
Podcast: Zweifel an Predigten
Einführung und Gesprächsrahmen
Herzlich willkommen bei Deep Talk! Wir freuen uns, gemeinsam mit dir Gott besser kennenzulernen. Durch Predigten und Interviews möchten wir uns von ihm immer mehr verändern lassen und ein Leben führen, das sich lohnt – ein Leben zur Ehre Gottes.
Unser Anliegen ist es, mit dir über Themen zu sprechen, die tiefer gehen. Es geht also nicht um Small Talk, sondern um Deep Talk. Sei dabei und lass dich herausfordern!
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Frag' den Kotsch! Ich bin Benjamin, bei mir sitzen Tina und natürlich der Namensgeber der Folge, Michael Kotsch.
Heute sprechen wir über die Frage: Wie gehe ich damit um, wenn der Prediger von der Kanzel etwas sagt, das ich aufgrund meiner Bibellese anders beurteile? Das ist die grundlegende Frage, die wir uns heute stellen.
Umgang mit abweichenden Predigtmeinungen
Ja, Michael Kotsch, was sind deine ersten Gedanken dazu?
Also, das heißt natürlich, dann ist klar: Du musst dein Gewehr rausholen, auf den Pastor anlegen und sagen: „Bekehre dich, kehre um!“ Nein, so ist es nicht.
Es gab tatsächlich Gruppen in der Kirchengeschichte, die das als provokante Aktion genutzt haben. Zum Beispiel in Zürich gab es eine Truppe junger Männer, die sehr motiviert waren. Sie wurden in katholische Gottesdienste geschickt. Immer wenn der Priester anfing zu predigen, dass man zu Maria oder den Heiligen beten müsse, sind sie aufgesprungen und haben gesagt: „Halt, das steht nicht in der Bibel, du lügst!“ Das führte zu viel Aufruhr und zu Diskussionen.
Allerdings habe ich Zweifel, ob das wirklich die richtige Art ist, voranzugehen. Deshalb würde ich das nicht empfehlen. Mit Pistole und Gewehr sowieso nicht. Als Christen sollen wir keine Waffen haben, sondern unsere Feinde lieben.
Auch solche provokativen Predigten halte ich für keine gute Idee. Damit machen wir uns und anderen das Leben schwer und wirken nicht ernsthaft. Immerhin gehen wir doch davon aus, dass jemand, der predigt, von den Ältesten geprüft wurde und die Gemeinde hinter ihm steht.
Es gibt verschiedene Phasen, glaube ich. Eine wichtige Phase ist, wenn ich merke, dass etwas nicht passt, mir Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken. Vielleicht will mir Gott etwas sagen, vielleicht bin ich einseitig oder sehe etwas nicht.
Das gilt natürlich nur, wenn nicht von vornherein klar ist, dass jemand etwas sagt, was eindeutig nicht mit der Bibel übereinstimmt – also keine Irrlehre zum Beispiel.
Umgang mit Irrlehre und Meinungsverschiedenheiten
Ja, und zwar handelt es sich dabei auch um ganz deutlich erkennbare Irrlehre. Wenn zum Beispiel jemand von der Kanzel behaupten würde, die Bibel sei gefälscht oder Mohammed rette, dann würde ich mich fragen, wie diese Person überhaupt auf die Kanzel gekommen ist.
In einem solchen Fall wären in erster Linie die Ältesten der Gemeinde gefragt. Sie müssten nach vorne treten, die Person freundlich darauf hinweisen und der Gemeinde sagen: „Das sehen wir nicht so.“
Nehmen wir aber an, es handelt sich um Fragen, die nicht ganz so eindeutig sind. Dann würde ich so vorgehen, dass ich zunächst einmal nachdenke, bevor ich sofort reagiere. Warum? Weil wenn ich sofort öffentlich etwas sage, bekommen das alle mit. Wenn das nicht gut überlegt ist, schadet das der Glaubwürdigkeit des Predigers sehr stark. Auch diejenigen, die zuhören, können dadurch verunsichert werden.
Man muss also genau wissen, ob an der Aussage wirklich etwas dran ist. Für mich persönlich ist die erste Frage: Handelt es sich um ganz deutliche biblische Irrlehre? Oder ist es eher eine Meinung, bei der man sagen kann: „Na ja, das geht auch. Vielleicht ist es nicht meine Ansicht, aber manche gläubigen Christen, die die Bibel ernst nehmen, können das durchaus so sehen.“
Oder ist es einfach eine Meinung, die mit der Bibel gar nichts zu tun hat? Es gibt also unterschiedliche Arten von möglichen Irrtümern.
Zum Beispiel gibt es ganz formelle Fehler, wie wenn jemand den Namen einer biblischen Person verwechselt. Das ist etwas anderes als eine theologische Frage, bei der jemand über ein brisantes Thema spricht und man sagt: „Das sehe ich aber ein bisschen anders.“
Gerade diese Unterscheidung ist, glaube ich, sehr interessant, besonders im Hinblick darauf, was derzeit so diskutiert wird.
Konkrete Reaktionen auf Fehler in der Predigt
Wenn jemand Jugendleiter, Gemeindeleiter oder Ältester ist, sollte man genau zuhören. Es gibt Fehler, die man entweder am Ende der Predigt oder, wenn es sehr gravierend ist, sogar während der Predigt ansprechen sollte. In solchen Fällen muss der Prediger damit leben, wenn er wirklich deutlich danebenliegt.
Man muss aber auch abwägen, wenn man etwas in der Gemeinde anspricht, selbst wenn es erst am Ende der Predigt geschieht. Es kann sein, dass man dem Fehler dadurch eine besondere Bedeutung gibt und die Leute erst dann richtig zuhören. Meine Erfahrung ist, dass manche Fehler von Gemeindemitgliedern gar nicht wahrgenommen werden. Manche hören bestimmte Fehler einfach nicht oder bekommen sie nicht mit. In solchen Fällen ist es besser, diese Fehler nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen, wenn sie nur einmal vorkommen.
Wenn ich den Eindruck habe, dass es nicht unbedingt nötig ist, einen Fehler direkt zu benennen, der aber trotzdem eine falsche Lehre darstellt, empfehle ich, nach dem Gottesdienst auf die betreffende Person zuzugehen. Dabei sollte man nicht sofort sagen: „Du Irrlehrer, was machst du falsch?“ Es könnte ja auch sein, dass ich etwas nicht richtig verstanden habe oder die Person sich unglücklich ausgedrückt hat.
Besser ist es, offen nachzufragen: „Vorhin hast du über das und das Thema gesprochen. Kannst du mir das nochmal erklären? Was meinst du eigentlich damit?“ So kann man klären, ob man vielleicht dasselbe meint, nur anders formuliert wurde. Oder die Person erklärt tatsächlich eine andere Ansicht, zum Beispiel: „Ich bin der Überzeugung, alle Menschen werden gerettet.“ Dann müsste ich nachfragen: „Kannst du das wirklich biblisch begründen?“ Denn eigentlich sehen wir das anders.
