Zum Inhalt

Das Zeugnis von Vater und Sohn

Jesu Leben und Lehre, Teil 444/673
12.06.2024Johannes 8,15-19
SERIE - Teil 444 / 673Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 443: Das Zeugnis von Vater und Sohn.

Unterschiedliche Gerichtsbarkeit Jesu und der Pharisäer

Wir haben Jesus in der letzten Episode dort verlassen, wo er seinen Gegnern, den Pharisäern, einen Vorwurf macht.

In Johannes 8,15 sagt er: „Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand.“ Damit will er zum Ausdruck bringen, dass sein Gericht eine andere Qualität hat als ihr Gericht.

Denn er fährt fort in Johannes 8,16: „Wenn ich aber auch richte, so ist mein Gericht wahr, weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“

Man erkennt, dass sich die Art und Weise, wie Jesus richtet, grundlegend von der seiner Gegner unterscheidet. Die Pharisäer richten nach dem Fleisch, Jesus hingegen spricht ein wahres Gericht.

Und warum ist das so? Weil er nicht allein ist, sondern gemeinsam mit dem Vater, der ihn gesandt hat.

Die Einheit von Sohn und Vater in Jesu Handeln

Wir stoßen hier auf ein Phänomen, das sich mit menschlichen Worten nur schwer beschreiben lässt. Gott, das Wort, wird Mensch. Doch auch als Mensch hat das Wort eine ganz einzigartige Beziehung zum Vater.

Diesen Umstand haben wir bereits an anderer Stelle gesehen. So heißt es in Johannes 5,19: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.“ Hier beschreibt der Herr Jesus die innere Einheit, die er als Mensch mit dem Vater im Himmel hat.

Er wiederholt diese Idee, wenn er in Johannes 8 sagt: „Weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“ Wer vor Jesus steht, begegnet Gott. Und wer Gott begegnet, begegnet eigentlich immer Gott in seiner Gesamtheit.

Auch dann, wenn Gott das Wort Mensch wird, bleibt eine personale Verbindung mit Gott, dem Vater, bestehen. Kann ich das genauer erklären? Nein, das kann ich nicht. Und ich möchte es auch gar nicht versuchen, denn ich habe ein wenig Sorge, dass mir der Zeitgeist Worte und Begriffe vorgibt, die Gott nur unzureichend beschreiben können.

Es reicht mir zu wissen, dass die Begegnung mit Jesus für die Juden seiner Zeit immer auch eine Begegnung mit dem Vater war. Und wenn das stimmt, dann ist das Zeugnis Jesu nie nur das Zeugnis eines einzelnen Menschen, sondern immer das Zeugnis Jesu und seines Vaters im Himmel.

Das Zeugnis von Vater und Sohn als Grundlage der Wahrheit

 Johannes 8,16-18

Wenn ich auch richte, so ist mein Gericht wahr, weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.

In eurem Gesetz steht ebenfalls geschrieben, dass das Zeugnis von zwei Menschen wahr ist. Ich bin es, der von mir selbst zeugt, und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt von mir.

Es ist interessant, dass der Herr Jesus hier nicht, wie in Johannes 5, noch weitere Zeugen anführt. Dort hatte er neben dem Vater auch Johannes den Täufer, seine eigenen Werke und die Schriften genannt, die alle von ihm Zeugnis geben.

An dieser Stelle jedoch bemüht er nur den Vater. Er sagt: Ich bin es, der von mir selbst zeugt, und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt von mir.

Prompt verstehen die Pharisäer ihn falsch. Oder wollen sie ihn vielleicht absichtlich falsch verstehen?

 Johannes 8,19

Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater?

Die Frage klingt logisch. Wenn Jesus seinen Vater als Zeugen anführt, wo ist er dann? Vor ihnen steht ja nur Jesus.

