Die Frage nach dem Leid und Gottes Schweigen
Wie kann Gott alles zulassen? Wissen Sie, in der Welt geschehen schreckliche Dinge. Ich habe schlaflose Nächte wegen Vietnam. Gut, es ist ein Krieg, und wir werden bald beteiligt sein. Zuerst im Lazarettschiff, jetzt sollen schon Pioniere hin. Wenn das Tempo so bleibt, werden unsere Jungs bald draußen stehen. Es ist erschütternd, dass wir nicht davon ablassen können, dazwischen zu sein.
Aber, meine Freunde, ich stelle mir im Geist immer die Zivilbevölkerung vor, die nun seit zwanzig Jahren in dieser Mühle steckt: Männer, die verhaftet werden, weil sie verdächtigt werden, wie die Kongs zu sein; Frauen, deren Hütten angezündet werden. Wenn man sich das klar macht oder solche Bilder sieht, drängt sich die Frage auf: Und Gott? Diese Frage drängt sich einem noch mehr auf, wenn es einen selbst betrifft.
Darf ich mal persönlich sagen: Als ich heiratete, wünschte ich mir sechs Söhne. Gott schenkte mir zwei, und sie sind beide auf tragische Weise ums Leben gekommen. Das ist eine Sache, über die ich nicht hinwegkomme. Wenn immer so wenig kommt, frage ich Gott: Warum tust du mir das an? Wo war deine Hand? Oder ich denke an eine Frau, die langsam an Krebs stirbt, die unter schrecklichen Qualen leidet. Wer so etwas miterlebt, muss fragen: Ja, und Gott?
Viele könnten ihre Geschichte erzählen und am Ende fragen: Wo war Gott? Wo war Gott? Unser lieber deutscher Dichter Friedrich Schiller hat einmal ein Lied an die Freude gedichtet: "Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium." Darin heißt es: "Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen."
Der Mensch von heute ist versucht zu sagen: Brüder, überm Sternenzelt kann kein lieber Vater wohnen. Wem diese Frage so begegnet, der kommt vielleicht an den Punkt, an dem der schreckliche Gedanke auftaucht: Vielleicht gibt es gar keinen Gott. Vielleicht ist der Himmel leer. Vielleicht ist der Atheismus doch das Wahre.
Wenn es wahr wäre, dass kein Gott lebt, wäre das fürchterlich. Dann wären wir Menschen Bestien, allein gelassen. Dann wären wir verlorene Kinder ohne Weg. Heute rüsten alle Völker mit Atombomben auf, und niemand weiß, wie das enden wird. Die Hälfte der Welt hungert, und wir wissen nicht, wie wir sie satt bekommen sollen. Wir sind verlorene Kinder, und kein Gott ist da. Das wäre schauerlich.
Wenn mir oft Leute sagen, sie seien Atheisten, dann sage ich ihnen, sie ahnen nicht, was sie aussprechen: Dass über uns nichts ist und wir allein gelassen sind, nur untereinander. Und nichts ist schrecklicher für den Menschen als der Mensch selbst.
Die Römer hatten ein Sprichwort: homo homini lupus est – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Das stimmt in gewisser Weise auch heute noch, nicht wahr? Wir zerreißen uns.
Nein, Gott sei Dank, meine Freunde, ihr braucht keinen Zweifel zu haben, auch wenn Gott oft wunderlich schweigt: Gott ist lieb, ganz gewiss.
Persönliche Erfahrungen und der Beweis für Gottes Existenz
Und wenn ihr mich fragt, warum ich das so bestimmt weiß, dann muss ich eben erzählen: Ich hatte mal nachts um zwölf eine Versammlung in Augsburg, von Samstag auf Sonntag in der Nacht. Da wurden alle besoffen, und was man so auf der Straße zusammenladen konnte, wurde zu einer Versammlung gebracht. Meine Freunde fuhren mit Autos herum und luden die Leute ein: „Kommt mit!“ Das war eine Versammlung.
Als ich anfing, von Gott zu sprechen, stand einer auf, der so einen Böller in der Hand und eine Zigarre im Mund hatte. Er brüllte: „Gott gibt’s gar nicht!“ Da fragte ich ihn: „Wissen Sie das ganz bestimmt?“ Er kratzte sich am Ohr, schob die Zigarre in den anderen Mundwinkel und sagte: „Bestimmt weiß kein Mensch was.“
Da habe ich gesagt: „Ich weiß ganz bestimmt, dass Gott lebt.“ Dann stand er auf und fragte: „Woher wollen Sie das so bestimmt wissen?“ Ich antwortete: „Weil er sich in Jesus geoffenbart hat.“
Wenn jemand sagt, es gibt keinen Willen im Busch, und ich rücke ihm auf die Bude und sage: „Hier bin ich und hier mein Ausweis!“, dann muss er sagen: „Den gibt’s.“ Verstehen Sie? Und Gott ist uns, verzeiht den Ausdruck, so auf die Bude gerückt. Er hat den Himmel zerrissen, die Wand zerschlagen und ist in seinem Sohn Jesus zu uns gekommen.
