Einführung: Glaube in Bewegung und Gemeindeerleben
Ja, ich habe diesen Teil oder diese Predigt über die Gemeinde in Thessalonich überschrieben mit dem Titel „Wenn Glaube in die Beine geht“.
Was hat der Glaube mit unseren Beinen zu tun? Die Frage ist: Wenn man die Gemeinde in Thessalonich betrachtet – stell dir vor, du kommst in eine Gemeinde, die sehr bekannt und lebendig ist.
Wir sogenannten Brüdergemeinden haben ja oft das Problem, dass wir in Hinterhöfen sind. Wir sind die, die still im Land sind, die sich nicht trauen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Man hält sich zurück und meint, das sei demütig. Aber häufig ist es einfach nur Feigheit.
Die Frage ist: Wie war das damals? Mir imponiert solch eine Gemeinde in Thessalonich sehr.
Eine Frage, die uns immer wieder gestellt wird – besonders von den jüngeren Geschwistern – ist: Wie werden wir eine glaubwürdige und anziehende Gemeinde? Wie können wir so sein, dass andere sagen: „Ja, da möchte ich auch hin!“
Wie werden wir anziehend, sowohl für unsere eigenen Jugendlichen? Denn sie kommen ja langsam in die Pubertät und wollen nicht mehr einfach mitgehen, nur weil Papa und Mama das so gesagt haben oder weil sie es sich wünschen. Sie wollen keinen Stress zu Hause haben. Dann kommt die Überlegung: „Gehe ich jetzt selbst hin, weil ich es will, weil ich es toll finde?“
Das bedeutet schon, dass wir in der Gemeinde so sind, dass sie anziehend wirkt.
Herausforderungen der Verkündigung und Gemeindeerfahrung
Ich kann mich auch sehr gut daran erinnern, als ich Jugendlicher war, dass man in die Gemeinde ging und dann wusste man: Der Bruder steht auf, und dann kannst du schon das Kapitel aufschlagen, über das er predigt. Wir hatten also einen Bruder, der sprach nur über Epheser 1. Und du merkst, wahrscheinlich war er wirklich davon erfüllt, aber er konnte es nicht rüberbringen. Und wir Jugendlichen haben abgeschaltet.
Vielleicht kennt ihr das auch aus eurer Jugendzeit, und vielleicht kennen die Jugendlichen das auch. Wir haben bei einem Bruder immer gezählt, wie oft das Wort „oft“ darin vorkam. Oder der andere Bruder sprach immer von „kostbar“. Warum ist dieser Psalm so kostbar? „Geschwister, warum ist Psalm 23 so kostbar? Er steht genau zwischen Psalm 22 und 24.“ Und du weißt ganz genau, was gemeint ist.
Natürlich hat man es ausgehalten, weil man sich nicht getraut hat zu sagen: Nein, das ist sicherlich nicht das, was Gemeinde ist, oder? Wie wären wir Gemeinde, die anziehend ist und wo auch junge Leute etwas begreifen? Wir müssen heutzutage überlegen, wie wir predigen.
Ich sagte schon: Altkanarisch ist ja eine Fachsprache, und die versteht man im Grunde nur, wenn man zwanzig Jahre Brüdergemeinde hinter sich hat. Aber doch nicht so! Wir haben lernen müssen, als wir Gefährdetenhilfenarbeit gemacht haben, dass du junge Leute da sitzen hast, die null Ahnung von der Bibel haben. Und dann kannst du ihnen nicht sagen, wie wir alle aus der Sonntagsschule wissen.
Ich weiß noch, wie eine alte Schwester zu mir kam, die erst im Alter zum Glauben gekommen ist. Sie sagte: „Sei doch nicht so unbarmherzig, ich bin nicht in der Sonntagsschule gewesen, erzähl die Geschichte doch.“ Wir gebrauchen Floskeln, oder?
Oder da kommt eine Schwester, ich hatte über das Sterben des Herrn Jesus gesprochen: „Ja, Jesus ist für unsere Sünden geschlachtet worden.“ Diese Schwester kommt zu mir und sagt: „Das habe ich nicht verstanden, der Jesus ist doch gekreuzigt worden, der ist doch nicht geschlachtet worden.“ Ich habe gesagt: „Du hast recht, Schwester.“
Merken wir: Wir brauchen Allegorien und Vergleiche, die biblisch sind, aber wir sagen nicht, dass sie es sind. Im Grunde müssen wir sagen: Der Jesus ist gestorben am Kreuz, er ist gekreuzigt worden. Und der Vergleich dazu ist im Alten Testament ein geschlachtetes Lamm. Wir verkürzen das aber und sagen: Der Jesus ist geschlachtet worden. Wie soll das denn einer begreifen, der seine Bibel noch nicht kennt?
Im Grunde sind wir dann in unseren Predigten unbarmherzig. Wir machen im Grunde nur eine Fachsprache und setzen voraus, dass die anderen etwas verstehen. Wir sprechen in der nicht revidierten Elberfelder, höchstens noch revidiert 2003, aber wehe revidiert 2006. Und merken wir: Die Jugend versteht nicht mehr.
Da sagt ein jugendlicher Papa: „Was ist eigentlich ein Antlitz?“ Hm, da muss ich mich wundern. Wir wandeln auf einmal, ja? Bist du schon mal durch Bochum gewandelt? Ja, wir haben eine Fachsprache drauf, die man doch nicht mehr versteht, oder?
Ich muss sagen, ich habe es lernen müssen. Einmal durch die Jungs, die von der Gefährdetenhilfe in der Gemeinde kamen, aber auch im Knast kannst du doch nicht so sprechen, oder? Gut, ich gebrauche in der Gemeinde nicht unbedingt die Knastsprache, da bin ich noch ein bisschen deftiger. Aber wir müssen verständlich werden, wieder.
Und ich bin überzeugt: Ein Paulus hat verständlich gesprochen, sonst wären damals nicht die Auseinandersetzungen nach seinen Predigten gekommen.
Die Gemeinde in Thessalonich: Historischer Hintergrund und biblische Einführung
Wir schauen uns also die Gemeinde in Thessalonich an, heute eine Großstadt namens Saloniki. Dabei betrachten wir verschiedene Abschnitte. Zunächst lese ich 1. Thessalonicher 1, Verse 1-10.
