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Passt das Evangelium in unsere Zeit?

01.11.1959Psalm 106,1-48

Einleitung: Die zeitlose Relevanz biblischer Texte

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist und der da war. Unter der Überschrift „Armin“ haben wir uns vorgenommen, einige Bibelstellen zu besprechen, an denen man so leicht hängenbleibt, wenn man sie liest.

Ein Beispiel ist die Stelle aus Richter 6,1-6 – ein Text, der mich sehr gepackt hat. Dort heißt es: „Sie warteten nicht auf seinen Rat.“ Dieses Besprechen ist wichtig, denn im Zusammenhang wird von Israel gesprochen. Es wird berichtet, dass sie Gottes Taten besangen, aber bald darauf seine Werke vergaßen. Sie warteten nicht auf seinen Rat und wurden gierig in der Wüste.

Herr, heilige uns und deine Wahrheit! Dein Wort ist die Wahrheit.

Armin, meine Freunde, zu den Behauptungen, die uns heute oft vorgetragen werden, gehört der Satz: „Deshalb passt die Bibel nicht mehr in die moderne Zeit.“ Man sagt, das sei überholt.

Doch in der Bibel wird uns Abraham gezeigt. Er steht in der unendlichen Stille der Steppe, nachts, vor seinem Zelt. Über ihm sieht er den gestirnten Himmel. Das wird uns vom Apostel Paulus beschrieben. Abraham zog zu Fuß durch die kleinen asiatischen und europäischen Länder.

Heute sagt man mit Recht: „Das ist uns eine völlig fremde Welt.“ Damals begann man noch zu Fuß zu reisen, nicht mit modernen Verkehrsmitteln. Wer weiß, wie es in Zelt oder bei Pfadfindern war. Die Steppe – das ist heute eine fremde Welt.

Wir haben so andere Probleme, so andere Fragen. Wir leben einen anderen Lebensstil und haben ein anderes Lebensgefühl als Abraham.

Man sagt, das sei ganz schön gewesen für die Leute damals. Aber es passe nun wirklich nicht in unser Zeitalter.

Die Herausforderung der Zeitgenossenschaft des Evangeliums

Liebe Freunde, wenn die Leute Recht hätten, dann würden wir mit der Predigt des Evangeliums den anderen nur eine Beschäftigung suchen – Zeit für mich oder vielleicht auch eine Möglichkeit, die Bibel aus der Sicht von Zeitschriften wie dem Spiegel oder dem Stern auszulegen. Dann wären wir wahrscheinlich kolossal zeitgemäß, nicht wahr?

Hallo, meine Freunde! Wenn das nun gar nicht wahr ist, dann könnte es sein, dass unsere Zeit das Eigentliche aus den Augen verliert. Das ist vielleicht der Grund, warum es heute so zugeht, wie es zugeht. Das ist die Frage, die ernste Frage: Passt das Evangelium in unsere Zeit oder nicht?

Ich will es nicht zu schnell sagen. Wir wollen es mal ernsthaft fragen: Passt das Evangelium zu unserer Zeit? Nun muss ich etwas sagen, was merkwürdig klingt: Auf diese Frage gibt uns ein Psalm aus dem Jahr 1050 vor Christus eine Antwort. Das klingt wundersam, aber tatsächlich gibt uns unser Text eine Antwort auf die Frage, ob das Evangelium heute noch passt oder nicht.

Ich möchte den Text noch einmal lesen. Psalm 106,4-12: "Sie sangen sein Lob, doch bald vergaßen sie seine Werke und warteten nicht auf seinen Rat. Sie wurden nüchtern in der Wüste."

Ich hatte überlegt, ob ich den Text abändern sollte, aber ich habe beschlossen, ihn genau so zu lassen. Heute müssen wir ihn vor uns haben. Die Leute, die hierherkommen, sind so klug und haben ein gutes Gedächtnis. Vielleicht verstehen sie dann, dass sie sein Lob singen sollen – aber sie dürfen nicht seine Werke vergessen und müssen auf seinen Rat warten.

Passt das Evangelium also in unsere Zeit?

