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Offenbarung 3,14 - 4,11

Reihe: Die Offenbarung des Johannes (9/27)
Offenbarung 3,14-4,1116.02.2014
SerieTeil 9 / 40Die Offenbarung des Johannes
Lau, satt, selbstsicher – und doch blind? Laodizea zeigt, wie schnell Glaube zur Anpassung kippt. Die Frage bleibt: Klopfst du Jesus noch auf oder steht er schon draussen?

Rückblick auf die letzten Sendschreiben und ihre geschichtliche Einordnung

Wir sind letztes Mal nicht fertig geworden mit dem Sendschreiben an Laodizea. Wir lesen zu Beginn nochmals das Sendschreiben an Laodizea, und nachher werden wir weitergehen mit Kapitel 4.
Darf ich jemanden bitten, uns vorzulesen: Offenbarung 3, ab Vers 14 bis 22.
Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Ach, dass du kalt oder heiß wärest! Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weißt, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloß bist, rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst, und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst. Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße! Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir. Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe. Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
Wir haben gesehen, dass in Offenbarung 2 und 3 anhand dieser sieben Sendschreiben an sieben Gemeinden am Ende des ersten Jahrhunderts uns ein prophetisches Bild dargeboten wird von der gesamten Kirchengeschichte, und zwar eingeteilt in sieben Abschnitte, sieben Perioden.
Ich möchte jetzt nicht mehr alles wiederholen. Das haben wir mehrmals wiederholt in den vergangenen Bibelklassen: was Ephesus bedeutet, was Smyrna usw. Aber ich möchte nochmals in Erinnerung rufen die drei Letzten.
Wir haben in Sardis gesehen den Aufbruch, die Erweckung der Reformation, allerdings dann auch den Niedergang, der danach gekommen ist. Darum sagt der Herr zu Sardes in Kapitel 3, Vers 2: Ich habe deine Werke nicht völlig erfunden vor meinem Gott. Aber dann der Aufruf, wieder ganz neu zu dem zurückzukehren, was in der Reformation ans Licht gestellt wurde: Gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße.

Der Aufbruch der Erweckung und die Öffnung zur Weltmission

Dann haben wir im Sendschreiben an Philadelphia letztes Mal gesehen, den späteren Aufbruch in der Kirchengeschichte, nämlich die Erweckungsbewegung des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, was eigentlich zu den Freikirchen geführt hat.
Die grosse Entdeckung dieser Zeit wird allein schon im Namen festgehalten. Philadelphia heisst nämlich Bruderliebe. Also man hat erkannt, dass das, was auch schon Luther erkannt hat, die Reformatoren überhaupt: Alle Gläubigen sind Priester. Es gibt nicht einen Klerus und das Volk. Aber man hat dann in der Reformation das irgendwie in der Praxis doch nicht umgesetzt, aber in der Theorie ganz klar festgehalten: das allgemeine Priestertum als eine wichtige Entdeckung der Reformation aus der Bibel heraus.
Aber in der Erweckungsbewegung hat man eben erkannt, dass alle Gläubigen Brüder sind und dass alle Gläubigen Gaben bekommen haben, die sie einsetzen sollen. Und wir haben gesehen, dass in dieser Zeit die Tür zur Weltmission aufgegangen ist wie nie zuvor.
Nur als Repetition: Die Bibel wurde bis ins Jahr 1800 übersetzt in etwa siebzig Sprachen. Und dann kam diese grosse Erweckung in Nordeuropa und Nordamerika, und bereits 1830 war die Bibel übersetzt in etwa 157 Sprachen. Mehr Sprachen mit dem Evangelium erreicht worden als in den 1800 Jahren davor. Es war die Zeit, in der man plötzlich entdeckt hat: Das Evangelium ist nicht nur auf Europa beschränkt, sondern das muss in alle Kontinente hinausgetragen werden. Und da hat die Weltmission im eigentlichen Sinn des Wortes so richtig ihren Anfang genommen, obwohl der Herr ja schon vor 2000 Jahren das Mandat gegeben hatte, Markus 16, der ganzen Schöpfung das Evangelium zu predigen, und Apostelgeschichte 1,8 dieses Vierpunkte-Programm: Hier sollten meine Zeugen sein in Jerusalem, Judäa, Samaria und bis an das Ende der Erde, also bis zu den entferntesten Teilen des Festlandes von Jerusalem aus gesehen.
Und das finden wir hier angedeutet in Offenbarung 3,8: Ich kenne deine Werke sehr, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand zu schliessen vermag. Diese geöffnete Tür, die nicht mehr geschlossen werden kann. Und tatsächlich ist es wunderbar zu sehen, dass bis heute die Bibel nun in etwa 2 Sprachen übersetzt worden ist, also wenigstens Bibelteile oder dann die ganze Bibel. Also ganz enorm: Diese Tür konnte nicht mehr geschlossen werden bis zum heutigen Tag.
Und wir haben dann weitere Kennzeichen von Philadelphia gesehen: die Liebe zum Wort, 3,8 am Schluss: Und du hast mein Wort bewahrt; und die Liebe zum Herrn Jesus: Und hast meinen Namen nicht verleugnet. Und dann nochmals Vers 11: Ich komme bald. Halte fest, was du hast, auf dass niemand deine Krone nehme.
Noch nie hat es eine Zeit gegeben von so intensivem Bibelstudium, wie das geschehen ist eben im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert. Und wenn man das nur mal ganz objektiv sieht, welche Bibelkommentare verfasst worden sind in den vergangenen zweitausend Jahren, dann ist die Goldgrube aus dieser Zeit, was man da findet an Kommentaren, und zwar zu allen Büchern der Bibel, nicht nur zu gewissen.
Ich habe zum Beispiel alle Werke von Calvin, und er hat Kommentare verfasst zu den meisten Büchern des Alten Testaments, wobei bei den Propheten das dann ziemlich zusammengefasst ist. Also irgendwie bei den Propheten, das war ja nicht so gründlich. Und im Neuen Testament eigentlich auch zu allen Büchern, aber zur Offenbarung nichts. Das war irgendwie wie ausserhalb des Gesichtskreises.
Aber gerade eben in der Erweckungsbewegung des achtzehnten, neunzehnten Jahrhunderts wurde die Wiederkunft Jesu, die Bedeutung der Wiederkunft Jesu, ganz neu entdeckt. In diesem Sendschreiben eben dieses Lob, Vers 10: Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, so werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung. Also das Wort meines Ausharrens, das heisst das Wort des Ausharrens, des Wartens auf Jesus Christus. Und darum kommt im Anschluss Vers 11: Ich komme bald.
Also gerade diese Wahrheit der Wiederkunft Christi wurde neu entdeckt, festgehalten, und der Herr gibt aber dann die Ermahnung: Halte fest, was du hast, auf dass niemand deine Krone nehme. Also man könnte das wieder verlieren.

Die Mahnung zum Festhalten und der Übergang zur letzten Gemeindephase

Und dieser Ausdruck „Halte fest“ ist irgendwie wie das, was man in der Musik als ein Leitmotiv kennt: ein Motiv, das plötzlich an bestimmten Stellen wiederkommt und an eine frühere Episode erinnert. Wenn man also in Leitmotiven denkt, woran denkt man da? Halte fest, was du hast.
Nicht wahr, die Offenbarung wurde ganz am Schluss des Neuen Testaments geschrieben. Das kommt niemandem gerade spontan in den Sinn; das haben wir letztes Mal nicht angeschaut. 2. Timotheus 1, dieser Endzeitbrief des Paulus an Timotheus, schlagen wir mal auf. Liest jemand Vers 13? 2. Timotheus 1, Vers 13 und 14:
Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist. Dieses edle, anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.
Jawohl. Vielleicht konnte man durch den Wortlaut das nicht unbedingt als Leitmotiv erkennen. Die Elberfelder übersetzt, also die alte und auch die von CSV, mit genau dem gleichen Ausdruck: Halte fest das schöne anvertraute Gut durch den Heiligen Geist. Was sage ich? Halte fest das Bild gesunder Worte, ja, Bild. Das griechische Wort bedeutet auch Umriss, Form, Muster. Also geht es um die ganze umfassende Struktur der Lehre, die der Apostel Paulus Timotheus weitergegeben hat. Und es wird ihm gesagt: Halte fest!
Dann wird das in Vers 14 im gleichen Brief noch einmal aufgenommen: Bewahre das schöne anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Also die ganzen Reichtümer der Bibel aufgeschlüsselt – das ist das schöne anvertraute Gut, das wir bewahren müssen, damit wir es nicht verlieren.
Und nun eben hier wieder in Offenbarung 3: Halte fest, was du hast. Das führt uns jetzt zu dem letzten Sendschreiben an Laodizea. Das ist nun die letzte Phase der Kirchengeschichte. Und wir sehen dort eigentlich genau diesen Niedergang aus dieser Erweckungsbewegung in der allerletzten Phase der Kirchengeschichte, und zwar eben genau dadurch, dass man nicht festgehalten hat an dem, was man bekommen hat.

