
Lieber Herr Kark, liebe Bewohner der Wohnstätte Kristall,
das ist eine wunderschöne Frage. Es ist wirklich eine Bereicherung, dass Sie heute Abend hier sind. Vielen, vielen Dank!
Sie haben gezeigt, dass Menschen mit einer Behinderung keine Fürsorgeobjekte sind, sondern Bürgerinnen und Bürger unseres Landes. Wir sind erstaunt, welche Talente in Ihnen verborgen liegen – Tänzer, Autoren und Schauspieler.
Also vielen, vielen Dank!
Es geht heute Abend um Würde, es geht heute Abend um Menschenwürde.
Ich weiß nicht, was in Ihnen vorgeht, wenn Sie in der Presse verfolgen, dass in unseren Großstädten Menschen, die eine Kippa tragen, auf offener Straße angegriffen und verprügelt werden. Ich weiß nicht, was Sie denken, wenn Judenhasser Musikpreise verliehen bekommen.
Eine Expertengruppe hat Ende letzten Jahres der Bundesregierung empfohlen, einen Antisemitismusbeauftragten einzusetzen. Müssen wir wirklich feststellen, dass wir in Deutschland wieder so weit sind, dass Menschen, die den jüdischen Glauben vertreten, geschützt werden müssen? Das ist ja irgendwie eine erschreckende Erkenntnis.
Wenn dann Rechtsradikale und Muslime einig sind in ihrem Hass, wird das ganze Jahr brandgefährlich.
Was ist Menschenwürde? Menschenwürde ist die Tatsache, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, unabhängig von ihrem Geschlecht oder Alter denselben Wert haben.
Und da seid ihr mit eingeschlossen, da ist jeder mit hineingenommen. Wir sind Menschen, das haben wir alle gemeinsam, und damit haben wir unseren Wert.
Der Schriftsteller Christian Morgenstern hat vor hundert Jahren gesagt: „Der Mensch mag tun und leiden, was es auch sei, er besitzt immer und unveräußerlich die göttliche Würde.“
Ich lese uns etwas aus der Bibel vor, aus dem Lukasevangelium, Kapitel 7.
Jesus ging nach Kapernaum hinein. Ein Hauptmann aber hatte einen Diener, der ihm sehr wert war. Dieser Diener war krank und lag im Sterben.
Als der Hauptmann von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden zu ihm. Er bat Jesus, dass er komme und seinen Knecht gesund mache.
Die Ältesten kamen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: „Er ist würdig, dass du ihm dies gewährst, denn er liebt unsere Nation und hat selbst die Synagoge für uns erbaut.“
Jesus ging mit ihnen. Doch als er schon nicht mehr weit vom Haus entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde zu Jesus. Sie ließen ihm sagen: „Herr, bemühe dich nicht, denn ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach kommst. Darum habe ich mich selbst auch nicht für würdig gehalten, zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund werden.
Denn auch ich bin ein Mensch unter Befehlsgewalt. Ich habe Soldaten unter mir, und ich sage zu einem: ‚Geh hin!‘, und er geht. Zu einem anderen sage ich: ‚Komm!‘, und er kommt. Und zu meinem Sklaven sage ich: ‚Tu dies!‘, und er tut es.“
Als Jesus das hörte, wunderte er sich. Er wandte sich zur Volksmenge und sagte: „Selbst in Israel habe ich keinen so großen Glauben gefunden.“
Als die Abgesandten zum Haus zurückkehrten, fanden sie den Diener gesund vor.
In der Stadt Kapernaum ist Jesus kein Fremder. Dieser Ort am See Genezareth wird auch seine eigene Stadt genannt, denn dort wohnt Jesus und wirkt er. Auch wenn er zugezogen ist, gilt dieser Ort als seine Heimat.
Garantiert aus beruflichen Gründen zugezogen ist ein gewichtiger Römer, ein Berufssoldat, der es bis zum Hauptmann gebracht hat. Nun, dieser Rabbi aus Nazareth, Jesus, von dem wir in den letzten Tagen immer wieder gesprochen haben, zieht durch Palästina und fasziniert die Menschen mit seinen Reden.
Dieser Rabbi und auf der anderen Seite dieser Zenturio aus Rom – was haben die beiden gemeinsam? Ethnologisch gesehen haben sie überhaupt nichts gemeinsam. Ganz im Gegenteil: Die Römer waren damals Antisemiten. Die griechische und römische Literatur über die Juden zeugt von großer Verachtung gegenüber diesem Volk.
