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Nicht von dieser Welt

Wie die Auferstehung Jesu dein Leben verändert
31.03.2024

Einführung: Die Bedeutung von Ostern im Alltag

Genau, die Kleinen dürfen in die Kinderstunde, die Großen dürfen hierbleiben. Genau, ihr dürft gehen. Ihr habt keine Ferien, wie es aussieht. Jesus ist auferstanden.

Ah ja, er kommt zögerlich. Ich habe damit gerechnet, dass es jedes Jahr so ist. Das ist eigentlich einfach, aber auch eine wichtige Botschaft, oder? Wir denken darüber nach, drehen uns um und leben weiter wie bisher. Klar, die Auferstehung gibt irgendwie Hoffnung für meine Zukunft, für das Leben nach dem Tod. Eines Tages mit dir aufzuerstehen ist oft Thema.

Und wenn es einem schlecht geht, dann ist das ein wichtiges Thema. Wenn es einem gut geht, dann ist die Auferstehung etwas, das weit, weit weg erscheint. Wenn ich ganz ehrlich bin, konnte ich auch lange Zeit mit dem Ostersonntag und der Auferstehung nicht so viel anfangen wie mit dem Karfreitag. Für mich hat Karfreitag oft viel mehr Ostern ausgemacht als der Ostersonntag.

Dabei ist der Ostersonntag der wichtigste christliche Feiertag, nicht der Karfreitag. Irgendwie wirkt der Ostersonntag wie etwas für die Zukunft, wenn ich mal alt und schwach bin und mich auf das Sterben vorbereiten soll. Aber hat er für mein Leben heute Relevanz?

Anders sieht es aus, wenn wir in die Kirchengeschichte schauen und unsere Glaubensväter betrachten, die den Ostersonntag ganz hoch gehalten haben und für die er zentral war.

Das ist auch meine Frage an dich: Hand aufs Herz – ist der Ostersonntag mit „Jesus ist auferstanden“ für dich auch nur irgendwie Theorie und Hoffnung fürs Alter? Kannst du mit Karfreitag mehr anfangen als mit Ostersonntag? Ist Ostern für dich eigentlich nur das Sterben, das im Zentrum steht, und die Auferstehung ist irgendwo eine Randerscheinung, die dazukommt? Ist die Auferstehung nur für das Leben nach dem Tod?

Ich will heute mit euch anschauen, warum die Auferstehung alles andere als nur eine schwache Zukunftshoffnung ist, warum sie heute schon absolute Relevanz für dein Leben hat und warum der Karfreitag ohne den Ostersonntag nichts wert ist.

Ich werde sogar die steile These in den Raum stellen, dass deine Auferstehung, wenn du Kind Gottes bist, schon längst begonnen hat, dass sie heute schon Bestandteil deines Lebens ist und dass sie alles, wirklich alles in deinem Leben heute verändert und auf den Kopf stellt. Sie gibt deinem Leben eine völlig neue Perspektive.

Und dass, wenn diese Auferstehung nicht gewesen wäre, dein Leben heute anders aussehen würde, anders verlaufen würde. Jesu Auferstehung bewirkt schon jetzt Veränderung in deinem Leben.

Die Gegenwart der Auferstehung im Leben der Gläubigen

Wir wollen uns einen Text aus Kolosser 3,1-4 anschauen. Letztes Jahr haben wir in der Osterpredigt eher betrachtet, was es bedeutet, dass wir mit Jesus auferstehen werden und welche Botschaft das hat. Heute geht es darum, was diese Auferstehung bereits jetzt in unserem Leben bedeutet und zu was sie uns herausfordert.

Ich lese zunächst den Text vor:

„Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet auch ihr mit ihm in Herrlichkeit offenbar werden.“

Wer hat genau im Vers 1 aufgepasst und richtig gelesen? Ich lese noch einmal vor:

„Seid ihr nun mit Christus auferstanden?“ Nicht „wenn ihr auferstehen werdet“. Paulus schreibt von der Gegenwart. Er schreibt nicht an Leute, die im Grab liegen und vielleicht schon auferstanden sind, sondern an die Gemeinde in Kolossä, die dort lebt, relativ lebendig wie du und ich. Und er sagt ihnen: „Seid ihr nun mit Christus auferstanden?“ Er redet von der Gegenwart, von etwas, das schon passiert ist.

Was meint Paulus hier? Paulus hat ein großes Konzept im Kopf. Bevor ich richtig in den Kolosserbrief einsteige, möchte ich eine kleine Abzweigung machen und erklären, was Paulus meint, wenn er davon schreibt, dass Auferstehung schon jetzt passiert ist für die Kolosser.

Wir müssen uns etwas bewusst machen, was wir gerne vergessen. Wir denken oft: Jesus stirbt für unsere Schuld, für das, was ich alles falsch gemacht habe, damit mein Sündenkonto auf null ist und ich ab jetzt besser leben kann. Das ist häufig unser Standarddenken. Deshalb ist Karfreitag so zentral.

Bevor mich heute jemand falsch versteht: Karfreitag ist wichtig. Ich will nur die Relevanz unseres Denkens herausstellen. Wir verkennen aber, dass unsere Situation viel, viel schlimmer ist, als die Bibel sie beschreibt.