Es kommt dann darauf an, ob es sich nur um einen Gast handelt, der vielleicht nie wiederkommt. In diesem Fall würde ich ihm sagen: „Schau dir das in der Bibel nochmal genau an.“ Wahrscheinlich würde ich ihn nicht wieder in die Gemeinde einladen.
Handelt es sich dagegen um ein Gemeindeglied, also einen Bruder, der regelmäßig predigt, müsste man bei solchen Fragen, zum Beispiel zur Allversöhnung (alle werden gerettet), den Ältestenkreis einschalten. Man würde sagen: „Das ist die Gemeindeposition, so sehen wir das biblisch.“ Und wenn jemand wirklich von einer falschen Überzeugung überzeugt ist, müsste man ihn wahrscheinlich von der Liste der Prediger streichen.
Zunächst sollte man aber nichts unterstellen, sondern der Person Zeit geben, ihre Position zu erklären und mögliche Missverständnisse auszuräumen. Dabei kann man auch sagen, wo man Probleme sieht. Manche sind schnell einsichtig. Zum Beispiel Bibelschüler, die etwas von einem Prediger im Internet gehört haben, greifen das auf. Nach einem Gespräch erkennen sie oft: „Ach, eigentlich hast du recht, das stimmt ja.“ Dann ist das Ziel erreicht, und man braucht das nicht vor der Gemeinde zu klären, was für die Person peinlich sein könnte.
Umgang mit persönlichen Meinungen in der Predigt
Was ich auch ganz schwierig finde, ist, wenn Prediger ihre persönliche Meinung predigen – also nicht unbedingt einen Bibeltext, sondern einfach irgendeine Meinung. Zum Beispiel wird gesagt, man dürfe keinen Mercedes fahren, weil das ein teures Auto ist, und als Christen sollen wir nicht so leben. Oder man dürfe sich nicht modisch anziehen. Das könnte als schlecht für Christen dargestellt werden. Oder es wird politisch, indem man für eine bestimmte Partei wirbt.
Wie geht man damit um? Ich muss mich fast erwischt fühlen, denn ich habe sogar eine Zeit lang mal einen Mercedes gefahren. Allerdings muss ich sagen, der war richtig günstig. Er war nämlich schon zwanzig Jahre alt und wollte keiner mehr haben. Der Motor war noch gut, und so dachte ich: super günstig! Ich habe ihn für etwa zweitausend Euro gekauft. Er fuhr sogar noch ein paar Jahre lang und war eigentlich ein richtig günstiges Auto.
Genau darauf möchte ich hinaus: Wir sollten nicht zu sehr auf Äußerlichkeiten achten. Es geht darum, dass wir als Christen nicht nur auf das Äußere schauen, sondern verstehen, worauf die Bibel wirklich hinauswill. Wenn solche Themen wie Konsum oder Äußerlichkeiten angesprochen werden, dann sollen wir sensibilisiert werden und begreifen, was die Bibel meint.
Wenn also diese äußeren Konsumsachen wirklich so wichtig sind, dann gibt es einige Bibelverse, die man dazu heranziehen kann. Man kann überlegen, wie viel Geld man dafür ausgibt, wie viel Wert einem etwas ist. Vielleicht trifft das den einen oder anderen dann auch.
Aber wenn man es nur an äußeren Dingen festmacht – zum Beispiel an Modemarken – dann ist das problematisch. Es könnte ja sein, dass du diese Modemarken auf dem Flohmarkt gekauft hast, ohne dir bewusst zu sein, dass sie eigentlich sehr teuer sind. Du fandest sie einfach nur schön. Und jetzt sagt der Prediger: „Das ist schlecht!“ Und du bekommst ein schlechtes Gewissen, weil das ja von der Marke ist.
Deshalb sollten wir mehr darauf eingehen, was die Bibel tatsächlich sagt: Was steckt dahinter? Wo ist die Motivation? Wenn man das gut erklärt, versetzt man die Menschen in die Lage, sich selbst zu überprüfen – und nicht nur auf äußere Formen oder Meinungen zu achten.
Zunächst würde ich bei dem Prediger davon ausgehen, hoffentlich oder wahrscheinlich meint er es gut. Er nimmt eine biblische Wahrheit, nämlich dass wir nicht so viel auf Äußerlichkeiten achten sollen. Nur die Beispiele sind vielleicht unglücklich gewählt, weil er nicht berücksichtigt, dass es ganz unterschiedliche Motive geben kann. Das Auto kann alt sein, das andere neu.
Wenn so etwas nur einmal vorkommt, würde ich sagen: Man muss nicht unbedingt mit dem Pastor darüber sprechen. Aber wenn solche Beispiele häufiger in der Predigt vorkommen, sollte man das Gespräch suchen und fragen: „Warum machst du das so?“ Manchmal merkt man, dass jemand nicht richtig darüber nachgedacht hat.
Tragisch wird es, wenn sich Leute nach einem bestimmten Lebensstil sehnen und neidisch auf andere sind, die sich das leisten können. Das wäre ganz ungeistlich und daneben. Manchmal ist es einfach so, dass nicht genug nachgedacht wurde. Zum Beispiel: Du hast ein altes Auto für 2000 Euro gekauft – was genau meinst du jetzt damit?
So kann man manche Dinge klären. Wenn jemand aber wirklich darauf besteht und sagt, das sei vollkommen falsch – vielleicht mit falschen Begründungen, etwa weil ein Stern auf dem Auto sei und der Stern angeblich okkult sei und deshalb dürfe man das Auto nicht fahren – dann würde ich sagen: Mein lieber Bruder, wenn du der Überzeugung bist, ist das deine Sache. Aber wenn du auf der Kanzel stehst und im Namen Gottes sowie im Auftrag der Gemeinde redest, dann haben solche persönlichen Überzeugungen dort nichts zu suchen.
Politische Meinungen in der Predigt
Besonders tragisch kann es manchmal sein, wenn Menschen sich im politischen Bereich vergaloppieren. Es gibt tatsächlich einige, bei denen ein großer Teil ihrer Predigt komplett politische Themen umfasst. Dabei werden Personen beim Namen genannt, Parteien explizit benannt. Ich frage mich dann immer: Wo hat Jesus das getan? Wo hat Paulus das getan? Oder selbst die Erweckungsprediger in der Kirchengeschichte? Das findet man so gut wie nie.
Hier sehe ich eine ungute Vermischung zwischen der gesellschaftlichen und politischen Meinung, die ich habe – und die ich in einem gewissen Rahmen auch haben darf, solange sie nicht unbiblisch ist – und dem, was ich der Gemeinde weitergebe. Denn ich muss auch bedenken, dass zum Beispiel jemand in der Gemeinde einen Mercedes fährt, vielleicht als Geschenk bekommen hat. Oder jemand wählt gerade eine andere Partei, als ich für richtig halte.
