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Christliche Ethik - Teil 4/6

Christliche Ethik, Teil 4/6
18.02.2006
SERIE - Teil 4 / 6Christliche Ethik

Umsetzung des fünften Gebots in schwierigen Familienverhältnissen

Wir haben bereits über das fünfte Gebot gesprochen: Vater und Mutter ehren. Es erscheint mir sehr wichtig, dieses Gebot auch in die Tat umzusetzen und den Menschen dabei zu helfen.

Es gibt immer wieder gläubige Menschen, deren Vater und Mutter dem Glauben ablehnend gegenüberstehen oder im Okkultismus verwickelt sind. Trotzdem bleibt das Gebot "Vater und Mutter ehren" gültig, auch wenn die Eltern gegen den Glauben sind oder im Okkultismus leben.

Besonders schwierig ist dabei die Stufe, in der das Kind erwachsen wird. Ein Kleinkind lernt Gehorsam, das erwachsene Kind hingegen lernt, Vater und Mutter zu ehren. Es kann vielleicht nicht mehr gehorchen, also nicht mehr einfach tun, was die Eltern sagen, aber es ehrt sie und stellt sie nicht auf die Seite.

Wenn die Eltern alt werden, verändert sich die Rolle der Kinder. Dann sind wir als Kinder da, um unseren Eltern aus Ehre zu zeigen, dass wir sie unterstützen. Wir helfen ihnen, bis der Tod sie oder besser gesagt der Herr sie von uns nimmt.

Ich halte es für sehr wichtig, dass wir diese Zusammenhänge genau erkennen und den Menschen auch seelsorgerlich so helfen. Die Familie muss einfach diesen Platz haben, und die verschiedenen Generationen brauchen einander.

Heute wird es natürlich immer schwieriger, da durch die Arbeitsstellen die Familien auseinandergerissen werden. In manchen Ländern leben Kinder und Eltern geografisch weit voneinander entfernt. Trotzdem müssen wir wissen, dass es ein großes Zeugnis ist, wenn wir in dieser Richtung – Vater und Mutter ehren – leben.

Gott hat zu diesem Gebot auch einen Segen gesprochen: Wer Vater und Mutter ehrt, wird in diesem Land bleiben und Leben haben in diesem Land.

Die Bedeutung von Versöhnung und Fürsorge in der Familie

Es ist sehr interessant, wenn wir zu diesem Gebot zurückkehren. Zum Beispiel habe ich verschiedene Leute gesehen, die sich als Erwachsene bekehrt haben und dann eine neue Beziehung zu ihren alten Eltern begonnen haben. Dabei sind die Eltern oft ebenfalls zum Glauben gekommen. Sie haben erkannt: Wir haben andere Kinder, wir können ruhig alt und gebrechlich werden. Unsere Kinder sind jetzt da und haben versprochen, dass sie alles unternehmen, was schwierig wird.

Da eröffnet sich eine große Möglichkeit, in der Familie als Zeuge durchs Leben die Generationen zu erreichen. Wir hatten die Freude – ich persönlich hatte diese Freude –, dass mein Vater, als er 60 Jahre alt war, also in meinem Alter, in einem Familientreffen gefragt hat... Das macht mich ganz komisch, das gibt es doch nicht! Ich bin der Jüngste von vier Kindern. Durch die Gnade Gottes sind alle vier bekehrt, und mein Bruder ist auch Missionar.

Mein Vater sagte: „Wenn ich jetzt alt werde, dann bitte ich, dass Daniel mein Hirte ist für die menschlichen Jahre, bis der Herr mich wegruft.“ Das war für mich im Moment ein Schock. Da dachte ich: Mensch, jetzt muss ich aufwachen! Wenn du einen Vater hast, der Gott gebraucht hat, um dreißig Gemeinden zu gründen, und plötzlich als Junger für ihn da sein sollst.

Später, als der Herr meine Mutter zu sich in den Himmel genommen hat und der Vater allein war, da war er plötzlich in einer schwierigen Situation. Er war wirklich unter Beschuss vom Feind, hatte eine Depression, eine Altersdepression, und war allein. So weit kam er im Zweifel, dass er nicht mehr glaubte, gerettet zu sein. Er kam zu mir und sagte: „Alle werden gerettet, aber ich nicht. Ich war nie ehrlich vor dem Herrn“, hat er mir gesagt.

Ich weiß, wie mein Vater gelebt hat. Da haben wir ihn zu uns nach Hause genommen. Er war dann acht Monate lang bei uns. Es war wirklich ein Tal, „La Vallée de l’ombre de la mort“, Psalm 23. Acht Monate lang. Und an einem Morgen griff Gott wieder ein in diesen langen, schweren Weg.

Plötzlich war er wieder um fünf Uhr morgens auf, sonst war er erst um neun Uhr wach. Ich musste ihm sagen: „Papa, jetzt stehen wir auf!“ Ich wusste, jetzt bin ich verantwortlich. Da musste ich ihn disziplinieren und sagen: „Nein, nein, jetzt, ja, hopp, aus dem Bett!“ Es war schwierig, mit dem Vater so umzugehen.

Dann plötzlich ist er eines Morgens aufgestanden, ist in die Kirche gekommen. Da fragte ich: „Uh, was ist jetzt passiert?“ Er sagte: „Ich kann nicht da bleiben, ich muss in ein Altersheim ziehen, wo nur Unbekehrte sind. Ich muss evangelisieren.“ Uh! Da habe ich gesagt: „Papa, sofort, okay, alles klar.“ Und dann war er noch zwölf Jahre in einem Altersheim. Er wollte nicht unter Gläubigen sein.

