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Die Helden Davids

2. Samuel 23,8-2316.03.2026
SerieTeil 2 / 4Der Prophet Samuel – 2. Samuelbuch
Was zählt mehr: rohe Stärke oder Treue im richtigen Moment? David zeigt Helden, die ihr Leben riskieren – und dass echte Größe oft darin liegt, den Sieg Gott zurückzugeben.

Rückblick auf die bisherigen Verse und der Übergang zur nächsten Einheit

Wir haben gestern Abend 2. Samuel 23, die Verse 1 bis 7, studiert. Das waren die letzten Worte Davids. Man könnte sagen: sein Testament, sein Vermächtnis an uns. Gewaltige Worte mit Blick auf das Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit in der Zukunft.
Dann sind wir weitergegangen. Ab Vers 8 bis zum Schluss des Kapitels werden die Helden Davids vorgestellt. Insgesamt 37 werden hier erwähnt. Wir haben zuerst die Dreiergruppe angeschaut, bestehend aus Joschew Baschevet, der auch Adino, der Edsnitter, heißt, in Vers 8, dann Eliasar, Gott hilf, und Schama, Vers 11.
Dann haben wir auch diese besondere Geschichte angeschaut in den Versen 13 bis 17. Da geht es um diesen Herzenswunsch von David, der plötzlich aufkam, noch einmal von dem Wasser aus Bethlehem zu trinken. Und es waren eben diese drei Helden aus den Versen 8 bis 12, die diesen Wunsch erfüllt haben. Das war eine solche Hingabe an David unter Lebensgefahr, dass David dieses Wasser nicht trinken konnte. Stattdessen hat er den Ausdruck dieser Hingabe als Trankopfer dem Herrn zurückgegeben.
Bis dahin sind wir gekommen und würden dann jetzt weiterfahren mit Vers 18. Aber vorher möchte ich noch ein paar kleine Ergänzungen machen.
Und zwar lese ich 2. Samuel 23,8 nochmals hier und dann in der Parallelstelle in 1. Chronika 11: Dies sind die Namen der Helden, die David hatte: Joschew Baschevet, der Tachkemoniter, das Haupt der Anführer; er, Adino, der Edsnitter, war gegen achthundert, die er auf einmal erschlug.
Jetzt lesen wir 1. Chronika 11: Und dies ist die Zahl der Helden, die David hatte: Jaschow Am, der Sohn Chachmonis, das Haupt der Anführer; er schwang seinen Speer über dreihundert, die er auf einmal erschlug.
Wir sehen kleine Differenzen. In 2. Samuel 23 geht es um 800, die er auf einmal erschlug, und hier um 300. Ich habe gestern von zwei verschiedenen Ereignissen gesprochen. Diese zwei Ereignisse kann man aber in einer Kampfszene vereinigen. Das heißt, dass er also zuerst konfrontiert war mit einem Kontingent von 300, und dann kamen noch weitere zur Hilfe, und alle hatte er dann schließlich erschlagen. So ist das eine Ergänzung, genau gleich wie in den Evangelien.