Dieser Mensch könnte dadurch ein schlechtes Gewissen bekommen oder sich beleidigt fühlen, weil er denkt, ich greife ihn aus politischen Gründen an. Infolgedessen hört er vielleicht den Rest der Predigt nicht mehr zu, obwohl es dort um Bibelverse geht. Das ist sehr schade, wenn man das Vertrauen und den Kredit, den die Gemeinde einem entgegenbringt, durch eine zu starke Festlegung auf bestimmte politische Punkte verspielt – vor allem, wenn diese Punkte biblisch nicht so klar benannt sind.
Manche Prediger tun das dennoch. Und es gibt auch Zuhörer, die das lieben, solange der Prediger ihre eigene Meinung vertritt. Doch auch wenn das so ist, sollte es meiner Meinung nach nicht sein.
Beispiel aus der Perspektive eines Jugendlichen
Ich möchte ein ganz konkretes Beispiel aus der Sicht eines Jugendlichen geben. Angenommen, ich sitze in der vierten Reihe der Gemeinde, ausnahmsweise mal etwas weiter vorne. Der Pastor fängt an zu predigen, und sein Thema ist die Erwählung. Natürlich könnte es auch ein anderes Thema sein, aber ich habe hier einfach die Erwählung gewählt.
Schon während der Predigt merke ich schnell, dass der Pastor eine andere Ansicht hat als ich. Ich denke mir meinen Teil, höre seine Argumente und erkenne vieles wieder. Gleichzeitig finde ich seine Sichtweise falsch. Aus meiner Position als Jugendlicher könnte es aber auch vermessen sein, zu glauben, ich wüsste es besser als er. Ist das nicht auch eine Form von Überheblichkeit?
Solche Situationen kommen häufig vor, was man vielleicht auch nicht ganz verübeln kann. Vielleicht hast du dich gerade erst intensiv mit einem Thema beschäftigt oder einen Prediger im Internet oder bei einer Schulung gehört, der sehr überzeugend auftritt. Dann sitzt du in der Gemeinde und denkst verständlicherweise: „Ich verstehe das besser, vielleicht versteht der Älteste das gar nicht.“
Hier braucht es geistliche Demut. Es ist wichtig zu erkennen, dass ich vielleicht bestimmte Aspekte bisher nicht beachtet habe. Vielleicht habe ich auch vergessen, dass meine Gemeinde in bestimmten Fragen eine gut begründete Überzeugung hat, die bei dem Prediger, den ich gehört habe, gar nicht vorkommt.
Das könnte mich im besten Fall dazu bringen, mir die Argumente des Pastors gründlich anzuhören, darüber zu beten und Gott zu bitten, mir zu zeigen, ob ich etwas übersehen habe oder nicht deutlich genug vor Augen hatte.
Was jetzt falsch wäre: Entweder unterbreche ich den Pastor mitten in der Predigt oder ich gehe nachher zum Ältesten und sage ihm, er habe keine Ahnung, und ich wüsste es besser. Dabei ist der Älteste vielleicht schon dreißig Jahre im Dienst und hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, während ich noch relativ jung im Glauben bin.
Besser wäre es, den Ältesten zu fragen, wie er seine Überzeugung begründet. Vielleicht nennt er dir gute Argumente, auf die du bisher nicht gekommen bist.
Was auch falsch ist, und das geht schon in Richtung übler Nachrede: Nach der Predigt setzt man sich zu Freunden und sagt, der Prediger habe völlig falsch gelegen. Man geht nicht auf ihn zu und lässt sich auch nicht davon beeinflussen, dass es noch andere Gründe oder Sichtweisen gibt. Stattdessen macht man bewusst oder unbewusst Stimmung gegen den Ältesten und andere Gemeindemitglieder.
Wenn es nicht um ganz eindeutige Irrlehren geht, sollte man immer das Gespräch suchen – entweder mit dem Prediger oder mit den Ältesten. Denn sonst untergräbt man das Vertrauen der Gemeinde in die Leitung.
Wir sollten immer mit Demut an solche Situationen herangehen und davon ausgehen, dass wir nicht alles sehen. In manchen Fragen kann es auch biblisch begründete unterschiedliche Auffassungen geben. Das ist nicht gleich unbiblisch, sondern zeigt eine gewisse Bandbreite.
Ein Beispiel: Kürzlich war ich in einer Gemeinde, in der gerade eine Taufe stattfand. Eine Frau ließ sich taufen und wollte nur auf den Namen Jesus getauft werden. Die anderen wurden auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft.
Ich habe dem Pastor gesagt: Wenn sie das möchte, macht das so. Keine große Diskussion. Beide Formen finden sich in der Bibel. Aber frag sie doch, warum sie die andere Form problematisch findet, obwohl sie auch biblisch belegt ist.
Oft haben Leute einen Prediger gehört, der sehr stark betont, dass nur die eine Form richtig sei und die andere falsch. Das führt zu einem Extremismus, bei dem sich jemand als der Einzige mit der richtigen Sicht fühlt. Das ist ein ernstes Problem.
Deshalb müssen wir Menschen helfen, zu erkennen, dass sie nicht alles wissen. Und wir sollten Geschwister auch mal stehen lassen, besonders bei Fragen, bei denen die Bibel keine ganz eindeutige Antwort gibt.
Es ist nicht ideal, Meinungsverschiedenheiten stolz und überheblich herauszustellen oder zu sagen: „Der Mann liegt auf jeden Fall falsch.“ Auch nicht, besserwisserisch zu einem Prediger zu gehen und ihm Fehler vorzuwerfen.
Wenn einem hinterher auffällt, dass man im Übereifer zu schnell gesprochen hat, ist es gut, zu Jesus zu kommen und um Verzeihung zu bitten. Man kann sagen: „Herr Jesus, ich hätte besser schweigen sollen.“
Wenn man merkt, dass das eigene Verhalten andere verunsichert hat, sollte man auch noch einmal auf die Betroffenen zugehen und sagen: „Ich habe das jetzt sehr deutlich gesagt, aber ich nehme das ein Stück zurück. Man kann das auch anders sehen. Bitte denk nicht schlecht über den Bruder.“
Denn auch wenn wir etwas gesagt haben und merken, dass es übertrieben war, sind wir verpflichtet, das wieder ins rechte Lot zu rücken.
Umgang mit Irrtum und Korrektur in der Gemeinde
Genau, aber wie soll ich mich verhalten, wenn ich denke, dass jemand im Irrtum ist? Und zwar nicht aus Vermessenheit, sondern weil es einfach meine Einschätzung ist? Wenn ich also glaube, dass jemand im Irrtum ist, muss ich dann meine Meinung komplett für mich behalten? Nein, ich denke, in bestimmten Fällen sind wir durchaus aufgerufen, darüber zu sprechen.