Im Altersheim hatte er jeden Morgen von neun bis zehn Uhr eine Gebetsstunde. Wie ein alter guter Missionar zog er am Nachmittag seine Schale an, mit Krawatte und steifem, weißem Kragen. Er ging zu den anderen Zimmern und sprach von Jesus. Die Menschen bekehrten sich. Er hatte jeden Morgen Gebetsstunde in seinem Zimmer, zu der er auch Rollstuhlfahrer holte.

Mit 91 Jahren hat ihn der Herr zu sich genommen. Aber dieser Angriff des Feindes war unerhört. Ich habe meinen Vater in dieser Zeit kaum wiedererkannt. Ein ganz anderer Typ. Ich kannte ihn nur so, wie er in der Gemeinde bekannt war.

Als ich damals gegen Gott war, hörte ich meinen Vater immer um fünf Uhr morgens im Zimmer nebenan im Büro beten. Da wusste ich, dass er wieder dran ist. In der Gemeinde sagte man immer: „Wenn du auf der Gebetsliste vom Jakob bist, dann bist du fertig. Da kommst du in die Pfanne.“ Früher war ich der Stein. Mir ging es so, ich kam in die Pfanne.

Aber eben: Von Generation zu Generation glaube ich, dass Gott uns helfen kann, das so weiterzuleben. Vater und Mutter zu ehren, ihnen zu helfen. Dann kann jede Generation der anderen mithelfen. Und alle, die ganz alt werden, können auch Ruhe haben über all das, was praktisch ist – Geld, Papiere usw.

Mein Vater braucht nichts mehr zu machen. Ich finde es so wichtig, dass man dann auf das Wichtigste in die Ruhe hineingehen kann. Das ist ein wunderbares Gebot: diese Hilfe zur Familie, Vater und Mutter zu ehren.

Die Welt, in der wir heute leben, braucht dieses Zeugnis. Wenn du Vater und Mutter ehrst, ist das ein ganz, ganz wichtiges Zeugnis in dieser Welt, in der wir stehen.

Weitergabe von Ehre als Vorbild für die nächste Generation

Okay, ich gehe zum Nächsten über. Ihr könnt selbst überlegen, natürlich in der Familie, wo ihr seid, wie ihr das am besten durchführen könnt.

Es bleibt immer noch – ich wiederhole das – das Prinzip, dass diejenigen, die jünger sind als wir, also die nachfolgende Generation, die Ehre lernen wird, indem sie sieht, wie wir die ältere Generation ehren.

Es ist immer das prinzipielle Modell, es ist immer das grundlegende Prinzip. Wenn deine Kinder also merken, wie du deine Eltern ehrst, dann verstehen sie, was Ehre bedeutet.

Wenn Kinder hingegen immer wieder hören, „Hoffentlich stirbt der Vater bald, damit wir das Geld bekommen“, dann darf man nicht erwarten, dass sie anders denken oder bald selbst anders handeln.

Das sechste Gebot: Schutz des Lebens und ethische Herausforderungen

Sechstes Gebot: Du sollst nicht töten.

Das Prinzip ist einfach: Das Leben meines Nächsten ist genauso wertvoll wie mein eigenes. Es ist ein Leben, das im Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Dieser Gedanke hilft uns sehr. Wenn du Menschen auf der Straße triffst – egal, ob sie schick gekleidet sind oder eher einfach, ob sie jung oder alt sind – du triffst immer auf ein Geschöpf Gottes. Ich habe noch nie ein Produkt der Evolution getroffen. Bis jetzt habe ich nur Geschöpfe Gottes getroffen.

Dieser Gedanke hilft mir oft im Umgang mit Menschen. Denn es sind alles wunderbare Geschöpfe, die Gott gemacht hat. Alle sind Menschen, in die Gott seine Weisheit hineingeben will. Er möchte, dass sie in Beziehung zu ihm kommen.

„Du sollst nicht töten“ geht genau in diese Richtung: Das Leben gehört nicht uns, und wir haben absolut kein Recht, über das Leben anderer zu verfügen. Natürlich gibt es verschiedene Bereiche, die viel Zeit und Diskussion erfordern, wie zum Beispiel das Waffentragen, den Militärdienst, die Euthanasie und den Schwangerschaftsabbruch.

Zur Euthanasie – auf Deutsch sagt man Euthanasie – gibt es viele schwierige Fragen. Auch die Schwangerschaftsunterbrechung, besser gesagt der Schwangerschaftsabbruch, ist ein sehr sensibles Thema. Das Wort „Unterbrechung“ ist eigentlich falsch, denn normalerweise bedeutet Unterbrechen, dass man später wieder weitermachen kann. Aber beim Schwangerschaftsabbruch wird das Leben abgebrochen.

In Situationen, die sehr schwierig sind, zum Beispiel bei jungen Mädchen, die mit 14 Jahren vergewaltigt wurden und schwanger sind, ist es nicht einfach, eine fertige Lösung zu finden. Doch ich glaube, alle diese schweren Situationen und Fälle, die mit dem Gebot zusammenhängen, müssen wir immer genau betrachten. Wir müssen uns fragen: Wie können wir in solchen Situationen einerseits als Gesellschaft standhalten und andererseits dem Gebot treu bleiben?

Ich bekomme immer wieder E-Mails von der Assemblée Nationale – das ist das französische Parlament –, weil ich dort wegen ethischer Fragen angefragt wurde. Dabei muss ich immer wieder sagen: Die Bibel sagt das und das. Aber man könnte sagen: Was nützt das? Der Lauf der Dinge scheint gegen uns zu sein. Trotzdem müssen wir sagen, was die Bibel lehrt. Ich glaube, das ist unsere Rolle: Wir müssen in der Gesellschaft diejenigen sein, die klar sagen, was die Bibel sagt.