Auf die weiteren Stellen, die ich angegeben habe, kommen wir dann noch zurück.
1. Thessalonicher 1,1-10: Paulus, Silvanus und Timotheus schreiben an die Gemeinde der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade sei mit euch und Friede.
Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch in unseren Gebeten erwähnen und unablässig vor unserem Gott und Vater an euer Werk des Glaubens gedenken, an die Bemühung der Liebe und das Ausharren in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus.
Wir wissen, geliebte Brüder, dass ihr von Gott auserwählt seid. Unser Evangelium kam nicht nur in Worten zu euch, sondern auch in Kraft, im Heiligen Geist und in großer Gewissheit.
Ihr wisst ja, als was für Leute wir um eueretwillen unter euch auftraten, und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn. Ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes aufgenommen. Dadurch seid ihr allen Gläubigen in Mazedonien und Achaia zum Vorbild geworden.
Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht nur in Mazedonien und Achaia, sondern an jedem Ort ist euer Glaube an Gott bekannt geworden. So müssen wir nichts weiter sagen, denn man berichtet von euch, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott, um ihm zu dienen.
Ihr dient seinem Sohn aus dem Himmel, den er von den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns rettet vor dem kommenden Zorn.
Soweit zunächst.
Die Geschichte der Gemeinde in Thessalonich ist spannend. Wir haben den Apostel Paulus begleitet, wie er nach Thessalonich kam – zunächst bis Philippi. Nun greift er zurück. Er war durch Kleinasien gereist, dann nach Philippi, wie wir heute Vormittag gesehen haben.
Nachdem er aus dem Gefängnis freigelassen worden war, wanderte er mit Silas und Timotheus weiter. Wer fehlte? Lukas – gut aufgepasst!
Sie wanderten etwa 150 Kilometer bis Thessalonich über die Via Ignatia. Stellt euch mal vor: 150 Kilometer zu Fuß! Und was war mit seinen Füßen vorher passiert? Sie waren im Stock eingeschnürt gewesen. Was war mit seinem Rücken? Blutige Schläge, zwar sauber gewaschen vom Kerkermeister, aber ihr könnt euch vorstellen: Da ging kein frisch trainierter Evangelist, sondern jemand, der sich diese Strecke mühsam schleppt.
Wie weit sind 150 Kilometer von Bochum? Hm, gut, das ist schon ein Stück, oder? Man braucht Zeit.
Sie wanderten also die Via Ignatia bis Bielefeld. Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns solche Entfernungen bewusst machen, um zu begreifen, was das für Wege waren.
Sie durchquerten Apollonia und Amphipolis und wollten zur Distrikthauptstadt Thessalonich.
Wir werden sehen, dass sie dort nur drei Wochen blieben und dann fliehen mussten. Paulus ging anschließend nach Athen. Heute Abend werden wir uns damit beschäftigen. Von Athen aus reiste er weiter nach Korinth. Von dort schrieb er den ersten Thessalonicherbrief.
Zurück nach Thessalonich: Thessalonich war die Hauptstadt des Gebiets Mazedonien in Griechenland. Das ist nicht das heutige politische Mazedonien, sondern ein eigener Staat, etwas weiter nördlich.
Das Gebiet erstreckte sich vom nördlichen Teil bei Philippi bis Thessalonich. Dieser Teil auf der Landkarte ist die Halbinsel Achaia zur biblischen Zeit.
Thessalonich wurde im Jahr 315 vor Christus von dem Feldherrn Cassander gegründet. Später wurde die Stadt von den Römern erobert und zur Hauptstadt von Mazedonien gemacht.
Sie hatte eine eigene Stadtverwaltung, quasi eine kreisfreie Stadt, und eine Einwohnerzahl von ungefähr 200.000.
In dieser Stadt gab es auch eine jüdische Synagoge. Ich sagte heute Morgen schon, dass Paulus, wenn er in eine neue Stadt kam, zuerst in die Synagoge ging.
Er begann immer damit, das Evangelium zuerst seinen Landsleuten zu predigen. So kam er auch nach Thessalonich.
Im heutigen Saloniki gibt es nicht mehr viel, was an diese Zeit erinnert. Saloniki ist heute eine moderne Stadt.
Es gibt dort noch einen alten Torbogen, durch den damals die Via Egnatia führte, einige Ausgrabungen und den sogenannten Weißen Turm, der vermutlich noch aus jener Zeit stammt.
Mehr gibt es dort nicht, was an die damalige Zeit erinnert.
Paulus’ Predigt in Thessalonich und ihre Wirkung
Paulus kommt also nach Thessalonich. In Apostelgeschichte 17 heißt es: Nachdem sie – wir merken, hier wird in der dritten Person berichtet, also von Lukas – durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war.
Nach seiner Gewohnheit ging Paulus zu ihnen hinein und unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften. Dabei eröffnete und legte er dar, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste und dass dieser der Christus ist, der Jesus, den er verkündigte. Einige von ihnen ließen sich überzeugen und schlossen sich Paulus und Silas an, ebenso eine große Menge von anbetenden Griechen und nicht wenige der vornehmsten Frauen.
Das ist schon interessant: Paulus kommt also hin, geht in die Synagoge, und in den Synagogen war es üblich, dass man einen fremden Juden zunächst erst einmal fragte, ob er ein Wort für sie habe – ohne zu wissen, wie der Jude dann denken würde. Das brachte immer wieder Überraschungen in den Synagogen mit sich, wenn Paulus aufstand und ihnen anhand der alten Schriften erklärte, dass der Herr Jesus der Messias sei.
Das war natürlich für die Juden in der Synagoge aufregend. Auf einmal predigte jemand nicht wie gewohnt, sondern etwas völlig Neues. Da teilte sich die Zuhörerschaft. Wir schauen hier ein wenig darauf, wie Paulus predigt, und das finde ich sehr interessant.