Das Bild von Laodizea: Anpassung, Lauheit und geistliche Blindheit

Wir haben letztes Mal schon etwas zum Namen gesagt. Was heisst Laodizea nochmals? Volksgerecht. Jawohl, Laos, Volk, und Kea, das ist Gerechtigkeit, die Volksgerechte.
Also, so charakteristisch haben wir letztes Mal gesehen, was mit den Evangelikalen in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ist. Zwar hat man gerade in der Gemeindewachstumsbewegung betont: Wir müssen relevant sein für diese Gesellschaft. Das heisst, wir müssen uns dieser Gesellschaft anpassen in unserer ganzen Ausdrucksweise, in unserer Musik, in der Gemeinde usw. Nur so können wir diese Gesellschaft noch erreichen.
Laodizea betrachtet das als Recht, was der Masse entspricht. Das ist der Massstab. Und das hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Dammbruch weltweit unter den Evangelikalen geführt, was Verweltlichung und Anpassung an die Gesellschaft anbetrifft.
Es ist genau das Gegenteil von dem, was der Herr Jesus sagt in der Bergpredigt: Ihr seid das Salz der Erde. Das Salz hat ja eine bewahrende, konservierende Wirkung, indem es eben Bakterien, also krankheitsfördernde Keime, abtötet. Und wenn der Herr sagt, wir sollen eben Salz der Erde sein, dann bedeutet das eben, dass wir gegenüber dem Verderbnis dieser Gesellschaft ein ganz klares Gegengewicht bringen und nicht, indem wir uns der Gesellschaft anpassen.
Aber das ist die grosse Maxime heute: Die Kirche, die Gemeinde, muss sich der postmodernen Zeit anpassen, und man müsse das Ganze völlig umkrempeln. Und das wurde wirklich in den vergangenen Jahrzehnten auch systematisch so gemacht. An Besprechungen von leitenden Leuten im evangelischen Raum wurden diese Linien so fest herausgearbeitet. Und darum wird das auch systematisch durchgeführt. Die verschiedensten Gemeindeverbände werden transformiert, von oben nach unten. Manche merken es, manche merken es nicht, was da geschieht.
Darum ist es so interessant, wie der Herr dann eben Laodizea betrachtet. Wir haben das letzte Mal schon ein bisschen angeschaut. Der erste Punkt, ab Vers 15: Was wird hier Laodizea vorgeworfen? Liest nochmals jemand Vers 15 und 16?
Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiss bist. Ach, dass du kalt oder heiss wärst! So aber, weil du lau bist und weder kalt noch heiss, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.
Ja, was wird hier gesagt? Lauheit. Also eigentlich gibt es manche Übersetzungen, die haben kalt, weder kalt noch warm. Korrekter wäre übersetzt: weder kalt noch heiss.
Der Punkt ist nämlich gerade der, das haben wir letztes Mal schon behandelt: Laodizea war als Ortschaft sehr eigenartig gelegen, es gab keine Quellen. Glücklicherweise gab es Quellen, aber in einer gewissen Distanz. Und zwar in einer Distanz eine warme Quelle und in einer anderen Distanz eine kalte Quelle. Das Wasser wurde über Aquädukt in die Stadt geführt, aber durch diese längere Wasserführung wurde das heisse Wasser eben lauwarm, und das kalte Wasser wurde auch lauwarm. Es wurde eben leicht erwärmt, und das andere wurde eben heruntergekühlt. Am Schluss war eben das da, was eigentlich das Hässlichste ist: lauwarmes Wasser.
Also, beides ist eben positiv zu sehen. Der Herr sagt: Wärst du entweder heiss oder wärst du kalt, denn beides ist nützlich. Eine automatische Wasserzuführung mit heissem Wasser, das ist sehr nützlich. Damals vor zweitausend Jahren, für uns heute selbstverständlich, aber damals war das etwas ganz Besonderes. Aber es war leider nicht heiss, sondern lauwarm. Und kaltes, frisches Wasser, das ist immer toll, ja. Aber wenn es dann lau geworden ist, dann ist es nicht mehr so grossartig.
Und so spricht dieses Lau sein eben davon, dass es weder nützlich ist wie warmes, wie heisses Wasser, noch erfrischend wie kaltes Wasser. Und es drückt eben auch eine Uneindeutigkeit aus. Ja, es ist so zwischendurch. Und genau das ist auch eines der grossen Probleme der Evangelikalen heute, dass man das eben gar nicht gerne sieht, wenn die Bibel eindeutig ausgelegt wird.
Das ist auch so an vielen Bibelschulen und theologischen Ausbildungsstätten. Wenn man sagt, das bedeutet das, dann wird man ein bisschen bemitleidet, weil richtig wäre: Es gibt zu diesem Punkt sechs Standpunkte, ich vertrete eigentlich Standpunkt drei, aber ich könnte absolut auch mit Standpunkt fünf leben. Ja, und was gilt jetzt?
Ja, die Studenten oder wie man heute sagt, die Studierenden, ist eigentlich ein Unsinn, dann würden sie nämlich nicht mehr schlafen. Studierende, die sind am Studieren, nicht wahr? Das ist das Gleiche, man sollte auch nicht sagen die Bergsteigenden, um geschlechtsneutral zu sein, das wollen ja die Gender-Mainstreamer, die wollen das Bergsteigende. Nein, ein Bergsteiger ist nicht dasselbe wie ein Bergsteigender. Ein Bergsteiger geht immer wieder in die Berge, aber der schläft dazwischen auch. Aber der Bergsteigende ist am Steigen, und ein Studierender ist eben immer am Studieren, ohne Pause. Aber es sind eben Studenten. Und die machen auch Pause. Ja, das nur so zwischendurch.
Also, liebe Studierende, es gibt eben hier so und so viele Standpunkte, aber Eindeutigkeit, das will man gar nicht. Und sobald jemand eindeutig ist, dann wird er schräg angesehen. Das ist auch nicht intellektuell, nicht wahr? Intellektuell ist eben, dass man weiss, dass man eigentlich nichts weiss. Aber wenn es dann darauf ankommt, dann meinen sie doch, alles besser zu wissen. Das ist der Punkt. Es ist gar nicht konsequent, aber es ist eben nicht eindeutig, es ist nicht klar.
Und das würde ja auch bedeuten, man sagt, das sei ja hochmütig, wenn man meint, man wisse, was diese Stelle jetzt genau sagt. Ist es wirklich hochmütig? Denn es würde ja bedeuten, dass Gott zwar in der Lage war, uns sein Wort zu geben, schriftlich, aber er ist nicht in der Lage, uns zu sagen, was das jetzt auch bedeutet. Letztlich ist das ein Angriff auf Gott, das ist nicht der Ausdruck der Demut.
Es geht um die Frage: Kann Gott uns klar machen, was hier im Wort Gottes steht, oder nicht? Eine andere Sache ist, wenn einer sagt: Ich verstehe das nicht, was hier steht. Ja, das ist subjektiv. Er erkennt: Ich verstehe das nicht, ich habe da kein Licht. Aber damit sagt man nicht, dass andere das jetzt nicht wüssten, was da wirklich gemeint ist. Das ist der Punkt. Aber diese Uneindeutigkeit bedeutet eben letztlich, man kann grundsätzlich nicht wissen, was es genau bedeutet.

Christus als der Eindeutige und die Selbsttäuschung der Gemeinde

Ja, und darum ist es so interessant, dass der Herr Jesus sich ausgerechnet bei Laodizea so vorstellt. Was ist der erste Name in Vers 14? Der Amen. Und Amen heißt: So ist es. Es kann auch ein Wunsch sein, aber eigentlich bedeutet es: wahrhaftig.
Immer in den Evangelien, wenn der Herr Jesus sagt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so etwa 25 Mal im Johannesevangelium, dann steht im Griechischen: Amen, Amen, lego hymin. Wahrhaftig, wahrhaftig, Amen, Amen, ich sage euch. Und das sind dann diese Worte, auf die der Herr ein ganz besonderes Gewicht legt. Wenn er zweimal sagt: Amen, Amen, und er nennt sich selber der Amen, dann heißt das: der, der eindeutig ist und der zur Wahrheit steht.
Und darum nennt er sich zweitens, wie? Jawohl, der treue und wahrhaftige Zeuge, der hinstellt: Das ist die Wahrheit. Und er ist ja unser vollkommenes Vorbild. Aber eben diese Uneindeutigkeit, Vers 15 und 16, und dann Vers 17: Was sagt der Herr da?
Laodizea meint, sie hätte alles. Also mit Demut war eben doch nicht so viel da. Ich bin reich, bin reich geworden, bedarf nichts. Und da muss man auch wissen: Geschichtlich hat das mit der Stadt Laodizea eine interessante Bewandtnis. Die Stadt war damals bekannt für ihr Bankensystem. Ja, es war so eine kleine Schweiz.
Und es gab im ersten Jahrhundert nach Christus, also Jahre bevor die Offenbarung geschrieben worden war, ein schlimmes Erdbeben in Laodizea. Die Führung des Römischen Reiches wollte finanziell Laodizea helfen, und die haben gesagt: Nein, danke, das brauchen wir nicht, wir können das selber. Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts.
Und genau so war die Gemeinde. Sie meinen, sie seien reich geworden, und merken dabei gar nicht, wie der Herr sagt, dass sie in Wirklichkeit elend, jämmerlich, arm, blind und nackt sind.
Es ist ja ganz interessant: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass das war in Nordamerika gemacht, die Bibelkenntnis unter Evangelikalen in den letzten Jahrzehnten ganz drastisch abgenommen hat, also wirklich ganz eindeutig und schwerwiegend. Und trotzdem wird uns der Eindruck vermittelt, dass heute mit diesen modernen Trends, die jetzt heute überall durchgeführt werden, jetzt ist man wirklich relevante Kirche, die wirklich gesellschaftsrelevant die Menschen mit der Botschaft Gottes erreicht.
Und was eben in diese ganze Transformation der Evangelikalen mit hineingehört, das ist auch dieser Versuch, dass die Gemeinde heute die ganze Welt transformieren soll. Und zwar so, dass man sich auch einsetzt, um den Hunger der Welt zu bekämpfen, Aids zu bekämpfen. Rick Warren hat gesagt, er werde eine Million Soldaten mobilisieren. Damit meint er die ganze evangelikale Welt und noch mehr dazu, denn dies ist nicht eine Milliarde, sondern vielleicht etwa sechshundert Millionen will er mobilisieren im Kampf in dieser Veränderung und Transformation der Welt und der Gesellschaft.
Und das wird übrigens koordiniert mit der UNO. Die UNO betrachtet diese 600 Millionen nicht als quantité négligeable, als vernachlässigbare Minderheit, sondern die wissen: Das ist ganz toll, die haben ja überall in der ganzen Welt die Gemeinden, Kirchen. Das heißt, die haben die Infrastruktur schon vor Ort, und wenn man das benutzen kann, um so eben vor Ort heranzukommen, ist das fantastisch, das spart Abermilliarden. So wird hier effektiv zusammengearbeitet mit der UNO.
Und dann eine weitere Transformation, die man anstrebt, ist die Veränderung der ganzen Mission. Und zwar soll Mission eben heute viel besser sein als früher, sondern die Mission soll jetzt kontextualisiert sein. Das heißt, überall, wo man hinkommt, berücksichtigt man die Kultur und will die Kultur nicht verändern, sondern sogar das Evangelium im Gewand der Kultur bringen.
Das klingt vielleicht im ersten Moment gar nicht so schlecht. Nicht wahr, es geht ja nicht darum, dass man als Missionar die Kultur zerstört. Und es ist auch das Gegenteil von dem, was man gemacht hat, seit man begonnen hat, eben so systematisch eingeborene Sprachen zu studieren, um die Bibel zu übersetzen. Seit dem neunzehnten Jahrhundert hat man ja gerade dazu beigetragen, dass Kulturen erhalten bleiben, indem man unzähligen eingeborenen Sprachen ein Alphabet gegeben hat, so dass es dann als Sprache eben viel mehr Festigkeit bekommen kann und gegen Englisch und Französisch bestehen kann.
Es geht eben viel weiter. Diese Kontextualisierung will bedeuten, dass man Muslime nicht mehr automatisch aus der Moschee herausholt, sondern die sollen Muslime sein, und zwar Jesus-Muslime, und die gehen weiter in die Moschee. Solche Bestrebungen sind auch anderswo im Gang, in anderen Religionen, und das führt zu einer totalen Religionsvermischung.
Und vor kurzem hat es ja einen Skandal gegeben im Zusammenhang mit Bibelübersetzung, dass gerade im islamischen Kontext da Versuche gemacht worden sind, nicht mehr Sohn Gottes zu sagen, diese Ausdrücke auszumerzen, damit sie kulturrelevant sind, damit sie dem Kontext entsprechen. Aber es führt letztlich zu einer Auflösung der Grundlagen des Evangeliums. Wer ist Jesus Christus?
Ja, aber solche Dinge werden heute gelehrt an den theologischen Hochschulen, an den evangelikalen. Ich sage nicht bei den bibelkritischen Völligliberalen, sondern bei den Evangelikalen. Und das wird gewissermaßen jetzt als neueste Erkenntnisse der Missiologie, also der Wissenschaft der Mission, ja, der Missionsforschung, wird das propagiert.
Und was sagt der Herr? Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts. Und du weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt bist.