Darum können wir wissen, dass Gott ganz bestimmt lebt. Da kann kein Zweifel sein. Ich sage meinen Satz noch einmal: Seit Jesus gekommen ist, ist Gottes Leugnung Unwissenheit oder böser Wille.
Die Schwierigkeit, Gottes Handeln zu verstehen
Aber es bleibt weiterhin die Frage: Wenn dieser Gott wirklich lebt, warum schweigt er dann angesichts all der schrecklichen Dinge? Warum lässt er Menschen am Krebs sterben? Warum nimmt sich ein Vietnamesischer das Leben? Warum, warum, warum?
Ich habe keine Frage so oft gehört wie diese: Wie kann Gott all das zulassen?
Ich möchte versuchen, auf diese Frage zu antworten, und dabei gleich eine allgemeine Antwort vorwegnehmen. Wie kann Gott all das zulassen? Warum schweigt er zu so vielem?
Zunächst möchte ich Ihnen ehrlich sagen: Ich weiß es auch nicht. Wenn ich jetzt auftreten und behaupten würde, ich wäre Gottes Geheimsekretär und wüsste alles ganz genau, dann würden die klugen Leute unter Ihnen sagen: „Pastor Wust, das glauben wir dir nicht.“
Verstehen Sie, einen Pastor, einen Dekan, einen Pfarrer kann ich verstehen, aber Gott kann ich nicht verstehen. Und ein Gott, den ich verstehen könnte, wäre nicht mehr als ein Pfarrer.
Eigentlich freut es mich immer wieder, dass ich Gott nicht verstehen kann. Das müsste ein seltsamer Gott sein, den so ein kleiner Geist wirklich begreifen könnte.
Aber ich will noch einiges dazu sagen. Verstehen Sie, warum lässt Gott alles zu?
Missverständnisse zur Frage nach Gottes Zulassen
Ich muss zunächst einige Missverständnisse klären. Ich möchte in diesem Teil einige Irrtümer aus dem Weg räumen. Ich bin Schutträumer zum ersten Mal. Die Frage „Wie kann Gott alles zulassen?“ kann sehr dumm wirken – wirklich sehr dumm.
Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Als das Dritte Reich begann, mit Hitler an der Spitze, und wir die halbe Welt erobert hatten, standen alle Zeitungen voller Berichte über deutsche Tüchtigkeit, deutsche Kraft und deutsche Soldaten – unsere Kraft. Doch als alles schiefging, die deutschen Städte in Trümmer sanken und Hunderttausende unserer Jungen starben, kamen die Leute zu mir und fragten: „Wie kann Gott das zulassen?“ Ich sagte damals: „Deutsche Kraft, deutsche Stärke.“ Das heißt, wenn es gut lief, dann waren wir es. Wenn es schiefging, dann war es der liebe Gott.
Man erzählt eine Geschichte von den Gorgern. Wisst ihr, wer die Gorger sind? Die Gorger sind die Weingärtner in Tübingen, und dort spricht man Schwäbisch. Unsinn, sagen manche. Aber in Tübingen gibt es tatsächlich Weingärtner, die Gorger genannt werden, und sie sind berühmt für ihre eigenartigen Aussprüche.
Von ihnen erzählt man, dass sie ihren Wein vom Weinberg ausschenken, einen gesüßten Wein. Wenn der Wein schlecht geworden ist, sagen sie: „So hat es der Herrgott wachsen lassen.“ Wenn der Wein gut geworden ist, sagen sie: „Seht ihr, der ist unser eigenes Gewächs.“ Verstehen Sie? Der gute Wein ist unser Gewächs, der schlechte ist unseres Herrn Gott’s Werk.
Wenn wir also die Frage stellen, wie Gott alles zulassen kann, muss gesagt werden: Sehr vieles davon ist unser eigenes Gewächs. Als 1945 die Städte in Trümmer sanken und ich keinen Schritt vorwärtskam, standen Leute vor mir und fragten: „Wie kann Gott das zulassen?“ Da sagte ich: „Das haben wir uns eingebrockt. Gott hat uns laufen lassen.“
Vor kurzem erzählte mir eine junge Frau, dass ihre Ehe mit Weinstein und Wein gescheitert ist. Schließlich kam sie mit zwei Kindern zu mir und sagte: „Er lässt mich sitzen, der brutale Mensch, wie kann Gott das zulassen?“ Ich sagte: „Moment mal, hat Gott den Mann geheiratet oder Sie? Das wusste ich doch nicht, dass er so ist.“ Dann fragte ich sie: „Haben Sie vorher mal gebetet? ‚Herr, zeige mir Deinen Weg, Herr, gib mir den richtigen Ehepartner‘? Haben Sie darüber gebetet?“ Sie verneinte. Da sagte ich: „Dann laufen Sie ohne Gott in Ihr Unglück und am Ende sagen Sie, wir können Gott nicht zulassen.“
Diese Frage wird sehr oft gestellt, meine Freunde, aber meistens geht es nur darum, dass wir unsere selbstgekochten Suppen auslöffeln müssen. Ich habe der Frau ganz hart gesagt: Es gibt ein Bibelwort, an dem keiner von Ihnen vorbeikommt. Es heißt Jeremia 2,19: „Du musst erfahren und inne werden, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen und ihn nicht zu fürchten.“
Wenn Sie mich fragen, welche Chancen Deutschland hat, antworte ich Ihnen mit diesem Satz: „Du musst erfahren“, spricht der Herr, „du musst erfahren, so sehr wir zweimal Schleifer sind, und inne werden, welchen Jammer und Herzleid es bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen und ihn nicht zu fürchten.“
Und wenn über uns, das gottlose Volk, die nächsten Gerichte kommen, dann werde ich jedem ins Gesicht lachen, der mich noch fragt, warum Gott es zulassen könnte. Sie müssen sich wöchentlich diesen Satz einprägen: Jeremia 2,19: „Du musst erfahren und inne werden, was es für Jammer und Herzleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen und ihn nicht zu fürchten.“
Die falsche Vorstellung von Gott als Angeklagtem
Be, ich will ein wenig aufräumen, verstehen Sie? Die Frage, wie Gott alles zulassen kann, ist eigentlich eine falsche Frage. Das gehört zu meiner Aufräumungsarbeit, denn das ist eine ganz falsche Frage.