Es kommt darauf an, wie stark die Irrlehre ist. Wenn wirklich immer wieder etwas gesagt wird, das vollkommen falsch ist, dann gilt biblisch eindeutig: Das Vertreten einer falschen Lehre ist falsch. Die Bibel sagt ganz deutlich, dass das nicht richtig ist. Zum Beispiel: Wenn jemand sagen würde, „Wenn einer mich das dritte Mal beleidigt hat, dann vergebe ich nicht mehr, weil ich ja nur zweimal vergeben muss“ – das ist problematisch. Denn dann sündigt jemand, wenn er eine falsche Lehre weitergibt.
In der Bibel steht deutlich: Wenn du deinen Bruder sündigen siehst, dann sollst du hingehen und ihm das sagen. Natürlich nicht besserwisserisch, sondern freundlich, damit er zur Einsicht kommen kann. Wenn aber keine Einsicht da ist oder jemand das sogar noch verteidigt – und das kommt immer wieder vor –, dann solltest du, wenn du selbst nicht der Älteste bist, zu den Ältesten gehen und sagen: „Da ist einer, habt ihr das bemerkt? Das sind ganz vehemente Sachen, prüft das doch mal!“ Dann sollten die Ältesten nochmal ein Gespräch mit der Person führen.
Im Extremfall kann es so sein, dass man jemandem in der Gemeinde sagen muss: „Du darfst nicht mehr predigen, das geht so nicht. Du musst erst mal darüber nachdenken.“ Oder wenn es wirklich eine ganz krasse Irrlehre ist, muss man vielleicht sogar daran denken, die Person auszuschließen. Das nennt die Bibel Gemeindezucht.
Wir sollen deutliche Irrlehre meiden. Warum? Weil die Gefahr besteht, dass sie andere Leute vom Glauben wegziehen oder dazu bringen, an der Bibel zu zweifeln. Zum Schutz der Gemeinde und zur Korrektur der betreffenden Person ist dann im Extremfall sogar Gemeindezucht nötig. Das macht man aber nicht alleine. Das muss die Gemeindeleitung tun. Die Ältesten müssen gemeinsam entscheiden – und zwar immer erst, nachdem man andere Wege ausgeschöpft hat: gesprochen, zugehört und geredet hat. Aber manchmal ist es eben auch notwendig, zur Gemeindezucht zu greifen.
Umgang mit unterschiedlichen theologischen Auffassungen in der Gemeinde
Wenn wir zum Beispiel zurückkommen: Der Pastor spricht über Erwählung, und ich habe eine andere Ansicht dazu. Muss ich mich dann automatisch seiner Lehrmeinung unterordnen und meine eigene Meinung aufgeben? Schließlich sollen wir ja auch unsere Lehrer hören, zumindest biblisch gesehen, oder? Was ist in so einem Fall der richtige Weg?
In der Bibel wird mehrfach erwähnt, dass wir Älteste oder Prediger ehren sollen. Wir sollen ihre Meinung schätzen und uns auch durch sie korrigieren lassen. Allerdings können wir nicht ausschließen, dass jemand in Verantwortung sich auch mal irren kann. Dazu gibt es Beispiele, etwa bei einigen großen und heute bekannten Sekten. Diese wurden von Menschen gegründet, die geistliche Verantwortung hatten. Zum Beispiel die Adventisten: Am Anfang war es ein Baptistenpastor, der plötzlich auf die Idee kam, dass der Gottesdienst unbedingt am Sabbat gefeiert werden muss. Er war also ursprünglich Baptistenpastor.
Wenn etwas so deutlich falsch ist, muss man das, glaube ich, auch benennen. Aber bevor wir sagen: „Der Älteste oder Prediger liegt falsch“, sollten wir erst einmal innehalten und wirklich darüber nachdenken. Wir sollten unsere Motivation hinterfragen und prüfen, ob wir uns wirklich hundertprozentig sicher sind, dass die andere Meinung falsch ist. Wenn man unterschiedlicher Meinung sein kann, ist das eine Sache. Wenn wir aber merken, dass es wirklich ganz falsch ist, dann sollte man das Gespräch suchen und auf denjenigen zugehen.
Manchmal, wenn es einen Ältesten betrifft, ist es sinnvoll, einen Mitältesten hinzuzuziehen. Denn ich bin ja nicht die Person, die den Ältesten direkt korrigieren kann. Es ist wichtig zu hören, was ein anderer Bruder in Verantwortung dazu sagt. Wir können nicht von vornherein ausschließen, dass ein Ältester sich irrt. Im Neuen Testament steht sogar, dass man, wenn man etwas gegen einen Ältesten vorzubringen hat, dem nachgehen soll – und zwar „aus zwei oder drei Zeugen Mund“. Das heißt: Wenn mehreren auffällt, dass etwas falsch sein könnte, dann sollte man selbst mit dem Ältesten sprechen.
Dabei besteht die Gefahr, dass es nur meine eigene Überzeugung ist, die ich durchsetzen möchte. Vielleicht bin ich eigensinnig und lehne ab, was der Prediger sagt, nur weil es meiner Überzeugung widerspricht, nicht aber der biblischen Überzeugung.
Manchmal geht es bei einer Korrektur nicht nur darum, was jemand sagt, sondern auch darum, was jemand nicht sagt. Das heißt: Wenn in einem bestimmten Zusammenhang etwas dringend gesagt werden müsste und man merkt, dass die Personen immer wieder ausweichen, dann kann das problematisch sein.
Zum Beispiel habe ich mit Leuten gesprochen, die große Fans von Johannes Hartl sind. Ich fragte sie, ob sie schon einmal gehört hätten, dass Johannes Hartl zur Bekehrung aufruft. Die Antwort war bisher immer „Nein, noch nie“. Hier könnte man sagen: Ist das nicht ein Defizit? Er spricht zu sehr vielen Menschen, auch zu solchen, die nicht gläubig sind. Ist es da nicht eine theologische Fehlauffassung, wenn aus seiner Sicht die Bekehrung scheinbar keine Rolle spielt?
Wenn Menschen bewusst wichtige Themen ausblenden, kann das ein Anlass sein, nachzufragen: Gibt es einen Grund, warum du das nie erwähnst, wenn du über diese Themen sprichst? Dann kann sich herausstellen, dass jemand vielleicht an die Allversöhnung glaubt – also daran, dass alle gerettet werden und Bekehrung keine Rolle spielt. Das ist ein heikles Thema und ein Problem.
Aber auch dann muss man nicht sofort Schlechtes unterstellen. Manchmal kann das einfach ein Anlass sein, genauer hinzuschauen und nachzufragen.