Das ist keine neue Erscheinung, nichts, was aus dem Dritten Reich hervorgegangen wäre oder bei den Kreuzzügen eingeführt worden wäre. Das gab es schon in der Antike. Über die Juden und ihre Geschichte wurden die lächerlichsten und boshaftesten Fabeln verbreitet.
Was sich in der damaligen Literatur und Gedankenwelt nirgendwo findet, ist der Begriff Menschenwürde. Das kannte man damals nicht, das war völlig fremd. Man wurde in eine Schublade gesteckt und war gebranntmarkt.
Nun, dieser Hauptmann geht über seine Kultur und seine Schulbildung hinaus. Irgendwie muss er zu der Erkenntnis gelangt sein, dass jeder Mensch seinen Wert hat. Sein Rang ist Centurio. So jemand hatte knapp hundert Soldaten und einige Knappen sowie Diener unter sich. Einer von denen war krank.
Er hatte nicht irgendeine Pollenallergie, sondern – wie hier steht – er lag im Sterben. Das war eine dramatische Situation. Sie wohnten ja in dem feuchten Klima am See Genezareth. Es mag sein, dass ihn das Malariafieber gepackt hatte. Die Schwiegermutter von Petrus wohnte auch dort und litt ebenfalls an einem Fieber. Vielleicht war es Malaria, eine Krankheit, die viele schon dahingerafft hatte.
Nun, das war sein Diener. Sklaven wurden damals eigentlich wie Sachen behandelt, und Sachen kann man ersetzen. Aber hier steht ausdrücklich, dass der Diener ihm wert war. Dieser Hauptmann war reich, sowohl an Einfluss als auch an Geld. Er hatte eine Synagoge gesponsert, wie aus den Zeilen davor hervorgeht. Er wird alles getan haben, was in seiner Macht stand, und sämtliche Ärzte konsultiert haben, um seinem jungen Freund, der in seinem Haus mitarbeitete, zu helfen. Aber alles blieb ohne Erfolg.
Während das Fieber steigt, sinkt die Hoffnung immer mehr. Dann hört er von Jesus. Wahrscheinlich per Mundpropaganda – man hat hier herumgesprochen, dass Jesus wieder in der Stadt sei, in Kapernaum, dieser außergewöhnliche Gottesmann, der wieder erreichbar war. Jesus war immer wieder auch im Süden des Landes gewesen, aber jetzt war er wieder da.
Das ist ja die gute Botschaft, die wir hier Abend für Abend weitersagen: Jesus ist erreichbar. Spätestens seit Weihnachten kann man das sagen: Gott kam in Jesus zu uns, und er ist ansprechbar, er ist erreichbar, er ist nicht weit. Davon bekommt dieser Hauptmann mit, dass Jesus da ist.
Dann veranlasst er sofort, dass eine Nachricht an Jesus geschickt wird. Er rennt zum Krankenbett und bittet den Diener, noch ein bisschen durchzuhalten. Er ruft die Ältesten der jüdischen Gemeinde zu sich – die Leiter der Synagogengemeinde – und bittet sie, Jesus zu bitten, den Jungen gesund zu machen.
Diese Fürsprecher schickt er nicht, weil er selbst zu beschäftigt gewesen wäre oder sich vielleicht zu feige vorgekommen wäre, sondern einfach, weil er sich nicht sicher ist, ob Jesus auf die Bitte eines römischen Soldaten eingehen würde. Das ergab eben diese große Kluft zwischen diesen beiden Gruppen von Menschen: auf der einen Seite die Römer, die für Fortschritt und die damalige moderne Kultur standen, und auf der anderen Seite die Juden, die immer schon irgendwie ihr eigenes religiöses Ding gemacht haben.
Wenn wir unseren Nächsten wichtig nehmen – und das wollen wir zunächst festhalten –, dann bedeutet das, dass wir diesen Mann, diesen Diener in seinem Haus, achten. Er war ihm wert, wie wir gelesen haben. Wenn wir den Nächsten wichtig nehmen und uns selbst nicht zu wichtig nehmen – er sagt hier: „Ich bin nicht würdig“ –, dann ist der Weg frei für einen respektvollen und menschenwürdigen Umgang miteinander. Das brauchen wir.