Wie kann Gott etwas zulassen? Da steckt ja eine Vorstellung dahinter, als säße ich auf dem Richterstuhl im Gerichtssaal, und auf der Anklagebank säße der lebendige Gott. Angeklagter Gott, du bist Weltenherrscher und hast alles in den Abgrund gehen lassen – wie kommst du dazu? Glauben Sie wirklich, dass das geht, dass Sie auf dem Richterstuhl sitzen und Gott auf der Anklagebank? Glauben Sie das?
Da muss ich Ihnen eine nette Geschichte erzählen. Als ich ganz jung war, junger Pfarrer mit 27 Jahren, hatte ich noch alle Haare, kam ich nach Essen. Kaum war ich dort, brach damals ein Bergarbeiterstreik aus, der durchaus berechtigt war. Die Bergarbeiter waren miserabel bezahlt, es herrschte schreckliches Elend, und an jeder zweiten Ecke gab es eine Kneipe, in die sie haltlos ihr Geld trugen. Es waren schon schauerliche Verhältnisse.
In meinem Bezirk, einem Bergarbeiterbezirk, kochte alles. Eines Tages gehe ich über einen Platz mitten in meinem Bezirk. Am Rand steht ein Seifenkistenredner auf einer Kiste, und um ihn herum vielleicht hundert Männer. Er redet und redet. Ich weiß nicht, was er sagt, aber mittendrin erkennt er mich. „Ah“, sagt er, „da drüben geht ja so eine schwarze Drossel“, so nannten sie das immer – so ein Pfaffe. „Komm mal her!“
Wenn ich freundlich eingeladen werde, komme ich, wenn es irgendwie möglich ist. Also ging ich hin. Das war ein unvergessliches Bild. Da stand dieser Kerl mit schwarzer Tolle auf der Seifenkiste, und um mich herum die hundert Männer, die ihm Platz machten. Ich stand also vor ihm, und dann kam die ganze Bitterkeit seines Herzens heraus.
„Du, Pappe, sagst doch, dass es einen Gott gibt.“
„Ja“, sage ich, „Gott lebt, das kannst du doch wissen.“
„Also“, sagt er, „wenn dieser Gott wirklich lebt – was ich nicht glaube – dann will ich einmal, wenn ich gestorben bin, vor seinem Thron stehen und sagen: ‚Gott, du hast zugelassen, dass Kinder verhungert sind und dass andere prassen und nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Du hast zugelassen, dass Tausende Menschen auf Schlachtfeldern zerfetzt wurden. Du hast zugelassen die Ungerechtigkeiten der Welt. Du hast zugelassen, dass Männer sich besaufen und ihre Frauen verprügeln. Du hast zugelassen...‘“
Dann zählt er alles auf, was es an Übeln gibt, und fließt mit den Worten. „Und dann will ich sagen: ‚Hinweg mit dir, Gott!‘“
Als er so weit gekommen war, brüllte ich mit: „Hinweg mit diesem Gott!“
„Na, nun“, sagte er, „Sie sind doch Pfarrer.“
„Ja“, sage ich, „da können Sie doch nicht sagen: ‚Hinweg mit diesem Gott!‘“
„Doch, doch“, sage ich, „hinweg mit diesem Gott, der nicht verstehen kann!“
Da sage ich: „Hör mal her, Mensch, geh mal runter von der Kiste, lass mich mal rauf.“ Er geht runter, ich steige auf die Seifenkiste und sage: „Stell dir doch mal vor, Mann, ein Gott, vor dem du hintrittst und dem du die Schnauze so weit aufreißt und am Schluss sagst: ‚Hau ab! Den Gott gibt es nicht, den gibt es bloß in deinem Köpfchen, den hast du dir eingebildet. Das sind Götzen, also alle selbstgemachten Götter sind Götzen. Ein Gott, den du anklagst und zum Richter rufst, den gibt es gar nicht.‘“
Aber, sage ich von meiner Seite der Kiste oder von seiner Seite der Kiste, „es gibt einen wirklichen, lebendigen Gott, und du wirst mal vor ihm stehen. Dann fragt er dich, ja, dann fragt er. ‚Wie konntest du?‘ Ich kenne dein Leben nicht, sage ich, aber Gott hat zu fragen. Und dann wirst du auf tausend Fragen keine einzige Antwort geben können. Dann könnte es sein, dass Gott sagt: ‚Hinweg mit dir!‘“
Den Gott, der uns fragt und anklagt und wegjagen kann, den Gott gibt es.
