
Guten Morgen, liebe Gemeinde. Auch von mir ein ganz herzliches Dankeschön an Frank und Andi für euren wunderbaren Bericht.
Jetzt wollen wir uns wieder verändern lassen durch Gottes Wort. Wir freuen uns auf den Beginn von Römer Kapitel 8. Dort gibt es nur einen Vers, den wir gemeinsam lesen. Es ist im Grunde genommen nur ein Satz: Römer 8,1.
So steht es geschrieben: „So gibt es nun keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus sind.“
In manchen Bibelübersetzungen findet sich noch ein weiterer Satz: „die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.“ Dieser zweite Satz ist jedoch nicht in den Urschriften, also den Originalhandschriften, enthalten.
Deshalb haben ihn auch grundtextliche Übersetzungen nicht aufgenommen. Inhaltlich wird dieser Gedanke später noch einmal in Vers 4 aufgegriffen. Aber im Original, so wie der Heilige Geist es inspiriert hat, steht in Vers 1 nur dieser eine Satz:
„So gibt es nun keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind.“
Amen!
Rückblick auf den Kampf des Christenlebens
Jetzt wollen wir uns damit beschäftigen. Zuvor aber ein kurzer Rückblick, wo wir herkommen.
Letzten Sonntag haben wir den letzten Abschnitt aus Römer 7 betrachtet. Ihr könnt euch erinnern: Es ging um die Verse 14 bis 25, in denen Paulus die Bipolarität eines wiedergeborenen Christen beschreibt. Er hat zwei Naturen – die alte und die neue –, die miteinander im ständigen Streit liegen.
Paulus sagt dazu unter anderem in Galater 5,17: „Der Geist in uns streitet gegen das Fleisch in uns.“ Der Weltmensch ist dem Bösen völlig ausgeliefert, er ist Sklave der Sünde. Dem Gotteskind hingegen ist neben seiner sündhaften Natur eine neue göttliche Natur eingepflanzt worden. Diese beseitigt die alte sündhafte Natur nicht, aber sie bricht die Alleinherrschaft der alten Natur.
Dadurch entsteht in uns ein Konflikt zwischen dem Gesetz der Sünde und dem Gesetz der neuen Gesinnung, wie Paulus in Römer 7, Vers 23 formuliert. Dieser ständige Kampf mit der Sünde, den wir leider manchmal oder sogar häufig nicht gewinnen, deprimiert uns und enttäuscht uns. Deshalb bezeichnet sich Paulus als „elenden Menschen“.
Ich habe mich am letzten Sonntag sehr gefreut, dass verschiedene Geschwister zu mir kamen und sagten: „Bruder Wolfgang, das ist wirklich auch das Bild, das ich in den letzten Wochen von mir sehe.“ Sie berichteten, dass sie manchmal müde sind – auch in der Auseinandersetzung mit vielen Dingen, die in ihnen noch hochkommen wollen.
Die Abscheu vor der Sünde und der Heiligungskampf
Ihr wisst, es gibt Ängste, mit denen man nicht fertig wird. Es gibt Leidenschaften, Augenlust, Bitterkeit, Unversöhnlichkeit und viele Dinge, die uns als Christen, als Wiedergeborene, überwältigen wollen.
Paulus sagt: Wer wird mich erlösen von dem Leib dieses Todes? Spurgeon meint, dass der Ausdruck „Todesleib“ sich auf die grausame Sitte alter Tyrannen beziehen könnte. Diese ließen Menschen, die sie den furchtbarsten Strafen aussetzen wollten, rücklinks an einen Leichnam fesseln. So mussten die Verurteilten ständig mit einem verwesenden, stinkenden, fauligen Leib umhergehen oder sich darauf wälzen.
Spurgeon sagt, so sieht die Not eines jeden Christen aus. Er hat das neue Leben in sich, eine neue, reine und heilige Natur. Aber er fühlt, dass er jeden Tag diesen toten Körper, diesen Leib des Todes, mit sich herumschleppen muss. Das neue Leben empfindet das genauso abscheulich. Für ein Gotteskind ist die Sünde genauso abscheulich wie für einen lebendigen Körper ein toter Leib.