Die Bibel schildert uns als tote Menschen, die nicht nur brauchen, dass das Konto auf null gestellt wird, sondern die eine Auferweckung brauchen. Wir haben ja einige Gärtner unter uns – Hobbygärtner, Kindergärtner und große Gärtner. Habt ihr schon einmal eine richtig eingegangene Pflanze gesehen, bei der die Blätter herunterhängen und alles tot ist? Kennt ihr das?

Schafft es die Pflanze von selbst wieder gesund zu werden, wenn man nichts macht, sie irgendwo unterm Tisch stehen lässt und Ähnliches? Eher nicht. Verzeiht mir, liebe Gärtner, manche Pflanzen sind vielleicht anders, aber wenn du der Pflanze Wasser gibst, kann es durchaus sein, dass neues Leben entsteht, die Blätter wieder grün werden. Sie erholt sich, neues Leben beginnt in ihr.

Aber aus sich selbst heraus, ohne Dünger, Wasser oder Sonnenlicht wäre die Pflanze nicht in der Lage, sich zu erholen. So ist es auch mit unserem Leben.

Paulus behauptet, dass die Auferstehung genau das in unserem Leben bewirkt: Dass jemand von außen hereinkommt und diese an sich schon tote Pflanze zu neuem Leben erweckt. Und das ist das, was wir notwendig haben.

Er schreibt das in einem Kapitel vorher im Kolosserbrief, in Kolosser 2,13-15. Dort verbindet er Karfreitag und Ostersonntag miteinander:

„Und er hat euch mit ihm, also mit Jesus, lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches. Er hat uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und ans Kreuz geheftet. Er hat Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet, sie öffentlich zur Schau gestellt und einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.“

Oder noch intensiver im Epheserbrief 2,4-7:

„Aber Gott ist reich an Barmherzigkeit. Er hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in Sünden, mit Christus lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr selig geworden, und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus erzeige.“

Was Paulus an allen Stellen tut: Er beschreibt uns Menschen als absolut tot. Das zieht sich komplett durch. Unser ganzes Leben ist kaputt durch Sünde.

Wenn du ehrlich bist, hast du das schon längst erkannt. Vielleicht bist du noch jünger und fühlst dich lebendig, aber es gibt auch in deinem Leben schon genug Ausdruck davon, dass etwas nicht passt. Wer kennt das? Dieses Streiten mit seinen Geschwistern, das Anlügen der Eltern, sich gegenseitig anlügen, den eigenen Vorteil suchen, hauen, stechen, zwicken, beißen, kratzen – alles Zeichen dafür, dass etwas in unserem Leben nicht so ist, wie es sein sollte, dass etwas kaputt ist.

Das ist der Zustand, den wir als Menschen von Natur aus mitbringen.

Paulus sagt hier, dass wer Jesus erkennt und sich ihm hingibt – wir können das im Römerbrief noch ausführlicher lesen, das ist auch das Beispiel der Taufe – mit ihm neues Leben bekommt.

Paulus hat im Blick, dass mit der Auferstehung Jesu, mit dem Ereignis von Ostersonntag, in deinem Leben etwas Neues heranbricht: neues, ewiges Leben. Gott schenkt dir ein neues Herz, belebt dich wieder und bringt erst Leben in dich hinein – neues Leben.

In Hesekiel 37, ich werde es nicht vorlesen, gibt es ein gigantisches Bild. Es bezieht sich erst einmal auf Israel, aber es ist auch ein Zeichen dafür, wie Gott in der Auferstehung handelt.

Hesekiel sieht ein riesiges Feld von toten Gebeinen und Knochen – ein Knochenfeld, wo Knochen durcheinanderliegen, Schädel, Arme, Beine und Ähnliches. Das ist ein heftiges Bild, wenn man es sich bildlich vorstellt.

Er sieht, wie der Geist Gottes anfängt zu wirken. Die Knochen sortieren sich, finden wieder zueinander, wie sie zusammengehören. Dann entstehen Sehnen, Fleisch und Muskeln an den Knochen. Habt ihr das Bild vor Augen? Das sieht heftig aus.

Dann stehen die Gebeine erst einmal da, denn es folgt eine neue Szene: Auf einmal kommt Lebensatem hinein. Was bedeutet das? Dass sie anfangen sich zu bewegen und wieder leben. Etwas völlig Totales, wo wirklich alles Leben weg ist, kommt zurück ins Leben – eine völlige Umkehrung von dem, was wir als Menschen kennen.

Das ist, was Paulus beschreibt, was durch die Auferstehungskraft Jesu Christi in deinem Leben passiert: nichts weniger als dass Totengebeine, die völlig zerstreut irgendwo liegen, wieder zueinanderfinden, Sehnen und Muskeln wachsen und Leben eingehaucht wird, das wir Menschen uns nicht vorstellen können.

Das ist die Kraft, die Power der Wiedergeburt, der Auferstehung, dieses neuen Lebens, das Jesus am Ostersonntag erwirkt hat und an dem du Anteil hast, wenn du sein Kind bist.

Und diese Kraft wirkt heute noch in deinem Leben.

Paulus beschreibt das in Epheser 1,18-20:

„Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben. Diese Kraft ist die Macht seiner Stärke, die bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat und ihn von den Toten auferweckt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel.“

Dieselbe Kraft, die am Ostersonntag Jesus nicht im Grab halten konnte, wirkt in deinem Leben, wenn Gott dich wiedergeboren hat, wenn er deine Totengebeine zusammengefügt und dir neues Leben eingehaucht hat.