Es ist überhaupt die Albernheit, wenn wir anfangen zu fragen: Wie kann Gott alles zulassen? Da kommt die ganze Verrücktheit unserer Zeit zum Vorschein, dass man Gott so harmlos gemacht hat. Vielleicht ist die Kirche mit daran schuld, ich weiß es nicht, dass man immer vom lieben Gott redet.
Wir sollten uns wieder vor Gott fürchten. Wir stehen alle einmal vor ihm, und dann wird das Heimliche unseres Lebens offenbar werden. Dann kann man in die Hölle kommen. Vor diesem Gott sollten wir uns fürchten.
Und dann bleibt uns die Anklage im Hals stecken.
Ich muss noch etwas aufräumen bei den Aufräumungsarbeiten.
Die Realität von Gottes Wirken im Leid
Aber Sie müssen Ihren Geist jetzt bei dem C auf den vierten Gang schalten. Es wird die Sache beinahe ein bisschen schwierig. Ich habe lange überlegt, ob ich Ihnen das sagen sollte. In so einer großen Versammlung sind Sie alle wach, schläft irgendwo einer? Dann lasse ich diesen Teil fallen. Sagen Sie mir das.
Sehen Sie, zu den Aufräumungsarbeiten für die ganze Geschichte, zu diesem ganzen Fragekomplex gehört Folgendes: Wenn einer sagt, „Wie kann Gott das zulassen?“, dann ist das noch viel zu harmlos gefragt. Es ist nämlich so, dass Gott die Dinge nicht bloß zulässt, sondern tut. Er tut schreckliche Dinge. Wissen Sie das? Ich möchte geradezu sagen: Gott ist an allem schuld.
Passen Sie jetzt gut auf. Es war am 5. März 1943, als gegenüber Essen der erste große, schreckliche Fliegerangriff stattfand. Wir kamen aus dem Keller ganz erschüttert, und dann brannte alles. Ich sagte zu meiner Frau: „Wo kann ich mir Luft verschaffen?“ Ich nahm die Kinder und flüchtete auf einen freien Platz und versuchte zu löschen. Ich stürzte ins Haus, alles brannte. Rings um alle Häuser waren die Leute geflohen.
Ich war in dem Flammenmeer allein. Ich wollte meine Bücher retten, ein paar Andenken von den Kindern. Ich stürzte ins Haus, drehte die Wasserleitung auf – kaputt, es kam kein Wasser mehr. Da stand ich da, in meinem lieben Haus. Ich hatte Wut, ich wusste nicht recht, auf wen – auf die Amerikaner, auf Hitler oder auf Gott. Und dann fiel mir etwas ein.
Am 5. März, Sie kennen vielleicht das Losungsbüchlein der Brüdergemeinde, wo es für jeden Tag einen Spruch gibt, meistens aus dem Neuen Testament. An diesem Morgen hatten wir bei der Morgenandacht die Losung gelesen. Wissen Sie, wie die hieß? Ein Wort aus dem Propheten Amos: „Ist auch ein Unglück in der Stadt, dass doch der Herr nicht tue?“ Herr, ich sage, Du hast mein Haus angesteckt.
Das ist schrecklich, aber auch beruhigend: Du darfst es. Meine Freunde, das habe ich mal einem jungen Mann erzählt: Gott ist gar nicht so harmlos, Gott tut schreckliche Dinge. Und da sagt der Mensch: „Wenn Gott an allem schuld ist, dann ist Gott ja auch schuld, wenn ich sündige.“ Das ist ja herrlich, dann kann ich drauflos sündigen, wenn Gott an allem schuld ist.
Dann habe ich gesagt: Passen Sie gut auf! Ja, mein Lieber, wenn du so schrecklich sündigst, dann ist auch Gott schuld. Denn in der Bibel steht: „Weil die Menschen Gott nicht die Ehre gaben“ (Römer 1), hat Gott sie dahingegeben, zu tun, was nicht taugt – in Lüge und Streit, in den Familien, in Unzucht und in Krieg.
Dass wir sündigen müssen, ist schon Gottes Gericht! Wenn hier sündengebundene Leute sitzen, die im Streit leben mit der Nachbarin, dann bist du unter Gottes Gericht. Du musst, du musst hassen! Weil du ihm nicht die Ehre gabst. Dass wir sündigen, ist schon gottesgerecht. Man sollte erstarren darüber. Gott hat sie hingegeben.
