
Herzlich willkommen zum Wortreich Podcast. Ich bin Jojo, und ich bin Markus. Gemeinsam sprechen, diskutieren und philosophieren wir über christliche Themen, die dich heute beschäftigen.
Viel Freude beim Zuhören der heutigen Folge.
So, da sind wir wieder, Markus. Also, heute geht es um das Thema Busse.
Es ist ein Wort, das einfach sehr alt klingt. Ich kann mich nicht erinnern, vor meiner Zeit bei JFC jemals wirklich etwas über Busse gehört zu haben. Vielleicht beim Begriff „Bus und Betag“. Stimmt, da ist es drin. Ich glaube, in der Schule gab es früher manchmal einen freien Tag, und man wusste gar nicht genau, wofür. Das ist mittlerweile auch schon abgeschafft. Schade, keine Busse mehr notwendig in Deutschland. Keine Busse mehr.
Aber was ist das eigentlich? Das ist ein Thema, über das wir heute mal ein bisschen reden wollen. Was würdest du sagen, wenn dich jemand fragt, der kein Christ ist: Was bedeutet Busse?
Das ist total schwierig. Aber ich habe noch überlegt, wo man das Wort noch kennt. Zum Beispiel in dem Ausdruck, wenn jemand seine Strafe „verbüsst“. Im Verb „verbüssen“ ist es noch drin. Da heißt es, ich muss für meine Schuld, die ich getan habe, für mein Verbrechen oder Ähnliches etwas bezahlen oder absitzen. Es ist also eine Art Wiedergutmachung.
Im besten Fall, wenn man sagt, jemand hat seine Strafe verbüsst, dann nimmt man ihn wieder an. Dann ist es auch gut, dann ist es gesühnt – ein schwieriges Wort, aber es bedeutet, dass es vorüber ist und wieder gut ist.
Insofern kann ich mir auch Busse so erklären: Busse ist notwendig, um ein Übel, das man selbst verursacht hat, zu bereinigen. Im christlichen Sinne ist es unsere Sünde, die wieder gutgemacht werden muss. Und um dahin zu kommen, ist Busse notwendig.
Ich glaube, ein großes Problem ist, dass das Thema in der christlichen Welt oft abgekürzt wird. Wir sagen: Dafür ist Jesus am Kreuz gestorben, er hat die Schuld auf sich genommen, es ist vollbracht. Das stimmt natürlich absolut. Deshalb denken wir oft, dass Busse nicht mehr notwendig ist und überspringen diesen Schritt.
Dabei glaube ich, dass dieser Schritt vorher in uns stattfinden muss. Wir können gleich noch genauer darauf eingehen, aber das würde ich erst einmal als erstes sagen: Warum Busse bei dir und mir noch notwendig ist.
Ja, ich finde gut, was du gesagt hast. Oft, wenn vom Evangelium gesprochen wird, heißt es: Jesus ist für dich gestorben, dir sind deine Sünden vergeben – schön, Ende. Was machst du jetzt damit? Dann wird noch gesagt: Das Geschenk kannst du jetzt annehmen oder nicht annehmen. Aber das ist eigentlich genau so. Nehmen wir das auch noch dazu.
Die Bibel legt jedoch einen ganz hohen Stellenwert auf Buße. Mir fiel direkt ein, als ich darüber nachgedacht habe: Wie fängt denn überhaupt die Verkündigung von Jesus an, so wie sie in den Evangelien dargestellt wird? „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe!“ Das war seine Predigt, seine erste Botschaft.
Ganz genau. Ich glaube auch nicht, dass Jesus nur diesen Satz gesagt hat und dann fertig war, „Tut Buße“, und danach weiterging. Aber das war einfach der Kern, zusammengefasst das, worum es Jesus ging.
Im Lukas-Evangelium lesen wir zum Beispiel, dass überall das Evangelium verkündet werden wird. Dort lesen wir auch wieder von Buße. So stand es geschrieben, und so musste es geschehen: Der Sohn des Menschen, also Christus, muss am dritten Tage auferstehen. Er muss leiden, dann auferstehen und sich zeigen.