Umgang mit Verdachtsmomenten und Zeugenregelung
Meine Frage geht jetzt noch einmal in eine etwas andere Richtung, weil du den Vers erwähnt hast, dass man aufgrund von zwei oder drei Zeugen zu einem Ältesten gehen soll, wenn man etwas im Verdacht hat. Das impliziert ja irgendwie schon, dass man mit diesen zwei oder drei Personen bereits gesprochen hat.
Irgendwie ist das ein schmaler Grat. Man soll ja nicht hinter dem Rücken über jemanden reden, sondern lieber direkt hingehen. Andererseits soll man aber auch nicht alleine hingehen. Der Bibeltext lässt hier ein wenig offen, ob es sich um eine gemeinsame Gruppe handelt.
Es könnte ja auch so sein: Im Normalfall gibt es mehrere Älteste. Wenn bei einem Ältesten ein Problem auffällt, das er ganz falsch macht, dann kommt eine Person zu einem Mitältesten und sagt, dass dort etwas nicht richtig läuft. Unabhängig davon kommt eine andere Person ebenfalls zu einem Ältesten und berichtet von einem Problem. Wenn dann mehrere Personen kommen, ist der Mitälteste herausgefordert. Es sind mehrere Leute, die ihm deutlich bezeugen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dann muss er dem nachgehen.
So würde ich es wahrscheinlich eher verstehen, wenn ich nicht davon ausgehe, dass man eine Oppositionspartei bildet. Denn das kann schnell passieren: Die anderen sind vielleicht gar nicht dagegen, aber weil ich so überzeugt auftrete, ziehe ich sie auf meine Seite und gründe eine eigene Partei. Das ist sicherlich nicht gemeint.
Wenn von Zeugen gesprochen wird, bedeutet das ja auch, dass Leute selbst etwas bezeugen können und nicht nur, nachdem ich sie lange bearbeitet habe. Es können unmoralische Dinge sein, zum Beispiel wenn jemand merkt, dass der Älteste noch irgendwo geschäftlich tätig ist und dabei seine Kunden betrügt. Und dann merken das auch andere.
Es könnte aber auch lehrmäßige Probleme geben. Vielleicht fällt mehreren Menschen bei einer oder zwei Predigten auf, dass etwas nicht in Ordnung ist. Hier würde ich ebenfalls sagen: Seid vorsichtig, etwas weiterzugeben.
Wenn ich wirklich meine, da sei etwas, und ich will nicht gleich zu den Mitältesten gehen, könnte man zunächst neutral Leute im Haus fragen, die man gut kennt. Zum Beispiel: „Ist euch bei der Predigt etwas aufgefallen?“ Wenn die Leute sagen: „Nein“, dann sollte man es lieber lassen. Es ist nicht gut, wenn man sagt: „Guck mal, da ist das.“ Wenn die aber auch sagen: „Ja, genau, das ist es“, und man merkt, dass es das ist, was man auch wahrgenommen hat, dann hat man sie nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt. Man merkt, dass man sich nicht geirrt hat.
Es könnte ja auch sein, dass man etwas falsch verstanden hat. Deshalb sollte man die Sache etwas offener formulieren und die Leute nicht von vornherein in eine bestimmte Richtung drängen. Das scheinen mir eher geistlich sinnvolle Wege zu sein.
Denn es kommt häufig vor, dass es Parteiungen in der Gemeinde gibt. Manche Leute treten wie Politiker auf und sammeln ihre Gruppe, um dann einen Aufstand zu planen. Ich glaube, das ist nicht der richtige Umgang in der Gemeinde.
Zusammenfassung und Ermutigung zum Bibelstudium
Ja, lieber Zuschauer, ich denke, wir konnten hier einiges darüber mitnehmen, wie man mit Uneinigkeiten umgeht, die einige Bibelstellen oder Themen betreffen.
Am besten ist es, die Bibel selbst zur Hand zu nehmen und genau nachzulesen, was Gott sich dabei gedacht hat. Das ist meiner Meinung nach immer die beste Lösung.
Dies möchten wir dir auch für alle möglichen Themen mitgeben: Schlag am besten die Bibel auf, lies das Wort Gottes und bete über diese Themen.
Neue Folge: Gibt es nicht wiedergeborene Menschen in der Gemeinde?
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Frag den Kotsch. Bei mir ist Tina, und ich, Benjamin, bin natürlich auch dabei. Ebenfalls mit dabei ist Michael Kotsch selbst. Hallo!
Heute beschäftigen wir uns mit der Frage: Gibt es in der Gemeinde Menschen, die nicht wiedergeboren sind? Außerdem wollen wir klären, ob man solche Menschen erkennen kann, falls es sie tatsächlich gibt.
Michael, was sagst du dazu zunächst?
Definition von Gemeinde und Gläubigkeit
Ganz klar, natürlich gibt es in der Gemeinde auch Menschen, die nicht gläubig sind. Am besten kannst du das erkennen, wenn du die Lutherbibel vor dir hältst. Je nachdem, wie jemand darauf schwört – nein, natürlich nicht so einfach –, aber es kommt, glaube ich, darauf an, wie wir „gläubig“ und „Gemeinde“ definieren.
Wenn wir die Gemeinde als das Gebäude oder die Institution sehen, dann müssen wir sagen: Natürlich kann es passieren, dass es Menschen gibt, die einfach in die Gemeinde hineingewachsen sind. Das ist besonders bei Gemeinden der Fall, die schon lange existieren. Dort sind oft die Eltern und Großeltern schon Mitglied. Man wächst als Kind in dieser Gemeinde auf, und mit der Zeit denken sowohl man selbst als auch die anderen, dass man Mitglied ist. Vielleicht lässt man sich sogar taufen und weiß genau, was man zu sagen hat – aber man ist nie wirklich bekehrt. Das kann durchaus passieren.
Wenn ich Gemeinde aber als alle diejenigen definiere, die gläubig sind, dann ist natürlich kein Ungläubiger dabei. Das ist dann die unsichtbare Gemeinde Jesu, zu der alle gehören, die Teil seines Leibes sind oder zum Tempel des Heiligen Geistes gehören. In diesem Sinne gibt es keine Ungläubigen in der Gemeinde.
Das, was wir jedoch meistens sehen, ist eher die örtliche Gemeinde, die Institution. Und da müssen wir ganz fest davon ausgehen – das ist eine sehr wichtige Sache –, dass nicht jeder, der dort Mitglied ist, wirklich gläubig ist.
Beispiel aus der Praxis und Bedeutung der Bekehrung
Ein Fall, der mir in Erinnerung geblieben ist: Ich war eingeladen, in einer Gemeinde bei einer Evangelisation zu sprechen. Am Abend nach der Veranstaltung kam der Jugendleiter der Gemeinde zu mir und wollte sich bekehren. Das ist ein gutes Beispiel.