Manchmal ist es interessant: Bei einem Treffen im Parlament hat ein Senator meinen Text gelesen. Er sagte mir zurück, dass ihm das wertvoller war als eine Demonstration mit Tausenden Menschen auf der Straße. Es ist wichtig, dass klar gesagt wird, wofür wir stehen.

Wir müssen Stellung beziehen, aber dabei dürfen wir nicht in eine Illusion verfallen. Wir sind keine Pessimisten, aber wir wissen, was die Bibel über die Endzeit sagt. Wir wissen, dass auch wenn wir bremsen können, wir nicht anhalten können. Doch das soll uns nicht in eine Haltung treiben, in der wir denken: „Es geht jetzt einfach bergab, lass fahren.“ Nein, wir sind noch an der Bremse.

Wir sollten Stellung beziehen und dann auch überlegen, wie wir den Menschen helfen können. Ursula hat kürzlich wieder erlebt, wie sie in einer Spezialklinik für Sterbehilfe und Sterbebegleitung tätig war. Dort kam einen Tag vor dem Sterben eine Frau zum Glauben. Diese Frau wollte, dass das Leben beendet wird. Das zeigt die ganze Spannung: Einerseits haben wir die Möglichkeit, Menschen länger leben zu lassen, als sie es normalerweise tun würden. Andererseits wollen manche Menschen das Leben beenden.

Das ist ziemlich schwierig, weil wir von den Geboten Gottes abgekommen sind. Dadurch wissen wir nicht mehr genau, was Leben ist und was Tod bedeutet. Am Anfang des Lebens wird es oft abgeschnitten, und am Ende wissen wir nicht, wie lange wir warten sollen. Wir sind aus den natürlichen Phasen herausgefallen, weil wir nicht mehr wissen, was Leben und Tod wirklich sind.

Doch wenn wir solchen Menschen begegnen, haben wir eine Mission – wie wir gerade gesungen haben. Wir wissen, wo das Licht ist, wir wissen, wo das Wasser ist, wir kennen es. In solchen Momenten ist es wichtig, die Menschen bis zum Ende zu begleiten und ihnen die Botschaft des Evangeliums zu bringen.

Krieg, Waffen und die biblische Haltung

Eine der schwierigsten Fragen ist sicherlich die nach Krieg und dem Tragen von Waffen. Dabei gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen. Wichtig ist, dass wir unsere eigene Meinung nicht stur für alle durchsetzen. Wir sollten bereit sein, auch anzuerkennen, dass die Bibel verschiedene Aspekte dazu sagt.

So spricht die Bibel von Unterordnung unter Autorität, aber auch davon, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Sie zeigt, dass Krieg existiert, und bringt viele weitere Sichtweisen zum Ausdruck. Genau darin liegen, glaube ich, unsere Schwierigkeiten.

Es fällt uns schwer, darüber nachzudenken, besonders wenn wir nicht direkt im Krieg sind. Mein Vater war während des Krieges zunächst auf U-Booten und später bei den Erdwaffen, also bei der Infanterie. Interessanterweise hat er immer zum Herrn gebetet, dass er keine Waffe benutzen müsse.

Dann sagte ihm sein Kapitän plötzlich: „Hermann, jetzt gehst du zu den Sterbenden, lass deine Waffe, du hast Besseres zu bringen.“ So war er stets an der Front und brachte das Evangelium zu denen, die im Sterben lagen.

Vom Krieg brachte er seinen Helm mit nach Hause, der ein Loch hatte, ohne dass er verletzt wurde. Das war nur ein Nebenschuss. Das kann nur der Herr bewirken. Andere sind im Krieg gestorben.

Wir haben keinen fertigen Schlüssel für solche Fragen. Wir müssen offen bleiben und akzeptieren, dass der Weg nicht immer so verläuft, wie wir es uns vorstellen. Es gibt Bücher zu diesem Thema. Ich weiß nicht, ob es deutsche gibt, aber bestimmt gibt es mehr deutsche als französische Bücher über Krieg, Todesstrafe und ähnliche Themen.

Das siebte Gebot: Treue in der Ehe als Zeugnis

Siebtes Gebot: Du sollst nicht Ehe brechen. Der Frau gehört ihr Mann, der Mann gehört seiner Frau, und beide gehören Gott. Ich glaube, wir müssen hier ganz klar standhaft bleiben. Leider gibt es immer mehr Menschen, sogar Gläubige, die sich scheiden lassen. Wir müssen uns bewusst sein, dass in verschiedenen Situationen der Feind alles tun wird, um die Familie zu zerstören.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig helfen, besonders in der Gemeinde, damit wir treu bleiben können. Dabei sollten wir das Eheleben nicht vergeistlichen. Was ich damit sagen will: Als Mann und Frau brauchen wir einander – im Gespräch, in der Beziehung, im Physischen, im Sexuellen und an vielen anderen Stellen. Wir sind füreinander verantwortlich und sollen uns gegenseitig unterstützen.

Ich glaube, das wird immer mehr ein Zeugnis, denn heutzutage gibt es viele Ehen, in denen jeder seine eigene Person bleiben will und seine eigenen Prioritäten bewahrt. Die Ehe ist aber eigentlich das Einswerden, bei dem man eine gemeinsame Zielsetzung hat. Auch wenn man nicht dieselben Aufgaben in dieser Zielsetzung übernimmt, teilt man doch dasselbe Ziel. Die Ehe ist etwas Wunderschönes, wenn man eine gemeinsame Zielsetzung hat.