Warum Unterschiede in parallelen Berichten wichtig sind

Wir haben viele Parallelen zwischen den Samuelbüchern, den Chronika und den Königen. Man kann sie auch in Spalten nebeneinanderstellen, so wie man es mit den vier Evangelien tun kann. Das nennt man eine Evangelienharmonie.
Wenn man eine Evangelienharmonie studiert, stellt man zahlreiche kleine Unterschiede fest. Und diese sind sehr wichtig. Nicht, weil Kritiker sagen würden, das seien Widersprüche, sondern im Gegenteil: Es sind wichtige Unterschiede, die die Glaubwürdigkeit zeigen.
Wenn zum Beispiel ein kriminelles Ereignis geschehen ist und verschiedene Zeugen befragt werden können, dann ist es für den Richter wichtig, dass sich die Zeugen nicht miteinander absprechen. Sonst besteht die Gefahr der Kollusion. Dieser Fachausdruck bedeutet, dass die Zeugen miteinander sprechen, sich abstimmen und dann vor Gericht mit einer Stimme auftreten. Das wirkt verdächtig, weil dann der Eindruck entsteht, dass sie nicht die volle Wahrheit erzählen.
Darum ist es in einem solchen Fall sehr wichtig, wenn die Zeugenaussagen Unterschiede aufweisen. Mit etwas Nachdenken kann man diese Unterschiede miteinander versöhnen. Man muss nicht sofort annehmen, dass jemand etwas erfunden hat oder etwas nicht richtig gesehen hat. Diese Möglichkeiten gibt es zwar auch. Aber wenn man die Unterschiede so miteinander verbinden kann, dass daraus ein Gesamtbild entsteht, dann erhöht das die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen.
Genau so ist es in den Evangelien. Die Zeugen hätten sich ja längst abstimmen können. Da sie in derselben Zeit lebten, hätten sie sich in den Details angleichen können, sodass alles gleich oder zumindest sehr ähnlich klingt. Aber das war gar nicht nötig.
Darum konnte Matthäus schreiben, dass die zwei Verbrecher am Kreuz den Herrn gelästert haben. Lukas schreibt dagegen, dass einer der Mitgekreuzigten den anderen scharf zurechtweist und bezeugt: Dieser hat nichts Unrechtes getan. Dann erlebt er eine Umkehr, sodass der Herr ihm verheissen konnte: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Wie geht das zusammen? Ganz einfach: Die Kreuzigung war eine schreckliche Sache von vielen Stunden. Es war so, dass die beiden Verbrecher den Herrn gelästert haben. In all dem, was in diesen Stunden geschah, und dadurch, wie er sah, wie der Herr Jesus in diesen schwersten Leiden reagierte und handelte, kam er zur Erkenntnis, dass dieser der Messias ist. So erlebte er noch eine Umkehr.
Lukas musste also nicht denken: Ich muss das ein bisschen verändern, damit man nicht meint, ich würde im Widerspruch zu Matthäus schreiben. Und das gilt eben auch für alle weiteren Unterschiede in den Evangelien. Diese Zeugen konnten das einfach so stehen lassen, weil sie wussten, dass sich all diese kleinen Unterschiede miteinander vereinigen lassen.

Von der Evangelienharmonie zu den parallelen Texten des Alten Testaments

Ganz besonders eindrücklich ist ja die Beschreibung der Auferstehung in allen vier Evangelien. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es dort zahlreiche Widersprüche gibt. Aber wenn man die Berichte zusammenführt, ergibt sich ein stimmiges Bild.
Es ist auch ganz interessant: Ein ehemals liberaler Theologe hat zunächst ein Buch über die Auferstehungsberichte geschrieben, in dem er zeigen wollte, wie viele Widersprüche es angeblich gibt. Nach und nach hat er jedoch erkannt, dass sich diese Berichte eben gar nicht als Widersprüche erweisen, sondern harmonisch zusammenpassen. Er hat einen Prozess durchlaufen, bis er schließlich erkannte, dass die Bibel als Wort Gottes vollkommen ist. Seine letzte Ausgabe zeigt dann auch mit dem Untertitel, dass eine Evangelienharmonie möglich ist und man alles zusammenbringen kann.
Dazu braucht es allerdings kein oberflächliches Herangehen an den Bibeltext, sondern man muss in die Tiefe gehen. Und genau so ist es auch mit den parallelen Texten im Alten Testament. Es gibt nicht nur Samuel, Könige und Chronik, sondern noch viel mehr.
Ein Autor namens Abba Ben David hat eine solche Zusammenstellung gemacht, leider bisher nur auf Hebräisch. Der CMV Verlag Hagedorn hatte aber vor, das Werk auch noch auf Deutsch herauszubringen. In der hebräischen Ausgabe sind die Textkolonnen nebeneinander gesetzt, ähnlich wie bei den Evangelienharmonien, die die vier Evangelien nebeneinanderstellen. Dabei hat er die Unterschiede jeweils mit roten Buchstaben hervorgehoben. Auf einen Blick sieht man also solche Stellen.
Das beginnt zum Beispiel mit 1. Mose und den Parallelen in 1. Chronik, bei den Geschlechtsregistern. Und man staunt über diese vielen Parallelen. Es ist sehr interessant, gerade diese feinen Unterschiede zu studieren. Wenn man die Bibel nicht oberflächlich liest und nicht einfach sagt: Ja, Widerspruch, dann sieht man Dinge, die die Kritiker nicht sehen.