Die verblüffende Entdeckung: Der Mensch gestern und heute

Ich habe drei Teile. Den ersten Teil überschreibe ich mit „Eine verblüffende Entdeckung“.

Meine Freunde, wir modernen Menschen reden doch nicht so, oder? Dann müssen wir den ja mal kurz skizzieren: Wie sind wir modernen Menschen denn eigentlich? Ich schaue mal so ein paar Dinge ebenso hin.

Vor allem sind wir außerordentlich materialistisch. Sehen wir das mal so: Wir haben alle keinen Vorwurf. Eine schöne Wohnung, ein Auto, wenigstens ein Moped, gutes Essen – gutes Essen ist für unsere Lage kein Problem. Wenn Käse kommt, ist das schon etwas Besonderes, aber gutes Essen haben wir. Und dann? Keine Befriedigung aller unserer biologischen Triebe. Liebe Mutti, an Roman sehen Sie: Moderne Menschen sind ja immer dasselbe. Es gibt nicht nur Gut und Böse, sondern auch die Pflicht, seine Triebe auszuleben.

Richtig, Luther hatte mal ein wunderbar kluges Wort gesagt: „Die irdischen Begierden sind immer furchtbar eilig.“ Und darum, weil wir so von unserem Begehren getrieben sind, sind wir also eilige Leute. Habe ich recht? Ich weiß gar nicht, wie das geht: Die Hälfte der Menschheit arbeitet auch samstags nicht, aber ich höre immer wieder den Satz: „Ich habe keine Zeit.“ Wenn wir noch eine Stunde arbeiten, haben wir keine Zeit. Wir sind gehetzte Leute, richtig? Nicht wahr, Leute?

Und wenn wir so gehetzt sind, sind wir merkwürdig vergesslich. Also, wenn wir Menschen sind, sind wir ja nicht Berlin. Wenn ich in den Mond schaue, wir sind merkwürdig vergesslich. Wer weiß noch, dass in den Jahren 1945 und 1946 viele Menschen gehungert haben? Wie sie aßen, außer Brot – oder wer weiß noch? Wir heilige Brüder reden ja nicht immer davon, okay Köln. Ja, die Vergesslichkeit ist unglaublich.

Ich kann heute kein Kind mehr ein Gedicht lernen lassen. In meiner Jugend habe ich gewettet, dass Schüler in vierundzwanzig Stunden die Glocke auswendig lernen können. Aber heute kann das kein Mensch mehr. Völlig unmöglich. Ich danke den Jungs, die Sprüche sagen. Ich sage: Schreibt sie euch auf, wir können sie nicht behalten. Auf Windows sind fünf Worte völlig vergessen. Film also, wir alle nicht. Mein Regenschirm besteht immer irgendwo nicht.

Aber liebe Freunde, man soll nicht bestreiten, dass der moderne Mensch auch zugänglich ist für religiöse Regungen. Nicht nur Kirche an der Autobahn, das finden wir in Ordnung. Wir gehen noch nicht rein, aber es gibt immer noch so ein kleines heiliges Gefühl. Wenn ich hundert Kilometer daran vorbeifahre, ist das richtig. Manche, nicht alle, sind so. Ich weine viel, nachteiligerweise. Ach ja, wir sind religiösen Gefühlen durchaus zugänglich.

Habe ich einen modernen Menschen richtig geschildert? Ja. Und nun kommt meine verblüffende Entdeckung: In unserem Text, der fast dreitausend Jahre alt ist, wird ein Mensch von vor dreitausend Jahren beschrieben. Und denken Sie: Sie sehen genau dieselben Kennzeichen, die ich vom modernen Menschen genannt habe. Genau diese Kennzeichen sind hier genannt bei Menschen von vor dreitausend Jahren. Ich bin in meinem Stuhl gefallen, als ich das gesehen habe, liebe Freunde.

Das heißt: Der moderne Mensch ist gar nicht modern. Quatsch! Dominik ist immer wach, Stadtstein, Brauchten Atombombe. Deswegen können wir, aber der Mensch war immer so. Ich möchte das jetzt mal zeigen.