Was war sein Problem? Er war der Sohn eines Ältesten in der Gemeinde. Alle dachten immer, er sei fromm, weil er auch fromm redete und genau wusste, wie man sich verhalten sollte. Irgendwann meldete er sich sogar zur Taufe an. Doch an diesem Abend wurde ihm klar, dass er sich eigentlich nie richtig bekehrt hatte.
Das ist tragisch, denn viele andere dachten einfach, er sei jetzt fromm – allein wegen seines Redens und Verhaltens, vor allem, weil er aus einem christlichen Elternhaus kam. Vielleicht meint man es ehrlich, aber man hat nie diesen Durchbruch erlebt, wo einem die eigene Sünde deutlich wird, wo man Jesus seine Sünden bekannt hat, Vergebung empfing und sich umkehrte.
Ich glaube, es ist wichtig, das zu erkennen, damit Menschen, die in dieser Situation sind, noch die Chance bekommen, ein echtes geistliches Leben zu beginnen. Wenn das nicht der Fall ist, landen wir irgendwann mit unserer Gemeinde dort, wo die großen Kirchen schon lange sind.
In den großen Kirchen – evangelisch, katholisch, orthodox – gehören wahrscheinlich die meisten Mitglieder gar nicht zu den echten Christen. Sie sind nicht wiedergeboren, gehen nie zum Gottesdienst, lesen nie in der Bibel, beten nicht. Sie sind einfach als Kinder hineingeboren worden und damit keine wirklichen Christen.
Deshalb ist es, glaube ich, sehr wichtig, dass wir diesen Unterschied sehen.
Kriterien zur Erkennung von Gläubigen
Jetzt müssen wir natürlich immer aufpassen: Es gibt Leute, die haben ein ganz empfindliches Gewissen. Wenn ich das so sage, denken sie vielleicht: „Meint der mich? Bin ich jetzt vielleicht kein richtiger Christ?“ Dem müsste man dann natürlich nachgehen und genau klären, woran man das ganz genau merkt.
Aber wir dürfen nicht einfach davon ausgehen, dass jemand, nur weil er Mitglied einer Gemeinde ist oder eine Gemeinde besucht, automatisch auch wirklich gläubig ist. Woran kann man das dann festmachen?
Es gibt verschiedene Kriterien, die wir auch in der Bibel finden. Eines davon, das Jesus erwähnt und das später in der Bibel immer wieder auftaucht, ist der Hinweis: Der gute Baum bringt gute Früchte. Oder es heißt: An den Früchten werdet ihr sie erkennen.
Jetzt müssen wir natürlich genau sehen, was das für Früchte sind. Sind es fromme Reden? Das konnten die Pharisäer auch. Daran sollte man es nicht unbedingt festmachen. Oder sind es möglichst viele Dienste in der Gemeinde? Das ist zwar gut, Dienste zu übernehmen, aber auch dafür muss man nicht unbedingt gläubig sein.
Hier würde ich eher auf etwas anderes tippen, zum Beispiel auf das, was im Galaterbrief Kapitel 5 steht: Die Frucht des Heiligen Geistes ist Friede, Freundlichkeit und so weiter. All das wird dort aufgezählt. Das scheint etwas zu sein, was der Heilige Geist in einem bewirkt, wenn man Christ ist. Wenn ich solche Früchte sehe, merke ich, dass Gott am Werk ist und echtes Leben da ist.
Der Jakobusbrief sagt außerdem: Der Glaube ohne Werke ist tot. Damit ist gemeint, dass es ein Kennzeichen gibt. Wenn in deinem Leben gar nichts davon zu sehen ist, wenn du zwar irgendwie dabei bist, aber wie ein Ungläubiger lebst und redest und deine Ziele denen eines Ungläubigen gleichen, dann muss man sich wirklich die Frage stellen: Woran merkt man, dass du Christ bist? Nur daran, dass du ab und zu sonntags zum Gottesdienst gehst oder sagst: „Ich finde Jesus auch toll“? Das ist viel zu wenig.
Es gibt sogar die Mahnung, dass selbst der Teufel weiß, dass es einen Gott gibt – oder die Dämonen wissen das. Trotzdem sind sie nicht gläubig. Hier müssen wir, glaube ich, schon den Unterschied machen.
Weitere Kennzeichen des geistlichen Lebens
Eine Sache ist, wie unser Leben aussieht und welche Früchte der Heilige Geist in uns bewirkt.
Ich würde es auch so ausdrücken: Merkst du in deinem Leben, dass du in Anfechtung bist und dass Versuchungen da sind? Ein Christ, der zu Gott gehört, ist der Versuchung ausgesetzt. Immer wieder kommt der Teufel und versucht, dich wegzuziehen.
Wenn du merkst, dass das in deinem Leben gar nicht passiert und du einfach so in deinem Alltag lebst, ohne dass es große Herausforderungen gibt, dann ist wahrscheinlich kein geistliches Leben vorhanden. Auch kein geistliches Wachstum. Solche Dinge spielen eine Rolle.
Oder wir finden in der Bibel die Aussage, dass niemand Jesus als Herrn bezeichnen kann, außer er hat den Heiligen Geist. Dabei ist natürlich nicht gemeint, dass man die Worte nicht aussprechen kann, sondern dass man es wirklich lebt. Also dass ich sage: Jesus soll in meinem Leben Herr sein.
Das wird niemand mit echter Überzeugung sagen können, der nicht wirklich Christ ist. Denn dann denkt man: „Das ist so mühsam, ich bin doch Herr in meinem Leben, ich habe doch zu bestimmen.“ Und dann merkt man, dass eine ganz andere Motivation dahintersteht.
Manchmal kann man es auch an solchen Dingen erkennen: Wenn du dauerhaft keine Lust zum Beten hast, keine Lust auf Gemeinschaft mit Christen, keine Lust auf den Glauben. Wenn das nur eine Krise ist, dann kann das Anfechtung sein. Aber wenn das dauerhaft so ist, du einfach lebst und denkst: „Warum soll ich das tun? Ich tue das nur aus Verpflichtung“, dann fehlt wahrscheinlich der Heilige Geist.
Denn der bewirkt, dass wir uns vom Wort Gottes angesprochen fühlen und eine Sehnsucht nach Gott haben.
Ich glaube, es gibt einige Kennzeichen, an denen wir erkennen können, ob jemand wirklich Nachfolger Jesu ist oder nicht. Ob jemand wirklich Christ geworden ist oder nicht.
Vorsicht bei vorschnellen Urteilen
Mhm, mhm, sehr spannend. Aber können wir denn wirklich sagen: „Der ist Christ und der nicht“? Eigentlich nicht, denn Gott ist ja der Richter. Das stimmt. Deshalb sollten wir zumindest sehr vorsichtig sein, wenn wir so etwas sagen.