Das heißt: Der Nächste soll uns wichtig sein, so sagt es die Bibel an vielen Stellen. Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Wer dein Nächster ist, kannst du selbst beurteilen: Menschen, mit denen du zusammenarbeitest, die in deiner Nachbarschaft wohnen. Nimm die Menschen um dich herum wichtig und nimm dich selbst nicht zu wichtig. Das jedenfalls können wir von diesem Hauptmann lernen.
Trotz seines Standes und seines offensichtlichen Wohlstandes ist dieser Mann imstande, als Bittsteller zu kommen. Er ist eigentlich einer, der sonst Befehle gibt, doch jetzt muss er eine Bitte aussprechen. Das ist nicht einfach und macht man nicht gerne, besonders wenn man, wie er, einflussreich ist – oder wie du, wenn du selbstständig bist.
Du bist ja in der Lage, selbständig zu denken und Entscheidungen zu treffen. Vielleicht bist du auch finanziell unabhängig. Wenn man es zu etwas gebracht hat und sich für jeden Cent krumm gemacht hat, fällt einem nichts in den Schoß. Dann ist es nicht leicht, eine Bitte auszusprechen und sich abhängig zu machen von anderen. Am liebsten möchte man alles so regeln, wie man es bisher immer gemacht hat.
Wir sind erst einmal etwas stolz. Doch Stolz ist ein großes Hindernis, um zu Gott zu kommen. Das will ich deutlich sagen. Es steht in Jakobus 4: Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.
Menschen, die meinen, was zu sein, die sagen: „Ich kriege das alles schon hin, ich bin jemand“ und sich damit auch ein bisschen über andere erheben, sieht Gott aus der Distanz. Dem Demütigen aber gibt er Gnade.
Sehen Sie genau: Dieselbe Sonne, von der wir heute viel genossen haben, lässt Wachs schmelzen und Ton härten. Dieselbe Botschaft von Jesus Christus macht das Herz des Demütigen weich, das Herz des Hochmütigen aber hart.
Ich glaube, dass Leute zu diesen Abenden kommen, deren Herz erreicht und erweicht wird. Sie merken: Hier redet Gott zu mir. Das ist ein Indiz für Demut.
Aber es gibt auch Menschen, die dagegen aufbegehren. Ich würde mich nicht wundern, wenn jetzt sogar Predigten im Radio WSW übertragen werden, die das einschalten und sagen: „Muss man uns das zumuten?“ Da gibt es Leute, die sagen: „Unmöglich!“ und innerlich dagegen rebellieren.
Es ist ein Unterschied, ob ich demütig eine Sache höre, prüfe und versuche, auf mich zu beziehen, oder ob ich festgelegt bin und ein hartes Herz habe.
Dieser Hauptmann, der eine militärisch gehobene Stellung innehat, ist demütig. Wir sehen einmal seine humane Seite: Es ist ihm nicht egal, wie es seinem Diener geht. Und das nicht nur, weil er jetzt keinen mehr hat, der ihm die Springerstiefel putzt, sondern weil dieser Mensch ihm wichtig ist.
Dann sehen wir, dass er sich selbst ein Stück zurücknimmt. Drittens erkennen wir auch seine religiöse Seite.
Dieser Heide steht dem jüdischen Glauben nicht ablehnend gegenüber, ganz im Gegenteil. Seine Gesandtschaft sind die Ältesten der Juden, also religiöse Führungspersönlichkeiten. Die hätten das nicht mit sich machen lassen, wenn er ein Besatzerscheusal gewesen wäre. Sie hätten sich nicht vor seinen Wagen spannen lassen.
Sie stellen diesem Hauptmann das Zeugnis aus: Er liebt unsere Nation.
Wir sehen also: Er liebt den Einzelnen – das können wir ein wenig erkennen – und er liebt auch eine ganze Gruppe. Den Einzelnen kennt er persönlich, diesen jungen Mann. Da wird es eine gewisse Sympathie gegeben haben. Für einzelne Menschen finden wir Sympathie.
Aber eine Nation? Eine Nation, der er selbst nicht angehört? Er könnte sagen: „Was habe ich damit zu tun?“ So könnte man auch über eine Wohngruppe denken: „Ich habe keine Angehörigen, die unter so einer Einschränkung leben, was habe ich mit denen zu tun?“ Man könnte Ausländer abstempeln und sagen: „Was habe ich mit denen zu tun?“ Und sich abgrenzen mit dem Gedanken: „Ich bin doch etwas Besseres.“
Das ist eine hochmütige Haltung.