Am Tisch sehen Sie, wie Israel durch die mächtige Hand des Herrn aus der Sklaverei befreit wurde. Dann zog es in die Wüste, nach Kanaan, das Land, das Gott ihnen geben wollte. Und wieder mal – wir sprachen letztes Mal davon – wird im Stadium der Durchzug durchs Rote Meer genannt. Ja, die Wasser teilten sich, die Wände hielten fest, und sie zogen hindurch.

Und doch, Herr seufzte über ihre Widersacher. Mehr solche gab es. Und dann kommt es: Sie lobten damals Gott. Das waren religiöse Leute, eine schöne religiöse Erhebung. Die war fast so schön wie bei Westdeutschland an Weihnachten. Sie sangen sein Lob.

Aber dann ging es weiter in die Wüste hinein nach Kanaan. Und da war es dann nichts mehr mit dem Lob. Da war der schreckliche Alltag und Staub. Da heißt es dann: „Sie vergaßen schnell seine Werke.“ Das sehen Sie: dieselbe Vergesslichkeit wie bei uns. Sie vergaßen, was gestern war. Ich würde sagen, sie vergaßen schnell den Durchzug durchs Rote Meer und die Befreiung. Sie waren genauso vergesslich wie wir.

Und genauso eigensinnig wie wir. Sie warteten nicht auf seinen Rat. Und warum auch? Wer konnte auf Gottes Rat warten, wenn Gott mit Mose vierzig Tage auf dem Berg sprach? Darauf kann man nicht warten. Man muss jetzt handeln. Dann macht man sich ein goldenes Kalb, einen eigenen Kürzen. Man muss ja schließlich weitermachen, nicht wahr? Man hat keine Zeit zu warten auf Gottes Rat.

Und überhaupt: Gott? Was heißt Gott? Mose kannte ihn, er war der Pastor des Volkes. Aber also genauso gut hätte man ein goldenes Kalb haben können. Viel wichtiger war es, mal zu essen und zu trinken. Was heißt das? Sie wurden nüchtern in der Wüste. Man kann auch sagen: Sie wurden gierig in der Wüste. Sie kamen zu Mose und sagten: „Menschen haben nichts zu trinken, Mann, wir haben nichts zu essen gehabt.“ Doch ach, was ähnlich diesem Manna, das uns ekelt. Ja, so geht das ewig nicht.

Sie wurden gierig. Dieselben Kennzeichen. Was gut? Ja, ja, ja, wo sie redeten mit ihm. Aber jetzt geht es um handfeste Dinge, um materielle Güter. Wir wollen das haben, was zum komfortablen Leben nötig ist.

Sind das die verblüffenden Entdeckungen, die ich gemacht habe? Ich nehme an, dass, wo das so fast dreitausend Jahre geschrieben wurde, der Mensch in den eigentlichen Zügen genau so geschildert wird wie heute. Der Mensch hat sich nicht verändert. Er war damals und ist genauso heute aufs Irdische gerichtet, eilig, vergesslich, eigensinnig und ab und zu zugänglich für religiöse Stimmungen.

Dominik ist dasselbe geblieben. Das ist natürlich eine deprimierende Beobachtung. Dominik ist dasselbe geblieben. Gut, gut ist auch derselbe geblieben. Das heißt jetzt neben mir, wenn ich das sage: Wie du warst in alter Zeit, so bleibst du.

Gott ist auch derselbe geblieben. Um Gottes Willen: Er ist derselbe geblieben. Gott will, dass allen Menschen geholfen wird, sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Und dafür hat er seinen Sohn, unseren Herrn Jesus, gesandt.

Liebe Freunde, der Mensch selber ist Gottes Rettung wieder. Jeder selber ist dann. Das heißt mit anderen Worten: Das Evangelium passt für uns genauso wie für Menschen vor dreitausend Jahren. Das Evangelium ist uns genauso nötig wie für einen Menschen von vor dreitausend Jahren.