Die Frage ist oft: Wie ist unsere Verkündigung in den Gemeinden? Ist sie so, dass man gut schlafen kann, oder so, dass man engagiert wird und vor eine Entscheidung gestellt wird? Paulus hat niemals sanftmütig gepredigt. Seine Predigten waren immer herausfordernd und forderten zur Entscheidung heraus.
Ich glaube, wenn Paulus heute in unseren Gemeinden predigen würde, dann würde es krachen. Anschließend würden die Geschwister zusammenstehen und diskutieren, ob man ihn noch einmal einlädt oder lieber nicht. In der Regel wollen wir in unseren Gemeinden Predigten hören, die uns streicheln, die uns nicht wehtun, die unsere Meinung vertreten und bei denen wir sagen: „Oh ja, das war gut.“
Predigt ist aber nicht, jemandem Honig ums Maul zu schmieren. Predigt muss unser Herz erreichen, damit wir zu einer Entscheidung kommen – auch wenn wir gläubig sind. Wir sollen immer wieder neu vor Entscheidungen gestellt werden.
Paulus unterredet sich, und ich finde es interessant, dass hier drei Begriffe gebraucht werden: Er unterredet sich, er eröffnet und er legt dar. Das heißt, es fing also erst einmal damit an, dass man sich unterhielt. In Synagogen war es so, dass man nicht gleich mit dem Predigen begann, sondern miteinander sprach. Daher kommt auch heute noch der Ausdruck „Judenschule“.
Da ging vieles durcheinander, so wie bei uns vor der Stunde, bevor jemand sagt: „Geschwister, jetzt müssen wir aber ruhig werden.“ Man redet miteinander, und dann unterhält sich Paulus mit den Leuten. Er wird aufgefordert zu predigen, und dann fängt er an.
Ich stelle mir vor, er hat die Schriftrolle, die er eröffnet. Er legt dar, zeigt auf die Bibelstellen und sagt: „Seht, da steht es!“ – und erklärt, was damit gemeint ist.
Interessant ist, wie das formuliert wird. Ein Deutschlehrer würde an dieser Stelle in Apostelgeschichte 17 wahrscheinlich am Rand Kringel machen und sagen: Ausdrucksfehler! Da steht: „Er legte dar, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste und dass dieser der Christus ist“ – und plötzlich wechselt die Berichterstattung von der dritten Person in die wörtliche Rede. Das tut man eigentlich nicht. Eigentlich schreibt man so keinen Aufsatz. Jeder Deutschlehrer würde sagen: „Anführungsstriche, wörtliches Zitat, Paulus, Doppelpunkt.“
Aber hier merkt man etwas: Dem Zuhörer wird vorher das Gesagte dargelegt, was Paulus aus dem Alten Testament erklärt. Bis zu dem Punkt, dass der Christus leiden, sterben und auferstehen musste. Das war für die Juden neu, was für uns selbstverständlich ist.
Von Jesaja 53 zum Beispiel wenden wir das direkt auf Jesus an. Die Israeliten aber wenden es bis heute auf ihr Volk an und sehen darin nicht den Messias. Das zeigt auch die Frage des Kämmerers an Philippus: „Redet der Prophet von sich selbst oder von jemand anderem?“ Wenn du heute einen Juden fragst, sagen sie: „Das ist das Volk Israel, das leiden muss.“
Paulus legt dar: Nein, das ist der Messias, der Christus. Und als er merkt, dass sie das begreifen, sagt er: „Und dieser Christus, der gestorben ist und auferstanden ist, das ist der Jesus.“
Ich finde es hochinteressant, wie Paulus in seiner biblischen Argumentation bei den Juden vorgeht. Er führt sie erst logisch durch die Schrift und erklärt ihnen das, was sie erst nicht begreifen konnten oder wollten: dass der kommende Messias leiden, sterben und auferstehen muss.
Das ist praktisch das, was der Herr Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung gesagt hatte: „Muss nicht der Christus leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Paulus geht genau diese logische Folgerung mit den Juden durch.
In dem Moment, in dem sie begriffen haben, dass im Alten Testament steht, der Messias müsse leiden, sterben und auferstehen, sagt er: „Den verkündige ich euch.“ An diesem Punkt merken wir, dass es auseinandergeht. Einige von ihnen ließen sich überzeugen.
Paulus zeigt also, dass der Christus leiden musste, dass er auferstehen musste und dass Jesus der Christus ist. Wir merken, dass er, wenn er vor den Juden predigte, die Schwierigkeit hatte, ihnen drei Dinge logisch und nach der Schrift erklären zu müssen: dass der Christus leiden muss, dass er auferstehen wird und dass Jesus der Christus ist.
Evangelium heute: Herausforderungen und Ausgangspunkt
Was müssen wir heute verkündigen, wenn wir das Evangelium verkündigen? Ich glaube, wir müssen noch viel früher anfangen.
Wenn ich zum Beispiel in den Knast gehe und mit den Inhaftierten über Gott spreche, müssen wir uns zunächst darüber unterhalten, welchen Gott wir eigentlich meinen. Gibt es überhaupt einen Gott? Und wenn ja, welchen?
Wir befinden uns im tiefsten Heidentum in Deutschland. Ich kann heute in Deutschland nicht einfach voraussetzen, dass die Menschen wissen, wer der Gott der Bibel ist. Das macht die Arbeit zum Beispiel im Knast in Ungarn deutlich leichter. Die Ungarn wissen alle, dass es einen Gott gibt. Und sie wissen auch, dass es Sünde gibt.
In Deutschland hingegen muss man erst erklären, was Sünde überhaupt ist. Hier gibt es ja nur noch Sünder in Flensburg – in der Verkehrssünderdatei. Und wer Diabetes hat, kann schon mal ein Diätsünder sein. Aber ansonsten ist Sünde oft nur noch ein Witz, oder? Im Karneval wird darüber gesungen: „Wir sind alles kleine Sünderlein.“
Ich sah kürzlich ein Auto mit dem Aufkleber hinten drauf: „Sünde macht das Leben erst interessant.“ Tja.
Wenn wir das Evangelium verkündigen, müssen wir oft ganz, ganz weit vorne anfangen. Dabei merken wir, dass wir genau überlegen müssen, wen wir eigentlich vor uns haben. Ich glaube, dass wir oft über die Köpfe der Menschen hinweg predigen, weil sie es gar nicht mehr verstehen.