Ich bin sehr dankbar, dass ich Ursula habe. Das ist großartig. Wir konnten schon vor den fünf Jahren unserer Verlobung, die wegen des Studiums so lange dauerten – was man sonst nicht machen muss –, ganz klar sagen, dass der Herr die Priorität haben soll. Das kann theoretisch sein, dass der Herr Priorität hat, aber man muss es im Leben immer wieder zueinander sagen: „Okay, Priorität vom Herrn heißt jetzt in dieser Lebensphase dies und das.“

Dann lohnt sich ein Leben, in dem man gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet. Arbeitet an eurer Liebe in der Ehe! Das ist ganz wichtig. Man darf nicht nur daran denken, das Gebot „Du sollst nicht Ehe brechen“ einzuhalten, sondern die Ehe so zu pflegen, dass man bis zum letzten Atemzug verliebt bleibt. Und ich glaube, das ist möglich. Die Liebe kann immer wachsen.

Das bedeutet nicht, dass es in der Ehe keine Krisen gibt. Die Ehe kann nur vorwärts gehen in der Liebe, wenn man sich gegenseitig unvergebenes anbietet und vergibt. Die nächste Generation kann nur wissen, was eine Ehe ist, wenn sie sieht, wie Ehen funktionieren. Sonst bleibt es ein Rätsel.

Ich finde es auch schön, dass Familien in der Gemeinde andere einladen können, zum Beispiel Jugendliche, die so miterleben können, was Familienleben und Ehe wirklich bedeuten. Das Problem, das wir heute in Frankreich haben – ich weiß nicht, wie es bei euch ist – ist, dass es unter Gläubigen immer wieder Extreme gibt.

Es gibt das eine Extrem, bei dem man alles tut, aber nur nicht zu Hause ist. Und das andere Extrem, bei dem man alles macht, um die Familie zu bewahren. Wenn man die Familie bewahren will, entstehen oft große Probleme. Denn wenn man sich nur auf die Familie konzentriert, führt das oft zu gegenseitigem Egoismus. Dann kann man nicht mehr für andere leben und es entstehen innere Kämpfe wegen Kleinigkeiten.

Das ist wie in einer Gemeinde, die sagt: „Wir müssen zuerst an der Heiligung arbeiten, bevor wir evangelisieren.“ Das ist an sich richtig. Aber dann hört man, wie der Feind zuschlägt: Intern wird alles aufgeräumt, jeder sagt dem anderen, was ihm nicht gefällt, und es entsteht ein großes Problem. Alle wollen heilig sein, aber zum Glück evangelisieren sie nicht.

Das ist ein Trend, der immer wieder in der Kirchengeschichte auftaucht. Die Geschichte ist wie ein Pendel, das von einem Extrem zum anderen schwingt. Im 19. Jahrhundert predigten Männer mit der Kraft des Heiligen Geistes, und Menschen bekehrten sich. Erst im 20. Jahrhundert merkte man, dass man den Heiligen Geist vergessen hatte.

Dann begann man, sich ganz auf den Heiligen Geist und die Gaben zu konzentrieren: „Welche Gabe hast du? Schreib sie auf!“ Heute erlebe ich, dass manche Gemeinden nur noch in ihren Gaben dienen. Das gefällt mir, aber ich habe keine Gabe – das wäre jetzt der Trend. Und dann findet man so wenige, die bereit sind, einfache Aufgaben wie das WC-Putzen zu übernehmen.

Im Neuen Testament sehen wir ganz klar, dass die Gaben im Dienen und im Dienermodell zur Geltung kommen. Dort, wo wir uns klein machen und anderen dienen, zeigen sich die Gaben. Ein ganzes Jahrhundert sprach man kaum von den Gaben, jetzt pendelt das wieder zurück, aber der Pendel ist schon wieder leicht im Rückgang.

So ist es auch mit der Familie. Es gab Zeiten, in denen der Einsatz für Evangelisation und die Welt im Vordergrund stand. Dann kam eine Zeit, in der der Schutz der Gemeinde wichtig war. Die Gemeinde soll wachsen und solide sein – beides ist wichtig. Jetzt geht es darum, wieder ein Gleichgewicht zu finden. Aber der Pendel schwingt weiter.

Gott verliert nie die Kontrolle. Das ist das Schöne. Seine Gemeinde wird da sein, wenn er zurückkommt. Er wird alles so balancieren, bis zum Ende.

Familie ist wichtig, und wir sollen in der Liebe leben. Wenn wir die Liebe ausleben wollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Jeder muss seine Beziehung zum Herrn pflegen. Du weißt als Mann, dass du nicht den Auftrag hast, deine Frau zu ändern. Hast du das schon bemerkt? Sie gehört Gott, nicht dir. Du hast keinen Auftrag, sie zu ändern.

Der einzige Auftrag, den du als Mann hast, ist, dass du dich in deiner Beziehung zu Gott änderst, damit es für deine Frau leichter wird, mit Jesus zu leben. Das ist etwas anderes. Manchmal ist das schwer zu verstehen, aber es ist wichtig.

Mir wurde das besonders klar, als Ursula schwer krank war und fast gestorben wäre. In dieser Zeit, als die Ärzte nichts mehr tun konnten, war ich auf den Knien und fragte den Herrn: „Ja, du nimmst sie weg, aber wie soll ich jetzt weitermachen?“ Da wurde mir zum ersten Mal richtig klar, dass sie mir absolut nicht gehört. Das war für mich eine große Erkenntnis.