Ein stinkender Kadaver ist für einen lebenden Menschen etwas ganz Schlimmes. Und für ein wiedergeborenes Gotteskind ist es etwas ganz Schlimmes. Die Sünde ist etwas Scheußliches, etwas Abscheuliches. So schrecklich und widerlich ist die Sünde in den Augen der Heiligen.
Das Gotteskind will sie loswerden, es will sie nicht behalten. Wer wird mich erlösen von dem Leib dieses Todes? Wer wird mich erlösen von diesem alten, toten Wesen? Deshalb diese Frage auch: Das ist eigentlich eine ganz entscheidende Frage.
Hast du eine innere Abscheu gegen die Sünde? Oder findest du die Sünde gar nicht so schlimm? Hast du dich mit ihr eingelassen? Ist sie schon deine Gewohnheit geworden, und du genehmigst dir dies oder das an Übertretung und Unreinheit?
Wenn du wiedergeboren bist, kannst du das nicht. Du kannst es nicht aushalten, mit Sünde zusammenzuleben. Wenn du aber keine Abscheu findest und die Sünde gar nicht so schlimm findest, sie dir sogar angenehm und süß ist, dann bitte ich dich, überprüfe, ob du überhaupt im Glauben bist.
Denn ein Wiedergeborener akzeptiert niemals seine Sünde, sondern ringt mit ihr durch Gotteskraft, um sie zu überwinden – und das so lange, bis er sie überwindet.
Rechtfertigung und Heiligung im Römerbrief
In Römer 7 beschreibt Paulus nicht unsere Rechtfertigung, liebe Geschwister. Was zu Beginn des Römerbriefes ein großes Thema war, nämlich die Rechtfertigung durch Christus und durch den Glauben, ist hier nicht das Thema. Die Rechtfertigung ist das große Thema des Römerbriefes, aber in Römer 7 geht es um die Heiligung.
Unsere Rechtfertigung in Christus ist ein fester, unveränderlicher Zustand. Im Vorfeld zu unserem Predigttext versuche ich das noch einmal zu erläutern. Auch für Menschen, die neu im Glauben sind, ist es ganz wichtig, Folgendes festzuhalten: Unsere Rechtfertigung in Christus ist ein fester, unveränderlicher Zustand.
Durch einen göttlichen, richterlichen Akt hat Gott dir unverdient die Gerechtigkeit Christi zugesprochen und dich ein für allemal gerecht erklärt. Daran ändert sich nichts mehr. In deiner Rechtfertigung kannst du nicht wachsen. Du kannst gestern möglicherweise weniger und morgen mehr gerechtfertigt sein als heute. Nein, die Rechtfertigung betrifft deinen rechtlichen Stand als Kind Gottes vor dem Herrn.
Es ist wie im natürlichen Leben: Du bist als Kind deiner Eltern geboren, und daran ändert sich dein Leben lang nichts, unabhängig davon, ob du ein gutes oder ein schwieriges Kind bist. Du kannst morgen nicht mehr Kind und übermorgen weniger Kind deiner Eltern sein. Wenn du Kind bist, dann bist du Kind. Dein Kindschaftsstatus steht rechtlich fest, und genauso ist es mit der Rechtfertigung.
Sie hält rechtlich fest, dass du für immer den Status eines Gotteskindes hast. Einerlei, ob du ein gutes oder ob du ein schlechtes Kind bist. Kind bleibt Kind. Das ist die Rechtfertigung aus Gnade, die Gott uns in Jesus Christus geschenkt hat. Wir sind und bleiben Kinder, und keiner sagt — oder doch, jemand sagt — Amen! Kind, wir sind und bleiben Kinder Gottes.
Unser rechtlicher Status im Hause Gottes ändert sich nicht, aber unser Verhalten und unser Benehmen als Kind muss sich ändern. Das nennt die Bibel im Gegensatz zur Rechtfertigung die Heiligung. Rechtfertigung ist der Status, unveränderlich; Heiligung ist veränderlich, ein Wachstumsprozess.