Wir können nicht mehr voraussetzen, dass die Menschen auch nur die elementarsten Dinge der Bibel kennen.
Wirkung der Predigten: Gemeindegründung und Verfolgung
Was haben wir gesehen? Was war die Wirkung seiner Predigten an den drei Sabbaten?
Auf der einen Seite entsteht eine Gemeinde, auf der anderen Seite Neid und Verfolgung. Die, die zum Glauben gekommen sind, lernen sofort, für die Brüder einzustehen. Da wird sofort einer – so steht es dann weiter – in Kapitel siebzehn gefangen genommen und erst gegen Lösegeld wieder freigelassen. Sie müssen lernen, sofort mutig zu bekennen.
Meine Frage ist: Was ist für dich die Konsequenz, dass du zum Glauben gekommen bist? Für jemanden, der in einem gläubigen Elternhaus groß geworden ist, gab es oft gar keine Konsequenzen. Die Eltern haben sich gefreut, alles war wunderschön und prächtig. Aber was ist, wenn jemand in einer ungläubigen Umgebung zum Glauben kommt?
Da kommt zum Beispiel ein junges Mädchen in der Kinderstunde zum Glauben, ihre Eltern sind Moslems. Was heißt das? Dieses Mädchen sagt, sie singe die Jesuslieder immer, wenn sie staubsauge, damit ihre Mutter es nicht hört – sonst kriegt sie Prügel. Können wir verstehen, was es überhaupt bedeutet, zum Glauben zu kommen?
Für manche bedeutet das, dass sie aus der Familie ausgestoßen werden. Oder zumindest wird gesagt, sie seien jetzt in so einer Sekte. Was für eine Auswirkung hat es, sich bekehrt zu haben?
Die Folgen dieser drei Predigten in Thessalonich sind, dass Paulus fliehen muss. Wir haben das eben auf der Karte gesehen: Er flieht über Berea, auch dort muss er wieder fliehen. Dann wird er aufs Schiff gebracht und nach Athen gebracht. Damit werden wir uns heute Abend beschäftigen und von dort aus weiter nach Korinth.
Paulus kann jedoch nicht alle seine Mitarbeiter mitnehmen. Er flieht mit seinen Mitarbeitern nach Berea, aber als er dort wieder fliehen muss, geht er alleine nach Athen. Er lässt Silas in Berea und schickt den jungen Timotheus zurück nach Thessalonich mit dem Auftrag, nachzuhören, wie es den jungen Gläubigen dort geht.
Timotheus geht also zurück nach Thessalonich, Silas bleibt in Berea und Paulus ist in Athen. Paulus wartet und hört keine Nachricht. Er wartet auf seine Mitarbeiter. Ich finde den Bericht in der Apostelgeschichte höchst spannend, wenn man einen Blick in das Herz des Apostels wirft. Man spürt seine innere Unruhe, weil er keine Nachricht hat. Wie geht es den Geschwistern in Thessalonich? Ich war nur kurz dort, sind sie noch im Glauben?
Endlich kommen Timotheus und Silas nach Korinth. Was berichten sie? Anscheinend ist Timotheus so begeistert von den Geschwistern in Thessalonich. Das kommt in dem Abschnitt zum Ausdruck, den wir im ersten Kapitel gelesen haben.
Wie heißt es dort? „Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten und unablässig vor unserem Gott und Vater an euer Werk des Glaubens gedenken, an die Bemühung der Liebe und das Ausharren in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus.“
Und dann sagt Paulus in Vers 6: „Ihr seid unsere Nachahmer geworden.“ Weiter heißt es, dass sie allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaia zu Vorbildern geworden sind. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaia, sondern an jeden Ort ist euer Glaube an Gott hinausgedrungen, sodass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen.
Das heißt: Die Geschwister in Thessalonich, die gerade zum Glauben gekommen sind, sind so erfüllt von dem, was sie glauben, dass sie es weitererzählen. Und das nicht nur in der eigenen Stadt, sondern Paulus sagt, in ganz Mazedonien und in Achaia, also der ganzen Halbinsel Griechenlands. Er sagt praktisch: „Ich bin arbeitslos geworden in eurer Gegend. Wir müssen nicht mehr irgendwo predigen.“
Stellt euch vor, die Gläubigen in Bochum wären so erfüllt vom Evangelium, dass sie nicht schweigen könnten. Dann bräuchte man keine Evangelisation mehr, oder? Barzani wäre arbeitslos, man könnte alles vergessen, wenn wir Christen so wären wie die Thessalonicher.
Wir haben nicht mehr nötig, denn die alle erzählen, wie ihr euch bekehrt habt. Hast du jemandem schon einmal erzählt, wie du dich bekehrt hast? Ach, sagst du, bei mir war das nicht so spektakulär? Jede Bekehrung ist spektakulär. Jede!
Warum? Wir machen uns das oft nicht bewusst. Dein verlorener Zustand – du wärst ewig verloren gewesen, wenn der Herr dich nicht gerettet hätte. Das ist das größte Wunder im Leben eines Menschen: wenn ein Herz verändert wird und der Herr neues Leben in uns legt.
Bekehrung bedeutet nicht nur, dass ich Sündenvergebung bekommen habe. Das wäre schon riesig, oder? Wenn Jesus seinen großen Schwamm genommen und die Tafel wieder sauber gemacht hätte, damit du wieder Platz hast für neue Sünden.
Nein, was passiert bei der Bekehrung? Es ist nicht nur, dass meine Sünden vergeben sind und ich sozusagen neu anfangen kann. Bei der Bekehrung hast du Leben aus Gott bekommen.
Das begreifen viele Christen nicht. Viele denken, das Leben aus Gott sei so etwas wie ein goldener Tennisball, den Gott mir bei der Bekehrung schenkt. Den stecke ich in die Tasche, freue mich, dass ich jetzt den goldenen Tennisball habe. Aber ich muss aufpassen, denn wenn ich einen Purzelbaum mache, könnte ich ihn verlieren.