Und es soll Buße verkündet werden.
Ich glaube trotzdem, dass Buße für manche immer noch schwer vorstellbar ist. Deshalb freue ich mich besonders, dass gerade im Alten Testament Geschichten zu finden sind, die solche Themen behandeln. Oft werden sie im Neuen Testament nur kurz mit einem Satz oder einem Wort erwähnt, aber im Alten Testament können wir darauf zurückgreifen.
Bei Buße denke ich immer an König David. Für mich war er ein großartiger Mann, aber auch ein schwerer Sünder. Seine Lebensgeschichte zeigt, wie Buße aussehen kann. Viele von euch wissen sicher, was David Tolles mit Gott erlebt hat. Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes, aber er hat auch viel falsch gemacht.
Es gibt diesen Moment, in dem er nicht nur Ehebruch mit Bathseba begangen hat, sondern auch ihren Mann umbringen ließ. Gott schickt daraufhin den Propheten Nathan, um David mit seiner Sünde zu konfrontieren. Nathan erzählt ihm das Beispiel von einem reichen Mann, der dem armen Mann, der nur ein Schaf hatte, dieses Schaf wegnimmt, schlachtet und es seinem Gast vorsetzt. Der reiche Mann hatte zehntausend Schafe, doch das war das einzige des armen Mannes.
David reagiert zunächst empört und sagt, dieser Mann müsse sterben. Nathan sagt ihm dann ganz klar: „Du bist der Mann.“ Warum hast du Uriahs Frau genommen und ihn umbringen lassen? Du bist der Mann.
Ich stelle mir vor, wie David innerlich zusammenbricht. Es ist, als würde er sich selbst einen Tiefschlag versetzen. Er schlägt sich auf den Bauch und sagt: „Nein, ich bin es wirklich gewesen.“ Später lesen wir in der Bibel, dass David viele Tage trauerte. Er schrieb auch Psalmen, in denen er versucht, seine Gefühle auszudrücken. Er beschreibt darin das Grauen über das, was er getan hat. Seine Sünde frisst ihn innerlich auf.
Das finde ich sehr bildhaft, um sich vorzustellen, was Sünde bedeutet.
Es gibt mehrere Schritte bei der Buße, nicht nur „Sünde“ und „Buße“ als einfache Begriffe. Der erste Schritt ist tatsächlich die Erkenntnis der eigenen Schuld. Die Frage „Was habe ich wirklich getan?“ sollte am Anfang der Buße stehen.
Wenn ich nur sage: „Gott ist dafür gestorben“, ohne genauer hinzuschauen, was ich getan habe, will ich mich nicht wirklich mit meiner Schuld auseinandersetzen. Es ist wichtig, genau hinzusehen: Was habe ich wirklich getan? Dabei geht es nicht nur darum, sich bewusst zu machen, was ich gemacht habe, sondern auch, welche Folgen mein Handeln für andere hat. Wo habe ich jemandem wehgetan? Wo habe ich Gott verletzt? Und wie schwer wiegt das, was ich getan habe?
Ich finde, genau hier beginnt Buße. Das ist einfach ganz wichtig.
Ja, absolut. Eine tiefe und ehrliche Selbsterkenntnis ist entscheidend. Ich habe gerade noch einmal darüber nachgedacht: Im Neuen Testament wird Buße oft mit den Worten von Jesus beschrieben. In manchen Übersetzungen heißt es: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe.“ In anderen steht: „Kehrt um.“ Ich finde, das ist eine gute Umschreibung.
Buße bedeutet eine Umkehr von einem falschen Weg, auf dem man sich befindet. Es ist ein bewusstes Wiederhinwenden zu Gott.
