Zum Inhalt

Der Einzug in Jerusalem – Teil 7

Der Einzug in Jerusalem, Teil 7/7
24.02.2026Matthäus 21,9-11
SERIE - Teil 7 / 7Der Einzug in Jerusalem

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, sowie Weg, Wahrheit und Leben.

Episode 682: Der Einzug in Jerusalem, Teil 7

Der bewegte Einzug Jesu in Jerusalem

Der Einzug Jesu in Jerusalem bewegt die Stadt.

 Matthäus 21,10: „Und als er in Jerusalem einzog, kam die ganze Stadt in Bewegung und sprach: Wer ist dieser?“

Man kann sich das gut vorstellen. Überall wird gejubelt und gefeiert. Jeder, der das mitbekommt, möchte wissen: Was ist da los? Warum sind alle so aus dem Häuschen? Wer kommt da?

 Matthäus 21,11: „Die Volksmengen aber sagten: Dieser ist Jesus, der Prophet, der von Nazaret in Galiläa.“

Im ersten Moment verblüfft diese Antwort. Hatte die Volksmenge nicht eben noch etwas ganz anderes gerufen?

 Matthäus 21,9: „Die Volksmengen aber, die vor ihm hergingen und nachfolgten, riefen und sprachen: Hosanna dem Sohn Davids, gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“

Hier rufen sie „Sohn Davids“. Das ist ein messianischer Titel, Königssprache, die Hoffnung auf den verheißenden Retter. Und jetzt nur noch „Jesus, der Prophet“? Wie passt das zusammen?

Unterschiedliche Wahrnehmungen in der Volksmenge

Erstens: Man kann "Hosanna dem Sohn Davids" rufen und trotzdem noch nicht ganz verstanden haben, wer da wirklich kommt. Das ist ganz einfach möglich. Man stimmt ohne großes Nachdenken einfach in den Jubel mit ein. Wer schon einmal bei einer Demonstration oder einem Karnevalsumzug dabei war, weiß, wovon ich spreche.

Zweitens: Wir haben es hier mit vielen Menschen zu tun, nämlich einer Volksmenge. Nicht alle rufen dasselbe, und nicht alle verstehen dasselbe. Es gibt Pilger, die mit Jesus aus Galiläa kommen. Diese kennen seine Taten, und für sie ist er wahrscheinlich mehr als ein Prophet, eben der Sohn Davids.

Dann gibt es andere Pilger, die noch nicht so viel mit Jesus erlebt haben. Wenn man sie fragt, wer da von allen bejubelt wird, dann formulieren sie etwas zurückhaltender: "Dieser ist Jesus, der Prophet, der von Nazaret in Galiläa kommt."

Die heilsgeschichtliche Bedeutung des Einzugs

Erinnert ihr euch an das, was ich in der letzten Episode sagte? Dass Matthäus den Einzug in Jerusalem als ein heilsgeschichtlich relevantes Ereignis beschreibt? Jesus scheint das auch so zu sehen. Man merkt es daran, wie er selbst auf die Jubelrufe reagiert.

 Lukas 19,41: „Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie.“ Jesus nähert sich der Stadt. Alle jubeln, aber er weint. Mich berührt dieser Moment sehr – ein weinender Messias. Die Volksmenge schreit vor Begeisterung, und Jesus weiß, dass der Jubel nicht von Dauer sein wird. Er weiß, dass die Einwohner von Jerusalem die Chance, die sich ihnen mit seinem Erscheinen bietet, verpassen werden. Dabei hätte er es sich für sie so sehr gewünscht.

 Lukas 19,42: „Und sprach: Wenn auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zum Frieden dient, jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.“ Wenn Jesus hier von Frieden spricht, meint er natürlich nicht politischen Frieden. Es geht um den Frieden mit Gott. Der König kommt, wird verworfen, und mit ihm wird Gottes Friedensangebot verworfen.

Ablehnung trotz Nähe und Hoffnung

Gott besucht sein Volk und bietet Erlösung an, doch Israel lehnt ab. Die Chance liegt direkt vor ihren Augen, bleibt jedoch verborgen.

Das Volk sieht Jesus, hält ihn sogar für einen Propheten oder für den Sohn Davids, doch sie erkennen ihn nicht wirklich. Warum? Weil sie nicht wollen.