Viele Christen meinen, wenn sie nicht aufpassen, können sie das Leben aus Gott wieder verlieren. Aber Leben aus Gott ist nicht wie ein goldener Tennisball. Leben aus Gott kann nicht verloren gehen, sonst müsste Gott verloren gehen können.
Ich versuche das immer so deutlich zu machen: Das Podium ist aus Holz, die Fenster sind aus Glas, die Wand ist aus Stein. Das Leben, das Gott uns gibt, ist aus Gott. Göttliches Leben ist göttliche Materie.
Leben aus Gott kann nicht verloren gehen, weil Gott nicht verloren gehen kann. Und Gott adoptiert dich nicht bei der Bekehrung, sodass er später sagen könnte: „Na ja, wir lösen die Adoption wieder auf.“ Sondern Gott sagt: „Du bist mein Sohn.“ Er hat uns nicht nur als Söhne angenommen, sondern er hat uns Leben aus Gott gegeben – göttliches Leben.
Du heißt sozusagen jetzt mit Nachnamen Gott. Und das kann nicht verloren gehen. Was verloren geht, was stirbt, das ist mein alter Mensch. Und es ist auch nicht schade drum.
Aber das, was Gott in mich hineinlegt bei meiner Bekehrung, kann niemals verloren gehen. Das ist Heilssicherheit, das ist Heilsgewissheit.
Offensichtlich haben die Thessalonicher das begriffen, und sie können nicht schweigen.
Gemeinde und Zeugnis: Von der Stille zur Öffentlichkeit
Ja, das haben wir gut gelernt: schweigen, oder? Nicht nur die Schwestern, auch die Brüder können schweigen – sie schweigen wie ein Grab. Wenn sie in der Gemeinde etwas sagen sollen, schweigen sie. Kann denn nicht einer der Brüder mal die Klappe aufmachen? Ihr kennt die Anekdote, oder?
Paulus hört von Timotheus, dass die Geschwister in Thessalonich begriffen haben und evangelisieren. Sie erzählen weiter, und die ganze Gegend weiß es. Stellt euch vor, ganz Bochum weiß, was hier in der Wittener Straße 80 passiert. Du sagst hoffentlich nicht. Wäre ja schrecklich, oder? Wisst ihr, das ist schon eine gute Sache.
Ich kann euch nur zum Glück wünschen, dass ihr so viele Jahre Hausmeister gewesen seid. Ich bin auch 32 Jahre Hausmeister gewesen. Weißt du, was das zum Vorteil hat? Alle Leute in der Nachbarschaft identifizieren einen mit der komischen Gemeinde. Das sind die da von der Gemeinde. Also musst du dich entsprechend benehmen. Für die ganze Nachbarschaft bist du Gemeinde.
Deswegen haben ja so wenige Autofahrer nur so einen ganz winzig kleinen Fisch hinten drauf, den du ja nur mit der Lupe sehen kannst. Einen Spruch tun sie ja schon gar nicht mehr drauf, weil sie Angst haben, dass sie ja dementsprechend auch fahren müssten. Das ist auch peinlich.
Ich habe früher mal so etwas gehabt. Damals gab es die Vans noch nicht. Als unsere Kinder klein waren, hatten wir so einen Volvo. Da gab es einen Sitz, der rückwärts guckte, hinten im Kofferraum. Da durften natürlich nur die Kinder sitzen, die nicht so machten, wenn sie hinten drin saßen. Das passt nicht zu dem Spruch hinten drauf. Tja, das ist schon schwierig, ja?
Wahrscheinlich geht dir das auch so beim Autofahren. Ich versuche immer, meinen Zeitgenossen deutlich zu machen, dass Christen auch nicht von gestern sind. Aber dann passt in der Regel ein Spruch nicht hinten drauf, oder?
Was ist, wenn alle Leute in deiner Nachbarschaft sofort wissen, du bist einer von den Frommen? Und das ist schon interessant. Wir sind jetzt seit einigen Jahren im Radio und dürfen einmal im Monat eine Stunde Sendung im Bürgerfunk machen. Plötzlich wirst du bekannt.
Oder wenn ich daran denke: Damals, das war ein Novum in den Achtzigerjahren, sind wir mit dem sogenannten mobilen Treffpunkt – ich weiß nicht, ob ihr den kennt, diesen umgebauten Autobus – auf einen Rathausvorplatz in Bamberg gefahren. Die, die am wenigsten damit klarkamen, waren die anderen Gemeinden. Denn sie sagten: „Ihr von der Brüdergemeinde, ihr seid doch die Stillen, die immer da im Hinterhof, ne? Und jetzt auf dem Rathausvorplatz!“
Und ich muss sagen, das hat unsere Gemeinde verändert. Plötzlich bist du in der Öffentlichkeit. Manchmal macht der Herr ja fantastische Sachen und zieht einen auch richtig in die Öffentlichkeit.
Letztes Jahr hatten wir einen Erwehtag, der in Wuppertal stattfand. Der Slogan war „Wuppertal bewegt sich mächtig“ – so gesehen eigentlich ein läppischer Slogan, der auch nicht von mir stammt. Aber ein Bruder hatte Kontakt zu einem der sogenannten Eventmanager, die solche Feste organisieren, und hat gefragt: „Habt ihr denn auch beim NRW-Tag etwas für Christen?“ Er hat gesagt: „Nee, wieso?“
Ja, hat er gesagt, der Slogan würde doch gut passen: Gott bewegt sich – mich, dich. No, das ist doch Evangelisation, oder? Pur: Gott bewegt sich – mich, dich.
Tja, hat der Manager gesagt, hätten Sie denn jemanden, der predigen kann? Ja, hat er gesagt, er hat einen Mann angerufen, der bei uns die Gefährdetenhilfe leitet. Sind Sie bereit, einen Open-Air-Gottesdienst zu machen? Er hat gesagt: Ja.
Wuppertal hat unterhalb der historischen Stadthalle den sogenannten Wupper Beach – also eine verrückte Einrichtung. Da ist zwar kein Strand, aber sie haben eine ganze Menge Sand dahin gekarrt. Da sind zwar keine Palmen, sondern Eichen, aber das tun sie ja auch. Sie haben also da einen Beach gemacht, mitten in der Stadt. Ohne Wasser, aber Beach. Und Tresen mit Strandbar.
