Serie•Teil 8 / 12Connecting Heaven
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Die Frage nach ernsthaftem Gebet
Es geht um das Thema Gebet, und dabei geht es nicht mehr um die Inhalte, sondern um die Frage: Wie sieht eigentlich ernsthaftes Gebet aus?
Schaut man sich das Gebet der Pharisäer an, dann sind die Pharisäer diejenigen, die viel beten, deren Motivation aber falsch war. Das heißt, sie haben Gebet oder Frömmigkeit um des Machens willen gemacht, um gesehen zu werden, damit andere Leute etwas davon mitbekommen, wie fromm sie sind. Und diese Art von Frömmigkeit ist in Gottes Augen einfach gar nichts wert.
Ich habe den Eindruck, dass wir in deutschen Gemeinden das umgekehrte Problem haben. Wir haben oft die richtige Motivation. Wir wissen, dass Frömmigkeit aus einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus herauskommen soll. Aber wir kriegen oft den Mund nicht auf. Und deswegen war es mir wichtig, letztes Mal schon über das Thema ernsthaftes Gebet zu sprechen und zu zeigen, dass wirklich ernsthaftes Gebet beides ist: Auf der einen Seite Ausdruck einer Beziehung, und auf der anderen Seite muss ich auch wirklich etwas sagen. Ich muss auch etwas machen. Ich muss diese Beziehung nicht einfach nur im Herzen haben, sondern ich muss ihr auch Raum geben in meinem Leben. Und ich muss sie auch in meinem Leben durch das, was ich sage und wie ich es sage, unterstreichen.
Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es gibt nicht unendlich viele Möglichkeiten, wie man ernsthaft beten kann. Eine Möglichkeit ist, dass man häufig für eine Sache betet, immer wieder. Eine andere Möglichkeit, die wir letzte Woche betrachtet haben, ist das Gelübde. Ich gehe zu Gott und sage: Das ist mir so wichtig, dass ich bereit bin, mein Leben darin zu investieren. Wenn du mir dieses Gebet erfüllst, dann möchte ich dir dafür gerne etwas anderes schenken, was mir eigentlich wertvoll ist: Zeit, Geld, irgendein Talent, mit dem ich mich einbringe.
Und heute möchte ich über das Thema Fasten sprechen, über Fasten als einen Ausdruck von ernsthaftem Gebet.
Ein Blick auf Gebet als geistlichen Kampf
Und bevor wir das tun, eine Frage vorweg: Vielleicht habt ihr euch die ganze Zeit schon gefragt, warum soll ich überhaupt ernsthaft beten? Warum reicht eigentlich normales Gebet nicht aus? „Ich sage Gott, was ich will, na ja, und dann gibt er es mir halt nicht, und Ende.“ Warum diese Betonung auf ernsthaftes Gebet?
Und ich glaube, dass wir die Antwort nur dann finden können, wenn wir einen radikal anderen Blick, eine ganz radikal andere Perspektive, einnehmen zum Thema Gebet. Und ich möchte versuchen, diese Perspektive mit euch heute kurz anzureißen.
Ich wünsche mir, dass wir im Buch Daniel starten, Daniel 10, Altes Testament, Daniel 10. Daniel 10, ab Vers 2.
Da begegnen wir zuerst einmal dem Propheten Daniel. In jenen Tagen trauerte ich, Daniel, drei volle Wochen. Köstliche Speise aß ich nicht, und weder Fleisch noch Wein kam in meinen Mund. Und ich salbte mich nicht, bis drei volle Wochen um waren. Daniel fastet.
Und dann begegnet ihm ein Engel, in Vers 4: Und am vierundzwanzigsten Tag des ersten Monats, da ich am Ufer des großen Stromes, das ist der Hiddekel, war, erhob ich meine Augen und sah. Und siehe, da war ein Mann in Leinen gekleidet, und seine Hüften waren umgürtet mit Gold von Uphas. Und sein Leib war wie ein Türkis, und sein Gesicht wie das Aussehen eines Blitzes, und seine Augen waren wie Feuerfackeln, und seine Arme und seine Füße wie der Anblick von glatter Bronze. Und der Klang seiner Worte war wie der Klang einer Volksmenge.