Das Zweite, was mir klar wurde, war, dass ich jetzt da sein soll, damit sie mehr Leichtigkeit in ihrer Beziehung zu Gott hat. Mein Auftrag ist, dass sie es schön hat mit Gott. Das hat auch mein Leben verändert. Zusammen mit Ursula habe ich mein Programm so gestaltet, dass sie Zeit für sich und ihre Beziehung zu Gott hat. Damit sie Freude hat, mit Gott zu sein.

Wir tragen diese Verantwortung, wenn wir wollen, dass die Liebe echt ist und bleibt. Ob Mann oder Frau: Die Qualität der Liebe hängt von der Beziehung ab, die jeder Einzelne mit Gott hat. Das bestimmt die Qualität der Liebe.

Natürlich ist es schön, wenn du Blumen mitbringst, gute Patisserie kaufst oder ein neues Auto – das alles ist prima. Aber das ändert nichts an der Qualität der Liebe. Die Qualität liegt in der vertieften Beziehung zu Gott.

Das achte Gebot: Ehrlichkeit und praktische Hilfe für Bedürftige

Achtes Gebot: Du sollst nicht stehlen.

Das ist klar. Man könnte sagen: „Puh, das ist doch ganz eindeutig, was soll man da noch sagen?“ Es ist ja alles ganz klar.

Interessant wird es jedoch, wenn man in Epheser 4 nachliest. Epheser 4,28 sagt: „Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr. Stattdessen bemühe er sich vielmehr, mit seinen Händen etwas Gutes zu erarbeiten, damit er dem Dürftigen etwas zu geben habe.“

Hier haben wir das Gesetz aus dem Alten Testament, das ins Neue Testament übergeht. Wer gestohlen hat, soll nicht mehr stehlen, sondern selbst arbeiten, um anderen helfen zu können. Die Hand, die genommen hat, muss zuerst arbeiten und schwitzen. Diese Hand, die genommen hat, soll nun geben. Eine Hand, die gibt, kann nicht nehmen, so viel ist sicher.

Für uns war das wichtig, denn wir hatten als Team über 15 Jahre ein Haus mit 17 Betten, in dem wir Gestrandete aufgenommen haben – Männer und Frauen, auch Rauschgiftsüchtige. Diese Menschen lebten mit uns und brachten oft Dinge aus Supermärkten mit, ohne zu bezahlen. Sie nannten das nicht stehlen, sondern „organisieren“.

Wir mussten einen Weg finden, diesen Menschen zu helfen, die die Gewohnheit hatten zu stehlen. Da kam der Gedanke auf, denn wir wollten nicht, dass sie ihr Leben lang bei uns bleiben. Wir wollten ihnen helfen, zurück in die Gesellschaft zu finden und ein normales Leben zu führen. Zum Glück hatte ich praktische Brüder aus der Gemeinde, und so entstand die Idee, zwei Werkstätten einzurichten: eine Autoreparaturwerkstatt und eine Schreinerei.

In diesen Werkstätten konnten die Gestrandeten arbeiten. Für die Autos war das ideal, denn in der Mission hatten wir über dreißig Fahrzeuge für die Missionare. Ich kaufte einen Anhänger, um Autos darauf zu transportieren, und erwarb verunfallte Fahrzeuge aus Garagen sehr günstig. Die Gestrandeten zerlegten diese Autos, sortierten die Teile und nahmen nur die Modelle, die unsere Missionare fuhren. So konnten wir die Autos der Missionare mit Ersatzteilen reparieren, die uns nichts kosteten.

Die Gestrandeten arbeiteten mit, und diejenigen, die gestohlen hatten, lernten in der Schreinerei, einen einfachen Tisch, ein Bett und einen Stuhl oder Hocker zu bauen – das Minimum, das sie brauchten, wenn sie in eine eigene Wohnung zogen. Aber sie mussten immer zwei Stücke anfertigen, denn das zweite sollten sie an jemanden geben, der arm war.

Diese Idee stammt direkt aus dem Vers in Epheser 4. Sie mussten erleben, wie viel Freude es bereitet, jemanden zu sehen, der erstaunt ist über das Geschenk, es mit Mühe annimmt und sagt: „Ja, das ist ja wunderbar, herzlichen Dank.“ So merkten sie, dass Hände, die geben, die selbst gearbeitet haben, frei werden vom Stehlen.

Natürlich müssen sie zuerst erkennen, dass Stehlen Sünde ist, und den Willen haben, nicht mehr zu stehlen. Um ihnen zu helfen, gibt die Schrift diese Anleitung: Nicht stehlen, sondern mit der Hand arbeiten, schwitzen, Mühe haben und anderen geben. Das steht so auch in Epheser 4.

Dieses Prinzip gilt auch für verschiedene praktische und ethische Dinge. Zum Beispiel heißt es dort auch, dass der, der viel redet – wie ich zum Beispiel – nicht nur Unsinn reden soll. Das sehe ich so frei übersetzt. Er soll reden, um andere zu erbauen.

Kennst du diesen Reflex, wenn du leicht reden kannst und später denkst: „Mensch, hätte ich geschwiegen, wäre ich klug gewesen“? Dann ist der gute Reflex, sich zu sagen: „Jetzt muss ich lernen, still zu sein.“ Aber das geht nicht so einfach. Es geht nicht darum, still zu sein, sondern das Prinzip im Neuen Testament lautet: Wenn du reden kannst, dann lerne, andere zu erbauen und positiv zu sprechen.