Und er hat gesagt: Wie wäre es mit einem Open-Air-Gottesdienst auf dem Wupper Beach? Hm, haben wir gesagt, machen wir mit. Und Gott hat alles eingerührt. Das war fantastisch, so etwas habe ich noch nicht erlebt, muss ich sagen.
Wir brauchten keine Organisation, keine Technik, das hat er alles übernommen, weil er etwas Christliches noch irgendwo in seinem Rahmen haben wollte. Das war am 31. August, der letzte Sonnentag im vergangenen Jahr. Gott hat das gemanagt, das war wirklich ein Strandfest. Elfhundert Leute sind gekommen.
Wir haben anschließend den Vertikalkurs angeboten, der läuft immer noch – also nicht mehr vertikal, sondern jetzt horizontal. Also weitere Bibelarbeiten mit solchen, die interessiert sind. Und plötzlich bist du bekannt.
Ich glaube, das ist schon eine Sache. Manchmal muss man die Luft anhalten. Aber wenn man gefordert wird und Gott einem etwas vor die Füße legt, dann macht man es, oder? Und ich bin dankbar, mitzuerleben, wie Gott Dinge tut.
Auf einmal, wenn du den Herrn bekennst, wirst du bekannt. Es kann sein, dass sie dich auslachen. Was soll's? Lass sie doch lachen. In meiner Bibel steht: Der im Himmel lacht. Er lacht zuletzt. Also lass sie lachen, lass sie spotten. Aber wir dürfen das Evangelium weiter sagen.
Und das imponiert mir an den Geschwistern in Thessalonich: Sie haben das Evangelium weitergebracht.
Der erste Thessalonicherbrief: Nacharbeit und Mentoring
So entsteht der erste Thessalonicherbrief. Timotheus und Silas waren aus dem Norden zu Paulus nach Korinth gekommen und berichteten ihm, dass die Geschwister in Thessalonich weiterhin dem Herrn nachfolgen. Allerdings hatten sie noch einige Fragen. Das ist logisch, oder? Paulus war ja nur drei Wochen dort gewesen. Man fragt sich: Wie kann da eine Gemeinde entstehen? Eine echte Brüdergemeinde müsste doch mindestens hundertfünfzig Jahre alt sein, oder? Bevor man wirklich begreift, was alles dazugehört.
Diese Fragen hatten sie also, und Paulus geht in diesem Brief darauf ein. Er fragt: Seid ihr wirklich noch dabei? Wie steht es um euren Glauben? Zweitens führt er sie weiter. Der erste Thessalonicherbrief ist sozusagen ein Nacharbeitskurs, wie man heute sagen würde. Noch moderner nennt man das Mentoring. Paulus bemüht sich, den Geschwistern im Glauben weiterzuhelfen.
Drittens hatten sie Fragen zur Heiligung: Wie soll ich leben? Wie ist mein Verhältnis zu den Dingen dieser Welt? Was darf ich als Christ nicht mehr tun, und was sollte ich tun? Die Thessalonicher hatten verstanden, dass ihre Nachfolge Jesu sich im Leben zeigen muss. Aber wie? Ich habe oft den Eindruck, viele Christen bleiben an diesem Punkt hängen.
Ich nenne sie gerne die sogenannten Gummibandchristen. Kennt ihr die? Gummibandchristen machen ihre Bekehrung zum festen Punkt. Sie kennen sogar den genauen Tag, so wie ich: den 9. Januar 1951, meinen Bekehrungstag. Doch ihr Glaubensleben ist wie ein Gummiband. Sie ziehen daran und fragen sich: Wie weit kann ich gehen, um noch Christ zu sein? Darf ich als Christ ins Kino gehen? Darf ich als Christ Mercedes fahren? Darf ich als Christ tanzen, rauchen, in die Disco gehen? Ihr wisst, was ich meine. Das sind typische Fragen von Gummibandchristen.
Sie überlegen, ob sie das mit ihrem Glauben vereinbaren können, wo die Grenzen ihres Glaubenslebens sind. Das ist eine völlig falsche Fragestellung. Als Christ müsste ich fragen: Wie nah kann ich bei Jesus sein? Dann wird alles andere ganz einfach.
Viele junge Christen versuchen, diese Fragen so zu lösen, dass sie ein Armband tragen mit vier Buchstaben: B-B-J-D. Das bedeutet auf Deutsch: "Was würde Jesus tun?" Ich hoffe, dass man sich daran immer wieder erinnert und überlegt: Freut sich Jesus darüber?
Das Leben mit Jesus ist eigentlich wie frisch verliebt zu sein. Selbst wenn ich schon vierzig Jahre verheiratet bin, bin ich immer noch in meine Frau verliebt. Schrecklich, oder? Ich bin aber schon viel länger mit dem Herrn Jesus verbunden. Ich bin jetzt seit etwa siebenundfünfzig Jahren Eigentum des Herrn. Verrückt, oder? Und ich bin immer noch nicht müde geworden, und er glücklicherweise auch nicht.
Darüber muss ich mich immer wieder wundern. Mein Leben mit dem Herrn Jesus ist wie verliebt zu sein. Wenn ich in jemanden verliebt bin, will ich das auch anderen zeigen. Ich halte das nicht verborgen, sondern bin stolz darauf. Ich freue mich, so oft und so nah wie möglich mit meiner Verliebten zusammen zu sein.
So ist es auch mit Jesus. Es ist für mich keine lästige Pflicht, mit meiner Frau zu sprechen. Ich denke nicht: "Oh, ich muss heute noch zehn Minuten mit meiner Frau sprechen. Schrecklich!" Das wäre verrückt, oder? Viele Christen verhalten sich im Glauben wie bei einem Besuch beim Herrn Jesus: "Schrecklich, ich muss noch meine stille Zeit machen." Manchmal wundere ich mich wirklich, wie viel Geduld Jesus mit uns hat.