Was braucht es dafür? Es braucht die Erkenntnis, den Moment, in dem man selbst sieht: „Ich bin es, der auf dem falschen Weg ist.“
Genau, das würde ich auch so sagen. Das ist der zweite Punkt: Sich 180 Grad abzuwenden, zu sagen: „Was ich da gemacht habe, führt letztlich ins Verderben. Wenn ich so weiterlebe, führt mein Leben ins Verderben.“
Man muss sich bewusst machen, dass man sich von Gott abgewandt hat. Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass ich das getan habe? Dass ich andere enttäuscht habe, mich selbst enttäuscht habe und Gott enttäuscht habe?
In diesem Moment ist es wichtig, innezuhalten und genau hinzuschauen. Denn nur so weißt du, wovon du dich abwenden willst. Es ist leicht zu sagen: „Ich habe jetzt einen neuen Weg eingeschlagen.“ Aber wenn du nicht weißt, wo du herkommst, kannst du nicht sicher sein, dass du nicht wieder in die gleiche Richtung zurückläufst.
Die 180-Grad-Wende macht deshalb wirklich Sinn. Man kann sich das so vorstellen: Wenn wir uns abgewandt haben und gesündigt haben, müssen wir der Sünde den Rücken kehren und in die andere Richtung laufen.
Ich glaube wirklich, dass die Umkehr hin zu Jesus notwendig ist. Wir müssen erkennen, wo wir vom Weg abgekommen sind.
Dabei ist es wichtig, in dieser Selbsterkenntnis nicht einfach pauschal zu sagen: „Du hast gesündigt, Jesus ist für dich gestorben.“ Sondern es geht darum, ganz konkret zu erkennen: Wo habe ich gesündigt? Wo genau habe ich gesündigt?
Die Botschaft von „Kehre um, tu Buße“ stammt von Jesus, wurde aber auch schon zuvor von Johannes dem Täufer verkündet. Dabei heißt es, dass die Menschen ihre Sünden öffentlich bekannten, als sie getauft wurden. Sie haben also offen gesagt: „Hier an dieser Stelle habe ich gesündigt.“ Das waren die großen Knackpunkte in ihrem Leben.
Kannst du dir das vorstellen? Das ist ziemlich unangenehm. Stell dir vor, du müsstest in der Gemeinde vor deiner Taufe öffentlich sagen, wofür du Buße tust. Das ist schon eine Herausforderung.
Ich kenne über zwei Ecken Bekannte, die in einer Gemeinschaft lebten, in der sie genau das so praktizierten. In dieser Wohn- und Lebensgemeinschaft bekannten sie sich öffentlich zu ihren Sünden. Für mich persönlich wäre das nicht unbedingt etwas, weil es schon ziemlich extrem ist. Aber es hat auf jeden Fall dazu geführt, dass die Leute tatsächlich bewahrt wurden. Ich glaube sogar, dass es manchen geholfen hat, bestimmte Sünden nicht zu begehen. Denn ihnen wurde klar: „Okay, wenn ich diese Sünde begehe, muss ich sie auch öffentlich bekennen.“
Ich denke, oft machen wir uns nicht bewusst, welche Folgen Sünde für uns hat. Deshalb gehen wir manchmal zu leichtfertig damit um. Das liegt daran, dass wir kein gutes und tiefes Bewusstsein für Buße mehr haben.
Und genau das haben wir schon gesagt: Du musst wirklich hinsehen und fragen, wie tief das eigentlich geht. Wo hat meine Sünde, mein Verhalten, andere verletzt? Wo verstößt es tatsächlich gegen Gottes Gebot? Es ist vielleicht nicht nur die eine Sache. Wir merken: „Oh krass, mit dem, was ich gerade getan habe, habe ich letztlich auch Gott von der ersten Position in meinem Leben gestoßen und bin vielleicht etwas anderem nachgerannt.“
Wenn ich neidisch bin, kann es sogar sein, dass ich die Liebe zu Geld oder zu etwas anderem, was der andere hatte, über Gott gestellt habe. Ich muss tatsächlich anfangen, genau hinzuschauen: Wie tief geht das? Nur dann kann ich wirklich Buße tun und mich davon abwenden. Sonst falle ich wieder in die gleichen Muster zurück und mache das Gleiche noch einmal.