Und wenn ich noch einmal jemandem begegne, der sagt: „Das passt nicht mehr in unsere Zeit“, dann lachen Sie ihn aus. Und wenn Sie fragen, warum Sie lachen, dann sagen Sie: „Als der Bus ins Rote Meer zu geben wollte, antwortete jemand: ‚Jung, gehört unsere Zeit.‘ Wie es vor zweitausend Jahren nötig war, im Mittelalter nicht nötig, im Mittelalter nötiger, vor dreitausend Jahren – das ist ja eine Einbildung. Wir haben uns nicht verändert. Ich habe gar nicht.“ Das ist ein Moment. So kommt das Zweite.

Das umgekehrte Bibelwort: Der gefallene Mensch und der Weg zum Heil

Das war meine verblüffende Entdeckung. Den zweiten Teil möchte ich überschreiben mit „Das umgekehrte Bibelwort“.

Sehen Sie, meine Freunde, in unserem Text fanden wir also den Menschen. Materiell und irdisch gesehen ist er vergesslich, religiös gesehen auch hungrig. Aber ist Ihnen im Zusammenhang des Textes ganz klar, dass hier der Mensch gemeint ist? Georg unter Gottes Thron steht der gefallene Mensch, der natürliche Mensch, ja der heillose Mensch, doppel-namenloser Mensch. Der Mensch, über dem keine Gnade ist, wird so beschrieben.

Und wieder sind hier Menschen gemeint, von denen man sagen muss: „Armament tust dich wichtig, aber du bist ohne Heil.“ Ein heilloser Mensch, ein Mensch ohne Gnade, über den keine Gottesgnade leuchtet. Sehen Sie, wenn wir jetzt also dieses Bibelwort, diese Schilderung des gnadenlosen Menschen, des heillosen Menschen, einmal im Spiegelschrift lesen würden — reden wir immer mal Spiegelschrift lesen — dann muss uns ja das Bild des Menschen entgegenleuchten.

Geht das Heil gefunden nach dem Frieden mit Gott über dem Gottes Gnade steht? Ja, denn sie sind in der Hölle. Und das wollen wir jetzt mal tun: Wir wollen bei den Texten Spiegelschrift lesen. Das heißt, wir wollen von rückwärts lesen und jedes Wort umdrehen. Dann müssen wir ja einfach den Weg zum Heil sehen.

Silvester bin ich Dummheit. Also fange ich hinten an: „Sie wurden lüstern in der Wüste.“ Ja, wir sind auch lüstern in der Wüste unserer Zeit. Oh, meine Freunde, lasst uns doch einfach mal diese Gier nach Materiellem erkennen als Sünde. Die Bibel nennt es so: Augenlust, Fleischeslust, hoffärtiges Wesen — sind nicht von Gott, sondern von der Welt.

Lasst uns doch mal diesem ganzen irdisch gesinnten Wesen ins Auge sehen und sagen: Es ist schön unser Wesen, nicht böse. Es ist Gott entgegengesetzt. Und jetzt lese ich weiter: „Und sie warteten nicht auf seinen Rat.“ Das kann der geistliche Mensch also nicht sein, denn er ist einer, der auf Gottes Rat wartet.

Wie geschieht denn das, meine Freunde? Dass wir jeden Tag wenigstens eine Viertelstunde von den vierundzwanzig Stunden ganz still werden und die Bibel vornehmen. Fangen Sie im Johannesevangelium an und lesen Sie wirklich verlangend. Alles andere muss schweigen. Mein Verlangen ist lesen. Es wird mit Ihrem Glaubensleben, nicht mit Ihrer Seligkeit, nichts, wenn Sie nicht anfangen, selber so auf seinen Rat zu warten und die Bibel zu lesen.

Und dann beten Sie darüber. Ich sage Ihnen: Wenn wir unsere Anliegen, unsere Probleme, unsere Nöte so gut wir können vor Gott ausbreiten, dann will er uns versprochen mit seinen Augen leiten. Das heißt, auf seinen Rat warten.

Und nun kommt das Wichtigste. Das heißt hier: „Und sie werden sein Werk schnell lieben.“ Das Gegenteil, also ist richtig, dass das Werk Gottes im Mittelpunkt unseres Lebens steht. Gottes größtes Werk, das wisst ihr hoffentlich, ist das Kreuz Jesu.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Und der Mensch geht daran vorbei. Da sehen Sie Gottes Werk: Da hängt der Sohn Gottes am Kreuz, die Hände durchbohrt, das Gesicht blutüberströmt. Da ist Gottes Werk, der seinen Sohn gab, der dafür bezahlt hat.