Diese Kraft, die Jesus nicht im Grab halten konnte, ist heute wirksam.

Das sage nicht ich, das schreibt Paulus hier.

Und das ist das Konzept, das er im Kopf hat, wenn er in Kolosser 3 beginnt zu schreiben: „Wenn ihr mit Christus auferweckt seid“, also wenn neues Leben in dir angebrochen ist.

Ich war einmal auf einer JFB, das ist schon lange her. Dort hat Jürgen zum Ende hin, als alle müde waren nach einer Woche auf dem Feldbett schlafen, gesagt: „Geh mal zum Spiegel, schau dir in den Spiegel und sag dir: Ewiges Leben, das ist, was du hast, wenn du wiedergeboren bist. Ewiges Leben ist angebrochen.“

Das hat Paulus im Blick. Er schreibt von der Gegenwart. Alle Stellen, die ich gelesen habe, aus Kolosser, Epheser und auch viele im Römerbrief, die ich der Zeit wegen weggelassen habe, sprechen von der Gegenwart.

Sie sagen, dass in dem Moment, wo Christus auferstanden ist, du Teil davon warst und neues Leben angebrochen ist. Wenn du mit Christus am Karfreitag gestorben bist, wenn dein Leben dort mit ihm am Kreuz hing, dann bist du auch am Ostersonntag mit ihm auferstanden.

Das ist nicht nur eine Hoffnung für die Zukunft – ja, das ist es, wir werden das eines Tages vollkommen sehen – es ist auch schon jetzt eine Hoffnung für dein Leben hier und heute, etwas, das dein Leben verändert.

In Gethsemane bekommen wir ein neues Leben, ein neues Herz. Die Perfektion Christi wird Teil deines Lebens.

Die neue Lebensperspektive durch die Auferstehung

Und weil das so ist, weil du mit Christus auferweckt bist, wenn du ein Kind Gottes bist und dieses neue Herz, dieses neue Leben hast, schreibt Paulus nun davon, dass dein Leben, das du hier lebst, eine völlig neue Ausrichtung und eine völlig neue Perspektive bekommen soll.

Ich lese noch einmal den Vers:

  1. Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.
    Vers 2: Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

Das wollen wir uns jetzt einmal genauer anschauen, nämlich was Paulus hier meint. Er kommt vom Gedanken der Offenbarung des neuen Lebens und sagt: Deswegen soll dein Leben jetzt eine neue Perspektive bekommen.

Bevor wir uns anschauen, wonach wir suchen und trachten sollen, wollen wir uns die Begriffe zunächst genauer ansehen. Ich glaube, Paulus hat sie ganz bewusst gewählt, denn sie haben beide eine unterschiedliche Bedeutungsnuance.

Das Suchen kommt übrigens auch in Matthäus 6,33 vor, wo es in den Lutherbibeln mit „Trachten“ übersetzt wird, aber eigentlich steckt das Wort „Suchen“ dahinter. Das habe ich am Freitag festgestellt, weil Christian mich danach gefragt hat.

Das Suchen meint, sich nach etwas auszustrecken, ganz gezielt zu versuchen, etwas zu erreichen und bestimmte Dinge zu tun. Ich habe Christian gesagt: Deshalb kamen wir darauf. Ich habe Ihnen heute als Beispiel Übeleins genannt, die gerade dabei sind oder das Ziel haben, im September in ein neues Haus zu ziehen. Sie sind ein bisschen skeptisch, hat er gesagt, aber das Ziel ist da.

Und was sie gerade tun – und jeder, der mit ihnen zu tun hat und mal dort war, bekommt in ihrem Leben mit, dass alles andere hinten angestellt wird und sie ganz aktiv dabei sind, dieses Ziel zu erreichen. Deshalb verzichtet man auf viele Dinge. Der Samstag ist nicht mehr bequem, Schlaf und Freizeit werden zurückgestellt.

Warum? Weil man ein Ziel erreichen will. Man reißt Wände ein, betoniert, baut auf, mit der Hoffnung, im September in ein neues Haus einzuziehen. Als moderne englischsprachige junge Leute würde man sagen, es ist ein totales Commitment auf diese Sache. Ich gebe alles hin, damit ich das Ziel erreiche.

Das ist es, was Paulus meint, wenn er davon schreibt, dass wir suchen sollen, was oben ist. Es ist dieses ganz aktive Werden, das steckt hinter dem Wort: sich ganz bewusst nach etwas ausstrecken, etwas tun.

Das ist im Sport auch so: Wenn man ein Ziel erreichen will, dann stellt man Dinge hinten an und tut Dinge, um etwas zu erreichen. Man trainiert, hält sich vielleicht an einen Trainingsplan, verzichtet auf ungesundes Essen.

Wenn ihr Jüngeren beim Landkreislauf mitmachen wollt, ist es nicht sinnvoll, davor ein Schäuferle zu essen. Man verzichtet darauf, warum? Weil man ein Ziel hat, darauf hin will.

Wenn man ein Instrument lernen will, wenn man zum Beispiel Klavierspielen lernen möchte wie Benny, dann übt man regelmäßig und tut Dinge dafür. Nicht weil das Üben an sich so schön ist, sondern weil man ein Ziel hat, das zu erreichen.