Paulus geht im ersten Thessalonicherbrief auch auf die Frage der Wiederkunft Jesu ein. Das hatte er in den wenigen Wochen vor Ort nicht erklären können. Die Thessalonicher hatten diese Frage natürlich, besonders weil wohl einige in diesen Wochen gestorben waren. Wo sind sie jetzt? Paulus erklärt es im vierten Kapitel. Bis heute haben viele Christen damit Schwierigkeiten, obwohl es eigentlich ganz einfach ist.
Sie hatten natürlich auch noch weitere Fragen, weshalb Paulus den zweiten Brief schrieb. Außerdem hatten sie die Frage der Ältesten in der Gemeinde noch nicht geklärt. Das behandelt Paulus im fünften Kapitel.
Ihr habt sicher bemerkt: Im ersten Vers des ersten Kapitels schreibt Paulus: "Silvanus und Timotheus und ich, Paulus, an die Gemeinde der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade sei mit euch und Friede." Habt ihr schon mal verglichen, wie Paulus sonst seine Briefe beginnt? Die anderen Briefe richtet er an die Ältesten oder Diakone. Hier merkt man, dass Thessalonich noch so jung war, dass sie die Frage der Ältesten noch nicht hatten.
Offensichtlich sind die Brüdergemeinden schon seit hundertfünfzig Jahren so jung, dass sie immer noch Probleme mit der Frage der Ältesten haben. Paulus erklärt das hier erst im Thessalonicherbrief. Vielleicht sollten wir als Brüdergemeinden diesen Brief noch einmal genau studieren.
Ich bin dankbar, dass Paulus diesen Brief an die ganz junge Gemeinde in Thessalonich geschrieben hat. So können wir auch heute noch daraus lernen.
Bekehrung: Umkehr und Zielsetzung
Die Frage ist für mich ähnlich wie die an die Thessalonicher. Ich möchte kurz einige Gedanken zum neunten Vers im ersten Kapitel äußern. Paulus schrieb dort: „Denn sie selbst, also die anderen Menschen in eurer Umgebung, erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.“
Die Frage lautet: Wovon habe ich mich bekehrt? Viele sagen: „Ich habe mich zu Gott bekehrt.“ Von den Thessalonichern wird jedoch gesagt, dass sie sich von etwas weg und zu etwas hin bekehrt haben. Bekehrung bedeutet eine Umkehr. Ich hatte gestern Abend bereits gesagt: Das ist, als wenn du in eine Sackgasse fährst und dich umkehren musst. Wovon habe ich mich wegbekehrt und wohin habe ich mich bekehrt?
Es ist wichtig, dass wir uns diese Frage immer wieder stellen: Was ist das Ziel meines Lebens jetzt als Christ? Du sagst: „Der Herr Jesus.“ Werde ein bisschen konkreter! Du sagst: „Die Ewigkeit.“ Das ist noch allgemeiner. Wovon hast du dich wegbekehrt und wohin hast du dich bekehrt?
Ich habe die Befürchtung, dass viele Christen in unseren Gemeinden sich nicht wirklich von etwas wegbekehrt haben. Sie schleppen ihr altes Leben mit, ihre alten Gewohnheiten, ihren alten Charakter – all das, was unser Leben noch belastet. Was ist unser Ziel? Das Gleiche muss ich auch in Bezug auf die Gemeinde fragen: Wovon habe ich mich wegbekehrt und wohin?
Wir brauchen auch als Gemeinden Ziele. Ich bin dankbar für einen jungen Bruder, der mir vor etwa zehn Jahren einmal die Frage stellte: „Eberhard, ich hätte gerne eine Antwort auf eine Frage: Wo wird unsere Gemeinde in zehn Jahren sein?“ Du sagst vielleicht: „Na, dann bin ich vielleicht schon beim Herrn.“ Das ist keine Antwort. Das kommende Herrsein erwartet uns früher oder später, aber wir müssen schon überlegen: Was hast du für ein Ziel für dein eigenes Glaubensleben? Und was hast du für ein Ziel für deine Gemeinde?
Viele Christen kommen mir vor, als ob sie ohne Ziel laufen. Sie funktionieren, machen alles, wie es immer war. Das kann ja nicht richtig sein. Nein, das ist falsch. Dann bist du eine Maschine. Eine Maschine macht alles, wie es immer war. Du brauchst für dein Leben, für dein Glaubensleben ein Ziel.
Und die Frage ist durchaus: Wenn du nächstes Jahr um diese Zeit zurückschaust auf das vergangene Jahr, bist du gewachsen oder bist du froh, wenn es stagniert ist? Ich glaube, diese Fragen sollten wir mitnehmen – jeder ganz persönlich und auch als Gemeinde. Als Verantwortliche der Gemeinden müssen wir uns fragen: Wo wollen wir hin? Was sind die Ziele unserer Gemeinde? Herr, wo willst du uns haben?
Eine weitere Frage, die mir aus diesem Vers immer wieder kommt, lautet: Weshalb habe ich mich denn bekehrt? Wenn ich dich fragen würde: Warum hast du dich bekehrt? Was würdest du antworten? Vielleicht: „Damit ich in den Himmel komme.“ Das ist nur ein Zusatzgeschenk von Herrn Jesus.
Warum hatten sich die Thessalonicher bekehrt? Was haben wir gelesen? Sie hatten sich bekehrt, um dem lebendigen Gott zu dienen. Warum hast du dich bekehrt? Um Gott zu dienen? Dann müsste es in unseren Gemeinden anders aussehen. Dann könnten die Verantwortlichen der Gemeinde gar nicht genug Aufgaben für die Geschwister finden, oder?
Da kommt jemand zum Glauben, lässt sich taufen und sagt, nachdem er aus dem Wasser steigt, zu einem der Ältesten: „So, und was für eine Aufgabe hast du jetzt für mich?“ Das ist wie in Thessalonich, oder? Bekehrt, um zu dienen.
Die Frage ist doch: Warum lässt der Herr Jesus uns noch hier auf der Erde? Er könnte es doch ganz einfach machen. Als wir uns bekehrt haben, hätte er seinen Entrückungsmagneten nehmen können – zuerst bei sich oben. Ha, super, all der Stress wäre vorbei. Warum lässt er dich noch hier? Sieht der Herr Jesus nicht, dass er ohne dich auskommen könnte? Er braucht doch gar nicht den Stress mit dir, oder?