Wenn wir uns das klar machen, ist das Problem noch viel, viel schrecklicher. Du gibst uns dahin in unserer Gottlosigkeit und schweigst. Du lässt die Welt in Katastrophen versinken. Und du weißt, der Mensch lästert dich und lebt ohne dich. Und du weißt, oh Herr, welche Finsternis!
Es ist schon eine bedrückende Frage, nicht? Wie kann Gott alles zulassen? Wenn man dem nachgeht, dann geht einem auf, dass Gott zu fürchten ist. Ich fürchte nicht so sehr wie vor einem lebendigen Gott.
Ich sprach mal mit einem Journalisten, und dann diskutierte er mit mir. Ich sagte nicht: „Ich diskutiere nicht gern, Mensch, das tue ich nicht gern, es ist so langweilig, kommt ja nichts raus.“ Sondern ich fragte ihn: „Sagen Sie mal, ja oder nein, haben Sie mal Angst gehabt vor Gott?“ „Nein“, sagte er. „Angst vor einem lieben Gott? Wie käme ich dazu?“ Seitdem redeten wir gar nicht weiter.
Dann kennen Sie die Wirklichkeit nicht. Es ist die Katastrophe unseres Jahrhunderts, dass wir Gott nicht mehr fürchten. Und er ruft seine Kirche von allen Kanzeln: „Vorsicht, Gott ist zu fürchten!“ Helfen Sie mit, dass alles nicht harmlos wird.
Wir sterben alle eines Tages. Wir haben nur ein Leben. Und dann stehen wir vor diesem Gott ganz alleine. Und da geht uns auf, was es heißt: Er hat uns da hingegeben.
Gottes Liebe im Kreuz und die Hoffnung im Leid
Nun muss ich weiter auf unsere Frage eingehen: Wie kann Gott alles zulassen?
Um den nächsten Punkt wirklich zu beantworten, muss ich wieder ein persönliches Erlebnis erzählen. Ich muss vorausschicken: Wenn ich die Welt überblicke, sehe ich nirgendwo Zeichen von der Liebe Gottes. Da ist eine glückliche Familie, und plötzlich wird ein Kind überfahren. Warum? Verstehen Sie, alles, was die Welt Glück nennt, steht auf so dünnen Füßen. Hat uns Gott denn noch lieb?
Jetzt erzähle ich meine Geschichte. Es war ganz am Ende des Krieges. Da gab es noch einmal einen fürchterlichen Fliegerangriff über Essen. Drei Tage später gehe ich gegen Abend über die Straße. Ich wollte eine Bibelstunde irgendwo in einem Keller halten. Plötzlich stolpere ich über ein Mauerstück. Als ich näher sehe, ist das kein Mauerstück, sondern eine tote Leiche, die nach drei Tagen noch dort liegt.
Mir fiel das Wort der Bibel ein: „Eure Leichen werden auf den Straßen liegen wie Kot.“ Ich entsetze mich noch nicht, denke nur: Was hat Gott uns da hingegeben? Da kommt ein Kellermann und sagt: „Finden Sie es schrecklich? Ich will Ihnen mal etwas anderes zeigen. Kommen Sie mit!“ Er führt mich in den Hof eines Verwaltungsgebäudes. Dort war ein Bunker, der durch eine Luftmine verschüttet wurde. Alle waren tot.
Man hatte an dem Tag die Leichen herausgeholt. Im Hof lagen siebzig Leichen – Frauen, sogar ältere Frauen, die gar kein Interesse an Großdeutschland hatten, verstehen Sie? Sie wollten fröhlich leben. Und Kinder – Kinder! Es gibt ein Bild von Thoma, das ich immer vor mir sehe: Kinder, die auf einer Blütenwiese um einen Baum tanzen. Und dort lagen sie: verhungerte Ärmchen, erstickt, jetzt mit blauen Gesichtern.
Der Mann war weg, die Dunkelheit brach herein. Ich hörte nur eine Dachrinne klappern. Da fiel eine Verzweiflung auf mich. Können Sie verstehen, wie ich die siebzig Leichen sah? Ich sagte: „Du, Gott, wie kannst du das zulassen? Mein Gott, du tust es ja sogar – warum? Warum tust du das? Warum wirfst du das zu?“ Ich kann nur sagen, wie es war.
In dem Augenblick leuchtete vor meinem Geist ein Wort der Bibel auf: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, Jesus, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das Leben haben.“
Und auf einmal ging mir auf: Gott schweigt. Gott ist so dunkel über der Welt. Das ist so geheimnisvoll, wie man es eigentlich verstehen kann. Aber es gibt ein Fanal, einen Leuchtturm der Liebe Gottes, einen hellen Punkt, an dem ich Licht bekomme: das Kreuz Jesu Christi.