Während die Rechtfertigung ein einmaliger Akt Gottes an uns ist, ist die Heiligung ein lebenslanger Prozess. Davon redet der Apostel in Römer 7, wenn er von dem elenden Menschen schreibt, der sich in einem Kampf befindet. Er hat lange von unserer Rechtfertigung gesprochen, aber hier spricht er vom Heiligungsprozess oder Heiligungskampf, in dem es bergauf, aber manchmal auch bergab geht.
Dabei erleben wir unberührt von unserem Stand Sieg und Niederlage. Wiewohl wir in Christus gerechtfertigt sind und es wahr ist, dass wir in ihm bereits der Sünde gestorben sind und unser alter Mensch bereits mit ihm gekreuzigt ist, verbleiben wir dennoch in einem Heiligungsprozess. In diesem Prozess werden wir immer wieder neu aufgefordert, den alten Menschen abzulegen und täglich der Sünde zu sterben.
Entsprechend sagt der Hebräerbrief: Lasst uns die Sünde ablegen, die uns ständig umstrickt. Das ist eigentlich das Gleiche, was in Römer 7 formuliert ist. Und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der uns verordnet ist!
Dann folgt in Hebräer 12,4 der scharfe Satz: Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde. Das spiegelt Römer 7 wider: „Ich elender Mensch!“
Liebe Freunde, diesen Kampf führen keine Weltmenschen. Bist du ein ungläubiger Mensch, der heute hier ist und Jesus nicht kennt, weißt du gar nicht, wovon wir reden. Diesen Heiligungskampf führen keine Weltmenschen und auch keine sorglosen Namenchristen. Aber die wahren Kinder Gottes führen diesen Kampf.
Sie empfinden die immer wieder umstrickende Sünde wie einen verwesenden Todesleib und seufzen: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ Aber dann folgt der Satz: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“
Obwohl der Heiligungskampf zwischen unseren beiden Naturen, Geist und Fleisch, in uns fortbesteht, erinnert sich Paulus wieder an die Rechtfertigung und freut sich an seinem grundsätzlichen und unveränderlichen Stand in Christus.
Keine Verdammnis trotz Heiligungskampf
In Bezug auf den Heiligungskampf fühlte er sich als elender Mensch. Doch in Bezug auf seine Rechtfertigung kam überwältigende Freude über ihn. Denn er schrieb in unserem Vers: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind.“
Wenn er „jetzt“ sagt, so gibt es „jetzt keine Verdammnis“, bedeutet das im Urtext „zur gleichen Zeit“. Wir könnten also auch sagen: Während ich euch gerade von dem Kampf in der Heiligung schreibe, gibt es zur gleichen Zeit keine Verdammnis mehr für die, welche in Jesus Christus sind.
Zur gleichen Zeit unseres ermüdenden Kampfes gegen die in uns aufbegehrende Sünde gibt es keine Verdammnis für die Kinder Gottes. Das ist gewaltig! Auch wenn du in deinem Konflikt mit den Begierden des alten Menschen versagst und bisweilen fällst, bedeutet das nicht Verdammnis.
Deine Sünde als Kind Gottes wird dazu führen, dass Gott dich pädagogisch strenger an die Kandarre nimmt und dich intensiver erzieht. Aber nicht, dass er dich deshalb verdammt. Verstehst du das?
Ich habe folgenden Satz in meinem Konzept fett geschrieben: Die Sünde eines wiedergeborenen Christen führt nicht mehr zur Verdammnis, sondern zur strengeren oder festeren Erziehung Gottes. Die Sünde eines wiedergeborenen Christen führt nicht zur Verdammnis, sondern zu einer festeren Erziehung.
Wir kennen das alle: Gerne kommt der Teufel zu uns, den Kindern Gottes, und flüstert: „Schau doch mal, wie dein christliches Leben aussieht! Sieh doch, wie du jetzt wieder gefallen bist! Du wirst sicher verloren gehen!“ Nein, und noch einmal nein, sagt Paulus. Dein Kampf mag dich zur Verzweiflung führen, mag dich elend machen, aber Verdammnis gibt es nicht mehr für dich. Denn dein Status ist und bleibt Kind Gottes.
Verstehen wir das? Das ist ganz wichtig für die Festigkeit und Sicherheit unseres Glaubens.