Die angebotene Heilung: wahre Reichtümer, weisse Kleider und Sehvermögen

Und dann sagt der Herr: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, damit du reich wirst, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, um deine Augen zu salben, damit du sehen kannst.“
Ja, also hier bekommt diese reiche Stadt das Angebot von echtem Gold. Und dieses echte Gold entspricht den Goldschätzen im Tempel. Das war das Gold Gottes. Schon im Alten Testament waren diese enormen Schätze im Tempel ein Bild all der geistlichen Reichtümer, die wir in Jesus Christus haben, wie sie uns in der Bibel geoffenbart werden.
Und der Herr sagt: Ich rate dir an, Gold von mir zu kaufen. Diese echten Reichtümer, die wirklich biblisch sind und nicht einfach Philosophie und Zeitgeist, sind etwas ganz anderes. Genauso wie in der Gemeindewachstumsbewegung, da hat man ja versucht, Wirtschaftsmanagement zum Nutzen zu machen für die Art und Weise, wie man Gemeinden zum Wachstum bringt. Also die gleichen Prinzipien, die man braucht in der Wirtschaft, um die Leute zu erreichen, benutzt man, um die Leute mit dem Evangelium zu erreichen und um die Gemeinden zu füllen.
Aber was ist dieses Wirtschaftsmanagement? Die Apostel haben kein Wirtschaftsmanagement gebraucht, um das Evangelium zu verkündigen. Und so sagt der Herr: Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen.
Und dann haben wir schon letztes Mal diese Anspielung auf die weißen Kleider. Was bedeutet das im Kontext von Laodizea? Laodizea war nicht nur berühmt für das laue Wasser und für den Reichtum, sondern jetzt sind wir im Zusammenhang mit den Kleidern. Ja, die Augensalbe kommen wir auch noch dazu, richtig.
Schwarze Stoffe hat sie gekriegt, oder?
Ja, also die Textilindustrie von Laodizea war weit herum berühmt, und zwar speziell für schwarze Stoffe. Und der Herr sagt, er bietet ihnen weiße Kleider an. Das sind natürlich Priestergewänder. Wir haben hier schon gesehen, jetzt in diesem ersten Kapitel der Offenbarung, wie viele Anspielungen ständig auf den Tempel gemacht werden. Und das wird nachher in der Offenbarung noch viel mehr kommen.
Also es geht um diese weißen Kleider, die in Jesaja 61,10 genannt werden: Kleider des Heils. Können wir das kurz aufschlagen?
 Jesaja 61,10: „Freuen, ja, freuen will ich mich in dem Herrn, jubeln soll meine Seele in meinem Gott; denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan, wie der Bräutigam sich nach Priesterart mit dem Kopfschmuck schmückt und wie die Braut sich mit ihrem Geschmeide schmückt.“
Also diese weißen Kleider werden hier genannt: Kleider des Heils, Kleider der Rettung, der Mantel der Gerechtigkeit. Und es werden hier eigentlich zwei Kleiderarten zusammengebracht, einerseits die Hochzeitskleider. Und gerade das Kleid der Braut ist ja weiß. Und eben die Kleider der Priester, die waren weiß. Sie sprechen also von der Gerechtigkeit, die wir bekommen haben durch den Glauben an Jesus Christus.
Das ist der Kontrast zu den schwarzen Kleidern von Laodizea. Aber der Herr spricht hier nicht von schwarzen Kleidern, noch viel schlimmer: Die haben nicht einmal schwarze, sondern gar nichts. Sie merken nicht einmal, dass sie nackt und bloß sind.
Und dann eben die Augensalbe. Jerry, du wolltest was sagen zu Augensalbe und Laodizea?
Es war die Hochburg der Herstellung von Augensalbe.
Ja, also Laodizea war auch bekannt für Augenheilkunst. Und darum ist auch diese Anspielung sehr bemerkenswert, dass der Herr sagt: „Und Augensalbe, um deine Augen zu salben, damit du sehen kannst.“ Sie sind blind und können ihren eigenen Zustand nicht beurteilen. Sie meinen, sie seien so reich.
Und dann ist es so schön, Vers 19: „So sei nun eifrig und tue Buße.“ Es ist eine Botschaft der Liebe an Laodizea. Der Herr sagt: „Ich überführe.“ Was heißt überführen? Ja, es ist eigentlich klar, aber wenn man es noch umschreiben kann, wird es noch klarer.
Aufdecken und beweisen.
Also der Herr, wenn er überführt, dann bringt er die Beweise, die Argumente dafür, damit sie erkennen, was ihr wirklicher Zustand ist. Und er ruft auf: Sei eifrig und tue Buße. Also er gibt noch in dieser letzten Phase die Möglichkeit, umzukehren.
Jemand wollte was fragen?
Hat Augensalbe eine alttestamentliche Entsprechung, oder wäre das das Priesteröl? Wäre das das Priesteröl?
Ja gut, das Priesteröl wurde ja nicht für die Augen verwendet. Hier ist wirklich die Anspielung auf die Augenheilkunst in Laodizea. Aber gerade die Gemeinde von Laodizea war blind und realisierte nicht einmal die Blindheit. Aber der Herr hat Medizin, er kann eben von dieser geistlichen Blindheit heilen.
Noch etwas?
Blindheit, da gibt es doch den religiösen Bereich des Weltethos vom Schweizer Hans Küng. Er sagt doch auch, es gibt nicht die Wahrheit, sondern es gibt viele Wahrheiten in vielen Weltreligionen usw. Und die will er alle zusammenführen, quasi als einen Grundkonsens. Es entspricht übrigens dem Programm der Freimaurer. Das ist also nicht mal Hans Küng, sondern das ist Freimaurerei.
Und auch in Frankreich ist es so. Ich habe die Rede von einem ganz hohen Minister, der heute im Amt in Frankreich ist, gehört. Der hat gesagt, was wir in Frankreich machen möchten, ist eine laizistische Religion einführen. Das ist der Hammer!
Frankreich ist der Stolz: Wir sind ein laizistischer Staat. Das bedeutet, alles, was mit Religion, mit Gott zu tun hat, ist außen vor gelassen. Jeder darf glauben, was er will. Aber wenn es ums öffentliche Leben geht und um den Staat, hat Gott nichts zu suchen. Das heißt, ein Gymnasiallehrer darf nicht von Gott sprechen im Unterricht. In den Spitälern darf man mit den Patienten nicht über Gott sprechen. Das ist im öffentlichen Bereich. Frankreich ist laizistisch.
Und jetzt sagt er: Wir wollen eine laizistische Religion einführen. Und zwar brauchen wir die Evangelikalen, oder wie hat er es gesagt? Ich glaube, die Protestanten, aber die Liberalen. Und die Juden, die Liberalen, alle die Liberalen. Und wir bauen quasi eine laizistische Religion auf, die sich auf gewisse Grundlagen verständigt, die allen gemein sind. Und das ist zu 100 Prozent Freimaurer-Plan.
Ja, also jetzt gehen wir weiter, Vers 20. Der Herr ruft zur Buße auf, und jetzt kommt diese wunderbare Einladung. Vers 20, wer liest?
„Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“
Jawohl, also was schockierend ist, was ich mir vorstellen kann: Auch damals kam Laodizea als Gemeinde zusammen, und sie merken nicht einmal, dass der Herr gar nicht da ist. Ja, der Herr hat ihr verheißt in Matthäus 18,20: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“ Matthäus 18,20.
Und die kamen zusammen, wohl in dem Gedanken, sie kommen zusammen zum Namen Jesu, und er ist da. Sie merken gar nicht, dass er da ist. Aber sie sind reich, sind reich geworden, sie brauchen nichts. Und der Herr sagt: Ich stehe an der Tür und klopfe an.
Aber interessant ist, es ist offensichtlich nicht die Tür der Gemeinde, sondern des Einzelnen. Ja, der Herr erwartet nicht, dass die gesamte Masse eine Umkehr erlebt, aber jeder Einzelne könnte umkehren. Ja, und so geht es um den Einzelnen, der die Entscheidung trifft: Nein, das geht nicht, das ist nicht mehr bibeltreu.
Und der Herr klopft also ganz persönlich an, und der Einzelne muss merken: Hier ist die Stimme des guten Hirten. Daher sagt er in Johannes 10: Meine Schafe hören meine Stimme, und einem anderen folgen sie nicht. Also der Einzelne muss merken, das ist die Stimme des guten Hirten. Aber was ich da sonst gehört habe, das sind fremde Stimmen gewesen.
Und er tut die Tür auf, und so kommt er zu einer ganz engen und persönlichen Gemeinschaft mit dem Herrn: „Zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen und er mit mir.“
Dann kommt die Verheißung an die Überwinder. Wer liest das vor?
„Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, so wie auch ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“
Ja, noch Vers 22:
„Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