Wenn wir jetzt anhand bestimmter Kriterien urteilen, also nicht nur, weil wir denken, der ist ein bisschen komisch oder trägt komische Kleidung – solche Äußerlichkeiten sollten nicht im Mittelpunkt stehen. Aber wenn wir bei den Punkten bleiben, die ich genannt habe oder anderen, die wir auch in der Bibel finden, zum Beispiel in der Jugendgruppe, dann siehst du vielleicht jemanden, der zwar aus einer frommen Familie kommt, aber all diese Punkte fehlen. Vielleicht leidet diese Person auch darunter, dass keine Veränderung in ihrem Leben stattfindet und sagt das vielleicht sogar selbst.
Dann, glaube ich, sind wir schon in der Verantwortung, zumindest mal nachzufragen. Ich würde dann erst einmal so fragen: „Erzähl doch mal, wie bist du eigentlich Christ geworden?“ Wenn die Person dann sagt: „Ich war schon immer Christ,“ würde ich sagen: Eigentlich geht das nicht. Du musst irgendwann einen Zeitpunkt gehabt haben, an dem du Christ geworden bist. Ob du dich genau an den Tag erinnerst, ist eine andere Sache.
Man kann auch fragen: „Wo merkst du denn, dass Gott mit dir geht? Wo wird das in deinem Leben deutlich?“ Wenn da gar nichts kommt, sollte man noch mal ein bisschen nachhaken. Nicht sofort sagen: „Du bist nicht gläubig.“ Das finde ich zu massiv, zumal wir das ja wirklich nicht von außen sehen können. Wir können den Heiligen Geist ja nicht sehen.
Nur weil jemand lächelt oder begeistert singt, heißt das nicht, dass der Heilige Geist am Werk ist. Das hat viel mehr mit Charakter und Persönlichkeit zu tun. Trotzdem ist es wichtig, auch mal nachzufragen. Ich habe schon erlebt, dass durch so ein Gespräch manchen Menschen plötzlich klar wurde, dass da etwas fehlt. Dann haben sie den Anfang mit Jesus gemacht, und plötzlich hat sich auch im Leben etwas verändert.
Dann ist es ja super wichtig, dass jemand mit ihnen spricht. Denn wenn alle immer nur denken: „Der ist ja in der Gemeinde, alles ist super,“ bleibt die Person vielleicht jahrelang in dem Zustand, nur Christ zu spielen, ohne wirklich Christ zu sein. Das wäre schade.
Wenn es aus einer Bequemlichkeit heraus ist, also wenn ich jetzt einfach alle, die meiner Überzeugung nach durch Taufe oder Präsentation gläubig sind, als solche ansehe, dann halte ich mich zurück. Du bist ja nicht der Richter. Aber wenn ich ziemlich deutlich sehe, dass ganz konkrete Merkmale geistlichen Lebens fehlen, sollte man zumindest das Gespräch suchen, um zu klären, ob sich das klärt.
Man sollte nicht direkt verdächtigen, sondern eher nachfragen. In jedem Fall ist meistens ein Anlass da, wenn man nachfragt, weil man denkt: „Da ist jetzt etwas.“ Wenn du Jugendleiter bist, würde ich sogar sagen: Auch ohne Verdacht, wenn du es nicht weißt, frag doch einfach mal nach. Das kann auch bereichernd sein, um zu merken, was derjenige schon mit Gott erlebt hat.
Umgang mit dauerhaftem Unverständnis und ungeistlichem Verhalten
Manchmal erlebst du in der Gemeinde Menschen, bei denen du den Eindruck hast, dass sie wiederholt ein totales Unverständnis für biblische Inhalte zeigen. Es ist nicht nur einmal, sondern immer wieder so. Wenn man dann versucht, mit ihnen darüber zu sprechen, merkt man oft einen vollkommen ungeistlichen Umgang damit.
Gleich darauf kommt häufig die Reaktion: „Ich brauche doch meine Ruhepause“ oder „Ich mache doch nur, was ich will“. Dann wird klar, dass das überhaupt nicht zu einer christlichen Perspektive passt.
Es gibt auch Leute, die man trifft und bei denen man den Eindruck hat, sie hätten nie etwas mit Gott erlebt. Sie äußern das auch so. Man sieht, dass sie keine Freude am Bibellesen oder an anderen geistlichen Dingen haben.
In solchen Fällen ist es wichtig, nachzufragen, was dahinterstehen könnte. Gibt es irgendwelche tiefergehenden Gründe? Manche Menschen sind gerade in einer Krise oder es geht ihnen im Leben nicht gut. Wenn man das erfährt, kann man für sie beten, Zeit mit ihnen verbringen und sie wieder aufbauen.
Wenn man diesen Menschen dann noch sagt: „Du bist ja gar kein Christ“, könnte das ihnen den Rest geben. So wie in der Bibel bei Jesus steht, dass das geknickte Rohr nicht zerbrochen werden soll. Wenn man da noch „zack“ drauflegt, ist das nicht hilfreich und soll auch nicht sein.
Manche Leute gehen gerne in der Gemeinde herum und sagen, andere seien gläubig oder nicht gläubig. Meist meinen sie damit einfach, dass jemand nicht ihre Meinung oder ihren Frömmigkeitsstil teilt. Das ist total daneben. Man spielt sich damit als Richter auf, was wir in dem Moment gar nicht sein können.
Wenn man aber sorgsam und ernsthaft mit den Menschen umgeht, mit denen man zu tun hat, dann darf man diese Frage schon stellen. Sie darf aber nicht aus dem Wunsch heraus kommen, um des lieben Friedens willen nichts zu sagen. Manche Gemeinden haben nämlich die Haltung: „Ich lasse dich in Ruhe, und du lässt mich in Ruhe.“ Wenn jemand schon ein Jahr nicht mehr zum Gottesdienst kommt, ist das halt seine Sache, darüber reden wir nicht.
Das würde ich nicht gutheißen. Wir sollen aneinander Anteil nehmen und schauen, ob vielleicht etwas schief läuft, wo wir helfen können. Die Motivation sollte nicht sein, jemanden an den Pranger zu stellen und zu sagen: „Total daneben!“, sondern eher: „Ich sehe, da könnte es Probleme geben. Vielleicht ist dir das nicht bewusst, oder du brauchst Hilfe.“
Dann kann man ins Gespräch kommen und vielleicht wird deutlich, was dahintersteckt. Hast du noch gar nicht den Durchbruch zum Glauben erlebt und bist deshalb unter Druck und Unsicherheit? Oder bist du gerade in einer Anfechtungszeit, in einer Krisensituation? Dann muss man natürlich anders damit umgehen.
Konfessionelle Unterschiede und Gebet um Klarheit
Und manche Leute tun das natürlich, und das sollten wir von vornherein auch konfessionell ausklammern. Du hast dann Leute, die dir sagen, dass du nicht die Taufe im Heiligen Geist hast, weil du nicht in Zungen reden kannst. Zack, jetzt musst du erst mal noch etwas tun.