Als ungezogener Teenager rief meine alleinerziehende Mutter mich einmal in großem Ärger zu. Sie war verwitwet. Ich habe das im Laufe der Jahre schon das ein oder andere Mal erwähnt, aber es ist für mich ein sehr gutes erklärendes Beispiel.
„Wolfgang, wenn du so weitermachst wie jetzt, dann bist du nicht mehr mein Kind!“ Das war ein Verzweiflungsschrei. Ich hatte sie auf die Palme gebracht. Entschuldigt, aber so war ich.
Sie rief: „Wenn du so weitermachst, dann bist du nicht mehr mein Kind.“ Ich antwortete ihr: „Mama, wie willst du es denn schaffen, dass ich nicht mehr dein Kind bin?“ Dann stutzte sie, sagte: „Ja, hast ja auch wieder Recht“, nahm mich in die Arme, und ich umarmte sie. Es gab eine große Versöhnung.
Ja, meine Mutter ist schon im Himmel, aber an meinem Status als Kind hat sich auch da noch nichts geändert. Ich war damals ihr Kind und bin heute noch als alter Mann ihr Kind. So bleibt das, ob ich nun ein guter oder schlechter Typ bin, ob meine Mutter sich über mich ärgert oder nicht. Das ändert nichts an meiner Kindschaft. Und das dürfen wir lernen.
Meine schwere Erziehbarkeit änderte nichts daran, dass ich ihr Kind war und dass ich ihr Kind blieb. So wird Gott wohl an unserer schweren Erziehbarkeit etwas ändern, aber er wird nichts an unserer Kindschaft ändern.
Auch wenn Gottes Kinder noch sündigen, bleiben sie Gottes Kinder und werden niemals verdammt! Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus ihren Stand haben. Welch ein Trost ist das!
Warnung vor falscher Auslegung und Verherrlichung der Sünde
Sollte es jetzt einige geben, die daraus schließen, Paulus habe uns mehrfach dargelegt: „Ach so, dann können wir ja sündigen, wie wir wollen, das muss sich nicht wiederholen, wissen wir.“ Wenn solche Gedanken ernsthaft in dir aufsteigen, dann solltest du eher daran zweifeln, ob der Heilige Geist in dir wohnt, wenn du solche Schlussfolgerungen aus dieser herrlichen Wahrheit Gottes im Evangelium ziehst.
Nein, das sei ferne, sagt der Apostel. Wenn wir ein Kind Gottes sind, dann arbeitet Gott an uns auf der Grundlage der ewigen Kindschaft in Form der Heiligung. Er zieht uns, weil wir sein Kind sind. Im Hebräerbrief Kapitel 12 wird das ausführlich erklärt. Dort heißt es: „Ihr seid Kinder, und so ist es doch normal, dass ihr gezüchtigt werdet. Wohl dem, den der Vater erzieht.“ Das ist das ganze Geheimnis.
Trotzdem ein Wort auch für Menschen, die nicht im Glauben stehen, damit wir das nicht falsch verstehen: Der Satz „Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus sind“ ist sehr ernst zu nehmen. Er sagt, dass es keine Verdammnis mehr gibt für die, die in Christus sind. Für die, die nicht in Christus sind, gibt es aber Verdammnis. Das müssen wir festhalten.
Wer nicht Kind Gottes ist, wer den Status der Rechtfertigung nicht besitzt, für den bleibt die Verdammnis. Heutzutage liest man oft verkürzt: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr.“ Punkt. Sie lassen den Rest einfach weg, nämlich dass es keine Verdammnis mehr nur für die gibt, die in Christus Jesus sind. Ihre Lesart ist: Verdammnis gibt es nicht. Und so etwas wird sogar auf Kirchenkanzeln gepredigt.
