wir, wir sind da im Reich Gottes. Das ewige Reich des Herrn Jesus, das wird tausend Jahre umfassen, und dann macht Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde, und da geht es weiter. Und darum wird es auch genannt das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, 2. Petrus 1.
Also, auch da, unter all dem, was der Herr tun wird: Alle Kranken werden geheilt werden, es wird keine Blinden mehr geben. Der Herr öffnet die Augen der Blinden, und eben keine Hungrigen mehr. Und darum haben wir hier den, der Brot gibt den Hungrigen.
Und so war dieses Ereignis der Speisung der 5.000 etwas ganz Wichtiges, um zu zeigen: Jesus Christus ist der Messias. Das ist der Mann, der einmal all diese Erwartungen in Verbindung mit dem Reich Gottes erfüllen wird.
Das Brot vom Himmel und die geistliche Bedeutung im Johannesevangelium
Im Johannesevangelium wird das auch berichtet, nicht nur dort, aber eben auch zum Beispiel im Johannesevangelium. Und dort wird es ganz anders dargestellt, das heißt anders, in dem Sinn, dass der Akzent anders gesetzt wird.
In Johannes 6 wird dieses Wunder aufgeschrieben. Dann wird beschrieben, wie der Herr Jesus in der Synagoge von Kapernaum gepredigt hat. Dort sagt er: „Ich bin das Brot, das aus dem Himmel kommt und der Welt das Leben gibt. Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“
Da stellt er vor, dass er das wahre Brot ist, das Brot aus dem Himmel. Und nicht wahr, der Herr Jesus wurde geboren in Bethlehem. Jawohl, genau! Aufpassen: Wenn man einem Araber sagt, das heißt Brothausen, dann sagt er: Nein, das heißt Haus des Fleisches. Mit Lachm, Lachm heißt auf Arabisch Fleisch. Aber auf Hebräisch ist das entsprechende Lechem, Lechem, und das ist Brot. Ja, also auf Hebräisch ist es Brot, und darum ist Bethlehem eben nicht eine arabische Stadt. Auch wenn sie jetzt in die palästinensische Autonomie gegeben ist, es ist eine hebräische Stadt, und es bedeutet Brothausen.
Ja, und darum: Der, der in Brothausen geboren worden ist, das ist der, der das Brot aus dem Himmel ist. Aber eben, dieser Aspekt wird uns wunderbar erläutert und aufgezeigt im Johannesevangelium. Und hier geht es eben ganz speziell um den Gedanken des Reiches Gottes.
Verzeihung, ja, Philipp? Diese Stelle mit dem Brot, ist das wie eine Prophezeiung aus dem, also erfüllt die Prophezeiung schon nicht so, aus dem in dem Manna? Das Brot vom Himmel?
Ja, natürlich, das hat zu tun, Johannes 6, mit dem Manna vom Himmel. Und das sagt der Herr Jesus auch in dieser Predigt. Er sagt: Eure Väter haben das Manna gegessen in dem Himmel, dieses Brot aus dem Himmel. Und erklärt dann eben, dass das eben auch nur etwas Bildliches war, das eben auf ihn hingewiesen hat.
Jawohl, schon das Manna war ein Hinweis auf den Messias, das Brot aus dem Himmel. Johannes 6 hat nichts mit dem Abendmahl zu tun. Das Abendmahl gab es damals gar noch nicht. Und der Herr hat einfach erklärt, was es bedeutet, eben ihn als das Brot im Glauben aufzunehmen. Es geht da nicht um etwas Rituelles, also rituell im Sinne von etwa einer symbolischen Handlung wie beim Abendmahl, sondern es geht dort wirklich darum, den Herrn Jesus als Erlöser aufzunehmen. Das heißt essen, nicht nur schmecken, sondern essen. „Wer von diesem Brot isst“, sagt Johannes 6, und das ist ein Aorist im Griechischen, das heißt, der Akt des Essens vollzieht sich. „Wird leben in Ewigkeit.“
Und dann aber, das möchte ich vielleicht noch zeigen: Johannes 6 können wir trotzdem aufschlagen. Nicht wahr, es hat einen Grund, warum wir vier Evangelien haben, und wir müssen die Schönheit jedes Evangeliums für sich sehen. Zusätzlich ist es bereichernd, wenn wir die Evangelien dann auch miteinander vergleichen.