Aber nur ich, Daniel, allein, sah die Erscheinung. Die Männer, die bei mir waren, sahen die Erscheinung nicht. Doch fiel eine große Angst auf sie, und sie flohen und versteckten sich. Und ich blieb allein übrig und sah diese große Erscheinung. Und es blieb keine Kraft in mir, und meine Gesichtsfarbe veränderte sich an mir bis zur Entstellung, und ich behielt keine Kraft. Und ich hörte den Klang seiner Worte. Und als ich den Klang seiner Worte hörte, lag ich betäubt auf meinem Gesicht, mit dem Gesicht zur Erde.
Und siehe, eine Hand rührte mich an und rüttelte mich auf, sodass ich wieder auf meine Knie und Handflächen kam. Und er sprach zu mir: Daniel, du viel geliebter Mann, achte auf die Worte, die ich zu dir rede, und steh an deinem Platz; denn ich bin jetzt zu dir gesandt. Und als er diese Worte mit mir redete, stand ich zitternd auf.
Daniel 10, die Verse 2 bis 11.
Und wir merken: Es ist nicht immer eine Freude, einem Engel zu begegnen. Wenn wir Vers 12 lesen, dann heißt es da: Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel, denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden, und um deiner Worte willen bin ich gekommen.
Überlegt euch, was hier steht: Drei Wochen lang betet und fastet Daniel, und er erlebt eigentlich, dass nichts passiert. Es passiert nichts. Er betet und fastet, irgendwie nichts. Und nach drei Wochen kommt dieser Engel, und er sagt ihm: Vom ersten Tag an sind deine Worte erhört worden.
Auf der einen Seite die Erfahrung: Es passiert nichts. Und dann der Engel, der sagt: Hey, du hast angefangen zu beten, und klar, das, was du gebetet hast, ist erhört worden.
Und jetzt stellt sich ja echt die Frage: Warum dann drei Wochen? Ich meine, da ist die Deutsche Post schneller. Warum brauchst du drei Wochen? Entschuldigung, du bist so mächtig und stark und gewaltig, und dann drei Wochen? Was hat da die Auslieferung verzögert?
Und die Antwort findet sich in Vers 13. Da sagt der Engel: Um deiner Worte willen bin ich gekommen, Vers 12. Vers 13: Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir einundzwanzig Tage entgegen. Und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam, um mir zu helfen. Hier ist immer von Engelfürsten die Rede. Und ich wurde dort in diesem Kampf entbehrlich bei den Königen von Persien. Und ich bin gekommen, um dich verstehen zu lassen, was deinem Volk am Ende der Tage widerfahren wird. Denn noch gilt das Gesicht für ferne Tage.
Gebet im Horizont des unsichtbaren Konflikts
Der Engel macht sich auf den Weg, um Daniel etwas mitzuteilen über das, was Daniel interessiert, über das Volk Israel. Aber er kann nicht früher kommen; ein himmlischer Konflikt hält ihn auf. Und das Interessante ist: Auf der Erde betet der Israelit Daniel dafür, dass er von Gott Antwort bekommt auf seine Fragen. Und im Himmel macht sich ein Engelfürst, Michael, wenn wir ein bisschen weiter lesen, in Vers 21, dann steht er in einer ganz engen Beziehung zum Volk Israel. Es ist quasi der für das Volk Israel zuständige Engelfürst. Der macht sich irgendwie auf den Weg und unterstützt jetzt in diesem Konflikt den Engel, der Daniel die Botschaft bringen soll. Und so wird dieser Engel für eine kurze Zeit entbehrlich und kann sich mit Daniel unterhalten, kann Daniel verstehen lassen, was dem Volk Israel am Ende der Tage widerfahren wird.
Gebet als mein Eintreten in einen himmlischen Konflikt – ist das unser Blick? Es läuft ein gigantischer kosmischer Konflikt ab, und mein Gebet tritt da irgendwie mit hinein.
Gut, für alle, die sagen: Altes Testament, komische Geschichte, Neues Testament, Epheserbrief, Kapitel sechs, ähnlicher Gedanke. Da heißt es im Epheserbrief, Kapitel sechs, ab Vers elf, Epheser 6, ab Vers 11: Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt. Begründung: Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister der Bosheit in der Himmelswelt. Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag, das ist der Tag der Versuchung, widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen könnt.