Die Doktrin, dass es keine Strafe für irgendeinen Menschen gibt, ist sehr populär. Der Tenor lautet: „Gott ist doch ein Gott der Liebe, deshalb ist es doch wohl nicht möglich, dass er seine Geschöpfe verurteilt und in die Hölle schickt. So einen Gott haben wir nicht.“ Also predigen sie einen Gott der Liebe und sagen zugleich, es gibt keine Verdammnis, und verweisen auf Paulus: „So gibt es keine Verdammnis mehr.“
Nein, das ist nicht richtig. Es gibt keine Verdammnis mehr für die, die in Christus sind. Aber wer nicht in Christus ist, für den gibt es Verdammnis. „Wir kommen alle in den Himmel“, sagen sie. Über Sünde predigen sie nicht, denn „Gott hat uns alle lieb, und niemand wird verdammt.“ Deshalb lesen sie einfach: „So gibt es jetzt keine Verdammnis.“ Jesus, sagen sie, starb nicht für unsere Sünde. Das Thema Sünde wird ausgeklammert.
Ich frage mich manchmal, warum man noch so viele Kreuze auf den Kirchtürmen sieht und überall auf den Altären Kreuze stehen. „Ja, nein“, sagt man, „Jesus starb nicht für unsere Sünde. Wir sind keine Sünder, sondern er starb aus Mitleid, aus purem Mitleid für arme Menschen, für die Schwachen. Er starb aus Solidarität, aber nicht für unsere Sünde.“
Aber Freunde, das ist, als würde man den Kern des Evangeliums ausschütten. Wir können alle Kreuze abmontieren. Das Kreuz ist nur deshalb da, weil wir Sünder sind und Verdammnis verdient haben.
Paulus sagt: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind.“ Wenn die, die in Jesus Christus sind, nicht in ihm wären, dann würden auch sie verdammt werden. Nur weil sie in Christus sind, gibt es keine Verdammnis. Ihr Sein in Christus ist ihre Rettung.
Paulus schreibt nicht: „Jetzt gibt es keine Verdammnis mehr für die, die alle Gesetze einhalten.“ Oder: „Jetzt gibt es keine Verdammnis mehr für die, die den geforderten christlichen Level erreichen oder genügend gute Werke getan haben.“ Nein, er sagt: „Es gibt keine Verdammnis mehr für die, die in Christus sind.“ Das ist das einzige Kriterium: in Christus zu sein.
Das ist die Frage für dich heute Morgen: Bist du in Christus? Wenn nicht, ist Verdammnis dein Teil. Wenn ja, gibt es keine Verdammnis mehr für dich.
Wie wird man in Christus?
Wie kommt ein Mensch in Christus hinein? Wie bist du in ihn hineingekommen?
1. Korinther 1,30 sagt klipp und klar: „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, durch Gott den Vater.“ Es war ein allmächtiger und souveräner Akt Gottes, der dich in eine Lebensverbindung mit Christus gebracht hat. Du warst es nicht durch deinen Willen, deine Entscheidung oder durch etwas, das du getan hast, sondern Gott hat dich in seiner souveränen Gnade in Jesus Christus versetzt.
Die Folge dieser Gnade war, dass du an Christus gläubig geworden bist. Der Glaube in deinem Herzen ist ein Wunder Gottes und zugleich das Kriterium dafür, dass du in Christus bist. Der Glaube ist entscheidend – der lebendige Glaube. Jesus sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes, die Verdammnis bleibt auf ihm.“
Unser Heiland sagt auch in Markus: „Wer glaubt und getauft wird, der wird errettet; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Glaubst du aus tiefstem Herzen an Jesus Christus als deinen Erretter, dann gibt es keine Verdammnis mehr für dich. Auf alle, die nicht an Christus glauben und deshalb nicht von ihren Sünden umkehren, kommt die Verdammnis.
Weil die Bibel uns das so eindeutig und nachdrücklich lehrt, kann auch ich heute Morgen nicht anders, als Verdammnis zu predigen – einerseits Verdammnis und andererseits Freiheit von Verdammnis. Diese Predigt, die ich heute halte, halten viele für überholt, altmodisch oder aus vergangenen Jahrhunderten. Aber in der Bibel steht es immer noch so: Wir können nicht anders, als auch die Verdammnis zu predigen.
Ich weiß, dafür werden wir nicht geliebt. Aber wir predigen nicht, weil wir Applaus von den Menschen haben wollen. Ich predige heute Morgen nicht, damit du nächsten Sonntag wiederkommst und ich dir gefalle oder schöne Witze mache. Ich bin kein Komödiant, sondern ein Diener Gottes und habe die Heilige Schrift zu verkündigen.