Warum lässt der Herr Jesus dich noch hier auf der Erde? Er will dich gebrauchen. Und wir sagen: „Herr Jesus, am liebsten lege ich die Füße hoch, und die einzige Gymnastik, die ich noch mache, ist die mit dem Daumen auf der Maus.“ Aber Jesus lässt uns hier, damit andere die Botschaft hören. Im Grunde gibt es keinen anderen Grund mehr.
Wir haben keine andere Daseinsberechtigung als Christen, als dass wir für den Herrn Jesus da sind und ihm dienen. Ich möchte sagen: Wer das nicht begriffen hat, hat sich nicht wirklich richtig bekehrt. Er hat zwar den Freifahrschein in den Himmel genommen, aber nicht verstanden, dass Jesus dich gebrauchen will.
Die Thessalonicher haben sich bekehrt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und den Herrn Jesus zu erwarten. Das heißt: Jeder Tag, den ich lebe, ist ein Tag näher am Endziel. Du hast nicht mehr viel Zeit. Du hast nicht mehr viel Zeit, dem Herrn zu dienen.
Die Frage wäre: Was hat meine Familie von meiner Bekehrung? Wir fragen oft: Was habe ich denn davon? Was habe ich von meiner Bekehrung? Aber die Frage ist doch: Was hat meine Familie davon? Was haben meine Kinder, meine Eltern, meine Nachbarn, meine Arbeitskollegen davon, dass ich mich bekehrt habe? Was haben die Geschwister in der Gemeinde davon, dass du dich bekehrt hast? Na ja, die können froh sein, dass ein Stuhl mehr besetzt ist.
Die eigentliche Frage ist: Was hat Jesus von meiner Bekehrung? Eine komische Frage, oder? Was hat Herr Jesus davon, dass ich mich bekehrt habe? Nur damit er ... Übersetzt das mal. Übersetzt das mal in Neudeutsch. Tja, aha, so möchte ich das gerne hören. Also, dass er sich freut, dass sein Werk für mich nicht umsonst war.
Merken wir, wir müssen die biblischen Ausdrücke heute übersetzen. Das versteht doch keiner mehr, außer wenn er lange die Alte Elberfelder gelesen hat. Und das halte ich für ganz wichtig.
Wir haben übrigens vor etlichen Jahren einmal das getan: Vor einer Evangelisationsveranstaltung haben wir einen Workshop gemacht und allen Geschwistern die Aufgabe gegeben, biblische Ausdrücke in normales Deutsch zu formulieren. Das ist höchst schwierig. Erklär einem mal, was Bekehrung ist, erklär einem mal, was Erlösung ist, erklär einem mal all diese Dinge.
Das ist eine schöne Aufgabe für die Jugendstunde. Was ihr noch machen könnt, ist, jeweils dafür eine grafische Darstellung zu erstellen, eine Zeichnung, damit du auch einem Nichtdeutschen das erklären kannst. Das ist eine Herausforderung, und wir müssen zurückfinden, Dinge so zu erklären, dass Kinder sie begreifen können. Denn wenn Kinder es begreifen, verstehen es auch die Erwachsenen.
Wahrscheinlich müssen wir in unseren Kreisen mal eine Schulung machen über wirkliches Deutsch.
Gemeinschaft und Lebensöffnung in der Gemeinde
Was hat der Herr Jesus von meiner Bekehrung?
Wir werden uns gleich noch damit beschäftigen, wenn wir mit Ephesus weitermachen. Zuvor möchte ich einen Gedanken mit Ihnen teilen, der mir sehr am Herzen liegt. Er stammt aus dem zweiten Kapitel im ersten Thessalonicherbrief, genauer gesagt aus 1. Thessalonicher 2,8.
Dort schreibt Paulus: „So in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart.“ Paulus sagt also: „Ihr lieben Thessalonicher, ihr seid uns lieb geworden. Deshalb haben wir unser Leben mit euch geteilt.“ Ihr konntet in unser Leben hineinschauen. Wir haben euch in unser Leben mit hineingenommen.
Ich glaube, das ist eine große Herausforderung. Wir leben heute in einer Zeit, in der jeder in seinen vier Wänden lebt nach dem Motto: „My home is my castle.“ Da kommt keiner rein, wenn ich das nicht erlaube. Selbst Geschwister können uns nicht mehr unangemeldet besuchen – das gilt als unhöflich. Wir brauchen immer ein Date, einen Termin. Wir schreiben alles in Kalender und Timer. Nichts geschieht ohne Absprache.
Kann ich jemanden in mein Leben hineinnehmen? Ich habe schon einmal gesagt, der Leiter der gefährdeten Höfelscheide – so nenne ich das mal – sagt: „Nimm einen Ungläubigen in dein Leben, lebe im Christsein vor. Derjenige wird in sechs bis acht Wochen gläubig, oder er haut ab.“ Das ist auch eine Entscheidung.
Aber bin ich bereit, mein Leben mit anderen zu teilen? In der Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen leben wir nach dem Prinzip, dass jeweils ein Christ mit einem Gefährdeten zusammen auf einem Zimmer wohnt. Gefährdete zu finden ist nicht so schwierig, aber junge Männer zu finden, die bereit sind, ihr Leben für einen anderen einzusetzen, ist eine Herausforderung. Solche Jungs suchen wir.
Ich sage immer gerne scherzhaft: Wenn jemand mindestens ein Jahr mit einem Gefährdeten zusammen auf einem Zimmer gewohnt hat, dann ist er anschließend heiratsfähig. Weil er gelernt hat: Ich lebe nicht für mich allein, ich lebe für jemand anderen. Das ist die beste Voraussetzung für eine Ehe.
Als Christen leben wir nicht mehr für uns selbst, sondern für andere – natürlich auch für den Herrn Jesus, aber eben auch für andere Menschen. Unser Leben ist kein Selbstzweck. Bin ich bereit, mein Leben zu öffnen und andere hineinzuschauen zu lassen?
Das sind meine Gedanken zu den Thessalonichern.