An anderer Stelle bringt Jesus es anklagend so auf den Punkt: „Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die, die zu dir gesandt sind. Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel nimmt – und ihr habt nicht gewollt“ (Lukas 13,34).

Und genau daran hat sich leider nichts geändert. Sie wollen immer noch nicht. Sie jubeln zwar, aber sie wollen sich nicht sammeln lassen. Sie wollen nicht zu Gott umkehren, sie wollen keine Buße tun. Dabei wäre es so wichtig, dass sie sich bei Gott bergen.

Die kommende Zerstörung Jerusalems

 Lukas 19,43: Denn es werden Tage über dich kommen, da werden deine Feinde einen Wall um dich aufschütten, dich umzingeln und von allen Seiten einengen.

Der Herr Jesus beschreibt hier, was siebzig Jahre nach Christus geschehen wird. Unter Titus errichten die Römer einen Belagerungsring um Jerusalem. Dieser Wall schließt die Stadt vollständig ein, um jede Flucht zu verhindern und die Bewohner Jerusalems von jeglichem Nachschub abzuschneiden. Jesus beschreibt hier präzise, was vierzig Jahre später passieren wird.

Der jüdische Historiker Josephus Flavius bezeugt den Sachverhalt folgendermaßen: In „Der jüdische Krieg“, Buch 5, Kapitel 12, Abschnitt 2 heißt es: „Da beschloss Titus, die Stadt gänzlich einzuschließen und ihr jede Möglichkeit zur Flucht abzuschneiden. So ließ er rings um die ganze Stadt einen Wall ziehen. In unglaublicher Schnelligkeit wurde das Werk vollendet, denn in nur drei Tagen war der ganze Umfang der Umwallung hergestellt. Diese hatte eine Länge von neununddreißig Stadien.“ Das sind gut sieben Kilometer. Der Wall war mit dreizehn Kastellen versehen, so Josephus Flavius.

Doch bei dem, was er beschreibt, wird es nicht bleiben. Lukas 19,44 sagt: „Und sie werden dich und deine Kinder in dir zu Boden werfen und werden in dir nicht einen Stein auf dem anderen lassen, dafür, dass du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.“ Hier beschreibt Jesus die Zukunft der Stadt: die vollständige Zerstörung Jerusalems und die vollständige Unterwerfung der Bevölkerung.

Die verpasste Chance und das kommende Gericht

Warum? Weil ihr die Zeit eurer Heimsuchung nicht erkannt habt. Mit Heimsuchung ist hier das Kommen Jesu gemeint, Gottes rettender Besuch in der Stadt Davids.

Obwohl alle den Rabbi aus Nazaret feiern, erkennen sie nicht wirklich, wer er ist. Sie sehen in Jesus einen politischen Befreier und einen Propheten. Sie rufen „Hosanna“, doch sie verstehen nicht, dass Gott ihnen ein Friedensangebot macht.

Ihr Problem ist nicht mangelnde Information, sondern mangelnde geistliche Einsicht. Sie halten sich für die Guten, nicht für die Verlorenen und die Sünder. Deshalb verpassen sie die einmalige Chance auf Frieden mit Gott.

Weil sie den Frieden nicht annehmen, folgt das Gericht. Nicht sofort, aber die Generation, die Jesus abgelehnt hat, wird den Aufmarsch der römischen Truppen noch erleben.

Jesus’ Traurigkeit und der Rückzug nach Bethanien

Für Jesus bleibt deshalb nur Traurigkeit: ein kurzer Besuch im Tempel und die Rückkehr nach Bethanien.

 Markus 11,11: Und er zog in Jerusalem ein, in den Tempel. Als er über alles umhergeblickt hatte, ging er, da es schon spät war, mit den Zwölfen nach Bethanien hinaus.

Einladung zum Gebet und Segen

Was könntest du jetzt tun? Nimm dir heute Zeit, um über ungläubige Menschen in deiner Nähe zu trauern und für sie zu beten.

Das war es für heute. Wenn du beim Bibellesen Fragen hast, aber auf die Schnelle keine Antwort findest, probiere doch einmal www.bibel.chat aus.

Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.