Selbst wenn du hinausgehst und über mich spottest, die Bibel lehrt uns Leben und Tod – das ist eine ganz ernste Angelegenheit. Wir jagen nicht dem Beifall des Publikums nach, sondern predigen das Wort Gottes. Wir sind uns bewusst, dass Gott Rechenschaft über uns fordert.
Deshalb möchte ich frei sein von dem Blut aller, die hier unter uns sind – hier oder auch draußen am Bildschirm. Deshalb muss ich die Sorglosen unter euch aufrütteln und euch sagen: Wer nicht in Christus Jesus ist, dem ruht die Verdammnis, der ewige Tod. Das ist eine niederschmetternde Wahrheit. Aber du darfst in Christus sein.
In Christus geborgen sein – das Bild der Schutzburg
Früher gab es Schutzburgen. Was bedeutet das in der Zeit Christi? Das möchte ich kurz erklären.
Früher gab es Schutzburgen, in die Menschen zu ihrer Sicherheit flohen. Im Alten Testament gab es sogenannte Zufluchtsstädte, in die Beschuldigte fliehen konnten. Darum heißt es zum Beispiel in Sprüche 18,10: „Der Name des Herrn ist eine feste Burg; der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt.“
Eben war er noch außerhalb der Burg in großer Gefahr, jetzt aber ist er in der Burg eingeschlossen und außer Gefahr. Gewaltig! Dieser Vers beschreibt auf wunderbare Weise das Evangelium. Wer aus gnädigem Antrieb im Glauben und Vertrauen zu Christus kommt und sich vor ihm, vor dem gerechten Zorn Gottes, birgt, der ist gerettet. Er ist in Christus, er ist in der Burg seines Heils.
Darum heißt es in dem wunderbaren Lied: „Du bist mein Zufluchtsort, ich berge mich in deiner Hand.“ Die Frage ist, ob du noch draußen bist oder schon drinnen. Martin Luther hat deshalb das gewaltige Lied gesungen: „Ein feste Burg ist unser Gott.“
Psalm 18,3 sagt: „Der Herr ist mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue.“ Halleluja! Das bedeutet, in Christus zu sein oder nicht.
Wenn es heißt, der Herr ist mein Fels, erinnert das auch an Mose. Er sollte sich als Sterblicher vor der verzehrenden Herrlichkeit Gottes in einer Felsspalte bergen. Er war in dem Felsen, Christus, geborgen, damit ihn die geballte Herrlichkeit Gottes nicht erschlug.
In Christus sein heißt also, zu ihm zu fliehen, sich in ihm zu verstecken wie im Schutz eines Felsens, sich in ihm zu bergen wie in einer sicheren Burg. Die, die zu Christus, ihrem Erretter, im Glauben und Vertrauen geflohen sind, sind in Christus Jesus. Für sie gibt es keine Verdammnis, und alles Volk sagt: Halleluja!
Bist du in die Arme Jesu geflohen? Bist du in die feste Burg eingegangen? Ist Christus der Schutz deines Lebens? Oder bist du noch außerhalb? Bist du schon zu Christus geflohen und sicher in seiner Hand? Mein Freund, bist du drinnen oder draußen?
Die Einheit mit Christus als Schutz vor Verdammnis
Nun müssen wir noch die Frage stellen, und dann komme ich zum Schluss: Wie genau werden wir denn durch Christus geschützt? Durch unser Einssein mit ihm, das lehrt uns die Bibel in Christus.
Wir haben vor einiger Zeit eine ganze Konferenz gehabt, eine sogenannte Ecksteinkonferenz. Wir glauben nicht nur an Christus, sondern wir sind in ihm, in ihm eins geworden. Diese geheimnisvolle Einheit zeigt uns die Bibel anhand wunderbarer Bilder, zum Beispiel im Symbol des Weinstocks und der Reben.
Der Weinstock ist eines, die Reben sind etwas anderes, aber sie sind miteinander verwachsen und bilden eine Einheit. Die Rebe ist in dem Weinstock, so wie du in Christus bist.