Das meint Paulus mit dem Suchen: ein Leben ganz aktiv auf etwas ausrichten.

Was meint er dann aber mit dem Trachten? Die Neue evangelistische Übersetzung (NÜ) übersetzt es mit „auf etwas bedacht sein“, und die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) erklärt schon einiges. Das finde ich an dieser Stelle ganz gut. Sie sagt: Richtet eure Gedanken auf etwas.

Dieses Trachten ist im Gegensatz zum Suchen weniger aktiv, aber es ist das, was dein Denken bestimmt. Es ist das, woran du denkst, wenn du auf den Zug wartest oder auf eine Verabredung wartest – ach stopp, ich habe die Handys vergessen, die verhindern, dass du über Dinge nachdenken kannst.

Aber was würdest du tun, wenn du fünf Minuten Zeit zu verschwenden hast? An das, was du da denkst. Es ist das, was deine intensivsten Wünsche und Träume sind, die Vision für dein Leben, das, wofür du lebst.

Wenn ihr Urlaub geplant habt und der Urlaub in zwei Wochen vor der Tür steht, dann passiert es mir zumindest bei der Arbeit manchmal: Ach ja, in zwei Wochen ist Urlaub, zieh es noch durch, du schaffst es bald.

Morgens denkt man daran und sieht sich eigentlich schon am Strand liegen oder irgendwelche Berge erklimmen, wenn der Urlaub immer näherkommt. Das ist ein Trachten nach etwas.

Oder wenn man bald Geburtstag hat und schon weiß, was auf dem Wunschzettel steht – das kennt ihr vielleicht – dann denkt man die ganze Zeit an das, was man bald als Geschenk bekommt. Da denkt man drüber nach, da grübelt man. Das ist die ganze Zeit im Kopf, obwohl man gar nichts aktiv machen kann. Aber man freut sich einfach darauf.

Und denen, die verliebt sind, brauche ich das jetzt überhaupt nicht zu erzählen, oder? Das ist euer erster Gedanke am Morgen und am Abend beim Schlafengehen.

Sondern was träumt man, wenn die Schmetterlinge in der mittleren Etage des Körpers einfliegen und sich alles nur noch um den Partner dreht? Es soll ja vorkommen, dass man das Umfeld dann sogar nervt, weil man nur noch verliebt ist und nur noch an den anderen denkt, nichts anderes mehr im Kopf hat, Familie und Freunde vernachlässigt – nicht weil sie einem unwichtig sind, sondern weil jemand anders so viel wichtiger ist.

Das ist es, was Paulus meint mit dem Trachten hier: dass sich alles in deinem Kopf nur noch um die eine Sache dreht. Es ist der Kern dessen, was du liebst.

Und dieses Trachten wird dein Suchen prägen, wird deine Praxis prägen. Der Verliebte setzt sich hin und schreibt Liebesbriefchen, pflückt Blumen, obwohl er das noch nie gemacht hat, schlägt sich Nächte um die Ohren, ändert vielleicht seinen Kleidungsstil, steht stundenlang vor dem Spiegel.

Warum? Weil sein Herz und sein Trachten sich die ganze Zeit um jemand anderen drehen.

Die richtige Ausrichtung des Lebens auf das Himmlische

Um was geht es Paulus nun, wenn er sagt, dass wir ein neues Leben haben? Worauf soll sich unser Denken dann richten? Wonach sollen wir streben und unsere Gedanken ausrichten? Wahrscheinlich bist du, wie ich, schnell dabei zu sagen: „Brav sein, in die Bibelstunde gehen, den Zehnten geben und kräftig in der Gemeinde mitarbeiten – dann trachte ich doch richtig, dann suche ich richtig.“ Das klingt erst einmal gut.

Ich glaube jedoch, dass Paulus genau das nicht meint. Wir machen es uns zu einfach und bequem, wenn wir diese Aufforderung von Paulus als reine Religionspflicht verstehen wollen. Warum? Weil Paulus genau das im zweiten Kapitel des Kolosserbriefs durchstreicht. Er sagt den Kolossern: „So lasst euch von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank oder wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats“ (Kolosser 2,16).

Ab Vers 20 fährt er fort: „Wenn ihr nun mit Christus den Mächten der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt? Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht tun.“ All das soll euch verbraucht und verzerrt werden. Es sind Gebote und Lehren von Menschen, die zwar einen Schein von Weisheit haben, doch selbst erwähnte Frömmigkeit und Demut sowie die Askese, also dass sie den Leib nicht schonen, sind nichts wert und befriedigen nur das Fleisch.

Ich möchte nicht sagen, dass die Dinge, die ich vorhin genannt habe, falsch sind. Aber wenn dein Trachten und Suchen daraus besteht, einen Regelkatalog einzuhalten, dann hast du Paulus komplett falsch verstanden. Das, worauf er hinaus will, wenn er hier vom Suchen und Trachten spricht, ist ein Scharnier im Kolosserbrief. Denn er verurteilt davor religiöse Aktivität, um danach, nach dieser Stelle, den Kolossern zu zeigen, wie sie leben sollen.

Also müssen wir uns die Frage stellen: Was meint Paulus dann mit dem Suchen und Trachten, zu dem er die Kolosser auffordert? Das Eine, was er tut, ist, es in den Kontrast zu dem Leben hier auf der Erde zu setzen. Er sagt, sie sollen „nach dem trachten, was droben ist, und nicht nach dem, was auf Erden ist“ (Kolosser 3,1).