Die Verschiebung des Reich-Gottes-Verständnisses und der Machtanspruch

Ein wichtiger Punkt: Ich habe vorhin erklärt, eben diesen groß angelegten Plan, die ganze evangelikale Welt einzuspannen, bis sogar in Zusammenarbeit mit der UNO, um diese Welt zum Guten zu transformieren. Das wird dann biblisch so begründet: Wir haben den Auftrag, das Reich Gottes, die Gottesherrschaft auf Erden durchzusetzen, und ganze Nationen sollen transformiert werden.
Das führt mich auch zu einer völlig neuen Sicht im Blick auf das Thema Christ und Politik. Es geht letztlich wirklich um den Griff nach der Macht, mit dem Ziel, diese Welt, diese Gesellschaft zu transformieren, den Welthunger schließlich zu bekämpfen und besiegen zu können, auch das Aids-Problem besiegen zu können.
Das war ja in der Mission immer klar, dass man nicht predigt und die Hunger einfach hungern lässt. Das hat doch jeder Missionar in der Vergangenheit gewusst: dass man praktisch helfen muss, dass man Spitäler gründen muss, dass man in allen möglichen Bereichen Hilfe geben muss, dass man einen Dorfbrunnen aufgräbt und schaut für sauberes Wasser. Aber es war ganz klar: Unser Kernauftrag ist, die frohe Botschaft zu verkündigen, dass Menschen für die Ewigkeit gerettet werden, und das kommt dann noch dazu.
Aber heute merkt man eine Verschiebung immer mehr in Richtung soziales Evangelium und eben bis hin zum Machtanspruch. Das hat Martin Erdmann in einem noch nicht so lange erschienenen Buch, Dominionismus, das Wort sagt als Titel schon nichts, ich hätte das anders formuliert. Aber Dominionismus, das heißt diese Lehre, dass die Christen letztlich über dieser Erde herrschen sollen, indem sie sie transformieren. Und er weist das im Detail nach, durch unzählige auch Internetlinks, die man nachsehen kann, wie das eben wirklich seit Jahrzehnten präpariert war und jetzt dieses Programm durchgezogen wird.
Aber worum geht es genau? Um ein völlig unbiblisches Verständnis von Reich Gottes, in dem man eben nicht mehr klar sieht, dass das Reich Gottes, so dass Jesus Christus als König über dieser Welt regieren wird, in der Zukunft ist, das ist nicht jetzt. Das Reich Gottes ist in den Herzen der Gläubigen. So wie es in Kolosser 3 heißt: Der Friede des Christus regiere in euren Herzen. Das ist das Reich Gottes heute, aber das ist nicht, dass wir Nationen transformieren und christlich versuchen zu regieren.
Also eine völlige Verschiebung. Und das ist ja auch interessant: Unter den Evangelikalen ist in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr ein Wegkommen von dieser biblischen Erwartung, dass es ein tausendjähriges Reich in der Zukunft gibt. Das werden wir in der späten Offenbarung noch sehen, dass man sagt, heute sei das tausendjährige Reich, und Christus gewissermaßen richte sein Reich durch die Kirche hier auf Erden auf. Wie kann man so etwas behaupten? Wir werden sehen: Offenbarung 20. Im tausendjährigen Reich wird der Teufel gebunden sein, tausend Jahre. Wer schaut die Welt an und denkt, der Teufel ist offensichtlich gebunden? Es ist fast nicht zu glauben, dass man so etwas verkündigen kann und dass es viele dann akzeptieren.
Oder einmal eine Bibelschülerin wurde verwirrt durch ihren Dozenten, der eben beibringen wollte, dass das tausendjährige Reich eigentlich schon jetzt sei. Da habe ich ihr gesagt: Wenn du das wissen willst, dann geh in den Zoo. In einer Hand nimmst du Fleisch, in der anderen Stroh und hältst es dem Löwen hin. Und wenn er das Stroh nimmt, dann leben wir im tausendjährigen Reich. Es ist so einfach: Jesaja 11 beschreibt das tausendjährige Reich. Dort wird der Löwe Stroh fressen, aber es ist nicht heute, die lieben Fleisch.
Ja, und darum ist es interessant, dass der Herr Jesus dem Überwinder in der Offenbarung sagt: Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron. Aber es ist der Thron im Himmel, wo der Herr heute ist. Er hat noch nicht den Thron hier auf Erden. Und diese Herrschaft auf Erden, die wird noch kommen. Und darum können wir beten im Gebet des Herrn: Dein Reich komme. Es ist noch nicht da aufgerichtet, Dein Reich komme, aber das ist noch nicht aufgerichtet, so wie es im tausendjährigen Reich aufgerichtet sein wird.
Aber es geht wirklich um eine totale Verschiebung der Heilsgeschichte.

Charismatische Dynamik, Joel und die Verwirrung der Zeiten

Roger, das spiegelt sich ja auch im heutigen Liedgut wieder. Da heißt es dann: Wir stehen hier vor deinem Thron. Aber wir sind doch auf der Erde und nicht im Himmel vor Gottes Thron.
Ja, und dann gibt es eben sehr viele Texte, genau wie du sagst, die besagen, dass Christus regiert. Und ständig ist von Power die Rede, Power, Power, Power. Ja, und wir haben Autorität. Ja, ich habe das erlebt, ich weiß, wie das geht, wie der Prediger da vorne stehen kann und ständig von Autorität redet. Und dann können sie schreien und machen und Krankheit gebieten. Das ist alles eine totale Verschiebung.
Und das hängt eben zusammen mit noch einer weiteren Linie, die zu dieser ganzen Transformation gehört. Nebst dem, was ich jetzt schon erwähnt habe, ist es eben auch die charismatische Bewegung, die sagt, dass Gott in der Endzeit heute seinen Geist neu ausgießt, wie es in Joel verheissen ist. Und dann sagt man, jetzt bekommen wir eine Geisteskraft, wie es sie noch nie gegeben hat, Power. Und dann wird gesungen: Christus herrscht heute. Er hat sich auf den Thron im Himmel gesetzt.
Und im Hebräerbrief steht: Wir sehen jetzt aber noch nicht alles unterworfen. Es hat aber an einer bestimmten Stelle jemand von dem zukünftigen Erdkreis gesprochen. Und dann kommt in Hebräer 2 diese Prophetie über den zukünftigen Erdkreis, den Jesus Christus, der Sohn des Menschen, einmal beherrschen wird. Aber Hebräer 2 sagt, wir sehen es jetzt noch nicht. Alle Dinge sind ihm noch nicht unterworfen.
Im Glauben wissen wir: Er ist auf dem Thron im Himmel, er steht über allem. Aber er hat seine Macht noch nicht demonstriert und gezeigt. Und diese ganze Geistesausgießung, die für heute propagiert wird, ist eigentlich eine Beleidigung des Heiligen Geistes. Denn der Heilige Geist wurde ja am Pfingsten ausgegossen, und er wohnt in der Gemeinde. Er wohnt in jedem Gläubigen, und diese Kraft ist da. Wir müssen nicht beten um eine neue Ausgießung und neue Power.
Und Joel 2 bezieht sich ja im Zusammenhang genau auf die Zukunft. In Joel 2 heißt es: Nach diesem werde ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, Joel 3,1. Nach diesem. Joel 2 beschreibt die große Drangsalzeit, die wir in der Offenbarung in den späteren Kapiteln noch genau studieren werden, ab Kapitel 8. Und wenn das vorbei ist, dann kommt diese Ausgießung nämlich am Anfang des tausendjährigen Reiches.
Also auch da wird der ganze göttliche Fahrplan durcheinander gemischt. Und darum diese Konfusion, diese ganze Verwirrung, dieses Chaos im Denken. Ja, aber der Herr sagt wieder persönlich: Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Und jetzt kommen wir zu Kapitel 4.