Und was danach kommt, ist die Waffenrüstung, wo Paulus sagt: Es gibt Dinge im Leben eines Christen, die helfen ihm, in diesem Konflikt zu bestehen. Und dann folgt Vers 18, wo er ein Stück weitergeht und sagt: Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist. Und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen und auch für mich, damit mir Rede verliehen werde, wenn ich den Mund auftue, mit Freimütigkeit das Geheimnis des Evangeliums bekannt zu machen, damit ich in ihm freimütig rede, wie ich reden soll.
Für Paulus ist das ganz klar. Er bittet hier darum, dass die anderen beten, weil Gebet Teil dieses Kampfes ist. Es ist Teil einer Auseinandersetzung. Es gibt diese direkte Auseinandersetzung, wo ich versucht werde, eine Auseinandersetzung, wo ich die geistliche Waffenrüstung brauche, wo es darum geht, die Wahrheit festzuhalten, Mut festzuhalten zum Evangelisieren, den Glauben nicht aufzugeben, das Wort Gottes nicht loszulassen, mein Verständnis von der Rettung nicht zu verlieren. Und dann gibt es so etwas wie einen größeren Konflikt, wo der Konflikt auf andere übergreift. Und Paulus sagt: Ich möchte, dass ihr da auch eintretet, ich möchte, dass ihr betet, dass ihr an dieser Stelle fleht.
Warum Gebet mehr ist als ein frommes Ritual
Also, warum soll ich beten? Die Antwort geht etwa so: Gebet ist Teil unseres Kampfes gegen das Böse. Es gibt einen himmlischen, einen ewigen Kampf des Guten gegen das Böse. Und wir treten in diesen Kampf ein in dem Moment, in dem wir beten. Und da, wo wir ernsthaft beten, verschaffen wir dem Guten einen Durchbruch.
Lasches Gebet ist einfach Gebet, das der guten Seite wenig nützt. Ernsthaftes Gebet dagegen ist ein Gebet mit Durchschlagskraft. Also, noch einmal: Für Paulus ist das völlig klar. Es macht einen Unterschied, ob er zu den Ephesern sagt, dass sie nicht für ihn beten müssen, oder ob er sagt: Betet mal. Oder ob er, wie er es hier tut, sagt: Hey, mit Gebet und Flehen, ich bitte euch, stellt euch auf meine Seite. Hört nicht auf, für mich zu beten.
Wer sagt denn nicht: Wisst ihr, ich bin Apostel, ich bin jetzt hier ein paar Jahrzehnte im Dienst, ich habe so viel Erfahrung gesammelt, ey, ich bin zwar jetzt hier im Gefängnis, aber das habe ich auch schon ein paar Mal hinter mir. Da schlage ich mein Handbuch für Aufenthalte im Gefängnis auf, ja, habe da meine Tipps. Von früher habe ich mir alles gemerkt, und alles kein Thema. Nein, sondern Paulus weiß: Wenn ihr betet und fleht, dann werde ich es schaffen. Dann werde ich freimütig sein. Dann werde ich die Gelegenheiten ergreifen. Dann werden Türen aufgehen für das Evangelium. Dann wird hier, obwohl ich im Gefängnis sitze, für Gott etwas passieren.
Also: Die Ernsthaftigkeit unseres Gebets macht, weil es eine reale Größe ist in diesem großen Konflikt des Guten gegen das Böse, wirklich einen Unterschied. Es steht etwas auf dem Spiel, und zwar Seelen.
Und jetzt ist die Frage: Haben wir diesen Blick? Wenn ich bete, ist es dann einfach nur so, dass ich sage: Ich habe hier ein paar Bitten, die muss ich halt jetzt mal Gott nennen? Oder verstehe ich Gebet als: Ich falte meine Hände, und in dem Moment, wo ich meine Hände falte und anfange, bewege ich die Himmelswelt? Und in diesem Moment, weil die himmlische Welt und diese sichtbare Welt sich berühren, falte ich meine Hände, ich bewege in der Himmelswelt etwas und darüber hier auf der Erde.
Habe ich das verstanden, dass Gebet nicht einfach nur darin besteht, Bitten abzugeben, sondern sich auf die Seite des Guten zu stellen, teilzunehmen an diesem Konflikt, mich einzureihen und im Gebet wirklich zu kämpfen?