Ja, absolut. Beim Thema Buße wird es, glaube ich, ein bisschen schwierig. Ich habe kürzlich einen Podcast von John Piper gehört, in dem er unter anderem auch über Buße gesprochen hat. Dabei hat er mir einen Gedankenanstoss gegeben, den ich gerne hier weitergeben möchte.
Er spricht darüber, wie wir über Buße reden, besonders in der Gemeinde, wo dieser Begriff etabliert ist. Die Bibel spricht eher nicht so über Buße, sondern eher vom Bekennen. In seinem Podcast sagt er, dass Buße vor allem dieses einmalige Umkehren zu Jesus hin bedeutet – das Abkehren vom alten Leben und das Hineingehen in ein neues Leben mit Jesus.
Ich denke aber nicht, dass es falsch ist, wenn wir Buße sagen. Letztendlich ist es auch das, was Johannes in seinem Brief meint: Wir sollen unsere Sünden immer wieder bekennen. Das ist nicht schön und auch nicht angenehm.
Für jemanden, der schon länger mit Jesus lebt, also ein reiferer Christ ist, wird es mit der Zeit immer deutlicher, wo noch Dinge im Leben nicht in Ordnung sind. Durch den Heiligen Geist bekommt man ein tieferes Verständnis dafür. Es kann durchaus sein, dass du auch nach Jahren mit Jesus Dinge zum ersten Mal bekennen musst.
Dann kann man tatsächlich sagen, dass man darüber Buße tut. Zum ersten Mal merkst du vielleicht: Hey, in meinem ganzen Streben wollte ich mich letztlich einfach nur selbst gut fühlen. Oder ich habe etwas aus einem nicht besonders guten Motiv getan, das überhaupt nicht biblisch ist, sondern weil es sich einfach gut angefühlt hat oder weil ich mich damit selbst erhöhen oder von anderen absetzen konnte.
Ich denke, da passt das Wort Buße gut. Es beschreibt etwas, wofür du wirklich Buße tun musst, um dann eine 180-Grad-Wende einzulegen und in Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen.
Was mich dabei besonders interessiert, ist die Frage: Warum ist das so? Warum wollen wir Menschen das oft nicht einsehen? Wir neigen dazu, diesem Punkt auszuweichen. Wir wollen Buße oder ein Eingeständnis vermeiden.
Warum ist das so schwierig? Ich versuche mir gerade vorzustellen, ob es dasselbe ist, wenn wir uns mit jemandem gestritten haben oder wenn wir einem anderen Unrecht getan haben. Ist es wirklich so, dass man einfach sagen kann: „Ach komm, das war nicht gut. So machen wir es jetzt. Lass uns das begraben.“?
Es mag sein, dass jemand anderes sagt, das sei der leichtere Weg. Doch letztlich ist damit nichts ausgelöscht oder behoben. Es steht immer noch etwas zwischen den Menschen. Erst wenn etwas tatsächlich durchgesprochen und angesprochen wurde, entsteht eine echte Klärung.
Ich merke das besonders bei Entschuldigungen: Du kannst sagen: „Ah, okay. Sorry“ und dann weitermachen. Aber wenn ich dir wirklich sage: „Jojo, das tut mir echt leid. Mit den und den Worten glaube ich, habe ich dich wirklich verletzt. Kannst du mir das verzeihen?“, dann ist das etwas anderes. Denn ich habe noch einmal ausgesprochen, was ich dem anderen angetan habe. Er hat die Chance, zu prüfen, ob es wirklich so war. Vielleicht sagt er: „Ja, das stimmt.“ Oder er ergänzt: „Und außerdem hast du auch noch das und das verletzt.“ Oder er sagt: „Eigentlich war es das nicht. Ehrlich gesagt hat mich mehr verletzt, dass du es vor zwei anderen erzählt hast.“
Erst durch dieses Gespräch kommt eine wirkliche Wahrheit ins Spiel. Wenn man es noch einmal anspricht und mit dem anderen durchspricht, oder indem man in seiner Entschuldigung sagt: „Das und das war es tatsächlich“, dann tritt man in diese Wahrheit ein. Es wird Licht darauf geworfen. Dann kann man auch hören, wie der andere darauf reagiert – zum Beispiel: „Okay, das verzeihe ich dir.“
So habe ich es erlebt: Dann ist es tatsächlich gelöster, und ich kann es auch innerlich akzeptieren und loslassen. Es gab Situationen, in denen ich mir gewünscht hätte, einfach mit einem „Sorry“ davonzukommen. Doch das hat mich eingeholt und nicht losgelassen. Ich merkte, dass ich doch noch einmal ehrlich und tiefer um Entschuldigung bitten musste.
