Einführung in das Thema Sabbat und Konflikte mit den Pharisäern
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 156
Jesus verteidigt Ehrenpflücker
Das Thema Jesus und der Sabbat hatten wir eigentlich schon behandelt. Dennoch bietet es sich in unserer chronologischen Reise durch das Leben und die Lehre Jesu an, an dieser Stelle zwei weitere Konflikte zu besprechen, die uns die Evangelien zum Thema Sabbatheiligung überliefert haben.
Hören wir uns den ersten Text an: Matthäus Kapitel 12, Verse 1 bis 8.
Und zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Saaten. Es hungerte aber seine Jünger, und sie fingen an, Ähren abzupflücken und zu essen. Als aber die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu ihm: „Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat nicht erlaubt ist.“
Er aber sprach zu ihnen: „Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er und die bei ihm waren, hungerten? Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die er nicht essen durfte, noch die bei ihm waren, sondern allein die Priester?
Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen und doch schuldlos sind? Ich sage euch aber: Größer als der Tempel ist hier.
Wenn ihr aber erkannt hättet, was das heißt: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer‘, so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben. Denn der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbats.“
Die Kontroverse um das Ehrenpflücken am Sabbat
Ich denke, dieser Abschnitt gehört nicht zu den schwersten Texten des Neuen Testaments. Jesus ist am Sabbat unterwegs, seine Jünger haben Hunger. Sie pflücken Ähren und essen sie. Wo liegt das Problem?
Das Problem liegt auf der Seite der Pharisäer. Für sie war klar, dass man am Sabbat ruhen sollte. Ruhe bedeutete, nicht zu arbeiten. Um sicherzustellen, dass jeder wusste, was gemeint war, hatten sie die Arbeiten definiert, die nicht erlaubt waren. Das Abpflücken und, wie Lukas ergänzt, das Zerreiben von Ähren, um an die Körner zu kommen, war definitiv eine verbotene Arbeit. Verboten, weil es sich in den Augen der Pharisäer um einen Erntevorgang handelte.
Deshalb die schroffe Zurechtweisung: „Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat nicht erlaubt ist.“
Zwei kleine Bemerkungen vorweg: Erstens hält sich Jesus beim Ährenpflücken zurück. Man kann davon ausgehen, dass auch er Hunger hatte, aber er ist niemand, der seine Kritiker bei jeder Gelegenheit provoziert. Es gibt solche Momente, wie wir bereits ausführlich bei der Heilung eines Gelähmten am Teich Bethesda gesehen haben. Aber hier sind es die Jünger, die den Zorn der Jesuskritiker auf sich ziehen.
Zweitens: Die Jünger haben Hunger, doch die Pharisäer kommen nicht auf den Gedanken, ihnen am Sabbat – eigentlich der Tag, an dem man gut essen soll – etwas zu geben. Es ist manchmal erstaunlich, wie leicht religiöse Menschen kritisieren, aber gleichzeitig nicht bereit sind, wirklich zu helfen.
Jesu Antwort: Barmherzigkeit über Gesetzestreue
Aber kommen wir zu der Antwort, die sie von Jesus erhalten.
Matthäus 12,3-4: „Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er und die bei ihm waren hungerten? Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die er nicht essen durfte, noch die bei ihm waren, sondern allein die Priester?“
Eine spannende Frage. In 1. Samuel 21 lesen wir davon, wie David mit seinen Anhängern auf der Flucht vor Saul in Nob auf den Priester Ahimelech trifft und sich von ihm fünf Brote erbittet. Der Priester hat nur noch heiliges Brot zur Hand, also Brot, das als Schaubrot in der Stiftshütte ausgestellt worden war. Diese Art von Brot durften eigentlich nur die Priester essen. Trotzdem gibt Ahimelech David diese Schaubrote.
Warum bringt der Herr Jesus diese Geschichte aus dem Alten Testament? Was will er damit zeigen?
Er bringt ein Beispiel für ein generelles Konzept, das er ihnen schon an anderer Stelle vorgestellt hatte. Matthäus 12,7: „Wenn ihr aber erkannt hättet, was das heißt: Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer, so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben.“
Wir haben dieses Zitat aus Hosea 6 bereits in Episode 135 behandelt, und ich muss jetzt nicht noch einmal darauf eingehen. Es reicht, wenn wir das Prinzip verstehen: Gott ist mehr an meinem liebevollen Umgang mit Menschen gelegen als an der Erfüllung religiöser Pflichten.
Ahimelech ist es wichtiger, die Not Davids zu lindern, als das Gebot zu erfüllen, das besagt, dass nur die Priester von den Schaubroten essen dürfen. Auch bei den Geboten gibt es eine Hierarchie, und Barmherzigkeit ist so etwas wie eine Trumpfkarte, die fast alles sticht.
Genau das haben die Pharisäer nicht verstanden. Für sie ist das strikte Einhalten von Regeln das Höchste. Wie es den Menschen geht, denen sie mit ihren oft selbst ausgedachten Regeln schaden, interessiert sie nicht. Sie wollen verurteilen, darauf kommt es ihnen an. Dafür sind sie dann auch bereit, Schuldlose zu verurteilen.
In den Augen des Herrn Jesus haben die Jünger also nichts falsch gemacht.
Weitere biblische Perspektiven auf den Sabbat
Oder lesen wir dasselbe Ereignis bei Markus, Kapitel 2, die Verse 25 bis 27. Dort spricht er zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel hatte und als ihn und die, die bei ihm waren, hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging, zur Zeit Abjatas, des Hohenpriesters, und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf? Und auch denen gab, die bei ihm waren?
Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden, nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Wenn man das Sabbatgebot richtig versteht, dann haben wir es mit einem Gebot zu tun, das Gott einführte, um einerseits natürlich auf den Messias hinzuweisen, auf der anderen Seite aber schlicht und einfach einen Tag der Ruhe zu schaffen. Ein Tag der Ruhe in der Woche für alle.
In 5. Mose 5,13-14 heißt es: Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun. Aber der siebte Tag ist Sabbat für den Herrn, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore wohnt, damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du.
Merkt ihr, es ist wirklich nicht schwer zu sehen: Der Sabbat war für den Menschen und nicht umgekehrt. Wenn ich also am Sabbat hungrigen Jüngern verbiete, dass sie ein paar Körner essen, statt ihnen selbst etwas anzubieten, was mache ich dann? Dann handle ich gegen den Grundsatz, der Gott dazu veranlasst hatte, den Sabbat überhaupt einzuführen.
Ich habe dann zwei Dinge nicht verstanden: Erstens den grundsätzlichen Wert von Barmherzigkeit und zweitens den Sinn des Sabbats.
Persönliche Reflexion und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir überlegen, in welchen Situationen du dazu neigst, andere Menschen zu verurteilen, obwohl du ihnen besser helfen solltest.
Ist das alles für heute? Ich weiß nicht, ob dein Englisch so gut ist, dass du geistliche Literatur auf Englisch lesen kannst. Falls nicht, mein Tipp: Fang an, englische Kinderbücher zu lesen.
Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