„So sehr hat Gott die Welt geliebt“ – diese schreckliche Welt, die nach ihm Dreck fragt –, dass er seinen Sohn gab. Da sagt einer: „Ich will vom Christentum nichts wissen.“ Da kann ich ihm nur sagen: „Und für dich starb der Sohn Gottes!“
Da lebt einer bis über die Ohren im Schmutz. Am Samstag ist hier Karnevalsbetrieb. Vielleicht sind Leute von Ihnen beteiligt an dem Zirkus, an dieser Lästerung der Passionszeit und des Leidens Jesu. Sie sollen wissen: Gott hat sie so geliebt, dass er seinen Sohn für sie in den Tod gab.
Wenn Sie gar nichts wissen, nichts verstehen, dann können Sie das wenigstens begreifen: Mann, was muss ich von Gott geliebt sein, dass er seinen Sohn, den heiligen Sohn Gottes, Herrn Jesus, für mich in den Tod gibt!
Sehen Sie, ich kann nirgendwo die Liebe Gottes ablesen. Er tut mir auch viel Freundliches, aber das geht auch vorüber. Die Liebe Gottes finde ich im Kreuz Jesu. Dort stirbt der Sohn Gottes für mich. Dort eröffnet er die Quelle, die mich reinmacht von aller Schuld. Dort ist er ein Opfer, das mich mit dem heiligen Gott versöhnt. Dort ist eine Tür in den Himmel hinein. Dort ist blauer Himmel über uns – und das Jesuskreuz.
Dort kann der Zweifler, der Sündige, der Selbstgerechte unter Jesu Kreuz treten. Dort ist es hell. Dort findest du die Liebe Gottes.
Sehen Sie, es hat keinen Sinn, dass wir kritisieren, warum Gott das und das tut. Darauf bekommen wir keine Antwort. Wir sind nicht Gottes Geheimräte.
Ich möchte Sie mitnehmen zum gekreuzigten Heiland. Wer ihn gefunden hat, fragt nicht mehr: „Warum tust du das?“ Er ist geborgen als Kind Gottes in der Liebe Gottes. Wer durch Jesus Frieden mit Gott hat, fragt nicht mehr, sondern ist geborgen in der Liebe Gottes.
Ich diskutiere nicht mehr mit Leuten darüber, warum Gott das und das tut. Ich sage: Bekehr dich zum Herrn Jesus, such, bis du ihn findest, und gib ihm dein Leben. Dann findest du Frieden, Vergebung, Gnade, Glück und Hoffnung und bist ein Kind Gottes.
Dann brauchst du nicht mehr zu fragen, warum Gott alles tut. Kinder wissen nicht alles, was ihr Vater tut.
Haben wir das bis hierher verstanden, meine Freunde? Hoffentlich habe ich deutlich gesprochen. Es ist so ein schweres Problem, man müsste sieben Abende darüber reden.
Persönliche Dunkelheit und Trost im Kreuz
Aber ich möchte Ihnen doch noch zwei Dinge sagen. Sie spüren sicherlich, dass diese Rede heute Abend sehr persönlich gefärbt ist. Ich bin von Gott so geführt worden, dass ich manchmal in schreckliche Dunkelheiten geriet. Und ich habe nirgendwo Licht gefunden, außer wenn ich ins Angesicht Jesu sah und von seinem Kreuz hörte: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ So ruft es vom Kreuz Jesu.
Wenn Sie jetzt noch einen Schritt weitergehen, gibt es Menschen hier, die ganz persönlich und augenblicklich im Leid sind. Heute sagte mir ein junges Mädchen ganz verzweifelt: „Ich kann nicht weiterleben, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr.“ Das kam so aus den Tiefen, dass ich richtig erschüttert war. Ich war ganz krank. „Ich kann nicht weiterleben.“ Vielleicht gibt es Menschen hier, die genauso stehen, so in Dunkelheit: „Ich kann nicht weiterleben.“ War das nicht eine alte Frau?
Wissen Sie, dass es in Westdeutschland mehr Selbstmorde als Verkehrstote gibt? Und dass über 50 dieser Selbstmorde Jugendliche unter 20 Jahren sind? Welch eine Verzweiflung lebt unter uns! Ich möchte Ihnen zeigen, welch ein Licht im Kreuz Jesu ist. Und wenn Sie jetzt in der Dunkelheit sind, dann möchte ich Ihnen sagen: Es kommt nicht darauf an, dass Sie begreifen, warum, warum, warum, warum, sondern wozu, wozu.
Und das kann ich nur an einer Geschichte deutlich machen. Die habe ich schon tausendmal erzählen dürfen, auf sämtlichen Tonbändern aufgenommen, aber ich muss sie einfach hier erzählen. Sie gehört zu meinen schönsten Erfahrungen als Pfarrer.
Da war ich als ganz junger Mann, wie gesagt, noch damals mit allen Haaren auf dem Kopf, in einen Bergarbeiterbezirk gekommen, der schrecklich war, schrecklich. Es war alles atheistisch. Allmählich sammelte sich ein Kreis von Männern, die gläubig wurden. Alles junge Kerle zwischen zwanzig und dreißig. Gott holte sie heraus. Nicht wie ich die Fahne hisste, die Kreuzesfahne, da kamen die Menschen zum Glauben.