Die erkenntnistheoretische Einheit von Vater und Sohn

 Johannes Kapitel 8, Vers 19: Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist dein Vater?“ Jesus antwortete: „Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich gekannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater gekannt haben.“

Damit stehen wir vor dem eigentlichen Problem im Umgang mit Gott. Vater und Sohn sind zwar zwei Personen, aber sie bilden eine Einheit. Ich nenne das eine erkenntnistheoretische Einheit. Das bedeutet, dass ich Jesus nicht ablehnen kann, ohne zugleich den Vater im Himmel zu erkennen.

Das ist übrigens ganz nebenbei für mich das zentrale Problem der liberalen Theologie. Wenn der Herr Jesus nicht mehr Gott im Fleisch sein darf, sondern nur noch ein Mensch ist – ein Mensch, der uns einen menschenliebenden, fürsorglichen Vater im Himmel verkündigt –, dann wird Jesus seiner Gottheit beraubt. Wir sehen in ihm nur noch ein Vorbild, dessen Hingabe wir nacheifern sollen.

Wer so etwas denkt, hat nicht nur Jesus nicht erkannt, sondern auch keine Ahnung von Gott, dem Vater. Johannes Kapitel 8, Vers 19: Jesus antwortete: „Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich gekannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater gekannt haben.“

Gotteserkenntnis und Christuserkenntnis gehen Hand in Hand. Deshalb lohnt es sich, sich intensiv mit den Evangelien zu beschäftigen. Ein falsches Verständnis von Jesus macht es nämlich unmöglich, den Vater im Himmel zu erkennen.

Die Offenbarung des Vaters durch den Sohn

Woran liegt das?

Das hat damit zu tun, dass der Sohn als Mensch auf die Erde kam, um den Vater zu offenbaren. So heißt es in Matthäus 11,27: „Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater. Noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und der, dem der Sohn ihn offenbaren will.“

Als Mensch kann ich Gott, den Vater, nicht einfach so erkennen. Ich kann mir vielleicht Gedanken über Gott als den Schöpfer machen, aber eine tiefe Gotteserkenntnis ist ein Geschenk. Deshalb formuliert Jesus hier: „Niemand erkennt den Vater als nur der Sohn und der, dem der Sohn ihn offenbaren will.“

Es braucht eine Beziehung zum Sohn, um den Vater offenbart zu bekommen. Das ist, was ich meine, wenn ich sage, Gotteserkenntnis und Christuserkenntnis gehen Hand in Hand. In dem Maß, wie ich Jesus erkenne, ist es mir möglich, den Vater zu erkennen.

Und auch das Gegenteil ist wahr: In dem Maß, wie ich den Christus verliere, weil sich mein Denken über ihn verdunkelt, verliere ich auch den Vater.

Die Bedeutung der orthodoxen Christologie für den Glauben

Zweiter Johannes 1,7-9

Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht bekennen, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist.

Seht auf euch selbst, damit ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern den vollen Lohn empfangt.

Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. Wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn.

Wenn jemand weitergeht, das heißt, die orthodoxe Christologie verlässt – indem er zum Beispiel behauptet, dass Jesus nicht der menschgewordene Gott ist – dann steckt das hinter der Formulierung „die nicht Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennen“.

Wer also weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, wer Ideen über Jesus produziert, die nicht mehr biblisch sind, der hat Gott nicht. Und wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn.

Es gibt die beiden nur im Doppelpack.

Deshalb ist es auch kein Spaß, wenn Zeugen Jehovas, liberale Theologen, die Mormonen, der Islam, der neue Atheismus oder das Judentum Jesus als Gott im Fleisch ablehnen.

Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich gekannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater gekannt haben.

Aber weil die Pharisäer Jesus nicht als Messias erkennen, verbauen sie sich damit auch eine umfassende Erkenntnis von Gott, dem Vater.

Einladung zur persönlichen Reflexion der Christologie

Was könntest du jetzt tun? Du könntest deine Christologie aufschreiben. Überlege dir konkret, was du über Jesus denkst und aus welchen Bibelstellen du deine Christologie ableitest.

Wenn es dir schwerfällt, deine Christologie aufzuschreiben, plane doch einen Abend ein, an dem du dieses Thema studieren möchtest.

Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.