Dabei hat Paulus sicherlich nicht den Himmel im Sinne des „English Sky“ im Sinn, also das, was wir da oben sehen. Mit „Erde“ meint er auch nicht das, wo unsere Landschaftsgärtner täglich ihre Finger schmutzig machen. Er meint unser Leben hier, diese durchschnittlichen 83,5 Jahre für Frauen in Bayern und 79 Jahre für Männer in Bayern, die Zeit, die wir hier verbringen. Dieses Trachten nach dem „Drogen“ steht im Kontrast zum Hier, Heute und Jetzt.

Was ist dieses Hier, Heute und Jetzt? Ich denke, es sind die Versuchungen des Lebens, dass wir materielle Dinge, die man nicht tun sollte, wichtiger nehmen als alles andere, weil ich mich darauf ausrichte, dass sie mein Leben prägen. Es sind aber auch die Sorgen des Lebens, bei denen ich Suchen und Trachten bestimmen kann, indem ich Vorsorge treffe, um Sicherheiten zu schaffen.

Merke dir: Es sind zwei unterschiedliche Motivationen, die aber beide dazu führen können, dass sich meine Gedanken nur noch um das Hier, Heute und Jetzt drehen. Meine Aktivität richtet sich dann ebenfalls nur auf das Hier, Heute und Jetzt.

Das kann sein, dass du den Versuchungen nachgibst, um möglichst viel Schönes hier zu erleben. Es kann aber auch sein, dass du dich ganz deinen Sorgen hingibst und dich dadurch nur noch um das Hier und Jetzt drehst.

Es kann auch sein, weil das diese Erde hier auszeichnet, dieses Leben hier, dass wir unsere Beziehung zu Gott auf dem Weg leben, indem ich mich möglichst anstrenge, um Gott zu beweisen, dass ich ihn doch liebe. Das ist der Moment, in dem Karfreitag ohne Ostersonntag steht. Wo für mich gilt: Ja, ich muss Gott mal um Vergebung bitten, damit mein Konto auf null kommt, aber danach zeige ich ihm, dass ich es wert war.

Da hast du noch nicht verstanden, dass du neues Leben brauchst, dass du so tot und kaputt bist, dass du auch nach dem Karfreitag noch nicht in der Lage bist, so zu leben, dass du Gott gefällst. Du brauchst dieses Auferstehungsleben, das etwas verändert.

Diese Dinge sollen aber unser Leben eben nicht mehr bestimmen. In Römer 6,4 bezieht Paulus dieses Bild auf die Taufe und sagt: „So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod.“ Und ich möchte dir die Frage stellen, die Paulus übrigens auch im Kolosserbrief mit einbezieht: Bist du den Versuchungen und Sorgen deines Lebens mitgestorben? Sind sie am Karfreitag am Kreuz geblieben, oder wächst du in Gethsemane wieder mit auf?

Was beschäftigt dein Denken? Was ist dein erster Gedanke am Morgen und dein letzter, wenn du ins Bett gehst? Deine großen Wünsche, deine Sorgen oder das, worum es Paulus geht? Warum sollen wir diesem Leben gestorben sein? Weil uns das alles nicht mehr belastet, weil uns das alles nicht mehr tangiert? Das meint Paulus, glaube ich, hier im Kolosserbrief nicht.

Er sieht positiv etwas Größeres, Besseres, Schöneres. Paulus wird dein Trachten und Suchen weglenken von den Dingen dieser Erde, nicht weil sie nicht da wären, sondern weil es etwas gibt, das viel besser ist, danach zu trachten und zu suchen. Und das ist das, was droben ist.

Und was ist das, was droben ist? Paulus deutet es hier an einigen Stellen an: Christus sitzend zur Rechten Gottes. Wahrscheinlich hat Paulus hier den 110. Psalm im Blick, wo es heißt: „Ich habe dich zu meiner Rechten gesetzt und die Feinde zu deinen Schemen gesetzt.“ David beschreibt darin, dass dieser große König der Könige wirklich regiert, in aller Macht und Gewalt.

Es wird Gottes Königsreich beschrieben, das über allen Reichen steht, seine Herrschaft, ein ewiges Reich, das so viel mehr ist und zu bieten hat, als wir hier erleben können. Das, was oben ist, worauf Paulus blickt, ist eine Person: Jesus Christus, und es ist sein Reich.

Dieses Reich ist besser als alles Schöne und Gute, was uns diese Erde zu bieten hat: das Königreich Gottes. Und Jesus Christus als dieser König, der regiert, ist besser als alles, was wir uns vorstellen können. Es geht um einen König und sein Reich, das alle unsere kühnsten Träume sprengt.

Kannst du dir eine Welt vorstellen, in der Geschwister nicht mehr miteinander streiten? Könnt ihr euch das vorstellen? Dass niemand mehr gibt, der euch etwas wegnimmt oder euch anlügt, und das Ganze regiert von einem absolut liebevollen, gerechten König? Nicht wie eure Eltern, die bestimmt schon mal den Falschen bestraft haben, oder?

Schon mal ist es dir passiert, dass du bestraft wurdest, obwohl jemand anderes eigentlich der Schuldige war? Merkt ihr, eure Eltern sind auch nicht so perfekt. Jesus, nach dem wir uns ausrichten sollen, ist so viel perfekter. Es wird nicht vorkommen, dass er den Falschen irgendwo bestraft. Nein, er ist absolut gerecht und liebevoll.