Nein, er liebt diese Gruppe, diese Nation. Er unterstützt diese Menschen ohne Ansehen der Person, obwohl er sie gar nicht alle einzeln kennt. Das ist kollektive Liebe, Liebe ohne Verdienst – eine Liebe, wie wir sie von Gott kennen.
Jetzt sagen die Juden zu Jesus, dass er würdig sei. Mit anderen Worten: Er ist es wert oder verdient es, dass du ihm diese Bitte erfüllst.
In Kapitel zehn kommt dasselbe Wort noch einmal vor. Dort heißt es: „Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ Der Diener war ihm wert, der Arbeiter ist seines Lohnes wert – es ist dasselbe Wort. „Würdig“ ist also ein Gleichheitszeichen. Der Lohn ist gegenüber der Arbeitsleistung angemessen.
Erstens: Der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Die Juden sagen also, er hat so viel für uns getan, jetzt ist er mal dran. Tu du mal etwas für ihn, Jesus. Da sie inständig bitten, geht er mit ihnen.
Nun hat der Hauptmann nicht damit gerechnet, dass Jesus zu ihm kommen würde. Er dachte, Jesus werde aus der Distanz vielleicht eine Kerze anzünden und eine kleine Formel aufsagen. Aber jetzt merkt er, dass Jesus sich aufgemacht hat und kommt.
Er hat noch Zeit, schnell ein paar Freunde zu beauftragen, ihn aufzuhalten. So treffen in der Stadt beide Gruppen aufeinander: die Ältesten zusammen mit Jesus, die ihn gerade abgeholt haben, und die Freunde des Hauptmanns mit einer neuen Nachricht.
Von diesen erfährt Jesus – und erfahren wir – eine Ungereimtheit. Vielleicht ist Ihnen beim Lesen aufgefallen, dass der Hauptmann mitteilen lässt: „Ich bin nicht würdig.“ Das ist ja unser Thema heute Abend: Bin ich würdig, dass du unter mein Dach kommst oder dass ich vorher zu dir gekommen bin?
Die Juden hatten zuvor genau das Gegenteil behauptet. Sie sagten, er sei würdig. Was denn jetzt: würdig oder nicht würdig?
Für Jesus ist das ganz offensichtlich keine Frage. Jesus ist ja auf dem Weg zu ihm. Dieser Mann ist es ihm wert. Er bekommt die Nachricht, dass jemand Hilfe braucht, und macht sich sofort auf den Weg.
Für Jesus ist das überhaupt keine Frage. Das sind Menschen, die Fragen stellen, die sie uns hier per WhatsApp schicken. Es ist uns wichtig, auf diese Fragen einzugehen. Wir wollen helfen, wo wir können.
Jesus gibt ein deutliches Zeichen, dass dieser Mann ihm die Zeit und Mühe wert ist.
Die Zurückhaltung des Offiziers hat damit zu tun, dass er Heide ist und nicht genau weiß, ob eine solche Begegnung überhaupt möglich ist. Juden und Heiden: Juden würden niemals heidnische Häuser betreten, damit sie sich nicht verunreinigen. So war das damals eben.
Deshalb sagt er: „Ich bin nicht würdig.“
Und jetzt kommen wir mal zu uns. Bist du würdig? Ich weiß nicht, ob du dir diese Frage schon einmal so gestellt hast. Vielleicht geht es dir wie diesem Mann, und du sagst: „Ich bin es nicht.“ Vielleicht fühlst du dich ganz klein. Vielleicht hast du deine eigenen Grenzen kennengelernt oder – warum auch immer – du fühlst dich irgendwie ohnmächtig. Du weißt, dass es eine Menge Fehler in deinem Leben gibt, und du bereust das.
Vielleicht kommst du dir manchmal vor wie eine Null, sitzt irgendwo hier in der letzten Reihe und sagst: „Ich bin nicht würdig.“ Aber lass mich doch mal vorrechnen: Null plus Gott – das ist doch schon ganz passabel.
Wenn ein Mensch sein Unvermögen einsieht und sich dann diesem Jesus anvertraut und in die Verbindung mit Gott kommt, dann kann daraus etwas ganz Großes werden. Gott ist es, der dir deine Würde verleiht. Wo soll denn ein Mensch diese Menschenwürde herbekommen, wenn nicht von Gott? Die unantastbare Menschenwürde – das hast du am Anfang ja zitiert, Michael. Das Grundgesetz redet davon. Die können wir uns nicht selber zulegen, die ist uns gegeben von Gott.