Oder du bist ganz katholisch geprägt, dann wird gesagt: So ist das Sakramentsdenken. Also bist du in der katholischen Kirche, hast du schon die Sakramente so und so erhalten, und danach wird dann zugeordnet. Das sind alles keine biblischen Motive, sondern konfessionelle Motive. In einer bestimmten Kirche oder Gemeinde werden bestimmte Dinge als sehr, sehr wichtig genannt. Dabei geht es dann gar nicht mehr um Bekehrung oder Sündenvergebung, sondern um Detailfragen. Diese sollten wir nach Möglichkeit in einer Diskussion beiseitelassen.
Ich würde auch immer sagen: Wenn du solche Fragen stellst, bete erst mal zu Gott, dass er dir Klarheit darüber gibt, wie das Ganze weiterlaufen soll. Und mach es nach Möglichkeit auch nicht, wenn du keine Ahnung vom Leben der Person oder der Gemeinde hast.
Du kommst als Besucher irgendwo hin und siehst jemanden. Dann können es auch Äußerlichkeiten sein, bei denen du denkst: „Oh nein, das macht man aber so nicht.“ Zum Beispiel siehst du jemanden mit langen Rasterlocken und denkst, das sei ein Ungläubiger. Das kann sehr täuschen.
Äußere Dinge können zwar Rückschlüsse auf das Leben der Leute geben, aber eben nicht wirklich. Ich habe vorhin das Beispiel genannt, wo der total fromm lebende Sohn des Ältesten derjenige ist, der eigentlich noch die Bekehrung braucht.
Darauf soll es ja ankommen. Wir wollen nicht, dass Leute stromlinienförmig werden, also äußerlich möglichst angepasst. Sie sollen Jesus nachfolgen, und das soll sich natürlich auch in ihrem Leben zeigen – wie sie reden, wie sie sich kleiden und so weiter. Aber das ist nicht der erste Maßstab.
Umgang mit anhaltender Sünde im Leben von Gläubigen
Eine Frage, die ich tatsächlich noch hätte: Es gibt ja zum Beispiel auch den Punkt, dass man Sünden im Leben hat, die aber anhaltend bleiben. Man schafft es irgendwie nicht, sie loszuwerden. Sie sind Teil des Alltags. Zum Beispiel eine sehr vulgäre Sprache mit vielen Ausrastern und Fluchwörtern.
Man will das eigentlich gar nicht wirklich ändern. Man denkt nicht wirklich darüber nach. Man sagt sich vielleicht: „Ich bin auf der Arbeit derjenige, der am meisten radikale Sprache benutzt. Ich fluche am meisten.“ Aber so ist das eben. Das macht einen jetzt aber nicht unbedingt zu einem Nichtchristen, oder?
Trotzdem fehlt da ja irgendwie die Frucht des Geistes. Ich glaube, solche Dinge sollten ein Anlass sein, Gespräche zu führen und zu schauen, was dahintersteckt. Das kann ganz unterschiedlich sein.
Wenn jemand gläubig wird, muss man einfach damit rechnen, dass es lange dauern kann, bis sich solche Dinge verändern. Wenn du in einer Familie aufgewachsen bist, in der nie solche Worte benutzt wurden, dann ist das keine Leistung, sondern ganz normal. Das heißt, du musst nicht besonders gläubig sein, nur weil du so sprichst.
Wenn jemand in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der die Eltern viel geflucht haben, und dann gläubig wird, dann rechne ich damit, dass der Heilige Geist auch da Veränderung bewirkt. Aber diese Veränderung passiert nicht heute oder morgen. Vielleicht auch nicht in einem Jahr. Vielleicht ist diese Person nicht so weit wie jemand, der aus einem anderen Hintergrund kommt.
Man muss sehen, ob Wachstum für Veränderung da ist. Das gilt auch für andere Dinge. Wenn du in einem sehr materialistischen Haushalt aufgewachsen bist, in dem es nur um Leistung und Geld ging, dann muss auch das verändert werden. Das ist keine geistliche Motivation. Aber auch das wird nicht von heute auf morgen passieren.
Viele Dinge verändert der Heilige Geist manchmal ganz direkt von einer Minute auf die andere. Aber manchmal geschieht das Wachstum eben nach und nach. Wenn man da Wachstum sieht, sollte man nicht gleich den Verdacht äußern: „Du bist ja gar kein Christ, weil du noch nicht so weit bist.“ Das braucht Zeit.
Vielleicht bist du jetzt noch ein Baby im Glauben, und es braucht Zeit, bis diese Veränderung stattfindet und das Lernen geschieht. Wenn jemand also dauerhaft immer wieder mit Fluchwörtern spricht, sollte man das irgendwann mal ansprechen.
Vielleicht sagt die Person dann: „Eigentlich will ich das ja gar nicht.“ Oder sie fragt: „Wo ist das Problem?“ Dann kann man es erklären. Vielleicht sagt die Person: „Ach, das habe ich gar nicht gewusst.“ Dann ist sie schon ein Stück weitergekommen.
Denn wie soll jemand, der nie in der Bibel liest, merken, dass er so nicht mehr reden soll? Manchmal macht der Heilige Geist das deutlich. Vielleicht arbeitet er aber gerade an einer anderen Stelle, zum Beispiel an mehr Geduld oder etwas anderem.
Dann müssen wir sehen, ob das gerade dran ist. Das kann durchaus eine Hilfe sein, ohne dass wir gleich den Rückschluss ziehen, dass jemand, der so redet, nicht gläubig sein kann.
Es kann ein Hinweis sein, aber es muss nicht. Entscheidend ist, ob eine Veränderung in Bewegung ist, aus welchem Hintergrund die Person kommt und inwiefern sie versucht, Sünde zu rechtfertigen oder ob es einfach nur ein Teilbereich des Lebens ist.
Das kann immer ein Anlass sein, das Thema aufzugreifen.
Abschluss und Einladung zum weiteren Austausch
Ja, lieber Zuschauer, wir haben uns mit der Frage beschäftigt: Gibt es in der Gemeinde nicht wiedergeborene Christen? Dabei konnten wir einiges lernen.
Du musst jetzt keine Angst um deine Heilsgewissheit haben, wenn es darum geht, dass du vielleicht die eine oder andere Sünde nicht sofort loswirst. Bete dafür, lies die Bibel und habe auch die Geduld, diesen Weg zu gehen. Ja, das wollen wir dir auch zum Ende mitgeben.
Wir sehen uns bei der nächsten Folge. Schön, dass du heute dabei warst. Wenn es für dich ein Segen war und du etwas mitnehmen konntest, dann teile Deep Talk gerne mit deinen Freunden. Fühl dich frei, uns auch ein Feedback zu schreiben – wir würden uns sehr darüber freuen.
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Wir wünschen dir noch eine gesegnete Woche mit den Worten aus Kolosser 3,17: „Und was immer ihr tut, in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott dem Vater durch ihn.“