Der doppelte Name des ersten Helden und die hebräische Sprachform

Jetzt hier nochmals 2. Samuel 23,8: Dies sind die Namen der Helden, die David hatte: Joscheb-Baschebet. Und in der Parallelstelle in 1. Chronik heißt er ein wenig anders, Jaschobam, der Sohn des Hakmoni, das Haupt der Anführer.
Nun, in 2. Samuel heißt er der Tachkemoniter, nicht wahr? Und hier heißt er der Sohn des Hakmoni. Hakmon, so hieß sein Vater. Das hängt zusammen mit Chacham, das heißt auf Hebräisch „der Weise“. Also kann man seinen Namen, Chakmon, eben als „der weise Mann“ übersetzen. On ist nämlich die Verkleinerungsform im Hebräischen, so wie auf Deutsch Hans und Hensle.
Also: Chachmon, das ist so der weise Mann. Aber wenn man das Wort in 2. Samuel liest, heißt es Tachkemonit, Tachkemon, Tachkemon. Und da ist einfach vor diesen Namen Chachmon noch ein T hingesetzt. Das ist im Hebräischen oft die Form, wie man ein Hauptwort, ein Substantiv, bildet: T davor, viele Wörter, viele Hauptwörter beginnen mit einem T und dann die Wurzel.
Das ist genau so konstruiert. Also ist es im Prinzip die gleiche Wortform. Es ist ein Wortspiel mit dem Namen des Vaters: Er ist der Sohn von Chachmon und damit ist er eben der Tachmoniter. Aber es ist kein Widerspruch, sondern im Hebräischen einfach eine andere Ausdrucksweise.

Weitere Namensformen und die Bedeutung mehrerer Bezeichnungen

Genau das Gleiche gilt für den Namen. Wir sehen in 2. Samuel, dass er Joschew heißt und der Zusatz Baschewet angehängt ist. Joschew bedeutet der Sitzende, der Thronende oder der Wohnende. Und wenn man auf einem Richterstuhl oder auf einem Königsstuhl sitzt, dann ist man eben ein Vorsitzender.
Die Namensform in 1. Chronika 11 ist Jaschow-Am. Das Jaschow oder Jaschob ist dieselbe Wurzel, die man auch bei Joschew sieht. Jaschob-Am in 1. Chronika 11 heißt also der Vorsitzende des Volkes, denn Am bedeutet Volk. In 2. Samuel heißt Joschew Baschewet: der Vorsitzende auf dem Thron.
So hatte er quasi zwei Übernamen. Man nannte ihn also entweder den Vorsitzenden auf dem Thron oder den Vorsitzenden des Volkes.
Und jetzt kommt noch ein wichtiger Punkt dazu. Im Alten Testament haben viele Menschen mehr als einen Namen. Ich habe auch drei Namen. Und wenn man sagen würde, irgendwo in einem Text habe Roger dieses und jenes Buch geschrieben, und ein anderer würde schreiben, Erik habe das Buch geschrieben, der Messias im Tempel, dann würde jemand sagen: Das ist ein Widerspruch. Nein, das ist absolut richtig, das ist mein zweiter Name.
Unserem Jüngsten haben wir sogar vier Namen gegeben. Es waren einfach noch alle schönen Namen, die wir wussten. Ja, wir dachten, das ist der Letzte. Meine Frau hatte ja schon in ihrer Jugend irgendwie den Wunsch, einmal sechs Kinder zu haben. Und dann bekam sie auch sechs. Ja, nicht immer werden solche Wünsche erfüllt. Es kann auch sein, dass man nie ein Kind bekommt. Aber in ihrem Fall hat der Herr ihr das eben auch so gegeben.
Ich will damit sagen: Das mit den vielen Namen ist in der Bibel genau so. Und übrigens können sogar in einem Text verschiedene Namensformen vorkommen. Zum Beispiel in der Geschichte von Elija heißt er im Hebräischen Elija, und ein paar Verse weiter liest man Eliyahu. Kurzform, Langform.
Es kann aber auch sein, dass sogar ein völlig anderer Name verwendet wird. Wie hieß der Schwiegervater von Mose? Ja, Jethro. Aber anderswo sieht man Reguel. Ja, was stimmt jetzt? Beides stimmt. Der hatte eben beide Namen. Und die Bibel bezeichnet ihn so und so.
Dazu kommt, dass in der Bibel typischerweise oft die Kurzform verwendet wird. Wir haben Leute in der Bibel, wie zum Beispiel Baruch, den Schreiber von Jeremia. Das ist aber die Kurzform. Man hat sein Siegel, sein persönliches Siegel, sogar mit seinem Fingerabdruck darauf gefunden. Dort heißt er Berechjahu, das ist die Langform von Baruch.
Also ist es in der Bibel oft so, dass die Kurzform verwendet wird, so wie man vielleicht jemanden Mark nennt und nicht Markus. Hier sehen wir also zwei Übernamen: Joschew Baschewet und Jaschob-Am. Beide Namen werden gebraucht.
Aber hier ist es noch extremer. Man sieht in 2. Samuel 23,8 Joschew Baschewet, also so einen Übernamen, den Tachkemoniter, eben den Sohn von Chachmon. Chachmon spricht man heute aus. Er war das Haupt, der Anführer. Und dann wird gesagt: Er, Adino der Edsnitter, das war sein eigentlicher Name. Er hieß Adino, also nicht Adina, den Mädchennamen kennt man, das ist die männliche Form: Adino, der Edsnitter.
Und er war eben gegen 800, die er auf einmal erschlug. Aber in einer ersten Phase kamen offensichtlich 300 auf ihn. Und er hat schließlich auch die 500, die dann noch zu Hilfe kamen, besiegt. Und so ist das kein Widerspruch.
Aber man muss eben wirklich so denken, wie man zu biblischen Zeiten gedacht hat, mit Übernamen und mit mehreren Namen, die eine Person haben konnte. Und das geht noch weiter. Wir werden jetzt noch mehr solche Beispiele miteinander studieren, aber das ein bisschen später.