Und deswegen geht es nicht nur darum, zu beten und zu sagen: Na ja, wenn ich halt nicht bete, dann kriege ich halt, was weiß ich, ein bisschen weniger, dann brauche ich ein bisschen länger für meine Hausaufgaben, dann ist es vielleicht im Job ein bisschen weniger easy. Sondern in dem Moment, wo wir nicht beten, haben wir überhaupt nicht verstanden, was Gebet eigentlich ist.
Gottes Wissen und menschliche Entscheidung
Eine zweite Frage, die gerne kommt, ist: Jürgen, warum soll ich eigentlich beten? Gott weiß doch schon vorher, was passieren wird. Ist Gebet nicht eigentlich Blödsinn?
Und die Antwort ist gar nicht so leicht, weil klar: Ich glaube auch, dass Gott die Zukunft kennt. Ich glaube das ganz ernst. Gott kennt die Zukunft. Das macht ihn ja sogar besonders.
Im Alten Testament sagt Gott mal, etwas frei von mir übersetzt: Wenn du den Unterschied zwischen einem echten und einem falschen Gott erkennen willst, dann schau dir die Prophezeiungen an. Der, der die Wahrheit wirklich vorhersagen kann, der ist es. Und deswegen nehmen wir ja auch die Prophezeiungen in der Bibel, um zu zeigen, dass die Bibel ein ganz besonderes Buch ist. Ein Buch, das wirklich einen himmlischen Ursprung hat. Anders als alle anderen Bücher.
Also: Gott kennt die Zukunft. Warum soll ich beten, wenn Gott die Zukunft schon kennt?
Und die Antwort geht so und hört sich ein bisschen kompliziert an. Entschuldigung für die komplizierte Formulierung, aber Gott kennt die Zukunft. Er weiß, was passiert, ohne dass sein Vorherwissen unsere Entscheidungsfreiheit einengt. Also: Gott weiß, was kommt, aber er weiß es auf eine Weise, dass das, was dann passiert, uns nicht davon entbindet, wirkliche Entscheidungen zu treffen.
Ich möchte das an einem Beispiel erklären.
Ich weiß nicht, was ihr heute gefrühstückt habt. Bei mir ist Frühstücken am Sonntagmorgen immer so eine heikle Sache. Ich habe immer ziemlich viel zu tun. Meist geht es nicht über: Heute waren es sechs Domino-Steine und ein Pott Kaffee. Also, ich frühstücke sechs Domino-Steine und einen Pott Kaffee.
Ich weiß, dass ich das gefrühstückt habe. War meine Entscheidung, war ich da unabhängig in der Entscheidung? Ja, es war eine bewusste Entscheidung. Ich hätte genauso gut, mein Kühlschrank ist voll, ein Stück Brot essen können mit einer Scheibe Salami drauf. Ich hätte auch schauen können, ob von der Lasagne von Freitag noch was über ist. Ich glaube, da war noch was. Du hast nicht alles aufgegessen.
Also, ich hätte heute Morgen alles frühstücken können. Ich war in einem gewissen Rahmen frei. Ja, in dem Rahmen hat mein Kühlschrank etwas abgesteckt, aber in diesem Rahmen war ich frei. Ich habe mich entschieden, sechs Domino-Steine und einen Pott Kaffee zum Frühstück zu nehmen.
Jetzt überlegt mal: Ich weiß im Rückblick, was ich gefrühstückt habe, und war doch heute Morgen frei in meiner Entscheidung, zu frühstücken, was ich will. Das heißt, als Menschen können wir rückblickend etwas wissen, ohne dass unser Wissen die Entscheidung selber begrenzt.
Und bei Gott funktioniert das Gleiche nicht nur in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. Er weiß, was kommt. Er weiß, ob du morgen früh beten wirst oder nicht. Aber sein Wissen ist ein Wissen, das deine Entscheidungsfreiheit kein Stück einengt. Gott weiß, was du tun wirst. Aber du wirst dich im Rahmen deiner Möglichkeiten frei dazu entscheiden.
Fasten als Ausdruck innerer Ernsthaftigkeit
Und deswegen ist Gebet wichtig. Ernsthaftes Beten ist noch wichtiger, und zu einem ernsthaften Beten gehört Fasten.
So, Fasten. Es gibt in der ganzen Bibel kein Gebot zu fasten. Es steht nie irgendwo: Du sollst fasten! Das ist ganz merkwürdig, das findet man nicht. Was man findet, sind haufenweise Gläubige, die fasten.