In dem Moment, in dem es dann ausgesprochen wurde, war es tatsächlich anders. Man realisiert noch einmal, was wirklich geschehen ist. Das ist natürlich unbequem. Ich glaube, dass dabei viel Scham eine Rolle spielt. Wir wollen uns nicht entschuldigen, weil wir uns schämen. In dem Moment fühlen wir uns schlecht.
Hinter der Scham steckt natürlich auch Stolz. Wir wollen nicht derjenige sein, der sich entschuldigen muss. Das ist eigentlich unlogisch, denn wir müssen uns für etwas entschuldigen. Wir wollen ja die Schuld loswerden. Wenn wir uns nicht entschuldigen, denken wir, wir hätten keine Schuld.
Diese Täuschung öffnet Tür und Tor, wenn wir das nicht tun. Doch Scham und Stolz halten uns einfach davon ab. So sind wir wieder beim „Fleischwitz“, der immer wieder ablenken möchte.
Ich denke, zwei Begriffe, die mir dabei noch einfallen, sind Lüge und Wahrheit. Eine Person, die wir beide gut kennen, sagt immer gern – und hat damit auch Recht –, dass Jesus in der Wahrheit heilt. Jesus heilt nicht in der Lüge.
Wenn wir bei David sind, dann heilt Jesus nicht, was bei David verkehrt ist. Warum? Weil David das überhaupt nicht einsieht. Er tut keine Buße, verharrt in seinem Stolz, ist festgefahren und bleibt so. Es braucht diesen Moment, in dem David in die Wahrheit hineingeht. Er muss erst einmal akzeptieren: Nummer eins, ich bin Ehebrecher; Nummer zwei, ich bin Mörder.
Und genau das wollen wir nicht sehen. Wir wollen die Realität über uns selbst nicht wahrhaben. Jesus sagt aber: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.“ Also müssen wir in der Wahrheit ins Licht treten. Das ist auch ein schönes Bild: Licht ist ja an sich etwas Gutes. Wenn in unserer Wohnung Licht ist, ist es schön und hell. Aber es offenbart auch den ganzen Dreck, der noch in der Ecke liegt. Da ist ein Spinnennetz in deinem Zimmer. Genau. Wir wollen vielleicht nicht überall Licht haben, weil dann alles aufgedeckt wird.
David musste diesen Schritt ins Licht tun, in die Wahrheit hineingehen und die Wahrheit über sich akzeptieren. Ganz praktisch erinnere ich mich an Gebete, in denen ich vor Gott war und ihn einfach nur gebeten habe: „Herr, zeig mir, wo ich Sünde habe.“ Dann zeigt er mir Dinge auf. Im ersten Moment fange ich an, das zu entschuldigen. Ich sage: „Nein, das ist ja genau so, ich habe so gehandelt, weil die Person mir blöd kam.“ Oder: „Das war ja nur eine Kleinigkeit“ oder so ähnlich. Man versucht, sich herauszuwinden.
Bei Jesus musst du aber in die Wahrheit hineingehen. Dort bekommst du Selbsterkenntnis, und da musst du auch umkehren. Ja, ich glaube auch, dass wir das beide schon erlebt haben: Diese Erkenntnis der eigenen Schuld muss erst einmal tief eintreten. Es tut weh und ist unangenehm, von Gott auch tiefer geführt zu werden. Aber nur dann weißt du auch, wovon du dich bekehren oder umkehren musst.