Wenn jemand lügt – das steht im selben Kapitel – soll er lernen, die Wahrheit zu sagen. Beim Lügen ist es ähnlich. Wenn jemand lügt, denkt er oft, er müsse schweigen. Doch nun soll er lernen, die Wahrheit zu sagen. So wird die Wahrheit zur Gewohnheit beim Reden.

Also: Du sollst nicht stehlen. Es gibt verschiedene Arten von Stehlen. Für uns Gläubige, zumindest in meinem Leben, ist die schlimmste Form, die Ehre Gottes zu stehlen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich musste manchmal Buße vor dem Herrn tun, weil ich dachte, ich hätte etwas zur Ehre Gottes getan. Wenn dann jemand meine Arbeit kritisierte, merkte ich: „Mann, da hast du eher für deine eigene Ehre gearbeitet, nicht für Gottes Ehre.“

Die Schrift sagt, Gott wird seine Ehre nie teilen – nie. Entweder lebe ich für seine Ehre oder für meine eigene, aber es gibt keine Prozentrechnung bei ihm. Deshalb musste ich manchmal im Dienst Buße tun und zu ihm sagen: „Herr, vergib mir, ich habe versucht, nicht nur dein Wort zu vermitteln, sondern auch, dass die Leute denken, ich sei gut darin.“ So habe ich dem Herrn die Ehre gestohlen.

Man kann aber auch auf andere Weise stehlen, wo wir aufpassen müssen. Man kann Menschen Zeit stehlen, man kann die Glaubwürdigkeit anderer stehlen, indem man Dinge erzählt oder verschweigt, die ihre Glaubwürdigkeit zerstören. Es gibt viele Arten zu stehlen, nicht nur materiell.

Das neunte Gebot: Wahrhaftigkeit und Umgang mit Neid in der Gemeinde

Neuntes Testament

Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Das bleibt gewiss eines der Spannungsfelder, die wir in unseren Gemeinden kennen.

Kennt ihr Roy Hessien? Nicht unbedingt, denn er ist schon beim Heiland oben. Roy Hessien war ein Engländer, der Bücher geschrieben hat, unter anderem eines über Le chemin du Calvaire, den Weg des... Ich weiß nicht genau, wie es auf Deutsch heißt, aber das ist eigentlich egal.

Als ich ganz am Anfang meines Dienstes war, haben mich zwei Brüder besonders geprägt. Mein Vater hatte mir gesagt: „Danny, du musst ältere Brüder haben, bei denen du dein Leben kontrollierst und denen du Rechenschaft ablegen musst.“ Also habe ich Brüder aus verschiedenen Denominationen gefragt, also nicht aus derselben Gemeinde oder Mission. Dabei waren Ralf Schallis, Roy Hessien und Nicola Gessely. Das waren die Brüder, denen ich immer Rechenschaft abgeben musste.

Ich war sehr dankbar, dass Roy Hessien mir einmal sagte: „Pass auf, in der Gemeinde, wo falsches Zeugnis herumgeht, ist das oft eine Sache vom Neid.“ Und weil Neid so schnell in der Gemeinde entsteht, musst du aufpassen, dass du dich nie diesem Neid näherst, sondern immer in der Vergebung arbeitest.

Das hat mir wirklich geholfen. Es ist eine Tendenz im Menschen, dass wir, wenn wir merken, dass es anderen besser geht, leichter läuft oder sie mehr Gaben haben, ganz schnell in unseren Reaktionen versuchen, mit verschiedenen negativen Bemerkungen zu zeigen, dass dieser Bruder oder diese Schwester nicht so super ist, wie man meint.

Das kann sich dann so anpassen, dass man die Person herabsetzt. Da müssen wir alle aufpassen. Ich glaube, wir sollten alle positiv sein.

Das zehnte Gebot: Zufriedenheit und nachbarschaftliche Beziehungen

Zehntes Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel, BMW, Mercedes – nein, Holz, Polo habe ich übersprungen, was dein Nächster hat, steht ja. Zufriedenheit – das erinnert uns an 1. Timotheus 6, wo steht, dass die Wurzel von allem Übel die Unzufriedenheit ist.

Da, glaube ich, haben wir alle zu arbeiten, nicht als Erste, sondern damit diese Zufriedenheit bleibt. Wir sollen uns nicht mitreißen lassen in dieser Welt, in der wir leben. Du hast bestimmt auch diese Spannung im Berufsleben erlebt. Ich habe es nur gemerkt, als ich zwei, drei Mal kurz wieder etwas gearbeitet habe. Dabei habe ich erlebt, wie es komisch wird, wenn du zufrieden bist mit deinem Lohn.

Du hast gemerkt, wenn der Kollege sagt: „Ich finde, ich bin gut bezahlt.“ Uff, ist ja normal, oder? Was ist ihm passiert? Das ist ja gut bezahlt. „Ja, hast du mehr als ich?“ – „Nein, aber ich finde es gut.“

Okay, ich glaube, Zufriedenheit ist etwas, das nicht da ist und nicht zur Natur gehört. Ich glaube, wir können den Menschen helfen, auch im Zufriedensein. Das, was der andere hat, nicht zu begehren. Ich finde das so schön: Es gibt auch gute Ideen, über die man nachdenken kann.

Wie kann ich meinem Nächsten, also zum Beispiel dem Nachbarn, helfen, damit meine Beziehung so ist, dass es ihm wohl ist und kein Neid aufkommt für etwas, was ich habe? Wie kann ich das mit ihm zusammen machen?