Der Eintritt in den Himmel und die Vision des Thrones

Herr Lieke, ich habe eine Frage: Wenn man es so hört, wie gehe ich jetzt praktisch als Christ in den Umgang? Es ist ja schon schwierig, hier die Spur zu halten, wenn ich in die Gemeinde hineinschaue usw. Wie kann ich letztendlich sicher sein, dass die Spur bleibt? Das wäre schon nicht ganz einfach.
Ja, jeder von uns ist ja sowieso in einer anderen Situation. Darum müsste man jede Situation wieder für sich anschauen. Und darum ist es wichtig, wenn man die Not, die Schwierigkeit sieht, dass man ganz klar persönlich vor dem Herrn fragt: Herr, was ist zu tun in meiner Situation? Da braucht es wirklich persönliche Führung vor dem Herrn. Und das kann aber auch eben deutliche Konsequenzen haben. Wenn man sieht, das geht nicht, da werden die Gläubigen verführt und in eine falsche Richtung gelenkt. Aber das kann ich so im Publikum nicht einfach pauschal beantworten. Aber natürlich: Man muss sich vor dem Herrn fragen: Herr, in meiner Situation, was ist dein Wille, was möchtest du?
Sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure jungen Männer werden Gesichte sehen, eure Ältesten werden Träume haben.
Irgendwie war es falsch verstanden, wahrscheinlich, wenn sie gesagt haben, dass diese Stelle aus Joel von Anfang des tausendjährigen Reiches sein soll. Wenn er diese Stelle hierher setzt, hat er etwas falsch verstanden, weil er dachte, mir ist es doch genau die Erfüllung der Prophetie. Also dann wäre ja das die Erfüllung an Pfingsten, nicht wahr?
Ich habe ja in Bezug auf die Behauptung, das beziehe sich auf die heutige Zeit, gesagt: Nein, das stimmt nicht, sondern es bezieht sich eindeutig auf die Zeit am Anfang des tausendjährigen Reiches. Jetzt, Ihr Argument wäre noch etwas anderes. Sie sagen: Aber eigentlich bezieht sich doch Joel auf Pfingsten, Apostelgeschichte 2, nicht wahr? Genau, aber das war vor 2000 Jahren an Pfingsten.
Und der Punkt ist jetzt der: In Apostelgeschichte 2 zitiert Petrus dieses Wort, nachdem die Masse so entsetzt reagiert hat auf die Ausgießung des Heiligen Geistes, nicht wahr? Die haben gesagt, Apostelgeschichte 2,12: Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit und sagten einer zum andern: Was mag dies wohl sein? Was ist das, was hier geschieht?
Und dann antwortet Petrus in Vers 16: Sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist. Er sagt nicht: Das ist die Erfüllung von Joel. So wie das oft zum Beispiel im Matthäusevangelium gesagt wird: auf das erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, und dann kommt das Zitat aus dem Alten Testament. Immer wieder: auf das erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist. Hier sagt er nicht: Hier wird erfüllt, was durch den Propheten Joel geredet wird, sondern er beantwortet die Frage: Was ist das, was mag dies wohl sein? Und dann sagt er: Dies ist es, was durch den Propheten Joel beschrieben wird. Denn Joel beschreibt eine Ausgießung des Heiligen Geistes. Und Apostelgeschichte 2 war eine Ausgießung des Heiligen Geistes. Also das ist das Phänomen.
Gewisse haben gesagt, die sind voll süßen Weines. Er sagt: Nein, das ist es, was Joel gesagt hat, dass der Herr seinen Geist ausgießt. Aber es ist nicht die Erfüllung von Joel 3, sondern es ist das gleiche Phänomen wie in Joel 3. Und darum ist es ganz wichtig, dass es eben heißt: Sondern dies ist es. Und er zitiert dann weiter und sagt in Vers 19 und Vers 20: Und ich werde Wunder geben im Himmel oben und Zeichen auf der Erde unten, Blut und Feuer und Rauchdampf. Die Sonne wird verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut. Das war an Pfingsten nicht. Die Bibel sagt kein Wort über diese Zeichen.
Aber Petrus zitiert zusammenhängend und sagt: Das ist es. Nicht die Erfüllung von Joel, aber das gleiche Phänomen wie bei Joel 3. Ist das so ein bisschen verständlicher? Ja?
Die alte Zürcher, also in meiner Übersetzung, der Zürcher Übersetzung, steht: Sondern hier erfüllt sich, was durch den Propheten Joel besprochen worden ist. Nein, die alte Zürcher! Das ist der Punkt. Es heißt im griechischen Text ganz wörtlich: Dies ist es. Und eben ganz im Anschluss an die Frage: Was ist dies, oder was mag dies wohl sein? Dies ist es.
Aber in anderen Texten und noch in den Evangelien steht dort: auf das erfüllt würde. Da geht es um die Erfüllung der Prophetie. Und hier geht es um die Darlegung, was das ist: das Gleiche wie in Joel 3. Aber eben der Kontext in Joel 3 macht ganz klar: Und es wird geschehen nach diesen Dingen und nach diesem. Und Joel 2 beschreibt die große Drangsalszeit, die zukünftig ist. Also Joel 1 und 2 ist alles noch zukünftig, hat sich noch nie in der Vergangenheit erfüllt. Und dann kommt Joel 3: Nach diesem werde ich meinen Geist ausgießen.
Liberaler werden die Volkskirchen, ja beispielsweise die Sendschreiben, als habe es ja auch eine große reformatorische Volkskirche gekriegt. Ja, genau. Gut, dass Sie das sagen. Wir haben, ich glaube, letztes Mal schon mal darauf hingewiesen, dass die Sendschreiben sich erfüllt haben, so in der Abfolge, wie sie sind. Aber zum Beispiel das Sendschreiben an Thyatira, das den Katholizismus darstellt, das geht weiter bis ans Ende, denn in dem Sendschreiben an Thyatira wird auch die Wiederkunft Christi erwähnt. Und auch schon davor im Sendschreiben an Pergamos wird auch die Wiederkunft Christi erwähnt.
Das heißt, der Zustand der Kirche von Pergamos hat sich erhalten in den sogenannten orthodoxen Kirchen, wie die griechisch-orthodoxe, die koptische Kirche, die äthiopische Kirche usw. Die haben auch das Papsttum nicht angenommen. Und dann in Thyatira haben wir den Katholizismus mit dem Papsttum, und das geht parallel. Und dann kommt eben Sardes, die Reformation. Und auch dort spricht der Herr über seine Wiederkunft als Dieb in der Nacht. Das geht also auch weiter bis zum Schluss. Und Philadelphia besteht und geht weiter bis zum Schluss, und dann kam Laodizea dazu.
Aber wir haben gesehen, dass die Tendenz so ist: Thyatira kam aus Pergamos heraus, kirchengeschichtlich, und die Reformation Sardes kam wesentlich aus dem heraus, was Thyatira darstellt. Und Philadelphia kam wesentlich aus dem Protestantismus heraus und nicht aus der katholischen Kirche, schon auch, aber im Wesentlichen. Und so ist es eben zu verstehen: Laodizea kommt aus dem heraus, was Philadelphia war.
Wir haben Bibelstellen für alles Passende, also wir haben auch den Zerfall der staatlichen, der Volkskirchen, aber dafür ist Sardes gegeben. Darum ist Laodizea so ein Hammer, speziell für die Evangelikalen. Aber eben ein Hammer der Liebe: Ich überführe und züchtige so viele ich liebe.
Ja, jetzt sollten wir aber Pause machen, zwanzig Minuten. Wir kommen jetzt zu Kapitel vier. Darf ich jemanden bitten, uns Offenbarung 4,1 bis zum Schluss vorzulesen? Es sind nur elf Verse.
Nach diesem schaute ich, und siehe, eine Tür war geöffnet im Himmel, und die erste Stimme, die ich gleich einer Posaune mit mir reden gehört hatte, sprach: Komm hier herauf, und ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen muss. Und sogleich war ich im Geist, und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer. Und der darauf saß, war in seinem Aussehen einem Jaspis und einem Sardisstein gleich. Und ein Regenbogen war rings um den Thron, der glich in seinem Aussehen einem Smaragd. Und rings um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen sah ich vierundzwanzig Älteste sitzen, die mit weißen Kleidern bekleidet waren und auf ihren Häuptern goldene Kronen hatten. Und von dem Thron gingen Blitze und Donner und Stimmen aus. Und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind. Und vor dem Thron war ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte des Thrones und rings um den Thron waren vier lebendige Wesen, voller Augen vorn und hinten. Und das erste lebendige Wesen glich einem Löwen, das zweite lebendige Wesen glich einem jungen Stier, das dritte lebendige Wesen hatte ein Angesicht wie ein Mensch. Und das vierte lebendige Wesen glich einem fliegenden Adler. Und jedes einzelne von den vier lebendigen Wesen hatte sechs Flügel. Ringsherum und inwendig waren sie voller Augen, und unaufhörlich rufen sie bei Tag und bei Nacht: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott, der Allmächtige, der war und der ist und der kommt. Und jedes Mal, wenn die lebendigen Wesen Herrlichkeit und Ehre und Dank darbringen dem, der auf dem Thron sitzt, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, so fallen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron sitzt, und beten den an, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und sie werfen ihre Kronen vor dem Thron nieder und sprechen: Würdig bist du, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen.
Ja, bis dahin vielen Dank. Was geschieht mit Johannes in Vers 1? Johannes wird entrückt, jawohl.