Es gibt keine Sünde mehr, keinen Streit mehr in seinem Königreich. Ein König, der, wenn du dich mit ihm beschäftigst, dir immer größer erscheinen wird. Obwohl er gar nicht größer wird – er war immer so groß. Aber je mehr du dich mit ihm auseinandersetzt, desto wunderbarer, schöner und herrlicher wird er dir. Du wirst ihn mehr lieben, er wird genialer für dich.

Was will Paulus? Was will er, dass der Fokus deines Lebens wird, dein erster und letzter Gedanke am Tag? Wonach sollst du dich ausstrecken und alles suchen? Es ist eine Person: Jesus Christus, als auferstandener, zur Rechten Gottes sitzender König, der sein Reich baut.

Es geht um nichts weniger, als dass du Tag für Tag verliebt bist und immer mehr verliebt bist – in niemanden anders als Jesus Christus. Dass dein ganzes Denken und Trachten sich um ihn dreht und sich dadurch dein ganzes Leben ganz automatisch aktiv nach ihm ausrichtet, nach dem, was er mag.

Das ist der Unterschied zu jeder Religion: Es geht nicht um Regeln an sich oder um Tun und Lassen. Es geht um Besseres, Schöneres, Herrlicheres. Es geht um Jesus, der dich liebt und am Karfreitag sein Leben für dich gelassen hat. Er nimmt dich mit nach Gethsemane und in dieses neue Leben hinein, das er dort schafft und auferweckt.

Diese Welt mag Schönes zu bieten haben, aber er hat so viel mehr zu bieten. Er hat mehr zu bieten als alle Schönheiten dieser Welt zusammengenommen. Es ist so viel besser, herrlicher und genialer. Er ist so viel schöner und liebevoller als alle Menschen, mit denen du hier irgendwie Zeit verbringen kannst. Er ist die Perfektion.

Danach wünscht sich Paulus, dass wir uns ausstrecken. Wenn du in Gethsemane nicht mit auferstanden bist mit Christus, dann hast du Anteil an diesem ewigen Leben nicht, und deswegen strecke dich danach aus.

Durch die Auferstehung und Wiedergeburt ist dieses Reich Gottes heute schon in deinem Leben angebrochen. Dieses neue Leben, das Leben eines Königreichs, das so anders ist als das, was diese Welt lebt und zeigt. Und dieser König dieses Reiches wünscht sich, dass du dein Leben mit Fokus auf dieses Reich lebst und dich nicht von den billigen Mogelpackungen dieser Welt davon abhalten oder verführen lässt, sondern dass du das echte Leben suchst und lebst.

Die verborgene Kraft des Auferstehungslebens im Alltag

Paulus geht weiter, vielleicht weil er unseren Einwand schon kennt. Er sagt: Ewigkeitsleben, das schon in diesem Leben angebrochen ist, klingt nach einer tollen Aussage. Doch es fühlt sich oft nicht so an. Ich bin ganz schön belastet von den Sorgen dieser Welt, und die Versuchungen stehen täglich vor der Tür und klopfen kräftig an.

Warum ist das so? Das ist doch nicht voll sichtbar. Ich erkenne das gar nicht immer und kann es nicht immer sehen. Wir sind ja als Gemeinde zusammen, doch das fühlt sich auch nicht immer nach dem Reich Gottes an. Manchmal gibt es auch Streit. Was ist da los?

Ich glaube, dass Paulus hier in den Versen drei bis vier darauf eingeht, wenn er sagt: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet auch ihr offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“ (Kolosser 3,3-4)

Dieses Auferstehungsleben, das am Tag deiner Wiedergeburt in deinem Leben anbricht, ist erst einmal ein verborgenes Leben. Manchmal blitzt es auf, manchmal ist es sichtbar. Genauso können wir manchmal erkennen, wenn wir in die Geschichte der Welt hineinschauen, wie Gott durch das Christentum Geschichte schreibt. Trotzdem ist das Reich Gottes nicht jetzt voll sichtbar und erkennbar. Ebenso ist dieses Ewigkeitsleben nicht immer voll erkennbar.

Aber Gott baut sein Reich, und er baut dieses ewige Leben in dir. Diese Kraft ist wirksam in dir. Doch Gott tut es nicht nach den Prinzipien dieser Welt, wo alles mit eigener Kraft passiert, wo mit Macht durchgebrochen wird und mit Gewaltherrschaft Neues gebaut wird. Stattdessen tut er es so, wie er es selbst vorgelebt hat.

Wenn Gott die Schönheit dieses neuen Lebens, das in dir schon da ist, wachsen lässt, dann tut er das durch die Aufgabe deines Lebens. Indem du mit Christus stirbst, Tag für Tag. Er tut es durch Leid, Trauer und Hingabe bis zum Tod.

So baut Gott sein Reich, so baut er ewiges Leben in dir. Es ist der Same von Gottes Reich, eine völlige Umkehrung dessen, was wir als Welt verstehen, wie Gott regiert.