Der zweite Held und seine besondere Stellung unter den Dreien

Jetzt gehen wir weiter in Vers 18: Und Abishai, der Bruder Joabs, der Sohn der Zeruja, war ein Haupt der drei. Und er schwang seinen Speer über dreihundert, die er erschlug, und er hatte einen Namen unter den Dreien. War er vor den Dreien nicht geehrt, so dass er ihr Oberster wurde, aber an die ersten drei reichte er nicht heran.
Also Avishai, das war ja ein Neffe von David, der Bruder von Joab. Beide werden immer wieder genannt, dass sie Söhne der Zeruja sind, und die waren schon speziell. An einer Stelle sagt David: Die Söhne der Zeruja sind zu hart für mich. Sie waren nicht auf seiner Linie. David war in seinem Empfinden und auch im Umgang mit Menschen anders als die beiden. Und wir werden noch mehr von Joab hören, der oft auf der falschen Seite war. Aber eben, die beiden spielten eine wichtige Rolle im Leben von David.
Und dieser Avishai war quasi der Vorsteher, der Anführer dieser ganz besonderen Dreiergruppe, die wir jetzt betrachtet haben, also Adino, Elazar und Schama. Aber es war so, dass er ein grossartiger Held war. Die Bibel macht klar: Er war auch sehr, sehr geehrt und auch anerkannt von den Dreien, aber er reichte in seiner Heldenhaftigkeit trotzdem nicht an sie heran. Interessant, und trotzdem war er der Führer.
Es ist ganz wichtig, dass die, die führen, nicht immer besser sein müssen als die Geführten. Das ist mir so reingegangen in meiner Jugend, als ich mich aufs Konservatorium vorbereitete, als Teenager. Da hat mir mein Violinlehrer beigebracht: Ja, im Orchester, in einem Sinfonieorchester ist das so, wenn zum Beispiel Yehudi Menuhin plötzlich kommen würde, dann würde er nicht den Konzertmeister im Sinfonieorchester verdrängen können. Der Mann, der diesen Platz bekommen hat, der Konzertmeister, der bleibt Konzertmeister.
Bis man an dieser Stelle kommt, stellt man sich nicht vor, was das braucht. Das ist unglaublich. Aber wenn er dann dort ist, muss er keine Angst haben, dass vielleicht mal noch einer kommt, der es viel besser kann. Dann kann ich meinen Platz räumen. Der Platz ist sicher. Wenn er mal diesen Platz hat, dann hat er ihn. Und dann hätte Yehudi Menuhin eben den Platz unter den ersten Geigern bekommen, der frei war. Aber verdrängen konnte er nicht.
Und dann wäre es so: Das Sinfonieorchester hat einen phantastischen Konzertmeister, eben den Anführer aller Streicher, also Erste Geige, Zweite Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass. Aber es gäbe darunter einen, der natürlich noch viel, viel schöner spielt. Yehudi Menuhin hatte so einen schönen Klang, etwas Unglaubliches. Er konnte zwar ab und zu Fehler machen beim Vorspielen, er war immer nervös bis ins Alter, aber das war eben einer, der wagte, schön zu spielen und nicht nur einfach perfekt und kalt.
Aber der wäre besser gewesen, hätte den Platz nicht bekommen. Und jetzt, der langen Rede kurzer Sinn: Avishai war zwar nicht so gut wie die drei, und trotzdem war er geeignet, ihr Führer zu sein, weil er offensichtlich Führungsqualitäten hatte, die es brauchte. Und manchmal muss man eben bedachter, zurückhaltender sein. Wir haben gesehen: Diese drei waren die totalen Draufgänger. Wenn David den Wunsch hatte, Wasser aus Bethlehem, dann hätten sie ihr Leben hingegeben.
Aber da ist es gut, wenn man einen Führer hat, der sagt: Ich bin zwar nicht so gut wie ihr, aber haltet jetzt in diesem Fall bitte Zurückhaltung. Das wird so ausführlich hier erklärt. Ich lese nochmals: Er hatte einen Namen unter den Dreien. Natürlich, er war ein Held. Auch er hat 300 auf einmal erschlagen. Das ist ja fast so gut wie Adino, da kamen auch 300, aber schliesslich 800, und er hat alle geschlagen. Also, er hatte einen Namen unter den Dreien.
Und da wird nochmals gefragt: War er vor den Dreien nicht geehrt, so dass er ihr Oberster wurde? Natürlich, er hatte also eine ganz besondere Anerkennung, aber an die ersten drei reichte er nicht heran.