Die Entrückung als biblisches Muster und der geöffnete Himmel

Wir haben in der Bibel verschiedene Entrückungen, zum Beispiel Elias Himmelfahrt. Das war eine Entrückung in den Himmel. Weiter: Henoch in 1. Mose 5. Henoch wandelte mit Gott, und er war nicht mehr. In Hebräer 11 wird gesagt, dass er entrückt wurde. Im Alten Testament haben wir nicht diesen Ausdruck, es heißt einfach, er war nicht mehr gefunden. Aber im Neuen Testament wird dann der Ausdruck „Entrückung“ dafür verwendet.
Und noch Philippus: Da wird ausgedrückt, dass er nach seiner Evangelisationsarbeit an dem Afrikaner, dem Kämmerer von Äthiopien, entrückt wurde an einen anderen Ort, nicht wahr? Apostelgeschichte 8, am Schluss. Weiter: Paulus sagt in 2. Korinther 12, er sei in den dritten Himmel, ins Paradies, entrückt worden. Genau.
Das Wort „entrücken“ kommt ja vor in 1. Thessalonicher 4, wo die Entrückung der Gemeinde beschrieben wird. Können wir das kurz aufschlagen? 1. Thessalonicher 4, Verse 13-18. Liest das jemand vor, bitte?
In dem Zusammenhang ist interessant: Es gibt tatsächlich Leute, die sagen, die Entrückung sei eine Lehre, die der Bibel fremd sei, die Entrückung der Gemeinde. Jetzt lesen wir in der Bibel:
Wir wollen euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht betrübt seid wie die übrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, wird auch Gott ebenso die Entschlafenen durch Jesus mit ihm bringen. Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme des Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel. Und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in die Wolken dem Herrn entgegen, in die Luft. Und so werden wir allezeit beim Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten.
Ja, also in welchem Vers haben wir das Wort „entrücken“ gefunden? Vers 17, ja? Danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft. Harpazo oder harpazomai bedeutet wegreißen, weggerissen werden. Und darum benutzt man im Englischen für Entrückung welches Wort? Rapture. Also dieses Wegreißen kommt da schön klar zum Ausdruck.
Und jetzt haben wir also hier, es gibt übrigens noch mehr Entrückungen, aber jetzt haben wir doch einige aufgezählt, im Alten und Neuen Testament. Jetzt auch hier: Johannes wird also in den Himmel entrückt. Interessant ist, wie er den Himmel beschreibt. Bevor er entrückt wird, sieht er was? Er sieht eine Tür. Und was kann man noch mehr über die Tür sagen? Sie ist geöffnet, ja? Also er sieht nicht, wie die Türe geöffnet wird, sondern ganz wörtlich, wie es auch die alte Elberfelder hat: „Und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel.“ Der geöffnete Zustand ist keine Wortklauberei, aber es ist so. Im Alten Testament finden wir auch dieses Phänomen, dass plötzlich der Himmel geöffnet wird. Zum Beispiel im Alten Testament, Hesekiel 1: Da wurde der Himmel geöffnet, und Hesekiel sah Visionen Gottes.
Aber was Sie feststellen können, ist: Wenn man all diese Stellen durchgeht über das Öffnen des Himmels, dann sieht man, dass seit dem Kreuz von Jesus Christus der Himmel geöffnet ist. Also das entspricht genau diesem bekannten Lied: Der Himmel steht offen, Herz, weißt du warum? Weil Jesus gekämpft und geblutet darum. Wir haben es heute seit dem Kreuz von Golgatha mit einem geöffneten Himmel zu tun, ganz entsprechend dem, was auch im Moment des Todes des Herrn Jesus geschehen ist, Matthäus 27. Was geschah im gleichen Moment? Ja, der Scheidevorhang des Tempels wurde zerrissen, um zu zeigen: Jetzt ist der Zugang zu Gott offen.
Also darum ganz schön, das so zu lesen: Und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel. Und dann hörte er eben eine Stimme, die ihn heraufruft: Komm hier herauf! Und was soll er dann sehen? Was nach diesem geschehen muss. Und das ist für uns interessant, weil die Offenbarung durch den Herrn Jesus in Kapitel 1, Vers 19 in drei Teile geteilt wird. Liest jemand diesen Vers nochmals vor?
Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was nach diesem geschehen soll.
Jawohl, also „was du gesehen hast“ bezieht sich auf die Verse vorher in Offenbarung 1, wo Johannes den auferstandenen, verherrlichten Herrn auf Patmos in der Vision gesehen hat, in seiner Herrlichkeit, Augen wie Feuerflammen, ein Gesicht, das strahlt wie die Sonne. Und dann ist eben der zweite Teil: „was ist“, und der dritte Teil: „was geschehen wird nach diesem“.
Und nun wird klar: Also was nach diesem geschehen muss, das kommt jetzt ab Kapitel 4, Vers 1, nicht wahr? Das heißt also, Teil zwei, „was ist“, das bezieht sich auf die gegenwärtige Zeit der Kirche, der Gemeinde. Das, was wir eben gesehen haben, prophetisch die sieben Sendschreiben als sieben Epochen der gegenwärtigen Kirchengeschichte. Und nach der Kirchengeschichte geht es weiter mit Offenbarung 4. Das Ende der Kirchengeschichte ist eben die Entrückung der Gemeinde.
Wir wissen ja, die Offenbarung ist ein Buch, das speziell durch Bilder, durch Symbole mitteilt. So haben wir das schon in Kapitel 1, Vers 1 gefunden: Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss. Und dieser Ausdruck „zu zeigen“ wird im Griechischen speziell, wenn wir noch weiterlesen, „zu zeigen, was bald geschehen muss, und durch seinen Engel sendend, hat er es seinem Knecht Johannes gezeigt“. Dieser Ausdruck, „seinem Knecht Johannes gezeigt“, heißt im Griechischen: bezeichnet oder durch Zeichen kundgetan. Semaínō heißt durch Zeichen mitteilen. Und dieses Zeichen: Johannes steigt in den Himmel hinauf, weist effektiv hin auf das, was am Ende der kirchlichen Geschichte geschieht. Die Gemeinde wird entrückt dem Herrn entgegen in die Luft, um dann immer beim Herrn zu sein.
Und jetzt kommt also Johannes in den Himmel. Was sieht er im Himmel? Einfach noch ohne groß zu interpretieren, einfach was steht hier, was sieht er? Also er sieht einen Thron. Wessen Thron? Gottes Thron, denn er sieht Gott auf diesem Thron sitzen, jawohl. Was sieht er weiter? Ja, es wird verglichen, das Aussehen Gottes auf dem Thron, die Herrlichkeit dieses Lichts wird verglichen mit Edelsteinen, nämlich Jaspis, dann Sardis. Und auch die Farben des Regenbogens sieht er rund um diesen Thron Gottes. Und zwar ein Regenbogen speziell, der erinnert an das Grün des Smaragds.
Was sieht er weiter? Vierundzwanzig weitere Throne. Und zwar wo? Rings um den Thron. Jawohl, im Kreis, rund um den Thron Gottes. Wer sitzt auf den Thronen? Vierundzwanzig weitere. Jawohl, und wie werden die weiter beschrieben? Mit weißen Kleidern und mit Siegeskränzen. Goldene Krone oder Siegeskränze. Es ist so: Stephanos auf Griechisch heißt beides. Es kann bedeuten eine Königskrone, oder es kann bedeuten der Siegeskranz eines Olympiakämpfers. Und klar, in 1. Korinther 9, zum Beispiel am Schluss, wo Paulus sagt, dass wir als Gläubige in der Rennbahn rennen, und nur einer wird den Siegeskranz bekommen, Stephanos, dann ist dort der Siegeskranz gemeint, nicht eine Königskrone. Aber auch in 2. Timotheus 4, Vers 7, wo Paulus am Ende seines Lebens sagt: Ich habe in einem guten Kampf gekämpft. Ich habe den Lauf vollendet. Fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, Stephanos, der Siegeskranz der Gerechtigkeit, ja, den Lauf vollendet.