Eines Tages sagen meine Männer: „Du Busch, wir sagen uns alle du, da ist in der Frillendorfer Straße einer verunglückt auf dem Pütt, also im Bergwerk. Ihm ist ein Stein auf die Wirbelsäule gefallen. Von da an ist er querschnittgelähmt. Der braucht oft einen kleinen Schlachten auf die Wirbelsäule, und dann ist man von da abgelehnt. Der heißt Amsel, und der ist so verzweifelt. Er ist vom Krankenhaus entlassen, er ist gelähmt. Geh mal hin!“
Da ging ich zu Amsel hin. So ein lustiger Name, nicht? Amsel ist jetzt im Himmel, und ich darf ruhig von ihm erzählen. Ich kam in die Bude rein und da war die Hölle. Er saß in so einem Fahrstuhl. Um ihn herum seine Kumpels, Karten spielend, Fluren, Lärm, Schnaps. Und als ich reinkam, war ich ein Mensch, stiller. Dann ging es los: „Die schwarze Drossel!“ Dabei hatte ich einen hellen Regenmantel an, aber das war egal. Ich hatte blonde Haare, aber ich war die schwarze Drossel. Wenn das Herz schwarz ist, ist das die Hauptsache, nicht?
Da war die schwarze Drossel, und dann lächelte der Verunglückte los. Ich sehe noch so einen großen, starken Mann: „Ach du verdammter Pfaffe! Wo war denn dein Gott, als dir der Stein in den Rücken fiel? Wenn es einen Gott gäbe, wie kann er so etwas zulassen? Dir geht’s gut. Wenn es einen Gott gäbe, warum haut er so einen armen Mann noch zu Schanden und so in der Preislage?“
Es war so schrecklich, ich bekam kein Wort heraus. Manchmal sieht man plötzlich, wie die Hölle hier schon beginnt, eine Welt ohne Gott, die Verzweiflung, die pure Verzweiflung. Wir lieben nur die Tränen übers Gesicht.
Ich ging wieder raus und sagte am nächsten Tag meinen Kumpels: „Kinder, da kann man nichts machen. Da schlägt mir so eine Feindschaft entgegen, da bin ich ohnmächtig.“ Aber die Kumpels hatten so eine raue und herzliche Methode. Wir hatten so ein kleines Sälchen, da hatte ich meine Bibelstunde.
Als ich am Montag darauf in die Bibelstunde komme, war es rammelvoll. Also, so ein Lüftchen war da drin, sagte ich ihnen. Und da stand der Fahrstuhl mit dem Amsel direkt vor meiner Nase. Da hatten sie ihn einfach geholt, ich weiß nicht, ob sie ihn gefragt haben, einfach ran: „Mensch, hier die Bibelstunde!“ Und da saß er vor mir, ein Gesicht, als wenn er mich fressen wollte.
Ich hatte am Abend diesen Text: „So sehr hat Gott die Welt geliebt.“ Nicht, dass er uns Schwere erspart, nicht, dass er uns nicht die Früchte unserer Sünde essen lässt, sondern so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er einen Sohn gab. Wenn ihr in Dunkelheit Licht sucht, Jesus, das Sohn Gottes, dahinter am Kreuz für uns. Er macht Sünde zu Gotteskind, versöhnt mit Gott, ruft uns los von Welt und Teufel und Hölle.
Und ob unsere Sünde blutrot ist, hier ist Vergebung, weil Jesus Vergebung für Berge von Sünde gibt. Er ist auferstanden von den Toten. Er ist jetzt in unserem dreckigen Sälchen hier. Montag für Montag sitzt der Amsel in seinem Fahrstuhl vor mir, und es war einfach erstaunlich, wie sich von Mal zu Mal das Gesicht änderte.
Wie aus diesem Gesicht voller Hass allmählich ein horchendes und eines Tages ein friedvolles Gesicht wurde. Er ging mit einem Freundlich mit mir zusammen unter Jesu Kreuz, betete, bekannte seine Sünden und glaubte: „Ich bin angenommen von Jesus. Jesus nimmt die Sünde an, mich hat er auch angenommen. Wird der Himmel aufgetan, dass ich selig zu ihm komme.“ Ein Friede lag darüber.
Sehen Sie, kurz bevor er vom Besessenwerden wegging – er bekam ja noch so ein Siedlungshäuschen – ist er bald in die Ewigkeit gegangen. Ich besuchte ihn noch einmal. Das ist mir so unvergesslich.
Er stand auf der Straße im Sonnenschein. Da war so ein Stüfchen, so ein Treppchen, und da setzte ich mich daneben. „Ist es Amsel? Wie geht’s?“ „Oh“, sagt er, „wunderbar, wunderbar, Mensch! Seit Jesus in meiner Familie ist, ist jeder Tag, jeder Tag ist…“ Er suchte nach Worten, „jeder Tag ist wie ein Tag vor Weihnachten!“ Schön ausgedrückt.