Also in Johannes 6 sagt der Herr Jesus in Vers 51: „Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit.“
Ja, bleiben wir stehend! Also hier steht: „Wenn jemand von diesem Brot isst“, das ist Aorist, den Akt als punktuelle Handlung vollzieht, essen, den Herrn Jesus in der Bekehrung aufnehmen, als seinen persönlichen Erlöser, so wird er leben in Ewigkeit.
Aber dann haben wir etwas anderes in Vers 54: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag; denn mein Fleisch ist wahre Speise und mein Blut ist wahrer Trank.“
Ja, jetzt sieht man: Im Deutschen steht doch genau dasselbe Wort da, „wer mein Fleisch isst“. Ja, im Griechischen ist es Präsens, oder besser gesagt Durativ. Aber eben, auf Deutsch ist es dasselbe Wort, das will ich sagen, wie in Vers 51: „von diesem Brot isst“. Aber auf Griechisch sind es verschiedene Verbformen, also Vers 51 punktuell, Vers 54 durativ.
Und der Unterschied ist der: Durativ bedeutet, etwas immer wieder tun. Hier in Vers 51 geht es um die Bekehrung. Man muss sich an einem bestimmten Tag bekehren und Jesus Christus aufnehmen als seinen Erlöser, dieses Brot essen, ihn als seinen persönlichen Erlöser annehmen. Aber Vers 54 spricht von einem Gläubigen, der sich ständig von Jesus Christus als Erlöser geistlich ernährt.
Also: Wer mein Fleisch immer wieder isst und mein Blut immer wieder trinkt, hat ewiges Leben. Es heißt nicht: bekommt ewiges Leben, sondern hat. Auch intuitiv, das ist einer, der das ewige Leben besitzt. Und das kann man daran erkennen, dass er sich eben von Jesus Christus nährt.
Verzeihung, Philipp. Gegessen hat, das heißt, es bezieht sich auf die Bekehrung, der den Herrn angenommen hat?
Ja, eben, die haben diesen Punktual dort in der Fußnote mit Vergangenheit übersetzt, ist aber nicht nötig und auch nicht unbedingt richtig, weil es ein Aoristkonjunktiv ist und er hat keine Zeitbedeutung, für die, die Griechisch können. Das Griechische hat Zeitbedeutung in der Wirklichkeitsform, ja, aber im Konjunktiv nicht, in den Partizipien auch nicht. Da drückt es nur aus, ob es punktuell ist oder fortdauernd, und es gibt noch mehr. Das heißt: einmal.
Ja, genau, einmal essen.
Die Erklärung von der Fußnote heißt einfach, das heißt annehmen, und dann umfassen sich, ist es immer weniger, während sich daran eingebunden.
Korrekt. Genau wie ich es so gesagt habe. Du hast verstanden.
Ja. Also man könnte so sagen: Wer diesen einmaligen Akt gemacht hat, Jesus Christus in seinem Leben aufgenommen hat, bei dem ist das Siegel, das Kennzeichen, dass er wirklich durchgedrungen ist, dass er ständig sich vom Wort Gottes ernährt.
Ja, ganz genau. Wenn du jemandem begegnest, der sagt: Ich bin Christ, und dann fragst du: Wann hast du das letzte Mal die Bibel gelesen? Wenn ich das wüsste! Ja, und hast du ein Verlangen, mit Gläubigen zusammen zu sein und an Gemeindeveranstaltungen teilzunehmen? Braucht’s doch gar nicht, das kann doch auch ein Christ alleine. Und übrigens kann man auch auf die Berge gehen. Ja, aber fehlt dir dann nichts, wenn du keine biblische Predigt hörst, und du merkst, da ist kein Hunger da? Das ist doch, da haben wir überhaupt keinen Grund zu denken, dass so jemand ein ewiges Leben hat.