Vielleicht ein Beispiel: Als wir vor acht Jahren in unser Dorf im Burgund gezogen sind, wurde ein Haus gefunden und wir sind eingezogen. Dann bin ich zum Bürgermeister gegangen, um mich einzuschreiben. Da hat der Bürgermeister mich auf die Seite genommen und gesagt: „Ich muss Ihnen nur sagen, zum Schutz, der Nachbar neben Ihnen hat schon etliche Male gestohlen. Nur dass Sie aufpassen.“

Okay. Dann waren wir ein paar Wochen da, und ich bin zum Nachbarn gegangen. Als wir ein Wochenende weg waren, das Haus verlassen hatten, bin ich zum Nachbarn gegangen und habe gesagt: „Wir kennen uns schlecht, und ich hätte gerne, dass du mal siehst, wie es bei mir ist. Willst du mal kommen?“ „Ja, ich komme doch auf einen Kaffee oder ein Aperitif.“ „Ich habe schon, wir können zusammen etwas trinken, komm zu mir.“

Dann kam das Wochenende. Ich habe ihm gesagt: „Ich gehe weg, meine Frau auch. Kann ich dir die Schlüssel vom Haus lassen? Vielleicht, falls etwas ist, Brand oder so, kannst du reinschauen. Ich wäre dir dankbar.“ Bis heute hat er noch nichts gestohlen. Er hat den Schlüssel – was will er stehlen? Er kann es ja selber holen.

Es gibt immer zwei Möglichkeiten: die Doppelwand bauen, und dann nimmt er eine doppelte Waffe – bum, da geht es durch. Oder dann den Schlüssel geben.

Jetzt wissen die Nachbarn auf beiden Seiten genau, was in meiner Garage für Maschinen sind: Bohrmaschinen, Sägemaschinen und jeder Platz, wo etwas steht, ist beschriftet, welche Maschinen dort sind. Ich habe ihnen alles gezeigt: „Wenn du eine Maschine brauchst, komm und hol sie. Bring sie aber wieder zurück. Wenn sie kaputt ist, sag mir Bescheid, dass ich sie reparieren kann. Ich bin froh, wenn sie gebraucht werden, die Maschinen. Komm nur und bedient euch.“

Die Beziehungen sind eigentlich gut, und die Maschinen sind noch ganz. Also ich glaube, es liegt auch viel an uns, wie wir umgehen, damit andere Menschen neben uns nicht mit Neid zu tun haben, sondern merken, dass eine Beziehung da ist, wo das Herz offen ist.

Meine Frau ist Französin, und der Lehrer hat immer gesagt, weil sie immer ein bisschen verliert, und wenn sie nicht da ist, dass sie nicht draußen bleibt. Ich hatte wirklich damals, bevor sie kam, selbst Misstrauen gegenüber anderen Menschen.

Jetzt mit der Zeit kam es so, dass meine Kinder mal nach Hause kamen und keinen Schlüssel hatten. Jetzt haben wir auch ihnen den Schlüssel gegeben. Aber ohne Vertrauen hätte ich das nie gemacht. Wir haben den Anfang gemacht.

Genau, schön, es ist richtig schön. Jeder ist anders, aber ich glaube, wir können lernen, wie wir den Menschen helfen können, dass in der Beziehung zu ihnen nicht unnötige Spannungen entstehen. Man braucht es nicht so zu machen, alles klar. Aber das Begehren dessen, was der andere hat, ist oft das, was kommt, bevor man zum Stehlen kommt.

Also wenn man weiß, dass etwas so da ist, kann man vielleicht auch entgegenkommen und einen Weg bahnen, sodass der andere lernt, auch anders zu sein.

Ihr wisst ja, das brauche ich wahrscheinlich nicht lange zu sagen, wie viel Geduld es braucht, im Ort, wo man wohnt, das Zeugnis von Christus durchgehen zu lassen und weiterzugeben.

Ich finde das immer spannend: an einem Ort, wo man hinkommt und niemand einen kennt, braucht man eine ganze Zeit, um zu wissen, was für ein Mensch man ist und auch die Zeit, um im Zeugnis weiterzukommen.

Habt ihr Fragen zu den Zehn Geboten im Moment?

Ja, okay. Wenn man reinkommt und dann heißt die Situation auch „Zustand“, können Sie da irgendwelche Hinweise geben? Das ist gar nicht einfach. Habt ihr hinten ein wenig gehört? Gar nicht.

Die Frage ist, wegen des Gebots, die Eltern zu ehren: Es wird gefragt, wenn die Eltern jetzt nicht gläubig sind und auf verschiedenen Gebieten andere Gedanken haben und sie weit weg sind – wenn man dann hin und wieder nach Hause kommt, man kann schon Briefe schreiben und so, ja, aber wenn man hin und wieder nach Hause kommt und den Eltern begegnet, wie das Leben dort ist, wie man das Spannungsfeld nicht zu groß werden lässt, wenn man vor Ort ist – das ist ein wenig die Frage, oder?

Ich glaube, was wir lernen in der Beziehung mit Leuten, die nicht so denken wie wir, und vor allem in der Familie, ist, dass wir auf verschiedenen Themen immer bereit sind, zu verlieren oder so zu sein, als Verlierer angesehen zu werden.

Das heißt nicht, dass wir verlieren, denn manchmal muss man einfach abwinken, indem man nicht weitergeht in einer Diskussion oder sagt: „Ich kann das nicht so sehen.“ Und dann wechselt man das Thema.

Denn ich glaube, oft ist das Zusammenkommen sehr schwierig, wenn man mit einem Gedankengang, den man hat, und den die anderen haben, diesen Gedanken bis zum Ende führen will. Das ist oft sehr, sehr schwierig.