Das erinnert an das Bild der Mona Lisa, das sich gestern mal so vor unsere Augen geführt hat. Das ist nur ein Bild, eine Leinwand mit ein bisschen Ölfarbe, im Grunde genommen nichts wert. Dieses Gemälde im Louvre in Paris ist deshalb so wertvoll, weil ein großer Meister, Leonardo da Vinci, dahintersteht. Wir sind deswegen so wertvoll als Menschen – nicht aufgrund unseres Materials, sondern weil Gott, ein großer Schöpfer, hinter uns steht.
Gott verleiht uns unseren Wert und unsere Würde. Wenn es keinen Gott gibt, wenn der Mensch nicht nach dem Bild Gottes geschaffen ist, wenn dieser Unterschied nicht besteht zwischen Tieren und Menschen, so dass es einen fließenden Übergang gäbe, dann dürfen wir uns ja gar nicht einbilden, irgendetwas Besonderes zu sein. Humanismus wäre doch absolut arrogant. Die ehrlichere Philosophie wäre der Animalismus. So kommen wir doch nach dieser Auffassung her.
Aber der postmoderne Mensch leugnet immer mehr die Existenz einer Seele, dass wir als Menschen etwas Besonderes seien. Die Konsequenz daraus drückt ein atheistisch erzogener junger Crunch-Rocker folgendermaßen aus. Er hat geschrieben: „Ich gehöre zur Generation des unbeschriebenen Blattes. Ich habe keinen Glauben, ich habe keinen Anschluss an eine Gemeinschaft, ich verfüge über keine Tradition oder dergleichen. Ich bin verloren in dieser weiten Welt, ich gehöre nirgendwohin, ich habe absolut keine Identität.“
Die Würde des Menschen ist antastbar ohne Gott, nicht unantastbar. Wir wären ja nur das Resultat eines blinden Zufalls, ohne Ziel, ohne irgendeine Bestimmung und ohne Würde. Also: Gott ist es, der dich zu einem Menschen macht und dir seine Würde verleiht. Das ist meine feste Überzeugung. Ihm warst du so viel wert, dass er seinen Sohn als Preis für dich bezahlt hat.
Bist du würdig? Ganz offensichtlich. Würde heißt Wert, ich rufe das in Erinnerung. Stell dir vor, jemand bietet dir ein Auto an und verlangt fünf Euro dafür. Du inspizierst den Wagen, machst natürlich mal eine Probefahrt und so weiter. Wenn du der Auffassung bist, dass er diese fünf Euro wert ist, dann bezahlst du, und die Karre gehört dir.
Gott sieht uns, und nach reiflicher Kalkulation hat Gott entschieden, seinen Sohn Jesus als Gegenwert für uns zu bezahlen. Nicht einen Geldbetrag, sondern das Leben seines geliebten Sohnes. Bist du würdig? Ganz offensichtlich. Gott misst uns nicht zuletzt an dem, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, diesen gewaltigen Wert zu.
„Sprich ein Wort, und mein Diener wird gesund“, sagt dieser Hauptmann. Er erwartet von Jesus einfach nur eine Aussage.
Weißt du, wenn Gott spricht, dann ist das mehr als bloße Kommunikation. Vielleicht fällt es dir manchmal schwer, hier zuzuhören. Ich freue mich, dass du die Geduld aufbringst, meinen Worten zu folgen.
Wenn Gott spricht, ist das nicht nur ein Text. Wenn ich die Bibel lese, dann sind das nicht einfach aneinandergereihte Worte, sondern es steckt sehr viel mehr dahinter: das ist Leben. Wenn Gott spricht, kommt seine ganze Macht zum Ausdruck. Ein Wort Gottes – und es geschieht.
Das stimmt: Die Bibel sagt, „Gott sprach, und es ward“. Darüber haben wir uns am ersten Abend unterhalten. Höre dir das gerne nochmal auf der Aufnahme an.
Als Jesus am Grab seines Freundes Lazarus stand, sprach er in das Grab hinein: „Lazarus, komm heraus!“ Übrigens, wenn Jesus nicht „Lazarus, komm heraus“ gesagt hätte, wären wahrscheinlich alle Toten auf diesem Friedhof gleichzeitig auferstanden. Aber Lazarus, du bist gemeint – und dann kommt Lazarus heraus.