Benaja als Vorbild des Glaubens und der Kraft im Kampf

Und dann kommt ein weiterer Held: Benaja, der Sohn Jojadas. Dieser Mann wird uns jetzt noch weiter beschäftigen. Benaja wird eine wichtige Rolle spielen, nicht nur hier, sondern auch, wenn wir weiterfahren, 1. Könige 1,2 usw.
Benaja, der Sohn Jojadas, der Sohn eines tapferen Mannes, groß an Taten, aus Kabzeel. Er war also nicht nur selbst ein Held, sondern er hatte bereits ein Vorbild in seiner Familie: den Vater. Und da sehen wir, wie wichtig ein Vorbild in der Familie sein kann. Wir finden in der Bibel auch Leute, die in ihrem Vater kein Vorbild hatten. Und trotzdem hat der Herr sie auf ganz besondere Weise ausgestattet und gebraucht. Aber hier wird jetzt betont: Das war einer, der hatte in der Familie ein Vorbild, dem er nacheiferte, und es gelang ihm auch. Denn wir werden sehen: Später wird er der General der Armee Israels unter König Salomo.
Groß an Taten – und jetzt werden die Taten konkret genannt. Dieser erschlug zwei Löwen von Moab. Und er stieg hinab und erschlug den Löwen in der Grube an einem Schneetag. Und er war es, der einen ägyptischen Mann erschlug, einen stattlichen Mann. Und der Ägypter hatte einen Speer in der Hand; er aber ging zu ihm hinab mit einem Stab und riss dem Ägypter den Speer aus der Hand und tötete ihn mit seinem eigenen Speer. Das tat Benaja, der Sohn Jojadas.
Und er hatte einen Namen unter den drei Helden; vor den dreißig war er geehrt, aber an die ersten drei reichte er nicht heran. Und David setzte ihn in seinen geheimen Rat, oder besser: über seine Leibwache. Das ist die korrekte Übersetzung.