Aber was mir noch einfiel, und was vielleicht auch Mut macht, tatsächlich Buße zu tun, ist das mit einer tieferen Buße verbundene Wachstum der Dankbarkeit. Je mehr wir ein schöneres und größeres Bild davon bekommen, was Jesus wirklich für uns getan hat, desto mehr verändert sich unsere Haltung. Es ist dann nicht mehr so, dass wir nur sagen: „Ah, schön, ja, dafür ist Gott auch gestorben, wunderbar.“
Die Bibel verdeutlicht dieses Beispiel selbst: Wem viel vergeben ist, der ist auch viel dankbarer. Jesus selbst fragt die Jünger in einem Gleichnis: „Was glaubt ihr, wer ist dankbarer? Der, dem seine Schulden von 100 Euro erlassen wurden, oder der, dem eine Million erlassen wurde?“ Natürlich sagen sie, dass der dankbarer sein wird, dem viel erlassen wurde.
Hier müssen wir begreifen, welcher Segen darin liegen kann, wenn wir merken, dass wir tatsächlich Buße getan haben und unsere Schuld tief war. Wir haben sogar das Wissen darum, dass uns letztlich gar nichts mehr passieren kann. Es ist ja nicht so, dass Gott sagt: „Oh nein, das ist jetzt aber wirklich zu viel, das musst du doch nochmal selber ausbaden.“ Wenn wir ein klares Bild vom Kreuz haben, wissen wir, dass wir dafür nicht bezahlen müssen.
Insofern ist es tatsächlich nur unsere Scham, die wir fühlen, wenn wir hinschauen wollen. Aber wenn wir das tun, kann uns das letztlich mit größerer Freude belohnen. Wir erleben dann eine Freude, wenn wir wissen: „Krass, selbst dafür ist Jesus gestorben, selbst das hat er uns vergeben.“
Dann wächst meine Dankbarkeit ihm gegenüber, weil mir viel vergeben wurde, mir wurde viel erlassen. Das finde ich schön daran. Wenn wir das abkürzen wollen und sagen: „Okay, es war nicht so toll, was ich gemacht habe,“ dann vergeben wir uns letztlich etwas. Diese Floskel kommt uns sehr leicht über die Lippen, und wir sagen: „Ja, okay, Schwamm drüber.“ Absolut.
Und vielleicht jetzt – wir haben schon ein bisschen darüber gesprochen, wie Busse zustande kommt und wie sie aussieht. Ein wenig haben wir es schon angesprochen, aber wie wirkt sich Busse eigentlich aus? Woran erkenne ich, ob ich wirklich Busse getan habe? Woran erkenne ich, ob ich nur ein Lippenbekenntnis abgegeben habe oder ob ich wirklich umgekehrt bin? Hast du ein Beispiel aus deinem Leben?
Genau, aus dem Leben – oh, das weiß ich nicht, da gibt es schon einige. Ob ich jetzt Konkretes habe, werden wir gleich sehen. Was du in Gedanken hast, vielleicht ist das auch aus der Bibel. Auf jeden Fall fällt mir sofort Johannes der Täufer ein. Da wollen die Pharisäer zu Johannes kommen, um sich taufen zu lassen. Nachdem er sie kritisiert hatte, sagt er: „Bringt Früchte, die der Busse würdig sind.“ Und da merken wir ja, es gibt Früchte der Busse. Es gibt Gewächse, die aus der Wurzel der Busse, aus dem Baum der Busse hervorgehen. Das finde ich ein gutes Bild.
Allgemein ist es immer so mit Baum, Wurzel, Frucht, weil es einfach zeigt: Da muss erst etwas in unserem Herzen geschehen sein. Und das wird sich dann auch sichtbar in den Früchten zeigen, in unserem Leben sichtbar werden. Dann merken wir: Ja, okay, da habe ich wirklich falsch gehandelt. Für manche ist das schwer vorstellbar. Was wären denn so Früchte der Busse?