Das heißt also: So mächtig ist der Befehl, so mächtig ist das Wort Gottes. Da passiert etwas.
Jetzt weiß ich nicht, was bei dir im Sterben liegt. Dieser Diener lag im Sterben, Lazarus war bereits gestorben. Was ist es bei dir? Ist es dein Selbstwert, der im Sterben liegt? Ist es deine Ehe, die vielleicht im Sterben liegt? Das, was mal harmonisch und bunt angefangen hat, ist auf einmal trist und grau geworden? Erkennst du die Gefahr, dass etwas in deinem Leben im Sterben liegt? Ist es dein Vertrauen in die Gesellschaft, das im Sterben liegt?
Das, was wir brauchen, ist das Wort Gottes, das, was er sagt. Das ist die Voraussetzung für ein Wunder, damit etwas in unserem Leben geschieht.
Hier passiert ja ein Wunder in diesem Text, und es ist nicht die körperliche Anwesenheit von Jesus. Vielleicht denkst du: „Ja, wenn Jesus heute noch leben würde, dann könnte ich das alles glauben. Wenn er hier mal, sie haben vorhin einen Tanz vorgemacht, wenn Jesus mal zur Abwechslung hier so ein Wunder vormachen würde, dann würde ich auch glauben.“
Aber die Anwesenheit von Jesus – das zeigt diese Geschichte – war gar nicht nötig. Darauf kommt es gar nicht an. Gott sagt dir ein Wort, das über Raum und Zeit hinausreicht – und es geschieht.
So ein Wort, so eine persönliche Zusage müsste man haben. Nun, du hast so ein Wort. Und damit meine ich eben diese tröstenden Zusagen Gottes in der Bibel.
Lies dieses Buch! Ich kann es nur Abend für Abend wieder sagen: Hier redet Gott. Im linken Bereich gibt es kostenlose Literatur, und hinten kannst du Bibeln erwerben.
Wenn du eine alte Bibel zu Hause hast, nimm sie mal heraus, entstaube sie und lies, was Gott zu sagen hat.
Dieses Wort Gottes ist mehr als nur eine Beschreibung von Dingen, die wir uns nicht richtig vorstellen können – keine Fantasygeschichten. Hier redet Gott, und wir haben Zugriff darauf.
Wir haben in Deutschland so viele Übersetzungen der Bibel, es ist so leicht, warum hören wir nicht auf das, was Gott sagt?
Du wirst erfahren, dass Gott in Jesus Christus seine ganze Liebe gezeigt hat. Dass er ein gnädiger Gott ist und dass wir durch den Glauben an Jesus Vergebung unserer Sünden bekommen können. Dass alles, was gewesen ist, ausgelöscht ist, wenn wir an Jesus glauben – daran, dass er am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist.
Du wirst in der Bibel erfahren, dass es möglich ist, ewiges Leben zu haben. In ewiger, ungetrübter Gemeinschaft mit Gott zu leben, wenn du dieses Leben ergreifst, das in Jesus Christus begründet ist.
Wenn du dieses Wort hast, dann hast du alles. Und dieses Wort trifft ein.
Du musst es allerdings, so wie dieser Hauptmann, mit Glauben verbinden. Das, was Gott von uns erwartet, ist, dass wir glauben.
Ich komme zum Schluss. Sprich ein Wort, und dann befiehlt Jesus. Das ist das Große: Jesus macht diesen jungen Mann wieder gesund. Er selbst ist ja auferstanden, nachdem er am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist. Unsere Sünde, unser Leiden hat er auf sich genommen, die ganze Entfremdung ertragen. Er war isoliert, abgegrenzt, hing allein da und musste schreien: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Das ist der Kern des Evangeliums: Dass er selbst, nachdem er vor uns gelitten und gestorben ist, auferstanden ist, lebt und den Tod besiegt hat. Und genau das geschieht auch bei diesem jungen Mann in der Geschichte.
„Ich verstehe etwas von Befehlen“, sagt der Offizier. „Ich sage zu einem Soldaten: Geh hin! Der geht. Zum anderen sage ich: Komm! Er kommt. Zu einem Sklaven sage ich: Tu dies! Und er tut es.“ So läuft es im Militär. Ich weiß nicht, wer von Ihnen, besonders die Männer, schon beim Militär gewesen ist.