Also, ich habe mal ein paar rausgeschrieben: Mose tut es, David tut es, Ezra tut es, Nehemia tut es, Esther tut es, Daniel tut es. Im Neuen Testament tut es Hanna, Johannes der Täufer und auch seine Jünger, Jesus, Paulus. Und ich könnte jetzt die Spur weiterziehen durch die ganze Kirchengeschichte hindurch. Ständig treffen wir auf Leute, die wie ganz selbstverständlich fasten.
Also wieder: auf der einen Seite kein Gebot und auf der anderen Seite diese Regel. Ich habe euch etwas mitgebracht, es steht auch in den Notizen: Es gibt ein sehr frühes christliches Dokument, die Lehre der zwölf Apostel, auch die Didache genannt. Das ist eine Beschreibung der Glaubenspraxis der ersten Christen. Bitte, das ist nicht die Bibel. Und da heißt es in Kapitel 8, Vers 1 ganz selbstverständlich: Seht zu, dass man eure Fastenzeiten nicht mit denen der Scheinheiligen verwechseln kann, denn die fasten montags und donnerstags; ihr aber sollt mittwochs und freitags fasten.
Bitte schön. Ich will jetzt nicht sagen, wir sollen mittwochs und freitags fasten, aber das ist die Glaubenspraxis der ersten Christen gewesen. Da gibt es Leute, es waren wahrscheinlich die Pharisäer, die haben montags und donnerstags gefastet. Und dann sagt man: Passt auf, dass das an der Stelle jetzt nicht verwechselt werden kann, dass man euch nicht mit denen in einen Topf wirft. Aber Fasten ist natürlich schon gut, und von daher machen wir es einfach so: genehm andere Tage.
Also, es gibt kein Gebot, aber es gibt diese Praxis. Und es gibt in der Bergpredigt, wollen wir das mal gemeinsam lesen, Matthäus 6, einen Text. Da heißt es: Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Gesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Wenn ihr aber fastet. Dieses Wörtchen wenn bedeutet so viel wie immer dann, wenn. Das heißt, Jesus geht wie selbstverständlich davon aus, dass seine Jünger, seine Nachfolger, fasten werden. Und er gibt sogar Anweisungen, wie man das richtig macht, nämlich so, dass man es nicht groß mitbekommt.
Wann Fasten in der Bibel vorkommt
Dass nicht jeder sagt: „Na, du müffelst ja ganz schön.“ Ja, ich bin jetzt gerade beim Fasten. Weißt du, da isst man nichts, und wenn man das eine Weile macht, dann fängt man halt an zu stinken. Sagt: Nee, komm, nimm ein bisschen Parfüm, wasch dich ordentlich. Braucht keiner mitzukriegen. Dein Vater im Himmel sieht ja schon, was du da tust.
Kein Gebot, und Jesus gibt Anweisung, rechnet damit, dass die Jünger fasten werden. Und deswegen dachte ich mir, es ist vielleicht gut, wenn wir in der Bibel mal nachschauen, wann Leute eigentlich fasten.
Und das werdet ihr jetzt tun. Ihr habt jetzt bis um zehn vor Zeit, die Textstellen nachzuschlagen, die in den Predigtnotizen sind. Wer noch keine Predigtnotizen hat: Hier vorne liegen noch welche. Bibeln gibt es im Moment nicht, Bärbel gibt eine Bibel raus. Macht bitte Zweiergruppen, das ist ganz gut. Einer schreibt, einer schaut nach. Und fangt entweder von oben oder von unten an, lest das durch. Mir geht es nur um die Frage: Wann fasten Menschen in der Bibel?
Gehen wir die Stellen gerade mal durch.
Die erste Stelle zeigt uns, dass Fasten in der Bibel oft etwas mit Traurigkeit zu tun hat. Da erkrankt das erste Kind von David mit Batseba schwer, und David fastet. 2. Samuel 12,16: Und David suchte Gott um des Jungen willen, und David fastete lange.
Genau genommen fängt er erst da wieder an mit Essen, wo die Bemühungen um die Rettung des Jungen fehlgeschlagen sind, das Kind tot ist, so wie angekündigt tatsächlich gestorben war. Und ich denke, wir verstehen das fast noch am leichtesten: Fasten ist Ausdruck von tiefer Trauer. Wenn ein Kind stirbt oder ein geliebter Ehemann, dann vergeht einem förmlich der Hunger. Wenn man Angst hat, traurig ist, dann verzichtet man schon fast normal, ohne dass man groß überlegen muss, auf Essen. Fasten passt zu Traurigkeit.