Aber hier geht es um goldene Kronen, und da sollte man also nicht mit Siegeskranz übersetzen, sondern mit Kronen. Das wird sich noch mehr bestätigen. Also Priestergewänder, goldene Kronen. Weiter, was sieht er noch? Wo sieht er die? Ja, vom Thron aus. Dann, was sieht er noch? Und zwar wie viele Feuerfackeln? Sieben. Sieben Feuerfackeln. Und was sieht er noch? Ja, was ist denn das? Sieht er einen Ozean im Himmel? Aber es heißt ja nicht Waschbecken. Ja, und schon im Alten Testament wird dieses gigantische Waschbecken für die Priester vor dem salomonischen Tempel genannt Meer, Yam auf Hebräisch, 1. Könige 7. Können wir das kurz aufschlagen?
Ja, das wird in Vers 23 von 1. Könige 7 beschrieben. Liest jemand?
Und er machte das Meer gegossen, zehn Ellen von seinem einen Rand bis zu seinem anderen Rand, ringsum rund, und fünf Ellen seine Höhe. Und eine Messschnur von dreißig Ellen umspannte es ringsherum. Unterhalb seines Randes umgaben es ringsherum Kolloquintenblätter, dreißig Ellen lang, das Meer ringsherum einschließend. In zwei Reihen waren die Kolloquinten bei seinem Guss mitgegossen worden. Es stand auf zwölf Rindern, drei waren nach Norden gewandt, drei waren nach Westen gewandt, drei waren nach Süden gewandt und drei waren nach Osten gewandt. Und das Meer stand oben auf ihnen, und ihre Hinterteile waren alle nach innen gekehrt. Seine Dicke war eine Handbreit, und sein Rand wie der Rand eines Bechers gearbeitet, als Lilienblüte. Es fasste zweitausend Bad.
Jawohl, also das ist dieses gigantische Äerne, also das Kupfermeer. Das hebräische Wort „Yam“ bedeutet „Meer“, aber auch noch im mittelalterlichen Hebräisch wurde es verwendet für ein Sammelbecken, zeichnet man auch als „Yam“. Also das Meer hier ist effektiv das Tempelwaschbecken.
Und was sieht er noch weiter? Jawohl, und zwar, worum handelt es sich bei diesen vier lebendigen Wesen? Cherubim. Also das Wort Cherubim haben wir hier nicht gefunden. Woher nimmst du dir das Recht, die als Cherubime zu bezeichnen? Weil die in Hesekiel 1 beschrieben werden. Ja, diese gleichen lebendigen Wesen, sie werden auch lebendige Wesen genannt, die werden auch in Hesekiel 1 beschrieben, und auch diese Gesichter wie ein Löwe, wie ein Ochse, wie ein Adler, wie ein Mensch. Und in Hesekiel, zwar nicht in Kapitel 1, aber dann in den späteren Kapiteln 8 bis 11, wo die nochmals vorkommen, werden die Cherubim genannt.
Cherubim kann jemand erklären, was sind das für Wesen? Engel. Aber eben eine bestimmte Art von Engel, nämlich Nein, die werden nicht Erzengel genannt, aber die werden genannt Throne in Kolosser 1, Vers 16. Da wird gesagt in Kolosser 1, Vers 16, dass der Herr Jesus alles erschaffen hat, das Sichtbare und das Unsichtbare, und dann wird gesagt, es seien Throne, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten. Und diese Throne, das sind speziell die Thronengel, das sind also Engel, die Wächterfunktion haben um den Thron Gottes her.
Wo finden wir die Cherubim zum ersten Mal in der Bibel? Im Paradies. Und zwar was haben sie, welche Funktion dort? Also alles miteinander höre ich nicht, zu zwei, drei, das geht, aber ... Richtig, eben zwei Sachen, das geht. Die verschließen den Weg zurück ins Paradies, nachdem Adam und Eva ausgewiesen worden waren. Und dieser Weg führt dann eben zum Baum des Lebens, der wurde bewacht durch das flammende Schwert der Cherubim. Also auch da haben sie Wächterfunktion, diese Engel.
Und wo finden wir sie dann später wieder in der Bibel? In der Stiftshütte, nämlich in 2. Mose. Und zwar in Kapiteln 25 bis 40 wird die Stiftshütte im Detail beschrieben, und dort sehen wir, dass Mose angewiesen wurde, den Scheidevorhang vor dem Allerheiligsten so zu konzipieren, dass darauf Cherubim angebracht waren. Die eben anzeigen: Halt, der Zugang zu Gott ist versperrt. Das sind die gleichen Wesen, die den Weg zum Baum des Lebens versperrt haben.
Und wo finden wir sie noch weiter? Auf der Bundeslade. Also die Bundeslade war ein Kasten aus Holz, überzogen mit reinem Gold, inwendig und auswendig. Darüber ein Deckel aus reinem Gold, aber so gearbeitet aus einem Stück, zwei Cherubim darüber. Und von Gott heißt es, dass er thront zwischen den Cherubim. So steht es in Psalm 80: Der du thronst zwischen den Cherubim, strahle hervor! Das Allerheiligste war ein dunkler Raum, und wenn der Hohepriester am Jom Kippur hinein ging in diesen dunklen Raum, sah er Licht, und zwar zwischen den Cherubim strahlte Gottes Herrlichkeit hervor.
Und jetzt kommt aber noch dazu: Später im Salomonstempel hat Salomon noch zwei weitere Cherubim gebaut, aus Olivenholz, überzogen mit Gold. Und so waren eben um Gottes Thron her insgesamt wie viele Cherubim? Vier. Und jetzt haben wir die vier Cherubim auch hier wieder, aber im Himmel. Also, und diese Cherubim beten Gott an, so wie in Jesaja 6, wo das der Prophet schon viel früher auch so gesehen hat. Sie sagen Tag und Nacht: Heilig, heilig, heilig, Herr Gott Allmächtiger!
Nun, das ist der Thron Gottes mit den Cherubim. Wo befinden wir uns hier im Himmel? Wie? Im himmlischen Tempel, ja, es gibt im Himmel einen Tempel. Schriftbeweis: Wir glauben nur, was schriftlich ist. Ja, Mose wurde ja schon gesagt, er sollte die Stiftshütte machen als ein Abbild von dem, was ihm auf dem Berg gezeigt worden war. Und ganz besonders klar in der Offenbarung selbst, 11, Vers 19. Liest uns jemand das vor?
Und der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und die Lade seines Bundes wurde in seinem Tempel gesehen, und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und ein Erdbeben und ein großer Hagel.
Also, da haben wir es: der Tempel Gottes im Himmel. Klar, das ist das Original, das Gott gemacht hatte, und Mose musste eine Kopie erstellen, indem er die Stiftshütte baute. Und zwar war das eine Kopie wirklich auf die ganz einfachsten, wesentlichsten Linien beschränkt. Der Salomonstempel war auch eine Kopie des himmlischen Tempels, aber viel ausführlicher. Und so war auch der zweite Tempel zur Zeit von Jesus Christus ein Abbild davon, und auch der dritte Tempel, der in der Zukunft gebaut werden wird, nach Hesekiel 40 bis 48, wird auch ein Abbild sein dieses himmlischen Tempels.
Also, Johannes wird in den himmlischen Tempel entrückt, und zwar wohin, in welchem Bereich? Ins Zentrum. Also entrückt in den Himmel, aber gleich ins Zentrum des Himmels.