Die Bildsprache der Löwen und der Hinweis auf Christus

Ja, also, er hat zwei Löwen von Moab erschlagen. Und nachher heißt es, er hat an einem Schneetag in der Grube einen Löwen erschlagen. Jetzt ist es so: Das Wort für Löwe ist in den beiden Fällen nicht dasselbe. Zuerst heißt es, er erschlug zwei Ariel, Ariel, Ariel, El, zusammen Ariel. Das heißt Löwe von Gott, zwei Gotteslöwen. Da handelt es sich also um zwei Männer, die wirklich so kräftig waren, vergleichbar eben mit Löwen. Und dass hier das Wort El, Gott, noch hinzugefügt wird, zeigt, dass auch in Gottes Augen diese ganz besonderen militärischen Helden waren. Darum werden sie Ariel genannt.
Aber das Wort für Löwe nachher, am Schneetag, das ist Lavi. Auf Hebräisch haben wir verschiedene Wörter für Löwe: Ariel, Lavi, Kefir. Und das macht den Unterschied. Also, mit der langen Rede kurzer Sinn: Die zwei Ariel, das waren Männer, vergleichbar mit Löwen. Und der Lavi, das war ein wirklicher Löwe. Also, diese zwei Gotteslöwen von Moab, das waren ganz herausragende Militärs, die Benaja besiegt hat.
Und weiter hat er eben diese Erfahrung gemacht: Da war ein Löwe in der Grube, unter schwierigen Umständen. Es war kalt, es war ein Schneetag, und er hatte den Mut, ging in die Grube hinunter und erschlug den Löwen. Der Löwe damals in Israel, heute gibt es keine mehr, war ein sogenannter Berberlöwe. Die Berberlöwen gab es eben im Nahen Osten und in ganz Nordafrika. Die sind leider ausgestorben, aber es gibt in Zoos noch Überlebende. Und vor Jahren gab es, nicht hundertprozentig, aber doch einen Mischling von Berberlöwen ganz in der Nähe, wo wir in der Schweiz wohnen, und zwar in einem Privatzoo. Und der hat mich schon besonders bewegt. Das war so spannend: Wenn man ein bisschen Faxen machte vor einem Käfig, dann ist er wütend geworden und ist ans Gitter hochgesprungen usw. So etwas anders als wenn man in den offiziellen Zoo geht, nach Zürich, nach Basel. Die Löwen interessieren sich überhaupt nicht für einen. Man kann da eben Faxen schneiden, wie man will. Also, das mache ich nicht üblicherweise, aber die interessieren sich ja nicht. Man müsste schon reingehen und die hätten Hunger. Aber eben, die interessieren sich nicht. Aber der Untere also, eine Aggression hatte er gehabt. Diese Berberlöwen sind kleiner als der afrikanische Löwe. Aber das hat mir so richtig gezeigt, was war das, als David mit dem Löwen kämpfte, wie er das beschreibt in 1. Samuel 17. Man muss sich so einen kleinen Löwen vorstellen, von Natur aus kleiner, aber der kann richtig, richtig aggressiv sein. Und David hat ihn besiegt.
Und nun da eben genauso ein Berberlöwe in der Grube an einem Schneetag, und Benaja hat ihn getötet. Und dann wird noch gesagt: ein ägyptischer Mann, und zwar nicht irgendein Ägypter, sondern wirklich ein starker, ein stattlicher Mann. Und den hat er besiegt, und zwar ganz nach dem Vorbild von David. David hat Goliath besiegt, 1. Samuel 17. Damals im Elatal, im Terebinthental, relativ nahe vom Gazastreifen. Dort sind ja die Philister auf einem Hügel, dort haben die sich gesammelt, und die Israeliten auf der anderen Seite. Und unten im Tal als Zwischenkämpfer war Goliath. Und David ist eben auf ihn zugegangen mit seiner Schleuder und lediglich fünf Steinen, und der kam in seiner vollen militärischen Montur. Aber David hat ihn mit einem Stein zu Fall gebracht, und dann ging er zu ihm hin. Der war noch nicht tot. Er hat sein mächtiges Schwert ihm abgenommen und ihn getötet und geköpft. Also hat er Goliath mit seiner eigenen Waffe besiegt, und das ist ein eindrücklicher Hinweis auf Golgatha.
In Hebräer 2 heißt es in Vers 14: Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen. Also der Jesus wurde ein richtiger Mensch von Fleisch und Blut. Das griechische Wort übrigens, Paraplesios, heißt auch in nahekommender Weise, beinahe gleich. Also der Jesus wurde Mensch, beinahe gleich, und hat an Fleisch und Blut teilgenommen. Was ist der Unterschied? Ohne Sünde. Also ein wirklicher, echter Mensch, aber in fast gleicher Art wie wir, mit dem Unterschied: Die sündige Natur war nicht in ihm. Das ist der Sinn. Also er wurde richtig Mensch. Warum? Damit er sterben konnte. Gott kann nicht sterben. Darum heißt es hier: damit er durch den Tod den zunichte machte, der die Macht des Todes hatte, das ist der Teufel, und alle die befreite, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Sklaverei verfallen waren.