Fasten passt, ein bisschen breiter gefasst, zu Zeiten großer Angst. Der König Joschafat hört von dem Angriff der Moabiter und der Ammoniter. 2. Chronik 20,3: Da fürchtete sich Joschafat und richtete sein Angesicht darauf, den Herrn zu suchen, und er rief ein Fasten aus in ganz Juda.
Das haben wir ja auch schon an anderer Stelle gesehen: Esther, die dabei ist, unter Lebensgefahr dem persischen König zu begegnen, fastet, bevor sie da reingeht, zusammen mit ihren Dienerinnen. Eine andere Stelle zum Nachlesen zuhause: Esra 8. Esra, der diese gefahrvolle Heimreise aus der Verschleppung zurück nach Israel antritt, eine Reise von, ich denke mal, wenigstens tausend Kilometern, wo man nicht weiß, was einem so auf dem Weg begegnet, stellt sich die Frage: Soll ich den König darum bitten, dass er mir so eine Art Leibwache mitgibt, eine Eskorte links und rechts? Nein, das machen wir nicht. Jetzt haben wir den König gebeten, dass er uns hier ziehen lässt, und jetzt vertrauen wir auf Gott. Aber wenn wir schon auf Gott vertrauen, dann sollten wir das richtig tun. Und dann fängt er an zu fasten.
Fasten gehört zu Zeiten großer Angst.
Fasten, Umkehr und geistliche Leitung
Im Buch Jona lesen wir, ich will das mal vorlesen, Jona 3,5-10, dass Fasten auch zur echten Buße dazugehört. Kennt ihr die Geschichte? Da kommt der Prophet Jona eher lustlos nach Ninive, gezwungenermaßen. Nicht als der glühende Verkündiger, der unbedingt dieses Volk erreichen will, sondern eher als einer, der durch die Straßen geht und sagt: Bekehrt euch, bekehrt euch, bekehrt euch jetzt endlich!
Und man weiß eigentlich gar nicht, warum die Leute überhaupt darauf reagieren. Ich denke, dass Jona wirklich Dienst nach Vorschrift gemacht hat, nach dem Motto: Gott wird mir danach nicht vorwerfen können, dass ich nichts gesagt habe. Bekehrt euch. Und die Reaktion ist trotzdem umwerfend.
Jona 3,5:
Da glaubten die Leute von Ninive an Gott, und sie riefen ein Fasten aus und kleideten sich in Sacktuch, von ihrem Größten bis zu ihrem Kleinsten.
Und das Wort erreichte den König von Ninive, und er stand von seinem Thron auf, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in Sacktuch und setzte sich in den Staub. Und er ließ in Ninive auf Befehl des Königs und seiner Großen ausrufen und sagen: Menschen und Vieh, Rinder und Schafe, sollen gar nichts zu sich nehmen, sollen nicht weiden und kein Wasser trinken. Und Menschen und Vieh sollen mit Sacktuch bedeckt sein und sollen mit aller Kraft zu Gott rufen. Und sie sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg, von der Gewalttat, die an seinen Händen ist. Wer weiß, vielleicht wendet sich Gott und lässt es sich gereuen, und er kehrt um von dem Glut seines Zorns, sodass wir nicht umkommen.
Also: Fasten passt sehr gut auch zu echter Buße.
Dann Daniel. Daniel fastet, während er Fürbitte für sein Volk tut. Er liest in Daniel 9,2 in dem Buch Jeremia, und dann folgt ab Daniel 9,3 ein Fürbittgebet, ein Bekenntnis der Schuld des Volkes. Er endet dann damit, dass er Gott bittet, dieses Volk doch nicht zu verwerfen. Und das Ganze ist eingebettet in diese tiefe Betroffenheit über den Zustand des Volkes, die Betroffenheit über die Sünde meiner Geschwister und die damit verbundene Fürbitte im Fasten.
Ein letzter Punkt aus der Apostelgeschichte: Da geht es darum, geistliche Entscheidungen zu treffen, Aufgaben zu verteilen, da geht es darum, den Willen Gottes exakt zu verstehen, zu begreifen, was will Gott jetzt wirklich für mein Leben? Dann heißt es in Apostelgeschichte 13,2 von den Propheten und Lehrern in der Gemeinde in Antiochia: Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.