Das himmlische Vaterhaus, die Wohnungen und die Hoffnung der Gläubigen

Ja, was gibt es denn im Himmel noch sonst außer diesem Tempel Gottes? Wir müssen doch ein bisschen wissen, wohin wir wollen, oder? Was gibt es noch? Wohnungen? Ja, Jesus sagt ja genau: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Ja, und wo sollen die bereitet werden? Nein, in meines Vaters Haus. Ja, aber was bedeutet das?
Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Wenn ich hingehe, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid. Das ist die Entrückung.
Aber was ist das Haus des Vaters? Du würdest also gleichsetzen mit dem Tempel. Wie kommst du auf die Idee? Als Zwölfjähriger sagte er doch zu seinen Eltern: Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss? Und er war ja im Tempel. Ich muss sein in den Dingen meines Vaters. Und er war im Tempel.
Und noch deutlicher in Johannes 2, ganz am Anfang des öffentlichen Dienstes des Herrn Jesus, da treibt er ja die Verkäufer aus dem Tempel hinaus und sagt ihnen: Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus. Nein, Räuberhöhle, das war bei der zweiten Vertreibung ganz am Ende seines Dienstes. Dort sagt er Räuberhöhle, da sagt er in Johannes 2 nur nicht zu einem Kaufhaus.
Wenn man das zurückübersetzt auf Hebräisch, Kaufhaus, Chanut, im Talmud wird die Südhalle, die gigantische Südhalle, die königliche Säulenhalle, wo man effektiv die Opfertiere verkauft hatte und wo auch der Sitz des Sanhedrins war, Chanut genannt. Und der Herr sagt: Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Chanut, das soll nicht ein Kaufhaus sein.
Also, dort nennt er den Tempel in Jerusalem das Haus meines Vaters. Und dieser Ausdruck, das Haus meines Vaters, kommt noch einmal vor, ausgerechnet im gleichen Evangelium, Johannes 14, am Vorabend der Kreuzigung, als die Schatten von Golgatha schon auf den Herrn gefallen waren. Da sagt er: Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Die Jünger merken: Jetzt spricht er nicht mehr von Jerusalem, jetzt spricht er von oben.
Und was entspricht im Tempel diesen Wohnungen? Ja, nicht wahr? Im Tempel zur Zeit des Herrn Jesus, auf der Nordseite, gerade neben dem Allerheiligsten, war ein Gebäude. Da haben die amtierenden Priester geschlafen, im Tempel. Und im Plan von Hesekiel 40 bis 48, dort auf der Nordseite und auf der Südseite, ist ein Gebäude, übrigens ganz modern, würde ein Architekt heute sagen. Aber das finden wir schon längst in der Bibel: ein Terrassenbau in drei Stockwerken mit Zellen. Ein ganz interessantes Gebäude, architektonisch. Und das sind die Wohnungen für die Priester im zukünftigen Hesekiel-Tempel im Tausendjährigen Reich.
Aber das bildet wieder vor die Wohnungen im Haus des Vaters. Also wird schon mal, klar, Johannes 14, die Gläubigen der Gemeinde, die sind dort oben zu Hause, damit man es dann auch gleich findet. Ja, also gerade rechts vom Allerheiligsten das Gebäude.
Und was gibt es noch im Himmel? Ich meine jetzt im Groben, auf Detailarbeit kommen wir später. Wir finden ganz viele Details in der Offenbarung, in den weiteren Kapiteln. Paradies, was ist das Paradies? Die Löwenstropfen, das ist im tausendjährigen Reich auf der Erde dann. Also Paradies, wie? Ja, es ist so: Der dritte Himmel wird in 2. Korinther 12 von Paulus genannt das Paradies. Und so ist also der ganze Bereich des Himmels, eben des dritten Himmels, das Paradies.
Und es ist noch so: Wenn wir schon sagen dritter Himmel, was ist dann der erste Himmel und was ist der zweite? Wie? Jawohl, also der Wolkenhimmel, der Lufthimmel, die Atmosphäre. Beim zweiten Schöpfungstag heißt es ja, dass Gott eine Ausdehnung macht und Wasser unten und Wasser oben trennt, in Wolken. Und dann heißt es: Gott nannte die Ausdehnung Himmel.
Aber schon in Vers 1, bevor Gott diesen Lufthimmel gemacht hat, heißt es: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und dieser Himmel ist das Weltall. Das wäre also ein Himmel, der Lufthimmel ein Himmel, und dann gibt es noch einen dritten Himmel.
Salomo sagte bei der Einweihung des Tempels, 1. Könige 8,27: „Der Himmel und der Himmel der Himmel können dich nicht fassen, wie viel weniger dieses Haus, das ich dir gebaut habe.“ Wie kann der ewige Gott da in Jerusalem wohnen, sagt er. Das kann nur symbolisch sein, dass sein Name da gegenwärtig ist. Aber der Himmel und der Himmel der Himmel können dich nicht fassen, das heißt eben der ganze Lufthimmel weltweit. Man kann Gott nicht fassen und nicht einmal das Universum.
Von den heute weitest entfernten Galaxien, die man bisher gesehen hat mit Hubble, schätzt man auf eine Distanz von 15 Milliarden Lichtjahren. Also heißt das theoretisch, für diese Distanz müsse das Licht mit 300 Kilometer pro Sekunde 15 Milliarden Jahre unterwegs sein. Das heißt natürlich nicht, dass es so lange unterwegs ist, denn Gott hat ja alles fertig geschaffen. Aber die Distanz ist so. Und da hinten sieht man nicht eine Mauer.
Und er sagt: Der Himmel und der Himmel der Himmel vermögen dich nicht zu fassen. Gott ist unendlich. Aber dann spricht die Bibel im Neuen Testament über einen dritten Himmel, das Paradies. Das ist also dieser Bereich, wo Gottes Thron ist, wo der himmlische Tempel ist. Das ist im Jenseits, nicht wahr? Früher haben die Atheisten über uns gelacht: die glauben an Jenseits. Und heute glauben die an etwa zehn hoch fünfhundert Jenseits. Ja, wirklich, stimmt es, oder?
Stephen Hawking, dieser Urknallspezialist, er spricht in dieser größten Ordnung, und zwar aus dieser Überlegung: Heute hat man gemerkt, das Weltall ist ja unglaublich. Wenn man nur schon die Naturkonstanten nimmt in der Physik, die sind ja so fein, auf so vielen Nullen nach dem Komma aufeinander abgestimmt. Und wenn das nur ein bisschen verschoben wäre, dann wäre die Welt gar nicht möglich, dann wäre das Zusammenhalten der Atome gar nicht möglich, es gäbe auch kein Leben, nichts. Ja, wie kann das so fein abgestimmt sein? Da muss es ja einen Schöpfer geben.
Sagen Sie: Nein, wir sind wahrscheinlich zufälligerweise gerade im richtigen Universum. Aber wenn wir annehmen, dass es unendlich viele oder fast unendlich viele, etwa 10 hoch 500, das würde bedeuten eine Eins mit 500 Nullen, im ganzen bekannten Weltall schätzt man die Zahl eben mit Radius 15 Milliarden Lichtjahre, schätzt man die Zahl von Elektronen auf etwa 10 hoch 80. Und die sprechen von vielleicht etwa 10 hoch 500 Universen. Das ist jetzt die Physik der Multiversen.
Man hat zwar keinen Hinweis darauf gefunden, aber man denkt, das muss es geben, weil es eben unser perfektes Universum gibt, perfekt abgestimmt. Und wir sind glücksvoll, wir sind gerade in dem Universum. Die anderen sind wahrscheinlich alle krumm und funktionieren nicht. Unglaublich: Sobald es jetzt darum geht, Gott nochmals auszuschließen, plötzlich glauben ja unendlich viele Jenseits. Ja, weil das sind ja Welten, wo wir von da aus keinen Zugang haben könnten. Es gibt ja keinen Hinweis, dass es die gibt, diese Multiversen. Es ist ja unglaublich, nicht wahr, wie man Saltomortale machen kann im Intellekt, wenn man Gott ausschließen will.
Aber die Bibel sagt: Ja, es gibt einen dritten Himmel, eine andere Welt, und das ist die Welt des himmlischen Tempels. Und ich wollte eben noch ein bisschen mehr Rosche, ich hätte jetzt noch eine Frage jetzt zum Schluss.
Abrahams Schoß erwähnt wird bei der Geschichte von Lazarus und dem reichen Mann. In Lukas 16 wird ja gesagt, der arme Lazarus stirbt und seine Seele wird dann getragen in den Schoß Abrahams. Im Judentum unter den Rabbinern sprach man von dem dritten Himmel als dem Paradies auf Hebräisch und sagt auch Schoß Abrahams. Das ist also ein gleichberechtigter Ausdruck für Paradies, der Schoß Abrahams.
Nein, nein, das ist der Himmel. Wenn Jesus sagt: Heute wirst du mit mir im Paradies sein, meint er: Heute wirst du mit mir in den dritten Himmel kommen. Und wir werden dann gleich sehen, wenn wir weitergehen: Offenbarung 6, da sieht Johannes Seelen von Märtyrern, von Menschen, die getötet wurden, und er sieht sie beim Altar. Unter dem Altar, also unter dem Altar. Und die Beten sind also bei vollem Bewusstsein, aber wo sind sie? Im Haus des Vaters.
Also sofort, wenn ein Gläubiger stirbt, wird er dorthin getragen und er kommt ins Haus des Vaters. Nur den Körper hat er noch nicht, den bekommt er erst bei der Entrückung wieder zurück. Der geht zuerst ins Grab, und der schläft, nicht die Seele. Es gibt keinen Seelenschlaf.
Darum sagt Paulus in Philipper 1: Ich habe Lust abzuscheiden, um bei Christus zu sein. Es ist weit besser. Schlafen ist nicht weit besser. Ich bin lieber wach als schlafend, ja gut, aber es ist vielleicht noch Ansichtssache. Ja, aber es gibt Leute, die träumen gerne. Aber ich sage nur: Er sagt, es ist weit besser, bei Christus zu sein. Es ist wirklich höchste Herrlichkeit, sofort.
Die Seelen gehen also dahin, und eben da wird sogar der Altar erwähnt. Das haben wir in Kapitel 4 noch nicht gefunden. Da kommen wir also noch darauf.
Aber jetzt zum Schluss möchte ich doch noch ein bisschen den Grobplan geben. Hebräer 11, da geht es um Abraham. Ich lese aus Hebräer 11, Vers 9: Durch Glauben hielt er Abraham sich auf in dem Land der Verheißung wie in einem Fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er erwartete die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.
Und dann Vers 13: Diese alle sind im Glauben gestorben, das heißt die Patriarchen, und haben die Verheißung nicht empfangen, sondern sahen sie von ferne und begrüßten sie und bekannten, dass sie Fremdlinge und ohne Bürgerschaft auf der Erde seien. Denn die solches sagen, zeigen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen. Und wenn sie an jenes gedacht hätten, von welchem sie ausgezogen waren, das war Südirak, nicht wahr, Ur in Chaldäa, so hätten sie Zeit gehabt, zurückzukehren. Jetzt aber trachten sie nach einem Besseren, das ist himmlischen. Darum schämt sich Gott nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.
Ja, jetzt haben wir zwei Dinge: eine himmlische Stadt und ein himmlisches Vaterland. Also das können wir mal zur Kenntnis nehmen. Die Bibel spricht von einem himmlischen Vaterland, einer himmlischen Stadt und dann einem himmlischen Tempel. Das Zentrum ist natürlich das Allerheiligste. Genau dorthin kam Johannes, nicht irgendwo in die Peripherie des himmlischen Vaterlandes, sondern zum Thron Gottes.
Diese Stadt wird genannt in Hebräer 12 das himmlische Jerusalem, die Stadt des lebendigen Gottes, auf dem himmlischen Berg Zion, der auch in Hebräer erwähnt wird, also auf einem Berg. Ja, das macht schon interessant, nicht wahr? Die Bibel sagt das über den Himmel, dann sollen wir es auch wissen.
Und meine Mutter ist im November verstorben, und wir haben die Gelegenheit gehabt, richtig schön Abschied zu nehmen. Und sie war so vorbereitet. Seit ihrer Jugend war sie zum Sterben bereit. Wir konnten so schön Abschied nehmen, und dann haben wir immer wieder auch aus der Bibel vorlesen können. Und ich habe ihr aus der Offenbarung vorgelesen, speziell gerade über den Himmel, weil ich wusste, jetzt geht sie da hin.
Ich liebe das alles so, was da steht über den himmlischen Tempel, aber sie geht jetzt vorher. Da habe ich ihr dann aus Offenbarung 15 vorgelesen, das ist für uns noch geheim, das sagen wir nachher an. Und dann hat sie mir gesagt: Man kann sich gar nicht vorstellen, wie herrlich das ist.
Aber Gott sagt uns doch so vieles, und das sollen wir wissen, damit wir wirklich wissen, worauf wir uns freuen können. Und es gibt ja ein Buch mit dem Titel: Das Schönste kommt noch. Ja, das muss man sagen, das Schönste kommt noch. Wir freuen uns an all dem Schönen, was Gott uns hier gibt, nicht wahr? Wir werden nicht plötzlich sterbenssehnsüchtig, nicht wahr? Das hat Gott nicht in uns hineingelegt, Sterbenssehnsucht, und trotzdem diese Sehnsucht nach dem himmlischen Zion, nach dem himmlischen Jerusalem.
Aber das Wichtigste ist nach Jesus Christus, der dort auf dem Thron sitzt. Und dann werden wir nächstes Mal das noch genauer anschauen: der auf dem Thron sitzt. Wer ist das genau? Und was bedeuten diese Farben, Smaragd und Jaspis und Sardis und so weiter? Und was bedeutet jetzt eben dieses Waschbecken und diese sieben Feuerfackeln? Das war die himmlische Menorah, die sieben Flammen. Natürlich, vor dem Allerheiligsten ist das Heilige mit der Menorah, und dann weiter draußen vor dem Gebäude ist dann dieses riesige Meer, ja?
Ja, aber eben, dann können wir uns dann sofort orientieren, wenn wir da hinkommen. Wollen wir noch zusammen beten zum Schluss.

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