Ein, wie ich finde, noch gewaltigeres Bild zeigt uns die Bibel mit dem Haupt und dem Leib. Christus ist das Haupt, das ist das Eine, aber wir sind seine Glieder. So wie dein Haupt mit deinen Gliedern eins ist, so bist du als ein Glied von Jesus eins mit ihm, dem Haupt, durch Blut und Leben miteinander verbunden.
Ihr seid nicht zwei, sondern eins. Was dem Haupt geschieht, das geschieht auch seinem Leib. So lehrt uns die Bibel im Römerbrief und darüber hinaus: Wir sind mit ihm gekreuzigt, gestorben, begraben und auch auferstanden.
Wenn Christus, das Haupt, am Kreuz den Sieg über die Verdammnis erworben hat, dann haben auch wir als seine Glieder nichts mehr mit der Verdammnis zu tun. Solange der Kopf eines Menschen über Wasser ist, kann man seine Füße nicht ertränken. Solange Jesus gesiegt hat, wird keines seiner Glieder ersaufen – auch das schwächste Glied nicht.
Und solange sich Christus als das Haupt über die Verdammnis erhebt, solange gibt es keine Verdammnis für uns, selbst für die Schwächsten nicht. Das heißt: Wenn Christus stellvertretend für uns gelitten hat, dann ist die unvermeidliche Konsequenz, dass wir keine Strafe mehr für unsere Sünde erhalten können.
Das wird manchmal unsauber, besser gesagt ungenau formuliert, sodass auch Kinder Gottes sagen: „Ich glaube, Gott straft mich, weil ich wieder gesündigt habe.“ Nein, nein, nein, Gott straft dich nicht. Die Strafe liegt auf Jesus. Er ist an deiner Stelle für die Sünde bestraft worden, die du getan hast.
Was Jesus tut, ist, dass er dich erzieht, mit dir arbeitet und das nicht durchgehen lässt. Aber die Kindschaft, wie wir gesagt haben, bleibt bestehen. Wenn unsere Schuld bezahlt wurde, dann wurde sie auch bezahlt – und die Sache ist erledigt. Eine zweite Zahlung kann nicht verlangt werden.
Der Evangelist Moody erzählte von einem Mann, der zum Militär eingezogen wurde. Doch ein Freund trat für ihn ein und wurde als sein Stellvertreter akzeptiert. Als dieser in der Schlacht fiel, wollte man den freigestellten Mann erneut einziehen. Aber er weigerte sich vor Gericht und berief sich darauf, dass er ja schon durch seinen Stellvertreter gedient habe und in ihm bereits gefallen sei.
Deshalb sei er eigentlich tot, und man könne ihn nicht ein zweites Mal einziehen. Das Gericht soll tatsächlich seinem Anliegen stattgegeben haben. Das ist ja auch konsequent: Kein Verbrecher wird irgendwo auf der Welt ein zweites Mal gehängt. Kein Gesetz kann verlangen, dass jemand zweimal stirbt.
Weil die Gläubigen einst in Christus für ihre Sünde bereits gestorben sind, sterben sie künftig nicht mehr. Unsere Verdammnis hat sich in Jesus Christus erschöpft. Das Haupt des großen Hirten hat den vollen Zorn Gottes getragen, damit seine Schafe frei ausgehen.
Darin liegt unsere Freude, unser Trost und unsere Sicherheit. Darum gibt es keine Verdammnis mehr für die in Jesus Christus. Halleluja!
Glaubst du das? Es gibt für dich keine Verdammnis mehr! Für wen es noch Verdammnis gibt, haben wir heute Morgen klargemacht. Aber für die Kinder Gottes, die in Jesus Christus gerechtfertigt sind, was auch immer geschehen mag: Es gibt keine Verdammnis mehr! Halleluja und noch einmal Halleluja, Amen und wieder Amen, Amen in Jesus Christus, Amen!
Das ist der Punkt, den Paulus hier sagt. Das ist seine Freude. So fängt er Römer 8 an – ein Jubel!