Da fasteten und beteten sie, und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie. Ein anscheinend völlig normales Ding, dass man fastet und dem Herrn dient.
Fasten als ernsthafte geistliche Praxis
Für Paulus ist das Fasten im Dienst so normal, dass er im zweiten Korintherbrief, als er sich gegen Vorwürfe zur Wehr setzt, erklären muss, warum er ein guter Apostel ist. Da hat er Leute, die ihn diskreditieren wollen. Da sagt er in 2. Korinther 6,3: „Wir, die echten Apostel, geben in keiner Sache irgendeinen Anstoß, damit der Dienst nicht verlästert werde, sondern in allem empfehlen wir uns als Diener Gottes.“ Dann folgt eine Liste, was einen Diener Gottes ausmacht. Und da steht mittendrin in Vers 4: Fasten. Ein Diener Gottes fastet.
Paulus argumentiert hier so, dass er sagt: Wenn ich das nicht tun würde, könntet ihr zu Recht infrage stellen, ob ich wirklich ein Diener Gottes bin.
Zurück zu der Frage: Warum gibt es kein Fastengebot, aber Jesus geht doch irgendwie selbstverständlich davon aus, dass seine Leute fasten? Die Antwort ist einfach: Wenn das Fasten in der Bibel mit Zeiten der Traurigkeit, der Angst, der Buße, der Fürbitte und des geistlichen Dienstes einhergeht, dann deshalb, weil es äußerlich eine innere Haltung der Ernsthaftigkeit unterstreicht. Ich unterstreiche äußerlich durch den Verzicht, was in meinem Herzen drin ist.
Fasten allein hat keinen Wert. Aber in dem Moment, wo es zum Begleiter geistlicher Aktivitäten wird, gewinnt es an Wert, weil es Ausdruck der Ernsthaftigkeit ist, mit der ich an die Sache herangehe. Und deswegen kann Jesus in Matthäus 6,18 auch sagen, dass der Vater ein solches Fasten vergelten, also positiv belohnen wird. Gott sieht das, wenn wir das tun.
Im Mystizismus, dort, wo man ekstatische Visionen und Erfahrungen sucht, ist das Fasten gerne ein Ausgangspunkt, um solche Erfahrungen zu machen. Man fastet so lange, bis man irgendetwas sieht, bis einem irgendetwas begegnet. Das kennen wir in der Bibel nicht. In der Bibel ist Fasten immer mit Gebet verbunden. Es geht darum, dass der, der mit Gott redet, ein intensives Gebet durch Fasten unterstreicht. Fast möchte man sagen: Fasten ist die logische Folge dieses intensiven Ringens mit Gott.
Und es ist niemals einfach nur eine Zeremonie oder ein Ritual. Es ist auf keinen Fall so etwas wie eine Bußübung oder ein Verdienst. Auf keinen Fall.
Persönliche Konsequenz und Einladung
Und trotzdem ist Fasten etwas. Und ich möchte uns für das Fasten gewinnen. Mir ist dabei aufgefallen: Wenn ich das so sage, dann muss ich erst einmal mich selbst gewinnen.
Das ist blöd, ja. Man bereitet eine Predigt vor und denkt sich: Hm, letztes Jahr hast du eigentlich noch mehr gefastet. Wann hast du denn dieses Jahr gefastet? Und dann geht man mit seinem Denken durch und merkt: Hm, so gut wie gar nicht.
Das ist eine blöde Erfahrung, ja. Man predigt etwas und sagt: So, jetzt wollen wir doch mal fasten. Und stellt dann fest, dass man selbst gar nicht mehr fastet.
Dann dachte ich mir: Okay, an dieser Stelle muss ich mich bei euch als Gemeinde entschuldigen. Da bin ich tatsächlich ein schlechtes Vorbild geworden. Ich weiß nicht warum, es ist mir einfach durchgerutscht. Tut mir wirklich leid. Es ist einfach so. Ich bekenne euch das, bitte vergebt mir dafür. Und ich habe mir selbst gesagt: Okay, aber ich soll auch wieder anders werden.
Also möchte ich als Leiter an dieser Stelle gerne wieder Vorbild sein. Wieder Vorbild sein, sodass man sagen kann: Ja, Jürgen fastet.