Uns — das war schön — der uns da büßt für uns. Aber ich möchte, dass das Kreuz wird so vorgestellt, dass ich sagen kann: „Da bin ich verkauft worden für Gott, da bin ich versöhnt worden mit Gott, meine Schulden bezahlt worden, das Größte für mich getan worden.“ Ach Herr Jesus und Gott, ohne dich leben!

Sehen Sie, dass der geistliche Mensch nicht der vergisst schnell seines Werks, sondern Gottes Werk im Mittelpunkt stehen hat. Und dann heißt es: „Und sie sangen sein Lob.“ Ja, meine Freunde, das weiß ich, habe ich tausendmal erlebt: Wenn ein Mensch zu Jesu Kreuz gekommen ist, dann gehen die Augen auf, dass er glauben kann. Seine Blöden, seine Blindheit kommt raus.

Dann fängt er an, Gottes Lob zu singen. Es gibt Leute, die können gar nicht sehen, dass sie mit dem Herzen singen. Aber gesungen wird, und das ist dann nicht mehr bloß eine flüchtige religiöse Stimmung, sondern das ist ein Gesang des Herzens, der nicht abreißt bis in die Ewigkeit hinein. Singen sein Lob.

Es gibt eine Gemeinde Jesu Christi, die geglaubt hat und die sich aufgelöst weiß durch Jesu Blut. Und in ihren Reihen klingt leise ein Lied, gar wunderbar. Halten Sie das Lied vom Lamm. In einem anderen geistlichen Volkslied heißt es: „Ich singe merkwürdig, ich singe von Jesu Kreuz und singe mich nicht satt.“

Nicht waren Weltmensch, der sieht in der Kirche und sind überhaupt nicht mit. Und Christ singt sich nicht satt. Ich, das erfüllt mich mit Freude: Ich bin angenommen, ich bin ja kaum, ich bin persönlich mein Heiland, stark für mich, er liebt mich.

Ich will ein Beispiel sagen: Wir kennen alle die Geschichte vom Apostel Paulus auf dem Marktplatz, gesteinigt, gegeißelt mit seinem Freund Silas und dann ins Gefängnis geworfen, in eine elende Kerkerzelle. Das heißt in die unterste Gefängniszelle.

Und dann, um Mitternacht, beteten Paulus und Silas und sangen Jesuslieder und lobten Gott. Sie werden mir zugeben: Da ist kein Platz für religiöse Stimmung in deinem Gefängnis, verprügelt, wenn der Rücken blutig ist. Nein, das ist anders.

Wieso Weihnachten? Eiapoieia? Sondern das war kein Platz für religiöse Stimmungen. Und dann sollen sie das losgehen. Ich hoffe, Sie begreifen, was ich meine.

Wenn wir dieses Bibelwort umkehren, das ist der Weg zum Heil. Das hier keine meint irdische sind jetzt völlig falscher Weg. Und nicht darf man seine Werke vergessen. Ich muss still werden, auf seinen Rat achten und mein Herz muss fröhlich werden am Heiland.

Und ich sage Ihnen: Das ist doch der Heilsweg, der Evangeliumsweg für die Menschen aller Zeiten. Das war der Weg für den Sänger dieses Psalms, den wir nicht kennen. Und das war der Weg für die Apostel. Das ist genauso der Weg für den Menschen 1959.

Was heißt passen? Ich sehe nur eine unselige Welt, aber ich bezeichne es so, dass wir auf diesem Wege ein glücklicher und besserer Mensch geworden sind. Das ist der Evangeliumsweg auch für die Menschen unserer Zeit.

Eine tiefgreifende Veränderung: Vom natürlichen zum geistlichen Menschen

Nur noch ein drittes Mal möchte ich etwas sagen. Ich möchte überschreiben: Eine tiefgreifende Veränderung. Der Begriff „Überschreitung“ deutet auf eine tiefgreifende Veränderung hin.