Das ist ein bekennender Christ, aber ein Christ zu sein, ein echter Christ, ist etwas anderes. Der ernährt sich, das gehört dazu. Genauso wie wir uns auch nicht überlegen, ob wir morgen, ja doch, Frühstück schon, aber das hat mit etwas anderem zu tun, müssen wir früher aufstehen, aber es ist doch keine Option, jetzt morgen Mittagessen oder nicht, oder morgen überhaupt essen oder nicht. Es ist keine Option, ja?
Und so ist es im Geistlichen auch keine Option. Der Gläubige nicht, weil er muss, die Bibel lesen muss, sondern weil er einfach das Bedürfnis hat. In Psalm 1 steht von dem Gottesfürchtigen, der seine Freude hat am Gesetz des Herrn, und darüber sinnt er Tag und Nacht. Die Sekte von Qumran, die hat in ihrer Sektenregel die Regel eingerichtet, man muss ein Drittel der Nacht benutzen, um die Bibel zu lesen. Aber eben, der Gott führt ja nicht ein Gebot ein. Aber man erwacht nachts und kann vielleicht nicht gerade wieder einschlafen, dann denkt man über diese schöne Bibelstelle nach, und ja, einfach aus Freude, nicht weil man muss. Aber wenn man Hunger hat, da kann man nicht anders.
Ja.
Ja, genau. Ja, die Israeliten haben jeden Tag das Manna gegessen, und das Manna heißt wörtlich übersetzt: Was ist das? Und so muss man die Bibel jeden Tag lesen und fragen: Was bedeutet das? Was sagt diese Stelle über die Herrlichkeit des Herrn Jesus?
Oder zum Beispiel diese, um zum Schluss zu kommen: Warum heißt es da in Vers 16, er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie? Und er brach sie und gab sie den Jüngern. Warum steht hier, er segnete sie?
Weil der Herr Jesus vor dem Essen gebetet hat. Sein Beispiel zeigt, warum wir vor dem Essen beten. Das ist völlig klar. Wir haben das immer so gemacht. Wenn ein Kind selber anfängt mit Essen: Bist du ein Heide? Es ist doch so selbstverständlich, das, was der Herr Jesus gemacht hat, machen wir auch.
Und eben, wir segnen das Essen, indem wir Gott dafür danken und um seinen Segen bitten. So wird das Essen gesegnet, mit Blick zum Himmel. Das ist interessant: Der Jesus schaute so zum Himmel, und das ist doch auffällig. Tiere, wer hat schon mal eine Kuh gesehen, die so zwischendurch mal beim Wiederkäuen, wow, ja, Tiere schauen nicht zum Himmel. Das ist wirklich etwas typisch Menschliches, und der Jesus hat zum Himmel geschaut. Und das drückt aus eben seine lebendige Verbindung mit dem Vater.
Ja, da war noch eine Frage, obwohl wir eine Minute schon Überzeit haben. Ich habe jetzt mal den Begriff gelesen, Biblizismus, dass gerade Konservative nur an die Bibel sich klammern, und ich habe mir gerade überlegt, ich begegne manchen Christen ... Klar machen, warum das Wort Gottes wichtiger ist als die Erfahrung, dass es mehr Autorität hat als die persönliche Erfahrung eines einzelnen Christen. Diese Frage, wie kann man jemandem zeigen, dass die Bibel wichtiger ist als persönliche Erfahrung, würde ich gerne nicht in einem Satz beantworten. Wollen wir die für nächstes Mal mitnehmen? Aber du musst dich erinnern, ich werde es garantiert vergessen.
Good!
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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