Und deswegen: Wir haben es beim Beten gemerkt. Man betet leichter, wenn man einen Gebetspartner hat. Wenn jemand mein Fastenpartner werden möchte, spricht mich nach dem Gottesdienst an. Ich würde mich freuen. Es wird einfach leichter.
Ich möchte wieder das, was ich eben gepredigt habe, auch selbst in meinem Leben tun.
Wenn das Herz erst später folgt
Letzte Frage, damit machen wir dann Schluss. Soll ich auch dann ernsthaft beten, womöglich fasten, wenn ich diese Dringlichkeit in mir drin gar nicht verspüre?
Ich habe schon so ein Verständnis davon. Ich weiss prinzipiell, dass die Menschen verloren sind. Und wenn ich vielleicht U-Bahn fahre und dann so eine ordentliche Portion kaputter Typen mal so auf einem Block vor mir habe, dann denke ich auch: Boah, ist das eine kaputte Welt. Aber zum Grossen und Ganzen, so die wirkliche Dringlichkeit, für diese Welt zu beten, Entschuldigung, das spüre ich nicht.
Soll ich auch dann ernsthaft beten und fasten, wenn ich es gar nicht spüre, die Dringlichkeit, die Betroffenheit?
Und die Antwort ist ganz, ganz einfach. Die Antwort lautet, und sie gilt immer dann, eigentlich für alles, was mit Gefühlen zu tun hat: Wenn du dein Tun abhängig machst von deinen Gefühlen, wirst du in deinem Leben Schiffbruch erleiden. Ganz einfach.
Wenn du dein Tun abhängig machst von deinen Gefühlen, wenn du nur das tust, wonach du Lust hast, worauf du Lust hast, wonach dir ist, wenn du darauf wartest, dass die Gefühle am Anfang stehen, dann wirst du in deinem Leben Schiffbruch erleiden.
Es gibt eine generelle Regel im Leben, und die lautet: Mein Gefühl folgt meinem Verhalten. Das gilt immer und überall. Mein Gefühl folgt meinem Verhalten.
Erst treffe ich in meinem Kopf eine Entscheidung. Und deswegen ist Betroffenheit nicht zuerst eine Sache des Gefühls, sondern eine Sache des Verstandes. Ich bin betroffen, weil ich weiss, dass es wirklich schlimm um diese Welt steht, weil wirklich Menschen verloren gehen, weil das Evangelium von Jesus Christus von 99 Prozent der Spandauer nicht verstanden ist, überhaupt nicht verstanden ist.
Deswegen bin ich betroffen. Ich bin das erst mal im Kopf. Und dann fange ich an, ernsthaft zu beten. Und ich verspreche dir: Wenn du das tust, dann wird das Gefühl der Betroffenheit irgendwann hinterherkommen.
Das ist übrigens auch ein Tipp an alle Ehemänner. Wenn du mal morgens aufwachst und den Eindruck hast, dass die Frau neben dir nicht mehr dein Herz so richtig zum Bubbern bringt, das kann passieren, dann sag ihr was Liebes, koch ihr einen Kaffee, gib ihr einen netten Kuss, mach was, liebe sie in der Tat, und ich verspreche dir, dass das Gefühl wieder hinterherkommt.
Es ist eine generelle Regel: Wir lieben in der Tat, wir fühlen danach die Liebe. Wir tun etwas, weil wir verstandesmässig begriffen haben, dass wir etwas tun müssen, und das Gefühl kommt hinterher.
Und so ist das auch mit der Ernsthaftigkeit. Erst kommt das ernsthafte Gebet in der Tat, und dann kommt in unserem Herzen langsam, aber stetig eine tiefe Betroffenheit.
Und wisst ihr, was dann passiert? Und das kann ich euch auch versprechen: Wenn diese Betroffenheit kommt, werdet ihr mehr beten wollen, ganz automatisch. Weil ihr merkt: Ich kann jetzt einfach nicht mehr nur so 08/15 beten, ich muss mehr beten, ich habe mehr Leute auf dem Herzen, ich habe mehr ernste Anliegen.
Und es wird eine Spirale, eine geistliche Spirale ausgelöst, die euch immer mehr ins Gebet und in die Abhängigkeit und in die Betroffenheit hineinzieht.
Bis dahin!
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