„Jeder Tag ist wie ein Tag vor Weihnachten. Seit ich Frieden mit Gott habe, Busch, da lacht mich die ganze Welt an.“ Und dann kam der schöne Satz: „Da lachen mich sogar die Pflastersteine an.“ Und dann sagt er: „Weißt du, ich fühle, ich lebe nicht mehr lang. Der Tod sitzt in mir. Und wenn ich dann in die Ewigkeit komme, dann will ich, dann sehe ich Gott, und dann will ich vor seinem Thron niederfallen und anbeten und sagen: Ich danke dir, dass du mir die Wirbelsäule kaputtgeschlagen hast.“
„Amsel“, sage ich, „bist du wahnsinnig? Wie kannst du so etwas sagen?“ Da sagt er: „Ich bin nicht verrückt, ich bin ganz nüchtern. Mein lieber Mann, mich hat Gott oft gerufen, ich habe nicht gehört, und ich wäre weitergelaufen bis in die Hölle, ohne Gott. Da hat er eingegriffen und mich gelähmt. So fand ich Jesus und die Liebe Gottes, und die Vergebung meiner Schuld und Frieden mit Gott.“
Mann ohn, das wäre ich in die Hölle gelaufen. Und dann kam ein Satz, den ich nie vergesse: „Busch“, sagte er – wir sagten uns du – „Busch, besser gelähmt in den Himmel gehen, als mit zwei gesunden Beinen in die Hölle springen.“ Das war nicht theoretisch, das sagte der gelähmte Mann: besser gelähmt in den Himmel gehen, als mit zwei gesunden Beinen in die Hölle springen.
Ich war so erschüttert. Ich saß auf der Straße, auf der laut lärmenden Straße neben ihm. Ich sage: „Amsel, Amsel, Gott hat dich in die Schule genommen, und du hast gelernt. Solange einer bloß fragt: Wie kann Gott das zulassen?, hat er gar nichts gelernt, hat in Gottes Schule nichts gelernt.“
„Amsel, du hast in Gottes Schule gelernt, wozu das Leid kam: dass er dich zum Sohn zieht.“ Der Vater zog ihn zum Sohn, zu Jesus, und so wurde er ein gerettetes Kind Gottes.
Bald mit Lieben, bald mit Leiden kamst du her, mein Gott, zu mir, dir mein Herzen zu bereiten, ganz mich zu ergeben. Dir sind alle irgendwie in der Schule Gottes. Lernen sie, lassen sich zum Sohn ziehen, zu Jesus, zu ihrem Heiland, damit der Sinn alles Dunkle offenbar wird.
Die Hoffnung des ewigen Lebens und der Aufruf zur Umkehr
Und nun schließe ich damit, dass ich sage: Wenn Sie ein Kind Gottes geworden sind, drückt Sie alles nicht mehr so sehr, weil Sie eine lebendige Hoffnung des ewigen Lebens haben.
Also, wenn es knüppeldick kommt, sage ich: Mensch, ich bleibe ja hier nicht. Ich gehe in den Himmel.
Und wenn ich das sage, steht jedes Mal einer auf und sagt: Ach, da kommt es raus, die Pfarrer wollen die Leute auf den Himmel vertrösten.
Ich kam einmal in so eine Bude rein in meinen Bezirk, da waren sie auch am Saufen. Und da sagt einer: „Pastor, den Himmel überlassen wir Ihnen, den Spatzen.“ Das stammt von Heinrich Heine, dieser schöne Satz aus dem Wintermärchen.
Da sage ich: Das ist nett von Ihnen, aber wieso können Sie mir das überlassen, was Ihnen gar nicht gehört? Meines Wissens haben Sie gar keinen Platz im Himmel, den Sie mir überlassen können. Wenn ich recht sehe, sind Sie auf dem Weg in die Hölle. Wieso können Sie mir den Himmel überlassen?
Da sagt er: Ja, die Pfarrer vertrösten doch die Leute auf den Himmel, seit wann tun die das?
Also ich nicht.
Ich will Ihnen sagen: Solange ihr so fern von Gott lebt, geht euer Weg dahin, wo Gott nicht mehr hinsieht – das ist die Verlorenheit. Und ich bitte Sie, kehren Sie um! Gott hat Sie lieb, er hat seinen Sohn gesandt und erklärt es Ihnen.
Nein, ich möchte ja nicht unbekehrte Leute auf den Himmel vertrösten, ich denke nicht daran. Aber die, die Jesus angehören, die haben eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens.
Fragen Sie nicht mehr lange: Herr, warum, warum, wieso kannst du alles zulassen, warum hast du immer meine Söhne genommen? Ich warte ab, er wird mir in ein paar Jahren sagen, wenn ich vorstehe, warum er es getan hat.
Und darum schließe ich meinen Vortrag mit den Worten von Paul Gerhard, und ich möchte, Sie könnten sie nachsprechen:
So will ich zwar nun treiben mein Wesen durch die Welt,
Doch denke ich nicht zu bleiben in diesem Armenzelt.
Ich wandere meine Straße, die zu der Heimat führt,
Wo mich un allemasse mein Vater trösten wird.
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen!