Da hast du recht, das ein bisschen nachzuvollziehen. Einfach, um es praktisch zu machen: Wie würde das aussehen? Ein Punkt, der mir spontan einfällt, betrifft den Stolz. Man hält sehr stark an einer Sache fest. Ich hatte das so in meiner Anfangszeit. Ich habe nicht gern gepredigt oder mich nicht getraut, vor Leuten zu reden. Es hat sich dann entwickelt. Schnell merkte ich: Oh, ich habe sogar eine Gabe dafür. Es hat mir Freude gemacht, und die Leute fanden das toll.
Und da ist ein Punkt: Wenn dann jemand zu dir kommt und sagt: „Darf ich dir mal Feedback zu deiner Predigt geben?“ – da habe ich ganz schnell gemerkt, dass ich das gar nicht sehen wollte. Ich wollte nicht die Fehler meiner Predigt sehen. Ich finde es sowieso ein kritisches Thema, eine Predigt zu beurteilen, aber hier geht es erst mal um mich. Ich habe gemerkt, wie stolz ich reagiert habe, dass ich das nicht sehen wollte.
Wenn du das dann vor Gott bekennst, wenn du sagst: „Gott, tut mir leid, dass ich mich hier nicht verletzlich gemacht habe“, und wenn du umkehrst und anfängst, wirklich ein demütiges Leben zu führen – wirklich demütig –, dann ist eine Frucht vor allem Freiheit. Das zum Beispiel.
Eines fällt mir auch noch ein: Wir haben in der Bibel die Geschichte von Zachäus, dem Zolleinnehmer. Bei ihm ist es so, dass er, nachdem Jesus bei ihm war – denn Jesus sagte: „Ich will heute bei dir zu Gast sein“ –, das, was er eingenommen hatte, auch das, was er zu viel genommen hatte, doppelt und dreifach zurückgab. Diese Wiedergutmachung, also Reparationen, etwas reparieren zu wollen, ist, glaube ich, auch eine Frucht der Busse.
Man sieht, es ist nicht nur so, dass es jemandem unendlich leidtut. Man kann nicht immer alles wieder gut machen, aber in so einem Fall konnte man es. Wenn jemand etwas kaputt gemacht hat, kann man es auch noch zusätzlich ersetzen. Mag sein, dass der andere es nicht will, aber bei Zachäus kam es ganz natürlich aus dem Herzen. Er wollte den Menschen das wieder zurückzahlen.
Jesus hat das ihm nicht direkt vorgeschrieben, aber es kam einfach aus der Freiheit heraus. So, wie du eben gesagt hast, ist das eine Frucht der Busse. Bei ihm war es tatsächlich der Wunsch, es wieder gutzumachen. Ich glaube, das ist auch so eine Frucht, die aus der Busse kommt. Und das hat ihm wahrscheinlich sogar Freude bereitet, etwas den Menschen zurückgeben zu können.
Vielleicht sind die Früchte der Busse auch direkt gleichzusetzen mit den Früchten des Geistes, also dass diese übersprudelnde Freude aus Zachäus herauskommt. Manchmal denke ich auch, eine Frucht ist die Bereitschaft, noch mal ein bisschen tiefer zu gehen.
Wenn ich Busse getan habe, es wirklich anerkannt habe, was ich gemacht habe, und es Gott gesagt habe, dann bin ich letztlich bereit für den nächsten Schritt. Es ist natürlich schlimm, wenn der nächste Schritt in die Tiefe führt und ich die darunter liegende Ebene sehen darf. Aber manchmal ist es auch so, dass etwas Altes, Kaputtes abgebaut wird und Heilung eintreten kann.
Denn bei allem, was ich erlebt habe, wo ich denke, andere haben mich verletzt, gibt es ganz häufig – nicht immer, aber oft – auch die Komponente des eigenen Anteils. Wenn darüber Busse getan wird, kann zum Beispiel auch Heilung geschehen über das, was mir im gleichen Moment von jemand anderem zugefügt wurde. Insofern ist es die Grundlage, dass etwas Neues entstehen kann.