Als Erklärung noch: Warum ich immer vom Reich spreche? Das tue ich, weil Paulus hier von dem auferweckten, zu herrschenden Christus spricht, der zur Rechten Gottes sitzt. Jesus schafft sein Königreich anders als die Reiche dieser Welt. Dieses verborgene Reich Gottes wird so gebaut, wie Jesus es selbst gelebt hat – über Ostern, über Golgatha, nach Gethsemane.

Paulus schreibt auch in Vers vier, dass eines Tages dieses Leben völlig sichtbar wird. Nämlich dann, wenn Gott sein Reich auch völlig sichtbar macht auf dieser Welt und Jesus offenbar wird und wiederkommt.

„Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet auch ihr offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“ (Kolosser 3,4)

Ihr habt dieses Lied jetzt alle im Kopf: Eines Tages, wenn er kommt, wenn Jesus voll sichtbar wird, wenn dieses wunderbar geniale Königreich Gottes sichtbar wird, das so viel schöner ist als diese Erde hier. Dann, wenn seine Auferstehungsmacht völlig erstrahlt und seine Herrschaft sichtbar wird, wird sichtbar werden, was jetzt schon als kleine Pflanze in deinem Leben ist.

Dann wird dieses ewige Leben bei dir sichtbar werden, weil du Anteil hast an seiner Auferstehung, weil du Anteil hast an diesem ewigen Leben, an diesem Reich Gottes.

Eines Tages, wenn Jesus wiederkommt, wenn dieser wunderbare König sichtbar wird, nachdem du alles in deinem Leben auf ihn ausgerichtet hast, wird auch sichtbar werden, wie schön du bist, weil du verwandelt bist in sein Bild. Wir werden sein wie er.

Und weil das kommen wird, sollen wir uns danach erstrecken, unser ganzes Suchen und Trachten danach ausrichten!

Das Leben als Weilethik im Licht der Auferstehung

Das Christentum ist keine Machethik, sondern eine Weilethik. Weil Christus auferstanden ist, können wir anders leben. Weil er dir neues Leben gegeben hat, kannst du anders leben. Weil er lebt, weil er regiert, weil er uns geliebt hat und sich für uns hingegeben hat.

Darum bist du aufgefordert, dich nach diesen Dingen oben auszustrecken und nach ihm zu suchen.

Wisst ihr, wie ich häufig lebe? Wie in der Geschichte: Als wenn mein Chef mich für ein Jahr ins Ausland schicken würde, um dort eine neue Außenstelle aufzubauen. Als Belohnung für diese entbehrungsreiche Zeit verspricht er mir eine wunderschöne Villa mit großem Garten in meiner Heimat nach diesem Jahr. Er stellt mir alle Aufgaben, alles Geld und Zeit und alles zur Verfügung, damit ich diese Außenstelle aufbauen kann.

Ich gehe also ins Ausland. Nachdem ich dort angekommen bin, ist meine erste Tätigkeit, dass ich mir einen Bauplatz für ein kleines Häuschen suche. Die nächsten Monate verbringe ich damit, dieses kleine Häuschen zu bauen. Ich investiere Zeit und Geld, die ich hier zur Verfügung habe, damit ich ein kleines, schönes Häuschen in dem fremden Land habe, in dem ich diese Außenstelle aufbauen soll. Denn ich brauche doch eine gute Basis für mein Leben, damit ich überhaupt die Kraft habe, diese Außenstelle aufzubauen.

Nach zwölf Monaten habe ich gerade die Außenanlagen angelegt. Dann kommt das Taxi, um mich zum Flughafen zu bringen, denn meine Zeit ist abgelaufen und ich kehre in meine wahre Heimat zurück. Von der Außenstelle ist nichts zu sehen.

Ich glaube, jeder von euch stimmt mir zu, dass es doch viel besser gewesen wäre, dieses Jahr etwas Entbehrungsreiches auf sich zu nehmen, um für diese große Villa in der Heimat zu leben, die ich ewig genießen kann. Aber wir sind so oft dabei, diesen kleinen Bauplatz, dieses kleine Häuschen zu pflegen und zu bauen, obwohl das gar nicht meine Aufgabe ist, sondern mich nach etwas auszustrecken, nach etwas Größerem, das auf mich wartet.

Es ist jetzt nicht schlecht, sich hier einen Wohnraum zu schaffen. Ihr braucht ein Dach über dem Kopf, will hier nichts durchstreichen, wir alle brauchen das. Aber wo liegt mein Trachten, wo mein Suchen? Eigentlich sollte ich mich doch in dem ganzen Jahr mit meiner Zukunft beschäftigen. Und wenn es schwer ist, müsste ich vielleicht ein paar Fotos von der Villa anschauen, damit ich wieder Kraft habe, das Jahr durchzustehen. Auch wenn es hart und schmerzvoll ist, danach trachtend, diese Villa zu erreichen, dafür zu leben, weil da etwas Schönes auf mich wartet.

Und so wünscht sich das Jesus, dass wir uns in dem Leben hier und heute, das nicht einfach ist, immer wieder mit ihm beschäftigen. Warum? Weil er auf uns wartet. Nicht weniger: Auf uns wartet die beste und schönste Person, die es gibt – Jesus selbst.

Er wünscht sich, dass du jeden Tag deines Lebens dich mit ihm auseinandersetzt und beschäftigst. Und wenn du dich mit ihm beschäftigst, wenn er dir immer wertvoller wird, dann wird etwas passieren, was auch passieren würde, wenn du in diesem Jahr im Ausland unterwegs bist und diese Villa Tag für Tag vor Augen hast: Deine ganze Motivation und so weiter wird sich danach ausrichten, deinen Job in dem Jahr gut zu machen.