Ich habe es gemerkt im Familienkreis, breiter, nicht mit meinen Eltern, aber mit meinen Cousins und Cousinen. Da haben wir einige, die am Anfang total gegengläubig waren. Und die haben mit Recht immer gedacht: „Der Daniel, der ist total Spinner.“

Ja, okay. Und ich wusste genau, dass sie diese Haltung zu mir haben. Da wusste ich, das sind jetzt die von der Familie, wo ich nicht in ihrer positiven Sphäre drin bin. Ich bin da in einer negativen Sphäre.

Also wusste ich, es ist nicht meine Rolle, da bei diesen Leuten etwas zu ändern, denn sie haben sich schon so entschieden. Also wusste ich, wenn wir uns bei Familientreffen sehen, war ich einfach menschlich freundlich zu ihnen. Nie vom Geist gesprochen.

Zum Glück hat der Herr, der ja keine Kontrolle verliert, dann in dieser Sphäre bei anderen von der Familie, die gläubig sind, diese Cousins gefunden. Die sind super, die sind nicht wie Daniel so ein Spinner, die sind supergläubig.

Als ich das wusste, hat es mir viel Freude gemacht. Ich habe gedacht: Für die, die gläubig sind, bete ich, dass sie Freude haben, die anderen zum Glauben zu führen. Und das geschah so, das ist ja wunderbar. Die sind zum Glauben gekommen.

Jetzt finden sie, dass ich doch fast normal bin – also fast, ja, fast. Aber ich habe viel Freude daran.

Denn wenn wir verstehen, dass da, wo unsere Überzeugungen gut durchgehen, es bei den Leuten ist, wo schon eine positive Sphäre da ist für uns, wo wir dazugehören, zu den Leuten, die uns mögen – so sagt man auf Deutsch „mögen“.

Das müssen wir begreifen, auch bei den Arbeitskollegen, auch bei den Nachbarn, auch da, wo wir sind. Versuch nicht, da weiterzugehen, wo du genau merkst, diese Leute haben eine gewisse Allergie gegen dich. Bleib freundlich, bleib einfach freundlich.

Aber du musst wissen, da ist nicht unbedingt der Dienst, den du bringen kannst. Du kannst freundlicher sein und mit deiner Überzeugung weiterleben.

So auch in der Familie, glaube ich, ist es wichtig zu sehen, wer die sind, wenn ich sie treffe, wie weit ich gehen kann, weil sie mich schon als Mensch positiv ansehen und bereit sind, mit mir zu reden.

Und bei den anderen nicht sich beklagen, dass es nicht durchgeht. Es ist etwas ganz Menschliches, Normales, finde ich.

Ich habe Leute im Dorf, die haben fünf Jahre gebraucht, bis sie mir „Bonjour“ gesagt haben. Da bin ich bei jedem immer, wenn ich durchfahre, alle sechs Lampen an, „Salü“, ja, okay. Da bin ich noch nicht in der positiven Sphäre, auch wenn... Da muss ich noch ein bisschen warten.

Dann braucht es bei manchen Zeit, bei manchen kommt es nie, und bei manchen geht es schnell. Und du hast mehr Kontakt, kommst ins Gespräch und kannst weiterkommen.

Ich glaube, dieses Fingerspitzengefühl brauchen wir auch in der Familie.

Ich glaube, es gibt auch viele Situationen in Familien, die ich gesehen habe, wo es gut ist, wenn man für die Eltern betet, dass der Herr andere Leute gebraucht, um sie zu überzeugen.

„Bitte Herr, schenk du anderen Leuten, die sie überzeugen können.“

Wo man merkt, ich habe es versucht, es hat geklemmt, ich will auf gutem Fuß sein mit ihnen, kein Krieg, okay. Und dann gibt es auch andere Situationen, wie du gesagt hast in der Pause: Dein Name wird nicht mehr genannt.

Da erhört der Herr die Gebete so, dass plötzlich die Eltern in schwere Krankheiten kommen und sich dann plötzlich öffnet der Weg zum Geistlichen Gespräch.

Das geht auch so Wege. Wir wissen es nicht immer.

Das hat meine Schwiegermutter gesagt, als sie ihren Mann verloren hat, als er gestorben ist, gläubig. Aber da war ein Krieg in der Familie zwischen dem Mann und seinem Sohn.

Der Krieg kam erst zum Frieden und zur Vergebung, als der Mann auf dem Sterbebett im Krankenhaus lag.

Danach kam die Schwiegermutter zu mir und sagte: „Du, ich habe immer gebetet, dass es Frieden gibt zwischen meinem Mann und dem großen Sohn. Aber wenn ich gewusst hätte, was es mich kostet, diese Erhörung – meinen Mann zu verlieren.“

Aber sie wurde erhört.

Und das ist nicht immer das, was wir erwarten. Wir würden lieber, dass alles so gut klappt und dass man schön erleben kann, wie alles in Frieden geht. Das wäre super, aber es ist nicht immer so der Plan.

Andere Frage?

Geistliche Herausforderungen im Umgang mit den Geboten

Der nächste Punkt bei mir ist, dass die Werke Satans den Zehn Geboten entgegenstehen. Das ist ja klar, und ich glaube, da sind wir uns alle einig, oder?

Ich merke gerade, dass ich eine Pause verpasst habe. Stimmt das? Das ist schlimmer als Fegfeuer, oder?

Dann machen wir jetzt eine Pause, das lassen wir nicht ausfallen. Wahrscheinlich war das die Stimme meines Magens.