Ja, absolut. Das eine kann sein, dass jemand dir etwas Falsches tut, aber die Frage ist, wie du darauf reagierst. Auch das gehört dazu.
Also: Wir halten fest, Busse ist echte Umkehr. Kein Lippenbekenntnis. Es ist die Hauptbotschaft von Jesus gewesen, am Anfang seines Dienstes. Aber wir hören es auch als Auftrag nach seiner Himmelfahrt, wie wir Busse predigen sollen. Petrus hat zum Beispiel Busse gepredigt in Apostelgeschichte 2.
Dann geht es weiter mit der Selbsterkenntnis beziehungsweise ist vorher klar: Die Selbsterkenntnis muss da sein, um überhaupt zu wissen, wovon ich umkehren will. Das ist etwas sehr Persönliches, erst mal vor Gott und vor dem eigenen Herzen zuzulassen, zu erkennen, was ich getan habe. Dann empfindet man tatsächlich Leid und Schmerz darüber und bittet Gott, einem das zu vergeben.
Man braucht das, denke ich, als erstes. Danach kann es sein, dass Gott dich dazu ruft, auch den anderen, dem du vielleicht etwas getan hast, um Verzeihung zu bitten. Und als Folge, wenn wir jetzt über die Folgen von Busse sprechen, kann bewirkt werden, dass vielleicht auch Beziehungen wiederhergestellt werden, die kaputtgegangen sind. Und auch andere Dinge, die echte Busse mit sich bringt.
Du hast Freiheit in deinem eigenen Leben. Du kannst weitergehen. Dinge können neu aufgebaut werden, weil du etwas Altes, Kaputtes mit Gottes Hilfe beseitigt hast. Und als Folge kann Freude eintreten.
Buße und Bekenntnis sind Dinge, die wir als Christen, ich würde fast sagen, täglich tun sollten. Jesus betet: „Vergib uns unsere Schuld.“ Das ist bereits ein Ausdruck von Buße, dieses Gebet zu sprechen. Im Vaterunser steht es nur in einer Zeile: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Ja, das stimmt.
Ich denke auch, dass es etwas bringt, was in der heutigen Zeit viel verloren gegangen ist: die besondere Bedeutung des Kreuzes wieder zu entdecken – was Jesus wirklich getan hat. Unser Einstieg war ja auch so, dass wir sagten, viele Menschen fragen sich: „Was ist Buße eigentlich?“ Gleichzeitig wissen sie nicht genau, was Jesus für sie getan hat. Oft sagen sie es ohne große Emotionen und ohne tiefere Bedeutung.
Diese Bedeutung von dem, was Jesus tatsächlich für einen getan hat und wie besonders das war, nimmt, denke ich, in dem Maße ab, wie ich keine Buße tue. Umgekehrt gilt: Wenn ich Buße tue, steigt der Wert dessen, was Jesus für mich getan hat. Und wenn der Wert von Jesus in meinem Leben wächst, dann wächst auch meine Liebe zu ihm. Ebenso steigt meine Dankbarkeit.
Das ist unheimlich relevant. Man kann als Christ durchs Leben gehen, ohne viel Buße zu tun, aber das ist ein ziemlich armseliges, freudloses und oberflächliches Leben. Und daraus kann auch nur wenig Segen entstehen.
Ganz genau. Ich glaube, das trifft es gut auf den Punkt. Ja, ein spannendes Thema: Mehr Buße ist nötig. Amen.
Das war ausführlich. Wenn dir diese Folge gefallen hat, teile sie gerne mit deinen Freunden. Mehr zu uns und weitere Inhalte findest du auf der Website, deren Link in der Beschreibung steht. Dort kannst du uns auch Themen und Fragen schreiben, die wir vielleicht schon in der nächsten Folge aufgreifen werden. Klick einfach auf den Link in der Beschreibung.