Wir haben die Frage aufgeworfen: Passt das Evangelium in unsere technische Zeit? Nun soll uns der Text endgültig die Antwort geben.

Wir sahen den natürlichen Menschen. Dieser natürliche Mensch ist vergesslich, gierig und materiell gesinnt. Ab und zu ist er religiöser Stimmung hingegeben. Meine Freunde, das ist das natürliche Gefälle unseres Herzens, irdisch gesehen. Ohne Stille, eilig, ohne Heiligkeit – das ist das natürliche Gefälle des Herzens, das zu allen Zeiten herzlich ist. Was uns hier geschildert wird, gilt darum zu allen Zeiten als Zeitgeist.

Wir sahen umgekehrt den geistlichen Menschen, der himmlisch gesinnt ist. Er kann still sein, hat Erwartung, doch Gottes Rat. Er lauscht auf Gottes Wort und kann beten. Er vergisst nicht Gottes Werk. Das Kreuz ist der Mittelpunkt seines Lebens geworden. Sein Herz hängt mit voller Hingabe an seinem Herrn und Erlöser.

Nur werden Sie mir zustimmen, dass der Unterschied zwischen diesem natürlichen Menschen und dem geistlichen Menschen so groß ist, dass er nur durch eine ganz tiefgreifende Veränderung vom einen zum anderen kommen kann. Das heißt mit anderen Worten: Das Evangelium von der Wiedergeburt hat nie in unser natürliches Herz gepasst und hat nie dem Zeitgeist entsprochen. Es war immer eine aufregende Botschaft.

Das Evangelium, meine Freunde, wird auf diesem Weg anvertraut. Dieser Weg steht dem natürlichen Gefälle seines Herzens und dem Zeitgeist diametral entgegen.

Darf ich ein Beispiel gebrauchen? Sehen Sie: Um die Jahrhundertwende hat man Häuser gebaut – schlechte Häuser. Erinnern Sie sich an die schlechten Häuser mit viel Stuck, die heute noch so sind? Mit Balkonen, die kreativ, aber nicht schön sind, und mit seltsamen Gesichtern und viel Stuck daran.

So wollten wir das Haus unseres Christentums bauen. Wir wollten gewissermaßen zu unserem umgekehrten natürlichen Herzen ein bisschen Stuck des Christentums hinzufügen. Nun, heute klappt mein Stuck herunter. Wir bauen mit geraden Linien, und so sagt man: Das ganze Christentum passt nicht mehr. Wir haben das Stuck des Christentums heruntergenommen und machen es also klar: materiell, vergesslich usw. – nicht.

Sehen Sie, das ist falsch. Richten wir uns nicht nach dem Stuck des natürlichen Lebens aus. Jesus sagt: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, kann er nicht ins Reich Gottes kommen.“ (Johannes 3,3) Aus dem materiell gesinnten Menschen und dem vergesslichen Menschen, wie wir ihn hier geschildert haben, wird ein Mensch, der himmlisch gesinnt ist, seine Werke nicht vergisst, auf Gottes Rat wartet und in Lobgesängen lebt. Der wird zum Sohn Gottes.

Das geschieht nur durch eine ganz gründliche Wiedergeburt unseres Lebens.

Wollen Sie Kinder Gottes werden? Wollen Sie selig werden? Wollen Sie unter der Gnade stehen? Dann brauchen Sie eine Wiedergeburt, nicht mehr und nicht weniger. Eine völlige, grundsätzliche Umwandlung.

Machen Sie es nicht so einfach! Tersteegen sagt: „Gibt es, dass mein Herz sich im Grund bekehrt?“ Es gibt auch viele, die nur oberflächlich angestrahlt werden, die sagen: „Gibt es, dass mein Herz sich im Grund bekehre?“

Nun lassen wir uns beten:

Herr, unser Heiland, wir danken dir, dass du in deiner großen Barmherzigkeit dieses Wunder an uns tun willst, dass wir wiedergeboren werden. Du kennst die Herzen, die sich danach sehnen. Ich biete dir an das Wunder und den Wecker auch für die, die sich nicht sehen, Arme.