„Ich gebe dir einen guten Rat“, sagt die Mutter zu ihrer Tochter: „Wenn du einmal heiraten solltest, dann nur einen Soldaten. Denn der kann kochen, aufräumen, Betten machen und er hat gelernt, gehorsam zu sein.“
Gott hat von Anfang an gewollt, dass wir gehorsam sind. Gott hat gewollt, dass wir auf ihn hören. Diese drei konkreten Vorschläge, die der Hauptmann vorgibt, lauten: „Ich sage geh, ich sage komm, ich sage tu.“ Das möchte ich uns mitgeben.
Jesus sagt: Geh! Das hat er auch zu uns gesagt, wie wir hier das Evangelium verbreiten. „Geht hin und macht alle Nationen zu Jüngern. Geht hin und predigt das Evangelium.“ Deshalb findet Pro Christ statt. Wir folgen dem Auftrag von Jesus und machen die Erfahrung, dass Menschen heil werden. Da sind Leute nach vorne gekommen und haben um Vergebung ihrer Sünden gebeten. Sie sind froh und dankbar nach Hause gegangen in der Gewissheit: „Ich bin jetzt ein Kind Gottes, mein Leben ist neu geworden.“
Das ist der Auftrag, der von Jesus kommt.
Das andere, was der Hauptmann sagt, ist: „Ich sage, komm.“ Das sagt Jesus auch. Er fordert dich auf: „Komm, komm her zu mir, du, der du mühselig und beladen bist, der du unter deiner Last fast erdrückt wirst. Komm zu mir! Ich will dir diese Last abnehmen. Ich will dich wieder aufrichten.“
Das war übrigens auch Bestandteil der Predigt, die wir heute Morgen hier in allen Gemeinden in Weißwasser zusammen im Zelt erlebt haben: „Komm her“, sagt Jesus.
Und schließlich: „Tu!“ Na ja, tu irgendetwas. Sponsere eine Synagoge, wenn du das nicht kannst. Spende etwas für Pro Christ, wenn du das nicht kannst. Heile einen Kranken, einen kranken Diener. Wenn du das nicht kannst, erzähle einem kranken Freund vom Heiland. Bring doch Leute mit! Tu etwas! Das Wort Gottes will uns immer auch mobilisieren, dass wir das, was wir gehört haben, auch umsetzen.
Da gibt es doch keine Bitte, die zu groß wäre, keinen Traum, der unerreichbar wäre. Gott kann Großes tun, wenn wir gehorsam sind, wenn wir das tun, was er sagt.
Dann kommt der selbstverständliche Schluss: Als die Abgesandten in das Haus zurückkehrten, fanden sie den Diener gesund. Kein Wort darüber, ob der Hauptmann dann ein Fest gefeiert hat. Kein Wort darüber, ob der Diener noch am gleichen Tag seine Arbeit wieder aufgenommen hat. Es reicht einfach zu wissen: Sie fanden den Knecht gesund. Das gläubige Gebet des Hauptmanns ist erhört.
Und so kann dieser Abend auch für dich enden: Du betest, Gott erhört dein Gebet, und du weißt in deinem tiefsten Inneren, dass er dir vergeben hat. Du bist geheilt – geheilt von deiner Selbstsucht, von deinem Stolz, von deinem Hochmut, geheilt von deinem gottlosen, manchmal arroganten Denken. Geheilt von deiner Sünde, von dem, was verletzend ausgesprochen worden ist, was du gedacht hast, was du getan hast. Jesus heilt dich von deiner Sünde, er hilft dir zu einer gesunden Selbsteinschätzung.
Und er verleiht dir die Würde eines Gotteskindes. Amen.
Ich weiß nicht, wie Sie sich nach so einem Abend fühlen. Für manche ist das alles ziemlich neu und ein bisschen merkwürdig. Vielleicht sind Sie aber auch schon den einen oder anderen Abend hier gewesen oder haben bei anderen Gottesdiensten erfahren, dass es diesen Gott gibt. Trotzdem wissen Sie nicht, wie Sie mit diesem Gott in Verbindung kommen sollen.
Bisher ist Ihr Leben vorwiegend auf der horizontalen Ebene verlaufen, im Kontakt mit Kirchenvertretern, aber auch mit Atheisten und anderen Menschen. Da hat man es mit vielen Menschen zu tun. Doch jetzt kommt plötzlich diese neue Dimension hinzu: die vertikale Ebene, auf der Gott einlädt, zu ihm zu kommen.