Also der Herr Jesus hat den Teufel, der damals noch die Macht des Todes hatte, mit seiner eigenen Waffe zunichte gemacht. Indem der Herr Jesus selber in den Tod gegangen ist, hat er durch den Tod den Teufel entmachtet und seine Macht genommen. Darum sagt er dann, als der Auferstandene in Offenbarung 1, als er Johannes erschien auf Patmos: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig, und ich habe den Schlüssel des Todes und des Hades, und ich lebe in alle Ewigkeit. Also der Herr Jesus hat durch den Tod, der die Waffe des Satans war, den Satan besiegt, den Teufel zunichte gemacht und dann alle die befreit, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Sklaverei verfallen waren. Siehe Fußnote der Elberfelder. Und das war genau so bei David: Die Israeliten eben auf einer Bergeshöhe gegenüber den Philistern, das kann man heute noch im Tal Ela sehen, wo die Philister waren und wo die Aufstellung der Israeliten war, dazwischen das Terebinthental. Da haben die Israeliten gezittert vor diesem Goliath, und David hat sie eben befreit von dieser Todesfurcht, der sie wie Sklaven verfallen waren.
Was hat Benaja gemacht? Nach dem Vorbild von David: Er kam allein mit einem Stock, aber der andere, dieser stattliche Ägypter, hatte einen Speer, und er hat diesen Speer ihm aus der Hand gerissen und den Feind besiegt. Und warum wird gesagt: ein ägyptischer Mann? Ägypten ist in der Bibel ein Bild der Welt, mit all seinen Versuchungen und Vergnügungen, aber auch mit all der Sklaverei der Sünde. Und wenn Ägypten eben immer wieder eine Rolle spielt in der biblischen Geschichte, dann jetzt auch für die Israeliten im verheißenen Land, dann zeigt das immer diese Gefahr, was die Welt eben noch als Versuchungsquelle für die Gläubigen bedeuten kann. Und hier sehen wir, wie Benaja diese Quelle der Versuchung der Welt eben so radikal besiegt hat. Und in seinem Sieg gab er wieder einen Hinweis auf Golgatha.
Und wenn wir schon Hebräer 2 offen hatten, ich hoffe, ihr habt es noch offen, vielleicht noch einen Finger drin, wir müssen noch Hebräer 2, Vers 3 lesen. Da wird der große Sieg des Herrn Jesus auf Golgatha, den er errungen hat, indem er Satan mit seiner eigenen Waffe besiegt hatte, genannt: große Errettung. Und Hebräer 2, Vers 3 sagt: Wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen? Also die Rettung am Kreuz wird hier genannt: eine so große Errettung.
Übrigens, kleine Hausaufgabe muss ja auch sein: Alle Stellen heraussuchen im Alten Testament, es sind sieben, die über die große Rettung oder große Errettung sprechen. Und zwei haben wir, nämlich nochmals Eleazar 23,10: Er machte sich auf und schlug unter den Philistern, bis seine Hand ermüdete und seine Hand am Schwert klebte. Und der Herr schaffte an jenem Tag eine große Rettung. Und dann in Vers 12, es geht um Schama: Da stellte er sich mitten auf das Feldstück und rettete es und schlug die Philister, und der Herr schaffte eine große Rettung. Also zwei der sieben Stellen im Alten Testament.
Jetzt gehen wir weiter, 2. Samuel 23,23: Vor den Dreißig war er geehrt, aber an die ersten drei reichte er nicht heran. Und David setzte ihn über seine Leibwache. Das werden wir später noch sehen, die Bedeutung von Benaja im Zusammenhang mit dem persönlichen Schutz des Königs, also eine ganz bedeutende Aufgabe, die er bekommen hat. Nun, er war herausstechend, wenn es um die Dreißig Helden geht, aber auch da wird betont: An diese Heldenhaftigkeit von Adino, Eleazar und Schama reichte auch er nicht heran. Und trotzdem wird später der General und der Salomo über die ganze israelische Armee.
Ja, dann schlage ich vor, wir machen jetzt eine Viertelstunde Pause und fahren nachher weiter mit der Aufzählung der Helden in Vers 24.

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