Warum? Weil du die Belohnung deines Chefs vor Augen hast, diese geniale Villa. Du wirst ganz automatisch die richtigen Entscheidungen treffen und die richtigen Dinge in deinem Leben aktiv tun. Du wirst auf Dinge verzichten und die richtigen Dinge tun. Warum? Weil du ein Ziel vor Augen hast.

Anders: Lass Jesus dein Leben prägen und lass ihn dein Suchen prägen.

Praktische Konsequenzen des Auferstehungslebens

Wie kann das konkret aussehen? Wenn ihr zuhause weiterlest ab Vers 5, werdet ihr finden, dass Paulus über zwei Dinge schreibt. Er beschreibt, wie dieses praktische Leben ganz aussieht und welche Auswirkungen es hat, wenn Jesus im Zentrum meines Lebens steht. Zum einen werde ich Dinge ausziehen, zum anderen Dinge anziehen.

Die Dinge, die schlecht sind, zieht man aus: Unzucht, Sex, Geld, Habsucht, Götzendienst – diese Dinge listet Paulus dort auf. Habt ihr etwas, das ihr ausziehen müsstet? Dem einen oder anderen kommt bestimmt etwas in den Kopf. Ich lasse euch das selber über.

Und wir sollen Dinge anziehen. Unser Reden soll anders werden, unser Umgang miteinander soll anders sein. Kein Zorn mehr, kein Lästern mehr, kein Tratschen, kein Lügen. Warum? Weil wir uns auf das Reich freuen, in dem diese Dinge nicht mehr sein werden. Dort wird einfach ein absolut liebevoller Umgang miteinander herrschen.

Wie kommen wir dazu? Das sagt Paulus im Vers 16: Indem wir sein Wort reichlich unter uns wohnen lassen. Warum? Weil wir in seinem Wort ihn sehen, wie er ist, und weil wir ihn in seinem Wort erkennen. Der Hauptgrund, warum du die Bibel lesen solltest, ist, damit du Jesus siehst und erkennst. Damit du diese Person, die dich so sehr liebt und für dich gestorben ist, Tag für Tag vor Augen hast.

Wenn du dir in deinem Leben schwer tust mit christlicher Aktivität und dir manchmal wichtiger ist, genug Freizeit als Ausgleich zu haben, dann will ich dich nicht wegen der Aktivität motivieren. Das wäre Religion. Da kann ich nichts mit anfangen, und Gott kann nichts damit anfangen.

Meine Frage geht weiter und tiefer: Ist es wirklich die Entspannung, Ruhe und der Ausgleich, den du so sehr nötig hast? Oder liegt es vielleicht daran, dass das Trachten deines Herzens viel mehr an diesen Dingen hängt als an Jesus Christus selbst?

Ich kann diese Frage für dich nicht beantworten, und es steht mir auch nicht zu, sie zu beantworten. Das steht Gott alleine zu. Aber ich darf sie dir stellen, und du darfst sie Gott stellen.

Wie David das tut: Er betet in Psalm 139, Verse 23-24: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; siehe, ob ich auf bösem Weg bin, und leite mich auf ewigem Weg.“

Die Frage, die du dir stellen wirst, ist, ob dieses Auferstehungsleben dein Leben prägt und ob dein Trachten und Suchen an Jesus hängt. Ist er die Nummer eins in deinem Leben? Ist er die Person, in die du verliebt bist, die dein Aufstehen und dein Zu-Bett-Gehen prägt? Ist er der, um den sich alles dreht? Nicht aus einem strampelnden Hamsterrad heraus, sondern hast du diese Beziehung zu ihm, pflegst du sie, lebst du sie, hängst du an ihm? Ist er der, bei dem alles da ist?

Ja, diese Welt mit ihren Versuchungen und Sorgen ist herausfordernd. Sie steht im Gegensatz zu diesem neuen, ewigen Leben. Aber eines Tages wartet diese große Villa auf dich. Dann, wenn Jesus wiederkommt, wird das Unten auf der Erde vergehen, vergessen sein und wertlos. Das ewige Leben wird sichtbar werden – nicht mehr in Schwachheit, nicht mehr im Verborgenen.

Dein neues Leben wird sichtbar werden, nicht mehr in Schwachheit und Verborgenem, sondern in absoluter Herrlichkeit. So, wie die Auferstehung Jesu in deinem Leben angebrochen ist, wird sie eines Tages vollkommen sichtbar werden.

Es ist ein Schon jetzt und noch nicht. Dieses Schon jetzt ist der Anbruch, und dieses Noch nicht ist die Vorkommenheit, in der das zarte Pflänzchen zu einer vollkommenen Schönheit wird, zu einem großen, prachtvollen Baum, der in seiner ganzen Blüte sichtbar ist.

Dann, wenn Jesus wiederkommt, wenn du ihn siehst, wie er ist – diesen liebevollen, perfekten König – dann, wenn wir in seinem Reich leben, das uns so viel mehr zu bieten hat als alles in dieser Welt, dann, wenn wir Gerechtigkeit, Liebe untereinander und Perfektion erleben, dafür lohnt es sich, sein Leben auszurichten.

Amen!