Ich möchte diese Einladung nochmals ausdrücklich aussprechen. Erst das macht einen Menschen zum Menschen: das Bewusstsein, dass ich von Gott herkomme und dass ich einmal vor Gott stehen werde. Dann muss ich Rechenschaft ablegen für mein Leben.
Wenn ich Gott einmal gegenüberstehe, werde ich mich auf das Gericht berufen, das längst vor zweitausend Jahren stattgefunden hat. Jesus ist am Kreuz für meine Sünden gestorben. Für meine Sünde werde ich nicht bestraft. Ich bin Sünder, genauso wie jeder andere auch. Ich bin genauso eine Null, die sich nichts Besonderes einbilden darf.
Aber ich weiß, dass mir vergeben ist, und das ist ein demütiges Aufrechtstehen. Gott demütigt uns, ohne dass wir dadurch gedrückt werden. Er lobt uns, ohne dass wir abheben oder stolz werden. Das ist ein würdiges Leben als Mensch.
Wenn Sie sich das auch wünschen – diese Beziehung zu Gott und das gute Gewissen in Ihrem Herzen, dass Ihre Sünde vergeben ist und Sie mit Gott im Reinen sind – dann können Sie auch dadurch mit anderen Menschen ins Reine kommen. Sie können ein Segen für andere Menschen sein.
Vielleicht klingeln Sie dann eines Tages bei der Wohngemeinschaft und bieten Ihre Nächstenliebe an. Ihnen wird klar, dass die Liebe zu Gott auch die Liebe zu Ihrem Nächsten und zu Ihren Mitmenschen zur Folge hat. Dann sagen Sie es ihm.
Wir wollen jetzt miteinander beten. Du kannst dich, wie an den anderen Armen, diesem Gebet anschließen. Ich werde einige Worte zu Gott sprechen und anschließend ein Gebet vortragen, das du zu deinem eigenen Gebet machen kannst.
Ich werde dir zwischendurch eine kurze Pause lassen. In Gedanken, in deinem Herzen, in deinem Inneren kannst du, wenn du es aufrichtig meinst und dich damit identifizieren kannst, das Gebet mitsprechen. Am Ende sagst du dann überzeugt „Amen“, so sei es.
Lasst uns miteinander beten.
Danke, dass du uns gemacht hast und uns nicht uns selbst überlassen hast. Du bist nicht wie ein Tyrann, der über Leichen geht. Ein wenig können wir dein Wesen im Wesen dieses Hauptmanns sehen, der an seinem Diener leidet. Du liebst uns so sehr.
Wenn Menschen in ihren Krankheiten und in ihrer Sünde niedergebeugt sind und sich schlecht fühlen, möchtest du sie aufrichten. Danke, dass du alle Voraussetzungen geschaffen hast, damit Menschen innerlich heil werden können.
Danke, dass du deinen Sohn Jesus nach reiflicher Überlegung für uns gegeben hast. Dass wir dir wert waren und du das Liebste, was du hattest, von Herzen losgelassen hast. Du hast Jesus in diese Welt gesandt, damit er für uns erreichbar wird. Er hat sogar das große Opfer gebracht, als er am Kreuz mit seinem Leben bezahlt hat – dort, wo wir vor dir zahlungsunfähig sind.
Vielen, vielen Dank, dass du ein so liebevoller und gnädiger Gott bist.
Jetzt sind Menschen da, die diese Worte zaghaft annehmen möchten. Deren Herz schlägt ein wenig schneller. Sie wissen, dass sie heute Abend gefragt sind. Ich möchte beten, dass, wenn sie diese Worte mitsprechen, daraus eine feste Überzeugung wird. Dass diese Überzeugung ihr Leben durchdringt – bis in die Ewigkeit hinein.
Wenn du möchtest, kannst du jetzt beten:
Danke, Gott, dass du heute Abend zu mir gesprochen hast. Danke, dass du mir als Mensch meine Würde verleihst. Ich möchte an dich glauben und danke dir, dass du Jesus in diese Welt gesandt hast. Danke für dein Opfer, Jesus. Danke, dass du für meine Sünden am Kreuz gestorben bist.
Ich bekenne dir meine Sünden. Ich sehe ein, dass ich viele Fehler gemacht habe. Bitte vergib mir und komm jetzt in mein Leben. Mach mein Leben neu. Dir möchte ich von heute an nachfolgen.
Amen.