„Ich elender Mensch!“ Heiligung, aber jetzt klar in der Rechtfertigung: Jesus hat bezahlt, ich bin frei. Jesus wurde bestraft, ich werde nicht bestraft. Jesus Christus wurde bestraft, ich bin frei.
Ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei.
Jesus ist gestorben, und ich brauche nicht mehr sterben. Jesus hat den Zorn Gottes getragen, und ich brauche ihn nicht mehr tragen. Ich bin frei, frei, frei, frei!
So gibt es keine Verdammnis mehr für die, die in Jesus Christus sind. Wir sind die glücklichsten Menschen auf Erden – die Kinder Gottes.
Warum lauft ihr immer noch mit solchen Minen durch die Kirche? Ihr Lieben, ja, die Mine „Ich elender Mensch“ ist wahr. Aber wenn wir dann zum Kern unseres Heils kommen, fangen wir wieder an zu strahlen, weil wir wissen: Wir sind in unserem Herrn gerettet.
Darum die entscheidende Frage: Bist du in Jesus Christus? Glaubst du an ihn? Ist er dein Zufluchtsort, deine Burg, dein Hort und dein Schutz? Wenn nicht, irrst du draußen umher in der Welt. Du bist dem Unwetter des Zornes Gottes ausgeliefert, und die tödlichen Blitze seiner heiligen Gerechtigkeit treffen dich.
Du bist unter Verdammnis. Darum flieh in die Felsspalte, flieh in den Felsen Christus! Eile zu ihm als deine feste Burg und sei in ihm jetzt und für immer geborgen.
Gott segne dich! Amen!
Einladung zum Glauben und Gebet
Wir stehen auf miteinander. Darf ich einfach mal fragen, liebe Freunde, liebe Gemeinde: Sind Menschen hier, die heute Morgen zu Christus fliehen möchten? Die aus der Hetze des Lebens heraus, aus der Angst vor der Gerechtigkeit Gottes, sich heute Morgen in Jesus Christus bergen möchten? Gibt es Freundliche? Dann streck mal deine Hand aus. Ich möchte für dich beten.
Möchtest du dich bergen in Jesus Christus? Möchtest du zu ihm fliehen als deine feste Burg? Danke, da sind einige liebe Freunde, die ihre Hand erheben. Auch oben: Gott möge euch reichlich segnen. Lasst uns beten, damit jeder von uns geborgen ist in Jesus, in Christus Jesus.
Herr, ich bete für diese lieben Menschen, die sich vereinzelt gemeldet haben und verstanden haben, durch deinen Heiligen Geist, dass sie verloren sind, wenn sie nicht geborgen sind in Jesus. Wenn du nicht ihr Schutz, ihre Bezahlung und ihre Rechtfertigung bist. Herr, sie rufen zu dir: Errette heute Seelen, lieber Vater, hier im Haus, aber auch darüber hinaus überall, wo man diesen Gottesdienst mitverfolgt, jetzt oder auch zeitversetzt.
Sprich durch dein Wort, dass wir eingeladen sind, in Jesus Christus zu sein, in ihm, in ihm, unserem Heiland und Erretter. Und ich danke dir, Herr, dass du auch deine Kinder segnest, die es schon lange oder seit kurzem sind. Dass wir uns auch freuen an unserer Kindschaft und sicher sein dürfen: Es gibt keine Verdammnis mehr für die, die in Christus Jesus sind.
Du veränderst uns, du heiligst uns, du korrigierst uns, du bringst uns zurecht mit verschiedenen Möglichkeiten als ein guter Vater, der seine Kinder erzieht. Herr, du weißt, dass wir dir oft, oft aus der Schule laufen. Aber du sorgst dafür, dass wir zurechtkommen. Und wir bitten dich auch heute Morgen: Bring uns zurecht, Herr, dass wir in der Heiligung wachsen und dir immer, immer ähnlicher werden.
Danke, Herr, auch für diesen Römerbrief. Danke für den Apostel Paulus, den du gebraucht hast. Ob wir ihn in allem richtig verstehen, weiß ich nicht. Aber das, was wir von ihm verstehen und lernen, dürfen wir teilen und uns darüber freuen, Herr Jesus. Gelobt sei dein Name. Amen.